Lilienblüten

von - Vega -
GeschichteHumor, Romanze / P18
24.08.2015
23.03.2016
6
23023
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Dieses Kapitel
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Hallo ihr Lieben!
Schön, dass ihr hierher gefunden habt. :)
Ich hatte mal wieder einen Hirngespinst und eine neue Idee für eine hoffentlich tolle Geschichte!

Ich will dazu gar nicht viel schreiben und euch vom Lesen abhalten, denn ihr könnt euch im ersten Kapitel selbst ein Bild davon machen und dann entscheiden, ob die Geschichte es wert ist, weitergelesen zu werden! :)

Liebste Grüße
Eure Vega
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Ehrfürchtig starrte sie an dem riesigen Wolkenkratzer empor, welches aus der Nähe betrachtet noch gigantischer wirkte und sie mehr als winzig erscheinen ließ. Zugegeben, so klein war Katherine mit ihren 1,76m gar nicht, im Gegenteil. Im Vergleich zu den meisten Frauen war die 25-jährige Blondine relativ groß und es kam nicht selten vor, dass man ihr neidische Blicke zuwarf.

Männer hingegen musterten die junge Frau interessiert, lächelten sie charmant an und zwinkerten ihr sogar immer mal wieder zu. Mit ihren langen dünnen Beinen, den wohlproportionierten Rundungen an den richtigen Stellen und ihren giftgrünen Glubschern, die jeden Mann schwach werden ließen, war Katherine ein richtiger Hingucker. Die weichen und femininen Gesichtszüge, sowie ihre kleine Stupsnase verliehen ihr jedoch etwas sanftes, beruhigendes, ließen sie fast schon etwas schüchtern und unbeholfen wirken.

Katherine hatte jedoch gar keine Zeit, sich Gedanken um irgendwelche Männer und ihre Avancen zu machen, sie nahm sie eigentlich kaum wahr. Daran war wohl Paul schuld. Wehmütig dachte sie an die gemeinsame Zeit zurück, die nun fast vier Jahre zurück lag und sie für den Rest ihres Lebens geprägt hatte.

Nie würde sie diese Zeit vergessen, leider! Früher gab es keinen einzigen Tag, an dem sie nicht jeden blonden Mann, der ihren Weg kreuzte, für Paul gehalten hatte und in Panik ausgebrochen war. Mitten auf der Straße, wo sie jeder hatte sehen können. Ihr war es heute noch unendlich peinlich, wenn sie darüber nachdachte, was zum Glück eher selten vorkam. Sie verbat es sich schlichtweg!

Mit Hilfe von Dr. Adams hatte Katherine es mit der Zeit geschafft ihre Panikattacken ziemlich zu reduzieren, sodass es eher selten vorkam, dass sie wieder zusammenbrach. Die junge Blondine hatte sich in ihre Arbeit als Sekretärin vertieft und bis in die Nacht tagein tagaus geschufftet. Selten kam sie dazu mit ihren Freundinnen etwas trinken zu gehen oder mal wieder abzufeiern, was sich leider nicht positiv auf die Freundschaft auswirkte. Ganz abgesehen davon, dass sie gar nicht mehr der Feiertyp war, im Gegensatz zu früher. Nie hatte sich Kate O'Connor eine Party entgehen lassen.

Aber ihre Mühen hatten sich endlich ausgezahlt. Sie hatte hart gearbeitet, wenn auch zuerst unbeabsichtigt. Nun stand sie hier, vor dem riesigen luxuriösen  Gebäudekomplex, auf dessen Außenfassade große, massive Letter prangerten, welche den Namen M.O.S ENTERPRISE bildeten.

M.O.S Enterprise, der Wahnsinn! Dass sie es hierher geschafft hatte! Katherine kam nicht umhin festzustellen, dass sie gewissermaßen stolz auf sich selbst war. Diese gigantische Werbeagentur war nicht nur weltweit tätig, sondern auch noch Milliarden schwer. Und hier würde ihr neuer Arbeitsplatz sein! Leise quietschte sie auf und machte einen kleinen Freudensprung.

Wenn alles gut laufen würde, könnte sie schon nächste Woche, ab dem 1.April ihren Platz in der Chefetage einnehmen und ihren Wunsch in Erfüllung gehen lassen. 'Ich würde hier das vierfache verdienen!', schoss es ihr erfreut durch den Kopf und ein breites Grinsen machte sich auf ihren Lippen breit.

Ihre eingegangene Bewerbung hatte anscheinend überzeugt und man hatte sie heute zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch eingeladen. Kates Hände zitterten, ob der Kälte wegen an diesem kühlen Märztag oder doch wegen ihrer Nervosität vermochte sie nicht zu sagen. Noch dazu trug sie einen engen Bleistiftrock, in den sie ihre weiße Bluse gesteckt hatte. Alles in allem wirkte die Blondine sehr seriös und vertrauenswürdig.

Über den Chef des M.O.S ENTERPRISE wusste sie nicht all zu viel. Nicht, weil sie sich nicht informiert hatte, sondern einfach aus dem Grund, weil der Boss offensichtlich wusste, wie er seine Privatsphäre privat hielt. Lediglich ein paar Bilder eines sehr jungen Mannes Anfang 20 vor etlichen Jahren konnte sie auftreiben. Ob er der Chef war wagte sie zu bezweifeln, da er wirklich noch sehr sehr jung ausgesehen hatte, vielleicht ja der Sohn?

