The Legend of Spyro: Shadows and Dark Souls - (1) Zeit der Schwäche

von SkyDrake
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
Cynder Sparx Spyro
06.09.2015
13.04.2017
12
47.244
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06.09.2015 4.589
 
Hierbei handelt es sich um eine mehrteilige Geschichte.
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„Diese Nacht ist so wunderschön“, schwärmte Cynder, ihren Blick auf den klaren Sternenhimmel gerichtet. So sehr sie auch suchte, sie konnte keine einzige Wolke erkennen, und selbst der Nebel, der ihnen über den Tag die Sicht geraubt hatte, war verschwunden. Dies erlaubte ihr, in dieser Nacht auf den Sternendrachen zu schauen, der nun seit einem Jahrzehnt über sie wachte.
Glücklich über diesen Umstand kuschelte sie sich näher an Spyro, der seinen Körper mit dem ihren verschlungen hatte. Nun lagen sie dort wie ein einziges Knäuel, und mit dem bloßen Auge hätte man nicht mehr erkennen können, welches Teil zu welchem Körper gehörte, wenn beide Drachen die gleiche Schuppenfarbe gehabt hätten. Aber ihnen war das egal, denn für sie war es so gemütlich auf der großen Wiese, auf der sie Rast für die Nacht suchten.
Nach einer kurzen Gedenkzeit stimmte der lila Drache seiner Geliebten zu: „Ja, es ist schon etwas länger her, dass man die Sterne so klar beobachten konnte.“ Er selbst studierte in jeder Nacht, in der sich für ihn die Gelegenheit bot, die Struktur des Sternendrachen. Ihm war dabei aufgefallen, dass jedes Mal, wenn ein Drache gestorben war, ein neuer Stern im Sternbild aufgetaucht war. Mehrere Male hatte er versucht, die Anzahl der Sterne zu zählen, aber er kam immer wieder durcheinander und hatte es deswegen irgendwann einfach aufgegeben. Für ihn selbst stand aber fest, dass es sehr viele Sterne waren, und entsprechend viele Drachen bereits gestorben waren. Es schauderte ihm bei dem Gedanken, aber er wusste, dass zum Leben auch irgendwann der Tod gehörte. Er war nur froh, dass er und Cynder mit zweiundzwanzig Jahren noch weit davon entfernt waren.
Mehrere Minuten lang lagen sie schweigend da und genossen einfach nur den Anblick der Sterne und die gegenseitige Nähe. Dabei wärmten sie sich gegenseitig, denn die Temperaturen sanken raschen und die Nacht würde kalt werden. Mithilfe ihrer Körperwärme und der Hitze, die sich unter ihren Flügeln anstaute, die sie wie Decken über sich lagen, würde ihnen helfen, die Nacht zu überstehen.
Icand hatte sie auf einen Erkundungsflug geschickt, da er auf seiner Karte einen Ort gefunden hatte, an dem er ein seltenes Mineral vermutete, was den Lizia bei der Forschung weiter helfen würde. Ihre Aufgabe war es, eine dortige Höhle zu erkunden und etwas von dem Mineral mitzubringen, falls sie es dort finden würden. Nun befanden sie sich auf dem Rückweg, und sie hatten es tatsächlich geschafft, einen Brocken des Minerals zu beschaffen, der etwa so groß war wie ihre Klauen.
Am morgigen Tag würden sie wieder in Warfang ankommen. Spyro dachte an die Entwicklungen, die sich in den letzten Jahren ergeben hatten. Die Beziehung zwischen Drachen, Lizia und Maulwürfe hatte sich immer weiter gestärkt, und mittlerweile konnte man sich die Stadt ohne eine der Rassen nicht mehr vorstellen. Gemeinsam hatten sie wieder für Ordnung in der Welt gesorgt und die letzten Überreste von Malefors Magie, die er zurück gelassen hatte, vernichtet. Seitdem konnten sie ein relativ ruhiges Leben führen.
