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Five Minutes

von Mummel
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12 / Gen
James "Krone" Potter Lily Potter Peter "Wurmschwanz" Pettigrew Remus "Moony" Lupin Severus Snape Sirius "Tatze" Black
02.09.2015
23.06.2022
101
350.630
38
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Kapitel 52


Das Hogsmeade Wochenende kam schnell und um elf Uhr an diesem Morgen warteten Hestia und Lily darauf von Filch ausgetragen zu werden und von Professor Sprout runter ins Dorf geführt zu werden. Die Menge, in der sie warteten, war riesig, da es so schien, als hätte jeder den ersten Gang aus Hogwarts runter ins Dorf nehmen wollen. Deswegen dauerte es furchtbar lange, jeden auszutragen. Hestia wurde sehr ungeduldig. Sie wippte mit ihren Füßen auf und ab wie eine kleine Taube oder wie jemand, der dringend zur Toilette musste. Lily machte es nicht besonders viel aus. Sobald sie beschlossen hatten, den frühen Ausflug ins Dorf zu nehmen, wusste Lily, dass es unvermeidbar war, dass sie eine Weile würden warten müssen. Sie hatte sich damit abgefunden und begonnen, die Leute zu beobachten, während sie warteten.
Die Mehrheit der älteren Hogwartsbevölkerung war dort. Die meisten von ihnen waren Fünfklässler und älter, aber es gab auch ein paar Gruppen von Dritt- und Viertklässlern. Auf der rechten Seite wo Lily und Hestia standen, wobei Hestia immer noch ungeduldig herum sprang und Lily mit verschränkten Armen ruhig da stand, war eine Gruppe Viertklässler, die eine angeregte Unterhaltung darüber führten, welche Zonko’s Produkte sie kaufen sollten. Dann war hinter ihnen eine weitere Gruppe von Jungs, dieses Mal Sechstklässler, die sich laut fragten, wer von ihnen es schaffen würde, ein Mädchen in die Heulende Hütte zu bekommen um ‘rumzumachen’. Jeder von ihnen schien sich allzu sicher zu sein, was Lily glauben ließ, dass keiner von ihnen die Fähigkeit besaß, ein Mädchen dorthin zu bringen. Es sei denn, natürlich, sie sei ein kompletter Hohlkopf. Zu Lilys linker Seite, vorne in der Menge, die darauf wartete nach Hogsmeade zu gehen, standen mehr Mädchengruppen. Dort stand eine kleine Gruppe Drittklässler, die ziemlich schüchtern aussahen und unsicher, was sie tun sollten, eine Gruppe Fünftklässler, die vor Überschwang zu hüpfen schienen und dann eine große Gruppe Siebtklässler, die alle gleich aussahen, genauso wie ihre Freunde. Wenn Lily es nicht besser wüsste, hätte sie gedacht, dass sie auf sieben Versionen desselben Paares blickte.
Lily gegenüber und sie anstarrend, stand James. Er lehnte in seiner gewöhnlichen Position gegen die Wand, mit verschränkten Armen und gekreuzten Beinen, und blickte sie lediglich an, mit dem Hauch eines kleinen Lächelns auf seinem Gesicht. Neben ihm mit den Händen in seinen Taschen stand Remus Lupin und neben ihm und mit den beiden redend (obwohl es klar war, dass sie ihm nicht zuhörten), war Peter Pettigrew. Und schließlich, das letzte Mitglied ihrer Gruppe war Sirius Black. Er hatte seinen Arm um ein großes schlankes Mädchen mit glattem braunem Haar gelegt, das zu einem unvorteilhaften Bob geschnitten war. Sie sah verzückt aus, hier zu sein. Sirius jedoch sah so aus, als hätte er seinen Arm nur um sie gelegt, weil es etwas war, das man machte. Er schenkte ihr keine Aufmerksamkeit und schaute stattdessen zur Decke, wo Peeves in der Nacht davor Obszönitäten hingekritzelt hatte.
Lily erwiderte James’ Blick kurz, bevor sie von Hestia aus der Tür gezerrt wurde. Die Herde hatte begonnen, sich zu bewegen. Angeführt von Professor Sprout machte sich die umfangreiche Menge an Hogwartsschülern auf den Weg über die Ländereien nach unten zum großen Tor. Es wurde von Professor Sprout geöffnet und die Gruppe strömte ungeordnet nach draußen. Als es wieder geschlossen wurde, machten sie sich alle an den Abstieg den Abhang hinunter und nach Hogsmeade hinein. Einige rannten so schnell sie konnten, andere schlenderte gemütlich und, ein wenig weiter vorne von Hestia und Lily, hüpften Sirius und James.
Als sie Hogsmeade erreichten, verschwendete Hestia keine Zeit und brach sofort auf um das Dorf leer zu kaufen. Sie zwang Lily in jeden Laden hinein und kaufte fast immer etwas. Sie liebte es zu shoppen und, aus der Erleichterung heraus, ihre sorglose Freundin wieder zurückzugewinnen, begann Lily es zu genießen, selbst wenn Hestia sie ständig darüber informierte, dass sie falsch shoppte. Sie hatte keine Einwände, in die Läden gezerrt zu werden, in denen sie nicht besonders gerne Zeit verbrachte und sie blieb mit Hestia mindestens fünf Minuten lang darin.
So verbrachten sie die erste Stunde ihres Ausfluges. Hestia hatte alles gekauft, was sie finden konnte, ihre Mutter hatte ihr am Morgen ihr Taschengeld geschickt, und Lily kaufte noch mehr Schreibutensilien, die ihr ausgingen. Dann, nachdem Hestia sie zehn Minuten dazu ermutigt hatte, ließ sich Lily dazu überreden, etwas frivoles zu kaufen. Es war ein großer Schritt für Lily, da sie normalerweise nie Dinge kaufte, wenn sie sie nicht brauchte oder unbedingt wollte. Aber Hestia hatte sie davon überzeugt und Lily hatte sich ein neues Buch gekauft, einen neuen Pullover und ein Paar von Kobold gemachten Ohrringen. Als sie in Alice und Frank gelaufen waren, hatte Alice Hestia tatsächlich dazu beglückwünscht es geschafft zu haben, Lily dazu zu bringen, das zu tun. Sie sprachen zehn Minuten lang mit ihnen, bevor sie weiter shoppten.
Lily hatte einen schönen Tag mit Hestia. In mancher Hinsicht wünschte sie sich, dass sie nicht arrangiert hätte, in ungefähr einer Stunde zu gehen, da sie es wirklich vermisst hatte, mit einer enthusiastischen Hestia alleine Zeit zu verbringen. Alice war nun immer bei ihnen. Lily mochte Alice, aber es war nett, ein bisschen Zeit alleine mit ihrer besten Freundin zu haben. Aber Lily hatte nun einmal arrangiert in etwas mehr als einer Stunde zu gehen, damit sie sich mit James treffen konnte. Um zwölf Uhr wünschte sich Lily, dass Hestia das gewusst hätte, da um zwölf Uhr ihr schöner Tag ruiniert wurde. Und es war Hestias Schuld.
