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Follow the Nightingale

von Hato-Chan
GeschichteDrama, Suspense / P18 / Gen
Hannibal Lecter Jack Crawford OC (Own Character) Paul Krendler Will Graham
12.09.2015
14.02.2016
3
10.882
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23.11.2015 4.183
 
Es erwies sich mir als ein regelrechter heiß-triefender Schwall der reinsten Falschheit, indes ich mit hart gespannten Sehnen zarter Haut; umschlungen und geprägt von dem wie in brennenden Fäden aller mir altbekannten Unannehmlichkeiten gespannten Zittern; jedes einzelnen  eckigen Muskels in mir; die mächtige Holztür mit einer einzigen, bebend-festen Bewegung zu schließen wusste.
Mir war die goldig schimmernde, fast in ihrer so abgerundeten, glatten Oberfläche oxidierten Klinke aus den gelenkigen Fingern gefallen; zusammen mit meiner eben noch stärkstens vorhandene Kraft in den sensiblen Knochen.
Mein kursorisches Blut war grave dieser bitteren Anspannung dicht in meine innere Körpermitte geflossen; erkühlte mit dieser klammen Leere die langen, fragil wirkenden Glieder  der mein.
Wie in jeder abendlichen, mich fest wie eine in heiße Glut gelegte Schlinge in meinen fragilen Rippen zusammenpresste, die mit scharfer Kante in meine weich gespannte Haut schnitt; fast jede einzelne, kalte Vene meines recht unvirilen Armes zu durchtrennen wusste. Jede anstrebende Spätzeit diese selben, kratzenden Schmerzen überdosiert melangiert mit meinen unterkühlten Körper zusammenschmelzenden Erschöpfung und den zerbrochenen Scherben der stetig fahrigen mit abdeckender Unbesonnenheit überspielten Tage, die diesen falschen Schein jener dunkel geprägten Gesellschaft unhinderlich in meine vor vertrübten Augenspiegeln reflektierten; grell und alle mir letzlich bleibende klare Sicht verblendend.
Was blieb mir eigentlich noch in meinen mittlerweile völlig zerschnittenen, mit Seelen-Blut rot überlaufenen Händen wie ein einzig wahrer fester Stein, den ich einmal in meinem ganzen pathetischen Leben ergreifen durfte?
Mein verzierter Vater hatte mir sämtliche unbesonnen Freiheiten mit kräftiger Vehemenz  aus meinem hart angeschlagenen Verstand entrissen.
Konnte ich mich überhaupt; trivial gedacht; noch auf eteas hier zu Hause erfreuen?
Schließlich war mein einzig wahres zu Hause in einem komplett melangiert mit meiner mich hassenden Schule, also weshalb blieb mir jene Zeit auf meiner mit spitzen Scherben des dunklen, an mir fest haftenden Schicksal zerkratzten Haut ruhen, die ich hätte für meine eigenen Interessen hätte auskosten können?
Wie sehr ich das auf einer gewissen Instanz mehr als nur zu hassen wusste. Ja, zu hassen. Keine simpel gestrickte Abneigung, nein. Was da so grell weiß in der mein aufflammte war der pure Hass aus eigenem, tief verletzten Verstand.
Das mit dem graven, monotonen Ticken der hölzernen Standuhr neben der Mahagoni-Kommode verschmelzende Klacken des metallnen Schlosses, grenzte fast an einen flinken präzise gezielten Schuss einer eben entladenen Pistole, während mir die rasche Silberkugel direkt wieder zwischen meine leicht gebogenen Rippen schlug; verletzend; stechend scharf mit der mentalen Betäubung des angeschlagenen Verstands abzeichnend.
Unser Wohnzimmer!
Es ergoss sich in einer regelrecht spottenden Weise vor meinen recht klein gewachsenen Füßen über seinen eigenen, penibel gepflegten Teppichboden feinster, dicht maschigen Fasern.
Wie sehr ich diesen so generös bekleideten Raum in meiner reh- artigen Scheue kannte und hasste! Ich war darin wie eine kleine, unbedeutende Blume geschützt und behütet aufgewachsen; war der zu gießende Keim meiner sich selbst verschiebende Eltern; grave bestückt und dicht verziert mit ein paar mir in mein dünn gespanntes Netz des weiten Schicksals gewebten Aufgaben, welche jedoch vor einer fassbaren Unmenschlichkeit trieften.
