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Follow the Nightingale

von Hato-Chan
GeschichteDrama, Suspense / P18 / Gen
Hannibal Lecter Jack Crawford OC (Own Character) Paul Krendler Will Graham
12.09.2015
14.02.2016
3
10.882
1
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14.02.2016 2.088
 
Wahrlich, ich lebe noch.
Und es freut mich sehr, dass meine Leser in der so langen Wartezeit nicht abgesprungen sind, sondern blieben! Danke sehr für eure liebe Treue!
Zudem muss ich mich entschuldigen, dass so eine riesige Diskrepanz entstanden ist, aber ich habe die Geschichte hier nochmals sehr aufgefrischt. Ich hoffe, dass ich das im Laufe der Zeit auch gemessen zur Schrift bringen kann. Mir waren die Charaktere nämlich in ihren Verbindungen sehr wichtig und das letzte Fragment hat mir nicht gefallen (deshalb hat die Geschichte jetzt auch einen anderen Namen).
Das Kapitel hier wird wieder recht kryptisch und Kurz sein, aber es ist mir sehr bedeutend auf symbolischer und beschreibender Ebene. Es wird wahrscheinlich mit dem Nächsten seiner Beschriftung verschmelzen; daweil sie einfach zusammengehören. Ich nehme an, dass das nächste Kapitel ein kleiner Prolog sein wird.
Apropos: Heavy in your Arms habe ich auch nicht vergessen; im Gegenteil. Da werden auch noch Kapitel kommen.
Jedenfalls bin ich genug von der Muse geküsst worden ^^. Ich habe mir vorgenommen, die Geschichte öfters zu updaten.

Dann wünsche ich euch jetzt viel Spaß beim Lesen und: habt bitte Geduld und Nachsicht '^^.



~3~


Niemals. Niemals hatte ich vor ihr Ruhe!
Die langen, fast dürren Finger glitten in einer mir beinahe unbekannten Schnelligkeit über die weiß glänzend polierten, das milchige, gebrochene Licht des gläsernen Kronleuchters direkt über dem rot schimmernden Haar reflektierenden Tasten, welche sich nur unter dem aufgebrachten Gewicht der flinken Schläge zarter Fingerspitzen bis zum harten Anschlag krümmten; unbeholfen diesem Tempo nachgaben mussten. Das leichte Gewicht meines in der Wirbelsäule gerade und grazil gebogenen Körpers hatte ich straff in der weiten Aura meiner Balance gehalten, welche wohl nicht weiter als der kleine, mit schwarzen Satin überzogenen Ebenholz-Stuhl nachgebenden Stoffs reichen sollte, wenn die ausgestreckten Arme rasch die hohen Töne erreichen mussten; elegant und mit satter Fülle; bedacht, aber in vorbei rasender Eile.
Wer würde mir denn schon überhaupt zu hören wollen? Wenn nicht sogar meinen Worten, die ich wohl oder übel sprechen muss?
Es erwies sich als ein holzig sanfter Odeur; ein weicher Duft aus uraltem, flammierten Holz gebrochen und wie blasser Rauch aufsteigend in die vollkommen überhitzte Luft um die mein herum schwirrend; hinauf nach oben sich an die generös beige vertäfelte, flache Decke anschmiegend. Immer in einer verwühlten, scharf gerührten Brise, die sich garve und leicht verschwimmend aus den fließenden, schnellen Bewegungen meiner zogen. Jede einzelne Pore auf der blass gestrichenen Haut hatte sich im zehrenden Zuge permanenter Rührung weit geöffnet; brachte mir schon den ersten perlend klammen Schweiß unter dem hellroten Haaransatz, der meine dunkleren Locken aufgewühlter Fasson in ihren dick gewobenen Strähnen etwas zusammen kittete. Den vitalen Glanz vielleicht etwas in dem mild fließenden Licht von jenen nahm.