,,Lass uns in die Drei Besen gehen”, verkündete Hestia und schaute dabei auf die Uhr an ihrem Handgelenk.
,,Es ist erst zwölf”, antwortete Lily, schaute auf ihre eigene Uhr um sicherzustellen, dass sie die richtige Zeit hatte, ,,du kannst doch noch nicht hungrig sein.”
,,Aber ich habe heute noch nichts gegessen!”, jammerte Hestia, legte ihre Hände über ihren Magen um es so aussehen zu lassen, als wäre sie am verhungern.
,,Kannst du nicht noch eine halbe Stunde warten?”, fragte Lily sie, ,,ich bin nicht hungrig.”
,,Na ja, du musst dir ja nichts holen, trink nur etwas”, meinte Hestia, nahm Lily am Ellbogen und führte sie durch die belebte Straße, mit einem aufgeregten Lächeln auf ihrem Gesicht. Sie führte sie zur Tür ihrer Lieblinszaubererkneipe und zerrte sie hinein. Als sie drin waren, schaute sie sich ein paar Sekunden um und ihre Augen landeten auf einer großen Tischnische in der Ecke. Ihr Lächeln wuchs.
Lily folgte ihrem Blick und, als sie herausfand, wohin sie schaute, verschwand ihr Lächeln. Plötzlich wurde sie ziemlich wütend auf ihre beste Freundin.
,,Hestia! Nein!”, zischte Lily Hestia zu und wollte sich umdrehen und aus der Kneipe heraus auf die belebte Straße treten. Hestia ließ sie jedoch nicht. Sie nahm wieder Lilys Ellbogen und zog Lily weiter in die Kneipe.
,,Komm schon Lily”, jammerte sie flüsternd ihrer nun extrem verärgerten besten Freundin zu, ,,Joshua mag dich wirklich!”
,,Wenn er mich so sehr mag, wieso hat er dann versucht mich mit seiner einseitigen Unterhaltung über die Bank zu Tode zu langweilen?”, flüsterte Lily wütend zurück. Sie war überhaupt nicht glücklich über all das.
,,Gib ihm eine Chance, Lily!”, fuhr Hestia fort und drängte Lily dazu, Joshua Hunt zu erlauben, einen zweiten ersten Eindruck zu hinterlassen ,,du hast letztens kaum Zeit mit ihm verbracht, weil du gehen musstest. Wenn du ihm mehr Zeit gegeben hättest, bin ich mir sicher, dass er über mehr als nur die Bank gesprochen hätte!”
Die beiden Mädchen waren nun halb durch die volle Kneipe durch und kamen immer näher dorthin, wo Joshua Hunt und Sean McEvoy saßen und auf Lily und Hestia warteten. Lily hatte nicht viel Zeit um zu entkommen und sie hatte das Gefühl, dass wenn sie ihr keinen legitimen Grund nannte, warum sie nicht auf ein zweites Date mit Joshua gehen wollte, dann würde sie gezwungen sein, es durchzustehen. Sie wollte es Hestia nicht auf diese Art und Weise sagen, aber sie hatte das Gefühl, dass sie keine andere Wahl hatte.
,,Hestia, ich muss dir etwas sagen”, sagte sie und versuchte Hestia zum stehen bleiben zu bewegen, was ihr aber nicht gelang. Trotzdem kämpfte sie weiter. ,,Ich kann mit Joshua nicht ausgehen-”
,,Sieh mal, er hat dir Blumen mitgebracht!”, seufzte Hestia, unterbrach Lily mitten im Satz und ignorierte, was sie versuchte ihr zu sagen.
,,Hat er?”, fragte Lily und wurde durch diese Aussage plötzlich abgelenkt. Noch nie hatte ihr jemand Blumen gekauft.
Die Ablenkung dauerte lange genug, dass Hestia Lily die letzten paar Meter zu den zwei Jungs ziehen konnte. Als sie dort ankamen, standen Joshua und Sean auf, um sie zu begrüßen. Lily saß nun in der Falle. Sie wollte es Hestia nicht gerade vor den beiden Ravenclawjungs sagen. Wenn sie es tat, dann würde Hestia in Verlegenheit gebracht werden, Sean wäre es unangenehm und Joshua wäre wütend. Sie wollte ihnen das nicht antun. Keinem von ihnen. Das netteste, was sie jetzt tun konnte war, es eine Stunde durchzustehen, bis die falsche Nachricht käme, die sie bat zu Dumbledore zu gehen. Dann würde sie gehen können und den Rest des Tages mit James verbringen können und sich wahrscheinlich bei ihm darüber auslassen, was Hestia getan hatte.
,,Hallo Lily”, sagte Joshua steif, stand auf und hielt ihr den Blumenstrauß hin, den er für sie gekauft hatte, ,,die sind für dich.”
,,Lilien”, sagte Lily, nahm sie und sah nach unten auf die ordentlich eingepackten Blumen, ,,wie originell.”
Hestia trat Lily auf den Fuß um sie daran zu erinnern, nett zu sein und Joshua eine weitere Chance zu geben. Als sie das tat, schaute Lily sie mit verengten Augen an und die beiden hatten eine stille Unterhaltung. Sie endete damit, dass Lily sich zu Joshua drehte und ihm höflich für die Blumen dankte. Dann kletterten die vier Hogwartsschüler in die übergroße Tischnische, die so aussah, als hätten dort zwölf Leute Platz und setzten sich hin. Als sie alle saßen, betraten Hestia und Sean ihre eigene kleine Welt, hielten ihre eigene private Unterhaltung ab und ließen Lily und Joshua alleine zum reden.
Lily versuchte höflich zu sein. ,,Also, wie war deine Woche?”, fragte sie ihn.
,,Nicht schlecht”, begann Joshua, ,,mein Vater hat mir einen Brief geschickt und mir geschrieben, wie die Dinge in der Bank laufen und es scheint, als…”
Lily ignorierte ihn, weil sie ihm nicht schon wieder zuhören wollte, wie er die ganze Zeit über seinen Vater und die verdammte Bank sprach. Alles woran sie denken konnte war, wie sie Hestia später umbringen würde. Kurz vorher hatte sie noch einen schönen Tag mit ihrer besten Freundin gehabt und sich gewünscht, er würde noch länger dauern und nun war sie in ein zweites Date hineingezogen worden mit jemandem, bei dem sie sich sicher war, dass er sie buchstäblich zu Tode langweilen könnte, wenn man ihm die Möglichkeit gab. Jetzt konnte sie es kaum erwarten, dass ihre Zeit mit Hestia vorbei war. Sie wäre im Moment viel lieber mit James zusammen und, bei Lilys Glück, musste sie nicht lange warten, bis dieser Wunsch wahr wurde.

