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Follow the Nightingale

von Hato-Chan
GeschichteDrama, Suspense / P18 / Gen
Hannibal Lecter Jack Crawford OC (Own Character) Paul Krendler Will Graham
12.09.2015
14.02.2016
3
10.882
1
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10 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
12.09.2015 4.611
 
*Vorbemerkung*


Erstmal Danke für das Reinklicken in diese FF!
Wie man der Kurzbeschreibung entnehmen konnte, (außer, dass sie ziemlich ohne Aussagekraft existiert) handelt es sich hier um ein "Nebenprodukt" von meiner bis jetzt weit umfassesten Geschichte "Heavy in your Arms". Man muss diese nicht hierfür notdringend gelesen haben, aber gewisse Allegorien werde ich trotzdem mit einbauen, für treue Leser.
Leider, leider haben wir in "Kyrie eleison" zum Aufschrei aller Fangirls keine sich über die ganz Geschichte streckende, herrschende Romanze, weil ich auch gerne mal etwas anderes ausprobieren wollte, um Hannibal's Genialität und Charme zu implizieren (Hey, und es kommen Morde vor). Vielleicht finden sich sogar einige in dem Protagonist wieder (auch wenn er dieses Mal männlich ist ^^). Vorgewarnt: das erste Kapitel wird nicht allzu lang und spannend werden; es sollte gelegentlich einen sanfteren Stoß ins eigentliche Geschehen geben.
Ich will nun nicht allzu viel reden; viel Spaß beim Lesen!


~Prolog~


Der sich in weiten Rundungen krümmender Himmel ohne lastend grave Wolken hatte sich in eine tiefe, tintenblau erstrahlende Farbe mit den vorbei schwebenden Minuten getränkt; war in seiner greifend rein gewaschener Mitte beinahe in Schwarze Schichten der schwirrenden Spätzeit endültig ertrunken; ringend nach mildem Licht des ach so warmen Tages; nach den letzten erblassend blauen Strahlen am schwimmenden Horizont; mit weichen Konturen der wie ein Kessel vollster Stärke einzingelnter Berge; Richtung lebendigen Festland. Umliegende Bäume aller Art hatten in ihren säuselnden, fast durch die stetigen Strahlen der Spätsommer-Sonne übergrünen Blättern den sanft, aber wohl rasch hereinbrechenden Abend liegend absorbiert, während der alles umschweifende Wind zwischen den weit gestreckten Häusern zum rührenden Stocken gehalten wurde; unfähig nur eine einzige Sache außerhalb diverser Fassaden mit zarten Brisen zu berühren.
Grauen Asphalt leer zu betrachten: Ja, das erwies sich seinen andersartig gestimmten Augen wie aus zwei liquid geschliffenen Smaragden als äußerst ungewohnt; verbreitete in schleichenden Wellen jeden kurzen Wimpernschlags eine grelle Schicht einiger sachter Spuren auf der so puren Seele, welche nur durch eingehende Unschuld geziert wurde.
Wissende Unschuld.
Die zarten Hände mit fragilen, doch durchaus trainierten Knochen hatten sich in der unwillkürlich einstürzenden Flut gewisser drückend reißender Emotionen in dem schwarzen, rauen Gurt der alten Ledertasche um recht ausgewachsene Schultern gepresst; legte feine Schatten der entstehenden Falten auf dem maschigen Stoff des Trenchcoats.
Die lange, elegante Hose lies buchstäblich die ansteigende Kälte der dunklen Schwingen abendlicher Federn auf seine nackte Haut der langen Beine kriechen, indes er in einer winzigen Flachung der gefegten Kreuzung; einmal zu dem dichten Saum naheliegenden Waldes und der kleinen, kargen Straße durch eine Allee in die Stadt; zum festen Stand in kalten Sehnen kam; den leicht schimmernder Blick auf die zerbrochene Föhre einige Meter von ihm entfernt stehend. Sie hatte in spielender Weise die Äste in ihrem hohen Wuchs in den wie aus reinen Blei gegossenen Himmel gestreckte; lenkte beschwingt Schatten und warme Strahlen der Sonne auf dem rissigen Asphalt. Wie sehr er diesen einsamen, dich kräftigen Baum zu schätzen wusste! Es mochte zwar an Außenstehenden grotesk hinüber schwingen, jedoch pflegte er zu diesem alten Gewächs eine gewisse nahe Bindung der immer sich wiederkehrenden Emotionen; Allegorien in seinem gekrümmten Leben und in der rauen Borke.
Trotz permanent anhaltender Einsamkeit, war er durchaus mit ziehender Vehemenz durchkämmt; zierte sich mit den bitter erworbenen Früchten seines ungeschätzter Mühen, die er tagtäglich mehr oder weniger vollbringen musste.
