Geschichten aus der Leere Band 2 - Jodi Potter und die Weltenschlange

von Qitama
GeschichteAllgemein / P18 Slash
30.08.2015
28.05.2020
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23.05.2020 6.423
 
Mit erhobener Augenbraue starrte Albus auf die illustre Runde am späten Abend in seinem Büro.
Minerva McGonagall, Hermione Granger, Ronald Weasley und Jodi Potter.
Gut, eine Versammlung dreier dieser Personen konnte man ja schon fast Alltagsereignis nennen, doch der Weasleyjunge stach etwas heraus.
Der Grund ihrer Anwesenheit war allerdings alles andere denn amüsant.
„Minerva, sei so gut und warte hier kurz mit den Kindern, während ich den Jungen aus dem Kerker hole.“
Mit einem leisen Ploppen verschwand er ohne ihre Zustimmung abzuwarten. Zwar würde sie dies sicherlich milde verärgern, doch Zeit war rares Gut, wenn ein Kind verschwand.

Sehr zu seiner Verwirrung stand er in einem dunklen Büro. Es brannte nicht eine einzige Kerze, noch der Kamin. Ebensowenig waren Kessel zu sehen, die sonst IMMER irgendwo im Bereich des Jungen vor sich hinköchelten.
Sich durch den mächtigen Bart hindurch am Kinn kratzend betrat er dessen Schlafzimmer. Auch dort deutete nichts auf ein Lebenszeichen seines Tränkemeisters hin.
„Äußerst merkwürdig…“
War am Ende doch etwas an der absurden Vermutung der Kinder dran, er könne hinter dem Verschwinden des Mädchens stecken?
Kopfschüttelnd apparierte er erneut und duckte sich, schon fast aus Gewohnheit, unter einem Fluch weg, der schlag seines Auftauchens auf ihn zuflog.
„Dumbledore!“ zischte eine Vertraute Stimme angetrunken und er seufzte schwer. Irgendwie neigte der Junge in letzter Zeit ungesund dem Feuerwhiskey zu.
„Seve…“ Der Rest blieb ihm im Halse stecken, als er den schwarz bevorzugenden Jungen in Königsblau sah.
„Bei Merlin, ist mir ein neuer Modetrend entgangen, mein Junge?“, brachte er milde hervor und bemühte sich es bei einem Schmunzeln zu belassen.
„Raus!“
Gekonnt wehrte er einen weiteren Fluch ab und warf seinem Tränkemeister einen tadelnden Blick zu.
„Nana, mein Junge.“
„Was wollen Sie hier! Ich bin krank geschrieben. Lassen Sie mich gefälligst in Ru-he!“
Er blinzelte einen Augenblick und ließ den Blick dann wandern. Der Junge saß in einem Sessel, ein Glas Whiskey in der Hand und eine halbleere Flasche auf dem nahestehenden Tisch.
„Die Medizin für diese Erkrankung erscheint mir reichlich… überzogen?“
„Das geht dich nichts an, alter Mann! Also?“
Ah, die Neugier siegte. Er verbarg sein Lächeln hinter seinem Bart und zuckte dann gleichmütig mit den Schultern.
„Das übliche, mein Junge. Eine verschwundene Schülerin, Anklagen, du seist vielleicht darin verwickelt und derelei Dinge.“
„Pah! Lächerlich. Wer soll es diesmal sein? Schon wieder die Pottergöre?“
„Aber nein. Die junge Ginevra Weasley scheint nach deinem Unterricht verschwunden zu sein?“
Der leicht dümmliche Ausdruck in Severus Miene, wohl dem Alkohol geschuldet, ließ ihn Schmunzeln.
„Absurd, Albus. Das Mädchen ist halbwegs intelligent und talentiert was Tränke anbelangt. Warum sollte ich sie verschwinden lassen? Da käme mir die Granger gelegener. Kann die nicht mal verschwinden? Bei Morgana wär das schön ruhig…“
„Nana, mein Junge. Darüber scherzt man nicht.“
Severus rieb sich die Schläfen und zog dann schwer seufzend einen Trank aus seiner Robe. Rasch entkorkt stürzte er den Inhalt herunter, schüttelte sich und brummte dann genervt.
„Du schuldest mir eine halbe Flasche Feuerwhiskey, alter Mann!“
Beschwichtigend hob er die Hände und grinste. Na, die konnte er dem Jungen durchaus spendieren.
„Also, wann soll das Gör verschwunden sein?“
„Gestern, nach deinem Unterricht.“
Etwas irritiert sah er die Mundwinkel seines Ziehsohnes gen Keller sacken.
„Und wegen solch hauchdünner Anklagen vernichtest du einen halben Tag lang kunstvollen Betrinkens?! Frag Poppy was sie mit dem Gör gemacht hat! Ich habe seit Vorgestern Nacht nicht einmal mehr die Ländereien von Hogwarts betreten!“
Er stutzte. Hatte Severus nicht? Wieso wusste er nichts davon?
„Hooo? Ist unser allwissender Albus Dumbledore einmal nicht auf dem Laufenden? Wie amüsant. Wie wir also geklärt haben, habe ich nichts mit dem Verschwinden des Görs zu schaffen. Wenn du also…“
Albus zog eine Augenbraue hoch als Severus stockte und dann nachdenklich die Stirn in Falten legte.
„Was spukt dir durch den Kopf, Junge?“
„Wann genau soll das Gör verschwunden sein?“
Er strich sich durch den Bart und ließ die leicht wirren Erzählungen Ronald Weasleys revue passieren.
„Laut den Kindern nach deinem Unterricht.“
„Das dieses elende Weib aber auch immer Recht haben muss… Bei allen Unverzeihlichen, manchmal verfluche ich den Tag IHRES Auftauchens mehr als den des dunklen Lords.“
Er runzelte kurz seine Stirn, ehe es ihm dämmerte.
„Ah, du meinst die gute Miss Farsworth?“
„Ja, genau die meine ich. Das Gör wurde nicht von einem Menschen entführt. Der Zeitpunkt passt zu perfekt.“
„Komm Junge, lass uns nach Hause apparieren und der Sache auf den Grund gehen.“
Zu seinem Erstaunen trat Severus einen raschen Schritt zurück.
