Neue Hoffnung - Teil 5

GeschichteAllgemein / P12
01.09.2015
08.09.2015
20
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Jay lag auf der vom Regen in der vorherigen Nacht noch feuchten Erde und betete nicht erwischt zu werden. Ruby hatte ihm ein Gewehr in die Hand gedrückt und ihn angefunkelt: „Ich hoffe, du kannst nicht nur zappen!“ Zuerst war er sich albern vorgenommen, nun gab ihm das geladene, aber gesicherte Gewehr ein Gefühl von Sicherheit. Auch, wenn er nicht wusste, ob er auf einen Menschen zielen konnte. Lex lag neben ihm und wirkte dabei so ruhig, als wäre dies seine Lieblingsbeschäftigung. Laury war widerwillig bei den Pferden geblieben, ohne die sich die beiden einfacher anschleichen konnten. Vor ihnen wuchsen dornige Büsche, dicht dahinter aber befand sich ihr Ziel.

Sie waren am frühen Morgen aufgebrochen, nach nur wenigen Stunden Schlaf und einem kurzen Frühstück. Vorsichtig waren sie Slades Vermutung gefolgt und somit einem alten Bergpfad, der für die Pferde irgendwann fast zu schmal geworden wäre. Laury und die Pferde lagerten an einer geschützten Stelle, Lex und Jay allerdings gingen den Weg, den Slade ihnen gestern Abend auf einer Karte gezeigt hatte. Thunder hatte geknurrt, er wolle mitkommen, aber Bolt hatte ihn zurück gehalten.

„Das sieht aus, wie eine der Sklavenunterkünfte, die wir damals befreit haben…  Sogenannte Camps, die die Technos gebaut hatten…“ Jay flüsterte. Lex drehte sein Gesicht zu ihm: „Hm, du warst hier schon mal?“ Jay schüttelte den Kopf: „Nein, aber das ist ein und der selbe Aufbau.“ Lex murmelte etwas vor sich hin. Jay schnaubte und bemühte sich nicht allzu viel Dreck abzubekommen. Jay versuchte sich an Slades Worte zu erinnern. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass Hope aus eben so einem Camp gegangen war. Dass sie dann Ebony in die Hände gefallen war, die sie daraufhin zum zweiten Mal versklavte. Er seufzte.

„Das würde aber zu Slades Vermutung passen, oder? So ein Camp eignet sich doch hervorragend für das was sie vorhat, oder?“ Jedes ‚Oder‘ bohrte sich in Jays Kopf wie ein spitzer Nagel. Er nickte Lex trotzdem gequält zu: „Ja, allerdings.“ Lex strahlte und deutete nach vorne: „Dann mal sehen, was da drin so los ist.“ Er wollte aufstehen, doch Jay riss ihn mit allem Gewicht zu Boden: „Bist du irgendwie lebensmüde?“ Er sah den alten und neuen Mitstreiter verwundert, aber eindringlich genug an, dass dieser aufgab: „Ja, okay. Dann halt nicht.“

„Vielleicht bei Nacht, oder jemand, den Ebony vielleicht nicht kennt, falls sie gerade hier ist – oder diese Ratte Doldy…“ Jay konnte seine Wut kaum verbergen. Lex verkniff sich einen Kommentar dazu, wie gut Ebony Jay kannte, aber bohrte dann an einer anderen Stelle: „Oh, der feine Jay benutzt solche Ausdrücke…“ Er kicherte, Jay packte ihn daraufhin wütend am Oberarm. Lex sah ihn besänftigend wie ein Lämmchen an: „Hey, sie ist dir glaub echt wichtig, oder?“ Er legte nun den Kopf schief und blickte Jay treu an. Lex‘ andere Seite, jubilierte Jay innerlich. „Ja“, sagte er schlicht und schlich sich in die Richtung, aus der sie gekommen waren.

„Also Amber hat sich aufgepäppelt?“, fragte Lex, als die beiden wieder aufrecht gehen konnten, ohne meilenweit gesehen zu werden. Die Bäume boten wieder Schutz. Sie verließen die kahle Hochfläche mit dem sonnengetrockneten Gras und den kargen Büschen und stiegen über ein kleines Wäldchen am Hang ab. „Ja“, murmelte Jay erneut. Was wollte Lex? Beide kletterten über einen Fels. „Krasser Zufall eigentlich, dass Ex Nummer 1 deine Neue zuerst ausbeutet und Ex Nummer 2 sie dann wieder herrichtet, damit du…“ Weiter kam Lex in seiner Ausführung nicht, denn Jay packte ihn am Kragen seiner schäbigen Lederjacke. Lex versuchte erneut einen sanften Augenaufschlag: „War ein Spaß! Meine Güte, freut mich doch für dich!“ Jay warf ihm einen letzten bösen Blick zu und ließ ihn dann unsanft los. „Ich frage dich auch nicht, was aus Gel geworden ist! Oder Tai-San!“, er sah den zurecht gewiesenen Lex wie ein Hofhund an, der seinen Besitz verteidigte. „Geht dich auch beides nichts an!“, knurrte Lex.

Schweigsam trotteten die Männer zurück zu Laury, der hinter einem Felsvorsprung saß und die Zügel der drei Pferde in den Händen hielt. Die Tiere begrüßten ihre Reiter freudig. „Und?“, er sah die beiden erwartungsvoll an: „Ihr seht ja nicht gerade begeistert aus…“ Jay zog eine Grimasse und auch Lex wirkte mürrisch wie eh und je. Jay tätschelte sein Pferd: „Es ist eine ehemalige Sklavenunterkunft der Technos. Wir haben diese damals befreit. Ich war für eine andere Region zuständig, aber die Bauart und der Aufbau sind überall gleich. Rams Leute haben sie neu erbaut, deshalb befanden sich die Kreuze, die Slade auf der Karte in Ebonys Büro fand, auch auf scheinbar freiem Feld. Die Karte stammt hundertprozentig von früher.“ Lex nickte schon etwas zu enthusiastisch. Von wegen, Jay würde sich von Lex weniger aus der Ruhe bringen lassen als Thunder, dachte Laury und grinste beide zufrieden an: „Sollen wir dann noch weiter oder wieder zurück reiten?“

Lex sprang auf sein Pferd: „Möge unser oberster Commander uns das befehlen!“ Ein patziger Blick traf Jay. Dieser schüttelte den Kopf, bestieg ebenfalls sein Pferd, das eigentlich Salene gehörte, und erkannte Laurys bettelnden Blick: „Nein, lass uns erstmal mit den anderen besprechen, was wir entdeckt haben – oder zumindest, was wir glauben. Außerdem scheinen wir tatsächlich zu bekannt.“ Er streifte Lex nur mit einer undurchschaubaren Miene und ritt dann zurück auf den Pfad, der Richtung New Liberty führte.