Atmen

KurzgeschichteRomanze, Angst / P16 Slash
02.09.2015
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Atmen




Die Bässe der Musik drangen nur gedämpft in seine Ohren und er konnte nicht genau sagen, ob dies am Gras oder am Alkohol lag. Er war high und betrunken und sein Körper fühlte sich schwer, sein Geist jedoch schwebte. Er brauchte diesen Schwebezustand, brauchte ihn um vergessen zu können. Doch auch wenn er sich jetzt gut fühlte, so wusste er, dass wenn die Sonne aufgehen würde, all die zerstörerischen Gefühle ihm erneut überwältigen würden. Der Schmerz lag unter dem Rausch und wartete nur darauf hervorzubrechen. Die Tage und Nächte verhielten sich immer gleich für Sawamura Eijun. Am Tage lag er in seinem Bett und versuchte die Nacht zu verdauen, versuchte den stechenden Schmerz zu begraben und nicht an die Oberfläche zu lassen. Er versuchte nicht zu zerbrechen. In der Nacht war es einfacher, so wie jetzt. Die bewegenden Körper zur Musik streiften seinen, Mädchen und Jungen drängen sich an ihm, ließen ihn genau wissen, dass sie nicht nur tanzen wollten. Ejun störte dies nicht, er begrüßte es sogar. Sex, war eine weitere Droge für seinen Geist, der ihn vergessen lassen konnte.


Eine muskulöse Brust drängte sich an seinen Rücken, Hände fingen an seinen Körper zu erkunden. Eijun ließ es mit einem schmutzigen Grinsen zu, wusste er doch, dass dies nur der Beginn von einer vielversprechenden Nacht war. Einer Nacht wo er weiter vergessen und den Schmerz unterdrücken konnte. Eine weitere Nacht in er nicht zerbrechen würde.


*



Eijun erwachte desorientiert und schwitzend. Viel zu nahe drückte der Körper an ihn und strömte eine widerliche Hitze aus. Sein Magen ließ ihn fast im Stich und er zog zitternd die Luft ein. Er musste hier raus und nach Hause gehen. Er wollte eigentlich nur schlafen. Er wollte nur weg und in seinem eigenen Bett schlafen gehen, doch als er nach Hause kam, hatte sein Onkel andere Pläne für ihm. Er wusste, dass er es ihm heute nicht so einfach machen würde wie in den vergangen Wochen. Eijun konnte die Augen seines Onkels hinter der Sonnenbrille nicht richtig erkennen, aber er strahlte auch so eine unausgesprochene Wut aus. Seine Arme waren streng vor der Brust verkeilt und er sah verachtend auf Eijun hinab. Eijun wusste genau wie er aussah, doch er hatte das verdammte Recht verkatert zu sein, er durfte seine Nächte verbringen wie er es für richtig hielt, er hatte das verdammte Recht so zu trauern wie er wollte. Doch sein Onkel sah das anders, er glaubte er wäre für ihn verantwortlich und das machte Eijun noch viel wütender als er ohnehin schon war.

„Was?“, fragte er gereizt.

„Hast mal auf die Uhr gesehen?“

„Kurz vor halb 7 und?“

„Deine Tante und ich haben uns gesorgt“, sagte er etwas milder.

„Sorry“, sagte er desinteressiert und wollte an seinem Onkel vorbei gehen. Er wollte schlafen. In einer schnellen Bewegung, welche Eijun nicht kommen sah, hatte sein Onkel ihn gepackt und gegen die nächstgelegene Wand gedrückt. Er konnte in die Augen seines Onkels sehen und wusste, dass seine Schonfrist vorbei war.

„Das hört heute auf!“, damit ließ er Eijun los und verschwand. Eijun atmete zitternd aus, ihm war nicht bewusste gewesen, dass er die Luft angehalten hatte. Er wusste nicht ob er weinen oder lachen sollte. <<Das hört heute auf!>>  Wirklich? Wenn es nur so einfach wäre. Wenn er sagen könnte: <<Schluss jetzt>> Aber wie hört man so einfach auf zu trauern? Er entschied sich einfach ins Bett zu gehen. Schlafen. Er wollte nur schlafen.


*




<<Das hört heute auf!>>  Die Worte seines Onkels gingen immer und immer wieder durch seinen Kopf und auch der dritte Zug aus der Bong, wollte ihn heute nicht beruhigen. Er saß am Fenster des Chill-Out Bereichs des Club und die Bässe kamen nur leicht an seine Ohren. Mit geschlossenen Augen ließ er langsam den Rauch zwischen seinen Lippen entgleiten. Er hörte viel zu deutlich sein Herz schlagen. Es erinnerte ihn an andere Zeiten. Zeiten an die er nicht denken wollte, nicht durfte.

„Sawamura?“ Er öffnete die Augen und sah hinab, direkt in die Augen seines Freundes.

„Du bist dran?“ <<Ah richtig.>> Eijun blickte gelangweilt auf das Schachspiel, welches auf dem kleinen Tisch, zwischen Aschenbechern und Drinks aufgebaut war. Er war am Gewinnen, was gegen Benjamin nicht besonders schwer war. Und doch ärgerte es ihm, dass er einen Blick auf Brett werfen musste, da er seinen letzten Zug vergessen hatte. Er hatte ein gutes Gedächtnis und konnte normalerweise auch blind spielen. <<Vielleicht bin ich doch mehr drauf, als gedacht.>>



„Würdet ihr das mit dem Kiffen vielleicht lassen?“, kam es ärgerlich von einem Gast des Nebentisches. Eijun war überrascht, da er nicht einmal mitbekommen hatte, dass weitere Gäste in den Chill-Out-Bereich gekommen waren. <<Definitiv voll drauf.>> Ben sah hinüber, ebenso wie Jin, der gerade dabei war den nächsten Zug aus der Bong in seine Lungen zu ziehen. Völlig unbeeindruckt, genoss er den Qualm und sende diese in die Richtung der vier Neuankömmlinge. Eijun besah diese ebenso kurz und desinteressiert und sagte:  

„Dame auf G4 … Schachmatt Benjamin. Gib mir die Bong, Jin.“

„Habt ihr nicht gehört?“, fragte der kleinere Blonde von ihm und Eijun konnte den deutlichen Ärger aus seiner Stimme hören. Er wollte zwar keinen Stress aber er würde hier nicht anfangen nachzugeben. Jin reichte ihm währenddessen das Gefäß. Eijun nahm sie an und lächelte den Blonden provozierend an. Dieser sah ihn wütend an, als würde er sich nur schwer zurückhalten können.  

„Ich kann nicht glauben, dass du schon wieder gewonnen hast“, kam es von Ben, dem die Situation völlig egal war. Eijun lehnte sich an den Fensterrahmen, beugte sich über die Bong und zog genüsslich den wohltunenden Rauch in die Lungen, wobei er den Blonden keine Sekunde aus den Augen ließ.

„Der will wirklich Stress“, sagte ein anderer und sah ihn ebenfalls sehr grimmig an. Eijun ließ den Rauch aus seinen Lungen gleiten und schloss die Augen.

„Was genau ist euer Problem?“, flüsterte Eijun fast, öffnete seine Augen und sah jeden der vier in die Augen. Beim Letzten blieb sein Blick hängen. <<WOW.Interessant.>> Eijun sah in braune Augen und konnte darin Intelligenz, Scharfsinn und sowas wie Desinteresse sehen. <<Wirklich interessant>>, dachte er und fragte sich ob man dies auch in seinen Augen sehen konnte, oder ob seine Pupillen gerade so groß und schwarz waren, wie er sich fühlte. Viele hatten ihn gesagt, dass man genau diese Eigenschaften in seinen Augen sehen konnte. Er war klug und konnte weiter denken als die meisten, aber er war auch schnell gelangweilt und nur wenige Dinge konnten sein Interesse für längere Zeiten fangen. Diese braunen Augen, welche hinter einer Brille funkelten, konnte jedoch definitiv seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen und anscheinend war dies nicht nur ihm selbst klar. Ganz langsam konnte er sehen wie sich auf den Lippen ein arrogantes Lächeln bildete. <<Sieh an, sieh an.>>

Eijun kannte sich mit diese Art von Männern aus, denn er war selbst einer von diesen. Ein hübsches Gesicht und gut gebauter Körper war eine Sache, aber dies zu wissen und bewusst einzusetzen war eine ganz andere. Und Eijun konnte deutlich sehen wenn jemand ein smartes Lächeln nutzte um seinen Gegenüber einzuschüchtern. Aber dieses Spiel konnten auch zwei spielen. Eijun sah sich ihn noch einmal genau an und stellte ein weiteres Mal fest, dass er wirklich gut aussah. <<Wirklich schade.>> Sein Blick ging erneut in die braunen Augen und dann schenkte er ihm das gleiche Lächeln. Arrogant und überheblich und das Blitzen in den Augen von Mister dirty smile war genau das was er wollte. <<Hab ich dich>>

„Bauer auf B3“, sagte er, sah noch kurz in die braunen Augen und wandte sich schließlich wieder an Ben, der die Schachfiguren wieder in ihre Anfangsposition gebracht hatte.