Für so manche nicht involvierte Gemüter klangen sie vielleicht in relativ eingradiger Harmonie: Jegliche Lebens- signifikante Abschlüsse mehr als nur sehr gut absolvieren, dieses so mühsam über sich wie der mit schwarzer Tinte überlaufenen Horizont dahin ziehende Jahre angeeignetes Wissen in diversen Bereichen bedacht und edelmütig anzuwenden, mit einer voll erfüllten Skala dieser und weiteren winzigeren Exkursionen in die tiefsten Abgründe meiner flachen Seele einen nächsten genauso pathetisch geprägten Abkömmling mit diesem selben, unnötig versteinerten Weg zeugen und großzuziehen; am Günstigsten mit einem Mädchen höchst persönlich der so wachen, disziplinierten Hände meiner Eltern auserkoren. Kurzum: hier spielte es sich nur ganz manierierter Weise um die gekünselte Auferhaltung Pseudo-Intellektuellen Familiengrades und sämtliches mühsam herbei gezogenes Ansehen. Ich konnte diese so simpel gewebte Kausalkette buchstäblich in dieser dicht schwirrenden, heiß glühenden Luft aus den hellen Flammen der gezündeten Wachs-Kerzen sich erstrecken erkennen; selbst wenn meine nebligen Augen nur noch stoisch tanzende Silhouetten erfassen konnten.
Alles war wie aus weißem, hart getrockneten, doch noch warmen Wachs gegossen: die recht hoch gebaute Kassetten-Decke exquisiten Ahornholzes individuell geschnitzt über meinem fuchsfarbenen Haar, der raue Boden mit den unter dünnem Gewicht nachgebenden, hohen Fasern des uralten Teppichs, die breit auseinander gestellten Garnituren; meist in einem warmen Beigen oder gar Smaragd-farbenen Ton für unerschwinglich geprägte Augen.
Dieses ganze, so gemessen und äußerst betonende Wohnzimmer eben; und ich stand nur dicht hinter der hohen, dunkel braunen und harsch zugefallenen Tür; am blassen, dürren Eingang dieses aufwändigen Raumes.
Es war stets in einem zart beigen, milden Licht mit warmen Schaum gebadet und ergoss sie wie schimmernde Liquidität über jegliche exquisite Garnituren. Die weiten, einladenden Fenster mit dicken Scheiben an der östlich zeigenden Front waren immer in jeder meiner Eltern beliebigen Tages-Zeit geöffnet, sodass das breit schlingende Licht des späten Abends gegen die zarten Strahlen warmer Sentenz anringen musste; gegen das klare Glas vom kalten Herbst-Wind geschlagen wurde; mich unhinderlich in meinen dünnen Knochen erschütternd. Der aus fragilen Kristallen gegossene Kronleuchter über der weiten Mitte mit dem langem, Sommer- grünen Sofas auf dem cremefarbene Perserteppich plaziert reflektierte tausend Mal ihre wie in frisches Wasser getränktes Bild auf sämtliche ebenfalls schimmernde Ausstattungen des hoch gelegenen Zimmers. Diese hell erstrahlende Ebene erwies sich mir eher als eine Art von zu groß geratenem Apartment in dieser mit Gothisch- erscheinenden Reihenhäusern dezent verzierten Straße in der so mächtigen Innenstadt Baltimore's. Viele reiche Gemüter; mit mehr oder weniger frischer Vielfältigkeit in ihren zu kurz gebundenen Charakteren; hatten hier ihren stetig wechselnden Sitz gefunden; unser Nachbar exemplarisch war die offene psychiatrische Praxis Doktor Hannibal Lecter's; selbstverständlich mit seiner wohl feinsten Wohnung über dem breiten, ersten Stock.