Es gab aber auch einige Lebewesen, die sich mit dieser Idylle nicht abfinden konnten. Diese Lebewesen ließen zwar die Stadt in Ruhe, machten aber das Leben außerhalb der Stadt gefährlich. Es gab welche, die einfach nur primitiv dachten und sich deshalb selbst Territorien zusprachen, die sie aber aufgrund ihrer Stärke einigermaßen halten konnten, und es gab welche, die einfach nur gerne kämpften oder jegliche Art von Beute bevorzugten. Viele von ihnen zollten zwar den Drachen Respekt und ließen sie in Ruhe, aber die Maulwürfe und die Lizia gerieten fast jedes Mal, wenn sie die Stadt länger verließen, in einen Kampf.
Man hatte sich damit abgefunden, denn auch Warfang bildete ein Territorium, dass es den Bewohnern erlaubte, sich in einem relativ weitem Umfeld frei zu bewegen. Dies war insbesondere für die Bauern wichtig, die ihr Obst und Gemüse nur auf den Feldern außerhalb der Stadt anbauen konnten. Hin und wieder hörte man zwar, wie sie sich beschwerten, dass über Nacht ein Teil ihrer Ernte gestohlen wurde, aber dies war ein geringer Preis für die Tatsache, dass Warfang von jeglichen Bedrohungen gemieden wurde.
Während sie so da lagen und in den Himmel starrten, entdeckten sie mehrere Kometen, die ihre Bahn am nächtlichen Himmel zogen. Einige von ihnen bildeten einen feurigen Schweif und hinterließen für ein paar Sekunden eine Spur, die man sogar mit dem bloßen Auge nachverfolgen konnte. Andere wiederum waren so schnell, dass sie wieder verschwunden waren, ehe man sie richtig beobachten konnte.
Spyro stupste Cynder mit der Nase an. „Lass uns schlafen. Icand wartet auf uns, und dann kommen wir morgen recht früh an“, schlug er vor, bis er bemerkte, dass Cynder ihm bereits nicht mehr wirklich zuhörte, sondern in einen leichten Schlaf gefallen war. 'So magisch der nächtliche Himmel auch ist...', dachte sich Spyro, '… so sehr ermüdet er einen aber auch.' Dann legte er seinen Kopf auf das weiche Gras und schloss die Augen. Es dauerte nicht lange, bis seine Wahrnehmung nachließ und er selbst langsam einschlief.

Ein großer Regentropfen, der auf Spyros Schnauze fiel, weckte den lila Drachen aus seinem Schlaf. Langsam öffnete er seine Augen und versteckte sie zunächst hinter seinem Flügel, denn die grellen Strahlen der Sonne blendeten ihn. Nach und nach wurde er wacher, und auch Cynder war gerade dabei, in den neuen Tag einzusteigen. Es dauerte allerdings eine Weile, bis sie sich an das Licht gewöhnt hatten, weswegen sie nur vorsichtig ihre Flügel vor den Augen wegnahmen und sich umsahen. Ihnen fiel auf, dass es angefangen hatte, ein wenig zu regnen, wenngleich es auch bis auf einige wenige nur kleine Tropfen waren.
Sie bewegten ihre Gliedmaßen und streckten sich. Dabei mussten sie aufpassen, sich nicht gegenseitig zu treten, denn noch immer lagen sie im Knäuel zusammen und lösten sich aus diesem auch nur langsam. Aber sie standen auf und schüttelten ihre Flügel aus, um sie daraufhin zusammenzufalten, so gut es ging.
„Guten Morgen“, wünschte Spyro seiner Gefährtin. „Hast du gut geschlafen?“
Cynder gähnte. „Dir auch einen guten Morgen“, erwiderte sie zunächst. „Ja, es war zwar ein wenig kalt, aber der Anblick des wundervollen Sternhimmels hat mir sehr im Schlaf geholfen.“
Eigentlich liebte Cynder die Nacht, da sie sich mit ihren schwarzen Schuppen wunderbar in ihr tarnen konnte. Zudem war sie in der Lage, nachts mehr zu sehen als die meisten anderen Lebewesen. Ihre Leidenschaft war es, sich im Kopf eine eigene Karte anzufertigen, auf der sie sich mithilfe der Sterne fortbewegen konnte. Doch trotz all dieser Dinge schlief sie meistens in der Nacht, da sie immer noch lieber am Tag unterwegs war, wenn alle anderen ebenfalls aktiv waren.
