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Kleiner Engel

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Akashi Seijūro Kuroko Tetsuya
27.08.2015
24.11.2017
58
95.885
26
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Dieses Kapitel
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26.02.2016 1.449
 
Akashi POV

Der vertraute Geruch von Schießpulver stieg mir in die Nase. Kuroko schob mich weiter in den Raum hinein und sah sich mit großen Augen um. Er schien noch nie in seinem Leben einen Schießstand gesehen zu haben. Die Bahnen waren jeweils separiert durch hölzerne Sichtschutzwände. An jedem dieser Wände hing ein paar Ohrenschützer. Die Bahnen erstreckten sich ca. 50 Meter nach hinten, wo zielscheibenartige Menschliche Umrisse auf Papier gedruckt hingen und darauf warteten, durchlöchert zu werden.
Ein breit gebauter Mann, voll tätowiert und durchtrainiert stand, mit einem der Ohrenschützern um den Hals und einer Waffe in der Hand, an einem der Schießstände und sah zu uns herüber.
„Hey Tank“, begrüßte ich den Mann.
„Akashi-sama“, entgegnete er mit seiner tiefen stimme. „Was kann ich für dich tun“
Ich war ihm unendlich dankbar dass er meine Verfassung einfach komplett ignorierte. „Ich will, dass du ihm hier das schießen beibringst“, sagte ich kurz angebunden und deutet mit einer Handbewegung auf Kuroko. Dieser machte sich immer kleiner, als schien ihn alles hier einzuschüchtern.
„Dem da, also“, sagte er leicht abfällig und nickte zu Kuroko.
Ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu. Ein kaum merkliches Schlucken war zu sehen. Sein Adamsapfel zuckte nervös und sein Verhalten gegenüber Kuroko änderte sich schlagartig.
„Was für 'ne Erfahrung hat er schon?“, fragte er an mich an.
„Absolut keine“, antwortet ich wahrheitsgemäß.
Tank fuhr sich über den kahl rasierten Kopf. Kleine Schweißperlen glänzten auf dessen Oberfläche. „Nun gut“, seufzte er und hing die Ohrenschützer an den dafür vorgesehenen Harken. Dann drehte er sich um und schritt zu einer Art Tresen. Er legte die geraden von ihm verwendete Waffe zu den anderen und ließ den Blick darüber gleiten. „Dann wollen wir mal anfangen“
Ich deutete Kuroko sich zu Tank zu begeben und er gehorchte. Brav ging er rüber zu dem großen Mann und hörte seinen Anweisungen geduldig zu. Zwischendurch nickte er.
Ich rollte mich währenddessen zu dem Kaffee Automaten und ließ einen minderwertigen heißen Kaffee in einen Pappbecher laufen. Ich nahm die heiße Flüssigkeit und beobachtete Tank und Kuroko wie sie sich eine Waffe aussuchten und zu üben begannen. Dies gab mir ein wenig Zeit. Ich musste nachdenken.
Mir fiel es schwer rational zu denken wenn Kuroko dabei war. Es war mir fast unmöglich. Diese unbekannten Gefühle und Regungen vergifteten meinen Körper. Obwohl 'vergiften' wohl der falsche Ausdruck wäre. Es war ja nicht so, als würde es mir nicht gefallen. Es war einfach alles immer noch so ungewohnt. So neu. Ich bekam das alles immer noch nicht ordentlich zusammen. Es war für mich verdammt schwierig. Damals, als das alles anfing, war es für mich eigentlich nie vorgesehen, dass es so weit kommt. Es war eher ein Verlangen nach ihm was mich dazu gebracht hatte, all diese Dinge zu tun. Ein, bis dahin mir unbekanntes, Verlangen, welches mich in diesem Moment durchströmte, ließ mich ihn bei mir aufnehmen und ihn umsorgen. Alles, was daraufhin geschah, war vollkommen unbeabsichtigt. Ich war darauf nicht vorbereitet. Ich konnte Beziehungen führen, wenn ich den anderen nicht liebte. Das hatte ich schon oft genug getan. Es war einfach, solange man sich nur auf Sex konzentrierte. Da war es einfach nur das Körperliche. Es war simpel. Unkompliziert. Aber sobald Gefühle ins Spiel kamen wurde es ein Tanz aus Schmerz, Trauer und unbändiger Freude. Für mich war es immer zu Riskant. Gefühle beeinflussten einen und verhinderten das rationale denken. Ich bekam es gerade leibhaftig zu spüren was solche Regungen bewirken konnten. Es jagte mir eine unbändige Angst ein, wenn ich daran dachte, Kuroko in meinem Umgang zu sehen. Mit einer Waffe umgeben von Männern, die ihn alle mit einem kleinen Schnipsen töten könnten. Es war furchtbar, doch der Gedanke brannte sich in mein Bewusstsein und machte es mir unmöglich weiter einen klaren Gedanken fassen zu können.
Ich schüttelte den Kopf, als würde diese den Gedankengang vertreiben, der mein Hirn verpestete. Ich trank einen Schluck von dem scheußlichen Kaffee. Meine Geschmacksknospen zogen sich bei dem widerlichen Geschmack des lauwarmen und wässerigen Getränks zusammen.
