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Neue Hoffnung - Teil 6

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
11.09.2015
20.09.2015
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11.09.2015 722
 
„Versteht ihr nicht, dass es bald den nächsten Toten gibt, wenn ihr so weiter macht?“, knurrte Jay verächtlich. In dem Haus, in dem Kitty mit ihrem Bruder gelebt hatte, wohnte nun der neue Anführer des Nachbardorfs, das zu Jays Erstaunen keinen Namen trug. Das Haus war in einer maroderen Verfassung als die Moral seiner Bewohner. Modergeruch stieg in seine Nase und er klopfte sich die Kleidung ab, mit der Hoffnung den Staub loszuwerden. Mit kochenden Augen stieg der Anführer von seinem Thron, der aus einem durchgesessenen Sessel bestand, der auf einigen Kisten stand. Jay hätte diese Apparatur gänzlich lächerlich gefunden, wäre diese Situation eine entspanntere gewesen.

„Willst du mir drohen, Fremder?!“, feindselig schlich der Kerl mit dem Metallgitter auf dem Kopf um Jay, der versuchte seinen Blick streng und frei von Angst wirken zu lassen. Um den Thron herum bildete sich ein Kreis aus Menschen, die aufmerksam und treu an den Lippen ihres neugewonnenen Anführers hingen. Jay schauderte, als ihm bewusst wurde, dass er seine Waffe beim Eintritt abgeben hatte müssen. Doch gegen diese angriffslustige, nach Gewalt förmlich lechzende Runde hätte ihm seine Pistole nur noch wenig genutzt.

„Nein, ich möchte dir nur aufzeigen, was passiert, wenn man der Herrin widerspricht“, wisperte Jay scharf, deutete schließlich dramatisch auf Kitty, die ihn als einzige begleitet hatte. Sie lächelte devot und schlich sich in die Mitte. „Jay möchte dir nur sagen, dass sie ihre Gier nach Leben erst befriedigt hat, wenn wir alle tot sind und ihre Marionetten verprasst!“, kunstvoll setzte sie sich in Szene und ging nahezu lasziv auf den Anführer des Dorfes zu. „Wir sind ihm das schuldig“, säuselte sie durch die Gitterstäbe, die seinen Kopf und Ohren umrahmten. Der Anführer stieß sie sanft, aber beherrscht bei Seite und näherte sich Jay erneut.

„Wer ist der Boss?“, er knatterte mit der Stimme und betonte jede Silbe hart. Jays Erinnerungen drangen an den ersten Aufstand, der in einem Saloon Rubys organisiert wurde – auch damals war es einigen nur darum gegangen, der Herr über die Situation zu sein. Er schüttelte den Kopf, als er daran dachte, dass Ebony damals an seiner Seite war. „Unter deinen Leuten: Du natürlich. Im gesamten Widerstand bist du einer von vielen“, erklärte er sachlich, stellte sich vor, vor ihm würde Ram stehen und keine übel riechende Provinzratte.

„Du glaubst wirklich, darauf schlage ich ein“, der Kerl wackelte hysterisch mit der rechten Hand und lachte, als er sich heroisch wieder auf seinem Thron niederließ. „Hör mal, wenn du nicht mit Jay eine Partnerschaft eingehst, wirst du Ebony als endgültige Herrin ertragen müssen über kurz oder lang!“, fuhr Kitty ihn plötzlich an. Erst seit sie in Kontakt mit dem Widerstand gewesen war, sprach sie die Herrin mit ihrem richtigen Namen an. „Du kennst die Herrin wirklich von früher?“, murrte der Anführer und blickte Jay verdutzt an. Jay nickte, hoffte nicht rot zu werden und schob dann eilig hinterher: „Ja, aber Kitty hat Recht. Sie wird euch nicht verschonen.“

Ein Raunen ging durch den Raum, dessen abgestandene, verbrauchte Luft Jay kaum noch zu ertragen schien. Der Anführer sah ihm kalt in die Augen: „Wenn du meinst, dich über uns erheben zu müssen, werde ich dich aufspießen.“ Zwei bis unter die Zähne mit Speeren und Dolchen bewaffnete Dorfbewohner rammten ihre Speere auf den Holzboden, der unheimlich bebte und Jay schaudernd zu Kitty blicken ließ. Sie spielte mit ihren Locken und lächelte liebreizend in die Runde: „Mein Bruder hätte es so gewollt.“ Ein zustimmender Laut entfuhr den Dorfbewohnern und der Anführer gebot Jay, dass er gehen sollte. Noch im Verlassen drehte er sich um: „Ihr hört von uns.“

Die Lunge voll frischer Luft ging Jay zu seinem Pferd. Er hoffte, dass sich die Unterstützung dieser seltsamen Leute bestätigte. Sie trugen furchteinflößende Maskeraden und Kostüme, die er aus dem sterilen Delete nicht kannte. Auch New Liberty oder die Insel waren bunter, aber solch einen Aufwand hatte er schon länger nicht mehr gesehen. Worauf hatte er sich nur eingelassen. Er knurrte, als er seinen Namen hörte. „Ist noch was?“, fragte er Kitty beiläufig, die nun neben ihm stand. „Du darfst gerne noch ein wenig meine Gastfreundschaft genießen!“, säuselte sie ihm mit einem reizenden Augenaufschlag zu. Lächelnd schüttelte er den Kopf: „Nein, Hope wartet auf mich. Aber vielleicht freut sich Lex über dein Angebot!“ Er zwinkerte dem Mädchen zu und ritt zurück zu Rubys Saloon.
 
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