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L, warum stellst du mir solche Fragen?

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
L Light Yagami Mello Near OC (Own Character) Watari
27.08.2015
04.08.2017
58
200.043
47
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28.10.2016 4.403
 
Nachdenkend saß Kiara Yoshida wieder an ihrem Platz im Speisesaal des Waisenhauses. Die Worte Nears hallten noch immer in ihrem Kopf, sie war vollkommen in ihren Überlegungen versunken. Die Welt um Kiara herum war nichts weiter als ein farbenfroher Schleier, die Geräusche die an ihre Ohren drangen waren zu einem melodischen Summen geworden. Ihre Gedankenwelt war zu ihrer Realität geworden. Vor ihr sah sie noch immer Near, wie er vor ihr saß und mit seiner weißen Haarsträhne spielte. Seine dunklen Augen studierten sie in jeder Sekunde, so wie Ls es immer taten. Das Glas Organgensaft in ihrer Hand war vollkommen vergessen, stattdessen trommelte sie unentwegt mit den Fingern auf die Tischplatte.
>"Es ist unmöglich, dass Kira all diese Menschen alleine getötet hat. Es sind weit über einhundert Opfer von denen die Staatsgewalt und L weiß. Kira muss einen Helfer haben oder aber eine Kraft die wir uns nicht vorstellen können. Die These lautet: Kira kann nur töten, wenn er den Namen und das Gesicht des Opfers kennt, doch der Tod der Polizisten vor Sakura-TV wiederlegt diese These. Kira hat diese Männer getötet, obwohl er nur ihr Gesicht sehen konnte, das legt nahe, dass er nur das Gesicht benötigt. Es liegt also eine Steigerung vor."<, Nears Worte die sich einmal mehr in ihren Gedanken wiederholten brachten Kiara mehr denn je ins Grübeln. Für sie entstanden ganz neue Perspektiven, an die sie zuvor nicht gedacht hatte. Die junge Schwarzhaarige hatte geahnt, dass eine neue Sichtweise hilfreich sein könnte und sie hatte Recht behalten. Nears Überlegungen brachten das weibliche Pseudonym dazu weiter zu denken als zuvor.
>Einen Helfer oder aber eine Kraft die wir uns nicht vorstellen können... Kein Mensch kann alleine solch eine Tat vollbringen. Kira verfügt über einen hohen Verstand, gleichzusetzen mit dem von L oder mir. Ihm wäre es also zu zutrauen, dass er solche Verbrechen organisiert, allerdings hätte ich davon erfahren. Aber was bedeutet diese Kraft? Soll das etwa heißen, dass Kira übermenschliche Fähigkeiten besitzt? So unwahrscheinlich das auch klingen mag, Kira benötigt nur den Namen und das Gesicht des Opfers um töten zu können... Obwohl, Near sagte, dass er bereits tötet ohne den Namen zu kennen. Kira zwei verfügt also über eine Kraft, die der von Kira überlegen ist. Wie ist das möglich? Variiert diese Fähigkeit etwa von Person zu Person? Und die noch viel wichtigere Frage lautet: Wie viele Menschen besitzen diese Kraft, wenn es sie denn gibt?<
Kiara Yoshida konnte sich nicht einmal ansatzweise an den Gedanken gewöhnen, dass Kira über Fähigkeiten verfügte, die übermenschlich waren. Das sprach gegen alles woran sie glaubte, mit dieser Theorie stellte sie die Naturgesetze in Frage. Die Schwarzhaarige konnte sich nicht vorstellen, dass Mutter Natur zu solch einer Tat im Stande wäre. Mutationen gab es immer irgendwo, aber diese Fähigkeit an die Kiara einfach nicht glaubte, glich göttlicher Kraft. Für die junge Frau war es unvorstellbar, dass soetwas existieren sollte. Viel wahrscheinlicher war, dass Kira all diese Morde vor ihrer und vor Ls Nase organisierte, ohne dass sie etwas davon mitbekamen!
