Losing a Bolt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
10.09.2015
10.09.2015
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Losing a Bolt

— Sarada’s POV —

Ich kann es nicht glauben. Es war eine einfache Mission. Wir sollten zwei abtrünnige Shinobi einfangen und nach Konoha bringen. Eigentlich war es wirklich nur Routine. Aber ich fasse es nicht, dass es so eskalieren musste. Ich stehe hier nun. Alleine. Das Schluchzen meiner Mutter wird lauter. Ich höre hin. Bis eben war ich tief in Gedanken versunken. Ich spüre eine Hand auf meiner Schulter. Mein Vater?
Seit wann war er wieder in Konoha?
Habe ich ihn die ganze Zeit ignoriert? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich für dieses Ereignis verantwortlich bin. Ich schaue mich um und sehe Menschen, die weinen. Sie weinen und schauen auf den Sarg, der vor uns steht. Ich starre die hölzerne Kiste an und kann es immer noch nicht fassen.
"Mama?", frage ich mit brüchiger Stimme. Die Frau mit den rosafarbenen Haar, meine Mutter, schaut mich mit ihren smaragdgrünen Augen an und versucht ihre Tränen zu unterdrücken. Sie weiß, was ich fragen will. Sie weiß, dass ich fragen will, ob ich nun gehasst werde.
"Nein, Sarada, du bist nicht Schuld an seinem Tod.", antwortet sie mir und legt ihre Hand auf meine andere Schulter. Ich nicke stumm und schaue wieder auf den Sarg, in dem mein bester Freund liegt.

Ich bemerke, wie sich die Menge teilt. Es bildet sich ein Weg, der für den Hokage der siebten Generation, seine Frau und deren Tochter gedacht ist. Mit langsamen Schritten gehen sie an den trauernden Menschen vorbei und starren ebenfalls auf den kleinen Altar, der reichlich mit Blumen geschmückt ist. Ich schaue zu Hinata, deren Augen vom Weinen aufgequollen waren. Ihr Anblick zerreißt mein Inneres in tausend Stücke.
Es ist meine Schuld.
Ich habe ihn sterben lassen.
"Papa?", frage ich.
"Was gibt es, Sarada?", entgegnet er mir mit gewohnt kalter Stimme, die mich nur mehr verletzt.
"Ach, vergiss es." Ich zucke mit den Schultern, um mich von der Hand meines Vaters zu befreien.
Neben mir bemerke ich, wie Mitsuki mit seinem Vater ebenfalls trauert. Ich habe ihn noch nie weinen sehen. Eigentlich, habe ich noch nie richtige Emotionen von ihm gesehen und von seinem Vater erst recht nicht. Ich spüre, dass ich die Einzige bin, die nicht weint. Warum lässt mich dieser Tod so kalt? Liegt es daran, dass es meine erste Beerdigung ist? Liegt es daran, dass meine Schuldgefühle zu stark sind?

