Von Liebe, Neid und einem Haufen Verwirrung

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
06.09.2015
15.11.2019
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Dieses Kapitel
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Hey ihr Lieben :)

Obwohl ich schon seit Ewigkeiten schreibe, ist das die erste Geschichte, die ich veröffentliche, damit auch andere daran teilhaben können. Ich will eigentlich wöchentlich ein Kapitel hochladen, mal sehen ob das geht, denn schließlich hat bei uns vor einer Woche die Schule wieder angefangen.
Über Rückmeldungen würde ich mich selbstverständlich freuen ;)

Den kompletten, vollen Titel der Geschichte habe ich noch einmal in den Titel des Kapitels gesetzt, der klingt vollständiger, wie ich finde... ich wollte nur den festgelegten Titel der Geschichte nicht so lang haben (nicht, dass sich jemand wundert).

Die Geschichte entspringt komplett meinem geistigen Eigentum, sollte sich irgendjemand darin wieder erkennen, ist das nicht beabsichtigt. Sie ist meins, und ich freue mich, sollte sie jemanden inspirieren, aber klauen ist selbstverständlich nicht erlaubt!

Und ansonsten: Viel Spaß beim Lesen!
Liebe Grüße :)



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Kapitel 1





SKANDALÖSES AUFTRETEN IM PALACE X




Elaine Kennan, Tochter des erfolgreichen Geschäftsführers Marc Kennan, hat am Sonntag anlässlich ihres 18. Geburtstags beschlossen, sich im neu eröffneten Club der Stadt, dem Palace X, mit einer riesigen Menge besten Whiskeys volllaufen zu lassen. Dass sie dabei mit ihren Freunden nicht nur ein paar Gläser demoliert hat, ist angesichts ihrer Vorgeschichte nicht überraschend.
Nach der Trennung ihrer Eltern vor drei Jahren, die sie wohl immer noch nicht so recht überwunden hat, spielte sie nicht gerade die Mustertochter der Oberschicht. Zwischen zahlreichen, ständig wechselnden Affären, mehreren Ermahnungen und den selbstverständlich damit einhergehenden schlechten schulischen Ergebnissen leistete sie sich auch auf wichtigen Empfängen und Anlässen ihren Vater betreffend immer wieder mehr oder weniger kleine Skandale.
Vor etwa einem halben Jahr - und man konnte es fast nicht glauben - dann der Umbruch: Elaine wurde von einem Tag auf den anderen die perfekte Tochter. Ob da mehr dahinter steckte als ein moralischer Sinneswandel, kann man nur spekulieren.
Wahrscheinlich wird es niemanden wirklich überraschen, dass sie am Sonntag den lang erwarteten Rückfall hatte. Mehrere Gäste des Clubs beschwerten sich über „Belästigung“, auch wenn vor allem die Männer sich sicher nicht allzu laut äußerten. Denn wer sagt schon nein, wenn er von einer hübschen jungen Frau, deren Kleidung nicht gerade hochgeschlossen ist, auf netteste Weise angesprochen wird?
Die wichtigste Frage aber wohl: Wie reagiert Marc Kennan? Ist seine Tochter jetzt endgültig zu weit gegangen? Oder tut er das alles wieder mit einem Lächeln und einem Standardspruch ab? Immerhin ist seine Tochter erwachsen - da sollte sie schon wissen, was sie tut.

