Operation Starlingale

von Spitzohr
GeschichteHumor, Romanze / P16 Slash
06.09.2015
23.09.2015
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Hallo an alle, die sich in diese FF verirrt haben. Habt ihr die Geschichte in euren Alerts, weil ich zu einer Favoliste von euch gehöre und ihr die Bücherreihe Flüsse von London (noch) nicht kennt, lest unbedingt mal in die Bücher rein. Die lege ich euch gerne sehr ans Herz.
Wer zum Fandom gehört und reinschaut, vielen, vielen Dank. Ich habe gerade Foxglove Summers durch und wollte unbedingt etwas zur Reihe schreiben. Hat sogar ein winzig kleines bisschen mit dem aktuellen Band zu tun (leichte Spoiler, gerade am Anfang), aber ich hoffe, es gefällt euch auch ohne wahrscheinliche Canon-Fortführung. Das Pairing habe ich im Englischen schon in einigen FFs gelesen und ich muss zugeben, ich shippe die zwei. Herrje, ich shippe sie ziemlich heftig. Also müsst ihr euch jetzt meine kreativen Ergüsse dazu antun. Naja, müsst ihr offen gestanden nicht. Wenn Slash oder zumindest Peter X Nightingale nicht, wie man auf Englisch sagt, „your cup of tea“ ist, nehme ich es euch gewiss nicht übel, wenn ihr jetzt wieder umkehrt und das Heil in der Flucht sucht.
Und jetzt nach einem schon viel zu langen Vorwort, lege ich einfach mal los.
Eure Spitzohr


Operation Starlingale

Kapitel 1

Als ich Lesley angeboten hatte, sie dürfe die Planung meines Liebeslebens übernehmen, wenn sie sich stellte, hatte ich es nicht ernst gemeint. Oder vielleicht hatte die ländliche Hitze von Rushpool auch nur einfach mein Hirn weggeschmort. Vielleicht hatte ich es auch sogar ernst gemeint, weil ich sie wirklich ehrlich vermisste, und wenn sie mich zehnmal in den Rücken getasert hätte. Natürlich würde es nicht mehr so werden wie früher, nie mehr, aber das änderte nichts an der Tatsache, dass sie mir gefehlt hatte.

Obwohl ich gerne ein optimistischer Mensch bin, hätte ich trotzdem nie erwartet, dass keine Woche nach meinem Kurztrip ins Fantasialand die Türklingel des Folly läuten und Molly den Besucher mit einem lauten, unmittelbaren Fauchen begrüßen würde. Als Polizist hat man die Pflicht, den Dingen, vor denen andere Leute wegliefen, entgegenzutreten, aber etwas, das selbst Molly instinktiv einen Schritt zurückweichen ließ, war eigentlich nichts, was ich aus einem kleineren Abstand als zehn Metern sehen wollte. Bevor sich also mein Gefahreninstinkt zu Wort melden konnte, hechtete ich besorgt zur Tür. Und was, oder vielmehr wen, ich erblickte, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren.
Lesley.
Das Gesicht noch immer zu zwei Dritteln von einer fleischfarbenen Maske verborgen, die blonden Haare inzwischen kürzer getrimmt, und die Hände zu einer defensiven Geste in Mollys Richtung erhoben.

„Hol bitte Nightingale runter“, raunte ich Molly zu und positionierte ich mich zwischen ihr und Lesley, „Sofort.“ Ohne ihre Zeit mit einem Nicken zu verschwenden, machte Molly auf dem Absatz kehrt und flog regelrecht durch den Flur zur Treppe, ihre Bewegungen lautlos wie eh und je.

„Hallo, Peter. Hier bin ich.“ Lesley klang, als wäre es dieser Tage nichts Ungewöhnliches für sie, auf der Türschwelle zum Folly zu stehen. Na, wie sieht’s aus mit dem neuen Fall? Hast du schon den Freund des Opfers gefunden, du Flasche? Komm, lass uns erstmal ein Pint trinken und dann erkläre ich dir noch mal, wie das mit der Polizeiarbeit richtig geht.
„Ein Jahr ist noch nicht um“, informierte ich sie. Es war das erste, was mir durch den Kopf schoss. Meine Stimme klang sehr viel kühler, als ich wollte, aber ihr plötzliches Erscheinen erfüllte mich mit einer solchen Kälte, dass die sich wohl in mir verteilen musste, auch auf die Stimme.
„Und ich dachte, du hättest mich vermisst“, gab Lesley trocken zurück. Ihre Augen funkelten hinter ihrer Maske. Sie fand das Ganze wohl auch noch urkomisch.
„Du hast mich in den Rücken getasert“, meine Stimme zitterte einen Moment und ich hasste mich dafür, „Ich bin mir nicht sicher, wie schnell ich dich wirklich wiedersehen wollte.“
Nicht einmal den Anstand, sich schuldbewusst zu zeigen, hatte sie. Stattdessen zuckte sie nur mit den Schultern. „Selbst schuld, dass ich hier bin. Du hast es  vorgeschlagen. Gut erholt vom Land?“
„Sicher. Ein bisschen städtischen Smog in den Lungen, eine halbe Stunde im Stau, und ich war sofort wieder der alte.“