„Ignorier uns gefälligst nicht! Was unser Problem ist? Müsst ihr hier euren Scheiß rauchen? Ihr verseucht die ganze Luft. Man kann kaum richtig atmen. Wir sind Sportler und wollen nicht mit Drogen in Berührung kommen“, regte sich der Blonde auf. Eijun sah amüsiert zum Blonden und sagte:

„Nun da dies ein Club ist, wo legal Marihuana geraucht werden darf …“ Er ließ den Satz offen, er hätte vieles sagen können, doch meistens waren die unvollendeten Sätze, welche einen wirklich provozierten. Und dieser kleine Scheißer machte es ihm schon fast zu leicht. Er wollte sich nicht prügeln, diese Art von Typ war er nicht, aber er würde auch nicht davor weglaufen.

„Nur weil es erlaubt ist, müsst ihr es dennoch nicht tun. Denkt mal an die anderen Gäste“, diskutierte Blondie.

„Tokyo hat tausendete von Dance-Clubs, wieso kommt ihr  ausgerecht in dem, in welchen man Gras rauchen kann, wenn ihr das nicht ertragen könnt?“, kam es nüchtern von Ben ohne vom Schachbrett aufzusehen. Eijun spielte nicht wirklich gern mit ihm, da er zu leicht zu schlagen war, aber Ben gab sich Mühe und wurde immer besser, vielleicht könnte er irgendwann wirklich mal ernsthaft gegen ihn spielen.

„Tausende von Clubs, wir kommen hier schon Jahre her und es ist erst neu, dass man hier rauchen darf.“ Eijun konnte sich sein Lachen nicht verkneifen.

„WAS?“, knurrte Blondie.

„Läufer auf D3“, sagte er und ignorierte Blondie völlig. „Sag Ben, wie alt muss man noch mal sein wenn man hier reingelassen werden möchte?“

„18 … Du bist dran“, antworte Ben, immer noch völlig auf das Spiel konzentriert.

„Dame auf D4“, gab er seinen Spielzug und sah zu Blondie „Jahre?“, fragte er grinsend.

„ICH BIN 20 DU BASTARD!!!“, kam es knurrend von Blondie und Eijun fühlte augenblicklich wie alles ruhig in ihm wurde. Nicht nur er war erstarrt auch Ben und Jin hielten sofort die Luft an. Sie kannten ihn vielleicht noch nicht lange, aber  Eijun`s Mutter zu erwähnen war ein Spiel mit dem Feuer.

„Eijun, vielleicht solltest du etwas tanzen gehen?“, schlug Jin vor und man konnte die deutliche Anspannung heraushören.

„Was ist los hä?“, kam es wieder von Blondie und Eijun warf ihn einen Blick zu, der ihn erstarren ließ.

„Mei“, kam es scharf vom Brillenjunge. Er sah ruhig aus, stellte Eijun fest. Er nahm mit ruhig geschlossenen Augen lässig einen Schluck aus seiner Falsche Bier und sagte weiter: „Fang nichts an, was wir für dich beenden müssen!“ Eijun sah die Augen, welche auf Mai gerichtet waren und hinter der Brille warnend funkelten. Mei schluckte und Eijun sah den deutlichen Ausdruckt von Respekt. Er hatte selbst diesen Ausdruck oft verursacht und er fühlte sich als würde er in einen Spiegel sehen, wenn er den Brillenjungen beobachtete. Die Frage welche sich ihm stellte war, was passieren würde, wenn sie sich beide ein Duell liefern würden … In was auch immer. Derzeit wusste Eijun nur eins, er wollte diesen Brillenjungen und er bekam immer das was er wollte.

„Mach deinen Zug Ben“, forderte er seinen Freund auf, der sah ihn immer noch abwartend an. Aber er hatte seinen Fokus auf was anderes gerichtet als einen kleinen blonden Junge der nicht wusste, was gut für ihn war. Ben setzte seine Figur, was Eijun seufzen ließ.

„Du spielst zu vorsichtig Ben. Geh mal ein Risiko ein. Wenn du jemals gewinnen willst musst du auch mal bereit sein eine Figur zu opfern. Du bleibst zu sehr in der Defensive und setzt mich nicht mal ansatzweise unter Druck.“ Ben rollte mit den Augen.

„Wir spielen Schach Eijun, nicht Baseball“, antwortete er und setzte eine Figur.

„Was du nicht sagst. Ich kann mir dich auch nicht auf einen Baseballfeld vorstellen.“ Ben schnaufte nur, weil er wusste dass sein Kumpel Recht hatte. Ben sah wirklich wie ein typischer Schachspieler aus, nerd-mäßig. Jedoch würde Ben dies nie zu geben.

„Ich könnte Baseball spielen wenn ich wollte“, sagte er wenn auch nicht wirklich überzeugend. Eijun fing an zu lachen und überraschenderweise auch der gesamte Nebentisch. Eijun hätte nicht mal wütend sein können, da das Bild von Ben auf einem Baseballfeld einfach zu komisch war.

„Wirklich witzig Eijun, du verbrüderst dich mit den Leuten die uns eben noch dumm angemacht haben?“ Eijun lacht immer noch und versuchte sich zu beruhigen.

„Hahaha, Ben sag auf welcher Position würdest du spielen?“, fragte er und ging nicht auf Bens Frage ein.

„Batter, Feldspieler, Catcher … Pitcher“, sagte er provozierend. Eijun fing noch härter an zu lachen und auch nebenan wurde mehr gelacht. Sogar Jin musste sich deutlich das Lachen verkneifen.

„Pitcher? Wirklich Ben?“

„Ja“, knurrte er „Du bist dran.“ Eijun sah von seiner Fensterbank hinab aufs Spielfeld.

„Bauer auf F4. Vom Mound bis hin zum Catcher sind es 18,4 Meter, glaubst du, dass du soweit werfen kannst?“ Ben setzte Eijun`s Figur wie angesagt, funkelte ihn dabei aber böse an. „Ich meine natürlich ohne, dass der Batter diesen trifft“, versuchte er Ben zu beruhigen.

„Wenn man genug trainiert?“, fragte Ben. Eijun lachte wieder hell. Auf der anderen Seite war es merkwürdig still, als würden die vier nun der Unterhaltung gespannt zuhören. <<Wir sind Sportler>> erinnerte sich Eijun. <<Ernsthaft?>>

„Nun so einfach ist Baseball nicht!“ Er redete das erste Mal seit langer Zeit so ungezwungen über Baseball und es fühlte sich nicht so schlecht an. Aber Eijun kannte sich, das Thema jetzt zu beenden war besser für ihn.

„Stimmt“, sagte der Brillenjunge auf der anderen Seite, „Es gehört auch eine Menge Talent dazu, besonders wenn man auf dem Mound steht.“ Eijun hatte es geahnt, sie waren tatsächlich Baseballspieler. Er reagierte nicht auf diese Aussage, denn er hatte nicht die Kraft sich mit irgendwelchen Baseballidioten zu identifizieren. <<Atmen.>> Er legte seinen Kopf in den Windzug und zog die Luft in seine Lunge, aber es war immer noch zu wenig. <<Atmen Eijun.>> Bilder flackerten in sein Bewusstsein. Bilder von Sieg und Niederlage, Bilder von Polizisten und toten Augen, Bilder von Freude und Trauer und wie alles kollidiert.