„Scheiße.“ Den Zeitungsartikel über meinen Auftritt am Sonntag in der Hand, schlug ich meinen Kopf gegen den Tisch. Aua. Geschah mir recht. Die Schmerzen hatte ich wohl verdient. Obwohl - die Kopfschmerzen am Tag danach waren weitaus schlimmer gewesen.
Ich überflog den Artikel noch einmal und stöhnte auf. Verdammte Scheiße. Jetzt war ich wahrscheinlich sowas von tot. Wenn mein Vater das erführe - und das würde er! - dann könnte ich mich auch gleich in einem Erdloch vergraben und nie mehr rauskommen.
Normalerweise las er ja keine Klatschseiten. Aber wenn er nicht von seinen Kollegen auf die Seite aufmerksam gemacht würde, dann mit Sicherheit von seiner neuen Freundin, die ihm das noch süß lächelnd vor die Nase knallen würde. Ich war geliefert.
Ich zog meine Kaffetasse an mich heran und drehte die Zeitung um, anschließend schob ich sie ganz weit von mir weg.
Heute war gerade einmal Dienstag nach diesem Vorfall, den ich im Nachhinein schon ziemlich bereute - nicht wegen meinem Dad oder den Leuten, die ich gestört hatte, nein, irgendwie fand ich meine Aktion immer noch ganz witzig. Aber mittlerweile fürchtete ich die Konsequenzen schon ein wenig. Mit dem Alkohol in meinem Blut hatte ich keine Probleme gehabt, den Männern eindeutige - zweideutig war ja schließlich viel zu langweilig - Avancen zu machen.
Meine Güte, ich war keine zwölf mehr, und nach dem Vorfall vor drei Jahren konnte man nicht von mir sagen, dass ich mich irgendwie um meine Jungfräulichkeit oder gar mein Ansehen in der Welt geschert hatte. Im Gegenteil, Sex war das Beste an meinem Leben gewesen. Na ja nicht immer, aber man konnte nicht alles haben. Und eigentlich war er auch jetzt noch das Beste. Aber in diesem Artikel zu lesen, dass man mich unterschwellig schon halb der Prostitution bezichtigte, war dann schon etwas hart. Immerhin hatte ich weder Geld gewollt, noch wirklich mit einem von diesen Kerlen geschlafen. Ja gut, meine Kleidung war vielleicht tatsächlich ein bisschen unzüchtig gewesen (meine Beste Linni hatte es mir geschenkt, ein schwarzes Minikleid mit grünen Stickereien, viel Ausschnitt und wenig Stoff), aber das hatte es definitiv in sich gehabt. Es war einfach ein verdammt perfektes Gefühl gewesen, von sämtlichen Kerlen angeglotzt und bewundert zu werden. Aber doch wohl keine Prostitution! Dass da natürlich ein Journalist herumschleichen musste, hatte ich über den Alkohol wohl einfach vergessen. Ganz eventuell war es mir auch einfach egal gewesen, aber das durfte ich lieber niemandem erzählen. Und, Himmel, es war mein achtzehnter Geburtstag gewesen, den wollte ich mit ein paar Freunden ja wohl ordentlich feiern.
Jetzt holte ich die Zeitung doch noch einmal zu mir, um das Foto von mir und meinen Freunden zu inspizieren. Ich stand halb seitlich zur Kamera, neben mir Linni, die lachend auf mich zeigte, daneben John und Lex. Wir waren alle schon ordentlich beschwipst gewesen, ich versuchte auf dem Bild gerade, die Scherben eines Glases zusammenzusetzen. Im Stehen war das keine gute Idee gewesen. Kurz zuckte ein Grinsen über mein Gesicht. Außerdem konnte ich nicht umhin festzustellen, dass mir das Kleid selbst in diesem Moment perfekt stand.
Blöderweise fiel mein Blick dabei wieder auf den letzten Absatz. Ja, wie würde mein Vater reagieren? Wohl nicht allzu freundlich. Zum Glück war es aber erst um zehn, er kam frühestens um elf aus dem Bett. Wahrscheinlich waren er und Jessica wieder lange beschäftigt gewesen. Hilfe.
Mein Wandel zu Mustertochter eines alleinerziehenden Vaters, der zumindest in Hinsicht Erziehung wirklich versagt hatte, kam nicht von irgendwoher. Er hatte mir damals ziemlich stark ins Gewissen geredet - beziehungsweise gebrüllt -, dass ich nicht länger seine Tochter wäre, wenn ich so weitermachen würde. Also hatte ich mich unfreiwillig gefügt, denn ich wollte auf keinen Fall enterbt werden und bei meiner Mutter aufkreuzen müssen.
Vorgestern, tja, das war wohl tatsächlich ein Rückfall gewesen, den ich aber auch nicht aufhalten hatte wollen. Eigentlich grenzte es an ein Wunder, dass mein Vater erst heute davon erfahren würde, aber wahrscheinlich hatte die Redaktion das Thema einfach nicht so schnell abspeisen können.
Ich seufzte, nahm einen Schluck von meinem Kaffe und verzog mich auf die Couch im Wohnzimmer. Dort blätterte ich in einer Modezeitschrift herum, die ich dann aber mit einem verächtlichen Schnauben zur Seite warf. Solchen Kram las Jessica, das Biest an der Seite meines Vaters, übermäßig gerne. Trotzdem war sie dauerhaft überschminkt und ihre Kleidung ... na, davon fange ich besser nicht an.
