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Five Minutes

von Mummel
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12 / Gen
James "Krone" Potter Lily Potter Peter "Wurmschwanz" Pettigrew Remus "Moony" Lupin Severus Snape Sirius "Tatze" Black
02.09.2015
23.06.2022
101
350.630
38
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30.12.2021 3.531
 
Kapitel 51 – Teil 2


Am Mittwoch planten Hestia Jones und Lily Evans das kommende Hogsmeade Wochenende. Hestia war merkwürdig spezifisch über die Uhrzeit, zu der sie gehen wollte; früh. Sie bestand darauf, dass sie und Lily es rechtzeitig zur ersten der drei Eskorten nach unten ins Dorf schafften. Als Lily fragte wieso, lächelte Hestia bloß süßlich und antwortete in verschiedenen Variationen des Satzes, ,,ich muss noch viel shoppen gehen”. Lily bedrängte sie nicht. Es war eine Aussage, die genauso gut auch wahr sein konnte.
Jedenfalls wollte Lily nicht gegen Hestias Plan, früh nach unten ins Dorf zu gehen protestieren. Es störte sie nicht, dass Hestia wollte, dass sie früh aufstand, damit sie um elf Uhr nach unten gehen konnten, da es alles in allem zu ihrem Vorteil war. Sie würde etwas Zeit mit shoppen und tratschen verbringen können und einen schönen Mädchentag mit ihrer besten Freundin machen können und dann, wenn sie eine falsche Nachricht bekommen würde, auf der stand, dass sie in Dumbledores Büro kommen sollte, wäre sie in der Lage sich davon zu schleichen um sich mit James zu treffen.
Nach ihrer Verwandlungsstunde hatte sie ihm klar gemacht, dass sie den Leuten immer noch nicht sagen wollte, dass sie miteinander ausgingen, und hielt ihn noch rechtzeitig auf, da er gerade zu seinen Mitrumtreibern gehen wollte um ihnen zu sagen, dass er an diesem Wochenende nicht mit ihnen nach Hogsmeade gehen konnte. Lily konnte sehen, dass er deswegen wütend war und dass das Geheimnis, das sie hatten, ihn innerlich zerriss. Nicht, weil er es nicht für sich behalten wollte, sondern weil es für ihn schwer war, das Geheimnis vor seinen Freunden zu verbergen. Aber Lily hatte ihm versichert, dass es nur noch ein paar Wochen andauern würde, während sie sich einen Weg überlegte, Hestia zu sagen, dass sie zusammen waren. Dann hatten sie sich einen Plan überlegt, der es ihnen erlauben würde, sich von ihren Freunden zu entschuldigen und zusammen an einen Ort zu verschwinden, den James Lily nicht verraten würde.
Also waren Lily und Hestia beide damit einverstanden, dass sie an diesem Samstag früh aufstehen würden, um nach Hogsmeade zu gehen und sie waren beide aufgeregt deshalb. Sie redeten darüber ohne Unterbrechung auf ihrem Weg zum Unterricht in Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Tatsächlich hatte ihre Unterhaltung beide so eingenommen, dass sie, als sie im Klassenraum angekommen waren, nicht bemerkt hatten, dass Professor Linkedin nicht da war. Dass sie nicht da war, bemerkten sie ganze zwanzig Minuten lang nicht. Erst als Frank Longbottom Alice darauf aufmerksam machte und Alice dann Lily und Hestia fragte, fingen sie an, ihrer Umgebung Aufmerksamkeit zu schenken.
Der Klassenraum war zu diesem Zeitpunkt ein totales Durcheinander. Zerknüllte Pergamentstücke lagen verstreut auf dem Boden in der Nähe des Mülleimers, da Remus Lupin beschlossen hatte, zu schauen, wie viele Treffer er aus fast fünf Metern Entfernung  machen konnte. Es gab eine Reihe leerer Tintenfässchen, die an Peter Pettigrews Tisch hinten links begann und an Sirius Blacks Tisch hinten rechts aufhörte. Die ganze Tinte aus diesen Tintenfässchen war in den leeren Grindelohtank geschüttet worden, der staubbedeckt vorne im Klassenzimmer stand. Dann saß die Hälfte der Schüler im Kreis auf dem Boden, da ihre Tische und Stühle von James Potter, Sirius Black und Peter Pettigrew benutzt wurden, um einen drei Meter hohen Schutzwall an der entferntesten Wand des Klassenzimmers zu bauen, an der eine Fensterreihe war. Sie hatten die Mauer mit Klebezaubern und dicken Seilen gesichert und saßen nun oben drauf, ließen ihre Füße herunterbaumeln und taten dasselbe wie Remus, nur von einer anderen Höhe. Jeder redete laut über das Gesagte der anderen hinweg. Der Lärm im Raum war ohrenbetäubend und der Zustand des Raumes chaotisch. Sie brauchten einen Lehrer.