Der Regen ließ ein wenig nach, bis nur noch wenige Tropfen vom Himmel kamen, die dafür etwas dicker waren. Spyro schaute direkt nach oben und entdeckte, dass sich genau über ihnen eine große Wolke befand, die für das Wasser verantwortlich war. An allen anderen Stellen war der Himmel klar und blau, weswegen die Sonne auch so stark schien. Dies resultierte in einem farbigen Lichtspiel, was sich über den beiden Drachen ausbreitete und sie staunen ließ.
Sie ließen sich davon aber nicht lange aufhalten, denn Spyro schnaubte kurz und sprach dann zu Cynder: „Lass uns direkt aufbrechen.“ Auf ihr bestätigendes Nicken hin breitete er seine Schwingen aus und hockte sich hin. Dann stieß er sich kräftig mit seinen mächtigen Beinen ab und sprang mehrere Meter hoch, bis er schließlich mit den Flügeln schlug und dafür sorgte, dass sich der Boden unter seinen Füßen weiter und weiter entfernte. Direkt neben ihm stieg Cynder in die Luft, die mit gleicher Leichtigkeit an Höhe gewann und sich elegant fortbewegte.
Recht schnell bemerkten sie, dass sie sich am Boden im Windschatten befunden hatten, denn sobald sie eine gewisse Höhe überschritten, begann der Wind, ihnen in den Rücken zu wehen und sie so schneller voran zu treiben. Zudem hielt der Wind den Regen von den Augen der Drachen fern und erleichterte ihren Flug damit um ein Vielfaches. Sie nutzten diese Umstände aus und stellten ihre Schwingen leicht schräg, um vom Wind getragen zu werden. So kamen sie nicht mehr ganz so schnell vorwärts, mussten aber keinerlei Kraft aufwenden, denn sie blieben durch diese Technik auf ein und derselben Höhe.
Kurz nach ihrem Abflug hatten sie auch die letzte Wolke hinter sich gelassen, und der Regen ließ komplett nach. Nun hatten die beiden Drachen einen klaren, blauen Himmel vor sich, mit der Sonne und ihren Strahlen, die im Gegensatz zum kalten Wind eine angenehme Wärme auf ihren Körpern verbreiteten. Einzelne Tropfen perlten nun von ihren glänzenden Schuppen, der Rest des Wassers wurde von der Sonne verdampft. Was übrig blieb, waren die sauberen, schimmernden Schuppen der Drachen, und sie verteilten die Sonnenstrahlen in alle nur erdenklichen Richtungen.
Aufgrund des schönen Tags und des entspannten Flugs entschlossen sich Spyro und Cynder dazu, ein wenig in der Luft herumzutollen. Zunächst umkreisten sie einander einfach nur, dann schoss Cynder plötzlich in die Höhe und ließ Spyro unter sich, der aber auch keine Anstalten machte, ihr zu folgen. Stattdessen gewann er an Tempo und führte dann einen großen Salto aus, den er so abpasste, dass er mit seinen Klauen die von Cynder berühren konnte. Die Drachendame drehte sich daraufhin auf den Rücken und ließ sich sinken, bis sie knapp über Spyros Kopf flog. Dann drehte sie sich wieder um und packte seine Schultern.
Ein Stöhnen ging von Spyro aus, als Cynder sich plötzlich einfach auf ihn fallen ließ und ihn somit dazu aufforderte, sie zu tragen. In den früheren Jahren hatten sie das immer wieder gerne gemacht, aber damals waren sie noch nicht so groß – und auch noch nicht so schwer. Sie musste ihn mit ihren Schwingen ein wenig unterstützen, damit er sie überhaupt tragen konnte. „Aber ansonsten geht es dir gut dort oben?“, höhnte der lila Drache, der durch den Kraftaufwand, den er für den Auftrieb brauchte, kaum vorwärts kam.
Der schwarze Drache lachte nur kurz und löste sich dann wieder von Spyro, der mit einem Mal einen Satz nach oben machte. Sie folgte ihrem Gefährten, der sich in der Luft erst wieder fangen musste, und antwortete: „Natürlich geht es mir gut!“ Mit einem Zwinkern drehte sie sich ein letztes Mal um die eigene Achse, bevor die Drachen wieder wie zuvor weiter flogen.