Jedenfalls entschied sie sich plötzlich, in genau diesem Moment, dafür, den großen Auftritt hinzulegen. Warum sie um diese Uhrzeit schon wach war? Keine Ahnung, wahrscheinlich hatte sie keine Lust auf Morgenbespaßung mit meinem Dad.
„Guten Morgen, Elli-Schätzchen!“, flötete sie und ging dann in die Küche, wahrscheinlich um noch mehr Kaffe zu kochen. Dabei musste ... verdammt, dabei musste sie zwangsläufig auf den Artikel von heute Morgen stoßen. Na, wie sagt man so schön? Aufgeschoben wäre ja eben doch nicht aufgehoben, also konnte ich es auch gleich über mich ergehen lassen.
Fast sofort entdeckte sie das Bild (ich hätte es ja wenigstens umdrehen können, ich Dummerchen...), las kurz den Artikel und drehte sich dann mit gehobenen Augenbrauen zu mir um. Dass sie dabei völlig bescheuert aussah, denn sie gehörte eindeutig nicht zu den Menschen, denen dieser Blick stand, hatte ihr wohl noch niemand gesagt. Ich jedenfalls würde es nie tun, dafür sah sie einfach immer zu lustig aus.
„Na na. Da war wohl jemand ungezogen?“ Sie stöckelte auf ihren High-Heels, die sie, aus welchen Gründen auch immer, sogar hier in unserem Haus trug, ein paar Schritte in meine Richtung und sah mich abwartend an. Ich zog es vor, ihr herausfordernd und vielleicht ein klitzekleines bisschen herablassend in die Augen zu schauen und zu schweigen. Sie verzog ihre knallrot geschminkten Lippen zu einem sanften Lächeln, das ebenso falsch war wie ihre Oberweite, und schüttelte den Kopf. Juhu, die ich-spiel-jetzt-deine-Mama- Masche war mal wieder angesagt.
„Das kann so nicht weitergehen, Elaine.“ Bitte? Ich war das letzte halbe Jahr ein braves Schäfchen gewesen! Und davor hatte sie mich noch nicht einmal gekannt, genau genommen hielt mein Vater sie jetzt seit ... ungefähr einem Monat als Bettwärmer. Musste wohl selten gut sein, sonst behielt er die höchstens zwei Wochen.
Ich musste ein Augenrollen unterdrücken, als sie zu allem Überfluss auch noch den Zeigefinger hob. „Elaine Kennan, du weißt, ich liebe dich wie meine Tochter-“
„Ach ja?“, grinste ich provozierend. In meinem Inneren begann es, langsam aber sicher zu brodeln. Meine Mutter hatte mich verlassen, da war ich auf so einen Mist nicht wirklich gut zu sprechen. Mein Glück, dass ich das relativ gut verbergen konnte.
Sie zog ihre Augenbrauen zusammen. Das sah fast noch witziger aus als ihr vorheriger Blick. „Elaine, meine Süße...“
„Ach komm, Jessica, spar dir dein Getue. Du weißt, dass ich nicht deine Süße bin, und ich weiß es auch. Also, renn zu meinem Dad und zwitschere ihm was von seiner ach so ungezogenen Tochter ins Ohr. Und vergiss dabei bitte nicht, dass du mich kein Stück kennst, kein Recht hast, über mich zu urteilen und du auch zeigen darfst, dass ich dir so egal bin, wie ich es bin.“ Puh, okay, der letzte Satz sollte so eigentlich nicht rausgerutscht sein ... egal, war passiert.
Jetzt setzte sie wieder ihr lächerliches Strahlen auf. „Oh, Elaine, das Recht hat doch sonst auch niemand, oder? Und doch schert sich keiner darum. Die Welt der Reichen mit ihren Skandalen und Betrügen ist doch einfach zu interessant, um es sich am Arsch vorbeigehen zu lassen. Wärst du das perfekte Mädchen, das dein Vater sich wünscht, könntest du es zu viel bringen. Aber so ... wirst du wohl die ungezogene Hure der Stadt sein, über die sich jeder das Maul zerreißt.“
Ich war kurz davor, aufzuspringen und ihr das dämliche Grinsen aus dem Gesicht zu schlagen. Stattdessen lächelte ich süßlich. „Nun, immerhin redet man überhaupt von mir. Du wirst höchstens die sein, die mein Vater einen Monat lang gevögelt hat, wenn man sich überhaupt an dich erinnert.“
Wut blitzte in ihren Augen auf. Ha, das war mir doch schon viel lieber! „Du kleine Göre ... das zwischen deinem Vater und mir ist etwas absolut Ernstes! Aber damit kennst du dich ja nicht aus, also werde ich dir das mal verzeihen. Jugendliche Naivität und Unerfahrenheit kann man schon mal entschuldigen.“
Trotz meiner Vorsätze, ruhig zu bleiben, kann ich nicht sagen, was ich getan hätte, wenn von der Treppe her nicht polternde Schritte zu hören gewesen wären. Aha. Jetzt wurde es interessant. Jessica setzte ihr liebstes Lächeln auf und wandte sich zur Wohnzimmertür, die noch offen stand. Dann erschien seine Silhouette im Türrahmen. Mein Dad. Mindestens fünfunddreißig Minuten zu früh.
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