Immer und immer weiter trieben sich die fragilen Finger in hoch genommenen Schlägen über jegliche Tasten verschiedenster Töne, welche sich liquid verschwimmend gleich einem silbernenen, lauen Fluss von gläsernen Klängen aus dem dunkel scheinenden Flügel ergossen; einige mit der heiß glühenden Luft in rieselnden Tropfen verrannen; sich mit dem ständigen Wind zu einer schallenden Melodie melangierten und wie süße Rinde von den samrrot vergoldeten, niedrig gebauten Wänden um die mein herum lösten. Einen wogenden See mit schlagenden Wellen aus ungehaltenen, doch in außer sinnlichen Klängen frappierten Emotionen und beholfener Geschicklichkeit in den trainierten Sehnen auf dem hölzernen, mit einem blutrot gewebten Perserteppich über den ganzen Grund gestreckt bildeten und mich mit sanften Dünungen küssten.
Auch wenn es nur noch ein Tag ohne Pause sein mag: ich will da nicht mehr hin. Überall diese gespielte Falschheit!
Durch die stark erhitzten Venen floss mit dem raschen Blut; ständig gestoßen von dem schnellem Herzen unter dem fragilen Brustkorb gebettet; die golden kristallnen Klänge meiner zusammengeschmolzenen Gedanken über die gestrafften Muskeln; veranlassten meine gepflegten Hände sich in jeder einzelnen Bewegung in einen gestreckten Winkel zu biegen, während die veranlassten Finger die unbeholfen nachgebenden Tasten fast gnadenlos zum festen Anschlag zum erklingen brachten. Jede kleinste Note hätte ich nicht in Unbeachtheit gelassen; sie mussten mir eine gewisse Präzesion aufzeigen. Scharf gestochene Präzesionen, welche umwegslos jenen in meinem inneren, feinen Gehör entsprachen; sich mit diesen zu einer kongruenten, satten Fülle verschmolzen und sich als in die schwingende Luft gravierte Melodie von Bach's Cembalo-Konzert F-Moll abblätterten. Sich um meine blutende Seele schmiegen würde; sie von all diesem oberflächlichen Stress des lang ziehenden Alltags wie silbern gegossenes Wasser reinigen würde.  Nur dazu brauchte ich mir unter der von künstlichen Licht gebleichten Haut den Kram in vehement Schwällen zu bündeln und ihn in ungezügelten Minuten die für immer mir währende Freiheit zu entlassen. In die vor unterdrückten Ehrgeiz und Wut  heiß glühende Luft,  die sich schweißtreibend auf meinem nach unten geneigten Haupt festhockte und die fuchsroten Strähnen Flammen ähnlich in den gebrochenen Strahlen scheinen lies. Eine gewellte, klamme Haarlocke fiel mir ab und zu in einer hastigen Bewegung über die flache, gleich einem dünnen transparenten Blatt Papier schimmernden Stirn und verklebte sich mit der feuchten Haut.
Wie mir die Töne nur so flossen!
Wie sie alle denken, sie wären in jeglichen Hinsichten besser als ich. Besser im Vorteil von eigenen Interessen, von ihren modänen Ausdruck, Stil und Neigungen. Wie sie sich denken, sie wären besser dran! Irgendwie intelligenter.
Die hellroten Lippen zogen sich zu einer geraden Linie, als ich diese zwischen meine Zähne klemmte; den gegen mich hart pulsierenden Druck zäh in feiner Balance auszugleichen. Scharfe Gedanken in die dunklen Gewässer der Sorge getränkt kratzten mir an dem dürr gewebten Seelen-Netz beinahe die letzten brauchbaren Strukturen heraus. Die letzten brauchbaren Strukturen, mich meiner aufgewühlten Emotionen des flammenden Zorns in einer gemessenen Aura der Kontrolle zu behalten. Einen nur großzügiger Auslass bat mir mein geliebter Flügel, der wohl nun einige Strapazen meiner lodernd entfachten Seite abfangen durfte. Aber das tat er ja fast jeden beliebigen Tag meines mit einer goldenen Schere der edelmütigen Schmerzen zerschnittenen Lebens. Betäubte mit weichen, doch gestochenen Frequenzen wie jene eines kantig geschlifffenen Diamantens meine aufschwingende Erschöpfung, welche sich aus der hier vollbrachten Mühseligkeit der belastenden Gefühle die endgültig nährende Quelle zog.