Hastige Schritte polterten die Treppe hinunter. Nightingale war über Molly wohl so besorgt, dass er sich nicht einmal die Zeit für Vorsicht und Subtilität nahm. Nur mit mäßigem Interesse warf Lesley einen Blick über meine Schulter. Unwillkürlich folgte ich ihrem Blick mit meinem und sah Nightingale heranstürmen, die Zipfel seines taubengrauen Jacketts, das er in seiner Überstürzung nicht einmal zugeknöpft hatte, dramatisch hinter ihm her flattern. Er kam neben mir zum Stehen und schob eine Schulter vor die meine, sein Stand, fest und aggressiv, zeigte, dass er für eine handgreifliche Auseinandersetzung bereit war. Er tat dasselbe, was ich bei Molly getan hatte. Er baute sich in schützender Pose so auf, dass er mich zumindest halb verdeckte. Und wir beide hatten es mehr oder weniger instinktiv getan.
Polizist Sein ist halt doch etwas, das sich unweigerlich ins Verhalten eingräbt.
„Lesley“, grüßte er so ruhig, als wäre er soeben nicht mindestens zwei Treppenabsätze heruntergesprintet, sondern hätte sich lediglich von der Chaiselongue erhoben, um den Gast zu begrüßen, „Welch unerwartete Überraschung.“
Lesley nickte Nightingale nur zu, sagte aber nichts. Ihr Blick flackerte zwischen uns hin und her, wie wir dastanden, Schulter an Schulter, wie eine menschliche Mauer, um sie von der Eingangshalle fernzuhalten, die sie ebenso sehr verraten hatte wie uns.
„Ich würde gerne fragen, was uns diese zweifelhafte Ehre verschafft“, fuhr Nightingale eine Spur kühler fort. Auch er hatte Lesley noch lange nicht verziehen. „Aber ich fürchte, ich muss darauf bestehen, Sie zu verhaften. Zumindest pro forma, Sie verstehen das sicherlich.“
Wieder nur ein Nicken. Nach einem kurzen Augenblick des Schweigens, in dem Nightingale ein paar Handschellen aus der Tasche zog – ich beschloss, die Frage, weshalb um Himmels willen er im Folly ein Paar Handschellen bei sich trug, auf später zu verschieben – merkte Lesley lapidar an, sie kenne ja ihre Rechte. Sie streckte seelenruhig ihre Hände aus. Mit der Maske war es nicht zu sagen, ob sie auch nur eine Miene verzog, während das kühle Metall sich um die Gelenke schloss. Nightingale nahm seine Hand nicht von ihrem Arm und bedeutete mir mit einem Kopfrucken, beiseite zu treten. „Bitte, kommen Sie doch herein.“
Lesley tat wie ihr geheißen und ließ sich von Nightingale durch den Flur in den Salon führen.

Ich schloss die Haustür und erlitt beinahe einen Herzinfarkt, als ich mich umdrehte und mich keinen halben Meter entfernt Molly gegenüber fand. Vorwurfsvoll starrte sie mich an und bleckte die Zähne. Die Situation missfiel ihr ganz offensichtlich. „Ich kann doch auch nichts dafür“, teilte ich ihr in einem wie ich hoffte versöhnlichen Tonfall mit, „Ich habe sie nicht vor die Tür gezerrt. Da ist sie ganz von alleine hingegangen.“ Molly sah nicht gerade überzeugt aus und ich überlegte fieberhaft, was ich tun konnte, um sie und ihr Haifischgebiss zu beschäftigen und vor allem von mir abzulenken. „Könntest du bitte Toby in der Küche beschäftigen? Wenn er sie jetzt sieht, dreht er bestimmt völlig durch.“ Molly legte einen Augenblick den Kopf schief, musterte mich noch einmal mit offensichtlichem Missfallen, nickte dann aber gnädig und glitt davon. Ich rief ihr noch ein Dankeschön hinterher und machte mich dann auf den Weg in den Salon.