„Kein Schüler wird meiner so angesichtig werden, du seniler Narr! Meine Autorität wäre auf Jahrzente dahin!“
„Wenn du es als Urlaubstrend verbreitest, wer weiß?“
„Albus!“
„Oh nun stell dich nicht so an, Junge. Ich bin mir sicher deine unnachahmliche Art wird etwaige Gerüchte rasch im Keim ersticken.“
Knurrend hob sein Gegenüber seinen Zauberstab, was sein Grinsen aber nur in die Breite wachsen ließ.
„Ich könnte die Kinder natürlich auch die Kollegen herapparieren, damit wir alles besprechen können? Ich meine außer mir habe noch niemand dein Zuhause je betreten?“
„Und das bleibt auch so, bei Morganas warzigen Arschbacken!“
Er hielt den Feindseligen Blicken mühelos stand. Wusste er hatte gewonnen. Sein Rückzugsort war dem Jungen heilig. Zwar fand er sich selbst ein wenig unmanierlich, solcherlei Methoden anwenden zu müssen, doch wenn Severus recht hatte, schwebte die junge Weasley in höchster Lebensgefahr.
Mit einem langen Schritt trat sein blauer Tränkemeister an ihn heran und er apparierte sie schmunzelnd in sein Büro.

ѦѰѦ


„Du meine Güte, Professor Snape!“
„Albus… ich hasse dich!“, zischte der Betroffene kalt und reckte sein strahlendes Kinn.
„Kein Grund sich zu Sorgen, wer-te Kollegin. Nur eine vorübergehende Unpässlichkeit.“
„P-Professor Snape, geht es Ihnen gut?!“
„Miss Potter! Was treiben SIE schon wieder hier in der Gesellschaft dreier Gryffindors? Mir scheint sie würden nur zu gern das Haus wechseln wollen?“
Oh das ging nun aber zu weit. Jodi stemmte ihre Hände in die schmalen Hüften und vertrieb ihre Gefühle mithilfe ihrer Okklumentik.
„Erstens, wissen Sie sehr wohl mit wem ich alles Umgang habe, also sparen Sie sich die Schauspielerei.
Zweitens, ist es unhöflich ehrlicher Besorgnis mit solcherlei schroffem Verhalten zu begegnen. Sollte ein Hauslehrer nicht seinen Schülern ein Vorbild sein?
Drittens, Ist eine Mitschülerin verschwunden. Auch wenn diese nicht aus unserem Haus ist, bedeutet das nicht, dass der Fall nicht rasch geklärt werden muss, da alle UNS verdächtigen, dahinter zu stecken.
Was Sie, VIERTENS, wüssten, wenn Sie sich nicht irgendwohin verkrümelt hätten, anstatt ihre Fürsorgepflicht für unser Haus wahrzunehmen!“
Wut versuchte sich durch die eisigen Mauern ihrer Okklumentik zu schlängeln, doch sie fing sie gekonnt wieder ein. Die kunstvoll mit Hermione zusammen gewobenen Barrieren zeigten sich äußerst Effektiv.
„Was?“, fragte sie ruhig, da aller Blicke auf ihr ruhten. Ronald war bleich wie eine Wand und sein Mund stand sperrangelweit offen. Hermione grinste über beide Ohren und zitterte. Sie spürte, dass ihre Freundin am liebsten laut losgelacht hätte.
Professorin McGonagall hatte eine Augenbraue fragend erhoben, ihr Blick signalisierte allerdings Zustimmung und Professor Dumbledore verbarg seine Meinung hinter der haarigen Hecke in seinem Gesicht. Seine Augen sprühten aber vor Neugier.
Ihr Hauslehrer hingegen starrte sie finster an und machte einen drohenden Schritt auf sie zu, dem sie allerdings nicht nachgab. Es mochte an der blauen Farbe liegen, die sein Gesicht entstellte, doch sie konnte seine scheinbare Wut nicht ernst nehmen.
„Miss Pot-ter… Was erdreisten Sie sich?!“
Sie reckte ihr Kinn angriffslustig vor und konzentrierte ihre Gefühle. Kanalisierte sie. Die sich regende Angst ließ sie mit der Wut und Enttäuschung über sein Verhalten kollidieren und hielt sie sich so vom Hals, während ihr geschärfter Verstand die Lage analysierte.
„Nichts. Vielmehr frage ich mich, was SIE umtreibt. Ich bin Monate, nein… für Sie Tagelang verschwunden, und anstatt sich darum zu kümmern und mir eventuell für Fragen zur Verfügung zu stehen, aufgrund von verpasstem Unterricht und anderen Dingen, in denen ich Ihren Rat vielleicht gebrauchen könnte verschwinden Sie sang und klanglos! Ich habe gestern Abend mit dringenden Fragen über eine Stunde lang vor ihrer Bürotür herumgestanden! Nichts! Nicht einmal eine Notiz, dass Sie nicht da sind! Ich habe mir schon Sorgen gemacht ob Ihnen vielleicht etwas ernstes zugestoßen sein könnte! Und...“
Sie schnupperte, ehe sie angeekelt das Gesicht verzog.
„...Was ist das für ein Gestank der von Ihnen kommt? Haben Sie getr…“
„Ah, ich denke wir sollten dieses Thema nicht weiter vertiefen, nicht wahr?
Gleichwohl ich nicht umhinkomme den Ärger der jungen Miss Potter nachvollziehen zu können. Ich schätze es nicht, wenn mein Personal sich ohne mein Wissen Urlaub nimmt und niemanden darüber informiert?“
Recht so! Auch der Direktor konnte dieser elenden Fledermaus ruhig einmal die Meinung geigen!
Besagtes Flatterwesen hingegen starrte wutschnaubend zwischen ihr und dem alten Magus hin und her, ehe er die Arme vor der Brust verschränkte und ein öliges Lächeln auf sein Gesicht zauberte.
„Nun Miss Potter, wir werden uns zu gegebener Zeit in meinem Büro über ihre… Mei-nung… unterhalten. Mir war als wäre ich wegen Dringlicherem als der belanglosen Meinung einer Zweitklässlerin zu den Pflichten meiner Person gestört worden?“
Ah, darauf versuchte er sich also zurückzuziehen. Natürlich. Er würde sie wieder privat angehen, wenn niemand es bezeugen konnte. Kopfschüttelnd seufzte sie lautlos. Warum hatte sie sich auch nur für einen Augenblick um diesen ungehobelten Troll gesorgt? Dem Grinsen ihrer Freundin setzte sie einen tadelnden Blick entgegen. Es half ihrer Argumentation nicht im Geringsten, wenn Hermiones Verhalten diese für Snape statt ernster Sorge und Verägerung in Respektlosigkeit um ihn bloßzustellen verwandelte. Und genau das würde sie später in seinem Büro allein ausbaden dürfen.