Er sah den Baum selten.
Die kratzende Zeit haftete an ihm; dringlich pünktlich wieder um eine spezielle Uhrzeit wieder sein Zimmer, den Hocker des Flügels oder den Esstisch hüten musste. Mittlerweile hatte es auch wieder einen unakzeptablen Grad der ständigen Verschwendung gegenüber jenem kostbaren Gut in seinen leicht mit angenehmer Erschöpfung angehauchter Gedanken erreicht, aber diesen seltenen Ausgleich zu der bebenden Strenge und der ständigen Betäubung für gewisse Freiheiten lies er sich besonders an diesem in der eigentlich soliden Basis verschrobenen Tag nicht nehmen. Seine Eltern hatten diese grausame Tat in dem Orchester sicherlich schon längst zu Gehör bekommen.
Diese erschreckende Aufregung würde sowieso wesentlich höher prädestiniert sein, als seine einmalige Unpünktlichkeit.
Vor allem hatten die geringen Sorgen seit dieser furchtbaren Nachricht erheblich an mehr Gewicht gewonnen, als sie eigentlich sollten; legten sich trübend deckend auf jegliche noch klar gereinigten Gemüter einiger Mitstudenten nieder; verblendeten ihre Sichten gegenüber möglichen Forderungen der Prüfungen. Besonders dunkel erwies sich hier die Angst, soweit er dies eintaxieren konnte.
Diese mit glühender Dringlichkeit stechende Angst auf sämtlichen dicht gesponnen Seelen schien allesamt jede einigermaßen sichere Solidarität in graue Haufen Asche der pathetischen Panik zu verbrennen; langsam mätratierend wie die scharfen Krallen eines verletzten Tieres, welches sich zu befreien versuchte.
Nein, er wagte gar nicht darüber schlichte Gedanken aus der dicken Mauer seiner Stränge zu schneiden, bevor seinen angeschlagenen Verstand noch mehr in seiner verblassten Fasson schwächte. Dafür hätte er heute Abend keinen genügenden Platz mehr; schließlich musste er noch über seine wartenden Eltern hinweg. Musste aus dem Teufelskreis der ihm hoch gestellten Leistungen brechen, bevor er sich in sein Bett wagen konnte, ohne wieder auf den recht harten Tasten des Klaviers oder auf dem edlen Perserteppich im Musikzimmer zu nächtlicher Ruhe zu gelangen. Sah' es sein Vater eigentlich als eine Art der innerlichen Bestrafung an, seinen Sohn mehr als acht Stunden am Tag an sämtlichen Instrumenten üben zu lassen? Wenn er kurz einen flüchtigen Blick in diese recht schief gehangene Auffassung legte, bemerkte er eine stechende Disharmonie in der mentalen Sicht: es sollte ihm doch Spaß machen? Ohne Spaß würde er seine buchstäblich in die Wiege gelegte Berufung rein gar nicht ausüben können; mit Erfolg etwas in dieser wohl herben Branche zu erreichen. Oder doch?
Die leicht mit einer dezenten Schicht von ansammelnden Schweiß schimmernden Lider schlossen sich leicht; die tiefschwarzen, weiten Pupillen deckend; indes er einen sanften Druck auf die steifen Muskeln des ausgeprägten Schultergürtels legte; jede einzelne Faser in den trainierten Sehnen sich mehr und mehr in dieser kurz gezierten Bewegung dehnte, sich gegen die vor hereinschwirrender Kälte späten Abends kühle Haut drückte.
Wie gut doch so etwas tun konnte!
Von sieben Uhr morgens in der Oper seines Vaters zu hocken; manchmal etwas aus angehnemer Basis geschobenen Fasson mitteilend demütig den teuren Lehrer anblickend, trug einen bitteren Beizug  der reibenden Aufregung mit sich; zog sämtliche Kraft aus möglichen Muskeln heraus.
Sein eigentlich dunkles Eigengrau erwies sich ihm beinahe als ziemlich abgleichender Ebene in den leicht getrübten Augen, während sich das karge Gewicht auf die Sohlen verlegte.
Der Chesapeake-Ripper.
Anscheinend hatte er es auf äußerst unhöfliche und angesehene Menschen; somit könnte er in zweiter Struktur ebenfalls Opfer werden; mit seiner scharfen Brutalität abgesehen; schien laut seinem logischen Verständnis die herausgeschnittenen Organe zu essen, was das FBI natürlich noch nicht herausgefunden hatte; soweit er seiner wohl dilettantisch gegriffenen Annahme recht liegen konnte. Er wusste es einfach durch einen winzigen Nadelstich in die dünn gespannte Seele. Ihm war es ja so oder so nicht verlaubt, seine eigentlich schneidende Interesse an andere Themen außer musikalischen Leistungen zu setzen; es sei' denn, es würde sich als ziemlich stützend für den nahen Beruf erweisen, was dem Meisten nach zu urteilen nunmal nicht der eintreffende Fall war. Zugegebenermaßen.
