Forever - Die Unendlichkeit

von heatwave
GeschichteDrama, Freundschaft / P12
10.09.2015
11.09.2015
2
3759
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Ich bin ein großer, großer Fan der Serie Forever und da ich vor Kurzem meinen FF-Account wiederentdeckt habe, dachte ich mir: es wird mal wieder Zeit für eine Fan Fiction! Ideen schwirren mir 24/7 durch den Kopf und endlich habe ich es geschafft, sie auch in die Tat umzusetzen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen. :)

***

„Henry!“, hallte mein lauter Ruf durch den U-Bahn-Tunnel. „Henry!“ Dieses Mal klang er beinahe ein wenig verzweifelt. Während ich mir Mühe gab, nicht zu stolpern, ging ich Schritt für Schritt durch den dunklen, dreckigen Tunnel, die leisen scharrenden Geräusche der Ratten ignorierend.

Das Herz klopfte heftig gegen meinen Brustkorb und meine Atmung ging zunehmend, je näher ich dem Ende des Tunnels kam, flacher und unregelmäßiger – ich rechnete mit dem Schlimmsten und hoffte auf das Beste. Was, wenn es gar kein Schuss gewesen war, sondern nur irgendein altes, kaputtes Rohr? Innerlich über mich selbst fluchend, weil ich versuchte, mir diesen Schwachsinn einzureden, erreichte ich die letzte Leiter, die zu einem Podest führte.

„Henry?“, kam es dieses Mal etwas leiser über meine Lippen. Ich blieb einen Augenblick stehen, um mich voll und ganz auf mein Gehör konzentrieren zu können. Laute, ja beinahe schnaufende, Atemzüge drangen an meine Ohren. Sie klangen alles andere als gesund. Panik machte sich in mir breit, als ich die letzten Meter überwand – um in ein erstarrtes, von Angst erfülltes, Gesicht zu blicken. Ich schämte mich kurz dafür, dass ich erleichtert aufatmete, dass dieses Gesicht nicht das von Henry Morgan war. Aber es kam mir bekannt vor. Wie ein Blitz schlug die Erinnerung über mich hinein; war der am Boden liegende Mann nicht der Psychiater, mit dem sie bei einem Fall gearbeitet hatten? Wie war noch gleich sein Name?

„Können Sie mich verstehen, Sir? Sir?“ Ich kniete mittlerweile neben dem Mann, während ich den Rest meines Umfeldes für einen Moment außer Acht ließ. Der mehr oder weniger Unbekannte atmete, bewegte sich jedoch keinen Zentimeter, absehen von seinen Augen, die jeder meiner Bewegungen folgten. Ich sah Zorn in seinen Augen, und Unglauben gepaart mit Angst.

Ich rief meinen Partner an, informierte ihn über das Geschehnis. In wenigen Minuten würde das Podest mit Polizisten und Sanitätern gefüllt sein, bis dahin wollte ich mir einen ersten Eindruck verschaffen. Was konnte ich schon groß für den Mann tun, außer dafür zu sorgen, dass er nicht aufhörte zu atmen? Ich wusste nicht, was er hatte und wollte es nicht noch schlimmer machen. Würde Henry hier sein, wüsste er wahrscheinlich innerhalb weniger Sekunden, was mit dem Unbekannten nicht stimmte. Henry.. Ein ungutes Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit. Kaum, dass sich dieses Gefühl verfestigt hatte, fiel mein Blick auf eine Taschenuhr.

Es war nicht nur irgendeine Taschenuhr, nein, es war seine. Ich brauchte ein paar Augenblicke, in denen ich lediglich auf die Uhr starrte, bis sich mein Körper wieder in Bewegung setzte und ich mich nach unten beugte.