,,Weißt du, wo sie ist?”, fragte Frank Lily, weil er dachte, dass sie als Schulsprecherin eingeweiht sein könnte, in dem was vor ging.
,,Keine Ahnung”, antwortete Lily, hob etwas ihre Stimme, damit sie über den Lärm hinweg gehört werden konnte. Sie schaute sich um, um zu sehen, ob sonst irgendjemand wissen könnte, wohin ihre Lehrerin verschwunden war. Sie dachte angestrengt nach und ihr Blick landete schließlich auf Remus Lupin.
,,Ich frag mal rund”, sagte Lily zu Frank, Alice und Hestia, die nickten und dann wieder zum Thema Hogsmeade zurückkehrten.
Lily stand auf und ging rüber zu Remus. Er sah nicht so aus, als würde ihm die Stunde fehlen, die sie jetzt eigentlich haben sollten. Tatsächlich sah er so aus, als ginge es ihm richtig gut bei der Vorstellung nur hier zu sitzen und die Stunde zu entspannen, die eigentlich dazu vorgesehen war Verteidigung gegen die Dunklen Künste zu lernen. Wenn Lily ihn nicht unterbrochen hätte, dann war sie sich sicher, dass er die Stunde gerne damit verbracht hätte zerknüllte Pergamentstücke in den Mülleimer zu werfen.
,,Lupin?”, fragte Lily, als sie sich ihm näherte.
Remus schaute flüchtig zu ihr rüber. ,,Hey Evans”, sagte er unverbindlich, bevor er zu seinem neugefundenen Sport zurückkehrte, in dem er ziemlich schlecht war. Er verpasste den Mülleimer jedes Mal um fast einen Meter.
,,Weißt du, wo Professor Linkedin ist?”, fragte Lily ihn und lehnte sich mit einer Hand auf seinen Tisch, während sie das tat.
,,Nö”, antwortete Remus kurz angebunden, zielte ein weiteres zerknülltes Stück Pergament auf den Mülleimer. Er warf es und verfehlte ihn.
,,Interessiert es dich denn?”, fuhr Lily fort und in ihrer Stimme schwang Verzweiflung mit.
,,Nö”, sagte Remus, wiederholte seine kurze Aussage von vorher und riss ein weiteres Stück Pergament ab, bereit es zu zerknüllen und Richtung Mülleimer zu werfen. Als er sie jedoch seufzen hörte, sagte er noch, ,,frag James. Er könnte es wissen.”
Lily beobachtete ihn, wie er einen letzten Wurf machte, und dabei wieder kläglich darin versagte, das Pergament in den Mülleimer zu werfen, und drehte sich dann um, um James zu fragen, ob er wisse, wo Professor Linkedin plötzlich hin verschwunden war. Sie hatte keine Ahnung, wieso er diese Information haben sollte, beschloss aber, es zu probieren.
Sie ging rüber zu der armselig gebauten Mauer, die James, Sirius und Peter gemacht hatten und schaute nach oben. Die drei Jungs saßen auf ein paar balancierenden Stühlen, die aussahen, als könnten sie jede Sekunde umfallen. Sie rief zu ihm hoch.
,,James?”, schrie sie über die lauten Unterhaltungen der Leute im Verteidigung gegen die Dunklen Künste Klassenraum hinweg. Sie fragte sich, ob die Leute wussten, dass sie im selben Raum waren wie die anderen und nicht Kilometer voneinander entfernt. Es gab keinen Grund so laut zu reden.
,,Jaah?”, rief James und schaute sich um, um zu sehen, wer nach ihm gebrüllt hatte. Als er Lily am Boden der Mauer sah, lächelte er sie an und rief zur Vorsicht runter. ,,Vielleicht gehst du besser etwas nach rechts”, sagte er laut.
,,Warum?” antwortete sie und kniff ihre Augen fragend zusammen.
,,Tu es einfach!”, war James’ Antwort.