„EIJUN“, hörte er von weit weg, „ATME“, immer noch weit weg, er spürte den Druck in seinen Lungen, hörte die weit entfernen Stimmen von Panik und spürte eine Hand in seinem Nacken und sah wie sich alles vor seinen Augen drehte. <<Ich bin zu schwach>>

„Du musst atmen“, klang es plötzlich streng aber gleichzeitig sanft in seinem Ohr, eine Gänsehaut lief über seinen kompletten Körper und er atmete hastig ein. Seine Sicht und die Geräusche kehrten zurück, sein Körper fühlte sich an als hätte er Tage nicht geschlafen, alles war zu viel und er hatte das Gefühl als würde er fallen. Immer tiefer und niemand würde ihn auffangen. Es dauerte eine Weile bis er den Körper wahrnahm, an dem er sich anlehnte. Warm, stark und sicher. Sicher, Gott es war so lange her, dass er so gefühlt hatte. Er spürte wie er zitterte und er fragte sich wann und wie das passiert war. Er war eben noch auf der Fensterbank gewesen und im nächsten Moment lehnt er an einen Fremden und genießt die starken Arme, welche ihm umklammern und das Wispern, „Atme … atme … atme“, es war wie sein Herzschlag den er deutlich in seinem Rücken spüren konnte.

Er wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, aber er musste aufhören, musste diesen Armen entkommen. Er musste sich wieder zusammenreizen. Er musste wieder stark sein. Er setzte sich ruckartig auf und sah sich um.

„Ich hab alle rausgeschickt“, sagte der Brillenjunge und Eijun konnte die Sorge in seiner Stimme hören.

„Mir geht es gut“, sagte er automatisch obwohl er wusste, dass sein Gegenüber diese Lüge sofort erkennen würde.

„Du hattest gerade eine Panikattacke, ich glaube nicht, dass es dir gut geht und wir wissen beide, dass deine Lügen bei mir nicht funktionieren werden. Also beleidige mich nicht in dem du es trotzdem versuchst.“ Eijun lachte erleichtert auf.

„Du bist wirklich wie ich“, sagte er gerade heraus und lehnte sich erschöpfte an die Couchlehne und sah grinsend zum Brillenjungen.

„Wohl kaum“, antwortete dieser schlicht und grinste arrogant zurück. Eijun konnte nicht sagen ob er ihn mochte oder einfach nur heiß fand. Im Grunde war er arrogant, zu selbstsicher und hielt sich ganz klar für was Besseres. Eijun zog die Augenbraue hoch und sagte: „Nun wir wissen es Beide und nun beleidige mich nicht in dem du es trotzdem versuchst.“ Er sah wie der Brillenjunge versuchte das Grinsen zu verstecken.

„Wie heißt du? Ich will dich nicht länger Brillenjunge nennen.“

„Brillenjunge? Wann hast du das getan?“

„In Gedanken“, sagte Eijun und zuckte mit den Schultern, merkte aber sofort seinen Fehler.

„Du hast dir Gedanken über mich gemacht?“, grinste sein Gegenüber. <<Selbstsicherheit ist alles.>>

„Und wie hast du mich in Gedanken genannt?“, fragte er provokativ.

„Du warst nicht wirklich in meinen Gedanken.“

„Wirklich? Du versuchst es sogar zwei Mal?“

„Was?“ Aber er verstand <<Nun wir wissen es Beide und nun beleidige mich nicht in dem du es trotzdem versuchst.>> er hob die Hand um Eijun zu stoppen „Schon gut.“

„Nun?“

„Ich kann nicht glauben, dass du eben eine Panikattacke hattest und nur wenige Minuten später mit einen Fremden anfängst zu flirten.“

„Kannst du nicht?“ Eijun sah wie er anfing darüber nach zudenken.

„Hmmm … Ich denke du versuchst davon abzulenken was gerade passiert ist und nutzt mich dafür aus.“

„Das stimmt nur zur Hälfte“, gab Eijun ihm Recht und sah ihn dabei in die Augen und trank von seinem Bier.

„Nur zur Hälfte?“

„Nun, ja ich versuche davon abzulenken aber das ist nicht der einzige Grund warum ich mit dir flirte.“ Wenn der Brillenjunge <<Herrgott, er brauchte seinen Namen>> überrascht war, zeigte er es nicht mal ansatzweise und Eijun fragte sich, ob er ebenso cool reagiert hätte. Natürlich hätte er. Ganz bestimmt.

„Warum dann?“

„Warum flirtet man mit jemandem?“

„Warum antwortest du nicht?“

„Weil du die Antwort bereits kennst.“

„Das wird nicht passieren“, sagte Brillenjunge ohne weiter nachzudenken. Eijun war überrascht über eine so schnelle Antwort und noch viel mehr war er darüber überrascht, dass seine Antwort ihn so sehr ärgerte.

„Nicht?“

„Niemals.“ Eijun grinste und sagte:

„Sag niemals nie.“

„Ich weiß es.“

„Wow … nun für einen Moment hätte ich dir das sogar abgekauft. Ich weiß du willst es.“

„Glaub was du willst.“

„Ich bin gut darin Menschen zu lesen und du bist es auch, also wir wissen doch beide wo wir enden werden.“

„Ich schätze Offen- und Ehrlichkeit, jedoch irrst du dich. Ich werde nicht mit dir ins Bett gehen.“ Eijun lachte auf.

„Eigentlich habe ich nicht von Sex gesprochen, sondern darüber, dass du meine Pitches fangen sollst. Du bist doch Catcher oder irre ich mich da?“ Brillenjunge riss seine Augen auf und sah ihn überrascht an.

„Was?“ Eijun fing an zu lachen und musste sich den Bauch halten.

„Tut … Tut mir leid … hahaha. Du sol … du solltest dein Gesicht … dein Gesicht sehen. Hahaha.“ Brillenjunge hatte inzwischen wieder seine lässige und arrogante Maske aufgelegt und sah ihn schweigend an. Eijun beruhigte sich langsam und irgendwann herrschte eine Stille zwischen den beiden, welche nicht wirklich angespannt aber auch nicht locker war. Beide wägten ab, wie es weiter gehen sollte. Jedoch wussten sie beide was sie wirklich wollten und es hatte nichts mit Baseball zu tun. Brillenjunge brach als erstes das Schweigen und Eijun war enttäuscht über das was er sagte. Er hätte ihn für nicht so feige gehalten.

„Ich sehe dir geht es wieder gut, ich werde gehen.“

Eijun schwieg weiter und versuchte nicht zu zeigen, dass er enttäuscht war. Brillenjunge trank seine Flasche Bier zügig aus, stand auf und verschwand. Was war passiert? Eijun hätte ihn gern gefragt aber er war nicht der Typ der jemanden in sein Bett zerren. Er hatte es nicht nötig jemanden hinterher zulaufen. Da konnte der Brillentyp noch so heiß sein.



*




„Komm heute vorbei“, sagte sein Onkel zu ihm. Seine Tante, sein Onkel und er saßen am Frühstückstisch. Eijun wusste nicht wann er das letzte Mal so früh aufgestanden war, wie er heute dazu gezwungen wurde. Kurz nach dem der Brillenjunge verschwunden war, hatte auch er den Club verlassen. Die anderen drei Jungen waren ebenfalls verschwunden, Ben und Jin hatte er jedoch an der Bar gefunden, welche ihn besorgt angesehen hatten. Über das Gespräch mit den Brillenjungen hatte er kein Wort verloren auch wenn sie ihm danach gefragt hatten. <<Komm heute vorbei.>> Er konnte nicht, nicht nach dem was gestern passiert war. Er konnte sich nicht ein Haufen von Baseballidioten ansehen, wenn er nicht mal ein Gespräch darüber führen konnte ohne in Panik zu fallen.

„Nein“, sagte er daher schlicht.

„Du wirst Eijun und wenn ich dich am Kragen hinter mir herziehe“, sagte sein Onkel und Eijun spürte wie die Luft dünner wurde. <<Nein, nicht vor ihnen>>

„Ich … Ich kann nicht“, sagte er und hörte selbst wie schwach er klang. Er wollte nicht schwach sein. Sein Onkel sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an und Eijun dachte, dass er das wirklich gut konnte. Lag wohl in der Familie.

„Nenn mir ein Grund?“ Doch Eijun schwieg.

„Einen?“ Fragte sein Onkel erneut.

„Gut dann tue ich es. Du hast Angst. Du hast Angst vor Baseball und …“

„Tesshin“, warnte seine Tante.

„Nein. Er muss es hören. Du hast Angst vor Baseball und gehst alles was damit zu tun hat aus dem Weg. Das hört heute auf Eijun, du bist ein verdammtes Baseballgenie und du gehörst zurück auf dem Mound. Ich werde nicht zulassen, dass du das alles wegwirfst.“

„Ich habe keine Angst“, sagte er.

