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Kleiner Engel

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Akashi Seijūro Kuroko Tetsuya
27.08.2015
24.11.2017
58
95.885
26
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Dieses Kapitel
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01.04.2017 1.521
 
Kuroko POV

Es war zum verzweifeln. Akashi war nun aus dem OP raus, schien zu leben und ich saß bei ihm. Doch er wachte nicht auf. Der Arzt hatte mir erklärt, dass er nun Ruhe brauchte und unter Einfluss von starken Schmerzmitteln stand. Ich wusste, er würde so schnell nicht wieder aufwachen, doch es schmerzte ihn so zu sehen. Zu wissen, dass ich all dies zu Verantworten hatte.
Ich seufzte und nahm einen weiteren Schluck von dem unausstehlichen Kaffee der hier im Krankenhaus ausgeschenkt wurde. Ich konnte bloß hoffen, dass er bald wieder aufwachte.
„Was seufzt du denn so?“
Schreckhaft blickte ich auf. In die belustigten, aber schwachen, Augen von Akashi. Seine Augen. Seine wunderschönen Augen, die ich liebte.
„Akashi!“, rief ich aus und wollte ihm um den Hals fallen. Doch ich hielt mich zurück. Ich wusste nicht, wie ich mich fühlen sollte. Erleichtert, Schuldig, Angewidert oder unglaublich Glücklich? Ich war so verwirrt.
„Der einzig wahre“, sagte er monoton und richtete den Blick zur Decke. „Du hast dich also doch dafür entschieden, mich am Leben zu lassen“
Ich schwieg. „Nein“
„Und doch?“
„Ich habe nicht entschieden. Weder für noch gegen dich. Ich habe mich dazu entschieden noch ein wenig Zeit zu brauchen.“, entgegnete ich und fuhr mir durchs Haar.
„Zugegeben, das war keine Antwort die ich erwartete hatte.“
„Was hast du denn erwartet?“
„Nunja. Ich dachte, du wärst dir, nach all den Jahren, endlich sicher.“
„Offensichtlich nicht“
„Offensichtlich“, wiederholte er gelassen. „Doch dann frage ich mich, warum du überhaupt noch hier bist.“
„Ich muss Schaden begrenzen“
„Wie süß“
„WAS ist süß?“, fragte ich leicht gereizt.
„Schwer zu sagen, was nicht süß ist. Aber ein bisschen enttäuschst du mich, Kuroko“
Ich enttäuschte ihn? „Inwiefern?“
„Ich wünschte mir du wärest entschlossener.“
Im Moment obsiegte Wut. „Ich lass mir nicht von einem halbtoten Arsch sagen, was ich bin oder sein sollte!“
„Du irrst dich“, sagte er ruhig und sag mich wieder an. „Ich bin der einzige der das kann“
„Woher nimmst du dir das Recht -“
Er unterbrach mich. „Du hast es mir gegeben. Kuroko, in dem Moment, als du mir den Tod erspart hast. Ich bin die einzige Person die das zu dir sagen darf.“
Ich schwieg. Dieser arrogante -
„Es tut mir leid, Kuroko. Aber ich würde mir wünschen, wir müssten dieses Gespräch nicht führen.“
„Dann beantworte mir meine Fragen“
„Meinst du wirklich, jetzt ist die richtige Zeit dafür?“
„Ich hatte nicht vor, wieder her zu kommen, also ja. Ich bin mir sicher. Eine andere Zeit gibt es nicht“
„Erinnerst du dich, Kuroko?“
„An was sollte ich mich denn erinnern?“
„An das letzte mal, als ich im Krankenhaus war“
„Wieso kommst du mir jetzt damit?“
Er schwieg. „Frag“, seufzte er.
„Warum hast du dich mir so schnell ergeben? Wolltest du etwa sterben? Du bist ohne Waffe aufgekreuzt“
„Du kennst meine Antwort“, entgegnete er nur.
„Ich verstehe aber nicht warum!“
Akashi sah aus dem Fenster. Ihm schien es nicht sonderlich gut dabei zu gehen. Angesichts der Tatsache, dass er gerade so Überlebt hatte war dies auch nicht verwunderlich.
„Kuroko, ich werde es dir nicht sagen.“
„Warum nicht?“, fragte ich perplex.
„Weil ich weiß, dass du meine Antwort nicht hören willst. Geh jetzt. Bitte“
„Nein! Ich will eine Antwort. Jetzt“
Akashi feuerte einen Blick auf mich ab, der das Blut in meinen Adern gefror. „Geh“
Ich knickte ein. Langsam erhob ich mich von meinem Stuhl und warf den leeren Kaffeebecher in den Mülleimer.
„Ich werde wieder kommen“, sagte ich.
„Ach ja?“, sagte er nur schwach.
„Morgen. Und wehe du bist dann nicht mehr hier“
„Was willst du machen? Mich töten?“ Ein kehliges Lachen entsprang seiner Kehle. „Das kannst du nicht.“
„Sei nicht so überheblich“, warte ich ihn.
„Bin ich nicht. Ich bin realistisch. Du willst Antworten. Nunja ich bin der einzige der sie dir geben kann. Würdest du mich töten, wäre das ein Schuss ins eigene Knie.“ Mein einem Anflug eines Lächelns strich er sanft über den Verband über der Schusswunde in seinem Bein.
„Eine Frage musst du mir beantworten“, sagte ich, als ich an der Tür stand.
„Schieß los“
„Wieso wirkte es so als würdest du keinen Schmerz spüren, als ich dir ins Bein geschossen habe?“
Nun war wirklich ein Lächeln auf seinen wunderschönen, grässlichen Lippen die ich über alles liebte und abschneiden wollte. „Ich habe die letzten Jahre einen Schmerz gespürt, der alles andere übertraf. Ich lebte dauerhaft in Schmerzen. Da macht das eine mehr auch nichts mehr. Man lernt damit umzugehen.“
Ich verweilte kurz an der Tür und warf einen letzten Blick auf ihn. Dann nickte ich kurz und begab mich nach draußen.
Was tat ich nur? Erst verbrachte ich Stunden an seinem Bett und wartete, dass er aufwachte. Und jetzt lief ich davon? Ich war so ein Idiot. Aber nun gab es kein Zurück mehr... oder?
„Ach verdammt!“, fluchte ich und stürmte zurück ins Zimmer.
Akashi schien nicht verwundert zu sein. „Hast du was vergessen?“, fragte er kühl.
Ich nickte und ging zu ihm. „Etwas ganz wichtiges“, antwortete ich.
Ich beugte mich rasch zu ihm runter und küsste ihn.
Er erwiderte ihn nicht, wehrte sich aber auch nicht.
Als ich mich von ihm löste sah ich ihm tief in die Augen. „Ich hasse dich Akashi“
„Ich weiß“, antwortete er nur und blickte zurück.
Ich richtete mich wieder auf und ging. Diesmal ging ich wirklich.
Ich ging hinaus, in die Kalte Welt. Ich zündete mir eine Zigarette und und zog den heißen Rauch in meine Lungen. Ich liebte Akashi immer noch. Doch ich hasste ihn gleichermaßen. Ich war so verwirrt. Ich wusste nicht mehr weiter. Mein Leben war so georndet, als er gegangen war. Zugegeben, er hat ein tiefes Loch zurückgelassen, was ich durch nichts füllen konnte. Aber ich hatte Macht über mich. Ich hatte Kontrolle. Und nun, da er wieder in mein Leben getreten war, entfiel mir die Kontrolle. Nun hatte er sie. So wie er sie immer hatte. Langsam beschlich mich das Gefühl, selbst als er nicht da war... er hatte selbst da die Kontrolle über mich. Er hatte entschieden zu gehen. Er hat es kontrolliert. Das hat er immer getan. Und das würde er immer tun.
Seufzend drückte ich meine Zigarette aus und ging zu meinem Auto. Ich musste noch die blutbeschmierte Kleidung loswerden. Ich stieg also ins Auto und führ zu einer Mülldeponie. Hier würden ein, zwei Teile mehr nicht auffallen.
Danach fuhr ich nach Hause und trank einen Tee. Earl Grey, wie jeden Tag. Es war früh am morgen, circa 6 Uhr. Ich war weder müde noch... noch was? Das einzige was ich fühlte war leere und Schmerz. Unvorstellbarer Schmerz. Doch das schlimmst war, dass ich mir nicht sicher war, warum ich diesen Schmerz verspürte. Tat es weh weil Akashi wieder aufgetaucht war oder weil ich nicht bei ihm war? Ich wusste es nicht. Ich hatte das Gefühl ich wüsste nichts mehr. Alles war so unvorstellbar kompliziert. So komplex.
In der Nacht legte ich mich ins Bett und starrte an die Decke. Ich wusste, ich musste schlafen. Ich musste morgen früh aufstehen. Ich musste zur Arbeit. Ich musste einkaufen, ich musste zu Aka-
Musste ich?
'Du musst', setzte eine kleine Stimme ein, die ich seit Jahren nicht mehr gehört hatte.
„Warum?“, fragte ich sie.
'Weil du ihn brauchst', antwortete sie amüsiert.
„Wofür sollte ich ihn brauchen? Um mein Leben erneut zu zerstören?“
'Um dich zu retten', sagte die Stimme ruhig und ohne hast.
„Vor wem?“
'Vor dir'
„Ich bin ganz gut ohne ihn und dafür mit mir klargekommen. Jahrelang. Wieso sollte ich ihn plötzlich brauchen?“
'Um glücklich zu werden. Vollkommen.'
„Ich bin...“
'Du bist was? Vollkommen? Lüg dich selbst nicht an' Die Stimme lachte. Ein Lachen, bei dem mir ein Schauer über den Rücken lief.