Verwirrt und neugierig nahm Lily einen tiefen Atemzug und trat ein wenig zur Seite und atmete mit einem weiteren Seufzen aus, als sie das getan hatte. Sie wartete ein paar Sekunden lang und tippte nervös mit dem Fuß auf den Boden. Dann wurde sie plötzlich zu Tode erschreckt, als eine große schwere Matratze zu ihrer linken hinunter fiel. Sie kreischte vor Schreck auf und legte ihre Hand über ihr jetzt schnell schlagendes Herz. Wo sie eine Matratze im Verteidigung gegen die Dunklen Künste Klassenraum gefunden hatten, wusste sie nicht, aber nichtsdestotrotz war sie da und fiel mit einem lauten dumpfen Schlag nach unten.
,,Warum hast du das gemacht?”, schrie sie zu James hoch, wobei ihr Herz immer noch wie wild schlug.
,,Weil”, begann James als Antwort zu rufen. Dann schwang er sich in einer fließenden Bewegung über das Geländer der Mauer und ließ sich auf die Matratze fallen, landete rasch darauf und stand sofort auf. Dann redete er mit Lily in normaler Lautstärke weiter. ,,Weil”, wiederholte er, ,,dieser Boden wirklich hart ist und ich mir nicht den Fuß brechen wollte oder so. Das ist ein ziemlich hoher Sturz!”
,,Ok….”, meinte Lily kopfschüttelnd.
,,Also, was ist los?”, fuhr er fort, ging von der Matratze runter und verschränkte seine Arme, während er sie fragend anschaute.
,,Weißt du, wo Professor Linkedin ist?”, fragte Lily ihn.
James schaute verwirrt. ,,Ist sie nicht hier?”, sagte er und sah sich um, als würde er erwarten, dass Professor Linkedin bloß in der Ecke stand oder an ihrem Pult.
,,Nein”, sagte Lily ungläubig, ,,du glaubst wirklich, ihr hättet es geschafft, eine Mauer zu bauen, wenn sie hier wäre?”
,,Na ja, es wäre dann eine größere Herausforderung gewesen, aber ich denke, wir hätten das hinbekommen”, zuckte James mit den Schultern.
,,Warum rede ich nur mit dir?”, meinte Lily mehr zu sich selbst als zu James. Trotzdem erntete ihr Kommentar ein Glucksen von ihm.
,,Sirius könnte es wissen”, sagte James zu Lily, bevor er seinen Kopf zur Mauer neigte und nach oben zu Sirius rief, der aufgehört hatte zerknülltes Pergament in den Mülleimer zu werfen und es stattdessen auf Peters Kopf warf. ,,He! Padfoot!”, schrie James und ließ Lily dabei praktisch taub werden. (Sie musste ihre Ohren bedecken). ,,Wo ist Professor Linkedin?”
,,Du meinst Elvendork?”, schrie Sirius nach unten zu James, der nickte.
,,Elvendork?”, fragte Lily mit einem weiteren verwirrten Blick.
,,Das ist Unisex”, sagte James schnell zu ihr, ohne dabei wirklich ihre Frage zu beantworten. Dann schrie er weiter Sirius entgegen. ,,Jaah!”, sagte er, ,,weißt du, wo sie ist?”
,,Irgendwo in einem Besenschrank”, verkündetet Sirius.
Lilys Augen weiteten sich. Warum war ihre Verteidigung gegen die Dunklen Künste Lehrerin irgendwo in einem Besenschrank anstatt ihre Klasse zu unterrichten? Und wieso wusste Sirius Black davon? Ihr graute vor dem Grund dafür. Trotzdem musste sie es wissen. Es war schon wieder ihre Neugier.
,,Warum?”, begann Lily, ,,warum ist sie in einem Besenschrank?”
,,Weil sie uns am ersten Schultag Hausaufgaben aufgegeben hat!”, antwortete Sirius, als wäre es offensichtlich. Immerhin, welche anderen Gründe gäbe es sonst noch dafür ihre Lehrerin in einen Besenschrank einzusperren?
,,Und?”, antwortete Lily. Das war vor über einem Monat passiert. Warum war das jetzt noch von Bedeutung?
,,Und”, begann Sirius. Dann, ähnlich wie James es ein paar Minuten vor ihm gemacht hatte, schwang Sirius seine Beine über das Geländer der Mauer und ließ sich auf die Matratze darunter fallen. So wie er gelandet war, konnte man meinen, dass er bloß einen halben Meter herunter gefallen wäre anstatt drei. Er fiel problemlos auf die Matratze, landete elegant darauf und ging sofort davon runter. Dann fuhr er mit dem fort, was er gesagt hatte. ,,Und”, wiederholte er, ,,ich mag es nicht, wenn man mir Hausaufgaben aufgibt und sie gab uns welche am ersten Schultag. Das ist etwas, für das man zahlen muss.”