„Gut dann komm heute mit. Ich stelle dir mein Team vor, wir fangen damit an, dass du nur zusiehst du kannst Ratschläge geben und mittrainieren wenn du willst. Wenn du soweit bist kannst du der Mannschaft beitreten. Du hast noch ein halbes Jahr, um dich zu entscheiden wo du zur Schule gehen willst, jedoch hoffe ich, dass du dich für Seidou entscheiden wirst. Wir haben bis her noch kein Ace, du könntest das werden.“

„Könnte?“, fragte Eijun arrogant, „Wenn ich mitspielen würde, wäre ich das Ace oder glaubst es ist in deinem Team jemand der besser als ich Pitchen kann?“

„Furuya ist sehr gut, er könnte das Ace werden. Also wenn du anderer Meinung bist, dann überzeug mich davon im Training.“

Er wollte sich nicht beweisen müssen, aber zugeben, dass jemand besser sein könnte, kam für ihn auch nicht in Frage. Momentan war es jedoch nicht möglich für ihn wieder auf dem Mound zu gehen und ohne dort zu stehen, konnte er auch nicht beweisen, dass er der bessere Pitcher war. Besser als dieser … Furuya. Vielleicht war es gut wenn er anfangen würde wieder zurückzukommen, weg von den durchzechten Nächten mit bedeutungslosem Sex mit Drogen und Alkohol. Nicht das war seine Zukunft. Seine Zukunft war immer Baseball gewesen. Er musste einen Weg finden dorthin zurückzukehren, zurück zu seiner Zukunft. Er atmete tief ein.

„Ich … Ich werde vorbeischauen.“

„Gut“, war alles was sein Onkel sagte.



*




Er atmete tief ein bevor er durch das Tor ging, was den Eingang der Seidou-Schule markierte. Es zeugte von bestehender Tradition und Eijun kamen wieder Bilder in den Kopf die er sofort versuchte wegzuschieben. Es war nur der Eingang und er wollte seine Zukunft zurück. Er musste es schaffen ohne Panikattacken, ohne zusammenzubrechen.

„Ich schaff das“, flüsterte er sich selbst zu, um sich Mut zu machen. Er sah auf die Uhr, das Training hatte bereits begonnen aber er war noch nicht so spät, dass sein Onkel wütend werden würde. Langsam setzte er sich wieder in Bewegung und mit jedem Schritt konnte er die so vertrauten Klänge mehr wahrnehmen. Er schloss die Augen, atmete ein und aus.

„Es geht mir gut, ich schaff das.“

Er konzentrierte sich mehr auf die Klänge, versuchte es sich vorzustellen: Batter trifft den Ball, nicht perfekt, Foul. Ein Ball schlägt in einen Handschuh, laut, 140 km, maximal, Furuya? Seiner ist schneller. Eijun grinst und ging weiter. Die Anlage kommt in Sicht und Eijun muss sich zusammenreizen, um nicht überwältigt zu werden.

„Ich schaffe das.“

Er beißt die Zähne fest zusammen, ballt seine Fäuste und geht weiter. <<Atmen.>> Eijun setzt sich etwas weiter entfernt, so dass ihn noch niemand sehen kann. Er will nur zusehen und dabei nicht zusammenbrechen. Er spürt die Schwere, welche von seinem Körper Besitz ergreift. <<Atmen.>> Er will laufen, weit weg, er will zurück in sein Bett und nicht an Baseball denken. Nicht die vertrauten Klänge hören und das Gewusel sehen, welche die Spieler in den Blauweißen Uniformen veranstalten. Er will nicht sehen wie sie als Team agieren für Siege oder Niederlagen. Er will nicht. Er hat Angst. << Nein. Er muss es hören. Du hast Angst vor Baseball und gehst alles was damit zu tun hat aus dem weg. Das hört heute auf Eijun, du bist ein verdammtes Baseballgenie und du gehörst zurück auf dem Mound. Ich werde nicht zulassen, dass du das alles wegwirfst.>> Die Worte hallen in seinen Kopf.

„Es hört heute auf … Du bist ein verdammtes Baseballgenie … zurück auf dem Mound“, flüstert er vor sich hin und steht auf. Er geht näher, immer weiter und auch wenn er die Angst spürt, geht er immer weiter bis er plötzlich neben seinen Onkel steht.

„Du siehst angespannt aus“, sagt sein Onkel. Eijun muss fast lachen. <<Du hast ja keine Ahnung.>>

„Mir geht’s gut.“ <<LÜGE.>>

„Sicher?“

„Ja“, <<NEIN.>>

„Du kannst gehen wenn du es nicht erträgst“, sagt sein Onkel, sieht ihn dabei aber nicht an. Eijun weiß selbst, dass dies nicht wirklich eine Option ist, wenn er irgendwann wieder auf dem Mound stehen will.

„Es geht mir gut“, sagt er fest und irgendwie glaubt er es sogar selbst ein wenig.

„Gut. HEY KOMMT MAL ALLE HER!“ <<Was zur Hölle.>> „BEWEGT EUCH JUNGS, DAS DAUERT ZU LANGE. AUFSTELLUNG!!!“ Was hatte sein Onkel vor. <<Atmen, nur ein paar Baseballidioten.>> Die Jungs nahmen vor seinen Onkel und ihm Aufstellung. Er konnte deutlich die Neugier in ihren Gesichtern sehen. Er hatte noch nie ein Problem damit gehabt angestarrt zu werden, meisten fand er das sogar ziemlich amüsant. Jedoch die Leute in ihren Uniformen zu sehen, war was ganz anderes.

„Das ist mein Neffe Sawamura Eijun. Eijun, das ist mein Team.“ Das Team rief ein lautes „HALLO“ im Chor und Eijun spürte wie die Angst zurückkam. Fast wie vor einem Spiel. <<Atmen.>>

„Hallo“, sagte er schlicht und versuchte so lässig wie möglich zu klingen. Sein Blick ging über die Reihen von Spielern und es war fast wie ein Déjà-vu, als er an einen Jungen mit Brille hängen blieb. Ihre Blicke trafen sich und Eijun fing an zu grinsen. Er ließ sein Blick weiter gleiten, auch wenn es ihm alles abverlangte.

„Wer ist der Captain?“, fragte Eijun, obwohl er es irgendwie schon wusste.

„Miyuki Kazuya“, sagte sein Onkel und zeigte dabei auf den Brillenjungen. Eijun fing wieder an zu grinsen. Er spürte wie sein Herz schlug, aber diesmal nicht vor Angst sondern vor Aufregung.

„Position?“, fragte Eijun.

„Er ist der Catcher und Clean-Up Batter.“ Catcher, er wusste es, trotz dessen war er überrascht. Es waren viele Aufgaben für einen Spieler. Eijun hob die Augenbraue und sah seinen Onkel an.

„Was?“

„Captain, Catcher und Clean-Up Batter? Ziemlich viele Aufgaben.“

„Ich kann damit umgehen“, kam es von Miyuki. Eijun drehte sich zurück und sah ihn an.

„Kannst du das ja?“

„Ja“, sagte er und sah ihm frech und arrogant entgegen.

„Nun, wer ist das Ace?“, fragte Eijun und merkte wie sich die Miene von Miyuki schlagartig verfinsterte.

„Ihr habt keins richtig? Sag wenn ich mich irre, aber gehört es nicht zu deinen Aufgaben ein Ace auszubilden? Vielleicht hast du es bisher noch nicht geschafft, weil du zu viele Aufgaben zu bewältigen hast?“ Eijun wusste genau, dass er sich so keine Freunde machte, aber er wollte sehen was Miyuki als Captain taugte und dass wusste auch sein Onkel.

„Es sind nicht zu viele Aufgaben und mit der Ausbildung des Ace geht’s stetig voran. Furuya entwickelt sich in jedem Spiel und wird immer besser. Er ist noch jung und muss noch viel lernen aber er hat das Zeug zum Ace. Ich vertraue ihm.“ <<Nicht schlecht>>  

„Wer von euch ist es?“

„Ich bin es“, antwortete ein relativ großer Junge. Was Eijun jedoch überraschte war seine Aura. Eijun hatte das Gefühl einen Toten auf zwei Beinen vor sich zu haben. Er sah völlig am Ende aus, dabei hatte das Training erst begonnen. Gut es war Sommer aber so fertig? <<Wirklich?>>

„Was ist los mit dir?“ Er hörte Furuya schnaufen.

„Es ist … warm.“ Eijun runzelte die Augenbrauen.