>Nein, ausgeschlossen! Übernatürliche Fähigkeiten gibt es nicht! Das ist alles nur Humbug, vollkommener Unsinn... Kira möchte eine bessere Welt erschaffen, er würde niemals den Preis für solch eine Kraft bezahlen, denn der wäre unausweichlich sehr hoch. Diese Welt ist schon verkommen genug, wir brauchen nicht noch einen Wahnsinnigen der sich für einen Gott hält und die Leute es ihm auch noch glauben. Er muss gestoppt werden und das so schnell wie möglich, aber wie?... Zuerst müssen wir Kira zwei festnageln, durch ihn werden wir wichtige Hinweise auf den ersten bekommen. Und da Kira Nummer zwei nicht einmal halb so intelligent ist, dürfte das kein Problem werden... Trotzdem, bevor ich zurück nach Japan kehre, sollte ich mir noch eine weitere Meinung einholen. Mello wäre wohl die beste Wahl.<
Der bunte Schleier um Kiara herum verschwand und offenbarte den Speisesaal des Waisenhauses für sie. Das melodische Summen wuchs zu einem Stimmegeschwirr von Kindern heran, brachte beinahe ihre Ohren zum bluten. Einen kurzen Moment verzog die junge Schwarzhaarige säuerlich das Gesicht. Dann suchte sie mit gezielten Blicken den Raum ab. Ihre grünen Augen huschten über die Gesichter der Kinder, an einem blieben sie länger hängen als beabsichtigt. Der weißhaarige Near saß ganz entspannt in seiner eigenen Manier an einem Tisch, spielte mit einer seiner Haarsträhnen und beobachtete Kiara. Ab und zu legte er den Kopf schief und fesselte ihren Blick mit seinen. Mit jeder Sekunde in der Kiara ihn musterte und umgekehrt, sah er dem weltbesten Detektiv immer ähnlicher. Nach einer gefühlten Ewigkeit des Starens glitt ihr Blick weiter durch den Raum, doch Kiara fand ihn nicht. Mello war nicht anwesend.
"Suchst du jemanden Bestimmtes?", die glockenhelle Stimme Thunders drang in ihre Ohren und richtete Kiaras Aufmerksamkeit umgehend auf diese. Die Schwarzhaarige hatte nicht einmal mitbekommen wie sich das kleine Mädchen zu ihr gesetzt hatte.
"Mello."
Auf ihre einfache, aber dennoch bestimmte Antwort, wurde eine der schmalen Augenbrauen der Kleinen in die Höhe gezogen. Thunder war neugierig, fragte aber nicht nach. Sie hatte gelernt sich nicht in Keys Angelegenheiten einzumischen.
"Er kommt manchmal nicht zum Essen, dann hängt er meistens in seinem Zimmer herum."
Einen kurzen Moment schaute Kiara die kleine Blonde verwirrt an, sie fragte sich woher sie das nun schon wieder wusste.
"Aha... und wo befindet sich Mellos Zimmer?", ihre ruhig gestellte Frage trieb Röte in das Gesicht der Kleinen.
>Ah! So ist das also. Die kleine Thunder hat sich in den unberechenbaren Mello verguckt. Wusste gar nicht, dass das so früh anfängt.<
Kiara ließ der Blonden ein wenig Zeit um sich zu sammeln. Gelangweilt schaute sie den anderen Kindern zu wie sie redeten und lachten. Es dauerte nicht lange, da vernahm sie die leise, zurückhaltende Stimme Thunders.
"Du weißt wo Nears Zimmer ist?"
Die Schwarzhaarige nickte bestätigend.
"Gut. Von da aus gehst du einfach den Flur entlang, dann biegst du links ab und die zweite Tür rechts ist dann Mellos Zimmer... Aber klopf voher an! Er wird immer sauer, wenn man ungebeten hereinkommt."
Ein letztes Mal richtete Kiara ihren Blick auf Thunder, diese saß mit gesenktem Kopf neben ihr und knetete ihre Hände durch. Sie war ganz verlegen wie die Schwarzhaarige erheitert feststellte. Dann erhob sie sich und verließ schweigend den Saal, Nears Blicke immer im Rücken.