Warum war sie so dumm gewesen und hatte überhaupt etwas gesagt?
Schulterzuckend verwarf sie die Gedanken und hörte zu.
„Severus, woher diese…“
„Wenn Sie nun nach dem Zustand meiner Gesichtsfarbe fragen, verlasse ich umgehend dieses Büro und genieße weiter meine freie Zeit, während sie im Dunkeln tappend nach dem Gör suchen dürfen, werte Kollegin!“
Erneut blitzte Wut in ihr auf. Warum nur war er immer so ein verdammtes Ekelpaket?
Es gelang ihr nur mühsam dieses Gefühl einzufangen. Was zur Hölle war mit ihr los? Hatten die zehn Monate sie so stark verändert?

„Wer hat das Gör zuletzt gesehen?“
Schüchtern hob Ronald den Arm.
„Oh wundervoll. Hättest du mir nicht gleich mitteilen können, dass dieser Flubberwurm als Hauptzeuge involviert ist? Da können wir das Gör auch gleich für tot erklären!“
„Severus, ich muss doch sehr bitten!“
Ja. Da hatte der Direktor Recht. Zu Jodis Erstaunen schien aber auch Ronald etwas dazu sagen zu wollen, denn sein Gesicht lief rot an und er reckte sich. Schien ein wenig zu wachsen.
„Ich mag vielleicht nicht der Hellste Ihrer Schüler sein aber Ginny ist meine Schwester!“
Okay, Jodi nahm den Gedanken wieder zurück. Was ihr auf der Zunge lag wäre wohl wirklich eine Respektlosigkeit gewesen. Weshalb sie es auch herunterschluckte. Stattdessen trat sie einen raschen Schritt an Hermione heran, deren Haare sich nach und nach aufrichteten. Sie stand sprichwörtlich unter Strom ob der harschen Worte des Kerkermeisters.
Ihre Okklumentikmauern öffnend überbrückte sie die geringe Distanz und umschlang die schlanke Taillie ihrer Freundin, sich hinter sie stellend.
„A-ahn…!“
„Was bei allen Flüchen war das?!“
Nicht nur Snape sah verwirrt zu der tiefrot anlaufenden Löwin, deren halb ersticktes Stöhnen die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich zog.
„Jodi, du hast ausversehen an meinen Haaren gezogen!“, reagierte diese rasch, doch es brauchte nicht einmal ihre Verbindung um diese Lüge zu durchschauen. Verwirrt forschte sie im Gesicht ihrer Freundin nach dem wahren Grund. Warum wich sie ihrem Blick aus? Das Kribbeln in ihrem Körper war angeschwollen, doch in Hermiones schien es wild zu tosen?
Sie spürte, wie ihre Freundin ihre eigene Okklumentik anrief und Mauern um sich errichtete. Das Toben in ihr damit eindämmte und schließlich fortsperrte.
„Miss Potter, könnten Sie ihren Kontakt zu der nervigen Gryffindorgöre in der Öffentlichkeit wohl auf ein schickliches Maß reduzieren?!“
Warum ging die vermaledeite Fledermaus sie nun wieder an! Der sollte sich auf Ginny konzentrieren.
Statt einer Antwort zog sie ihre Arme enger um die Löwin, durch deren Körper ein leichtes Zittern lief.
Fühlte sich Hermione vielleicht nicht gut? Wurde sie krank?
„Wäre es wohl zuviel verlangt sich um meine Schwester zu kümmern?!“
Platzte schließlich Ronald der Kragen, was ihm die ungeteilte Aufmerksamkeit der Erwachsenen einbrachte.
Jodi hingegen richtete ihren Verstand auf Hermione aus, die sich in der Umarmung immer stärker wand. Sie spürte, das ihre Freundin etwas störte. Nur leider nicht was.
Sollte sie versuchen ihre Mauern zu umgehen und einen Blick dahinter zu werfen? Nein. Sie sorgte sich zwar, doch das wäre dann doch zu weit gegangen.
„Was ist?“ Fragte sie stattdessen leise und sah erstaunt herab, da sie Hände auf ihren Oberschenkeln spürte.
Hermione signalisierte ihr stumm, dass sie sich um Ginny sorgte und ihr später alles erklären würde. Deswegen also war sie so nervös. War etwas mit der kleinen Ginny passiert? Sie hatte sie die wenigen Stunden über, die sie zurück war nicht einmal zu Gesicht bekommen.
„Albus, können wir uns ohne die Gören unterhalten?“
„Ich bleibe hier!“
„Mister Weasley, so Leid es mir auch tut. Aber Professor Snape hat Recht. Bitte begeben Sie sich zurück in den Turm, ich verspreche Ihnen, wir werden alles in unserer Macht stehende tun um die kleine Ginevra zu finden.“
Ausgerechnet die McGonagall unterstützte Snape? Jodi stutzte kurz, nickte dann aber für sich. Na klar, die wollten sie davon abhalten selber nach Ginny zu suchen.
Sie tippte Hermione sanft auf eine Pobacke, was ihre Freundin erneut merkwürdig zittern ließ.
„Unser Ort, sobald wir hier raus sind!“
Sponn sie oder lief die rot an? Ob sie sich wirklich eine Erkältung eingefangen hatte?

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Oh bei allen Flüchen! So stark konnte sie die Okklumentik gar nicht bemühen um ihre amoklaufenden Gefühle fortzusperren, wenn Jodi ihr so nahe kam.
Statt direkt auf den Astronomieturm zu eilen machte sie einen Umweg in ihre Gemächer und tauchte ihr Gesicht in eine Schüssel mit Eiswasser. Schrie unter Wasser ihren Frust heraus. Ihr Unterleib zog fordernd, signalisierte ihr deutlich, was sie wollte, aber nicht kriegen konnte. Und was sie noch mehr frustrierte, erst bekommen würde, wenn Jodi endlich verstand was vor sich ging. Ausgerechnet Jodi!