Jedenfalls lies dies seine Mutter nicht zu; konnte dieses ihn auf den harten Boden der schlichten Tatsachen nieder drückendes Thema in der gandenlose Strenge seines Vaters mit ungeschickter Hand weit durchsetzen.
Freiheit?
Was war das denn noch in seiner schwach schimmernden Aura der jämmerlichen Unterwürfigkeit?
Die ehrliche Meinung ungeniert gestehen zu können?
Nein.
Eine andere ausgeprägte Interesse zu einem Konzept kundzutun?
Nein.
Nichts war ihm in diesem bittersüßen Sinne gegeben. Natürlich hatte er unglaubliche Privilegien; Sohn des Dirigenten der örtlichen Oper; hohe Bildung von der Feinsten Cremè de la Cremè. Aber es schien allem blassen Anschein nach drastische Unterschiede in diesem Kontext zu herrschen. In zu Kontrastreicher Schwärze in ihren hellen Spektren.
Und wenn er sich zur Wehr setzte?
Er wusste in seiner recht langlebigen Zeit von blutjungen achtzehn; in den nächsten Wochen neunzehn; nicht einmal, was dieser immer und  immer wieder angewandte Begriff zu bedeuten hatte. Zucht und Ordnung; salopp ausgedrückt; schien sich nicht an "Wehr" zu nähren, sondern würde daran wie fragiles Glas auf gefliesten Estrich zerbrechen. Und so hatte er seine wohl harten Jahre in ständiger Isolation vollbracht.
In einem goldenen Käfig eigener Begabung.
Und glücklich: das war er selbst von seinem recht weiten Ansehen rein gar nicht.
Er jedenfalls definierte dieses kleine Lebensgold in einem völlig andersartigen Wert der hereinbrechenden Emotionen.
War dieser Chesapeake-Ripper glücklich?
Er wusste ganz genau, dass er sich diesen schändlichen Gedankengang hinter jegliche Loyalität zu der wirklichen Welt verbieten musste; sie verstecken. Ihm war dieser Mörder; wohl oder übel; von nachvolllziehbarer Sympathie geprägt. Er hieß es natürlich nicht gut, relativ unschuldige Menschen einfach einen brutalen Stoß in die ewigen Abgründe des Todes zu geben, jedoch: auf einer ganz bestimmten Ebene konnte er ein leichten Schub der Unerschrockenheit feststellen, indes er den laubgrünen Blick in stiller Fasson in den wie in Tinte getränkten Himmel erhob.
Die Venus leuchtete wieder einmal als Erste zwischen unendlicher Dunkelheit ruhig gelegter Gemüter; war milchig umgeben von einer stillen, flimmernden Aura reflektierenden Lichtes; spiegelte sich in den weichen Rundungen der weiten Pupillen in einem winzigen Punkt wieder. In der schwirrenden Luft hätte er in seinem wie in rauschendes Wasser gelegtes Gehör sanfte Weisen diverser Frequenzen in schweigsamen Umfeld ausmachen können, während die hereinbrechende Nacht; die schwarzen Schwingen vollster leerer Unendlichkeit um das Land über das offene, stoische Meer frappierend; mit kleinen Fingerspitzen in jede einzelne Pore seiner glasig blassen Haut gekrochen kam.
Nachts war er deutlich kreativer; wie er des öfteren feststellen musste; aber diese ständigen Anzustrengungen am lebendigen, hellen Tag hielten ihn von jeglichen Aktivitäten ab.
Seine Oper weiterzuschreiben könnte er heute nicht mehr von der sein erwarten, wenn wieder etwas Hochwertiges erzeugt werden sollte. Selbst wenn sein Vater jene rein gar nicht erachtete: gewisse Mühe; einzig und alleine für seine mentale Befriedigung, gab er sich alle Male.
Wahrscheinlich würde er heute Abend; wenn er denn nicht mehr üben müsste; sich einige Artikel des eigentlich schädlich umwobenen Tattler vornehmen, die nur in geringster Weise etwas mi dem Chesapeake-Ripper und seinen weitaus nahestehenden Idolen Will Graham und Doktor Hannibal Lecter zu behandeln hatte.
Wie sehr er doch diese beiden Männer verehrte!