Das Zimmer des Weißhaarigen hatte die junge Frau schnell gefunden, einen kurzen Moment schaute sie sich noch einmal das Chaos an, welches eine Ordnung besaß. Nachdem sie festgestellt hatte, dass sie garantiert nicht geträumt hatte lief sie den Flur weiter entlang, bog links ab und blieb vor der zweiten Tür rechts stehen.
Kiara dachte nicht eine Sekunde daran anzuklopfen, so wie Thunder es ihr geraten hatte, stattdessen betrat sie einfach den Raum und sah sich erst einmal um.
Mellos Reich war stilvoll eigerichtet worden. Der beheizte Fußboden bestand aus dunklem Parkett, welcher beinahe der Ton von Schokolade aufwies. Auf diesem lag ein heller, flauschiger, runder Teppich. Die Wände des Zimmers waren dazu passend hell gestrichen worden, einige Bücherregale waren angebracht, in denen verschiedenste Arten von Literatur zu finden waren. Die ebenso hellen Vorhänge am Fenster waren zurückgezogen und gaben den Blick auf den Garten frei. Das dunkle, große Bett stand unter diesem und war ordentlich zurückgelassen worden. Mellos Schreibtisch war übersichtlich. Weder Papier noch Stifte waren auf diesem zu finden, nur eine kleine Lampe stand darauf. Kiara konnte nicht ein Körnchen Staub ausfindig machen, das Zimmer des blonden Jungen war ordentlich und wirkte beinahe unberührt.
Da die meisten der Kinder bis zur Vollendung des achtzehnten Lebensjahres in dem Waisenhaus lebten, richteten sich die meisten häuslich ein. Es sprach nichts dagegen, dass sie sich an diesem Ort zu Hause fühlten.
Einige wenige Sekunden schaute Kiara sich noch um, Mello war nicht anwesend, sehr zu ihrem Missfallen. Sie seufzte lustlos. Die junge Frau hatte keinerlei Ambitionen den jungen Mann zu suchen und so begab sie sich übel gelaunt auf den Rückweg in den Speisesaal. Vielleicht konnte ihr Thunder weiter helfen. Doch soweit kam die Schwarzhaarige erst gar nicht, denn auf halber Strecke kam ihr der rothaarige junge Mann entgegen, der des öfteren an Mellos Seite verweilte. Er sah Kiara nicht einmal an, er schaute nur gelangweilt in der Gegend herum.
>Wie hieß er noch gleich? Marco, Mark, Michael, Matt?... Matt!<
Die junge Frau beschloss den jungen Burschen zu fragen, wo sein Freund sich aufhielt. So stellte sie sich ihm einfach in den Weg und schaute ihn abwartend an.
"Hallo Matt, sag wo steckt Mello?"
Der Rothaarige runzelte die Stirn.
"In seinem Zimmer.", sein Tonfall gefiel ihr nicht. Er klang scheinheilig und zu freundlich. Kiaras Antwort fiel nicht ganz so nett aus. Ihre Augen begannen gefährlich zu funkeln und ihr Körper spannte sich an. Wie ein hungriges Raubtier betrachtete sie den Jungen vor sich.
"Letzter Versuch, Idiot."
"Warum denn so gereitzt?... Schon gut, sieh mich nicht so an. Wenn er nicht in seinem Zimmer ist, dann ist er wahrscheinlich in der Garage oder im Trainingsraum.", die Worte Matts hörten sich nach der Wahrheit an, seine Körpersprache sagte der jungen Frau ebenfalls, dass er die Wahrheit sprach. So entspannte sie sich wieder und lächelte ihm freundlich zu.
"Dankeschön."