Sie konnte sich lebhaft vorstellen, wie die Rothaarige sich nun fragte was denn mit ihr los sei, anstatt eins und eins einfach zusammenzuzählen. Verflucht, wenn das so weiter ging würde sie keine Woche des Wartens überleben ohne den Verstand zu verlieren.
Klatschnass starrte sie auf ihr Spiegelbild und erschrak ein wenig. Sie war bleich, zitterte leicht.
Ihre Hand strich über ihren Bauch. Versuchte die zornigen Schreie nach Aufmerksamkeit, die von etwas weiter unten herausdrangen zu beruhigen. Nein. Ihr Verstand herrschte über sie, nicht ein merkwürdiges Verlangen, dass sie bis dato noch nicht einmal verspürt hatte. Eisern zwang sie sich zur Ruhe und öffnete vorsichtig die Beschläge des roten Buches in ihrem Verstand. Fing diese neue Facette ihrer Gefühle für Jodi ein und verbannte sie aus ihrem Körper. Vorerst.
Doch das Buch wollte sich nicht recht schließen lassen. Egal, wie sehr sie sich auch bemühte, dieser unwiderstehliche Zwang die sanften Hände ihrer Freundin auf ihrer Haut zu spüren kämpfte sich durch eine Lücke wieder hervor, bevor sie den Deckel des Buches verschließen konnte.
„Verflucht! Konzentrier dich!“
Wütend aufstampfend ließ sie sich kurz darauf zu Boden gleiten und zuckte, als ihre Scham auf Widerstand traf und einen elektrischen Schlag durch ihren Körper sandte. Ignorierte auch dieses Gefühl und begann kontrolliert zu atmen. Tauchte ab in sich selbst und öffnete umgeben von reinem Weiß die Augen.
Hier, an diesem kühlen, rein rationalem Ort, hatte sie die absolute Macht über sich. Trotz allen Aufbegehrens ihrer Gefühle zwang sie diese Störenfriede in das Buch und verschloss es endlich.
Entspannt verweilte sie noch einen Augenblick im weißen Raum. Genoss den Frieden vor ihrem eigenen Körper. Doch Jodi wartete auf sie. Seufzend löste sie die Meditation und blinzelte überrascht, da Parvati vor ihr saß und sie mit einem sanften Lächeln musterte.
„Oh, du bist zurück?“
„Äh.. Ja.“
„Ist es sehr schlimm?“
Überrascht blinzelte sie und errötete dann, als ihr dämmerte, was ihre Mitbewohnerin da meinte.
„W-was meinst du?“
„Oh stell dich nicht dumm, Hermione. Wenn diese Gefühle erwachen bringen sie ein paar Sachen mit sich, die sich nur schwer verbergen, geschweigedenn kontrollieren lassen. Du willst sie, oder?“
Sie zuckte leicht zurück, versuchte einen Ausweg aus einer Antwort zu finden.
„J-Jodi wartet auf mich…“
„Ich würde eher sagen, du wartest auf Jodi?“
Sie errötete noch mehr.
„Wenn du reden möchtest, ich helfe dir gern…“
Das konnte sie nicht annehmen, das war viel zu intim um..
„Was kann ich dagegen tun…?“
Verdammt! Wieso hatte sie das nun gesagt?!
„Gegen die Lust? Nun… Ich bin mir sicher, du hast schonmal…?“
Sie starrte Parvati einen Augenblick lang an.
„Oh…“, verstand diese die stumme Antwort und tippte sich nachdenklich auf ihr Bein.
„Also es ist nicht schlimm Hand an sich selbst zu legen… Es ist der einzige Weg dieses Brennen zu löschen. Außer natürlich Jodi und du…“
„Parvati!“
„Was? Darauf läuft es hinaus, weißt du? Aber sag mir… wie schlimm ist es?“
Beschämt senkte sie den Kopf. Kam sich jetzt schon wie eine Verräterin Jodi gegenüber vor.
„Ich… konnte es nur mit mühe und not einsperren. Okklumentik…“
Parvati hob erstaunt beide Augenbrauen an.
„Du kannst Okklumentik?“
„Ja…“
„Das erklärt warum du immer so tiefenentspannt lernen kannst…“
Sie verkniff sich eine Erwiderung darauf. Der Direktor hatte ihnen den Schwur abgenommen keinem anderen Schüler von den besonderen Nebenwirkungen ihrer Verbindung zu erzählen.
„Aber das ist nicht gut, Hermione. Wenn du dieses Gefühl fortsperrst wird es wachsen. Dich irgendwann überwältigen. Großmutter hat uns immer davor gewarnt, Liebe leichtfertig zu behandeln. Sie ist das stärkste und älteste Gefühl der Welt, weißt du?“
„Ja und was soll ich bitte machen? Ich kann doch nicht zu Jodi gehen und einfach sagen: Ich hab mich in dich verliebt! Schlaf mit mir sonst werde ich verrückt?“
Parvatis Lachen ärgerte sie irgendwie.
„Nein, das sollst du auch nicht.
Nur sperr es nicht fort. Gib dich ihm hin. Solange Jodi es noch nicht ahnt im Stillen. Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, Hermione. Stell dir vor wie es mi ihr wäre, während du dem Druck abhilfe schaffst.“
Das musste sie sich nicht einmal vorstellen. Sie hatte rege Bilder zu diesem Thema in ihrem Gedächtnis, auch wenn sie älter gewesen waren.
Kurz flammte Neugier in ihr auf, ob die Anhänger ihnen wohl mehr zeigen würden, wenn sie diese wieder verband?
Bei Merlin, nein. Wenn es noch expliziter wurde als die Gedanken in den beiden Varianten der Vision, dann würde sie definitiv durchdrehen.
„Ich… denke darüber nach.“
„Na das ist doch schon ein Anfang. Und wenn du reden möchtest… Ich stehe zur Verfügung. Ich habe geschworen das Band der Anhänger nach alter Tradition zu unterstützen und ich halte mein Wort, Hermione.“
„Danach wollte ich dich sowieso einmal fragen! Aber ich muss wirklich langsam zu Jodi!“
Parvati lächelte sanft und nickte. Stand zusammen mit ihr auf und umarmte sie. Es tat irgendwie gut, wie Hermione fand. Eine Umarmung, bei der ihr Körper nicht amok lief…

ѦѰѦ


„Wo warst du denn so lange?!“
Mit leichter Verärgerung musterte sie die plüschige Gryffindor, die aus dem Bogen trat, den der Raum der Wünsche als Durchgang zauberte.