~ ~ ~ ~ ~


Sirius hatte sein Date praktisch in Zonko’s Scherzartikelladen stehen lassen, um mit James die neuesten Produkte auszuprobieren. Sie standen in der Nähe der Theke und bespritzten ein paar Drittklässler mit einem neuen magischen Gel, das, wenn es Hautkontakt hatte, bei einem riesige rote Nesselsucht auslöste. Sie ließen das juckende Gel auf vier Drittklässler frei, bevor der Eigentümer von Zonko’s Scherzartikelladen sie darüber informierte, dass sie etwas davon kaufen würden müssen, da sie seine halbe Auslage verbraucht hatten. Sie kauften sechs Tuben.
Wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätten James und Sirius wahrscheinlich den ganzen Tag in Zonko’s Scherzartikelladen verbracht, aber, da es nicht so war, überzeugte Remus sie dazu, in die Drei Besen zu gehen, nicht dass Sirius groß überzeugt werden musste, nachdem Remus erwähnt hatte, dass sie sich etwas zu Essen holen sollten. Also griff Sirius nach der Hand seines Dates, nachdem er sie eine halbe Stunde lang zugunsten seines besten Freundes komplett ignoriert hatte und zog sie praktisch aus Zonko’s heraus, um in die Drei Besen zu gehen. James, Remus und Peter folgten ihnen.
,,Sie ist so falsch”, murmelte Remus James zu, während sie die Hauptstraße von Hosgmeade auf dem Weg zur Zaubererkneipe entlang schlenderten.
,,Dann passt sie ja perfekt zu Sirius”, murmelte James zurück und bekam dafür ein Glucksen von Remus.
,,Was?”, fragte Peter die beiden, begierig darauf, in den Scherz eingeschlossen zu werden. Er stand zwischen den beiden und schaute vor und zurück um zu sehen, wer ihm sagen würde, was so lustig war. Keiner der beiden tat es. Sie schüttelten bloß ihre Köpfe und sagten ihm, er solle sich keine Gedanken darum machen.
Die drei Jungs folgten Sirius und seinem Date in die Drei Besen hinein und standen an der Eingangstür. Die fünf Hogwartsschüler schauten sich mit ernüchternden Gesichtsausdrücken in der Kneipe um. Die Kneipe war gerammelt voll. Sie war buchstäblich überfüllt und es schien, als müssten sie woanders etwas essen gehen wie zum Beispiel in den Eberkopf. Aber Peter sah etwas und hatte eine Idee.
,,Können wir bei anderen Leuten sitzen, die wir kennen?”, fragte er Remus und James.
,,Ja, aber wen kennen wir hier drin?”, fragte Remus ihn und deutete auf die Menge. In der Bar waren noch andere Hogwartsschüler, aber keine, zu denen sich die Rumtreiber bereitwillig setzen würden, nicht, dass sie nicht eingeladen werden würden.
,,Evans und Jones”, flüsterte Peter schüchtern, als hätte er Angst, ausgeschimpft zu werden, weil er das vorgeschlagen hatte.
James, Remus, Sirius und sein Date (weil sie an diesem Punkt begonnen hatten, der Unterhaltung zu lauschen), schauten sich in der Bar nach Lily und Hestia um. Sie erblickten sie hinten in der Kneipe in einer übergroßen Tischnische zusammen mit den beiden Jungs aus Ravenclaw, mit denen sie vor wenigen Wochen ausgegangen waren; Sean McEvoy und Joshua Hunt. James’ Lächeln verschwand.
Remus beobachtete James’ Gesicht, als er Lily bei einem Date mit jemand anderem sah. Er sah verletzt aus und, aus Gründen, die Remus sich nicht erklären konnte, ernsthaft angepisst. Es gab keine anderen Worte, das zu beschreiben. Sirius schaute ebenfalls auf James’ Gesicht, aber, anders als Remus, der Mitgefühl für James in dieser Situation empfand (obwohl er nicht das volle Ausmaß davon wusste),war Sirius sauer. Er hatte diese Woche noch mit Lily über dieses Thema gesprochen. Er hatte versucht, sie davon zu überzeugen, James eine Chance zu geben und sie hatte ihm gesagt, sie würde nicht mit Joshua Hunt ausgehen. Offensichtlich war sie nicht aufnahmebereit für seinen Rat und sie war eine Lügnerin. Sirius mochte keine Lügner. Also beschloss er, dass er ihr Date ruinieren würde und sie dabei vielleicht davon überzeugen konnte James eine Chance zu geben.
,,Ja”, sagte Sirius, zog sein Date mit sich, als er anfing sich seinen Weg durch die Bar zu bahnen, ,,setzen wir uns zu ihnen.”
Peter folgte ihnen sofort, während James an der Tür wartete und Remus mit ihm wartete. Er schien sich nicht rühren zu können.
,,Geht es dir gut Kumpel?”, fragte Remus James.
James schaute Remus an und zwang sich zu einem Lächeln. ,,Perfekt”, meinte er, ,,wir sind alle Freunde. Wir essen einfach zusammen mit ein paar Freunden. Und ich habe schon gesagt, dass es mir egal ist, ob sie mit jemand anderem ausgeht. Ich konzentriere mich auf meine UTZ’s. Jap… UTZ’s.” Er nahm einen tiefen Atemzug und wappnete sich für etwas, das sicherlich ein peinliches Aufeinandertreffen werden würde. Immerhin hatte Lily ihn nicht gewarnt, dass sie auf ein weiteres vorgetäuschtes Date gehen musste und er wollte eine Erklärung. Sein Verstand konnte nicht anders, als Schlussfolgerungen zu ziehen, Schlussfolgerungen von denen er sich wirklich wünschte, dass sie falsch waren. Der einzige Weg, wie er es herausfinden konnte war, sie zu fragen und er wollte nicht noch eine Minute länger damit warten. Also ging James, gefolgt von Remus, der bei James’ offensichtlicher Leugnung nur denn Kopf schüttelte, durch die überfüllte Bar hinter Peter, Sirius und seinem Date her.
Sie erreichten Hestia, Lily und ihre Verabredungen innerhalb einer Minute und, ohne Einladung oder einem höflichen, ,,können wir uns zu euch setzen?”, setzte sich Sirius in die Tischnische und zog sein Date mit sich.
,,Rück mal Jones!”, sagte er zu Hestia und rutschte auf den Sitz neben ihr. Sein Date und Peter folgten ihm.