Es dauerte auch nicht lange, bis sie Warfang erreichten. Sie sahen bereits aus mehreren Kilometern Entfernung die kleinen Drachen auf der Ebene vor der Stadt, wo sie gerade damit beschäftigt waren, auf dem Boden wie wild einer Kugel hinterherzujagen, die von einem der kleinen Drachen immer wieder weg geschubst wurde. Es waren bei Weitem nicht alle Drachen der neuen Generation, die sich dort befanden, aber das Dutzend, das sich auf der Ebene vergnügte, erregte bereits genug Aufmerksamkeit.
Als sie die ganz jungen Drachen erreichten, pausierten diese ihr Spiel kurz und blickten hoch in den Himmel, hinauf zu den beiden wohl bekannten Drachen. Ihnen hatte man ihre Legende bereits erzählt, denn die Wächter hatten aus ihr eine gute Geschichte gefertigt, die sie im Tempel gerne dazu nahmen, um den Schlüpflingen das Einschlafen zu erleichtern.
Nun saßen sie dort, ihre großen Augen auf die Drachen der Legende gerichtet, und winkten ihnen zu. Einige von ihnen versuchten, den beiden Drachen im Himmel etwas zuzurufen, aber ihre Worte gingen im Wind unter, und Spyro und Cynder verstanden nichts von dem, was sie ihnen mitteilen wollten. Um die Grüße zu erwidern, zogen sie aber einen großen Kreis über die kleinen, siebenjährigen Drachen und spien dabei Feuer und Schattenfeuer in die Luft, was für Begeisterung auf dem Boden sorgte. Dann setzten sie ihren Weg in Richtung der Stadt fort und nickten im Vorbeifliegen dem älteren Drachen freundlich zu, dessen Aufgabe es war, auf die Kleinen aufzupassen.
Nur wenige Minuten später kamen sie am großen Stadttor von Warfang an. Sie landeten davor und bewältigten den Rest des Weges laufend. Dabei kamen sie nur langsam voran, denn die Straßen waren voll. Viele Maulwürfe, Lizia und auch Drachen wanderten zwischen den Geschäften oder waren auf dem Weg, jemanden zu besuchen. Unter den Massen entdeckten sie auch ein paar bekannte Gesichter, und einige von den Händlern winkten ihnen sogar freundlich zu.
Auf ihrem Weg zu Icands Haus trafen sie auf Firiel der am Eingangstor von Draconis stand und seinen suchenden Blick über die Menge schweifen ließ. Als er die beiden Drachen entdeckte, sagte er erstaunt: „Hallo, ihr zwei... Ihr wart nicht einmal drei Tage unterwegs! Wie habt ihr das so schnell geschafft?“
„Wir haben die Höhle schnell gefunden und auch etwas Glück bei der Suche gehabt, wenn wir ehrlich sind“, gab Spyro zu und blieb neben Firiel stehen. In den letzten Jahren ist sein Wachstum stark fortgeschritten, und mittlerweile maß er etwa zwei Drittel von Firiel, der ein ausgewachsener Drache war. Cynder war ein wenig kleiner als Spyro, aber mit dem bloßen Auge ließ sich der Unterschied nicht erkennen, wenn sie nicht direkt nebeneinander standen.
„So war es also...“, erwiderte Firiel. Er richtete seinen Blick wieder auf die Massen. „Sagt mal, habt ihr zufällig Cyril gesehen? Er meinte, er wollte sich hier mit mir treffen, aber ich warte nun schon seit zehn Minuten, und er taucht einfach nicht auf...“
Die beiden Drachen schüttelten den Kopf. „Tut uns Leid, aber wir wissen nicht, wo er steckt“, gab Cynder zu. Sie sah Spyro an, der ebenfalls nur mit den Schultern zuckte. „Aber wir müssen jetzt weiter, Icand erwartet uns.“
„Natürlich“, stimmte ihr Vater ihr zu. „Ich will euch auch nicht weiter aufhalten. Irgendwann wir der eisige Kollege schon auftauchen...“ Mit diesen Worten beendete er das Gespräch und konzentrierte sich wieder darauf, zwischen all den Drachen den einen zu finden, den er suchte.