Er war mir immer als ein adretter, ordentlicher und vor allem äußerst eleganter Mann mittleren Alters unter die damals jung verstimmten Augen geraten; als ein hoher Ästhet der gehobenen Extra-Klasse. Des gezählten Öfteren hatten meine fst heuchlerisch zu beschreibenden Eltern und ich mit ein paar anderen recht amüsanten Gestalten der in den so unermesslichen, göttlichen Himmel der mehr als nur abgetrifteten feudalen High Society im engen Zusammensein zwischen den samt roten Räumen darpierten Garnituren dinniert; manchmal hatte ich die mir persönlich monumentale Ehre, diesem verehrungswürdigen Geschöpf etwas auf seinem hölzern alten Chembarlo mit der mit öligen Mandelwasser gepflegten Tastatur seine favoriserten Stücke der auserwähltesten Klassik vorzuspielen. Meist war ich als der kleine, goldige Junge mit explizit unterzeichneten Talent in den so dünnen Fingern mehr oder weniger entzückt beschattet worden, aber Hannibal: er schien allem mir blass gegönnten Anschein nach etwas in meiner schwach glimmenden, dunklen Aura mit diesen in heiße Gluten gebadeten Turmalinen in wacher Sentenz zu erblicken; attentiv zu erkennen; als was sich dieser unerfassbare Schein seiner beherzten Gedanken ergab war in unklares Wasser getränkt.
Ich jedoch hatte einen winzig gehauchten Ansturm innerlicher Flammen eines alleinigen Gedankens, dass Hannibal Lecter sich als der wahre Einzige erwies, welcher überhaupt in größter Weise die ganze Musik; mit eingeschlossen die komplette, komplizierte Kunst in all ihren sich soweit erstreckenden, fächernden Facetten mehr als nur in geringwertigen Maßen hoch zu schätzen wusste. Es war mir ein äußerst stechender Makel, dass ich nur in seltener Form; proportional meines zunehmenden erwachsenen Alters in schlichter Verlaubung geriet, mit ihm einen gepflegten Kontakt aufzunehmen. Dachte ich zumindest bis zu jenem grausamen Tag hin; jener, der nicht nur mein dünn verwebtes Ich in die völlig verkehrte Richtung stricken sollte. Denn desto exorbitanter die edle Mauer vor einem Geiste war, umso mehr konnte sich etwas Stürmisches dahinter verbergen; unentdeckt und fast in die dicke Luft gehaucht. Ich hatte ihn aber schon beinahe in die stumme Ecke vergessener, verschimmender Memoiren schieben müssen, um wenig etwas wam badendes Licht für meinen in dunkle Schatten gestellten Körper geprieg zu gelangen.
Sonst würde ich völlig untergehen.
Der uralte, braune Röhrenfernseher schräg der monumentalen, sich wie ein dichtmaschiger Goldfluss purer Ästhetik ergießender Gardinen war angeschaltet; kleine; ganz kleine zarte Schwingungen verschmolzen mit der heiß glühenden Luft aus frisch gezündeten Kerzen und geschmolzenen Wachs; dazu mit dem dezenten, pikant geschliffenen Duft von dem letzten Dinner meiner Eltern, welches ich dank meines sich fast in die ganze Unendlichkeit streckenden Tages-Routine nicht miterleben durfte.
Das schokoladen-farbene Leder meiner eng geschnittenen Schuhe hatte mittlerweile während des langen Laufens hin zu meiner generösen Wohnung direkt in dem mit prächtigen Leben erfüllten Zentrum Baltimore's eine gewisse Klammheit in seinen weiten Fasern gezogen; umschlang drückend die weichen Konturen meiner recht kleinen Füße; schützte sie beinahe vor jeglichen Schmutz auf der harten, kühlen Straße der mich umzingelnden Stadt.
Ich war so gesehen an dem scharfen Rand meiner innerlichen, mich wie feines Glas auf gefliesten Boden zerschmetterten Erschöpfung angelangt, welche sich in einer klaffenden, tiefschwarz dunkler Unsicherheit gefärbten Leere eines grundlosen Lochs mir spöttisch verschlingend vor grauer Trübnis meiner Augen auftat.  
Die dünnen, nicht genährten Sehnen meines dürren Beines hatte ich mit einem blassen Strom mentaler Gedanken etwas zum Gehen angespannt; die flachen Knie mit der dunkel-roten, engen Cordhose umschlungen in die schräge Richtung hin zu der glänzenden Mitte mit dem weißlich glänzenden, niedrigen Tischs gelenkt. Die mit den Jahren angesammelten Noten-Papiers prall gefüllte Tasche um meinen sehnigen Nacken gelegt rieb an dem weichen Hosenbein gegen meine fahle, feinporige Haut an, indes ich meine vor anspannender Erschöpfung gekrümmten Finger mit kurzen Nägeln in den schwarzen Gurt, der sich mit vollem Gewicht auf mein angspanntes Schulterblatt drückte, gepresst hatte, um diesen Knochen zerberstenden Druck etwas in die dichten Fasern ungestört zu lenken.