„Dein erster Sommer in Tokyo?“

„Ja“ <<Wie soll er auf dem Mound stehen?>>

„Geh in den Schatten und trink Wasser“, sagte Eijun ohne auch den Zweifel daran zu haben, dass jemand seinem Befehl widersprechen würde. Furuya sah kurz zum Couch, ging dann aber schließlich in den Schatten. Eijun schüttelte den Kopf.

„Ojisan? Wo kommt er her?“

„Hokkaidou. Willst du ihn pitchen sehen?“

„Was wirft er?“

„Fastballs und Forkballs“

„Mehr als 140km?“, fragte Eijun.

„Ja, wenn er fit ist, schafft er bis zu 154. Das war das Höchste was wir bisher gemessen haben, aber er entwickelt sich noch. Außerdem arbeitet Miyuki mit ihm wann immer er Zeit hat, sie sind eine gute Battery, was nicht zuletzt an ihrer besonderen Beziehung zu einander liegt.“ Eijun wusste nicht genau wie er reagieren sollte.

„Besondere … Beziehung?“, fragte er schließlich nach.

„Ja, du weißt schon.“ Eijun kicherte und unterdrückte ein echtes Lachen. <<Ernsthaft?>>

„Ich fürchte nicht … klär mich auf“, er sah kurz zu Miyuki, welcher ihn ungeniert angrinste. <<Du kleiner ...>> „Schon gut, ich denke ich hab es verstanden“, er sah zurück zu Furuya und dachte, dass er der bessere Fang wäre. <<Tze, definitiv der bessere Fang>>

„Niemals hmmm? Das werden wir ja noch sehen“, flüsterte er.

„Was hast du gesagt?“

„Nichts. HEY FURUYA“, brüllte er hinüber zum Schatten, wo Furuya sich lang gemacht hatte und nicht mal ansatzweise reagierte.

„Ernsthaft?“, fragte er seinen Onkel.

„Er schläft oder?“, fragte dieser Miyuki, welcher sichtlich wütend über das Verhalten seines Freundes war.

„Nun dann wecke ich mal das Dornröschen“, sagte Eijun und lächelte amüsiert. Er schnappte sich eine der umstehenden Wasserflaschen und kippte diese vollständig über den schlafenden Furuya aus. Dieser schreckte auf und sah Eijun mit großen Augen an.

„Mitkommen“, sagte Eijun fest und ging bereits Richtung des Bullpen.

„Captain? Wären sie so freundlich und für unser Dornröschen zu Catchen?“, rief er Miyuki zu und drehte sich mit einem dreckigen Grinsen zum ihm. Eijun wusste, dass Miyuki seine Anwesenheit nicht wirklich gefallen musste, dafür hatten sie gestern zu offen geflirtet, aber wenigstens wusste er nun warum er einfach abgehauen war. Eijun war nicht unbedingt scharf darauf eine gute Beziehung zu ruinieren, dass Problem war nur, dass er sich ziemlich sicher war, dass diese Beziehung nicht ganz so gut funktionierte. Er hatte die Lust in Miyukis Augen deutlich gesehen, er wollte ihn genauso sehr wie Eijun ihn wollte. Die Anziehungskraft zwischen ihnen war so spürbar gewesen, dass er sich nur schwer beherrschen konnte. Hätte er nicht seine Panikattacke bekommen, wäre er wahrscheinlich viel offensiver vorgegangen und der Abend wäre anders ausgegangen, obwohl er sich da nicht zu 100% sicher war. Miyuki war anders, Eijun würde ihn sogar als eine Herausforderung bezeichnen, die Frage, welche er nun für sich beantworten musste war, ob er diese annehmen wollte.

„Sicher“, knurrte Miyuki hinter ihm und folgte schließlich.

Im Bullpen angekommen, stand Fururya wartend im Schatten und Eijun konnte schon jetzt sehen, dass seine Leistung ihn nicht umhauen würde.

„Glaubst du bei diesem Wetter 9 Innings spielen zu können?“, fragte ihn Eijun und sah ihm direkt in die Augen.

„Natürlich“, antwortete Furuya ohne zu zögern. Eijun zog eine Augenbraue nach oben.

„Glaubst du das auch Captain?“, sein Blick ging zu Miyuki. Am Zaun konnte Eijun den Rest der Mannschaft sehen. Er wusste, dass sie nicht Furuya pitchen sehen wollte. Sie waren nur neugierig was er zu sagen hatte.

„Nein“, war seine schlichte Antwort und in Furuya`s Augen sah Eijun das erste Mal leben erscheinen. Die Antwort seines Captain`s und Freund schien ihm nicht zu gefallen.

„Der Wille um ein Ziel zu erreichen ist wichtig, aber nichts destotrotz musst du auch der Wahrheit ins Auge sehen. Momentan bist du nicht mal in der Lage 5 Innings bei diesem Wetter zu spielen ohne auf dem Mound in Ohnmacht zufallen“, sagte Eijun gerade heraus und deutliche Wut trat auf Furuyas Gesicht.

„Sieh mich nicht so an, es ist die Wahrheit und je eher du das begreifst, desto schneller kannst du daran arbeiten. Was bringst du dem Team als Ace, wenn du mitten im Spiel zusammenklappst?“, fragte er ihn und Furuya schien tatsächlich darüber nachzudenken.

„Ich würde nicht“, sagte er schlicht und brachte Eijun zum Schmunzeln. Er hatte den Willen zum Ace, aber noch nicht die Fähigkeiten. <<Zeit ihm die Wahrheit zu zeigen>>

„Schön, ich glaube dir wenn du 50 Pitchen schaffst ohne Schwäche zu zeigen.“

„50?“, kam es von Miyuki, „Das schafft er niemals.“

„Natürlich schaffe ich das“, widersprach Furuya sofort.

„Beweis es“, sagte Ejiun und lehnte sich an die Wand im Schatten und machte deutlich, dass er darauf wartete sie beginnen zu sehen.



*




Furuya übertraf seine Erwartungen in dem er 23 Pitches warf, bis er anfing zu schwanken. Er hatte damit gerechnet, dass er bereits nach 15 erledigt sein würde. Eijun respektierte seinen Willen, dies war wichtig für die 1 auf dem Rücken. Er sah auf den schnaufenden Furuya hinab.

„23 sind mehr als ich erwartet habe, wie gesagt du hast den Willen aber es ist nun mal so, dass man nicht über Nacht ein Ace wird.“

„Bist du eins?“, fragte Furuya und sah ihn neugierig an. <<Atmen Eijun.>> Eine einfache Frage. <<Atme. Antworte. Atme.>> Wie auch schon gestern blitzen die Bilder in seinem Kopf auf: Sieg und tote Augen.  

„Sawamura!“ Miyuki`s strenge Stimme holte ihn in die Realität zurück. Er stand direkt vor ihm und sah ihn an. Eijun schluckte und sah zu Furuya der ihn immer noch interessiert ansah. So lange war er also nicht weg gewesen.

„Satoru für dich ist heute Feierabend“, sagte Miyuki und wandte sich wieder an Eijun, „Du mitkommen!“, forderte er Eijun auf. Er atmete tief durch und folgte schließlich dem Captain. Eijun konnte noch immer die Geräusche auf dem Baseballfeld hören, das Training war noch nicht vorbei. Während Furuya seine Pitches aufgeschlagen hatte, waren die meisten wieder zurückgegangen, da sie gemerkt hatten, dass Eijun keine Bemerkungen über Furuyas Pitches fallen ließ, fanden sie es bald zu langweilig. Eijun folgte Miyuki, welcher erst stehen blieb, als er ganz sicher war, dass sie allein waren und ihnen niemand zuhören würde.

„Was stimmt nicht mit dir?“, wurde er geradeheraus gefragt. Eijun sah ihn nur an, da er keineswegs vorhatte zu antworten.

„Du willst es nicht sagen?“

„Nein“, sagte er.

„Falls du es vergessen haben solltest, ich war gestern schon…“

„Hab ich nicht“, unterbrach ihn Eijun und sah ihn hart an, „Nur weil du gestern da warst und mir geholfen hast, bedeutet das nicht, dass ich dir irgendwelche Erklärungen schuldig bin.“

„Schön, dann eben nicht, aber du hast hier nichts verloren wenn du nicht damit umgehen kannst. Ich weiß nicht was es ist und im Grunde interessiert es mich auch nicht. Es ist mir egal wer du bist, aber ich werde nicht dein Babysitter spielen, also verschwinde einfach!“, sagte er und ließ ihn stehen. Miyuki`s scharfe Worte fraßen sich Eijuns Gedächtnis und er fühlte sich so schwach wie nie zu vor. Warum ging dieser Typ ihn so der Maßen unter die Haut?