Lily schaute ihn ungläubig an. Dann schaute sie zu James, der anhand seines Gesichtsausdruckes die komische Logik hinter Sirius Gründen zu verstehen schien. Sie schüttelte über beide ihren Kopf und nahm einen tiefen Atemzug um sich selbst zu beruhigen. Sie wollte sie nicht anschreien. Zumindest wollte sie James nicht anschreien.
Sie wandte sich an Sirius und eine gezwungene Ruhe umgab sie. ,,Also, was hast du ihr angetan?”
,,Wer hat gesagt, dass ich-”
,,Padfoot”, sagte James mit erhobenen Augenbrauen, nachdem er beschlossen hatte, Lily dabei zu helfen herauszufinden, was Sirius mit ihrer Lehrerin gemacht hatte.
Sirius schaute James ein paar Sekunden lang an und fragte sich, wieso er plötzlich entscheiden hatte, auf Lilys Seite zu sein anstatt auf seiner. Es gab einen Grund, aber Sirius hatte keine Ahnung, welcher das sein könnte. Der offensichtlichste Grund, den er sehen konnte war, dass James schließlich seine Verantwortung als Schulsprecher annahm, aber diese Vorstellung war für Sirius nur lächerlich. Es musste einen anderen Grund geben, aber Sirius hatte keine Ahnung, was es sein könnte. Es war schon längst nachgewiesen, dass James nicht länger daran interessiert war (oder zumindest sagte er, dass er es nicht war), Lily Evans nach einem Date zu fragen, also konnte das wohl kaum ein Trick sein, um in ihrem Ansehen zu steigen, oder? Wahrscheinlich. Trotzdem gab Sirius unter James’ Blick nach und gestand, was er getan hatte.
,,Ich habe einen Schlaftrank in ihren Tee getan, auf ihr Gesicht gekritzelt und sie in einen Besenschrank im zweiten Stock geschoben”, sagte er widerwillig.
James begann zu lachen, aber nach einem warnenden Blick von Lily unterdrückte er es.
Lily nahm einen tiefen Atemzug und übernahm ihre Verantwortung als Schulsprecherin. ,,Ok”, begann sie und ihre Stimme nahm einen Ton an, der klar machte, dass Sirius in dieser Sache keine andere Wahl hatte. Er würde tun, was sie sagte. ,,Du wirst mich zu diesem Besenschrank im zweiten Stock führen, in den du Professor Linkedin eingesperrt hast und mir helfen sie zum Krankenflügel zu bringen um deine… Dummheit rückgängig zu machen.”
Sirius schaute sie finster an und sah dann zu James, der ihm einen Blick zuwarf, der sagte, ‘los, tu es einfach’. Nachdem er vor Ärger über Lily und, zum kleinen Teil auch James, tief eingeatmet hatte, begann er widerwillig die Schulsprecherin aus dem Raum zu führen. Sie waren auf halbem Weg draußen, als sie einen dumpfen Aufprall hinter sich hörten. Das Paar drehte sich um, um zu sehen, was passiert war.
,,Wormy, die Matratze liegt da nicht ohne Grund!”, meinte James, während er begann, Peter vom Boden hoch zu helfen.
Sirius und Lily beobachteten wie Remus zu James eilte, um ihm mit Peter zu helfen. Es schien, als hätte er versucht, in derselben Art und Weise von der Mauer zu springen wie James und Sirius es vorgemacht hatten, hatte aber nicht richtig eingeschätzt, wo die Matratze war und war ein paar Meter daneben gelandet. Er hatte sich entweder den Knöchel gebrochen oder verstaucht. Remus und James standen zu beiden Seiten neben Peter und zogen ihn hoch, während er wegen der Schmerzen in seinem Fuß jammerte.
James schaute zu Lily und Sirius auf und sagte schlicht, ,,schätze wir sehen uns dann gleich im Krankenflügel.”
Lily schüttelte ihren Kopf, während Sirius bei Peters Missgeschick laut lachte. Nach ein paar Sekunden seines unsensiblen Lachens, erinnerte Lily ihn daran, dass sie Professor Linkedin finden mussten und sie führte ihn aus dem Raum.