Ohne weitere Störungen begaben sie sich zu Icand. Wie bereits vermutet, wartete der Drachenälteste bereits auf sie, und er stand erfreut auf, als seine Tür endlich aufging und er schwarze und lila Schuppen entdeckte. „Spyro, Cynder, tretet doch ein!“, empfing er sie und lächelte sie an, während sie sich in aller Seelenruhe vor Icand hinsetzten und den Brocken mit dem Mineral sanft vor sich hingelegt hatten. "Ich hoffe, ihr hattet keine allzu großen Komplikationen bei eurer Suche..."
Cynder schüttelte den Kopf. "Wir haben das, was du suchst, sogar recht schnell gefunden." Sie deutete mit ihrem Kopf auf den Brocken, der vor ihnen lag. Während Icand sich das Mineral nahm und genauer untersuchte, berichtete Cynder weiter: "In der Höhle befindet sich noch viel mehr davon. Dieses Stück hatte sich von einer Ader abgelöst und lag auf dem Boden."
Icands Augen wurden ganz groß, als er dies hörte. "Das sind wunderbare Neuigkeiten!", stellte er begeistert fest. "Ich werde es dem Forschungszentrum berichten. Dann können sie ein paar größere Trupps losschicken, um es abzubauen."
"Bist du sicher, dass sie das ohne die Hilfe eines Drachen schaffen?", warf Spyro ein. "Du weißt, wie die Welt außerhalb unseres Gebietes so ist. Ich befürchte, dass dieser Trupp sich nicht alleine verteidigen kann..."
Icand schloss die Augen. "Da sprichst du etwas an. Ich werde das mit den Lizia so absprechen, dass ihr..."
Sie wurden in ihrer Besprechung unterbrochen, als sie von draußen einen lauten Streit vernehmen konnten. Die Stimmen waren durch die geschlossene Tür nur gedämpft zu verstehen, aber sie kamen ihnen dennoch bekannt vor.
"Das passiert dir auch jedes einzelne Mal, wenn es dich mal wieder trifft! Wie kann ein Eisdrache sich überhaupt eine Erkältung einfangen?!", beschwerte sich der eine Drache.
"Die Krankheit heißt nun mal so, werter Kollege. Sie hat nichts mit meinem Element zu tun", erwiderte der andere Drache, der daraufhin nieste. "Du bekommst ja hin und wieder auch Fieber!"
"Aber musst du wirklich jedes Jahr dabei eines meiner Körperteile zum Einfrieren bringen?"
"Sei froh, dass du die Stellen wenigstens schnell wieder auftauen kannst. Andere können das nicht!"
"Andere werden aber auch nicht von einem erkälteten Eisdrachen angeniest! Selbst Cryoma schafft es dabei, zur Seite zu schauen..."
Spyro und Cynder sahen sich an. Nun war ihnen klar, was sich vor der Tür abspielte. Cyril war erkältet, und er stand mit Firiel vor der Tür, der darüber nicht sehr erfreut war. Sie waren anscheinend auf dem Weg zu Icand, um sich mit ihm zu besprechen.
Icand seufzte. "Ach ja, das hatte ich vollkommen vergessen...", murmelte er. "Die beiden wollten mit mit noch Rücksprache über neue Brutunterkunft halten."
Da der Tempel nun schon seit Jahren auf einem zu gefährlichen Weg und zu weit von Warfang entfernt gelegen war, hatte man die Ruinen der Stadt als neue Brutstätte auserkoren. Seit nun etwa drei Jahren wurden alle Vorbereitungen getroffen, und es würde immer noch einige Zeit dauern, bis die Ruine einsatzbereit war. Icand und die Wächter hatten viel zu tun, und allmählich verging ihnen daran die Lust, denn täglich kamen unzählige Drachen, Lizia und Maulwürfe zu ihnen, um sie um Rat zu fragen oder einfach nur neugierig waren.