Meine Eltern hockten in gediegener, mich in ihrer ganzen entspannten Präsenz weich anschmiegsamer Weise auf dem länglich gezogenen Sofa unter dem aus dem vergangenen Jahr 1902 stammenden Kronleuchters; die edlen blassen Gesichtern wässrig überzogen mit den tausend Mal gebrochenen Licht der herab hängenden Kristalle. Mein Vater hatte die recht athletisch geprägten Beine, welche ich definitiv nicht von seiner monumentalen Seite erben durfte, gegen die harte, mit schmiegsamen Filz überzogenen Unterseite dieser mit altbekannten Garnitur gepresst; beinahe in einer äußerst lassigen Art, indes er sich mit seinem breit gebauten, virilen Oberkörper; bedeckt mit einem gestrafften, schwarzen Jackettes für den weit gedehnten Alltag ein ganzes Stück nach vorne gelegt hatte; das helioblaue, genau wachende Sichtfeld auf ein auf das dünne Glas des edlen Tisches drapierte Stück eines mehrseitigen Papierbogens; bis jetzt noch aufgeschlagen auf dem ersten, alles verbergende Deckblatt. Ich konnte es anhand meiner ungünstig schrägen und kleinen Perspektive nicht einmal stumm erahnen, was darauf wohl geschrieben sein mochte. Wenn ich ehrlich mit meinen sich immer und immer wieder aneinander stoßenden Gedanken in dem schmerzenden Schädel sein sollte, belag auch nicht darin meine mir noch verblassend bleibende, schwer aufrechterhaltbare Interesse.
Meine schmale Mutter saß niedergeschmettert der hehren, harten Präsenz meines aich zu gut kommenden Vaters direkt neben seiner Rechten; fast nur eine wachsweiße Silhouette in seiner beinahe grell erstrahlenden Aura. So wie jedes Mal, wenn ich die beiden in einer trivial gestimmten Sitzung zusammen sehen durfte.
Die rötlich braunen Haare hatte sie dezent und fast schmückend ihres spitzen, durchschimmernd weißen Kopfes auf die mir entgegen gestellte Seite gekämmt; die meist wilden, alles Licht absorbierenden Locken zu einem locker zusammengekitteteten Zopf gebunden, während sie in fast eingeengter Weise dicht an dem warmen Körper meines Vaters ihren recht festen Platz gefunden hatte; die langen, weiblichen Arme gingen ab den dünnen Handgelenken in ihren zusammengepressten Schoß unter. Alles an ihrem kleinen, makellos erstrahlenden Körpers schien mir allem noch verflüchtigt gegönnten Anschein nach wie unter einer breiten, stark gespannten Hand niedergedrückt zu sein, wie sie so vom kalten Fleisch fallend die breiten Falten ihres über die Knie reichenden, beige-braunen Rock gekünstelt wirken zu lassen; schon gar nicht mehr in einer adretten Weise.
Das halb leere, fragile Glas aus dem fernen Florenz war mit dem glänzenden, tadellos aus seiner blutroten Oberfläche nicht rührenden Chiantis gefüllt; verströmte in einer sanften dezenten Weise den aromatischen Duft von Alkohol und gepressten Trauben, von innerlicher Wärme und klarem Glas.
Meine pomadigen Lungen unter dem leicht gebogenen Rippen der ansteigenden Hitze hier im mild beleuchteten Raum war nahezu komplett getränkt in diesen süßlichen Odeur. Ich hätte ihn stundenlang auf der klammen Oberfläche in vollsten Zügen brennen lassen können; wollte schon sogar aus meiner eigentlichen steifen Bahn geworfen die schimmernd grünen Augenspiegel; geziert mit pechschwarzen Wimpern; schließen, um mich meiner völligen entreißenden Sinnes-Überflutung komplett entspannt wegtreiben zu lassen; erwärmt und gedemütigt meiner hoch gewachsenen Seele. Konnte für ein paar wie warmer Sommerregen dahin fließenden Sekunden magerer Zeit diese pressende Stringenz aus sich selbst anreibend glühenden Gedanken flüchtig entkommen.
