Dein Blick ...

von jinkizu
GeschichteDrama / P16
08.09.2015
23.09.2015
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Dein Blick … lässt mich zweifeln


Irgendwann unbemerkt von ihr, hat sich etwas verändert. Zwischen ihnen war es früher anders. Er war ihr fremd geworden. Sie sah es manchmal in seinen Augen, wenn er dachte er wäre unbeobachtet. In diesen Moment sah sie es. Die Zweifel die seine Augen umwölkten und seinen Blick in die Ferne richten ließen. Doch sobald er sich ihr zuwandte, war alles wie weggewischt und für einen Augenblick gab sie sich der Illusion hin es sich nur eingebildet zu haben.


Sie liebte ihn mit einer Verzweiflung die ihr unendliche Schmerzen bereitete. Früher waren seine Gefühle zu ihr genauso tief und innig gewesen. Früher. Früher war nicht heute. Heute war alles anders. Wenn sie ihn berührte wich er ein kleines Stück zurück, ganz so als wäre es ihm unangenehm. Sie konnte sich noch an die Zeit erinnern, wo er kaum seine Hände von ihr hatte lassen können. Wo eine schlichte Berührung nicht genug war. Aber jetzt musste sie förmlich um seine Aufmerksamkeit betteln.


Sie schämte sich dafür sich so zu erniedrigen um eine liebevolle Geste von ihm zu erhalten. Wann nur war alles anders geworden? Sie hätte ihn so gerne zur Rede gestellt. Hätte ihn mit ihren Zweifeln, gesät durch seine Blicke, konfrontiert, doch sie hatte Angst. Angst das die Wahrheit ihr das Herz brechen könnte. Warum es nicht so lassen wie es war und weiterhin so tun als wäre nichts? Es würde sie umbringen. Sie zerstören.


Von ihr würde nichts mehr übrigbleiben als ein wimmerndes Etwas. Und er würde sie mit Füßen treten, weil er sie, zurecht, verachtete. In ihrem Kopf formte sich die Frage, die ihren Mund nicht verlassen wollte. „Warum liebst du mich nicht mehr?“ Die Frage deren Antwort ihr Höllenquallen verursachen konnte. Als sie ihn kennenlernte, vor unendlich vielen Jahren, da hatte sie ihn nicht geliebt. Im Grunde war er nur Unterhaltung für sie und ihr gleichgültig gewesen.


Erst mit der Zeit, vielleicht war sie reifer geworden oder auch er, hatten sich ihre Gefühle für ihn vollkommen gewandelt. Sie begann zu erwidern, was er für sie so offensichtlich empfand. Aus wachsender Sympathie wurde Liebe. Und jetzt wo sie sich keinen Tag mehr ohne ihn vorstellen konnte, hatte er damit aufgehört. Verbissen höflich begegnete er ihr und ließ sie dabei einen kalten Schauer spüren. Mühsam schluckte sie den Klos der sich in ihrer Kehle gebildet hatte hinunter.


Wenn sie in die Zukunft blickte dann sah sie sich an seiner Seite. Erneut musterte sie ihn nervös von der Seite her. Starr sah er gerade aus. Schien vergessen zu haben, dass sie neben ihm stand. Sie war ein fühlendes, atmendes Wesen, aber für ihn war sie nicht mehr länger sichtbar. Sie kam sich vor wie ein Geist. Plötzlich blickte er herab auf sie. Sah sie mit diesem seltsamen Blick an und erneut begann sie zu zweifeln.


„Sag es mir!“, entrann es ihren Lippen ehe sie es verhindern konnte. Fordernd erwiderte sie seinen Blick. Eine Zeitlang stand er unbewegt vor ihr, dann wandte er sich ab.


„Es tut mir leid ...“, begann er und besiegelte mit diesen Worten ihre Befürchtungen.


Die Zweifel in seinem Blick waren keine Einbildung gewesen. Im gleichen Atemzug in dem sie gelernt hatte ihn zu lieben, hatte damit aufgehört. Umso mehr sie ihn brauchte, umso weniger konnte er ihre Nähe ertragen.


„Hab ich etwas getan?“, fragte sie zögernd. Warum nur quälte sie sich nur so? Stumm schüttelte er den Kopf.


„Es hat nichts mit dir zu tun!“, kam es fest von ihm.


Was bedeutete dieser Satz? Es hat nichts mit dir zu tun.  Mit wem sonst? Sie und er waren in einer Beziehung. Gewesen.


„Habe ich etwas falsch gemacht?“ Erneut versuchte sie in ihn zu dringen.


„Es liegt nicht an dir, sondern an mir!“, widersprach er heftig.


Ihm war das Gespräch offensichtlich unangenehm. Natürlich. Er hatte sie schon vor ein paar Wochen verlassen, ohne das sie es gemerkt hatte. Oder doch. Sie hatte es in jedem seiner Blicke gesehen und jetzt brauchte er nur noch die Worte für den Abschied zu finden.


„Sieh mir in die Augen und sag mir das du mich nicht mehr liebst!“, verlangte sie streng. Ihr war kalt geworden, dabei war es im Zimmer angenehm warm.


„Es tut mir leid ...“, kam es erneut von ihm, doch hart fiel sie ihm ins Wort.


„Sag die Worte!“, schrie sie ihn an. Wie hysterisch sie klang.


„Ich liebe dich nicht mehr!“


An seinen Worten und in seinem Blick gab es kein Zweifel mehr. Nun waren seine Augen wieder klar. Leise schloss er die Tür hinter sich und er war fort aus ihrem Leben. Tränen verschleierten ihr die Sicht und der Kummer drohte sie zu überwältigen, aber sie hatte nun keine Zweifel mehr.
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