Das Lachen verweilte bis zum Morgen. Dauerhaft. Ekelerregend. Ich hatte nicht geschlafen, doch das war okay. Ich war es gewohnt. Es war nicht anders, als Akashi nicht da war. Ich konnte nächtelang nicht schlafen, weil der pure Gedanke an ihn meine Sinne vergiftete und mich lähmte.
Ich musste zugeben, die Stimme hatte Recht. Ich brauchte Akashi. Mehr als ich mir eingestehen wollte, doch die Wahrheit war unvermeidlich. Ich liebte ihn. Ich wusste das. Er wusste das auch. Er... Akashi... mein rothaariger Teufel. Doch langsam war ich mir nicht mehr so sicher ob ich noch sein Engel sein konnte. Ich hatte zu viele Federn verloren. Die meisten, als er nicht da war. Mein weißes Gefieder war blutbefleckt, zerrupft und geschändet. Ich war nicht mehr ich. Ich war jemand anders. Der Engel war tot und an seiner Stelle trat ich, ein undefinierbares Wesen voller Hass und Gewalt. Ein Wesen, was seinen Platz noch nicht gefunden hatte. Ich war... ein Wesen. Nicht gut, nicht böse. Einfach nur existent.
Seufzend blickte ich aus dem Fenster und atmete die kühle Morgenluft ein. Sie durchströmte meine Lungenflügel und versorgte mich mit Sauerstoff.
Ich beschloss Akashi heute erneut im Krankenhaus aufzusuchen und mit ihm zu reden. Ich blickte auf die Uhr, Es war noch früh, doch ich vermutete, dass er schon wach war. Also machte ich mich auf den Weg und brachte frische Donuts und Teilchen mit.
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