*




Eijun lag in seinem Bett und dachte über seine derzeitige Situation nach. Nun das wohl übertrieben, viel mehr hatte er sich in sein Zimmer verschanzt und verzweifelte. Miyuki`s Worte hatten ihn zerbrechen lassen, sobald er sein Zimmer betreten hatte. Er hatte es gerade so geschafft nicht noch in Seidou seine wahren Gefühle heraus zulassen. Er hatte kaum mitbekommen wie seine Tante ihn in den Arm genommen hatte. Doch nun war er allein in seinem Zimmer und konnte sich gehen lassen. Er versuchte immer stark zu sein, versuchte seine Gefühle zu kontrollieren, um sie niemanden zu zeigen. Doch in den letzten Tagen hatten gleich so viele seine wahre Natur gesehen. Ben und Jin, ganz zu schweigen von den vier Leuten am Nebentisch unteranderem Miyuki. Eijun krümmte sich zusammen, ließ seinen Tränen freien Lauf und fragte sich wo sein altes Ich geblieben war. Vielleicht war es zusammen mit seinen Eltern gegangen. Tot.



*


Coach Kataoka POV

„Hey Coach, was ist mit Sawamura? Kommt er mal wieder vorbei?“, fragte ihn Furuya und er zuckte fast zusammen. Nicht nur Furuya hatte gefragt, was mit seinem Neffen war, warum er nicht noch mal vorbei gekommen war. Furuya war im Großen und Ganzen von Eijun begeistert gewesen, auch wenn es nur daran lag, dass er ihm gesagt hatte, dass er das Zeug zum Ace hatte.  

„Ich fürchte nicht“, antworte er ehrlich und sah die neugierigen Blicke seines Teams.

„Warum nicht?“, fragte Furuya.

„Fangen wir mit dem Training an“, sagte er ohne auf Furuya`s Frage einzugehen.

„Hä, was ist los Coach?“ Die Verwirrtheit war deutlich in den Gesichtern seiner Spieler zu sehen, aber er hatte nicht das Recht Eijun`s Gefühle und Verhalten zu erklären.

„Ich kann euch nicht sagen was mit Eijun los ist, ich habe nicht das Recht dazu. Ich kann nur sagen, dass er gerade eine sehr schwere Zeit durchmacht.“

„Hat er ein wichtiges Spiel verloren?“, fragte Miyuki. Er wünschte sein Captain hätte Recht. Wenn es nur das wäre.

„Um ehrlich zu sein hat Eijun noch nie ein Spiel verloren.“

„Ist er ein Ace?“, fragte Furuya.

„Er war es und ich hoffe, dass er es eines Tages wieder sein wird.“ Die Gesichter vor ihm sahen ihm noch fragender an als zu vor. Er hoffte wirklich, dass Eijun es auf dem Mound zurückschaffen würde. Als er hier gewesen war und nicht zusammengebrochen war hatte er große Hoffnungen gehegt, doch der Anblick von seinen Neffen als er dann nach Hause gekommen war, war verstörend gewesen. Seine Frau hatte nur traurig mit den Kopf geschüttelt, welche einen weinenden Eijun in den Armen gehalten hatte. Seit dem hatte Eijun sein Zimmer nicht mehr verlassen und er wünschte sich fast, dass er zurück zu seinen nächtlichen Eskapaden gehen würde. Er wusste nicht was hier passiert war und er fühlte sich dafür verantwortlich, weil er ihn dazu gezwungen hatte. Doch am Ende hatte es alles nur noch schlimmer gemacht. Was sollte er tun? Wie konnte er ihm helfen? Er fühlte sich so verdammt hilflos. Es war jetzt ein halbes Jahr her, dass sein Bruder und seine Frau bei einem Verkehrsunfall gestorben waren. Eijun hatte nur noch seine Frau und ihm. Er musste anfangen wie ein Vater zudenken, denn im Grunde übernahm er jetzt die Rolle seines Bruders und sein Bruder würde ihm die Hölle heiß machen, wenn er seinen Sohn nicht zurück auf`s Baseballfeld bekommen würde.

*


Zwei Wochen später


Eijun hörte das Klopfen an seiner Zimmertür, reagierte jedoch nicht. Er wollte nur in Ruhe gelassen werden. Er wollte schlafen. Die Tür wurde aufgeschoben, doch er machte sich nicht mal die Mühe aufzusehen.

„Ich habe meine Meinung geändert“, sagte jemand und Eijun erkannte die Stimme sofort. Eijun stöhnte genervt.

„Verschwinde einfach“, sagte er und hörte selbst wie müde und kratzig seine Stimme klang.

„Nein, ich will wissen was passiert ist und ich werde nicht verschwinden bis du es mir gesagt hast.“

„Ich habe schon mal gesagt, dass es dich nichts angeht.“ Eijun drehte sich zur Wand um seine Ablehnung deutlich zu machen. Miyuki sagte nichts, jedoch hörte Eijun wie er sich auf seinen Schreibtischstuhl niederließ. <<Geh doch einfach weg.>>

„Es hilft zu reden“, flüsterte Miyuki und Eijun hatte den Eindruck, dass er genau wusste von was er sprach. Eijun schluckte und versuchte die Tränen zurückzuhalten. <<Warum?>>

„Geh“, sagte er und konnte das Schluchzen nicht unterdrücken. Die Tränen bahnten sich ihren Weg und plötzlich spürte er wie sich zwei starke Arme um ihn schlangen. Miyuki drückte ihn an sich und wieder konnte er sein Herz schlagen hören.

„Wa … Warum?“, fragte er.

„Weil ich weiß wie es sich anfühlt“, flüsterte Miyuki ihm ins Ohr. Eijun zuckte zusammen und blieb schließlich regungslos. Nach einer Weile drehte er sich um und sah Miyuki direkt in die Augen. Sie waren sich so nahe und Eijun konnte nicht widerstehen, langsam näherte er sich Miyuki und je länger es dauerte den Abstand zu überbrücken desto ungeduldiger wurde er. Der Drang Miyuki zu küssen war überwältigend, so überwältigend wie der Kuss selbst. Als Eijun Miyuki`s Lippen berührte, fühlte es sich an als würden durch seinen ganzen Körper Blitze fegen. Es war atemberaubend, aber er fühlte auch den Kampf, welchen Miyuki mit sich austrug. Den Kampf zwischen Furuya und ihm. Aber Eijun wollte nicht an das zukünftige Seidou Ace denken, er wollte dass er diesen verdammten Kuss erwiderte. Er legte seine Hand auf seine Wange und er sah wie Miyuki die Augen schloss. Er ergab sich. Eijun erhöhte den Druck, fuhr sanft mit seiner Zunge über seine Lippen und bat um Einlass. Als sich ihre Zungen berührten war Eijun verloren. Beide stöhnten auf und ohne den Kuss zu unterbrechen drehte Miyuki Eijun auf den Rücken und drängte sich mit einen Bein zwischen den von Eijuns. Als er Miyuki`s Erektion spürte keuchte er und rieb seine eigene reflexartig gegen die von Miyuki.

„Gott“, stöhnte dieser, entfernte sich kurz und zog sein T-Shirt über den Kopf. Eijun`s Mund klaffte auf, als er den nackten gut definierten Oberkörper vor sich sah.

„Fuck“, flüsterte er, wurde aber im nächsten Moment von Miyuki erneut geküsst. Eijuns Hände erkundeten seine Haut und er konnte von den vielen Muskeln gar nicht genug bekommen. Das Gewicht auf ihm, fühlte sich so richtig an und er begann immer ungeduldiger seinen Schwanz an Miyuik`s Hüfte zu reiben. <<Mehr>> In einer schnellen Bewegung hatten sie die Positionen getauscht. Eijun brachte etwas Entfernung zu Miyuki und entledigte sich ebenfalls seines T-Shirts und freute sich innerlich über die ähnliche Reaktion von Miyuki.

„Dir gefällt also was du siehst?“, fragte Eijun arrogant, wartete aber nicht auf seine Antwort sondern machte sich über Miyukis Hals her. Er schmeckte salzig und süß gleichzeitig und es war das Beste von dem er jemals gekostet hatte. Er saugte, leckte und raubte Miyuki unter ihm den Verstand. Seine Hände wanderten zur Jogginghose und im Nu hatte er die Schnüre geöffnet.

