Neue Hoffnung - Teil 4

GeschichteAllgemein / P12
24.08.2015
31.08.2015
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Jay und Hope hatten die Nacht in einer alten Scheune verbracht, in der sie sich ein gemütliches Lager geschaffen hatten. Beide waren voller Angst, klammerten sich aber an die Hoffnung auf eine Zukunft. Auch passte es nicht zu beiden, einfach wegzulaufen. Sie wurden beide angetrieben. Angetrieben von einem dumpfen Gerechtigkeitsgefühl im Bauch. „Dann schauen wir mal, was wir in diesem Dorf finden, wenn wir dort ankommen“, Hope lächelte gequält. Die Herrin hatte panisch vermieden, dieses Dorf als Rastplatz zu verwenden. Obwohl ihre Handlanger jeden zurecht gebogen hätten, der sich ihnen in die Quere gestellt hätte? Sie waren damals eine kleine Gruppe gewesen. Ein geschundener Junge, dem die Augen verbunden waren und dessen Ziel sie nicht gekannt hatte. Dann die Herrin und drei ihrer starken Männer für all das Grobe, was es zu tun gab. Der Partner der Herrin war auf dem Anwesen geblieben. Sie wusste, dass es lautstarken Streit gegeben hatte. Ob es wegen ihr gewesen war? Warum auch. Er lebte doch ein angenehmes Leben und schien irgendetwas in ihr zu sehen, warum sollte er sich aus dieser Illusion auch lösen?

„Schau mal, da vorne steht ein Schild!“, sagte Jay. Hope nickte und erkannte ein Schild, ähnlich liebevoll gestaltet wie das zur Brennerei. Ob dieser Eindruck auch so täuschte? Sie las laut: „New Liberty“ und sah Jay auffordernd an. „Nein, in der Karte steht dieser Name nicht“, er schüttelte den Kopf, wirkte aber angestrengt: „Aber es müsste das Dorf sein.“ Ob es eine symbolische Bedeutung gab, dass die Herrin sich gerade vor einem Ort fürchtete, der die Freiheit im Namen trug? Jay fühlte sich in alte Tage versetzt. Als sie aus Liberty den Widerstand gegen Mega planten. Wie er dort Ram wiedertraf, Slade und Ruby kennenlernte. Ram war wieder sein Widersacher, Slade mit Ebony verschwunden, aber was war aus Ruby geworden? Ein kleiner Verdacht schlich sich in seinen Kopf. Nein, das wäre Quatsch.

„Was betrübt dich?“, fragte Hope. Jay lächelte verträumt: „Ach, ich hatte eine alberne Idee. Aber wahrscheinlich kann das nicht sein.“ Er schüttelte noch einmal bestätigend den Kopf. Die beiden passierten eine Stelle, an der das Tal schmaler wurde. Hope versuchte sich daran zu erinnern, ob sie hier gewesen waren. Gab es eine alternative Route?! Denn das Dorf musste einfach ‚ihr‘ Dorf sein. Sie war verwirrt. Plötzlich hörte sie einen Vogel schreien, dann erschrak sie an einer lauten Männerstimme: „Hey, was wollt ihr hier?!“ Hope, ebenso Jay drehten sich ruckartig um, kommentiert von einem protestierenden Wiehern der Pferde.

„Jay!!“ Ein dunkelhaariger, etwas verwahrlost wirkender Mann stand auf einem erhöhten Felsvorsprung. Er trug einen Hut auf dem Kopf und eine Schrotflinte in der Hand. War das Jays Vermutung? Sie blickte erstaunt zu ihrem Freund. Was war hier los? Jay blickte fassungslos zu dem süffisant posierenden Kerl, der keine Anstalten machte, von seinem Sockel zu weichen. Hope konnte das Gewehr nicht aus den Augen lassen. Sie griff mit der linken Hand zu Jay, versuchte sich an ihm festzuhalten, vielleicht auch ihn aus seinem Schock aufzuwecken.

Jay konnte immer noch nicht fassen, wen er da sah. Hopes Berührungen spürte er auch kaum. Sein Gehirn arbeitete, aber er konnte sich keinen Reim daraus machen. „Wir sind Freunde…“, stammelte Hope verwirrt und hoffte, dass der Kerl endlich dieses Gewehr wegnehmen würde. Ein Ruck von den Pferden und er würde sie wohl beide erschießen. „Freunde waren wir jetzt nicht gerade, aber naja zumindest…“, er grinste ein Lächeln, das Hope nicht richtig deuten konnten. War es schelmisch, lag darin boshafte Absicht? Und was meinte er mit seiner Aussage? Hope sah unruhig zwischen den Männern hin und her. Jay rang mit den Worten und stammelte dann eine Silbe, die Hope nicht verstand. Sie sah hilfesuchend den abgehalfterten Hobbycowboy an. Er lächelte erneut sein Lächeln, das sie nicht mochte, nahm die Hand höflich an den Hut und sagte: „Jay, red deutlicher! Ich bin Lex! Und du, Babe?“