Einen verdutzten Matt hinter sich lassend begab Kiara sich zu der Garage des Waisenhauses. Das erste was ihr auffiel, als sie durch die riesige Eingangstür von Wammys House trat war, dass sie sich besser eine Jacke angezogen hätte. Der eisige Wind trieb den leichten Nieselregen Großbritanniens auf ihre Haut und verursachte somit eine schaurige Gänsehaut. Die junge Frau fing an zu zittern. Mit ihrer dunklen Jeans und dem einfachen blauen Shirt war sie dem Wetter hilflos ausgeliefert, wie eine Maus in einem Käfig mit einer Katze. So schnell es ihr möglich war betrat sie die Garage, in der es nicht sehr viel wärmer war als an der frischen Luft.
Die Schwarzhaarige betete für Matts Gesundheit, dass er sie nicht doch irgendwie hintergangen hatte. Sie würde ihm Feuer unter´m Hintern machen, wenn dem so war.
Ihre grünen Augen suchten den Raum ab, sie glitten prüfend über die Autos und einige Fahrräder, an ihrem Motorrad blieb ihr Blick dann schließlich hängen.
Der blonde Mello hatte sich entspannt gegen die schwarze Maschine gelehnt und knabberte an seiner Schokolade. Seine blauen Augen blieben dabei immer mal wieder an einem Detail des Gefährts hängen und analysierten es genau. Das Motorrad schien ihm zu gefallen.
>Das habe ich mir schon irgendwie gedacht. Der Gute ist nicht der Typ für Autos.<
Der jungen Schwarzhaarigen kam es ganz gelegen, dass sie etwas mit Mello gemein hatte. Darauf konnte sie aufbauen. Denn nährern Kontakt zu diesem Jungen herzustellen war ein Unterfangen, welches die meisten schnell wieder aufgaben. Mello war schwierig, oft sehr schweigsam und im nächsten Moment brodelte er vor Emotionen über. Wenn Kiara genauer darüber nachdachte, dann glichen sie sich wohl mehr als zuvor gedacht. Allerdings schien er ihr in einer Sache voraus zu sein, der Blonde hatte daran gedacht eine Jacke anzuziehen.
So leise wie es ihr möglich war, trat sie von hinten an den Jungen heran. Er hatte sie noch nicht bemerkt.
"Ich habe mir schon gedacht, dass dir mein Motorrad gefällt."
Das weibliche Pseudonym beobachtete zufrieden wie der junge, blonde Mann erschrocken zurückwich und herum wirbelte. Seine geweiteten, blauen Augen musterten sie überrascht. Doch keine Sekunde später hatte Mello sich wieder unter Kontrolle und Kiara konnte sehen, wie er genervt die Augen verdrehte.
"Was willst du von mir, Key?"
"Deine Ansichten über Kira hören, Mello. Near habe ich schon angehört, seine Sicht der Dinge waren interessant und sehr hilfreich. Ich bin gespannt, was du dazu zu sagen hast."
"Tzzz. Verschwinde ich will meine Ruhe haben.", seine patzige Antwort brachte die junge Frau beinahe zum lachen, doch sie beherrschte sich. Stattdessen war es nun an ihr, die Augen genervt zu verdrehen. Sie wusste, dass sie diesen Jungen zum reden bringen konnte, er war nicht Near.
"Na schön, wie wäre es damit? Wir beide veranstalten ein kleines Sparring, ich bin nämlich davon überzeugt, dass du ein sehr guter Kämpfer bist. Sollte ich gewinnen, dann redest du und beantwortest mir jede Frage die ich dir stelle. Gewinnst du, dann..."
"Lässt du mich in Ruhe und ich bekomme dein Motorrad.", unterbrach der Blonde sie sofort und biss demonstrativ von seiner Schokolade ab. Von der Forderung war die Schwarzhaarige ein wenig überrascht. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Mello ihr Motorrad verlangen würde, die junge Frau hing ein wenig an der schwarzen Maschine, aber ihr sollte es nur Recht sein.
>Wie heißt es so schön: No risk, no fun.<
Kiara lächelte leicht, sie wusste, Mello würde es ihr nicht einfach machen. Somit drehte sie sich herum und begab sich zum Ausgang der Garage.
"Deal. Wir treffen uns in einer Stunde im Trainingsraum, wir möchten hier doch nichts kaputt machen."