Hestias Gesicht war ein Bild für die Götter. Tatsächlich war jedes Gesicht in dieser Tischnische sehenswert. Hestia sah empört aus und zerfleischte Sirius mit ihren Blicken wegen seiner groben Unterbrechung. ,,Was tust du da?”, zischte sie ihn leise an, sodass ihr Date, Sean, der bei dieser groben Unterbrechung äußerst überrascht aussah, sie nicht hören würde. ,,Wir haben ein Date!”
,,Was für ein Zufall!”, sagte Sirius sarkastisch, ,,genauso wie wir!”
James und Remus erreichten den Tisch, wo Sirius sich gerade hineinfallen gelassen hatte genau dann, als er seine sarkastische Bemerkung beendet hatte. Wenn die Gesichter von den Menschen am Tisch bereits ein Bild für die Götter gewesen waren, konnte man sich vorstellen, wie das noch gesteigert wurde, als James Potter kam.
,,Ist dieser Platz besetzt?”, fragte er Lily höflichkeitshalber. Er würde sich sowieso dorthin setzen, ob sie es wollte oder nicht, weil er mit ihr reden musste. Er musste klarstellen, was hier vor sich ging.
,,Nein”, antwortete Lily und wusste mit einem Blick, dass James mit der Situation definitiv nicht einverstanden war. Sie hatte nicht erwartete, dass er es war aber dann wiederum hatte sie auch nicht erwartet, dass er hier war.
Als James sich in die Tischnische neben Lily setzte, und Remus neben ihn rutschte, wusste er, dass die Blicke auf ihn gerichtet waren. Er wusste , dass seine Freunde, Sirius, Remus und Peter ihn ansahen, als sei er eine tickende Zeitbombe. Er wusste, dass Hestia ihn verärgert anschaute, verärgert über seine Anwesenheit. Er wusste, dass Joshua Hunt ihn böse anfunkelte, als wäre er bereit ihn zu töten, äußerst wütend darüber, dass er schon wieder sein Date mit Lily unterbrochen hatte. Er wusste, dass Sean McEvoy mit einem ängstlichen Blick zwischen ihm und Joshua hin und her schaute, als würde er erwarten, dass jeden Moment eine Schlägerei ausbrach. Und zu guter Letzt wusste er, dass Lily ihn anschaute, halb entschuldigend und halb ängstlich, weil sie nicht wusste, wie er reagieren würde. Das war der einzige Blick, auf den er sich konzentrierte. Um jedoch mit ihr zu reden, musste er seine Freunde in eine Unterhaltung verwickeln, an der er nicht teilnehmen musste.
Er begann Remus und Peter in eine Diskussion über ihr gemeinsames Fach Pflege magischer Geschöpfe zu verwickeln. Dann, wie von James vorhergesehen, hatte Sirius kein Interesse an dem Thema und begann stattdessen, mit seinem Date rumzumachen, damit er etwas zu tun hatte. Zur selben Zeit, fast so als wären sie auf derselben Wellenlänge, wandte sich Lily wieder an Joshua und brachte ihn dazu wieder von der Bank seines Vaters zu erzählen, ein Thema von dem sie wusste, dass er nicht aufhören konnte darüber zu sprechen. Indem sie das tat, nahmen Hestia und Sean an, dass sie versuchte, James und die Rumtreiber zu ignorieren und kehrten zu ihrer eigenen Unterhaltung zurück. Wenn sie eine Chance hatte mit James zu reden dann war jetzt, wo alle abgelenkt waren, die beste Gelegenheit. Sie sprachen miteinander in leisem, gedämpftem Flüstern.
,,Was tust du hier?”, fragte Lily James, vorsichtig um ihre Stimme auf einer Lautstärke zu halten, in der nur er sie hören konnte.
,,War nicht meine Idee und ich denke, die relevantere Frage ist, was tust du hier?”, antwortete James, passte sich ihrer Lautstärke an und atmete tief ein, um ruhig zu bleiben.
,,Relevant? Großes Wort für dich”, sagte Lily in der Hoffnung einen Scherz zu machen, sodass er sich nicht zu sehr auf die Situation konzentrierte, in der sie sich befanden. Es sah sehr kompliziert aus und wenn er nicht in der richtigen Stimmung war, war sich Lily sicher, dass er nicht allzu empfänglich für ihre Erklärungen war. Er war nicht in der richtigen Stimmung.
,,Wechsel nicht das Thema, Lily”, schnitt James ein. Er war definitiv nicht in der Stimmung für Scherze. Er wollte nur wissen, was vor sich ging.
,,Schau”, begann Lily und ihre Stimme nahm einen Ton an, der komplette Aufrichtigkeit zeigte in dem, was sie sagte und falls das nicht genug war, nahm sie unter dem Tisch seine Hand, als würde der Kontakt zwischen ihnen beiden ihn überzeugen. ,,Das war nicht geplant. Hestia hat mich irgendwie überrumpelt. Das bedeutet nichts. Es gibt keinen Grund eifersüchtig zu sein.”
James keuchte auf. ,,Ich bin nicht eifersüchtig”, verteidigte er sich. Er glaubte ihr, was sie ihm erzählt hatte. Es gab keinen Grund es nicht zu tun und anhand ihrer Körpersprache, sah sie mit Bestimmtheit so aus, als wollte sie nicht hier sein. Als James sie zuerst gesehen hatte war sie auf dem Tisch zusammengesackt gewesen und hatte vor Langeweile über ihre Butterbierflasche geblasen.
,,Da gab es nichts, was ich hätte tun können”, fuhr Lily fort und malte mit ihrem Daumen Kreise auf seine Hand.
,,Du hättest ihr die Wahrheit sagen können?”, schlug James vor und kannte schon die Antwort, die er bekommen würde, sobald er das ausgesprochen hatte.
,,Das ist nicht fair, James”, flüsterte Lily, schüttelte ihren Kopf und schaute nach unten auf ihre Hände. Sie dachte noch nicht mal an die Aufmerksamkeit, die sie durch diese winzige Bewegung von der Gruppe bekommen könnten. ,,Ich konnte ihr nicht von uns erzählen, wenn sie alles schon organisiert hatte. Ich hätte sie blamiert… und ich hab es versucht.”
,,Ich mag es trotzdem nicht”, flüsterte James zurück.
,,Weil du eifersüchtig bist?”, neckte Lily ihn und bekam zum ersten Mal dafür ein kleines Lächeln von James.
,,Ich bin nicht eifersüchtig”, leugnete er.
Lily lehnte sich ein bisschen näher an ihn ran, schaute ihm in die Augen ignorierte komplett, dass sie in der Öffentlichkeit waren und flüsterte ihm wagemutig zu, ,,gib zu, dass du eifersüchtig bist und ich werde allen von uns erzählen, hier und jetzt.” Sie wusste, dass er es nicht tun würde.