"Jedenfalls, ich kläre das so ab, dass ihr sie dann begleiten werdet... wenn das für euch in Ordnung ist, versteht sich", richtete sich der Drachenälteste wieder an Spyro und Cynder.
„Natürlich“, erwiderten sie ohne Verzögerung. Dann richteten sie sich auf und verließen das Haus durch die Tür. Dort warteten Firiel und Cyril bereits darauf, von Icand herein gebeten zu werden.
Spyro rempelte die beiden Wächter absichtlich an. „Klärt eure Streitereien gefälligst woanders!“, mahnte er sie im Flüsterton. „Man hat euch dort drinnen gehört, als wenn ihr direkt neben uns gestanden hättet!“
Normalerweise mochten es Drachen gar nicht, angerempelt zu werden, aber der Umstand führte dazu, dass dem Feuer- und dem Eisdrachen sofort die Schamröte ins Gesicht flog. Sie erwiderten kein Wort, sondern nickten nur zum Zeichen des Verständnis. Trotzdem konnten sie es sich nicht verkneifen, sich anschließend wieder mit erbosten Blicken zu bestrafen. Dann betraten sie still schweigend das Haus.
'War das jetzt wirklich nötig?', erkundigte sich Cynder in der Gedankensprache. Sie konnte zwar verstehen, dass Spyro nicht gerade erfreut war, aber dennoch fand sie, dass ihr Geliebter ein wenig überreagiert hat. 'Ein paar einfache Worte hätten doch auch gereicht...'
Mit einem Seufzer erwiderte der lila Drache: 'Du hast ja Recht, aber auf eine andere Weise lernen die beiden es einfach nicht. Es ist ja nicht das erste Mal, dass sie sich streiten, und erst recht nicht das erste Mal, dass ich es mitbekommen habe. In Warfang gibt es so viele versteckte Winkel, irgendwo können sie sich doch bestimmt in Ruhe aussprechen!' Er schnaubte. „Was sollen wir machen, bis wir morgen wieder aufbrechen?“, fragte er nun diesmal laut.
Kiliuk tauchte in diesem Moment hinter der Mauer auf, die diesen Bereich von dem großen Hauptplatz von Draconis trennte. Anscheinend hatte er Spyros Frage mitbekommen, denn er meinte: „Ihr zwei! Kommt mal mit, wir haben heute einen enormen Fortschritt in der Forschung erzielt, den ich euch unbedingt zeigen muss!“ Dann deutete er mit seiner Hand an, ihm zum Forschungszentrum zu folgen, und rannte bereits los.
Die beiden Drachen hatten es da ein wenig einfacher. Mit einem großen Sprung erhoben sie sich in die Luft und begaben sich zum großen Gebäude, das deutlich zwischen den anderen Häusern Warfangs herausstach. Sie beobachteten, wie Kiliuk in einem rasanten Tempo die Straßen entlang flitzte und beinahe sogar schneller war als die beiden Drachen im Flug. Der Unterschied war nur, dass er durch die Haupttür und die Stockwerke hoch rennen musste, während die Drachen auf dem eigens dafür angelegten Plateau des Gebäudes landeten.
Neugierig warteten sie auf das Eintreffen des Lizius, und es dauerte nicht lange, bis er mit zwei weiteren Lizia heraus kam, die zwei einfache Bleche trugen, während er selbst eine gelbliche Flüssigkeit und eine Keule trug, dessen Schlagseite mit gehärtetem Stahl beschichtet war. Er stellte die Sachen aber zunächst zur Seite und fragte: "Wie war eure Expedition? Hattet ihr Erfolg?"
Cynder nickte. "Wir haben eine große Quelle gefunden, zu der wir uns morgen mit einem eurer Trupps begeben werden. Icand wollte diesbezüglich noch mit dir sprechen."
"Wunderbar!", rief Kiliuk aus. "Wir brauchen das Material dringend! Beispielsweise stellen wir damit dieses Serum dort her." Er deutete mit seiner Hand auf die gelbe Flüssigkeit. "Dazu kommen wir aber gleich... habe ich es richtig verstanden, dass ihr mitgehen werdet?", erkundigte er sich.
Wieder nickte Cynder. "Wir sollen mitkommen, um euch zu beschützen", erklärte sie dem Lizius.