Die beiden Schüler aus Gryffindor gingen schweigend nebeneinander her, während sie ein paar Treppen nach unten und durch einen Geheimgang gingen, um zum zweiten Stock zu gelangen. Sirius hatte ein launisches Schmollen auf dem Gesicht, weil er gezwungen wurde, das Richtige zu tun. Das Richtige zu tun war nicht etwas, das Sirius gerne befohlen bekam. Wenn er es tat, dann hatte er es lieber, wenn die Entscheidung dafür von ihm kam. So würde jede Anerkennung, die er bekam, seine sein und, vielleicht auch noch wichtiger, verdient sein. Neben ihm ging Lily leise und schaute jede Tür an, an der sie vorbei kamen in der Hoffnung, dass es der Besenschrank sein könnte, in den Sirius Professor Linkedin eingesperrt hatte. Sie glaubte nicht, dass sie die Stille noch länger aushalten könnte. Glücklicherweise musste sie das aber nicht.
,,Also, gehst du nach Hosgmeade dieses Wochenende?”, fragte Sirius sie, versuchte die Stille zu unterbrechen und sie möglicherweise davon abzulenken, Professor Linkedin finden zu wollen.
,,Ja”, antwortete Lily kurz angebunden.
,,Gehst du wieder mit diesem Hunt Typ?”, fragte Sirius.
Lily blieb plötzlich stehen. Sie wollte die Stille zurück. ,,Nein”, seufzte sie, ,,wo hast du Professor Linkedin rein gesteckt?”
Sirius hörte ihr nicht zu. Er blieb ebenfalls stehen und drehte sich zu ihr um und fragte sie sozusagen über ein Thema aus, von dem er wusste, dass es seinen besten Freund verärgern würde, selbst wenn James es nie zugeben würde. Sirius wusste, dass James Lily immer noch mochte. Das hat er immer getan. Als er sie vor wenigen Wochen belauscht hatte, als sie zu einem Date mit dem Ravenclaw Adonis Joshua Hunt bequatscht worden war, hatte er James’ Reaktion gesehen. Damals hatte er gesagt ‘es war ihm völlig egal’. Er hatte gelogen. Es machte ihm etwas aus, dass das Mädchen, das er ständig nach einem Date gefragt hatte, zugestimmt hatte, mit jemand anderem auszugehen. Sirius wusste, dass es so war. Er war nur nicht in den genauen Grund eingeweiht.
,,Also gehst du nicht mit diesem Hunt Typ aus?”, fragte Sirius sie.
Lily war gelinde gesagt entsetzt, dass Sirius Black mit ihr über so etwas sprach. Es war ein merkwürdiges Thema für eine Unterhaltung, die er angefangen hatte, besonders da sie sich nicht so nahe standen. Sie würde sagen, dass sie Freunde waren, aber sie würde den Ausdruck locker benutzen. In dieser Gruppe stand sie James offensichtlich viel näher. Sie ging mit ihm aus, aber das wusste Sirius nicht. Keiner tat das. Nach James würde sie sagen, dass der nächste Rumtreiber, dem sie am nächsten stand Remus Lupin war. Sie war ein paar Jahre mit ihm zusammen Vertrauensschüler gewesen und er war derjenige gewesen, der sie zu Beginn des sechsten Schuljahres angefahren hatte und sie davon überzeugt hatte, den Rumtreibern eine Chance zu geben. Sirius Black und Peter Pettigrew (sehr zu Sirius’ Missfallen, wenn er es wüsste) standen auf einer Stufe. Lily hatte einige ihrer Freistunden schon mit beiden verbracht, war mit ihnen ein paar Mal nach Hogsmeade gegangen und aß die meisten ihrer Mahlzeiten in ihrer Gesellschaft, aber trotzdem stand sie ihnen nicht allzu nahe. In solchen Situationen hatte sie meistens mit James gesprochen. Also war es eine äußerst merkwürdige Unterhaltung, die Sirius Black mit ihr anfing und bis sie beschlossen hatte, dass sie bereit war, den Leuten von ihr und James zu erzählen, hatte sie das Gefühl, dass ihr Liebesleben ihn nichts anging. Und das sagte sie ihm auch.
,,Ich glaube wirklich nicht, dass dich das etwas angeht, Black”, verkündete sie, ,,Wo hast du Professor Linkedin jetzt verst-”
,,Du weißt, James ist mein bester Freund”, unterbrach Sirius sie.
Wieder war Lily entsetzt. Nicht wegen der Tatsache, dass er darauf hingewiesen hatte, das wusste sie bereits. Nein, sie war entsetzt darüber, dass er darauf bestand, das Thema fortzuführen.