An diesem Punkt war Joshua Hunt aufgefallen, dass Lily ihm nicht länger zuhörte und schaute rüber zu Hestia, damit sie ihr half. Das plötzliche Aufhören von Joshuas konstantem, monotonen Monolog (was fast schon wie ein Dröhnen im Hintergrund gewesen war), machte langsam die gesamte Gruppe auf Lilys und James’ private Unterhaltung aufmerksam. Sirius hatte sogar aufgehört, mit seinem Date rumzuknutschen.
James schaffte es noch einen weiteren Satz herauszubringen und schaute mit einem Schmunzeln in Lilys smaragdgrüne Augen. ,,Keiner von uns wird hier gewinnen, oder?”, meinte er mit gedämpfter Stimme, woraufhin Lily lächelte.
An diesem Punkt beschloss Hestia, sie zu unterbrechen. ,,Was flüstert ihr beide denn da?”, fragte sie sie, wobei Argwohn und Ärger deutlich aus ihrer Stimme traten.
James und Lily schauten sich für den Bruchteil einer Sekunde nervös an, bevor James ohne zu zögern sagte, ,,Evans hier hat nur wieder mit mir geschimpft.”
,,Wieder?”, fragte Remus James leise mit einem Stirnrunzeln. Er konnte sich eigentlich nicht mehr an das letzte Mal erinnern, dass Lily Evans James Potter richtig zurechtgewiesen hatte. Das war jetzt schon lange her.
,,Warum schimpfst du mit ihm?”, fragte Sean Lily, wobei sein charmanter irischer Akzent mühelos mitschwang.
Lily schaute James nach Hilfe suchend an, die er sofort versuchte ihr zu geben. Seine Lüge kam jedoch nicht so sauber rüber wie zuvor. ,,Ehh..”, begann er unsicher, ,,sie denkt nicht, dass ich sein sehr guter Schulsprecher bin.”
,,Ich glaube, das tut keiner von uns”, gab Joshua schnell mit steifem Ton seinen Senf dazu, als würde er versuchen James eins auszuwischen. Das gelang ihm nicht.
,,Danke, Joseph”, meinte James sofort. Er lächelte, aber es war gezwungen und seine Wörter klangen barsch.
Joshua versuchte ihn zu korrigieren mit einem bitteren Ton in der Stimme. ,,Mein Name ist Joshua-”, begann er, aber Sirius, der ihn wirklich nicht mochte, wegen der Situation, die er seiner Meinung nach verursacht hatte, unterbrach ihn sehr unhöflich. Darin war er in letzter Zeit gut.
,,Also warum schimpft Evans jetzt mit dir?”, fragte Sirius James, während er sich in dem begrenzten Platz, den er hatte, ausbreitete, was bedeutete, dass Hestia näher an Sean gedrückt wurde. Nicht, dass es ihr etwas ausmachte, aber das führte zu einer Kettenreaktion. Sie wurde näher an Sean gedrückt, der etwas weg rückte, um ihr mehr Platz zu geben, was bedeutete, dass Joshua näher zu Lily geschoben wurde, die sofort näher an James rückte, der sich überhaupt nicht bewegte. Sie berührten sich schon fast an der Seite.
,,Na ja”, begann James und überlegte schnell, ob ihm eine Geschichte von einem seiner Rundgänge einfiel, aber ihm fiel keine genaue ein, als er und Lily den Dienst übernommen hatten. Immer wenn sie zusammen auf einem Rundgang waren, hatte er es geschafft sie davon zu überzeugen mit ihm für ein paar Stunden zu verschwinden, anstatt in dem leeren Schloss umherzugehen und nach Regelbrechern zu suchen. Eine Geschichte hatte er jedoch, aber wenn er es richtig durchdacht hätte, hätte er sie wahrscheinlich nicht benutzt, weil sie Lily nicht mit einschloss. Sie schloss Remus mit ein. ,,Als wir letztens zusammen auf einem Rundgang waren, war da dieser Junge aus Hufflepuff, der versucht hatte in Professor Linkedins Büro einzubrechen und anstatt mit ihm zu schimpfen und ihm Punkte abzunehmen habe ich ihm geholfen und ihm Punkte für seinen Einfallsreichtum gegeben.”
Remus runzelte die Stirn. Er kannte diese Geschichte. Er sagte jedoch nichts, weil er annahm, dass James einen Grund hatte, sie zu erzählen. Er wusste nur nicht, welcher Grund das war. Das würde er aber bald.
Nachdem James diese Geschichte erzählt hatte um zu erklären, warum er gesagt hatte, dass Lily wütend auf ihn war, konnte Joshua nicht anders als zu versuchen James wieder schlecht dastehen zu lassen in einem gescheiterten Versuch, Lily zu beeindrucken. Das Problem war jedoch, was auch immer er sagte, James war nicht besonders verlegen. Trotzdem hinderte das ihn nicht daran, es zu versuchen. ,,Also bist du kein sehr guter Schulsprecher”, sagte er wichtigtuerisch.
,,Ja, ich glaube, das wurde bereits festgestellt, danke Joel”, sagte James mit einem weiteren gezwungenen Lächeln in Joshuas Richtung.
Joshua biss die Zähne zusammen. ,,Noch mal, mein Name ist Joshua-”
,,Keinen interessiert’s, Hunt Typ!”, schnappte Sirius ihn an.
,,Sollen wir etwas zu essen bestellen?”, schlug Sean vor und sein irischer Akzent durchdrang die unangenehme Unterhaltung.
Alle lehnten sich nach vorne um sich eine Speisekarte von der Mitte des Tisches zu holen. Remus lehnte sich schnell wieder zurück und öffnete seine Karte. An dieser war irgendetwas schmieriges und für einen Moment rutschte sie ihm aus den Händen. Sie fiel jedoch nicht zu Boden, da er sie noch auffing, bevor das passieren konnte. Allerdings fiel ihm etwas ins Auge, als er nach unten schaute, um seine Karte zu fangen. Zuerst nahm er davon keinerlei Notiz, aber dann kam ihm in den Sinn, was er da eigentlich gerade gesehen hatte. Dazu musste man wissen, dass James nie seine Hand aus Lilys genommen hatte. Aber genauso wie er die Geschichte erkannt hatte, die James gerade erzählt hatte, sagte Remus auch jetzt nichts. James hatte ihnen nichts erzählt und das konnte nur eins bedeuten; er wollte nicht, dass sie etwas wussten. Remus war nicht so wie Sirius. Wenn es Sirius gewesen wäre, der das gesehen hätte, würde er es James noch lange vorwerfen und er würde ihn so lange nerven, bis er den Geist aufgab. So war Remus jedoch nicht. Er respektierte, was James offensichtlich für sich behalten wollte.
Die ganze Tischnische war ruhig, während sie alle die Karte durchgingen. Es war eine unangenehme Stille zwischen ihnen allen, aber für Sirius war es offensichtlich noch nicht peinlich genug.