Und besonders Hannibal, welcher des Öfteren mal in den Genuss kam, in sämtliche Opern und Sinfonien hier zu besuchen, konnte er ihm in dieser eigentlichen Weite ziemlich nahe gelangen.
Dafür würde sich sicherlich seine bitter gesponnene Mühe lohnen; wenigstens eine einzige Sache, die sich ihm in seiner stillen Malträtierung in schätzigen Maßen auszahlen konnte.
In der ewigen Leere des gefüllten Lebens, das an ihm stetig haftete; ohne wirkliche Meinung, welche sich jedesmal hinter den scharfen, kalten Wellen eigener Fehler ertrank.
Aber eine ihn ständig kratzenden Sache konnte er heute Abend seinen Eltern zu Rechten kundtun; und diese würde er sich sicherlich nicht in irgendeiner sperrenden Form verwehren lassen: Er würde zum allen guten Anfang seinen Rufnamen ändern.  
Es hatte in gewissen grotesken Maßen winzige Vorteile für den wohl signifikanten Seelen-Ausgleich, einen Zweitnamen zu besitzen, der sich wesentlich als profaner erwies im Gegenzug zum jetzigen Rufnamen Vito. Dieses ihn äußerst lautenden Stigma ständiger Exquisitäten mitzutragen; den Namen seines überaus virtuosen Großvaters jeden Tag laufend in den Ohren klingen zu lassen, wollte er irgendwann nicht mehr ertragen.
Ja, er wünschte sich in seiner niedergedrückten Geringfügigkeit nichts weiteres, als den eben noch versteckten Zweitnamen Sasha zu tragen; so in schlichter Fasson der mentalen Beschwingtheit gerufen zu werden.
Wie spät es schon sein mochte?
Indes er seine tastende Schritte weiter anzustreben wusste; jeder Aufschlag der dünnen Sohle sich in silbriger Liquidität in den Sehnen verteilte, konnte er es nicht unterlassen, seiner innerlichen Ruhe zu Gunsten kommend, Kyrie eleison von Johann Sebastian Bach anzusummen; nur ganz hauchdünn; verteilend in einer sanft geschwungenen Brise aus dem wolkenlosen Abend-Himmel über seinem rostrotsn Haupt. Der kräftige Odeur von stehenden Altwasser und übergrünen Pflanzen gezeugt vom Spätsommer setzte sich in seinen trockenen Lungen ab; drängte ihn aus Realität gezogenen Strängen seiner Handlungen; aus der sich eng frappierenden Schicht namens Leben.
Wie wohl das doch war!
Alles war ihm so furchtbar anstrengend gewesen!
Aber er hatte ja rein gar keinen blassen Schimmer einer dünn gespannten Hoffnung, dass es alles noch viel Kraft-entraubender werden kann.
Herr, erbarme dich...

                                                         ~*~


Die vertrübte Luft droben der letzten, hölzern geschnitzten Treppenstufe eines alten Teppichs mit smaragdfarbenen, dichtmaschigen Fasern schwoll in den feurigen Brisen der eben entzündeten Wachskerzen gegen meine unordentlichen Haare, welche sich in ihre allbekannten rotbraunen Locken geworfen hatten; jegliche gasigen Züge unterhalb des  matt glänzenden Geländers des Vestibüls absorbierend. Das Wachs hatte sich in winzigen Rinnsälen pursten Cremeweiß in den silbern oxidierten Kerzenhalter versammelt; bildete nun in ihren zähen, heißen Strom das unbrauchbare Sediment eines einmal so hell erstrahlenden Werkes namens Flammen.
Mein Vater hatte wieder mal in seiner ungebrochenen interlektuellen Eitelkeit und den wohl stark ausgeprägten Sinn für strikte Traditionen allabendliche Gepflogenheit ausgeführt: das anzünden unserer vier Kerzen auf der uralten Kommode neben dem immer blühenden, blutroten Strauss prächtiger Rosen. Alle der Wachsstangen hatten diesen reinen Touch; mit ihren zart reflektierenden Feuern an dem winzigen, pathetisch schwarzen Ruß überzogenen Docht. Schienen in jeder meiner eigentlich nur halbherzig ausgeführten Beobachtungen meiner strapaziert weit gedehnten Seele nie auszubrennen; sondern sich jeden blass hereinbrechenden Abend mit ihrem heißen Wachs der schleichenden Vergänglichkeit zu übergießen.
Wie sehr ich diesen anschwellenden Duft von Gas und entzündeten Flammen; in dezenten Atemzügen melangiert mit dem Unschuldigen der Blumen und süßlichen Parfums  doch in ihrer überspielt friedlichen Fasson zu hassen wusste!
