Bienen in Paris

GeschichteDrama, Familie / P12
Ellen Bannenberg Emily Bannenberg Nikolas Heldt
25.08.2015
19.10.2015
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25.08.2015 1.278
 
Ja, zugegeben, dieses erste Kapitel ist ziemlich dramatisch, aber ich verspreche: In den nächsten Kapiteln wird es ruhiger zugehen. Obwohl...Nein, kann ich nicht versprechen. Aber es wird nicht mehr so dramatisch.
Auch weiß ich nicht, ob ich an diesem Kapitel noch etwas ändere, denn es gefällt mir noch  nicht 100 Prozent.
Wenn ihr Vorschläge habt. Nur zu.
Und jetzt viel Spaß



Er ging auf den langen, grauen Flachbau zu. Er war sich unsicher, ob er das wirklich tun wollte. Er hatte einen großen Fehler begangen, dass wusste er. Doch er konnte nicht ohne sie leben.  Nun hatte er die Tür erreicht.  Zögernd ergriff er den Türgriff und zog die Tür auf. Dem Polizistin hinter dem Tresen nickte er zu, dann lief er die Treppe hinauf. Vor einer der vielen Bürotüren blieb er stehen. Er traute sich nicht anzuklopfen. Er hatte sie verletzt, dessen war er ich sicher. Noch bevor er sich doch dazu aufraffen konnte wurde die Tür aufgerissen. Ein hochgewachsener Mann kam aus dem Zimmer und warf der im Zimmer sitzenden Frau wütende Worte an den Kopf. Er kannte den Mann, es war der Ex-Mann der Frau. Noch konnte sie ihn nicht sehen, doch er konnte hören, dass sie weinte. Er tat einen Schritt auf die Tür zu, so dass die Frau ihn sehen konnte. Er räusperte sich. Sie schaute auf. „Heldt?“, fragte sie ungläubig. Er ging noch ein paar Schritte auf sie zu, setzte sich auf den Stuhl vor ihrem Schreibtisch und wollte ihre Hand ergreifen, doch sie zog sie mit einer Geschwindigkeit zurück, die nur wirklich wütende Menschen zustande brachten. „Nikolas, ich hatte mich in dich verliebt und du hast mich sitzen lassen. Das hat mich verletzt. Ich kann nicht einfach so tun, als ob nichts geschehen wäre.“
Sie war erschrocken über sich selbst. So deutlich hatte sie es ihm noch nie gesagt. Aber so war es, sie hatte ihn geliebt. Sie konnte sich nichts mehr vormachen. Sie hatte es noch einmal mit ihrem Ex-Mann probiert, aber immer nur an Nikolas gedacht. „Nikolas, ich…“, setzte sie an. Doch sie wurde von ihm unterbrochen: „Ich weiß, dass ich dich verletzt habe. Ich verstehe auch, wenn du sauer auf mich bist.“
„Das ist es ja, ich KANN nicht sauer auf dich sein.“, immer noch weinte sie, „Egal was ich getan habe, ich habe dabei immer an dich gedacht. Aber du warst nicht da, du warst einfach nicht da. Sechs lange Monate habe ich gewartet und gehofft, dass du wieder kommst. Ich habe mir die schlimmsten Vorwürfe gemacht, dass ich nicht mehr herausgefunden hatte, dass ich dich nicht mehr gefunden habe. Du warst wie vom Erdboden verschluckt. Nachts konnte ich nicht schlafen, weil ich mir Sorgen gemacht habe. Frau Holle hat schließlich dafür gesorgt, dass ich beurlaubt werde. Ich, der sonst nichts wichtiger ist als ihr Job. Wärst du nur einen Monat früher gekommen, ich wäre dir um den Hals gefallen und hätte nicht mehr aufgehört zu weinen. Ich habe dich vermisst. Schrecklich vermisst. Wie Naiv ich war, habe ich erst bemerkt als man mich ins Krankenhaus eingeliefert hat, ich habe nichts mehr gegessen und nichts mehr getrunken. In mir war nur ein großes Loch aus Schmerz und Sehnsucht. Es ist besser für mich, wenn ich dich nicht mehr liebe. “
Erschrocken sah er sie an, es stimmte, sie sah dünn und ausgemergelt aus. Ihre langen blonden Haare sahen spröde und ungepflegt aus. Es passte nicht zu ihr. Er hatte sie noch mehr verletzt, als er vermutet hatte. Es traf ihn tief ins Herz. Er hatte ihr nicht wehtun wollen.