Aber das sollte mir wieder im strengen Allgemeinen verlaubt sein.
,,Da ist er ja. Mein Junge, du bist recht spät!"
Schlagartig lies ich die wie aus gravem Blei gegossenen Lider gedämpft öffnen, als mich die aus tiefer Kehle geholte Stimme meines Vaters in den dürren Knochen über das kränkliche Mark innerlich erbeben.
Er musste mir aber auch eine einzige Chance lassen, ihm meinen mir lieberen Rufnamen kundzutun.
Getroffen meiner herben Verzweiflung eines in die scharf schneidende Enge getriebenen Tiers lies ich meinen salzig schimmernden Blick auf dem fresko geschnitzten Gold-Rahmen des sich weit über die gelblichen Wände zu meiner Linken dehneden Öl-Gemäldes gleiten; hinterlies sichtbare, laubgrüne Striemen mit der silbigren Liquidität meiner erschöpften Gedanken.
,,Vito, ist etwas? Das ist unhöflich, nicht zu grüßen!"
,,Guten Abend... Vater und... Mutter. Verzeihung; es... tut mir Leid!"
Nein, ich kann es  nicht. Ich kann es einfach nicht sagen. Nicht des heutigen Tagesende, wo mir noch die letztlich gegönnte Ruhe für meine ungeschohnten Sinne zitterte.
Hölzern senkte ich meinen spitzzulaufenden Kopf in gedemütigter Weise; eine rote, krause Locke fiel mir konturlose graue Schatten überziehend über die wie ein dünnes Blatt Papier schimmernde Stirn mit den leicht gesprenkelten Sommersprossen; hinunter gezogen mit dem schweren Gewicht der nüchtern dunklen Sicht meiner Eltern, welche ihre wächsern gegossene Maske immer noch nicht präsentierend abgelegt hatten.
Meine karg genommenen, gepressten Gedanken bebten wie ein trockenes Spinnennetz im aufkommenden Regen-Sturm; zitterten unermesslich.
,,Komm' schon her, mein Junge. Hast du heute viel gelernt oder willst du noch ein paar makelvolle Stücke in Ruhe durchgehen? Ich kann dir gerne helfen", summte er mit einem eines vagen Lächelns überzogenen Mundes kontrastreichen Rots; mich mit einer glühenden Schlinge umgreifend, während ich buchstäblich seine Gedanken summen hörte.
Er hatte seine Rinden-braune Haare mal wieder mir altbekannt nach hinten in disziplinierter Strenge mit einer adretten Menge an Pomade zurück gelegt, sodass seine geglätteten Haare in dem wässrig geprägten Licht noch mehr schimmernden; sein spitzes Gesicht auf männlicher Weise in seinen markanten, hoch gesetzten Wangenknochen betonend.
Makelvoll.
Was war denn schon makelvoll?
Dass ich ein paar erwählte Stücke in ihren so weit voll endeten Klängen nicht mit gemessener Agogik füllte, welche in mir mehr als nur in teuren Maßen in den geübten Knochen vorhanden war?
Dass ich über ein zwei Stellen in den sieben Werken mit der süßen Last meiner mentalen Passion etwas stolperte; mich leicht zu überrennen wusste, was die so mit breiter Bedeutung schwangeren Noten betraf?
Dass ich das Cello eventueller Weise nicht ganz so virtuos wie zum konkret genommenen Beispiel das Klavier bedächtig zu beherrschen wusste?
So viele triviale, simpel gestrickten Fragen konnten mich wie Pferde unter ihren harten Hufen meiner sich in undenkbare Weiten fächernden Sinne niedertrampeln meiner innerlichen ausgenommenen Seele.
Ich wandte mich wieder halb meines schwach schlagenden Herzes zu meinen in ihrer nächtlichen Stimmung verschrobenen Eltern hin; glimmt hell in einem heißen Funken des warmen Schwalls einer plötzlichen Befriedigung auf.