,,Und zu einem gewissen Punkt im letzten Jahr hast du ihn gemocht”, fuhr Sirius fort.
Lily sagte nichts. Die Sache, die ihr in diesem Moment in den Sinn kam war jedoch, dass alles viel einfacher wäre, wenn sie Sirius einfach hier und jetzt sagen würde, dass sie mit James ausging, nicht mit Joshua Hunt. Aber das tat sie nicht. Etwas hielt sie davon ab. Vielleicht war es aus Loyalität Hestia gegenüber, da sie dachte, dass sie die erste sein sollte, die über diesen Aspekt in Lilys Leben Bescheid wissen sollte. Vielleicht war sie auch einfach noch nicht bereit dazu, es jemandem zu erzählen. Und es stimmte; sie war noch nicht dazu bereit, es jemandem zu erzählen. Noch nicht. Vielleicht war sie auch noch nicht dazu bereit das Geheimnisvolle daran aufzugeben. Für manche Menschen mag das blöd klingen, aber Lily genoss es, sich herauszuschleichen. Es brachte ihr einen Nervenkitzel. Eins dieser Dinge konnte es sein, was sie aufhielt. Sie wusste nicht, was es war aber nichtsdestotrotz erzählte sie Sirius nicht von sich und James. Stattdessen stand sie da und hörte dem zu, was er zu sagen hatte, obwohl das meiste davon vollkommen überflüssig war.
,,Ich denke nicht, dass du mit diesem Hunt Typen ausgehen solltest-”
,,Sein Name ist Joshua.”
,,-ich denke, du solltest mal darüber nachdenken, James eine Chance zu geben. Wenn du ihn letztes Jahr gemocht hast, dann könntest du ihn jetzt immer noch mögen”, fuhr Sirius fort und ignorierte dabei Lilys Verbesserung und versuchte sie davon zu überzeugen, James eine Chance zu geben. Ihm war nicht bewusst, dass er es schon bald bereuen würde. ,,Es ist ja nicht so weit hergeholt, oder? Er ist ein anständiger, gut aussehender Kerl. Nicht so gut aussehend wie ich natürlich, aber ich bin schon vergeben.”
,,An wen?”, fragte Lily ungläubig. Sie könnte schwören, dass er an diesem Morgen beim Frühstück gesagt hatte, gerade mit jemandem Schluss gemacht zu haben.
,,Courtney Jenkins”, zuckte Sirius mit den Schultern, als wäre sie nichts wichtiges und für ihn war sie das wahrscheinlich auch nicht. Sie war wahrscheinlich nur ein flüchtiger Flirt.
Lily schüttelte ihren Kopf und ergriff die Gelegenheit. Sirius hatte keine sehr lange Aufmerksamkeitsspanne und, da er schon vom Thema abgekommen war wegen seiner letzten Eroberung und seines Aussehens, ergriff Lily die Chance, das Thema zu wechseln und herauszufinden, wo Professor Linkedin war.
,,Wo ist dieser Besenschrank?”, fragte sie ihn.
,,Ich habe dir gerade gesagt, dass ich vergeben bin, Evans!”, meinte Sirius mit einem dramatischen Keuchen, ,,du kannst dich an niemanden ran machen, der in einer ernsten Beziehung ist!”
,,Und wenn ich so jemanden sehe, verspreche ich, dass ich mich von ihm fernhalten werde”, entgegnete Lily, ,,und jetzt sag mir, wo hast du Professor Linkedin versteckt?”
Sirius verdrehte seine Augen, und sein launischer und genervter Ausdruck trat wieder auf sein Gesicht zurück. Er drehte sich um und zog ein großes Portrait zurück, wobei er dessen Einwohner störte, der Sirius wütend anschrie, weil dieser ihn bewegt hatte. Hinter dem Portrait war eine merkwürdig geformte Tür, die wie Lily annahm zum Besenschrank führte. Sie öffnete die Tür und darin war Professor Linkedin auf einem silbernen Eimer auf dem Boden sitzend.
Lily schaute auf ihr Gesicht. Es stimmte. Sirius hatte darauf herum gekritzelt; Schnurrbärte, falsche Bärte, verschwommene Augenbrauen und viele weitere kleine Bilder. Sie drehte sich zu Sirius. ,,Du hast keinen Scherz gemacht”, sagte sie.
Sirius lächelte sie einfach schelmisch an, ziemlich stolz sogar noch. James war nicht der einzige in ihrer Gruppe, der kritzelte. Sirius tat das auch und das war eine seiner besten Arbeiten.
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