Eine Stunde später hatte Kiara sich im Trainingsraum eingefunden, von Mello fehlte jede Spur. Sie nutzte die Zeit um sich ein wenig umzusehen. Viel hatte sich nicht verändert, wie die junge Frau feststellte. Der große Raum war ausgestattet mit verschiedenen Sportgeräten wie Springböcken und Hürden, die die Kinder überspringen mussten. Seile hingen von der Decke hinunter, an denen man sich hochziehen musste. An den Wänden waren verschiedene Kletterstangen und eine Kletterwand angebracht worden. Basketballkörbe und Sandsäcke konnte die junge Schwarzhaarige ebenfalls sehen.
Kiara wusste, dass in diesem Raum nicht nur Sport, sondern auch Selbstverteidigung unterrichtet wurde und für diejenigen die sich dafür interessierten auch Kampfsport. Die meisten der Kinder benötigten oft eine Ablenkung vom Alltag um sich entspannen zu können, meistens wurde dafür der Trainingsraum genutzt.
Auf jedem Stundenplan stand in der Woche zwei Mal Sport für je zwei Stunden. Es war Pflicht und konnte nicht umgangen werden, auch wenn viele der Kinder des Waisenhauses lieber Schach oder Klavier spielten.
Nachdem das weibliche Pseudonym sich genug umgesehen hatte setzte sie sich auf den Boden. Mello hatte es immer noch nicht für nötig befunden endlich zu erscheinen. Kiara ärgerte das ein wenig. Sie wusste, dass er das mit Absicht tat und die junge Frau war allmählich genervt von der Waterei. Der einzige Vorteil an seiner Verspätung war, dass Kiara einige Minuten Ruhe hatte, so konnte sie ganz entspannt die Augen schließen und warten.
Zehn Minuten später öffnete sich dann endlich die Tür zu der Sporthalle und ihr Kontrahent trat ein. Kiara lächelte leicht und erhob sich langsam. Eine Stichellei konnte sie sich aber nicht verkneifen.
"Ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr aus Angst zu verlieren."
Keine halbe Sekunde später traf sie Mellos wütender Blick, hätte er damit töten können, wäre Kiara nichts weiter als ein Häufchen Asche gewesen. Statt sich darüber zu Ärgern, stichelte die junge Frau weiter. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht blickte sie ihm entgegen.
"Du hast ne große Klappe, Key! Aber mehr steckt da auch nicht hinter!"
"Hu? Glaubst du das tatsächlich, Mellochen?", ihre Provokation zeigte Wirkung. Wäre Mello L gewesen oder aber vielleicht Near, dann wäre diese ignoriert worden oder man hätte ihr nur einen desinteressierten Blick zugeworfen. Aber Mello war keiner von beiden und das erfreute Kiara mehr als alles andere. Der Kopf des Blonden wurde schlagartig rot vor Zorn und seine blauen Augen funkelten ihr gefährlich entgegen.
>Spiel, Satz und Sieg.<
Lange Zeit hatte sich das weibliche Pseudonym nicht mehr so wohl gefühlt. Es war kein L anwesend der sie verwirrte und gleichzeitig auf die Palme brachte. Kein Watari der sie tadelnd ansah, wenn sie seiner Meinung nach etwas Falsches getan hatte und es war kein Light Yagami in Sicht, der sie so wütend machte. Nein, da waren nur Mello und sie.
"Du blöde Kuh! Du wirst gleich dein blaues Wunder erleben!", seine vor Wut zitternde Stimme schüchterte Kiara in keiner Weise ein. Der Junge hatte sich wütend vor ihr aufgebaut und überragte die junge Frau um einige Zentimeter. Dass er größer war als Kiara überraschte sie nicht. So ziemlich jeder war größer als sie.
Die Schwarzhaarige konnte nicht mehr an sich halten und kicherte los. Bis zu diesem Zeitpunkt gefiel ihr das ganze mehr oder weniger.