Ich hatte tatsächlich die kleine Chance vor der mein liegen; in greifbar fassbarer Nähe, heute Abend noch vor späten zwölf meine offiziell eingeleitete Ruhe übergossen zu bekommen. Normalerweise konnte ich so oder so keine mir angemessene Rast zwischen den in meiner meist fiebrigen Wärme erhitzten Bettwäsche nach ein Uhr Nachts finden, wenn mich so schleichend die züngelnde Dunkelheit in dem bläulich verlaufenden Zwielicht der Spätzeit umrundete, nur gebrochen durch das dicke Glas der mir gegenüber liegenden Scheiben und dem flimmernd kalten Licht des Mondes und der alten schmiedeeisernen Straßen-Laterne; ganz speziell, wenn ich am ziehenden, darauf folgenden Morgen wieder in meine regulär schulische Einrichtung meinen pathetischen Weg lenken durfte.
Ich wollte darüber nicht einmal einen so mühelos ergreifbaren Gedanken fassen.
,,Nein, herzlichsten Dank, Vater. Ich würde heute Abend lieber früher ins Bett; ich bin erschöpft. Vor allem habe ich morgen wieder Unterricht; da würde ich sehr gerne aufmerksam bleiben".
Mehr als feines Süßholz raspeln konnte ich ja wohl nicht.
Wie ein demütiger, junger Hund legte ich meinen ganzen, freien Willen auffordernd für meine stoischen Eltern mit weiten Fingern entgegen; fast nach würdiger Aufmerksamkeit erlangend.
Mein Vater nickte nur in einer etwas verwundert gezierten Fasson über dem blassen Gesicht, zog mich näher mit der heißen Schlinge seiner absichtlichen Gedanken in die edle Mitte des Wohnzimmers, indes ich meine harten Sehnen wieder des langsam schleichenden Laufens anzusetzen wusste; hinweg von der hohen, bräunlichen Ahorn-Holz-Tür; sanft erfasst von dem kalten Strom des geschlossenen Flurs hinter dieser recht dick gebauten Fassade.
Wie sehr diese Kerzen-ähnliche Hitze doch grave auf der mein zu drücken wusste; sich in die dünne, kräuselnde Haut meiner glühenden Seele wie mit einer spitzen Nadel eingravierte; fast blutig glänzende Narben hinterlassend.
,,Wie du meinst. Das ist ja freilich das Wichtigste", und ein für die mein unerfreifbarer Ton schwang glockenklar in der tiefkehligen Stimme meines aufgelockerten Vaters mit; fast in einer still gestellten Weise.
Was war nun los?
Hatte ich etwas Falsches über meine schändlichen Lippen gebracht?
Wie eine getroffene Katze schlich ich nun über den eingehenden Boden hin zu dem breiten Ende des langen Sofas; ausgeschlachtet und vollkommen leer, indes mein kaltes Blut sich in die weiten Venen wie festes Eis gesetzt hatte, mich beinahe völlig versteifte in meinen dürren Glieder.
Mein länglicher, tanzender Schatten zeichnete sich weicher Konturen auf den glänzenden Garnituren liquide ab, während ich mein flink zu erreichendes Ziel hinter das niedrige Sofa gesetzt hatte; dahin mit mühevoll aus den emsigen Knochen gezogenen Elan strebte.
Ich verlangte doch nur äußerst erpicht mein einzige, süße Ruhestätte; eventuell auch noch mit einer erfrischenden Dusche direkt neben meinem fast göttlichen und kleinen Zimmer.
Ja, ich hatte bei der altbekannten Raumwahl mir das dezenteste Zimmer oben im östlichen Dach-Flügel ausgewählt; an einer recht karg befahrenen Straße, sodass sich mein durch und durch empfindsames Gehör in gewissen sensiblen Maßen schonen konnte; erholen und sich ungestört den weichen Klängen der silbrigen Gedanken wenden konnte. Ein paar weite Meter neben meinem einfachen Bett unter einem mir persönlich wundervollen Schrägdaches hatte ich hinter weißen Samt-Gardinen immer noch vollen Blick durch dicke Scheiben nach draußen auf die uneben gräuliche Straße und freie Sicht auf die meist in eine beige Farbe gestrichenen Fassaden umschließender Häuser mit rot glänzenden Dächern.