„Eijun“, keuchte Miyuki und durch Eijuns Körper jagten erneut Blitze.

„Ich weiß“, flüsterte er ihm ins Ohr und knabberte an seinem  Ohrläppchen. Seine Hand fuhr währenddessen in Miyuki`s Hose und umfing seine Erektion.

„Oh Shit … Eijun“, stöhnte er auf.

„Ich weiß“, sagte er, rieb seine Hüfte erneut an die von Miyuki und küsste ihn mit solch einem Verlangen wie er es nur selten verspürt hatte. Er entfernte sich nur wenige Zentimeter von ihm und sah ihm in die Augen. Es war eine unausgesprochene Frage, aber er wusste, dass Miyuki sie verstehen würde. Doch Eijun konnte den Gesichtsausdruck sehen, wie er sich komplett veränderte.

„Miyuki?“

„Es … Es tut mir leid“, hörte er ihn flüstern und Eijun verstand. Er entfernte seine Hand aus der fremden Hose und drehte sich von dem halbnackten Körper unter ihm. Sie lagen schweigend nebeneinander, mit den Armen über den Augen und wussten nicht wirklich weiter. Ihr Atem ging schwer und die Stille wurde von Minute zu Minute schwerer zu ertragen.

„Ich sollte vielleicht gehen“, brach Miyuki das Schweigen. Eijun lachte auf nahm seinen Arm von den Augen und drehte sich auf die Seite um den Mann neben ihn anzusehen.

„Das klingt nicht gerade sicher“, sagte er.

„Nun“, Miyuki drehte sich ebenfalls zum ihm, „ich schätze ein Teil von mir will nicht wirklich gehen“, sagte er ehrlich. Eijun konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

„Ich sehe, welchen Teil du meinst“, meinte er amüsiert und nickte in Richtung Miyuki`s Schwanz. Er bekam ein Lächeln geschenkt.

„Darf ich dich was fragen Miyuki?“

„Kazuya ist wohl angebrachter, nach dem was gerade passiert ist.“

„Ok.“

„Was wolltest du fragen?“

„Wenn wir das was eben war fortgesetzt hätten, welche Rolle hättest du einnehmen wollen?“ Eijun grinste ohne jegliches Schamgefühl, wobei Miyuki ihn mit hochgezogener Augenbraue ansah.

„Oh“, sagten beide gleichzeitig und fingen schließlich an zu lachen.

„Hast du schon mal?“, fragte Miyuki?

„Nein, immer Top.“

„Ich auch.“

Wieder stellte sich Schweigen ein.

„Ich schätze das wäre zu einem Problem geworden“, sagte Eijun.

„Jap, wäre es wohl“, sagte Miyuki.

„Mal daran gedacht?“, fragte Eijun.

„Nun, ja ein Teil denkt gerade darüber nach und ja es genau dieser Teil“, sagte Miyuki und nickte dieses Mal selbst in Richtung seines Schwanzes.

„Du würdest es also zulassen?“

„NEIN!“, sagte er und setzte sich auf.

„Hmmm, also so richtig überzeugend war das auch nicht“, meinte Eijun aber er wusste auch, dass das Miyuki klar war. Eijun setzte sich auf und positionierte sich genau hinter Miyuki, welcher seinen Kopf deprimiert in die Hände gelegt hatte. Eijun lehnte sich gegen ihn, fühlte die beruhigende Wärme von seinen Rücken ausstrahlen. Miyuki bewegte sich nicht und so flüsterte er ihm ins Ohr: „Es reicht wenn sich einer von uns beiden mies fühlt, Kazuya.“

„Weißt du Eijun, das Problem ist, dass ich mich gar nicht so mies fühle wie ich es sollte.“ Eijun küsste seine Nacken.

„Warum ist das so?“, fragte er und federte einen weiteren Kuss auf den nackten Rücken vor ihm und sah die Gänsehaut, welche er verursachte.

„Ich schätze ich bin wütend.“ Eijun war überrascht.

„Auf wem?“

„Satoru“, sagte er schlicht.

„Satoru?“, fragte Eijun überrascht, stand schließlich auf und ging vor Miyuki in die Hocke um ihn anzusehen. „Was ist passiert?“ Miyuki sah ihn an, konnte aber den Blick nicht halten.

„Den Abend als wir uns kennenlernten … an diesem Tag hatte er mir gesagt, dass er mit jemand anderen im Bett war. Ich will nicht so sein wie er und doch denke ich, dass meine Wut auf ihm geringer werden würde, wenn ich es ihm heimzahlen würde. Jedoch …“, Miyuki brach ab.

„Jedoch?“, fragte Eijun.

„Du bist absolut nicht der Richtige dazu“, sagte er und sah ihm wieder in die Augen. Eijun war gut darin immer zu wissen, was der andere dachte, jedoch dieses Mal konnte er nicht sagen, was Miyuki meinte.

„Ich kann dir nicht folgen?“

„Doch kannst du.“ Eijun hatte das Gefühl, das er es verstehen müsste gerade weil sie sich so ähnlich waren. Was war los? Was verstand er nicht? Und plötzlich traf es ihm wie ein Blitz. Er sah wie sie sich das erste Mal angesehen hatten, wie sie den Blick nicht abwenden konnten. Er sah wie sie beide versuchten klüger als der andere zu sein. Eijun hatte nicht schnell genug gedacht, hatte den Überblick über alles verloren, da er sich hier verkrochen hatte und in seiner Trauer versunken war, während Miyuki weiter gegangen war. Schon als sie sich kennengelernt hatten, wussten sie beide wo es enden würde, weiter hatte Eijun nicht gedacht, das tat er nie, da sich seine Handlungen im Zwischenmenschlichen nicht über den Sex hinausgingen. Doch wenn er in Miyuki`s Augen sah, wusste er genau wovon er sprach. Es könnte mehr sein. So viel mehr. Vielleicht genau das was Eijun brauchte. Er legte seine Hand an Miyuki`s Wange, sah wie seine Augen sich schlossen und ganz natürlich schmiegte sich sein Kopf in seine Handfläche.

„Ja kann ich“, flüsterte er schließlich und küsste ihn sanft. Er löste sich von ihm und sah ihm wieder an.

„Bleib heute Nacht hier“, sagte Eijun vorsichtig und es war das erste Mal, dass er Angst hatte abgewiesen zu werden. Sie hatten sich zweimal getroffen und es fühlte sich so an als würden sie sich ewig kennen. Miyuki zog ihn an sich und küsste ihn.

„Okey.“ Eijun atmete erleichtert aus. „Wirst du mir erzählen was dich quält?“ Eijun sah ihn nachdenklich an, wandte sich aber ab und hörte schließlich ein Keuchen hinter sich.

„Heilige Scheiße“, sagte Miyuki. Eijun wusste was er gesehen hatte.

„Gefällt es dir?“, fragte er nach.

„Ob es mir gefällt? Du weißt, dass es das tut.“

„Ja, es ist ziemlich heiß was?“, fragte er arrogant, was Miyuki`s rechte Augenbraue heben ließ. „Ich weiß, dass du es heiß findest“, stellte Eijun klar.

„Es ist wunderschön“, bekam er als Antwort und Eijun legte sich zurück auf`s Bett.

„Die Eins steht für das was ich immer war“, fing er an.

„Das Ace? Dreh dich auf dem Bauch ich will es sehen“, forderte Miyuki ihn auf und er tat es.

„Ja ein Ace. Weißt du ich bin ein ziemlich guter Pitcher, na ja ich war es mal“, sagte er und atmete schwer aus. Er spürte die Fingerspitzen welche über seine Tätowierung strichen. Miyuki war so vorsichtig, so federleichte Berührungen als könnte er ihm wehtun. Vielleicht könnte er es tatsächlich, dachte Eijun.

„Weiter“, sagte Miyuki wobei er seine Berührungen nicht unterbrach, sondern sich nur neben ihm kuschelte. Eijun sah Miyuki in die Augen und schloss sie schließlich. Er hörte sein Herz schlagen aber die Berührungen auf seinen Rücken beruhigten ihm.