Meine dunklen, wie sattgrüne Haine im Sommer glühenden Augen hatten ihre tiefschwarzen Pupillen in ihren sanften Rundungen recht offen geweitet; liesen flimmernde Bilder mit schwarzen Hintergrund wie morgendlicher Nebel vor meiner vor permanenter Erschöpfung eingegangener Mentalität aufspielen; wischten mir unaufhörlich den entspannten Glanz von dem spitzen, jungenhaft ausgeprägten Gesicht. Schmerzten fast schon in ihrer unaufhörlichen Schnelle.
Ein gutes Stück des vorerst schmalen Ganges als winzige, doch durchaus edle Verbindung zu Musik- und Wohnzimmer war mit den schillernden Schatten, in sachten Konturen getränkten Schatten geworfen worden; verschlungen jenen dunklen Federn der schwarzen Schwingen umhüllender Nacht.
Der schimmernd warme Schein rot-gelber entzündeter Flammen hatte sich schon längst in einer transparenten Linie oberhalb der leicht geschwungenen Treppen in sich selbst verloren; versuchte sich fast demütigend, in den lockeren Fasern meines dunklen Trenchcoat festzukrallen; sich mitziehen zu lassen in die lebhaft erfüllte Wohnung. Mit jedem einzelnen Schritt meiner sich in ihren Sehnen ziehenden Füßen in braunes Leder frappiert, hätte ich diese brennende Falschheit von mir abstreifen können; diese sich über kaltes Eis spielende Wärme, welches ich tagaus und tagein in dem zerkratzten Gemüt zu spüren bekommen durfte.
Wie sehr ich diesen Teil des eigentlich ruhigen Abend hasste!
Weshalb?
Weil ich mit meinen immer so adretten, gebügelten Eltern in letzter Zeit einen gewaltigen Rochus aufrecht zu erhalten wusste; ständig anhaltend in meiner sich mehr und mehr verblassenden Präsenz. In jeden einkehrenden Hinsichten.
Meine Mutter Myra Archer hatte es zudem nötig, meinen vom Ehrgeiz buchstäblich zerfressenen Vater nach der kalten Schnauze zu reden; hatte kaum ein eigen gesponnenes Meinungsbild diverser mehr oder weniger kritischen Themen in ihrer unbefleckten Seele über all die ganzen achtzehn; bald neunzehn Jahre gewebt. Warum sollte sie es denn in ihrer so schön geflochtenen, aufgetragen geschmückten Existenz auch tun? Es schien mir In einer gewissen Ebene hinter den wie verängstigte Schafe auf einer Weide umher getriebenen Gedanken sogar nachvollziehbar.
Wie grotesk!
Mein Vater, Castor R. Archer, stolzer Leiter des weit musikalisch umfassenden Baltimore Philharmonic Orchestra und der Oper als oberster Dirigent, hatte gelinde gesagt hohes Einkommen seiner eingesäten Arbeiten erworben, dass er sich ja natürlich nur durch seine ganze Mühe angerissen hatte. Und welche Frau, die sich selbst in ihrer mentalen Blindheit zu gut war, ihre zierlichen Finger in anstrengenden Arbeiten zu rühren, hätte an seiner monumentalen Seite; besser ausgedrückt, hinter seinem monumentalen Rücken; keinen feinen Platz zum durch und durch wohlwollenden Lebens gefunden? Hier und da ein flüchtiges Lächeln über die zart rot geschminkten Lippen vor hochachtungsvollen Augen gespielt; einen von dem verheirateten und ihr mächtigeren Mann gezeugten männlichen Nachfahren das Leben geschenkt und brav diverse Meinungen auf ihren vollen, eigentlich wertvoll abräumbaren Stellen belassend- mehr brauchte man nicht als junge Frau reichen Elternhauses, um traditionell natürlich das gewohnt verwöhnte Leben weiterzuführen.
Oh ja, ich erwies mich in dieser konsensfähigen Hinsicht als äußerst respektlos geprägt in manchen spartanisch blickenden Augen; welche jedoch nur die halbe Wahrheit beschatten konnten.
Der junge Mann ist doch noch in der Pubertät; das sollte sich wiedet legen oder Warum ist er denn so undankbar?
Ich würde es definitiv nicht zederhaft von meiner geschundenen Seele abstreifen; es mit böser Zunge der mir sowieso unbekannten Pejoration gegenüber sämtlichen und vor allem grausam gestimmten Weltkrisen leugnen: Ja, ich war für jeden einzelnen Tag, der sich in bürdenden Regen emotionslosen Eises über die mein ergoss; für jeden Platz meiner harten Ausbildung und dem wohl reichen Elternhaus so unglaublich dankbar, wenn man diese recht süße Oberflächlichkeit des geringen Betrachtens mit einbeziehen konnte, aber wenn man mich auch nur mit locker streichenden Fingerspitzen warm gesonnener Hand berührte, erwies ich mich auch nur als junges Blut, als ein erschöpfter Mensch; durch und durch malträtiert von jeglichen Falschheiten.