Das kantig schattierte Gesicht glühte wie in eben erzündete Gluten gebadet; das heiß pulsierende Blut sammelte sich in den hohen Wangen; verließ die bleichen Lippen, sodass sie klamm und kalt sich wieder des rasch genommenen Atems öffneten. Auf meiner trocken gewordenen Zunge zeichnete sich in umrisslosen Schatten der lockere Geschmack von süßlicher Luft mit hölzernen Odeur ab; die spitz zulaufende Nase schien vollkommen ausgetrocknet; mit jedem schnellem, doch tiefen Zug, der sich in jeder gestreckten Bewegung nach rechts weiter die rauen Lungen gegen die fragil gebauten, des körperlichen Drucks stark gerundeten Rippen presste.
Wenn meine Eltern meinen, dass ich das Stück nochmals üben sollte; gerne. Aber auf meinen eigenen Verfahren. Das Orchester wird sich sowieso wieder anpassen.
Der alte Ebenholz- Flügel schien sich selbst in den kräftig schwingenden Wellen der laut angeschlagenen Töne nicht zu rühren; nicht in seinen geschmackvoll geschnitzten Füßen auf dem glatter Fasern gebürsteten Teppichs, nicht in seinem geöffneten Deckel, der wie mit liquiden Pech überzogen hell glänzte. Nirgendswo.
Auch die aufgeschlagenen Blätter mit den schwarzen Noten vibrierten nur zaghaft an ihren rissig gelben Seiten. Davon diese fast herrliche, melancholisch aufschwingende Melodie in durchgehender Ausführung ablesen tat ich freilich nicht. Ich kannte sie in meinen auseinander gewebten Gedanken inn- und auswendig; sie hatte sich schon vor Monaten umgehend in meine zarten, doch wohl trainierten Sehnen wie eine kleine Spitze Blei eingraviert, dass sie nur noch in der aufkommendem Hitze kochend angehaltener Emotionen schmolz und mir flüssig aus den langen Fingern die einzelnen Tasten anschlagend ergoss. Ich war mir so sicher. Ich konnte es; nach meinem ganz eigenen Willen; nach meinem persönlich angebrachten Stil.
Meine schmalen Schultern waren durchgehend gestrafft, immer bereit nach rechts und links sich auf der niedrig rechteckigen Fläche des alten Stuhls auszuweichen, indes die mit schwarzen Lackschuhen schwer bedeckten Füße genaustens auf die gold matt glänzenden Pedalen unter den Tasten gerichtet waren.
Meine eigene Dynamik konnte ich hier herein bringen!
Gelegentlich genoss ich es in breiten Maßen, dem monumentale Stück meines Idols eine selbstständige Note zu verleihen. Schließlich wurde ich aus sämtlichen Richtungen strikt danach wie ein scheues Pferd gezwungen, also kostete ich diese missliche Situation dazu noch effizient aus.
Ich schlug buchstäblich in die Tasten.
Ob Doktor Lecter das wohl in Vollkommenheit ansehen würde? Schließlich ist er ja ein mehr als nur hoch geratener Ästhet; dazu ein Verständisvoller, edler Mann.
Hannibal.
Wann ich ihn wohl wieder zu Gesicht bekommen würde?
Ich hoffte zumindest doch in offenen Maßen, dass er den späten Abend nächsten Samstags nutzen würde und sich das Konzert zu seinem unbegreiflichen Gemüt ziehen wird. Schließlich war er immer anwesend; gleich einem scharfen Kritiker aus ehrenvollen Rang, der die komplette Muse in sich und seine weite Seele aufsog und mit voller Würde bewertete. Wie sehr ich mich dahin noch anstrengen musste! Das kleine Cembalo war recht andersartig dazu zu bringen, süße, wie aus flüssigen Glas gegeossene Klänge zu bringen, im puren Vergleich mit meinem geliebten Flügel, der seinem zweideutigen Namen alle Ehre machte.
Lecter beherrschte wohl ebenfalls die beiden Instrumente laut meinem eingeschränkten Ermessen. Er besaß beide in seiner generös eingerichteten Wohnung einige Querstraßen neben unserem dicht gebauten Reihenhaus.
Aber beherrschte er auch die Instrumente, die ich außer Klavier, Flügel und Cembalo zu spielen pflegte?