„Oh ich bin in Parvati gerannt und sie hatte ein paar Fragen. Tut mir Leid, Jodi!“
Sie spürte, dass das nicht ganz die Wahrheit war, was ihr einen leichten Stich versetzte. Seit den Visionen benahm sich ihre Freundin seltsam. Doch sie wollte nicht bohren. Sie vertraute ihr. Hermione würde schon auf sie zukommen, wenn sie soweit war.
„Was wollen wir denn eigentlich hier? Sollten wir nicht Ginny suchen?“
Jodi nickte. Ja, DAS klang eher nach ihrer Hermione.
„Genau deshalb sind wir hier. Ich möchte gerne die Mauern fallen lassen und unser Wissen um dieses Ding zusammenlegen.“
Nanu? Warum wurde Hermione bleich.
„Jodi, wir haben die gerade erst mit aller Mühe aufgebaut. Was wenn wir es so nicht mehr hinkriegen?“
„Dann üben wir es so lange, bis es wieder klappt. Was ist denn nur los mit dir? Du bist so komisch seit gestern!“
„Macht es dir keine Angst?!“
„Was?“
„Alles! Wir spüren was die andere denkt, wir können in den Verstand der anderen eintauchen, wir können aus dem Verstand der anderen lernen. In Sekunden, wofür jeder andere Jahre brauchen würde! Wir… dieses Kribbeln! Jodi ich überlebe das keinen Tag, wenn das nicht fortgesperrt ist. Ich kann mich damit nicht konzentrieren!“
Oh… Ja, da hatte sie recht. Das merkwürdige Kribbeln und ziehen war wirklich eine herbe Ablenkung. Es hatte auch vorhin im Büro des Direktors ihre Sinne halb betäubt, nachdem sie Hermione ohne den Schutz ihrer eigenen Mauern umarmt hatte. Sie sah wie sich eine Träne aus dem Augenwinkel Hermiones stahl. Fing sie geschickt mit ihrem Zeigefinger auf und betrachtete sie im sanften Schein des Mondlichts.
„Es wird sich alles fügen, Hermione. Da bin ich mir sicher. Wir hätten diese Verbindung nicht, wenn sie nicht für uns bestimmt wäre. Und ist es nicht auch wundervoll?“
„Nein!“
Sie zuckte zusammen. Das war ein sehr heftiger Ausbruch ihrer Freundin.
„N..nein?“
„Jodi.. das… ich…“
Besorgt zog sie die vor ihr stehende Löwin zu sich auf den Boden. Mit einem leisen Aufschrei verlor die ihr Gleichgewicht und stürzte ihr förmlich in den Schoß.
Als ihre Leiber sich berührten riss Jodi ihre Mauern der Okklumentik ein. Schwächte damit Hermiones und überwältigte diese kurzerhand.
Das Kribbeln in ihnen schwoll an. Sprengte den Rahmen des erträglichen. Doch etwas anderes brandetete gegen Jodi. Nicht nur, dass Hermione deutlich stärker an dem Kribbeln litt, sie spürte auch… Schmerz. Sehnsucht.
„Jodi… nicht…“
„Shhh… Entspann dich!“
Sanft drang sie in Hermione ein. Spürte die Wärme, die sie umgab und folgte dem Pfad tiefer in sie hinein.
„Jodi…“
Sie wischte den schwachen Protest fort und verband ihrer beider Verstand.
Es reichte. Sie wollte verstehen weshalb ihre Freundin so litt. Doch alles was sie vorfand war Liebe.
Liebe für… sich?
„Du…“
Obwohl ihre Augen geschlossen waren spürte sie die Tränen, die ihrer Freundin aus den Augen rannen. Verstärkte ihre Umarmung.
„Ich verstehe nicht?“
„Natürlich nicht…“
Sie sah sich um, stand wieder in der Bibliothek von Hermiones Verstand. Ihre Freundin saß halb in sich zusammengesunken in einem Sessel.
„Wie meinst du das?“
„So wie ich es gesagt habe, Jodi.“
Nachdenklich ging sie zu ihr. Erzwang sich ihren Platz in dem Sessel, an Hermiones Seite.
„Du… liebst mich. Und?“
„Und…? UND??? Jodi!“
„Ja, was? Das ist doch kein Grund so… niedergeschlagen zu sein!“
„Verstehst du überhaupt, was das bedeutet?“
Sie legte ihren Kopf schief. Dachte kurz nach.
„Genau das meine ich.“
Oh. Stimmte ja. Hermione konnte ihre Gedanken ebenso direkt lesen.
„Mione, ich denke wir missverstehen uns. Ich verstehe, was du mich liebst. Aber nicht wo dein Problem liegt. Seit diesen Visionen bist du so… seltsam. Abweisend sogar. Und das tut mir weh. Ich habe zehn Monate lang nur wegen dem Gedanken durchgehalten, dass ich dich wiedersehen will… nein… MUSS. Und nun, wo ich endlich zurück bin, da fühlt es sich an, als würde sich etwas zwischen uns drängen, dass ich weder sehe noch verstehe. Also wenn ich es nicht verstehe, dann erkläre es mir doch einfach? Haben wir es nicht immer so gehalten in der Zeit, in der wir uns kennen?“
„Jodi… wie kann ich dir etwas erklären, dass ich selbst nicht verstehe? Seit diesen Visionen da habe ich… Gefühle.“
Sie runzelte kurz die Stirn und rief sich grob die Bilder der Vision vor Augen.
„Ah. Du meinst wegen dem, was wir gerade anfangen wollten darin?“
Stumm nickte ihre Freundin. Sie spürte, wie sich Hermione jeden Gedanken verbat.
„Was ängstigt dich daran? Ich fand die Vorstellung interessant.“
„Du… was?“
„Ja, du denn nicht? Ich mein, jetzt fände ich es eher merkwürdig, doch wenn wir älter sind, warum denn nicht? Ist es denn so absurd, wenn wir uns lieben und dann beschließen gemeinsam ein Haus zu beziehen und darin zu leben?“
Das Gedankenspiel konnten auch zwei spielen. Bewusst hielt sie ihre Gedanken frei von ihren wahren Absichten.
„Ja… Genau. Darum mache ich mir Gedanken.“ Kam es prompt niedergeschlagen von Hermione, was sie kichern ließ.