Nightingale wartete schon auf mich, denn er wollte Lesley nicht einmal für den Bruchteil einer Sekunde unbeaufsichtigt lassen, während er zum Telefon im Flur ging und die Kollegen von den Professionellen Standards zu verständigen. Selbst dabei ließ er in untypischer Manier die Tür offen und beobachtete Lesley und mich wie ein Habicht. Ich war mir nicht sicher, ob er mich nicht für kompetent genug hielt, um alleine mit Lesley fertig zu werden, oder ob er sich übermäßige Sorgen um mich machte.
Vielleicht hatte Inspector Pollock ihn ja auch inzwischen von der Theorie überzeugt, dass ich doch mit Lesley unter einer Decke steckte. Allerdings wäre er dann ein besserer Schauspieler als die Hälfte aller Westend-Ensembles gewesen, denn in all den Wochen hatte er mich ganz wie immer behandelt.
Um meines eigenen Seelenfriedens willen beschloss ich also, dass er sich einfach um mich sorgte. Wie rührend von ihm. Völlig unnötig natürlich, aber es freute mich, dass ich ihm wichtig genug war.
Ich wechselte kein Wort mit Lesley, konnte meinen Blick aber nur schwer von ihr lösen, während ich angestrengt lauschte, wie Nightingale die Person am anderen Ende der Leitung über die Anwesenheit und die Verhaftung einer gewissen abtrünnigen Polizeiangestellten informierte. Lesley machte keinen Hehl daraus, dass ihr gesamtes Interesse mir galt.

„Wie geht’s dir, Peter?“, fragte sie munter.
Ich brummte zur Antwort. Ich wollte lieber nichts sagen. Diese Situation war mir zu heikel, und Nightingales Ruhe war von einer stählernen Wut unterzogen, dass ich aber wirklich rein gar nichts tun wollte, was er mir nicht auftrug.
„Ich muss schon sagen, es tut wirklich verdammt gut, dich wiederzusehen.“ Ich vermutete, dass sie unter ihrer Maske grinste. Ihre Stimme klang ganz so wie ein Grinsen.
„Dann sehen Sie ihn sich gut an, Lesley“, tönte Nightingales schneidende Stimme von der Tür her, „Denn gleich kommen ein paar Kollegen, die Sie gerne zu einem Gespräch aufs Revier mitnehmen möchten.“
„Schade“, seufzte Lesley, „Ich fühle mich hier schon wieder fast wie zuhause.“ Das schien Nightingales Laune auch nicht zu bessern. Im Gegenteil. Ein Bär mit Tollwut hätte fröhlicher ausgesehen. Seine Augen blitzten stählern und er schien sich nur mit Mühe davon abhalten zu können, nicht die Beherrschung zu verlieren und Lesley ein paar Takte zu sagen, oder wohl eher entgegenzubrüllen.

Deeskalation ist zwar eines der Lieblingswörter des modernen Polizisten, aber das Fünkchen gesunder Menschenverstand, das ich nun doch noch besaß, schrie mich mit Megafon und Leuchtreklame an, mich so unauffällig wie eine Stehlampe im Möbelhaus zu benehmen und keinen Mucks von mir zu geben.
Vielleicht gaben meine Augen meine unterschwellige Panik zu erkennen, denn Lesley schnaubte amüsiert, als sie mir einen weiteren Blick zuwarf. Das wiederum veranlasste Nightingale, mich mit seinem nachtfinsteren Blick zu strafen, bevor er wieder Lesley streng fixierte. Niemand sagte auch nur ein Wort.
Als die Kollegen an der Tür klingelten und klopften, war ich dankbar und brauchte nicht einmal eine Anweisung von Nightingale, um aufzumachen. Molly kam überhaupt nicht aus der Küche, wahrscheinlich wusste sie Bescheid. Oder sie nahm die Aufgabe, Toby abzulenken, sehr ernst.

Die Vernehmung von Lesley verlief kurz und unspektakulär. Hauptsächlich schwieg sie sich aus, und ohne das Mienenspiel unter ihrer Maske sehen zu können, konnten sie auch nichts aus ihrem Schweigen schlussfolgern. Nightingale führte außerdem ein sehr langes Gespräch mit Pollock, dessen Ergebnis keinen von beiden glücklich stimmte. Streng genommen fiel Lesley unter unsere Zuständigkeit, und das bedeutete, dass wir sie, wie zuvor Varvara Sidorovna, die nun wieder in Mütterchen Russland unter Aufsicht stand, im Folly beherbergen mussten. Natürlich sahen Nightingale und ich die Notwendigkeit darin, aber das musste nicht bedeuten, dass es uns – also hauptsächlich ihm – auch gefiel. Lesley bei uns zu haben, barg ein großes Risiko. Wir wussten nicht, wie weit sie vom  Gesichtslosen kontrolliert wurde. Wir hatten keine Ahnung, was ihre Motivation war, sich überhaupt gestellt zu haben. Sie konnte genauso gut versuchen, uns wieder zu infiltrieren oder hinter die ominöse Tür im Folly zu kommen, die Nightingale mehr wie ein Habicht als wie eine Nachtigall bewachte.