Mit der an meinem noch jungenhaft ausgebildeten Körpers haftenden Zeit in einem goldenen Käfig war ich dazu noch recht eingesunken und hasenherzig in der schweigend wogenden Seele geworden; gepresst von dem aus elysischen Stimmungen und idyllischen Worten der hohen Gesellschaft, welche ich in ihrer vollsten Vehemenz und Pracht immer und immer wieder erleben durfte. Unfreiwillig und zu tiefst in die silberne Liquidität des wahren Hasses getränkt. Und wenn ich dies nun wohl kalkulierend mit diversen anderen Situationen vergleichen konnte, ergab sich mir unter sämtlichen, mir in permanenten Erinnerungen treten scheinheiligen Gewinsel einiger Musikanten und Mitglieder höheren Ranges also so unglaublich dicht gesponnen gelogen und synthetisch in diesen falchen Seelen produziert. War das bestrebenswert?
Zudem wusste mein Vater anscheinend nicht, dass ich aus reinem Fleisch und warm fließenden Blut bestand, sondern nur ein gewolltes Endprodukt seiner imitierten Liebe ihm vor scharfen Augen darstellte.
Wie durchtrieben erpicht meine Eltern auf einen Filius; einem männlichen Erbe doch sein mussten!
In ständig wallenden, dunkelroten Abenden hatte mir meine Mutter grundgenug in meine dünne Haut meines ausgeprägten Verstandes im zarten Kindesalter eingestanz, wie hoch gehoben sie doch vom eigenen Stolz sei', einem kleinen Jungen das Leben geschenkt zu haben. Und seit diesem unvergesslichen Zeitpunkt in meiner golden dahinfließenden Lebensuhr aus wässrigen Zeigern hatten meine lastenden Bürden ihren schlagenden Anfang gefunden.
Mein schon immer schmal gewachsener, in den dünnen Knochen winzigen Körpers mit stattlich langer Storchen-Beine befand sich in einem frisch erblühten Alter von drei Jahren, als mir mein immer noch anmaßend gravierter Vater mir einen riesigen, in einem edlen, tiefen Schwarz glänzenden Flügel wie mit einer sanften Schicht Liquidität übergossen aus purem Ebenholz schenkte; dazu einen ebenso dunkeln Hocker, überzogen mit saphir-ähnlichen, echten Samt; durch seine freskoartig geschnitzten vier Beinen mir bis zu meinen runden Rippen reichend. Wesentlich höher gestellt, als ich es damals noch war.
Natürlich wusste ich es in meiner eingesunken stillen Seele zu schätzen; bedankte mich auch auf wohlwollend höflicher Art für dieses mir noch unbekannte, laut und in gläsernen Tönen schallenden Etwas; diesen teuren Wertes. Drei- viermal klimperte ich noch in kindlichen Absichten getränkt mit dünnen, gepflegten Fingerchen auf den rein weißen, schweren Tasten herum; genoss diesen sich von den hohen Wänden sachte und klangvoll lösenden Hall auf andersartiger Ebene, bis mein Vater wusste, wie er mich bis in eine Unendliche Ferne meiner streckend spannenden Begabung durch und durch zu drillen wusste. Anfangs, ja, anfangs empfand ich die noch simplen Übungen als recht spaßig; gleich einer süßlichen Erkundung meiner entwickelnden Fähigkeiten in der mein, aber aus dieser zarten, neugierig geprägten Freude entwickelte sich schon bald in dem kalten Regen der vorerst wissend gesponnen Zielstrebigkeit Vater's reiner Ernst. Mit fünf Jahren hatte ich meinen allerersten Wettbewerb hinter mich gebracht; vor unwillkürlichen Lampenfieber mit schmerzenden Fingern der graven Tasten; gebracht; erster, anstrengend erworbener Platz; gewonnen mit der Mondschein-Sonate, Chopin's Frühlingswalzer und Bach's Fuge Nummer 12 hintereinander und den erstaunten Herzen des Auditoriums. In diesen fest gedrückten voller Erschöpfungen und fraglicher Verwunderungen geprägten Jahren, hatten mir meine geradlinigen Eltern; insbesondere fallend mein Vater; einen engagierten Privat-Lehrer für meinen vierstündig anlaufenden Violin- und Bratscheunterricht geschaffen; dazu meine stimmliche Ausbildung erst im Kirchenchor, dann solo bei der jüngeren Schwester meiner Mutter, welche ihre hoch schwingende Karriere im Florentiner Opernhaus gefunden hatte und nun für eine kurze Zeit für Baltimore mit dieser Nachtigall-gleichen Stimme sang. Jedenfalls hatte ich schon damals mit sechs Jahren diese hübsche und gnädig gestimmte Frau bewundert. Hätte sie viel lieber als Mutter gehabt, was ich natürlich auch nicht genierend zurückhielt, es ihr kindlich verliebt kundzutun. Diese mit den hoch gesetzten Wangenknochen und einer goldenen Kehle eines Engels besitzenden Dame war jedenfalls für mein absolut gemessenes Benehmen; selbst wenn sich meine eigentlich helle Aura in die dunklen Farben des mittlerweile stetigen Hasses wandelten; verantwortlich und das: das würde ich ihr mein ganzes, pathetisch flaches Leben niemals zurück zahlen können. Niemals mit allen falschen Werten, die mir demütigend zugrunde lagen.
