Trauermelodie

GeschichteRomanze, Horror / P18
Kohta Mayu Nana (Nr.7) Nyu/Lucy Yuka
28.08.2015
14.09.2015
6
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Eine ganze Weile stand ich nur da und beobachtete das Chaos, das ich angerichtet hatte. Meine menschliche Seite hatte längst wieder die Kontrolle, aber ich konnte nicht aufhören die Leichen der Familie anzustarren. Wahrscheinlich hatten sie ein schönes Leben. Mein Blick fiel auf seine Leiche. Er war jeden Abend nach Hause gekommen, wo ihn seine Frau mit dem Abendessen erwartet hatte. Er hatte sie umarmt und auf die Stirn geküsst, bevor ihn seine Tochter angesprungen und begrüßt hatte. Seine Frau hatte gelächelt und gesagt, dass das Abendessen fertig sei und sie sich setzen sollen. Seine Tochter hatte noch mit ihm rumgealbert, bis sie alle gemeinsam zu Abend gegessen hatten. Dann hatte er seine Tochter ins Bett gebracht und ihr eine Geschichte vorgelesen, in der das Gute immer siegte. Er hatte jedoch mittendrin aufhören müssen, da sie eingeschlafen war. Er hatte ihr einen Kuss auf die Stirn gegeben und war zu seiner Frau gegangen, um mit ihr gemeinsam einzuschlafen.
Meine Augen brannten, als die Schuldgefühle mich übermahnten. Ich hasste mich. Ich hasste mich nicht, weil ich all diese Menschen tötete. Ich hasste mich, weil ich es genoss. Ich verfiel regelrecht in einen Rausch und es gefiel mir, diese Menschen sterben zu sehen. Dafür hasste ich mich. Ich wollte nicht so sein. Ich wollte nur normal sein. Ohne Hörner, ohne Vektoren. Ich wollte eine Familie, die sich freute, wenn ich nach Hause kam. Ich wollte einen Ort, an den ich immer zurückkehren konnte, ein Zuhause. Aber für mich war das alles nicht möglich. Ich tat alles dafür, um nicht von den Forschern entdeckt zu werden. Ich reiste rum und tötete Menschen, um einige Tage in ihren Wohnungen leben zu können, nur um dann weiterzuziehen. Das war kein Leben.
Mit steifen Gliedern begann ich, die Leichen zu entsorgen und das Zimmer zu putzen. Ich fühlte mich grässlich, wie jedes Mal, wenn ich mir ein neues Heim erschuf. Deshalb fing ich an zu singen. Ich hatte ein Lied im Kopf, welches ich schon ewig kannte, aber ich wusste leider nicht, woher ich es kannte. Seit ich klein war, sang ich wenn es mir schlecht ging dieses eine Lied.
Es dauerte eine ganze Weile bis das Zimmer aufgeräumt hatte, aber ich nutzte meine Vektoren zur Hilfe.  Ich wohnte in jedem Haus nur wenige Tage und bevor man die Menschen vermisste, war ich auch schon wieder weitergezogen. So hatte ich es auch bei diesem Haus vor.
Nachdem ich fertig war, ging ich in die Küche und öffnete den Kühlschrank. Ich hatte Glück. Die Frau war wahrscheinlich die letzten Tage einkaufen gegangen, denn der Kühlschrank war gut gefüllt. Ich nahm mir etwas raus, ohne darauf zu achten was es war. Dann schaltete ich den Fernseher an und versuchte, mich zu entspannen. Nachdem ich es auch nach einer Stunde nicht schaffte, beschloss ich ins Bett zu gehen. Ich ging die Treppe hoch fand das Schlafzimmer mit einem großen Bett. Ich legte mich hinein und fiel sofort in einen traumlosen Schlaf.
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