,,Liebt ihr nicht auch alle die Drei Besen?”, fragte er den Tisch als Ganzes.
Keiner antwortete ihm.
Er richtete seine nächste Frage an Lily. ,,Hey Evans, erinnerst du dich noch an das letzte Mal, als wir hier alle zusammen waren?”
Remus, der ahnte, welches Thema Sirius anschneiden wollte, versuchte ihn aufzuhalten. ,,Halt die Klappe, Padfoot”, wies er Sirius an.
Sirius nahm keinerlei Notiz von ihm und stachelte weiter ihre Erinnerung an. ,,Du musst dich doch erinnern, Evans”, sagte er, ,,es war letztes Jahr und du hattest eigens gefragt, ob du mit uns und Prongs nach Hogsmeade kommen könntest, weil, wenn ich mich richtig erinnere, Jones hier ein Date hatte.”
,,Ich erinnere mich”, sagte Lily vorsichtig und fragte sich, worauf er hinaus wollte. James wusste es.
,,Gut”, fuhr Srius fort, ,,wir kamen hier hin, du erinnerst dich?”
,,Sie hat bereits gesagt, dass sie sich daran erinnert, Sirius, also lass es”, wandte James ein und warf ihm einen warnenden Blick zu.
,,Wie wär’s damit”, mischte sich Hestia ein, da sie glaubte, sie hätte eine Lösung für die peinliche Situation gefunden, in die sie alle gezwungen waren. ,,Ihr tut so, als wären wir nicht hier und wir tun so, als wärt ihr nicht hier. So können wir mit unseren Date weiter machen und Sirius kann weiter diese arme bedauernswerte Seele besudeln”, schloss sie und deutete dabei auf Sirius’ Date, die einzige, die sich in dieser Situation nicht unangenehm gefühlt hatte.
,,Arabella”, sagte Sirius’ Date.
,,Was ist mit Courtney Jenkins passiert?”, fragte Lily und ihre Neugier gewann wieder einmal die Oberhand. Sirius hatte erst am Mittwoch gesagt, dass das seine Freundin war. Was ist aus ihr geworden? Aber Lily bekam nie eine Antwort.
,,Ist das wirklich wichtig, Lily?”, sagte Hestia und wünschte sich, ihre beste Freundin würde ihrer Idee, sich zu trennen übereinstimmen und sich auf ihr Date konzentrieren, ,,wir ignorieren sie und sie ignorieren uns. Nur weil wir am selben Tisch sitzen, heißt das nicht, dass wir auch als Gruppe essen müssen. Ok?”
Keiner antwortete. Hestia nahm an, dass sie es alle zur Kenntnis genommen hatten und wollte gerade erleichtert ausatmen, da ihr Doppeldate mit Sean, Joshua und Lily endlich weiter gehen konnte, aber so viel Glück hatte sie nicht. Keiner hatte so viel Glück, wenn Sirius Black am selben Tisch saß wie man selbst. Wenn er nicht gerade dein Essen stahl, dann dachte er sich etwas aus, dass man sich wünschte, man sei ganz woanders.
,,Und”, fuhr er fort, wobei er immer noch mit Lily sprach und das Thema anstrebte, von dem James und Remus ihn bereits versucht hatten abzuhalten, ,,als wir hier hin kamen, hatte ich ein spezielles Lied, das ich dir und meinem Jimmy-boy hier gewidmet habe. Erinnerst du dich?”, fragte er und bereitete sich darauf vor, zu singen, ,,es ging so, ‘Kü-”
,,Ok Sirius, das ist jetzt genug”, sagte Remus und wies Sirius ein für alle mal zurecht. Er warf ihm einen Blick zu, den er schon viele Male bei ihm und James benutzt hatte. Es war der Blick, den er ihnen gab, wenn sie für gewöhnlich allen und jeden in Reichweite schikanierten, besonders Severus Snape. Er hatte sie immer dazu gebracht sich zu schämen. Und es funktionierte noch. Sirius hielt den Mund.
James seufzte und verkündete seinen Freunden, ,,ich geh das Essen bestellen” und hatte das Gefühl, als könnte er diese peinliche Situation nicht länger ertragen. Er musste sich einfach mal ein paar Sekunden die Beine vertreten. Als Remus ihm Platz machte, damit er von der Bank steigen konnte, hörte er etwas, wodurch sein Kiefer sich anspannte und er seine Augen verdrehte.
,,Wegen des Essens, Lily”, begann Joshua, ,,da du bei unserem letzten Date davon gelaufen bist und ich gezwungen war für dich zu bezahlen, dachte ich, dass du dieses Mal bezahlen könntest. Das ist nur fair.”
,,Ok”, meinte Lily, nachdem sie einen Moment gezögert hatte. In ihrer Stimme schwang ein Hauch Sorge mit, den nicht viele gehört hätten, James hörte es allerdings. Anstatt aber etwas zu sagen, dass die Situation für sie noch unangenehmer machen würde, etwas, das er wirklich nicht tun wollte, weil es sie wütend machen könnte, nahm er die Bestellungen seiner Freunde auf.
,,Was willst du, Wormy?”, fragte James Peter.
,,Wie immer”, antwortete Peter kleinlaut, als hätte er Angst, James könnte sich umdrehen und sagen, ,,nein, das kannst du nicht haben. Hol was anderes.” Das tat er nicht.
James wandte sich dann abewechslend an Remus, Sirius und Arabella, die alle dasselbe wollten, sagte, ,,ich bin in einer Sekunde wieder da” und ging zur Bar um darauf zu warten, bedient zu werden.
Die Bar war gerammelt voll. Es gab eine lange Schlange an Kunden, die vor ihm dort waren und immer noch darauf warteten, bedient zu werden. Es sah so aus, als brauchte er länger als eine Sekunde. Er lehnte sich an die Theke um sich in die Warteschlange einzureihen, als ein plötzlicher dumpfer Schlag auf der Theke neben ihn, ihn sich umdrehen ließ.
Es war Lily. Sie sah etwas panisch aus und nervös und erst als sie ihren Geldbeutel aus ihrer Tasche zog und ihr ganzes Kleingeld, das sie hatte, auf die Theke schüttete, wurde James bewusst wieso.
,,Hats du nicht genug?”, fragte er sie, schaute auf das Kleingeld, das sie aus ihrem Geldbeutel geschüttet hatte und rechnete es schnell zusammen. Dort lagen ungefähr sechs Sickel und dreizehn Knuts. Lily gab jedoch nicht auf. Sie wühlte in ihrer Tasche herum, um zu sehen, ob sie noch mehr Kleingeld hatte und brach während dessen in eine Schimpftirade aus.