„Was ist so witzig daran? Du ahnst nicht einmal wie frustrierend das für mich ist!“
„Frustrierend?“
Sie horchte auf. Endlich kamen sie der Sache näher.
„Ja! Verdammt Jodi, ich…“
„Du?“
„Nichts…“
Seufzend rollte sie mit den Augen.
„Mione, für wie dumm hältst du mich eigentlich?“
Ja. Da ruckte der Kopf von ihr hoch und diese wundervollen braunen Augen starrten sie verwirrt an. Mit diesem seichten Schimmer der Hoffnung.
„Ich war 10 Monate lang weg. ZEHN lange Monate. Ich habe bestimmt die Hälfte davon zugebracht über uns nachzudenken. Was wir zusammen erlebt haben, was wir gemeinsam haben, was uns unterscheidet. Uns verbindet und uns trennt.
Hermione, ich verstehe welche Form der Liebe du für mich empfindest. Und es geht mir genauso.“
„Aber…“ Hermione starrte sie an und verengte ihre Augen zu schlitzen.
„Was meinst du damit?“
„Nun, ich habe über alles zwischen uns nachgedacht. Und auch darüber wie du reagiert hast. Ich weiß nicht wie du es siehst, aber ich möchte mir nicht vorstellen, wie es nach der Schule wohl wäre getrennte Wege zu gehen. Im Gegenteil. Die Vision macht mich ganz kribbelig und ich glaube, dass liegt daran, dass ich tief im Inneren hoffe, dass es eben KEINE Vision ist. Wäre das nicht wundervoll? Wir beide, ein Paar?“
„Jodi, weißt du, was du da sagst?“
„Um ehrlich zu sein? Nein. Ich habe keine Ahnung ob das schlimm ist, andere das komisch fänden oder sonstwas. Aber was kümmert es mich? Ich weiß, dass ich es liebe meine Zeit mit dir zu verbringen, dass ich jede Sekunde an dich denke und mir wünschte dieser elende Häuserschwachsinn stünde nicht ständig zwischen uns. Und wenn ich einen Blick hinter deine vollkommen nervtötende Fassade werfe… Geht es dir nicht anders!“
Zufrieden registrierte sie das Zusammenzucken in ihren Armen. Sowohl hier im Reich von Miones Geist, wie auch außerhalb.
„Du… findest es also nicht seltsam?“
Sie kam nicht umhin mit den Schultern zu zucken.
„Nein. Wir beide stehen uns so nah wie niemand sonst. Es mag vielleicht nicht gerade normal sein, immerhin sind wir beide Mädchen, aber… hey, was soll‘s? Vermutlich wird meine Tante ein paar Jahre lang nicht mit mir reden, aber die kriegt sich schon wieder ein.“
„Du… hast dir wirklich Gedanken darum gemacht oder?“
Jodi lachte leise.
„Na klar. Ich dachte schon nach den Visionen, ich hätte ein Problem, weil du die so abgewiegelt hast. Ich hätte da platzen können vor Freude und du würgst einfach alles ab, ich solle keinen Unsinn denken.“
„Und hast du auch weitergedacht, was das dann für uns bedeutet?“
Worauf wollte sie denn nun hinaus? Verständnislos musterte sie ihre Freundin.
„Also nein. Jodi, was machen Paare in der Regel miteinander?“
„Wohnen, leben, Kinder kriegen, was aber absurd bei uns wäre…“
Warum stöhnte Hermione nun verzweifelt?
„Du meinst… S..Se... du weißt schon!“
„Ja verdammt! Was denn sonst!“
Tante Petunia hatte sie eindringlich vor Männern gewarnt, seitdem sie in die Schule ging. Das Gespräch kaum das ihre Tage kamen war zwar peinlich wie die Hölle gewesen, aber sie hatte zumindest eine Vorstellung davon wie das ganze funktionieren sollte. Auch wenn sie keinerlei Drang danach verspürte.
„Was glaubst du bitte, was das Kribbeln ist, was wir fühlen!“
Ihre Augenbrauen wanderten gen Stirn und sie horchte in sich hinein. Naja… Es entsprang irgendwo in ihrer unteren Körperhälfte, aber da sie es weggesperrt hatte… War es eher uninteressant?
„Du bist unmöglich…“
„Wieso das jetzt schon wieder?“
„Weil dieses Kribbeln genau das ist, du naives Monster!“
„Monster?! Hey! Sag bloß du willst…“
„Sei nicht albern! Wir sind zu jung dafür!“
Jodi atmete erleichtert auf.

Jodis Reaktion verpasste ihr einen Stich der Enttäuschung, den sie nicht verbergen konnte. Nicht mit ihr direkt in ihrem Geist.
„Lügnerin…“ gluckste dieses unmögliche Biest einfach und lachte dann.
„Was kann ich dafür? Diese verdammten Anhänger und ihre Vision!“
„Hm… Stimmt. Ohne sie würden wir völlig Ahnungslos durch die Welt stapfen, dass wir einander lieben, nicht wahr. Ob wir uns ohne sie wohl je so nahe gekommen wären?“
Argwöhnisch musterte sie die Rothaarige, die sich nachdenklich gegen die Nasenspitze tippte.
„Keine Ahnung. Aber wie wir ja gehört haben suchen sich diese Anhänger eh ihre Träger aus. Von daher ist diese Fragestellung eh unsinnig.“
„Stimm auch wieder. Okay. Also bist du seit gestern so komisch, weil du Angst hattest ich könnte… dich ablehnen?
Ahhh! Deswegen warst du bei der McGonagall. Die hat dir also geraten mir nichts zu sagen! Verstehe.“
„Argh! Halt dich aus meinen Gedanken raus!“
„Das geht schlecht, Mione. Ich bin sozusagen mittendrin! Aber gut. Das erklärt natürlich einiges.
Lass uns das ganze gemeinsam besprechen. Was hältst du davon?“
Sie wand sich.
„Das… geht nicht…“
Ja, da schaute Jodi verwirrt.
„Warum nicht?“
„Weil ich nicht weiß ob ich diese Gefühle kontrollieren kann, wenn du mir so nah bist und ich sie freigebe…“
Sie beobachtete nicht ohne Genugtuung, wie ihre Freundin selbst als Abbild in ihren Gedanken tief errötete.