"Werde ich das, ja?...Weißt du, ich glaube nicht.", ihre belustigte Stimme schien den Damm in Mello hinfort zu reißen. Mit einem wütenden Aufschrei begann er den Kampf. Unerbittlich schlug er auf die junge Frau ein, doch jeden seiner Schläge, die er in seiner Wut unüberlegt setzte, parierte Kiara mit einer Leichtigkeit die den jungen Mann nur noch mehr zu verärgern schien. Doch lange blieb es nicht so, Mello hatte nach der ersten Minute seine Wut, seinen Zorn, soweit abgebaut, dass er raffinierter vorging. Er benutzte seinen Kopf und analysierte ihre Bewegungen, sodass er sie nach einiger Zeit dazu brachte ihre Verteidigung fallen zu lassen und selbst anzugreifen. Ein heftiger Schlagabtausch folgte, die junge Schwarzhaarige wehrte einen Schlag auf ihr Gesicht ab und versetzte ihm mit ihrem linken Bein einen kräftigen Tritt in den Magen. Mello nahm Abstand zu ihr und atmete einen Moment tief durch. Ihr Grinsen, welches einfach nicht aus ihrem Gesicht verschwinden wollte, machte den Blonden wieder wütend. Kiara hatte nicht vor, mit dem anstacheln aufzuhören. Ihrer Meinung nach war Mello ein sehr geschickter Kämpfer, doch er ließ sich zu sehr von seinen Gefühlen leiten.
"War das etwa schon alles, Mello?! Ich habe mehr erwartet!", ihre Worte schienen ihn immer wütender zu machen. Kiara konnte ganz genau sehen wie sich ein Schalter in ihm umlegte. Er vergaß seine Strategie und stürmte wieder wütend auf sie zu. Die junge Frau duckte sich unter seinem Schlag hinweg und fegte ihm die Beine mit einer schnellen Drehung weg. Der Blonde fiel zu Boden, doch er brauchte nicht lange und zog Kiara am Arm zu sich herunter. Überrascht landete sie neben ihm, schüttelte kurz ihren Kopf um wieder klar zu werden und sprang dann gerade noch rechtzeitig auf. Sein Tritt hätte ihren Kopf erwischt. Ein halber Meter trennte die beiden voneinander.
Lächelnd strich sich der blonde, junge Mann seine Haare zurück.
>Interessant. Seine Gefühle kochen sehr schnell über, aber genauso schnell hat er sie wieder unter Kontrolle.<
Ihre analytischen Fähigkeiten konnte das weibliche Pseudonym sogar während eines Kampfes nicht abstellen. Sie halfen ihr, ihren Gegener besser zu verstehen.
"Ich habe mich genug aufgewärmt, Key. Wenn du möchtest, können wir dann anfangen."
Mello ließ ihr nicht einmal die Zeit um antworten zu können. Mit einer Geschwindigkeit, wie Kiara sie selten gesehen hatte, schoss er auf sie zu und verwickelte sie erneut in einen heftigen Schlagabtausch. Doch dieses Mal war er anders. Mello setzte seine Schläge abgestimmt und parierte ihre nicht zu spät. Kiara hatte einige Schwierigkeiten, wie sie bereits vermutet hatte, war er ein sehr guter Kämpfer und noch besser, wenn er sich unter Kontrolle hatte. Dieser Kampf machte ihr Spaß.
Nach einiger Zeit bekam der Blonde ihren Arm zu fassen, die junge Frau bekam nur halb mit wie er sie um sich schleuderte und zu Boden warf.
>Verdammt, jetzt wird es aber ernst.<
Die Schwarzhaarige wusste, dass sie nun aufpassen musste. Langsam stand sie auf und nahm ein wenig Abstand zu Mello. Sie hatte nicht vor, dass jemand bei diesem Sparring starb oder ernsthaft verletzt wurde, aber verlieren wollte sie auch nicht.
Mello schien sich bereits seines Sieges sicher zu sein, denn ein überhebliches Grinsen hatte sich auf seinem Geischt ausgebreitet.
"Was habe ich dir gesagt, Key?"
Kiara seufzte genervt.
"Du glaubst du hast gewonnen? Mello, nur weil ich einmal am Boden lag, heißt das nicht, dass ich aufgebe. Über das Ende ist noch nicht entschieden."