Natürlich benötigte ein junger Virtuose, wie es meine einseitig paradoxen Eltern zu gerne über ihren mit einem erlogenen Lächeln überspielten Lippen hauchen wussten, die perfekte Schulausbildung; dazu angemerkt mit den insgesamt achtstündigen Übens musischer Vorzüge. Und was würde sich nicht in besserer Auffassung hergeben, als eine musikalisch erziehende Schule? Zudem schien sich eine gewisse Interesse aus dem weichen Kern meiner außerordentlichen Reifejahre für Arithmetik und Mathematik zu schälen; schnell und mich in neugierigen Vehemenz völlig mitreißend. Doch mein recht weiter Wille hatte keinen einzigen Platz in meinem vollgesteckten Alltag gefunden.  Es wäre wohl eine himmlische Schandtat gewesen, wenn sich die hohe Mühe beider Elternteile nicht in dem noch bis heute unbefleckten Verstandes ihres Abkömmlings gesetzt hätte. Ich hatte mich mit circa acht Jahren in freiwillig willkürlicher Faible an ein kleines Fragment für eine winzige Sonate gesetzt; zum mir gegönnten Hochmut meines Vaters. Sicherlich; ohne, dass ich es in seiner schleichenden Art leugnen würde; wusste er einen schätzigen Anteil Stolz an mein goldiges Werk zu pflegen; jedoch meinte er lächelnd und mir über meinen rot-braunen, fuchs-ähnlichen Kopf geringwertig streichelnd, dass ich doch lieber auf das Eigentliche meine recht bemühte Konzentration legen sollte.
Ich hatte nie wirklich verstanden, was er mit diesem kryptischen Innuendo auslösen wollte.
Doch mit der sich mehr und mehr streckenden, kalten Zeit meiner getrimmten Existenz, schien sich ein wohl sehr kratzendes Stück aus der weißen Schale herauszufinden.
Eigentlich ergab sich meine wohl disziplinierte Schule als ein jährliches Internat; als eine teure Privatschule mit jeglichen Kitsch, was die verzerrten Krümmungen der hohen Gesellschaft zu bieten mochte. Mein Vater hatte mich dort jedoch seltenerweise nur in regulären Zeiten des stetigen Lernens gemeldet; meine musikalische Ausbildung bestand er vehement darauf, selbst in die drakonischen Hände zu nehmen. Anfangs wusste ich noch den sich ziehenden Unterricht zu schätzen; engagierte mich bis zu meinem elften Lebensjahr in gewaltigen Ausmaßen, um für meine mich stetig überwachenden Eltern ein wohlwollendes Bild in die stumpfen Köpfe der Mitmenschen zu weben. Als ich jedoch irreversibel älter wurde, mir sämtliche Lügen noch attentiver die Sinne vertrübten, hatte ich auch noch kaum ein Stück Interesse an diesem Stoff übrig; wollte mein eigenes Wissen mir alleine ohne diverse Verkehrtheit der uns zur geringen Verfügung zugestellten Informationen aneignen. Ich wollte trotz äußerlicher Lasten mehr!
Wesentlich mehr!
Manche meinten erhaben, ich wäre überfordert mit all dem Stress; davon entwickelten manche jener ein mit falschen Pinsel gezeichnetes Mitleid für die mein. In gewissen Maßen stimmte ich da auch ohne zederhafte Erkenntnisse zu, jedoch war ich persönlich nicht mit dem mir zugeteilten Stoff überfordert, nein. Eher würde ich das Chaos meiner eigenen Interessen und dem kritischen Schnittbereich den Strapazen meiner Eltern, sowie meiner Unfähigkeit, die Belanglosigkeiten eines Smalltalks aufrecht zu erhalten für dieses unwissend geschwungene Wort auswählen. Schließlich wusste ich die triviale Antwort auf die stechenden Fragen meiner Lehrer, die mich bei meinem allstündlichen Einfangen und Freilassen sämtlicher Gedankengänge erwischten. Und das sogar noch von besserer Qualität als man hätte von meiner interessenlosen Unaufmerksamkeit ablassend erwarten können.