„Die Federn stehen für“, er schluckte, „sie stehen für meine Eltern. Ich habe sie vor drei Monaten hinzufügen lassen.“ Er spürte wie Miyuki die Federn berührte, welche die eins teilweise umschlossen, als würde sie diese beschützen wollen. Er war wirklich stolz auf dieses Tattoo, welches seinen kompletten Rücken beanspruchte. Es war das was er war und was ihm ausmachte. Er war ein Ace gewesen und seine Eltern hatten ihm in dieser Sache immer unterstützt. Sie hatten dazu beigetragen, das zu tun wozu er geboren wurde. Eijun war ein Baseballspieler mit Leib und Seele, genau wie sein Vater es einst gewesen war.

„Meine Eltern sind vor sechs Monaten gestorben“, sagte er schließlich und öffnete die Augen um Miyuki`s Reaktion sehen zu können. Er sah wie er schluckte.

„Du sagtest du weißt wie es sich anfühlt?“, fragte er.

„Nicht das“, sagte Miyuki und schluckte ebenfalls schwer. „Ich habe mich geirrt.“

„Was meintest du?“

„Wenn man sich verloren fühlt“, sagte er und Eijun sah ihn fragend an.

„Meine Eltern haben sich scheiden lassen als ich 15 war. Also wie gesagt, ich habe mich geirrt.“

„Nein“, sagte Eijun und rückte an Miyuki heran und schloss ihn schließlich in seine Arme. „Hast du nicht.“

„Sie sind noch immer da Eijun, aber deiner Eltern, sie sind“, er beendete nicht den Satz sondern drückte ihn einfach noch mehr an sich. „Es tut mir leid, es tut mir so leid.“ Eijun wusste nicht wann er angefangen hatte zu weinen, aber er war froh nicht allein zu sein. Er war froh das Miyuki hier war.

Eijun erzählte Miyuki die ganze Geschichte, angefangen von dem wichtigsten Spiel in seiner Baseballkariere bis hin zum Siegesjubel und als schließlich alles zusammenbrach. Er erzählte ihm die Geschichte von Sieg seines wichtigsten Spiels und wie er mit seinen Freunden auf dem Feld stand und feierte und wie er von den Polizisten empfangen wurde, als er in die Umkleidekabine gehen wollte. Er erzählte ihm, wie sie ihm sagten, dass seine Eltern einen tödlichen Unfall hatten, als sie auf dem Weg zu ihm ins Stadion waren, um ihn spielen zu sehen. Er erzählte ihm, wie er sich für alles verantwortlich fühlte und seit dem nichts mehr mit Baseball zu tun haben wollte. Er erzählte ihm wie ihn die Panikattacken übermannten wenn er an fing zu sehr über Baseball nachzudenken, wie ihn die tückischen Bilder in Erinnerung kamen und die Luft abdrückten. Er erzählte ihm von der ganzen Schuld die er empfand und Miyuki war da, die ganze Nacht und wiegte ihn in seinen Armen und schwor ihn, dass er ihm helfen würde. Er schwor ihm seine Panikattacken zu bewältigen. Er schwor ihm für ihn zu Catchen so viel wie es nötig war. Er schwor ihm, dass er wieder auf dem Mound stehen würde und wenn er dies tun würde, würde er es sein der an der Homebase seine Pitches fangen würde.

Am Ende der Nacht schliefen sie ein und Eijun fühlte sowas wie Hoffnung.



*




Epilog




„Du kleiner …“, sagte Eijun und funkelte Kazuya wütend an, welcher ihn jedoch nur arrogant angrinste.

„Komm schon sprich nur weiter.“

„Tze, du kannst mich mal“, meinte Eijun und stieg aus der Bahn, da sie ihr Ziel erreicht hatten.

„Du kannst einfach nicht verlieren“, sagte Kazuya und lachte hinter ihm.

„Kann ich sehr wohl“, sagte Eijun wütend, was seinen Freund noch mehr zum Lachen brachte.

„Revanche?“, fragte Kazuya.

„Natürlich“, knurrte Eijun.

„Bauer auf B3“, sagte Kazuya schließlich und begann eine neue Partie.

„Bauer auf B6“, antwortete Eijun, der festentschlossen war nicht eine weitere imaginäre Schachpartie gegen seinen Freund zu verlieren. Er hätte nie erwartete einmal gegen Kazuya verlieren zu können, er war immer besser in Schach gewesen, als er. Eijun war sogar der Meinung, dass er es erst war der ihn so gut in diesem Spiel trainiert hatte, obwohl er nie wirklich wusste, wie klug Kazuya wirklich war. Es gab Situationen wo er sich einfach dumm stellte.

„Eijun?“, kam es leise von Kazuya, der sanft seine Hand in seinen Nacken legte. Eijun sah seinen Freund fragend an.

„Ja?“

„Ich glaube nicht, dass du an einem ganz normalen Tag verloren hättest, du bist immer noch der bessere Schachspieler von uns zwei, auch wenn ich dich eines Tages wirklich schlagen werde“, sagte er versöhnlich und küsste ihn.

„Es ist ein ganz normaler Tag“, meinte Eijun und ging weiter.

„Wenn du das sagst“, meinte Kazuya, der aufschloss und nun schweigend neben ihm ging. Es war natürlich kein normaler Tag und sie beide wussten es. Kazuya nahm Eijun`s Hand in seine und zusammen gingen sie durch das Tor der Seidou-High. Sie sahen, dass die meisten ihrer Teamkameraden bereits dort waren und auf die Abfahrt des Teambusses warteten. Eijun atmete tief durch, heute war ein wichtiges Spiel und er hatte keinen Zweifel daran fantastisch zu sein. Er würde mit Kazuya die perfekte und beste Battery bilden die die Zuschauer jemals erlebt hatten. Sie würden dieses Spiel gewinnen. Sie würden Koshien gewinnen. Sie würden Landesmeister und die beste Baseballmannschaft ganz Japans werden. Eijun war sich einer Sache nie so sicher gewesen wie in dieser, sein Problem heute war viel mehr ihr Gegner, nicht, dass er Angst hätte sie könnten besser als sein Team sein. Nein, das war es nicht.

„Nervös?“, fragte Kazuya nun.

„Kein Grund“, log Eijun.

„Natürlich nicht. Sawamura Eijun wird durch nichts nervös, selbst dann nicht wenn er gegen den Ex seinen Freundes antritt“, sagte Kazuya und sprühte vor Sarkasmus. Eijun funkelte ihn an.

„Ich bin nicht nervös, ich freue mich auf das Spiel. Aber ich gebe zu, dass ich keine Besondere Lust darauf verspüre Furuya wiederzusehen.“

„Ich weiß“, sagte Kazuya.

„Es wird ein Pitcherduell und wir beide wissen, dass wir dies nicht verlieren werden. Wir werden Meister und dann erwartete ich einen Kuss von dir“, sagte er und sah Kazuya an.

„Natürlich bekommst du diesen“, sagte Kazuya ohne nachzudenken.  

„Auf dem Mound!“, sagte Eijun weiter und brachte Kazuya zum Grinsen.

„Wenn es das ist was du willst.“ Kazuya zuckte mit den Schultern, als würden sie sich nach jedem Spiel was sie gewannen auf dem Mound küssen. Sie hatten es nie getan. Dass sie in einer Beziehung waren wusste nur das Team und ihre Familie. Die Öffentlichkeit, welche auf die perfekte Battery, durch ihre vielen gewonnen Spiele, aufmerksam geworden war, hatten sie ihre Beziehung verschwiegen. Heute würde sich das ändern und keiner der beiden verspürte auch nur dein Hauch von Unsicherheit dabei.



Und genau fünf Stunden später, ging Miyuki mit einem frechen Grinsen auf den Mound und zog Eijun an sich, um ihn vor tausenden von jubelnden Zuschauern leidenschaftlich zu küssen.

„Hast du es dir so vorgestellt?“, fragte Kazuya.

„Nein. Es ist viel besser“, sagte Eijun ergriffen und musste schlucken um nicht anfangen zu weinen. Eine Träne stahl sich davon und Kazuya wischte sie mit den Daumen fort. Er sah Eijun tief in die Augen.

„Ich liebe dich“, hörte er Kazuya sagen und Eijun durchfuhr eine Welle von Glück. Er fing an zu grinsen und sagte:

„Natürlich tust du das, von der ersten Sekunde an“, sagte er und zwinkerte seinem Freund zu.

„Du bist so arrogant.“

„So wie du, aber was soll`s, ich liebe dich auch.“

„Natürlich tust du, von der ersten Sekunde an“, war das letzte was Eijun hörte bevor sie von ihren Teamkameraden in Beschlag genommen wurden.



ENDE




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