Vorsichtig, wie eine Löwin auf der Pirsch, ging die junge Frau auf Mello zu. Sie wusste, es war ihr letzter Angriff. Den Zeitpunkt passte sie perfekt ab und dann geschah es auch schon. Ohne ein Vorzeichen zu geben, packte sie den Jungen bei den Armen und tauchte unter ihm hinweg. Mello vollzog einen Überschlag und fiel zu Boden. Als er sich aufrichten wollte, machte Kiara ihm einen Strich durch die Rechnung. Die junge Frau hatte einen ihrer Füße auf seine Brust gestellt und drückte ihn nieder.
"Bleib liegen. Der Kampf ist entschieden."
"Nichts ist entschieden! Denkst du tatsächlich, dass ich mich von dir am Boden halten lasse?!", sein wütender Ausruf drang in jede Ecke der Turnhalle. Aus Sicherheitsgründen verstärkte Kiara den Druck auf seiner Brust und nagelte ihn somit weiter am Boden fest. Ihr Blick, dem sie ihm zuwarf, war eindeutig. Sie hatte genug und würde keinen Widerspruch dulden.
"Finde dich damit ab, dass ich gewonnen habe. Ein Deal ist ein Deal, Mello. Außerdem möchte ich ernsthafte Verletzungen vermeiden, es reicht schon, dass du mir vorhin beinahe den Arm gebrochen hast! Du kannst dich glücklich schätzen, dass er vermutlich nur angeknackst ist."
Mello knurrte nur als Antwort, er war wütend, doch er schien sich zu fügen. Langsam zog Kiara ihren Fuß zurück und nahm Abstand. Sie wusste das Mello eine Zeitbombe war. Dieser richtete sich ein wenig verspannt auf und musterte Kiara mit einem ruhigen, berechnenden Blick.
"Was interessiert dich eigentlich meine Meinung zu Kira? Du bist doch Key und du arbeitest mit L zusammen, deine Informationen über diesen Mörder sind treffender als unsere."
Die junge Frau war einmal mehr überrascht, wie schnell Mello sich beruhigen konnte. Seine Frage brachte sie zum lächeln.
"Ganz einfach, Mello. L und ich könnten von vollkommen falschen Aussagen und Annahmen eingenommen sein. Es ist daher nur reine Logik die Meinung anderer einzuholen. Auch wenn das bedeutet, dass L mich hierfür strafen wird. Ich nehme das bereitwillig in Kauf, weil ich mir sicher bin, etwas zu übersehen."
Ihre Antwort auf seine Frage schien Mello zu genügen, denn er entspannte sich umgehend und machte sich daran den Trainingsraum zu verlassen.
"Ich werde mich der Bedingung fügen, die du gestellt hast. Ein Deal ist ein Deal."
Da der Blonde anscheinend ungestört reden wollte, führte er Kiara in sein Zimmer. Dort angekommen schnappte er sich eine Tafel Schokolade von einem Regal und schmiss sich auf sein Bett. Kiara nahm auf dem flauschigen Teppich davor platz.
"Schieß los, was willst du wissen?"
Die junge Frau reichte ihm das selbe Beweisstück, welches sie auch Near gezeigt hatte.
"Sag mir, was du hiervon hälst."
Kaum hatte das Papier seine Finger berührt, hob er es auch schon vor sein Gesicht. Es war ruhig im Zimmer und es blieb ruhig. Kiara konnte gar nicht sagen, wie lange Mello das Papier anstarrte, da ließ er es auch schon zu Boden segeln und schwieg weiterhin eisern. Er dachte nach.
Kiara gab ihm Zeit, das Beweisstück wanderte in ihre Hosentasche zurück.
"Kira scheint verrückt zu sein, wenn du mich fragst. Shinigamis? Kein Mensch würde sich ausdenken, dass Shinigamis Äpfel essen. Vielleicht hat er ja Wahnvorstellungen. Allerdings glaube ich daran nicht. Sein Handeln zeugt von hoher Intelligenz. Wenn er Wahnvorstellungen hätte, würde man das bemerken. Naheliegend ist, dass er L damit einen Dämpfer verpassen wollte."