,,Ich weiß es nicht”, sagte sie, um ihm zuerst zu antworten. Dann ging ihr wütender Ausbruch los, wobei ihre Wut aus ihrer Panik entsprang. ,,Gott ich könnte Hestia umbringen! Zuerst zwingt sie mich dazu, etwas frivoles zu kaufen, weil sie denkt, dass ich ‘falsch shoppe’. Dann zerrt sie mich hier rein um mit Mr ‘mein Dad leitet eine Bank und weil ich denke, dass ich besser bin als du, werde ich dich mit all den kleinen Details über seinen Job, nach denen du eigentlich nie gefragt hast, zu Tode langweilen’ auszugehen. Und dann nach all der Prahlerei bittet er mich für ein Date zu bezahlen, das eigentlich kein Date ist und von dem ich nichts wusste, was auch eigentlich gar kein Problem gewesen wäre wenn nur nicht, oh ja, wenn Hestia mich nicht davon überzeugt hätte mein ganzes Geld für irgendeinen neuen Schrott auszugeben, den ich nicht wirklich brauche! Meinst du sie lassen anschrieben?”
James hörte ihrer Tirade zu und lächelte bei ihren offensichtlichen Versuchen, wieder einmal darauf hinzuweisen, dass sie nicht auf diesem falschen Date sein wollte. Er beantwortete ihre Frage. ,,Ja machen sie, aber mach dir da mal keine Gedanken drum. Ich hol es für dich.”
Lily hörte auf in ihrer Tasche zu wühlen und schaute James zu ersten Mal, seit sie die Theke erreicht hatte, richtig an. Sie schaute ihm ein paar Sekunden lang in die Augen, bevor sie ihren Kopf schüttelte. ,,Ich kann dich nicht darum bitten, das zu tun”, meinte sie, ,,vor allem nicht nach diesem Durcheinander, das mir wirklich Leid tut, James. Ich habe es wirklich nicht gewusst.”
Dann war James an der Reihe, seinen Kopf zu schütteln. ,,Mach dir keine Sorgen drum. Und du bittest mich nicht. Ich habe es angeboten. Das ist ein Bonus, wenn man mit mir ausgeht.”
Lily sah immer noch sehr widerwillig aus, seine Hilfe anzunehmen. Sie wollte nicht, dass er sein ganzes Geld für sie ausgab, aber als sie auf ihr mickriges Kleingeld schaute, hatte sie das Gefühl, dass sie keine andere Wahl hatte. Widerwillig stimmte sie zu ihn zahlen zu lassen, und versprach ihm, dass sie es ihm später zurückgeben würde, ein Versprechen, das er nur mit der Hand wegwischte. ,,Ich werde Hestia trotzdem noch umbringen”, sagte sie danach.
,,Nein, wirst du nicht”, seufzte James. Er wollte Hestia auch umbringen, aber wusste, dass keiner von ihnen es tun würde. Er schaute zurück dorthin, wo Hestia saß. Sie war, wie es schien, in einer Unterhaltung mit Sean vertieft. Nachdem er sie ein paar Sekunden lang angeschaut hatte, war es nun Joshua, der seine Aufmerksamkeit auf sich zog. Ohne dem Drang widerstehen zu können und da er wusste, dass sich Joshuas Blick auf ihn noch verstärken würde rückte er näher zu Lily, mit seinem Kopf so nahe an ihrem, dass sich ihre Wangen fast berührten, und flüsterte ihr ins Ohr. ,,Obwohl ich glaube, dass du zurück zu deinem falschen Date gehen solltest, weil es so aussieht, als würde er mich gleich umbringen.”
Lily atmete James Duft nach Buche ein, bevor sie aus ihrem Augenwinkel zu Joshua blickte, der James mit seinen Blicken zerfleischte. ,,Gott das tut er, nicht?”, flüsterte sie zurück und ein Lächeln bildete sich auf ihrem Gesicht.
James lächelte ebenfalls, erfreut, dass sie sich nicht zurückgezogen hatte von seinem offensichtlichen Versuch, Joshua noch weiter zu ärgern. Sie blieben wo sie waren, die Wangen nah beieinander, den Duft des jeweils anderen einatmend gute zwanzig Sekunden lang, bevor James sich mit einem schelmischen Grinsen von ihr entfernte.
Er lehnte an der Theke, schaute Lily immer noch mit diesem Grinsen an, bevor er wieder den Drang verspürte, auf Joshua zu blicken um zu sehen, ob er angefangen hatte ein Messer zu schärfen oder seinen Zauberstab zu umklammern, bereit anzugreifen. Das hatte er nicht. Aber er hielt etwas anderes umklammert. Sein Grinsen verschwand zu einem neutralen Gesichtsausdruck.
,,Er hat dir Blumen gekauft”, verkündete James, als er sah, wie Joshuas Hand sich um den Blumenstrauß klammerte, den er auf den Tisch gelegt hatte.
,,Lilien”, meinte Lily herablassend und verdrehte ihre Augen, ,,sehr originell”, fuhr sie sarkastisch fort.
,,Er mag dich”, bemerkte James und schluckte schwer.
Wieder war Lily herablassend wegen dieser Tatsache. ,,Wenn er mich wirklich mögen würde, dann würde er aufhören mich mit dem Gerede über die Bank seines Vaters zu Tode zu langweilen. Vielleicht wenn er mal für zwei Sekunden aufhören würde über sich selbst zu reden, würde er merken, dass ich ihn aber nicht mag.”
,,Das will ich doch hoffen”, sagte James und warf ihr nun ein freches Grinsen zu, ,,das ist ein Privileg, das für mich reserviert ist. Zusammen mit vielen anderen Privilegien, die du als angemessen erachtest mir zukommen zu lassen.”
Lily schüttelte ihren Kopf über James’ offensichtliche Anspielung. ,,Wie kommt es, dass du innerhalb von weniger als fünf Minuten von eifersüchtig zu gelassen darüber wechseln kannst?”, fragte sie ihn.
,,Weniger als das, weil ich nicht eifersüchtig bin”, antwortete James schnell und winkte diesen Kommentar beiseite, als Madam Rosmerta zu ihnen gekommen war, um ihre Bestellung aufzunehmen.
James gab seine Bestellung für sich selbst, Remus, Peter, Sirius und Arabella auf und meinte dann zu Madam Rosmerta, dass sie auch alles, was Lily bestellte auf seine Rechnung setzen sollte, wofür Lily ihm noch einmal dankte. Von da an wäre alles in Ordnung gewesen. Sie wären zurück zu ihrem Tisch gegangen, hätten eine weitere halbe Stunde so getan, als wäre Lily mit Joshua auf einem Date und dann wäre ihr ursprünglicher Plan zusammen zu gehen ohne Verdacht zu wecken in die Tat umgesetzt worden. Alles wäre gut gelaufen, wenn Hestia nicht zur Theke gekommen wäre, um alles zu ruinieren.