"Das trifft sich gut!", meinte dieser. "Ich hatte vor, Zino diese Gruppe anzuvertrauen. Er lebt sich tagtäglich mehr und mehr in die Rolle des Anführers ein, und das ist eine großartige Gelegenheit, um seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen." Ein wenig verlegen zur Seite blickend ergänzte er: "Auch wenn es sein erster Trupp sein wird, den er befehligt..."
Lachend ermutigte der lila Drache den sorgenden Vater: "Wir passen schon auf, dass nichts schief geht." Dann richtete er seinen Blick auf die Lizia mit den Blechen, die hinter Kiliuk standen. "Und jetzt erzähle uns doch einmal, welch großen Fortschritt ihr erzielt habt!"
"Natürlich", bestätigte der Lizius und schnappte sich die Keule. "Betrachtet dazu bitte einmal beide Bleche und überzeugt euch davon, dass sie von absolut gleicher Art sind." Er trat einen Schritt zur Seite und sah die Drachen erwartungsvoll an.
Die beiden Drachen traten einen Schritt vor und beäugten die Bleche. Sie waren frisch gefertigt worden und wiesen keinerlei Beschädigungen auf; noch nicht einmal Kratzer waren zu erkennen. Sie lehnten die Rückseite ihrer Klauen gegen das kalte Metall und übten ein wenig Druck aus, um die Biegsamkeit zu testen. Und selbst als sie die Dicke der Bleche verglichen, konnten sie keine Unterschiede feststellen. Es war, als wären die beiden Bleche eine exajte Kopie voneinander.
Als sie zurücktraten und Kiliuk zunickten, um ihm zu bestätigen, dass sie alles überprüft hatten, stellte er sich vor den ersten Lizius, der das Blech mit lang ausgestreckten Armen vor sich hielt. Dann schwang er die Keule, holte kräftig aus und schlug mit aller Kraft, die er aufbringen konnte, auf das Blech ein. Das Geräusch von auf Metall prallendem Metall stach laut in ihre Ohren, und auch Kiliuk selbst musste kurz zusammen zucken, während das Geräusch durch ihre Körper zog. Der Lizius, der das Blech gehalten hatte, wich erschrocken einen Schritt zurück, hielt das Blech aber weiterhin sicher fest.
Das Ergebnis fiel wie erwartet aus: eine dicke Beule zierte nun das Blech, und es war ziemlich unbrauchbar geworden. "Nicht gerade sehr robust, was?", kommentierte Kiliuk diesen Anblick.
"Nun nehme ich das Serum und verteile ein wenig davon auf dem Blech, das noch unbeschädigt ist." Er nahm sich das Serum, verteilte ein paar Tropfen davon auf dem Blech und verteilte es gleichmäßig mit einem Pinsel, den er aus einer Tasche hervorgezogen hatte. Das Blech wirkte nach der Behandlung unverändert, selbst die gelbe Farbe der Flüssigkeit war nicht mehr zu erkennen.
Kiliuk legte den Rest beiseite und griff wieder nach der Keule und holte sogar noch mehr Schwung als zuvor. Erneut schlug er auf das Blech ein, und das Geräusch von aufeinander prallendem Metall stach wieder unsanft in ihre Ohren.
Dieses Mal schwang die Keule aber mit hohem Tempo wieder zurück. Kiliuk hatte aufgrund des zurückkehrenden Schwungs Mühe, sich auf den Beinen zu halten, und landete letzten Endes unsanft auf seinem Hintern. Der Lizius, der das Blech gehalten hatte, wurde durch die Wucht des Aufpralls ebenfalls zurückgeworfen und ließ vor Schreck das Blech fallen.
Die beiden Drachen hatten weggesehen und richteten ihre Blicke nun vorsichtig wieder nach vorne, wo sie überraschend feststellten, dass das Blech zwar einige Kratzer auf der unbehandelten Seite aufwies, die mit dem Boden in Kontakt gekommen ist, aber auf der anderen Seite nicht die kleinste Unreinheit zu erkennen war. Es sah so aus, als hätte die Keule nie auf das Blech eingeschlagen, im Gegensatz zum anderen Blech, das demoliert in der Ecke lag.