Besonders am späten Abend war dies ein herrlicher, ästhetischer Anblick dunkler Berührungen meiner sich weit dehnenden Seele; ein mit sanfter Gewalt stoßendes Gefühl der unendlichen äußerlichen Freiheit anzubekangen; wie ein kleiner Vogel in den in königsblaue Tinte gebadeten Himmel aufschwingen konnte; ungestört der salzigen Wolken am sich breit wölbenden Firmament.
,,Also, Vito", loderte mein Vater mit seiner prächtig erfüllenden Stimme in der mein heiß auf, sodass ich mich beinahe verschoben an der weichen Lehne des besetzen Sofas festkrallen musste; die süßliche Wärme meiner sich selbst verzerrenden Mutter an der mein schlagen spürte.
Wie unsensibel er sich doch immer erwies!
,,Du gehst dich jetzt bitte frisch machen und dann auf dein Zimmer, wenn du uns schon nichts erzählen möchtest"
,,Ich will doch..."
,,Vito!", straffte mich mein diakonisch verstimmter Vater wieder auf; versetzte mir einen mentalen Schlag auf meinem wchon schmerzenden Hinterkopf.
,,Ich respektiere es ja. Du kannst es gerne morgen machen, dafür gibt es aber keine abendliche Mahlzeit, wenn du schon so grausam erschöpft bist".
Natürlich; das hätte ich mir mit den simpelsten Pinselsteichen meiner armseligen Gedanken ausmalen können!
Wenn es das geben sollte, dann musste ich in meiner leer geräumten Seele wohl darauf mit zusammengebissenen Zähnen verzichten müssen.
Wie jedes mir allzu bekannte Mal!
Das jedoch solltw mir relativiert von dem dünnen, fragilen Geiste sein; schließlich hatte ich dementsprechend immer ein noch vom eigentlichen Morgen belegtes Brot von meiner fürsorglichen Mutter, was ich in solch ungünstig erstrahlenden Situationen doch unschätzbar zu werten wusste.
Meinen ihres grellen Charmes geblendeten Eltern würde dies sowieso nicht in geringfügigen Maße in die gehobenen Sinne geraten, also hatte ich des heutigen Abend trotz alle dem ein nettes Dinner, und das sogar noch hoch gesetzt in meinem mir fast heiligen Zimmer.
So perfekt gestellt es mir gelingen konnte, gab ich mich nun freiwillig charmant und sittlich meinen Eltern hin, ich hatte ja meine eigentliche Absicht mehr oder weniger in reiner eleganter Form erfüllt. Und in einer gewissen störeden Instanz wusste ich es auch in einem innerlichen Freuden-Feuer mehr als nur geringfügig zu schätzen.
,,Aber sicherlich doch. Vielen Dank!"
,,Natürlich. Besonders mit dieser feinen Art bereue ich es nicht, diese ausnahmige Entscheidung getroffen zu haben".
Ich nickte nur zaghaft, presste mich in den dunklen Schatten des Sofas weiter an die glatte, braune Leder-Oberfläche meiner Hängetasche; die langen Zehen in die weiche Innen-Sohle meiner exquisiten Lederschuhe.
Wie gut das doch tat!
So unheimlich anschmiegsam zärtlich umrundend; ein wahrlicher Balsam für meine herb aufgeschürfte Seele.
Ich hätte mich in der warmen Pfütze meines geringen Erfolgs regelrecht darin freudiger Weise aalen können, indes ich mich gehoben über den weichen, geraden Boden dieses süßen Freuden-Feuers zu dem offenen Bogen hin zum zweiten, oberen Bereich führenden Treppen-Flur hingeben wollte; fast in gierg geformter Art.
,,Ach so, Vito! Warte mal, bitte, ehe du jetzt ganz verschwindest!"
Als würde man mich auf den harten Boden der Tatsachen pressen; dunkel bewölkt mit dieser zerkratzenden Art eines plötzlichen Schocks.
Verstockt neigte ich mein versteiftes Haupt in die schräg perspektivische Richtung meines Vaters, welcher sich in vollkommener stoischer Ruhe gegen das hell erstrahlende, wässrige Licht gewandt hatte; wach glänzender Adleraugen.
,,Zwar wollte ich es morgen mit dir besprechen, aber", er drehte sich in einem seufzenden Ton noch näher an das mir verstörte, plötzlich wie von einem unaufhaltsamen Zug erfasste ich.