Er hatte im Grunde genommen meine Basis in seiner und das, was ich in meinem nieder gepressten Leben nicht erhielt. Eine gewisse Integration, Freiheit zum eigen entfalteten Willen, einen maskulinen Körper, Selbstbewusstsein- und Achtung Begehren, eine wunderschöne Partnerin und einen Geld- sicheren Beruf. Die kleinen, zerrissenen Partikel, die mir den letzten Schritt zur absoluten Perfektion versprachen.
Ich würde es trotzdem wagen, mich mit ihm auf ein Spiel einzulassen.
Das beinahe vibrierende Herz hatte sich in dem aufwogenden Gedanke an die letzten, doch herben Passagen wesentlich verschnellert; riss den hohlen Brustkorb fast aus seinen Angeln, als ich es wagte, mich in einer geschmeidigen Bewegung nach vorne über die glühenden Tasten zu beugen und mir eine makelvolle Stelle heraus zu sortieren. So schell und doch so unsauber. Schändlich; hätte ich meinen können.
Ein warmer Duft von heißem Schweiß und lauer Luft mit dem samtigen Duft von trockenem Holz gewürzt; melangiert mit dem herb Parfümierten meiner Eltern glitt mir in die spitze, kleine Nase und hockte sich in dem herzhaften Schwung aus dem schmalen Oberkörper heraus erinnernd fest.
Die eleganten Finger glühten in den Zweiundddeißigsteln wie in Gluten freier Dynamik, die ich das ganze Stück mir selbst erzeugen konnte.
Die so unentschiedlichen Frequenzen ließen mich im Mark erzittern; schwingen und von den letzten Lastern des Stress, der grausamen Nachrichten und der nahestehenden Zukunft auf Schule  in einer heißen Welle so gedämpft ausstoßend befreien.
Ich heiße Sasha. Nicht mehr Vito. Das ist mein eigener Wille!
Der satte letzte Klang!
So perfekt er doch gegen jegliche teure Garnituren schwang; mich selbst verschlingend in seiner glatt fließenden Fasson.
Auch mein verblasster Atem entschwand in einem tiefen Zug pfeiend aus meinem kalten Lippen, die ich des ganzen langen Spiels über der permanenten Anstrengung geöffnet hatte; sanft und ihre weichen Rundungen betonend.
Ich war erschöpft.
Jedoch war es eine zärtliche, Seelen umschmeichelnde, ach so beruhigende, warme Erschöpfung, die mich innerlich mehr als nur befriedigte. Ich hatte es geschafft. Makellos und Tadellos.
Die ledrig nassen Hände hatte ich auf die mit schwarzen, dichtmaschigen Stoff meiner leicht geschnittenen Hose gleich einer Stütze für mein grav wirkendes Gewicht drapiert; die Füße stets auf den oben gestellten Pedalen.
Sogleich sammelte sich warmer Speichel und zog sich wie ein klammer Film über die kühle, trockene Zunge, beruhigte die zerkratzende Ungleichheit von Kälte und glühender Hitze meines geübten Körpers. Er war so erschöpft in den dünnen Knochen geworden, dass ich selbst die wie in eine Schicht von Watte gedämpfte, hohe Stimme meiner Mutter in dem gewundenen Rahmen neben meiner nahen Rechten kaum vernahm; meine verzögerte Reaktion sich ebenfalls matt über den goldenen Raum gleich dumpfen Sonnenstrahlen ausstrahlte. Die Umwelt wieder in wässriger Sentenz um mich wieder einmal verlor; verschwamm in eigenen, dunkel getrübten Gedanken.
,,Vito!"
Mein verschmutztes Haupt neigte sich leicht; feine, doch erstickende Fäden von Ärger gegenüber meines eben noch geschworenen Namens; schlangen sich um meinen so plötzlich erschlafften Körper. Die pechschwarzen Pupillen waren unter den vor angesammelten Schweiß glänzenden Lidern geweitet des milden Lichts; suchten tastend dumpf nach ihrem lang gezogenen Schatten.
,,Es ist schon halb zwölf. Du bist doch sicher erschöpft und solltest dich noch frisch machen; besonders nach diesem Spiel!"
Ich stockte in meinen Kräfte verlassenen Muskeln kurz; fast erwacht eines matt gelegten, doch hell leuchtenden Gedankens.
Höre ich da etwa Stolz heraus?...
 
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