„So schlimm?“
„Ja und es quält mich etwas, dass es bei dir nicht so zu sein scheint…“
Jodi tippte sich wieder gegen die Nasenspitze. Sie konnte ihre Gedanken lesen.
„Du meisnt es liegt an der Art, wie ich sie weggesperrt habe?“
„Vermutlich ja. Ich spüre das Kribbeln auch jetzt deutlich, aber nicht auf einem schmerzhaften Niveau, wie du.“
Das ergab keinen Sinn. Sie hatte den weißen Raum dafür benutzt. Diese Gefühle mussten fortgesperrt sein.
„Oh… hm…“
Ja, so weit war sie auch schon.
„Okay, wir kümmern uns darum. Zusammen. Aber zuerst möchte ich etwas zwischen uns aus der Welt schaffen.“
Verwirrt spürte sie, wie Jodi sich aus ihrem Kopf zurückzog. Die Augen aufschlagend blickte sie in zwei grüne Smaragde, die sie sanft musterten.
„Hermione Granger. Du kannst eine fürchterliche Besserwisserin, Nervensäge und schreckliche Lügnerin sein!“
„Waa-aaas?!“ brauste sie sofort auf, verstummte aber, da sich Jodis Gesichtsausdruck änderte. Ihre Züge wurden weicher. Der Schalk verschwand aus ihren Augen und etwas anderes trat in diese.
„Aber du bist die warmherzigste, wundervollste Person, die ich je getroffen habe. Auch wenn ich vielleicht nicht die volle Tragweite dieser Worte verstehe, ich werde es mit der Zeit… Ich liebe dich.“
Langsam glitt das Gesicht näher und ihre Nervosität wuchs. Ihr Herz schlug bis zu ihrem Hals und stand kurz davor einfach durch ihren Mund herauszuspringen, während ihre Augen zu den sanft geschwungenen Lippen zuckten, die sich ihrem Gesicht immer mehr näherten.
Seide legte sich auf ihre eigenen Lippen. Berührte sie sacht und doch war es zuviel. Sie hörte und spürte wie sich gleich kleinen Explosionen die Beschläge an dem roten Buch einfach auflösten und die volle Wucht der fortgesperrten Emotionen auf sie eindrang.
Sie wollte mehr. So viel mehr. Doch die Lippen entfernten sich wieder von ihren und ließen sie hungrig zurück.
„Jodi… ich…“
„Shh… ich spüre es. Und ich möchte dich bitten auf mich zu warten. Ich… fühle mich noch nicht bereit für diesen Schritt… Verzeih mir…“
Gequält wand sie sich. Rieb ihre Oberschenkel aneinander, in der Hoffnung das Feuer dazwischen irgendwie zu mildern. Ihr Verstand drohte darin zu versinken, doch Jodis Stimme legte sich wie eine sanfte Decke über diesen Brand. Der flehende Tonfall nahm den Sauerstoff, den er benötigte um zu lodern.
„Ja… Lass uns einen Schritt nach dem anderen gehen…“, hauchte sie schließlich kraftlos und spürte doch wie ihr Herz vor Freude zu zerspringen drohte. Jodi hatte es gesagt. Jodi erwiderte ihre Gefühle. Jodi…
Sie beugte sich etwas vor, legte ihre Lippen wider besseren Willens auf Jodis und ließ die Nähe auf sich wirken. Nein. Es fühlte sich richtig an. Als würde eine saite in ihrer Seele gezupft, die bis dahin keine Beachtung gefunden hatte. Entgegen dem neu aufkommenden Sturm in ihrem Inneren löste sie sanft ihre Lippen und suchte die herrlichen, grünen Augen der Anderen.
„Ich liebe dich, Jodi…“
„Na wer hätte das gedacht.“
„Jodi!“
Verärgert knuffte sie ihr Gegenüber und seufzte dann niedergeschlagen.
„Du bist unmöglich. In so einem Moment…“
„Wir sind noch nicht fertig Mione… Komm… Es gibt noch etwas zu erledigen.“
Neugierig und auch leicht auf mehr Zärtlichkeiten hoffend forschte sie in Jodis Gesicht nach Anhaltspunkten, was sie vorhatte.
„Entspann dich und mach einfach mit.“
Die Richtung gefiel ihr…
Jodi kuschelte sich dicht an sie und sie spürte, wie sich ihre schlanken Finger auf ihre Oberschenkel legten. Eine Hand fast auf ihrem Po ruhte. Das Kribbeln in ihr drohte zu explodieren. Presste gegen die sanfte Decke, die Jodi darüber ausgebreitet hatte.
„Komm…“
Verwirrt folgte sie Jodis Stimme und schlug die Augen in deren Verstand auf.
„Warum…“
„Schau… Dort…“
Sie folgte dem ausgestreckten Finger und sah eine reich verzierte Tür aus Mahagoni. Das rotbraune Holz sah hübsch aus.
„Wofür ist die?“
„Das wirst du gleich spüren. Entspann dich. Egal was gleich passiert, kämpf nicht dagegen an…“
Neugierig glitt sie zu Boden und nahm die Sitzposition ein, die Jodi ihr übermittelte.
Sie spürte die Hände ihrer Freundin auf ihren Schultern und erschauderte leicht, da die Berührung heiße Wellen durch ihren Körper sandte.
„Gut… Hörst du meinen Herzschlag?“
„Ja…“
„Vertraust du mir?“
Ihre Gedanken wollten kurz aufbegehren, fragen warum. Doch sie kämpfte den Drang nieder. Entspannte sich wieder.
„Ja.“
Sie spürte wie Jodi die Decke von ihr nahm. Das Kribbeln explodierte und sie sofort das Verlangen nach ihrer Freundin spürte. Ihre Gedanken zerfaserten. Es fiel ihr schwerer und schwerer sich auf ihre Atmung zu konzentrieren.
„Jo..di…“
Und das Gefühl erlosch. Irritiert schlug sie im gleichen Moment die Augen auf, wie sie das zuschlagen einer Tür vernahm.
„Hier…“
Irritiert sah sie auf Jodis Hand, die einen ebensoverzierten Messingschlüssel unter ihre Nase hielt.
„Was ist das?“
„Der Schlüssel.“
„Schlüssel?“
Ihr Blick fiel auf die verzierte Tür. Sie war geschlossen. Massive Ketten sicherten sie ab, die zu einem herzförmigen Schloss in der Mitte der Tür zusammenliefen.