Schuss. Ich blickte zu Kuroko der nun in einer der Schießständen stand und mit der Waffe seinen ersten Schuss gelöst hatte. Dieses Bild von ihm verstörte mich. Es war so... unnatürlich. Es machte mir bewusst, in welche Welt ich ihn gebracht hatte. In welche Welt ich in zwängte. In meine abartige, abscheuliche, gefährliche Welt. Ich realisierte, dass das genau das war, was ich immer vermeiden wollte. Ich wollte, dass er in Sicherheit war. Ich wollte das er Geborgen war. Ich wollte ihn dennoch bei mir. All dies... es war so Paradox. Es war klar, schon damals, dass ein Sicheres leben in meiner Gegenwart unmöglich war. Spätestens als Alex ihn bei sich hatte sollte es mir klar geworden sein. Aber ich habe es verdrängt. Ich habe es ignoriert, damit ich meine Selbstsucht weiter ausleben konnte. Ich hatte meine eigenen Interessen über sein wohl gestellt und ihn damit in eine Gefährliche Lage gebracht. Und ich war drauf und dran es wieder zu tun. Aber, aus irgendeinem Grund konnte ich ihn nicht aufhalten. Er war so enthusiastisch dabei dies für mich zu tun. Ich wusste, dass er sich dem gesamten Ausmaß seines Entschlusses nicht im geringsten bewusste war. Aber ich konnte es ihm einfach nicht Verwehren. Ich konnte es einfach nicht. Egal wie sehr ich jetzt wollte, ich könnte ihm das niemals verbieten.
'Wie weich du geworden bist', spottete mein Unterbewusstsein. Ich brachte es zögernd zum schweigen. Es hatte ja recht. Wenn es um Kuroko ging war ich extrem Schwach, das wusste ich. Aber das brauchte es mir nicht unbedingt nochmal zu sagen. Das wusste ich ja.
Ich nahm einen weiteren Schluck von dem Dreckswasser. Ein weiterer Schuss löste sich.
Ich konnte jetzt nachvollziehen wie Kuroko sich fühlen musste, wenn er daran denkt, dass ich mit Waffen zu tun hatte. Mir gefiel es überhaupt nicht. Absolut gar nicht. Aber es war zu spät. Ich durfte jetzt keinen Rückzieher machen.
Kuroko kam aufgeregt zu mir gehüpft, die Waffe noch in der Hand... Entsichert.
„GOTTVERDAMMT TETSU! FUCHTEL NICHT SO MIT DER WAFFE HERUM“, platzte es mir heraus. Kuroko sah mich verdattert. Die Verwunderung lag in seinen großen, aufgerissenen Augen. Ich fuhr mich durch die Haare. „Das ist gefährlich“, sagte ich nun ein wenig gefasster. „Gib mir die Waffe“, befahl ich. Kuroko reichte sie mir zögernd. Als sich unsere Hände berührten zuckte er eingeschüchtert zusammen. Ich nahm die Waffe, sicherte sie und gab sie ihm zurück. „Immer sichern!“
Kuroko sagte nichts mehr. Anscheinend wollte er mir eben irgend etwas erzählen. Ich seufzte und warf Tank einen wütenden Blick zu. Wieso hat er nicht darauf geachtet, dass er nicht mit entsicherter Waffe hier rum rennt. Er wusste, wie gefährlich das war. Ich hatte Kuroko vorher noch nie Anschreien müssen. Es war das erste man, dass mir meinen Nerven durchgingen. Wieder fuhr ich mir durch die Haare und seufzte. Ich rollte an Kuroko vorbei zu Tank und betrachtete die Zielscheibe, die durch einen Mechanismus zu dem Schützen herangefahren werden konnte. 12 Schüsse wurden abgefeuert. 5 trafen die Arme, 3 den Bauch, 3 trafen neben dem Hals in leere und einer Traf mitten ins Herz. Ein schaudern lief mir über den Rücken. Er zog sich in jede Zelle meines Körpers. Dann verengte ich die Augen. „Tank, setz mich bitte hier drauf“, bat ich den großen Brocke und er gehorchte. Er hievte mich auf das Brett vor mir. Ich spannte ein neues Blatt ein und ließ es wieder nach hinter fahren. 50 Meter. Die weiteste Entfernung. „Gib mir deine Waffe“, bat ich Tank erneut. Er reichte mich schweigend eine Glock. Ich sah in zweifelnd an. „Eine Richtige, bitte“, sagte ich höflich. Tank verschwand kurz und kam mit einer Desert Eagle wieder. Einer meiner Lieblingswaffen. Ihr Rückstoß war gewaltig, allerdings war das ihre Durchschlagskraft auch.
Ich überprüfte das Magazin. Es war voll. Ich nahm die Waffe in die rechte Hand und entsicherte sie. Ich zielte nicht, ich wusste wo ich hin schießen musste.
Schuss. Schuss. Schuss. Schuss. Jedes Mal ließ der Rückstoß meinen Körper erzittern. Doch ich hielt die Eagle ruhig und schoss weiter. Es war befreiend. Mit jedem Schuss war es, als würde ich einen weiteren Dämon erschießen. Mein Kopf war frei. Endlich.
Schuss. Schuss. Schuss. Klick. Das Magazin war leer. Ich zischte frustriert und gab Tank die Waffe wieder. „Danke“, murmelte ich. Er nickte nur. Ich ließ das Papier wieder zu mir fahren. Kopf, Kopf, Kopf, Kopf, Brust, Brust, Hals, Brust... Alles tödliche Schüsse. Normalerweise würde mich das irgendwie mit stolz füllen. Doch jetzt... fühlte ich nur das Unangenehme Schweigen was zwischen mir und Kuroko herrschte. Nichts konnte das überdecken. Ich rutschte rückwärts in meinen Rollstuhl und lehnte mich zurück. Das würde noch anstrengend werden.
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