Time after Time

GeschichteHumor, Romanze / P16
Florian David Fitz OC (Own Character)
29.08.2015
21.11.2016
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Immer noch benommen von dem langen Flug, betrat ich den staubigen Boden Kaliforniens. Den Schweiß von der Stirn wischend, blickte ich auf die Hochhäuser, die sich unmittelbar vorher in den Himmel streckten. Genau fuhren meine Augen von unten nach oben, bis ich schließlich den Kopf in den Nacken legen musste, um annähernd die Spitze zu erfassen.
„Willkommen in Los Angeles“, sagte Chris neben mir. Ich blickte ihn an. Durch den 3-Tage-Bart wirkte der 26-Jährige älter und reifer, doch vom Verhalten her war er nicht älter als 18. Weiberheld durch und durch. Und sein Empfinden von der Realität war so weit von der Wirklichkeit entfernt wie der Mond von der Erde. Doch irgendwas hatte der Kerl, was ihn mir sympathisch machte.
„Ich hab mir das alles so anders vorgestellt... aber so ist es tausendmal besser“,staunte Tom neben mir ebenfalls. Er drehte seinen Kopf hin und her, sodass seine Locken einen wilden Tanz vollführten. Andy, der letzte und älteste im Bunde, unterhielt sich währenddessen mit unserem Manager Mike. Wobei Manager eher ein falscher Begriff war, er war so etwas wie ein Vater für uns, auch wenn er für meinen Geschmack mir öfters zu dicht auf die Pelle rückte.

„Gut Leute. Ihr habt noch 2 Stunden, in denen ihr euch im Hotel einrichten könnt. Um 8 habt ihr dann euren Auftritt im 'Casey's Irish Pub'. Dafür werdet ihr um halb 7 hier abgeholt, könnt dann dort noch Soundcheck machen etc. Bis später Jungs.. und Marie“, verkündete Mike. Bei den letzten Worten grinste er vielsagend. Ich verdrehte nur die Augen. Ständig machte er Anspielungen darauf, dass ich das einzige Mädchen in der Gruppe war. 'Prinzessin' war seit neuestem mein Spitzname.
„Schon gut Mike, spar dir einfach den Mist“, knurrte ich.
Er zuckte die Schultern. Ich schnappte mir meinen großen schwarzen Rollkoffer und zog ihn hinter mir her zum Eingang unseres Hotels. Es war kein weltberühmtes 5-Sterne-Hotel, doch für eine Nacht war es akzeptabel. Für angesehene Hotels, mussten wir erst am Broadway spielen und davon waren wir noch weit entfernt.

„Marie? Du hast dein Zimmer direkt neben mir“, strahlte Chris, als wir die Eingangshalle des Hotels erreicht hatten.
„Oh wie spannend“, sagte ich ironisch, zog dabei meinen Koffer ungeniert weiter.
„Ey du wirst sehen, ich bin der beste Zimmernachbar, den du dir nur wünschen kannst. Keine Partys, keine Frauen, keine Drogenexzesse...“
„Schon gut, bei deinem Verhalten bleibt eh keine Frau lange. Wobei Frau eine vage Definition ist. Hattest du jemals ein weibliches Wesen, dass ihre Volljährigkeit erlangt hatte?“, fragte ich provokant.
„Nicht schlecht Prinzessin...“, meinte er anerkennend.
Gemeinsam mit den anderen beiden Jungs stiegen wir in den Fahrstuhl.
„Was hast du eigentlich vorher gemacht?“, fragte Andy nach einer Weile. Er war definitiv der Vernünftigste in der Gruppe.
„Ich war Erzieherin in einem Internat.“
„Klingt ziemlich locker...“, sagte Andy, zog dabei seine Sonnenbrille von der Nase.
„Im Vergleich zu meinem Praktikum in der Psychiatrie ist es das auch“, lachte ich.
„Krass. Hätte ich gar nicht erwartet. Du wirkst total unschuldig, aber dein Mundwerk ist hammer“, gab Chris bekennend zu.
Ich blickte zu Tom, der währenddessen stur auf sein Handy starrte. Er hatte eine Freundin in Deutschland, die er sehnsüchtig vermisste.
Ich hatte Florian. Aber was war das eigentlich zwischen uns? Waren wir ein Paar? Ich hatte keine Ahnung.
In meine Gedanken versunken, fuhr meine Hand an meinen Hals. Ein rotes Band mit einem goldenen Anhänger. Die Kette hatte mir Florian geschenkt und sie war das einzige, was ich die nächsten Monate von ihm hatte.

Schon über eine Woche war es her, dass ich ihn zuletzt gesehen hatte. Vor meinem inneren Auge spielte sich die Szene erneut ab: Wie er mich küsste, wie er mich das letzte Mal für 3 Monate küsste. Oder war es für immer? Was würde sein, wenn ich nach 3 Monaten wieder zurück nach Deutschland reiste? Würden wir uns immer noch so nah sein? Hatte er eine Neue?
Ich wusste nur eins: Dass ich ihn über alles liebte. Und so sehr vermisste, dass ich am liebsten in den nächsten Flieger zurück nach Deutschland gestiegen wäre. Doch ich musste hier meinen Traum leben, die einmalige Chance nutzen. Vorerst würde seine Kette meine einzige Verbindung zu Florian sein.

Wenige Stunden später war es so weit: Unser erster Auftritt. Er war in einer kleinen, aber doch edlen Kneipe. Als wir die Bühne betraten, herrschte stummes Schweigen. Nervös blickte ich in die vielen Gesichter, die uns anstarrten.
„Okay. Los gehts“, hörte ich eine Stimme hinter mir murmeln.
Mit zitternden Händen ergriff ich das Mikrofon.
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