„Du…“
„Mhm. Ich war mir nicht sicher ob es klappen würde, doch ich habe das, was dich quält in mir verschlossen. Und das dort ist der Schlüssel. So wie du mir vertraust, dass ich dir nicht schade, so vertraue ich dir, dass du meinen Wunsch mit Körperlichkeiten zu warten respektierst. Schau.“
Verwirrt sah sie ihre Sicht verschwimmen und stand nun in der Bibliothek ihres eigenen Verstandes.
„Was… wie..? Jodi! Was ist hier los!“
„Oh ich habe mir die vergangenen Stunden meine eigenen Gedanken gemacht, Mione. Ich mag naiv sein, doch in den vergangenen 10 Monaten habe ich vieles gelernt. Nicht nur allein. Auch die Halbriesin, die Slavok an meine Seite stellte hat mir einige Dinge beigebracht. Es gibt tiefe Ebenen in uns. Die wir nur mit Hilfe erreichen können. Ebenen, die die Alten in uns verankert haben um unser Erbe zu bewahren. Ich habe einen Blick darauf werfen können, bevor ich in die tieferen Schichten vordringen sollte und davor bewahrt wurde.
Wenn man weiß wie, ist es leicht Teile des Verstandes eines anderen im eigenen aufzubewahren. Das geht aber nur, wenn diese Person einem vertraut und vor allem, nicht ohne dass sie die Kontrolle darüber behält.
Deswegen schau, dort!“
Ihr Blick wanderte zu dem Regal in dem das rote Buch offen liegen musste. Stattdessen stand es im Regal. Verwundert zog sie es heraus und erstarrte. Ein Schlüsselloch prangte auf dem Einband und versiegelte es.
„Das…“
„Mhm… Ich habe das Schloss in meinem Inneren mit dem Buch in deinem verbinden müssen. Es geht gar nicht anders. Es sind deine Gefühle und ich kann sie dir nicht nehmen. Das würde unvorhergesehene Schäden verursachen. Die auch jetzt schon auftreten könnten, hätte ich das ohne dein Vertrauen getan. Doch du hast die Kontrolle darüber. Wenn du den Zeitpunkt für gekommen hältst, kannst du dieses Schloss öffnen und das Siegel brechen. Für uns beide.“
Sie schluckte. Für sie beide??
„Heißt das du…“
„Ja. Auch meine Gefühle dieser Art sind darin versiegelt. Sie sind mit deinen verbunden. So untrennbar, wie wir. Wenn du dieses Siegel brichst… Wird die Lust uns beide überkommen. Je länger es besteht umso mächtiger. Ich habe die vergangenen Stunden darüber nachgedacht, wie ich dieses Thema aus der Welt schaffen kann ohne dich zu verletzen oder unsere Gefühle irgendwie in Mitleidenschaft zu ziehen. Und ich hoffe, diese Lösung…“
Weiter kam sie nicht. Egal ob es in ihrem Verstand war oder echt. Sie schlang ihre Arme um Jodis Hals und küsste sie. Lauschte dabei in sich hinein. Sie spürte Wärme. Ein sanftes Kribbeln. Den Hauch einer Neugier auf mehr. Doch kein quälendes Ziehen mehr.
„Danke… Ich war nahe daran verrückt zu werden. Parvati hat mir schon geraten mich selbst zu befriedigen, während ich an dich denke!“
„Sie hat waa-aas?“
Sie musste kichern, da Jodi tief errötete.
„Mhm. Und glaub mir. Noch. Ein paar Tage mit dieser Folter und ich hätte es gemacht!“
„Hm… Okay. Nun, da bist du mir irgendwie voraus. Ich fühle mich nicht wohl bei dem Gedanken…“
„Du meinst mit mir…?“
„Oh sei still. Nein. Allgemein. Tante Petunia hat mir immer eingebläut, dieser Schritt muss gut überlegt sein und darf niemals aus einem Moment heraus gegangen werden. Ich schätze… ich möchte sicher sein, dass wir nichts überstürzen. Es soll… perfekt sein…“
Sie nickte nachdenklich. Ja. Nun, wo sie endlich dieses entnervende Kribbeln los war wunderte sie sich sogar über sich selbst. Es hatte ihren Verstand scheinbar völlig beiseite gestoßen. Hatte die Professorin etwas das damit gemeint, dass es einen dumm machte?
„Schon möglich. Aber ich muss sagen es hat mich auch ein wenig erschreckt. Diese Gefühle von dir waren… überwältigend. Allein das, was trotz meiner vorsorglich errichteten Barriere zu mir schwappte hat mich hart an meine Grenzen gebracht, dem nicht nachzugeben.“
Sie sah erschrocken auf.
„Nein. Alles in Ordnung. Das ist wohl der Nachteil unserer Verbindung. Aber… Nun, wo wir diese Dinge nicht mehr fürchten müssen… Es macht mich schon neugierig, wie es wohl sein wird, wenn du den Schlüssel benutzt…“
Ihr Blick glitt auf das Metall, dass sie fest umklammert an ihr Herz presste.
„Nun… Die Neugier kann sehr rasch gestillt werden?“
„Mione!“
Sie lächelte etwas schief.
„Jodi?“
„Hm?“
„Danke…“
Mit einem Lächeln zog die Rothaarige sie in eine Umarmung. Es tat gut diese zu fühlen. Wieder die Unschuld dieser Nähe genießen zu können, ohne Angst.
„Und nun lass uns endlich die Köpfe zusammenstecken und rausfinden wo Ginny ist.“
Das ließ sie sich nicht zweimal sagen.
Aufmerksam musterte sie Jodi, die sich nachdenklich den Kopf kratzte und dann auf die Regale um sie herum deutete.
„Du hast doch direkt aus meinem Kopf Okklumentik gelernt…“
„Ja.“
„Kannst du mir alles zeigen, was ihr über diese Kammer gefunden habt? Egal ob du es als Unsinn verworfen hast oder nicht?“
Schulterzuckend konzentrierte sie sich und mehrere Bücher flogen heran. Unsicher öffnete Jodi eines und grinste dann.
„Oh… das ist ja wirklich sehr einfach!“
Sie nickte lächelnd. Ja, man musste sie nur öffnen um die Inhalte zu verstehen. Wichtig war, dass SIE sie verstand. Dadurch würde Jodi es automatisch auch tun.
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