Erst da sah ich das Blut, eine große Menge von frischem Blut. Es schimmerte eigenartig hell im Schein der Neonlampen-Röhren und brachte mich dazu, scharf die Luft einzusaugen und stockend wieder aus meiner Lunge zu entlassen. Was hatte das Blut hier zu suchen? Und auch noch direkt neben Henrys Taschenuhr? Den wertvollen, alten Gegenstand in meine Jackentasche steckend, ließ ich mein braunes Augenpaar hin und her schweifen. Doch abgesehen von dieser einen großen Blutlache waren nirgends kleinere Bluttropfen zu sehen, die darauf hindeuten könnten, dass die verletzte Person sich fortbewegt hatte. Auch keine in Blut getränkten Fußabdrücke. Gar nichts. Es wurde immer merkwürdiger.

Mit einer Hand durch meine Haare fahrend, schloss ich einen Moment lang meine Augen. Was war hier los? Wo war Henry? Und was hatte es mit dem Mann dort drüben auf sich? Etwas an ihm, ich konnte nicht genau sagen was, machte mich nervös und sorgte dafür, dass meine Alarmglocken in Dauerschleife schrillten. Er hatte etwas Seltsames an sich, fast wie Henry.

„Henry..“ Es war wie ein Hauchen, welches sich mit dem Luftzug vermischte. Als ich die paar Meter zurück zu dem seltsamen Mann lief, fielen mir gleichzeitig drei Dinge auf: die alte, große Waffe und ein Foto, welches verkehrt herum auf dem Boden direkt neben der Waffe lag. Zuerst nahm ich den größeren Gegenstand in Augenschein. Ich führte den Lauf der Waffe vorsichtig an meine Nase – sie wurde vor Kurzem abgefeuert! Und mit vor Kurzem waren wenige Minuten gemeint. Das würde vielleicht die Blutlache erklären, aber nicht, wieso es dazu keine Leiche gab. Ich schätzte die Waffe auf etliche Jahrzehnte alt, wenn nicht sogar schon Ein -oder Zweijahrhunderte.

Ich legte das Ding zurück auf den Boden, um mit meinen Fingern nach der Fotografie zu greifen. Sie war schon alt, sehr alt. Bevor ich das Foto umdrehte, um das Bild betrachten zu können, wanderte mein Blick zu dem Mann neben mir. Sein Augenpaar ruhte auf meiner Hand, die das Foto beherbergte. Ich hätte schwören können, einen Glanz von Freude und Triumph in seinen Augen zu erkennen, ebenso wie den Ansatz eines hämischen Lächelns.

Mein Herz schlug schneller, als ich meinen verwirrten Blick von dem Mann abwendete, um mich weit aufgerissenen Augen auf das Bild zu starren. Zu sehen waren eine junge Frau, ein Baby und.. Henry? Der junge Mann auf dem Bild sah haargenau so aus wie Henry Morgan! Entsetzt ließ ich das Foto aus meinen Händen fallen, um es anschließend gleich wieder aufzuheben. Das konnte doch nicht wahr sein! Wie war das möglich?

„Jo? Sind Sie hier unten?“ Die Stimme meines Partners riss mich aus meiner Starre. Schwer schluckend, mindestens genauso schwer atmend, öffnete ich meinen Mund zu einem Ruf.

„Ja! Ich bin hier!“, brachte ich mühsam hervor. Schnell steckte ich das Foto in meine Jackentasche, in die Selbe, in der ich auch Henrys Uhr verstaut hatte. Vorerst sollte niemand wissen, dass er hier unten war.

„Du meine Güte! Sie sehen ja auch, als hätten Sie ein Gespenst gesehen.“, kam es witzelnd über die Lippen Hansons. Sein Lachen verebbte, als er meinen ernsten Geschichtsausdruck und den am Boden liegenden Mann sah. Auch die restlichen Uniformierten und eintreffenden Sanitäter widmeten ihre Aufmerksamkeit und Konzentration dem Verletzten.