Der Hokage steht nun am Altar und beginnt seine Rede. Ich höre ihm zu. Alle hören ihm zu.
"Wir haben uns heute hier versammelt, um um den Tod von Boruto Uzumaki zu trauern. Er starb bei einer Mission, bei der es um, vermeintlich, harmlose, abtrünnige Shinobi ging. Er wurde durch einen gezielten Stich in den Rücken, der das Herz traf, getötet. Boruto verstarb noch am Unfallort. Wir möchten heute von ihm Abschied nehmen."
Der letzte Satz kommt kaum noch bei den Trauergästen an, da der Hokage selbst den Tränen freien Lauf lässt. Mein Vater würde jetzt am liebsten etwas wie "So ein Weichei" sagen, doch eine perfekt manikürte Hand wird auf seine Schulter gelegt. Meine Mutter ist die Einzige, die ihn besänftigt. Ich bemerke, wie sie den linken Oberarm meines Vaters umklammert. Mein Blick wandert wieder zum Hokage, dessen Frau gerade von Boruto Abschied nimmt. Auch Himawari gibt ihrem großen Bruder einen letzten Kuss auf die Stirn. Ein schwaches Lächeln ziert meine Lippen, als ich sehe, wie ein kleiner Stoffpanda in den Sarg gelegt wird. Ich erinnere mich, wie Boruto mir von diesem Stofftier erzählt hatte. Er sagte mir, dass er ihn zerrissen hatte, wodurch Himawari ihr Byukugan das erste Mal eingesetzt hatte.
Und nun liegt Himawaris Lieblingsstofftier bei Boruto. Ihr Schluchzen wird stärker, als sie sich immer mehr von ihrem Bruder entfernt.
Als nächstes werden Mitsuki und Ich nach vorne gerufen. Wir, als seine ehemaligen Teamkameraden, sollen Abschied nehmen. Mein Herz pulsiert immer stärker. Ich soll Boruto ein letztes Mal sehen? Ich soll meinen besten Freund verabschieden?
Die Hand meiner Mutter gibt mir einen leichten Schubs, sodass meine Füße sich in Gang setzen. Langsam nähere ich mich der Uzumaki-Familie, bis ich schließlich am Sarg stehen bleibe. Ich schaue Boruto an. Er sieht so friedlich aus. Als würde er nur schlafen. Ich habe das Gefühl, er würde jeden Moment seine Augen öffnen und irgendetwas lustiges von sich geben. Ich vermisse den blonden Chaoten. Ich schaue verzweifelt zu Hinata und dem Siebten. Ihre Blicke machen mir Mut.
"Möchtest du ihm noch irgendetwas sagen?", fragt Sakura, die nun ein paar Schritte auf mich zu macht. Ich nicke leise und drehe mich wieder zu Boruto.
"Es ist meine Schuld, Boruto. Ich habe nicht aufgepasst. Hätte ich nicht wie eine Egoistin gehandelt, wärst du nicht ungeschützt gewesen. Bitte, verzeih mir, wo auch immer du nun bist."
Ich betrachte die Kette, die er um seinen Hals trägt. Langsam löse ich das Stück Metall von seinem Hals und betrachte es.
"Sarada, ich möchte, dass du seine Kette trägst.", flüstert Hinata und nimmt mir die Kette aus der Hand. Vorsichtig legt sie mir die Kette mit dem Schraubenanhäger um meinen Hals und schluchzt einmal tief. Das kalte Metall jagt mir einen Schauer über die Haut. Es tut gut, etwas von Boruto bei mir zu tragen. Ich drehe mich erneut zum Sarg und nehme meine Brille ab. Es ist mir egal, dass es mir schwer fällt, zu sehen, aber ich möchte ihm etwas mitgeben. Etwas, was ihn an mich erinnert. Es klingt blöd, aber ich weiß, dass er immer bei mir sein wird.
Ich hebe seine rechte Hand und lege meine rote Brille darunter. Ein letzter Anblick und plötzlich rutscht mir etwas heraus, was ich noch nie gesagt habe. Ich sage etwas, was mir zu spät über die Lippen kommt. Etwas, was ihn vielleicht von dieser Mission bewahrt hätte: "Boruto, ich liebe dich."
Langsam gehe ich einige Schritte weg und breche zusammen. Ich weine. Ich weine mehr als alle anderen. Mir wird schwarz vor Augen. Ich spüre, wie ich fast kreische. Der starke Arm meines Vaters hebt mich auf seine Schulter. Danach verliere ich das Bewusstsein.

Seit der Beerdigung sind nun drei Jahre vergangen. Mitsuki und Ich haben uns seitdem kaum noch gesprochen und auch mein Vater hat uns kurz darauf verlassen. Der Hokage hatte mir erlaubt, erneut diese beiden Shinobi zu jagen. Ich hatte das Temperament meines Vaters. Jedoch scheiterte ich erneut. Einzig das blutverschmierte Kunai des Mörders, welches ich ergattern konnte, erinnert mich an jenen Tag.
Ich finde mich selbst im Badezimmer unseres Hauses. Von außen dringt die Stimme meiner Mutter in mein Ohr. Sie redet mit Hinata. Sie reden über mich und meine psychische Verfassung. Man stuft mich unter "labil" ein. Ich verstehe das nicht. Ich bin nicht labil.
Ich schließe meine Augen. Kurze Zeit später öffne ich sie und betrachte mein Sharingan. Jedoch sieht es anders aus. Es schwächt mich mehr als damals. Meine Tomoe haben eine komische Form.
Meine Hand umklammert das blutige Kunai in meiner Hand. Mit der rechten Hand umklammere ich die Schraube um meinen Hals. Langsam gleitet mein Finger über die Klinge des Messers.
Ein Tropfen Blut quillt aus der Wunde und mein Blick folgt dem Rinnsal, welches langsam auf den Boden tropft.

"Boruto, heute wird Blut fließen. Ich weiß es!"

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Soo, das war's mit dem kleinen OneShot. Ich hoffe, es hat euch gefallen. Eigentlich wollte ich das hier nicht hochladen, aber "NejikoLuna" hat mir Mut gemacht. Schaut unbedingt mal bei ihr vorbei =) Es lohnt sich.

Bis zur nächsten Geschichte. *Kekse hinterlass*
 
 
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