Langsam rappelte sich Kiliuk wieder auf und schüttelte irritiert seinen Kopf. "Uff... aber ich denke, das war demonstrativ genug", murmelte er noch leicht benommen.
"Das ist erstaunlich!", gab Spyro zu. "Wenn man das auf die Rüstungen der Verteidigungseinheiten von Warfang auftragen würde..."
"Aber es kommt noch besser!", unterbrach Kiliuk den lila Drachen und bedeutete den beiden Lizia, zu gehen. Dann lehnte er die beiden Bleche gegen die Wand und suchte das Weite. "Wenn ich dich eben bitten dürfte, ihnen ordentlich einzuheizen..."
Spyro zögerte nicht lange, sondern entfesselte sein Feuer auf die Bleche, dabei bedacht, nicht versehentlich das Haus anzuzünden. Als er das Feuer verebben ließ, staunten er und Cynder erneut: Während das unbehandelte Blech nun schwarz und absolut unbrauchbar war, da es leicht verschmolzen war, war das behandelte Blech lediglich ein wenig warm geworden.
"Resistent gegen kurze Feuerstöße", erklärte Kiliuk stolz. "Allerdings sollte man es auch nicht die ganze Zeit dem Feuer aussetzen, denn irgendwo sind auch hier mal die Grenzen erreicht..." Er lachte. "Aber wie oft steht man schon Minutenlang mitten im Feuer?"
"Stimmt...", gab Cynder zu. "Wie habt ihr es geschafft, so ein Elixier zu entwickeln?"
Als er diese Frage hörte, bildete sich ein stolzes Lächeln auf die Lippen des Lizius. "Wir haben es endlich geschafft, die Struktur eurer Kristalle zu analysieren. Dann haben wir mit Materialien experimentiert, die ähnliche Strukturmuster aufweisen. Es hat lange gedauert, um die richtige Kombination zu finden, welche die Struktur der gelben Kristalle annähernd gut kopiert. Aber das Ergebnis ist deutlich erkennbar!"
Spyro warf einen Blick auf die beiden Bleche. "In der Tat..." Aber eine Sache machte ihn dann doch stutzig: "Und was ist mit den anderen Kristallen?"
Kiliuk seufzte. "Zum Verzweifeln. Sie sind so komplex, dass wir kein Material gefunden haben, dass auch nur ansatzweise eine ähnliche Struktur aufweisen würde... Vielleicht finden wir ja etwas, sobald wir mit dem Soluzium arbeiten können..." Er sah die Drachen an, die ihn wiederum mit einem fragenden Blick betrachteten.
Als er seinen Satz noch einmal überdachte, schlug er sich selbst die Hand gegen den Kopf. "Natürlich, woher solltet ihr das auch wissen...", murmelte er kopfschüttelnd. "Soluzium ist das Mineral, das ihr gefunden habt."
"Ah!", machten die Drachen.
"Wir brauchen das Soluzium übrigens auch, um dieses Elixier herzustellen... leider ist es fast genauso selten wie eure Kristalle...", erklärte der Lizius weiter. "Wir hatten bisher keine Verwendung dafür, wie auch bei den Kristallen, die wir hatten - bis wir euch trafen. Das Gute daran ist, dass wir vom Soluzium nur sehr wenig brauchen im Vergleich zu den Kristallen, um den gleichen Effekt zu erzielen."
Mit einem Zwinkern meinte Spyro: "Wenn ihr geduldig genug seid, schafft ihr das bestimmt auch mit den anderen Kristallen!"
Kiliuk nickte  Dann sprang er auf und sagte: "So, ich muss weiter. Ich werde morgen noch einmal vorbei kommen, um mich von euch zu verabschieden.
"Du bekommst es ja mit, sobald wir aufbrechen, richtig?" vergewisserte sich Cynder.
Erneut nickte Kiliuk, während er die beiden Bleche und das Serum einsammelte. "Ja, immerhin kommt Zino ja mit. Ruht euch auf jeden Fall gut aus, bevor es morgen losgeht. Bis dahin!" Dann verschwand er im Gebäude.
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