„Wo ist Henry?“, vernahm ich die Frage meines Partners, der sich soeben neben mich gesellt hatte. Ich zuckte mit meinem Schulten und schüttelte parallel dazu mit meinem Kopf. Ich bekam dieses alte Foto nicht mehr aus meinen Gedanken und ebenso wenig die Fragen, die dementsprechend in meinem Kopf herumschwirrten. Ich wurde nicht schlau aus alledem. Oder vielleicht wollte ich es auch gar nicht – vielleicht war ich noch nicht dazu in der Lage, all das zu verstehen.

Meine Finger fuhren über die Außenseite meiner Jackentasche, fühlten die Umrisse der Taschenuhr und des Fotos.

„Kommen Sie ohne mich hier zurecht?“ Ich wartete nicht ab, bis eine Antwort ertönte. „Ich muss etwas erledigen.“, war alles, was ich dazu noch hinzufügte, bevor ich meinen Blick von den Geschehnissen und dem Trubel um mich herum abwendete und den Weg entlanglief, auf welchem ich vorhin nach unten gelangt war. Mechanisch trugen mich meine Beine den Tunnel entlang, über Steine und Gleise und die Metallleiter hoch in die Menschenmenge der U-Bahn von New York. Jetzt, wo Licht und Sonne mir klar und deutlich den Weg zeigte, lief ich immer schneller, bis zum Auto, in welches ich in Rekordgeschwindigkeit sprang, den Motor startete und los fuhr.

Eine Straße entfernt vom Antiquitätengeschäft von Henry und Abe, parkte ich meinen Wagen. Ich brauchte noch ein paar Schritte zu Fuß, an der frischen Luft, um einen halbwegs klaren Gedanken fassen zu können.

Es funktionierte in der Tat. Die frische Luft und der leichte Wind verschafften mir einen klaren Kopf. Nach wie vor machte sich das Entsetzten, die Verwirrtheit und der Unglauben in mir breit, aber ich wusste diese Dinge nun zu kontrollieren. Ich war Detektive, da stellte das für mich keine sonderliche Schwierigkeit dar. Zumindest im Moment nicht. Ich konnte nicht sagen, wie es auf Dauer funktionierte.

Als das Geschäft rechts von mir zum Vorschein kam, wurde mein Schritt etwas langsamer. Ich atmete ein Mal tief ein uns aus, bevor ich an die Tür trat und mit einem festen Faustschlag dagegen klopfte. Durch die Scheibe hindurch sah ich Abraham und Henry, freudestrahlend bei einem Schachspiel. Als er mich erblickte und auf mich zugelaufen kam, reichte sein Lächeln beinahe bis zu seinen Augen. Würde ich nicht wieder an das Foto denken, würden sich meine Mundwinkel wohl auch in die Höhe ziehen, aber so blieben sie dort, wo sie waren. Auf ernster Miene. Sich davon jedoch nicht abschrecken lassend, öffnete Henry vor Freude platzend die Tür.

„Hallo Detektive! Was kann ich für Sie tun?“

„Antworten, Henry. Sie können mir Antworten liefern.“ Langsam zog ich erst seine Taschenuhr und schließlich das Foto aus meiner Jackentasche. Sein Lächeln verschwand, mit einer geschickten Handbewegung riss er mir das Foto aus den Händen. Ich wartete. Abraham stand mittlerweile neben ihm, seufzend legte er Henry eine Hand auf die Schulter.

„Erzähl es Ihr.“

Henry seufzte ebenfalls. Seine Schulter sackten nach unten und mit einem traurigen Lächeln im Gesicht hob er seinen Blick wieder an. „Das ist eine lange, lange Geschichte.“ Nach einem weiteren Seufzer trat er einen Schritt zur Seite.

„Ich habe Zeit.“ Mit diesen Worten betrat ich das Geschäft. Gespannt auf seine Geschichte, auch wenn ich zugegebenermaßen ein wenig Angst davor hatte.
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