Außerdem brachte Lesley ins Folly noch tierische Gesellschaft mit. Einen Elefanten. Zwar einen metaphorischen, aber da war er dennoch. Und jeder von uns wusste es. Nightingale, ich, Lesley, Molly, der von Professionelle Standards zu uns abbeorderte Constable und sogar Toby, der Lesley zwar inzwischen kurz mit Kläffen und Schwanzwedeln begrüßt hatte, aber sonst mit treuer Miene gen Molly eher mied. Molly verbrachte so viel Zeit wie möglich in der Küche. Zuerst dachte ich, sie würde einfach so kurz wie möglich im selber Raum wie Lesley sein wollen, aber als es Zeit für das Abendessen war, wurde mir klar, was der zweite Grund war.
Molly hatte doppelt so üppig wie sonst gekocht, und da ihre üblichen kulinarischen Eskapaden schon eine halbe Heilsarmee versorgt hätten, wussten wir diesmal kaum wohin mit dem ganzen Essen. Toby würde diese Nacht nicht schlafen, sondern im Fresskoma verbringen, da war ich mir sicher.

Dem Constable fielen beinahe die Augen aus angesichts der schieren Masse von Essen. Lesley schien sich schon wieder ganz wie zuhause zu fühlen und langte kräftig zu, ohne sich an der unangenehmen Atmosphäre zu stören. Einzig das Klappern und Klirren des Bestecks auf dem Porzellan erfüllte den Raum, durchsetzt von dem mitleidserregenden Hecheln eines verhungernden Hundes. Bei der bei allen herrschenden Stimmung war es nicht überraschend, dass es Lesley war, die das Schweigen letztendlich brach. „Also, Peter, wie geht es eigentlich Beverly?“

Nightingale warf mir einen kalten, berechnenden Blick zu, gab mir aber kein Anzeichen, ob ich antworten sollte oder nicht. Ich beschloss, mich auf ein halbwegs sicheres „Mmh“ zu verlegen und hastig noch eine große Gabel voll Kartoffeln in meinen Mund zu schieben, um mir ein wenig mehr Zeit zu verschaffen.
Meine Mum hat zwar bei meiner Erziehung sehr auf meine Tischmanieren geachtet, aber so langsam und gründlich gekaut wie in diesem Moment hatte ich noch nie.
Beverly und ich hatten eine Menge Spaß. Der Sex war umwerfend. Aber uns beiden war klar, dass aus uns nicht mehr werden würde als Freunde mit gewissen Vorzügen oder eine zwar intensive, aber eher unbeständige Affäre. Wir hatten uns gern genug, und die sexuelle Anziehung zwischen uns hatten wir schon beide aus erster Hand erlebt und leidenschaftlich ausgelebt. Aber sie war nun mal eine Genius Loci, eine Flussgöttin. Ich hatte einen Eid der Polizei und dem Folly gegenüber geleistet, gegenüber Nightingale. Ich konnte keine Verpflichtung Beverly gegenüber leisten, die eine ernsthafte Beziehung zweifellos mit sich führen würde. Offiziell hatten wir also auch nie etwas tiefer Gehendes begonnen.
„Gut, gut“, nuschelte ich nach einer verlegenen Pause und warf Nightingale einen schnellen Blick zu, der wohl leider nicht ganz so unauffällig war, wie ich hoffte. Ich hatte Nightingale natürlich nichts gesagt, aber ich wurde den Verdacht nicht los, dass er trotzdem von dem Sex wusste. Hoffentlich keine Details, und hoffentlich nichts über die Häufigkeit – ich hatte mich immerhin sehr bemüht, diskret zu sein. Aber es war nun einmal Nightingale. Eigentlich sollte es mich nicht überraschen, wenn er alles über Bev und mich wusste.

Lesley gab sich mit meiner kurzen Antwort nicht zufrieden und natürlich bereitete es ihr Spaß, das Thema ausgerechnet jetzt breitzuwalzen. „Schläfst du denn jetzt inzwischen mit ihr oder nicht?“

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So, das war's für's erste von mir. Ich werde definitiv weiterschreiben, habe schon mit dem nächsten Kapitel begonnen, aber über eine kleine Rückmeldung von euch würde ich mich natürlich sehr freuen :)
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