,,Joshua wartet auf dich, Lily”, verkündete sie bei ihrer Ankunft.
Lily seufzte. ,,Ok”, sagte sie und alles in ihrer Stimme sagte ‘wenn ich muss’. Bevor sie sich umdrehte, um zum Tisch zurückzukehren und zu dem, was sicher ein weiterer Monolog über die Bank von Joshuas Vater werden würde, drehte sie sich noch einmal zu James um und formte mit ihrem Mund die Worte ‘hilf mir’, woraufhin er sie liebevoll anschmunzelte.
Als sie gegangen war, trat Hestia neben James. ,,Was denkst du, tust du hier?”, fragte sie ihn wütend.
,,Darauf warten, dass ich für mein Essen bezahlen kann?”, meinte James, gerade als Madam Rosmerta, die seine Bestellung an die Küche weitergegeben hatte, zurückkam, um das Geld zu kassieren.
,,Tu das nicht”, sagte Hestia und hielt seinen Arm fest, bevor er das Geld überreichen konnte, das er ihr für das Essen schuldete.
James hielt inne und nahm einen tiefen Atemzug, bevor er sich an Madam Rosmerta wandte und sie höflich darum bat, ihnen noch eine Minute zu geben, was sie freundlicherweise tat. Dann drehte er sich wieder zu Hestia und fragte sie, was sie von ihm wollte.
,,Ich will, dass du gehst”, sagte Hestia ohne Einschränkungen.
,,Was?”, fragte James verwirrt.
,,Schau mal”, meinte Hestia und begann eine Rede, die sie offensichtlich eine Weile lang halten wollte. Zumindest die letzten zehn Minuten. ,,Du musst gehen. Lily hat ein Date mit jemandem, der nicht du ist. Zu dem sie gut passt und mit dem sie viel gemeinsam hat. Komm drüber hinweg. Es ist ja nicht so, als würdet ihr zwei je zusammen kommen. Du hast zu viel Blödsinn gemacht und zu lange gebraucht und nun geht sie mit jemand anderem aus. Und dadurch, dass du hier bist, stehst du ihrem zukünftigen Glück im Weg und, selbst wenn du die Tatsache nicht magst, dass sie zu jemandem ja gesagt hat, der nicht du ist, hätte ich gedacht, dass du zumindest möchtest, dass sie glücklich ist. Wenn du sie je wirklich gemocht hast, wenn es nicht nur die Freude an der Jagd gewesen war, dann wirst du jetzt gehen und sie mit ihrem Date weiter machen.”
Dann stolzierte sie davon und ließ James alleine an der Bar zurück. Er zögerte ein paar Minuten. Dann kam Madam Rosmerta zurück und er musste eine Entscheidung treffen. Es war kompliziert. Eine komplizierte Situation, die er durchgehen musste, weil jeder etwas anderes dachte und andere Sachen für wahr hielt, obwohl sie es nicht waren. Das brachte ihm Kopfschmerzen bei, sodass er am Ende auf seine und Lilys ursprüngliche Vereinbarung zurückgriff, sich durch eine vorher organisierte Ablenkung alleine zu treffen. Er sagte Madam Rosmerta fünf der sieben Essen wieder abzubestellen, da er wusste, dass sobald er die Drei Besen verlassen würde, seine Freunde und Sirius’ Date ihm folgen würden. Er bezahlte für Lilys und Joshuas Essen, drehte sich dann zur Tür und, ohne noch einmal zurückzublicken, schlenderte aus der Bar. So wie er vorhergesehen hatte, folgten ihm Remus, Peter und Sirius (auf Schritt und Tritt begleitet durch sein Date) sofort und ließen Lily, Hestia, Sean und Joshua alleine am Tisch zurück, so wie es vorher war, bevor ihr Doppeldate unterbrochen worden war.
Lily beobachtete, wie die Jungs die Bar verließen und fragte sich, was Hestia zu James gesagt hatte, was ihn dazu veranlasst hatte zu gehen. Sie fragte sie jedoch nicht, weil sie sich sicher war, dass Hestia es ihr sowieso nicht sagen würde, zumindest nicht vor Joshua und Sean. Also saß sie eine weitere halbe Stunde widerwillig am Tisch, während der ihr Essen kam und Joshua weiterfuhr sie mit den Einzelheiten darüber, wie sein Vater den Dienstplan für seine Mitarbeiter gestaltete und Schecks ausstellte langweilte. Sie war überaus erfreut, als ihr und James’ Plan, sie aus Hestias Gesellschaft (jetzt auch aus Seans und Joshuas Gesellschaft) zu ziehen, in die Tat umgesetzt wurde. Es kam in Form einer Notiz.
Eine braune Eule mit rötlichen Beinen flog durch die offene Tür in die Bar und steuerte genau auf Lily zu, um ihr eine Nachricht zu übermitteln. Sie landete auf dem Tisch vor ihr und hielt ihr Bein ausgestreckt, damit Lily die Nachricht davon abbinden konnte. Als Lily sie abgemacht hatte, flog die winzige Eule wieder davon, aber erst nachdem sie sie noch einmal liebevoll gekniffen hatte. Dass hatte sie in letzter Zeit öfter gemacht, als Lily mitgegangen war um sie zu besuchen. Sox war sowieso eine sehr liebe Eule und James hatte Lilys Meinung nach Glück sie zu haben.
Lily entfaltete die Nachricht, verkündete der Gruppe, dass Dumbledore sie in seinem Büro sprechen wollte (irgendetwas wegen Schulsprecherangelegenheiten) und stand auf um zu gehen. Sie war so aufgeregt, endlich der Monotonie von Joshua Hunt zu entkommen, dass sie ihre Einkaufstüten vergaß. Zum Glück hatte sie eine sehr gute beste Freundin, die sie ihr geben würde.
Also verließ Lily die Bar und sobald sie draußen war, atmete sie die wunderschöne frische Luft ein. Sie hatte bis jetzt gar nicht bemerkt, wie stickig es in den Drei Besen gewesen war. Da sie jedoch keine Zeit vergeuden wollte, indem sie hier rum stand und die Luft wie ein Idiot einsaugte, machte sich Lily auf den Weg die belebte Hauptstraße von Hogsmeade hinunter, ohne zu ahnen, dass sie ihre Einkaufstaschen in der Bar gelassen hatte. Das waren nicht die Dinge, an die sie jetzt als erstes dachte. Sie ging weiter die Straße hinunter und bewegte sich leicht durch die Menge hindurch. Es war ein schöner Spaziergang. Zumindest war es schön, bis sie sehr plötzlich und auf ziemlich aggressive Weise in eine Seitengasse gezogen wurde. Etwas, mit dem sie nicht gerechnet hatte…
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