Mein ganzes umfassendes Leben war ein reinster Fluch!
Einige unterschätzten mich in meinem skeptischen, öfters auch träumerischen Schweigens belanglos, die anderen gossen mir das mir zuweisende Sprichwort "Stille Wasser sind tief" buchstäblich an; davon gab es jedoch nur rare Exemplare, die auch wieder in rascher Eile von der gemeinnützigen Bildfläche der Wellen der ständig wachsenden Gesellschaft verschwanden.
Der straff gespannte Gurt aus einem dichtmaschigen Stoff meiner hellbraunen Ledertasche presste sich in die glasige Haut meiner schmalen Schultern, indes der bronzene Wasserkessel unteren Geschosses pulsierend metallisch gegen die stählernen Rohre in grünlich-weißen Wänden klopfte; unaufhaltsam in dem heißen Strom des Wasser-Flusses knöchern brummte, als draußen außerhalb der kleinen, beschlagenen Fenster einige Meter hinter mir droben der rechts geschwungenen Treppenstufen sich allmählich der Frost des frühen Herbst hockte; des späten Abends über den städtischen Innengassen Baltimore's. Sie waren schmal und uneben in dem bräunlichen Asphalt, der mit den scharfen Adern einiger Risse geziert wurde; liesen die geparkten PKWs in stiller Triste der hereinbrechenden, immer noch weit lebendigen Nacht unter dem tintenblauen Himmel bis zum späten nächsten Morgen einsam weilen. Ausnahmsweise erwies sich jener heute als klar stehend; war wie rein gewaschen von der frischen Kälte der blutrot verschlingenden Dämmerung. So sollte doch jeder Abend sein. Ruhig, unberührt menschlicher Makel und entspannend.
Wie dunkel doch dieser Raum war! Leichter Schwung von den heißen Kerzen und gestandenen Essens setzte sich in meinen trockenen, beinahe erstickten Lungen fest, als ich meinen spitzen, mit hellen Sommersprossen bespickte Haut rosiger Wangen etwas neigte.
Sie brannten immer noch glimmend; unaufhörlich und wurden trotzdem droben dieser umhüllenden Dunkelheit verschlungen.
Was ich heute simpel in meiner erschöpften Seele benötigte, war schlichte Ruhe. Schlichte, süße Ruhe oben in meinem kleinen Zimmer im West-Flügel des Hauses, an der friedlichen Seite beider grenzenden Straßen; kaum hinein schallender Lärm der oft befahrenen Straße auf dem Ostflügel gerichtet zu der Innenstadt.
Doch wahrscheinlich, ja höchst wahrscheinlich müsste ich heute um neun bis zehn mindestens noch Bach's Goldberg-Variationen üben.
Und dabei hatte ich es doch schon heute in der Oper unter der strengen Aufsicht des stellvertretenden Dirigenten; bei welchem ich mich ebenfalls wieder später gedrückt seiner wohl dekreten Worte im Unterricht finden durfte. Schließlich sollte ich ja ungefragt meiner innerlichen,schreienden Stimmen dem mustergültigen Exemplar meines Vaters folgen.
Die dichten Fasern des auf der letzten Stufe verschmelzenden Teppich auf hölzernen, uralten Estrich gab unter meinem eigentlich leichten, schon krankhaft dünnen Gewichts nach, indes ich zu der monumentalen Tür strebte, welche hinter ihren festen, harten Wänden das allgemeine Trubel um klamme Geringschätzung sicher vor jeglichen fremden Augenspiegeln zu verbergen wusste. Wenn ich eintrat, dann würden sämtliche Funktionen in der mein wachsam und auf alles noch anstrengend Spannende vorbereitet sein...
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Danke sehr für's Lesen dieses schweren Kapitels!
Ja, ich schreibe langsam und sehr schleppend; das weiß ich selbst. Und zwar wirklich lang (besonders hier).
Jedenfalls haben wir hiermit einen Einstieg gewagt und ich kann mit vollster Sicherheit sagen, dass wir erst am Anfang der Geschichte sind...
Eine Review würde mich zudem unheimlich; insbesondere wegen der ersten Phase der Story; freuen!


Bis zum nächsten Mal!

Ta-Ta,
Taubenkäfig
 
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