Sie  weinte noch immer und so ergriff er nun doch ihre Hand. Mit der anderen zupfte er ein Taschentuch aus einer Box und hielt es ihr fragend hin. Sie nickte, machte aber keine Anstalten das Tuch entgegen zu nehmen. Er nährte sich langsam ihrem Gesicht und wischte ihr die Tränen von der Wange. „Ellen, es tut mir so leid, hatte ich gewusst, dass es dir so schlecht geht, wäre ich sofort zurückgekommen. Geht es dir denn jetzt wieder einigermaßen besser?“, fragte er besorgt. Sie stand auf und ging mit zittrigen Knien um ihren Schreibtisch herum, dann setzte sie sich neben ihn.
„Jetzt schon, ich weiß, dass du wieder da bist. Ich werde es nicht schaffen, Essen ist etwas Abscheuliches. Ich kann jetzt gehen, du bist wieder hier. Kümmere dich bitte um Emily, sie hat dich auch vermisst.
Langsam schloss sie die Augen. Sie sah es, das weiße Licht von dem alle immer sprachen. Es strahlte eine Wärme aus, die sich nicht beschreiben ließ. Sie ging darauf zu und hatte es fast erreicht, als sie eine Stimme hörte: „Ellen, was ist los mit dir? Ellen?“ Die Stimme wurde immer hysterischer: Ellen? Bleib bei mir! Ich liebe dich doch. Hilfe! Wir brauchen hier einen Arzt! Schnell!“ Nun hörte sie nichts mehr. Sie ging immer weiter auf das Licht zu. Sie wusste, er würde sich um Emily kümmern. Das war er ihr Schuldig, aber sie konnte nicht mehr.
Heldt saß weinend neben ihr und hielt ihre Hand, als Frau Dr. Holle und Herr Grün durch die Tür gerannt kamen. „Heldt?“, fragten auch sie, wie aus einem Mund. Grün blieb in der Tür stehen, doch Dr. Holle rannte auf Ellen zu. „Ich habe doch gewusst, dass sie noch nicht soweit war. Heldt helfen sie mir mal und sie Herr Grün holen bitte die rote Box von meinem Schreibtisch.“  Zusammen legen sie Ellen auf den Boden. „Ich habe nichts gemacht, aber ich glaube, sie hat heute noch nichts gegessen“, berichtete Nikolas aufgelöst. „Herr Heldt sie sind nicht schuld. Naja, eigentlich schon, aber, dass Ellen so zerbrechlich ist, dass habe noch nicht einmal ich geahnt. Allerdings dachte ich mir schon, dass ich nochmal das größere Erste Hilfe Set brauchen würde. Das brauche ich ja normalerweise nicht. Jetzt habe ich aber alles da um ihr zu helfen, Vitamine, Minerale und Infusionen. Ihr Herz schlägt noch wenn auch nur schwach und einen Krankenwagen ist auch schon bestellt. Sie wird es schaffen, das Verspreche ich.
Frau Holle legte ihr einen Dreiwegehahn, um zwei Infusionsbeutel anschließen zu können und verabreichte ihr eine Spritze mit Vitaminen. Die Infusionen waren mit Glukose, Natrium, Kalium und Calcium gefüllt. Ihr Herzschlag wurde langsam wieder stärker, dass konnte er fühlen, denn er hatte sich geweigert ihre Hand los zu lassen. So musste er nun alle zwei Minuten ihren Puls messen.
Als der Krankenwagen kam, übernahm der Notarzt die weitere Versorgung. Da Nikolas den Sanitätern im Weg stand, durfte er nicht mit im Krankenwagen fahren. Er wollte mit seinem Auto hinterher, doch Hannah hielt ihn auf. „In ihrem Zustand werden sie doch jetzt nicht Auto fahren. Sie sind eine Gefahr für die Öffentlichkeit. Ich fahre sie.“, herrschte sie in an.
Die nächsten Monate waren nicht leicht, weder für Nikolas und Ellen noch für Emily. Ellen wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen und durfte 3 Monate lang keinen Besuch empfangen. Am Anfang aß sie nur wenig und wurde deshalb mit Infusionen und einer Magensonde ernährt. Erst als sie mit Heldt und Emily telefonieren durfte ging es ihr besser und sie fing wieder an Essen zu sich zu nehmen. Im vierten Monat ihrer Behandlung wurde sie in eine andere Klinik verlegt und durfte dort auch Besuch empfangen. Nachdem Nikolas und Emily sie das erste Mal besuchen kamen, wartete sie schon am Tor und schloss ihre Tochter in die Arme. „Ich habe dich so vermisst mein Schatz.“
„Ich dich auch Mama.“
Dann küsste sie Heldt.
Wenn man bedenkt, dass Ellens Schmerz nur durch die Liebe zu Nikolas so gewaltig war, dann ist es erstaunlich, dass gerade die Menschen, die man am meisten liebt, einem die größten Schmerzen zufügen können.
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