,,Das kann ich dir auch heute Abend völlig unverfroren kundtun. Erstens werden wir netten Besuch von deiner Cousine bekommen und zweitens: Deine Schule hat angerufen, mein Lieber".
Diese dunkle, alles so herrlich Erstrahlende verschlingende Loch tat sich wieder ungeholfen berstend vor der mein auf; mich in seinen harten, mit glühend- spitzen Nadeln tiefen Grund zerrend; jegliche Schönheit völlig überblendend.
Die alles verhasste Schule!
Was auch immer sie zu melden hatte; mich hatte eine panische Angst in den harten Sehnen ergriffen; vehement an mir zerrend; mich mehr als nur unsanft stürzen wollte.
Mein eben noch so helles Freuden-Feuer verwandelte sich in eine gepriege nach mir leckende Zunge purer hässlicher Flammen.
Es war vorbei. Endgültig.
,,Und... und... was will sie?"
Ich hatte mich nur in aufgeschlagenen Maßen zwischen den fistelnden Tönen meiner hellen Stimme in meiner verengten Kehle verraten, indes ich in gewissen jämmerlichen Versucgen gestürzt eine Art sicheren Halt zu finden versuchte; bestürzt und im herben Feuer des glühenden Peins getroffen.
Die bläulich wässrigen Augen meiner ebenfalls etwas angeschlagenen Mutter glimmten zu mir blendend auf; hell und mich unbeugsam umzierend.
,,Sie meinte, du solltest die Klasse überspringen oder gleich mit dem Studieren beginnen. Du hast die offene Wahl".
Es war mir wie ein gesetzter Schlag mit in mein zart gestrafftes, jungenhaftes Gesicht; errötend meine weiche Haut in unschätzbaren erschreckenden Maßen.
Nein, um Gottes Willen! Nicht noch mehr von diesem seelisch zerkratzenden, scharfen Stress. Und das nicht nur von meinem so verzerrt strengen Elternhaus aus!
In panisch getroffener Sentenz lies ich meinen klamm gewordenen Blick aus mit salziger Liquidität überzogenen Smaragden in nebliger Weise ertränkt zitternd in dem schnell versetzten Herzschlag unter meiner fragil gebauten Brust zwischen die enge Spalte meiner Eltern schießen; gedämpft und wie feines Glas auf dem grausamen Boden der herben Tatsachen zerschlagen. Und nicht nur, dass sich mit meine mehr als nur versetzte, mit dunklem Stress überzogene Zukunft zu stellen wusste; mein noch schwaches Freuden-Feuer wie kaltes Wasser auszugießen wollte, nein.
Ich scheute wieder wie ein mit einer Peitsche geschlagenen Pferd vor einem Stock, insbesondere, als ich in dem grauen Dunst meiner innerlich kochenden Panik die stetig rauschende Quelle für diese unfassbare, ebenfalls dieses grausame Feuer nährende Stringenz erblicken durfte.
Und sie schien mir mit der scharf zerbrochenen Seite die ach so weiche Kehle zu zerschneiden: das alt wirkende Papier auf dem schimmernden Glas war der schriftlich verfasste Todes-Brief eines mit allzu bekannten Orchester-Mitglieds: der Chesapeake-Ripper hatte sich wieder in völlig breiten Sentenzen ausgelegt gehabt und ich; ich stand da nun völlig verlassener Seelen mitten in seinem wach gesetzten Ziels...
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Danke sehr für euer geduldsames Lesen!
Da lädt sie mal nach ewig langer Zeit ein Kapitel hoch und dann kommt so ein Grottiges heraus.
Ich muss gestehen, dass ich in letzter Zeit einen Rochus mit meinem Schreibstil pflegte, der aber hiermit (von eins bis fünf Uhr morgens) nach einem langen Kampf verflogen ist ^^!
Ja, es zieht sich ein wenig in die Länge und trotzdem hätte ich die Umwelt mehr beschreiben sollen!
Es tut mir Leid, ich verspreche, dass die nachfolgenden Kapitel noch deutlich spannender werden!
Ich hoffe trotzdem, dass euch gefallen hat und über eine Review würde ich mich mehr als nur freuen!

Bis zum baldigen Nächsten Mal!


Ta-Ta,
Taubenkäfig
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