"Sonst noch etwas? Ich habe mehr erwartet."
"Nein."
"Mello! Glaubst du tatsächlich, dass du mich verarschen kannst? Raus mit der Sprache."
Der Blonde drehte seinen Kopf zu ihr, sodass Kiara sein breites Grinsen sehen konnte. Ihr strenger Blick schien ihn nicht im geringsten zu stören, vielmehr erfreute er sich daran.
"Du bist ja doch besser, als ich gedacht habe. Und ich war zuerst der Meinung, dass L dich nur wegen deiner Schönheit um sich haben möchte."
"Pass auf was du sagst, Mello.", ihre zornige Stimme ließen ihn wieder ernst werden. Der Junge wusste ganz genau wie weit er bei ihr gehen konnte. Eine Tatsache, die Kiara verärgerte.
"Aus dem Satz, den Kira L zukommen ließ, schließe ich, dass Kira eventuell jemanden an seiner Seite hat, der all diese Morde verübt. Es ist unmöglich, dass er das alles alleine organisiert. Er muss also Helfer haben oder aber eine Kraft, die wir uns nicht vorstellen können. Letzteres halte ich jedoch für unwahrscheinlich."
"Ja, sowas in der Art hat Near auch gesagt. Und was sagst du dazu, dass Kira töten kann, indem er nur den Namen und das Gesicht des Opfers kennt?"
"Das lässt mich das mit der Kraft vermuten... Kira muss den Namen und das Gesicht kennen, Kira zwei benötigt nur noch das Gesicht. Es liegt also eine Steigerung vor. Allerdings ist Kira immer noch der gefährlichere der beiden, er ist intelligenter.", seine ruhigen Worte brachten Kiara erneut zum lächeln. Seine Art zu denken unterschied sich nicht großartig von ihrer oder Ls oder Nears. Es war ganz eindeutig, warum er als Nachfloger von L im Gespräch war.
"Danke, Mello.", mit diesen Worten erhob die junge Frau sich und verließ das Zimmer. Sie war überrascht wie ruhig das Gespräch verlaufen war, damit hatte sie nicht gerechnet. Doch der Blonde schien sich prinzipiell an Abmachungen zu halten, so wie es Kiara tat.
>Gut, damit wäre mein Aufenthalt hier ab jetzt überflüssig. Ich sollte Roger davon in Kentniss setzten, dass ich abreise. Aber vorher muss ich ins Krankenhaus.<
Ohne große Umwege begab die Schwarzhaarige sich in das Büro des Älteren, die Kinder die ihr auf ihrem Weg begegneten ignorierte sie.
Ohne anzuklopfen, so wie Roger es von ihr gewohnt war, trat sie in sein Büro. Dieser schaute überrascht auf und runzelte die Stirn als er Kiara erblickte. Die junge Frau konnte sich denken wieso. Die Spuren des Kampfes mit Mello mussten immer noch zu sehen sein. Ihre Haare hingen halb aus ihrem Zopf und ein wenig Schweiß musste noch immer an ihrer Stirn kleben.
Ohne dem Älteren Zeit zu lassen Fragen zu stellen, öffnete Kiara ihren Mund um zu sprechen.
"Hallo Roger, ich hoffe ich störe nicht. Könntest du mich netterweise ins Krankenhaus fahren?"
"Möchte ich wissen, wieso du dort hin musst?", seine scharfe Stimme jagte Kiara einen unangenehmen Schauer über den Rücken.
"Ich bin beim Training hingefallen und habe mir den Arm irgendwie angeknackst. Manchmal bin ich ein wenig tollpatschig, wenn ich übereifrig bin."
Eine bessere Lüge war der jungen Schwarzhaarigen nicht eingefallen, doch dem Leiter des Waisenhauses schien diese Antwort zu genügen. Ihr war es lieber, wenn er nichts von ihrem Kampf mit Mello erfuhr.
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