Was sie von hier und da aufgeschnappt hatte, war, dass der Herr in der Chefetage – zu ihrer Schande musste Kate gestehen, dass sie nicht einmal seinen Namen kannte, eher gesagt wieder vergessen hatte – ein ziemlicher Kotzbrocken sein konnte. Arrogant, kaltherzig und rücksichtslos sowohl geschäftlich, als auch privat.

'So schlimm wird’s schon nicht werden, Kate!'
Immerhin war ihr Gehalt mehr als nur gut, sollte sie den Job tatsächlich bekommen. Da war es doch egal, ob der 50-jährige Chef ein Kotzbrocken war oder nicht. Wie alt er genau war, wusste sie nicht, schätzte ihn aber durchaus älter, da so ein Imperium nicht einfach aus dem Nichts kam.

'Jetzt geh schon rein, du Gans! Sonst kommst du noch zu spät.'
Katherine rollte genervt mit den Augen, sie hasste ihre innere Stimme, die sich immer wieder mal meldete, wenn sie was zu meckern hatte. Sie biss sich auf ihre Unterlippe und machte endlich einige Schritte vorwärts, nicht ohne noch einmal an dem Wolkenkratzer empor zu blicken.

Die große, imposante Empfangshalle war prunkvoll eingerichtet und und strahlte puren Luxus aus. Katherine hatte noch nie wirklich Wert auf Materielles gelegt, für sie zählten die inneren Werte, auch wenn es heutzutage nur noch die wenigsten Menschen interessierte.

Zielsicher steuerte sie den großen Empfangstresen und lächelte die in den Computer vertiefte Blondine an. Ein Räuspern ihrerseits ließ die Empfangsdame hoch blicken und eine Augenbraue hochziehen. Der kalte, arrogante Blick aus den dunkelblauen Augen machte Katherine stutzig.

'Dir auch einen wunderschönen guten Morgen, du Schnepfe!', wollte ihr Inneres schon heraus posaunen, aber ihr Verstand siegte glücklicherweise, auch wenn sie fest davon überzeugt war, dass diese dumme Kuh eine Zurechtweisung nötig hatte.

„Entschuldigen sie, ich bin Katherine O'Connor. Ich habe einen Termin mit Mrs. Green bezüglich des Postens der Chefsekretärin.“, brachte sie freundlich hervor und schenkte der Dame noch ein leichtes Lächeln. Vielleicht hatte sie sie nur auf dem falschen Fuß erwischt?

„Mrs Green? .. Aha.“ Das war alles, was kam. Katherine kam nicht umhin sich über die unfreundliche Frau zu ärgern. Wie konnte man nur so eine inkompetente Frau einstellen? Die vergrault doch die ganzen Kunden!

„Ja, Mrs Green! Hätten sie also bitte die Güte mir mitzuteilen, wo ich hin muss?!“ Ups, das klang schon ziemlich gereizt, aber in diesem Moment war es Katherine egal. Wegen dieser Gans würde sie sicher nicht zu spät kommen.

Eine letzte Musterung musste sie noch über sich ergehen lassen, ehe man ihr unfreundlich mitteilte, wo sie erwartet wurde.
„Nehmen sie den Lift und fahren in die oberste Etage, sie werden von Mr. O'Sullivan persönlich empfangen, weshalb auch immer.“

'Wie wäre es vielleicht damit, dass ich wahrscheinlich wenige Meter von ihm entfernt und für IHN arbeiten werde, du Ziege?!' brannte ihr auf der Zunge, doch sie besann sich. Mr. O'Sullivan! Jetzt wusste sie wieder seinen Namen, wie konnte sie solch einen schönen irischen Namen vergessen? Ob er tatsächlich Ire war?

Mit festen Schritten ging sie zum leeren Fahrstuhl und drückte auf den Knopf mit der Nummer 30. Chefetage stand in goldenen Buchstaben daneben. Einige Male hielt der Fahrstuhl, Menschen stiegen ein, wieder aus, einige grüßten sie freundlich. 'Na immerhin sind hier nicht alle so wie die da unten!'

Ein leises Summen erklang, bevor eine wohlklingende Frauenstimme 'Chefetage' ankündigte. Oh Gott, da hatte jemand ganz gewaltige Probleme mit seinem Ego! Wie konnte er sich das täglich anhören?

Katherine stieg aus dem Fahrstuhl und überblickte kurz den riesigen Vorraum mit dem gigantischen hellen Schreibtisch, welcher mit allem möglichen Schnick-Schnack ausgestattet war und leer stand. Ui, das konnte ihr neuer Arbeitsplatz werden! Wie schön, wie groß! Vorfreude überströmte sie und Kate wusste gar nicht, was sie zuerst anschauen sollte.

Ein mädchenhaftes Quietschen entfuhr ihr, was augenblicklich mit einem dunklen, rauen Lachen quittiert wurde. Wie angewurzelt blieb Katherine stehen, wie peinlich! Wie in Zeitlupe drehte sie sich herum, ehe ihr der Atem stockte.

Im Türrahmen angelehnt stand ein großgewachsener Mann, der sicherlich die 1,90m Marke geknackt hatte, mit vor der Brust verschränkten Armen und musterte sie mit einem ihr unbekannten Blick. Sie schätzte ihn auf Anfang 30. Gott, war dieser Mann attraktiv! Das blütenweiße Hemd, dessen Ärmel hochgekrempelt waren und somit sehnige Unterarme präsentierte, spannte um seinen Oberkörper und seinen kräftigen Oberarmen.

Das Kleidungsstück steckte in einer dunkelblauen Seidenhose, die viel zu teuer aussah und keine einzige Falte besaß. Ein Kloß bildete sich in ihrem Hals, den sie mit Mühe herunterschluckte, bevor sie ihren Blick wieder nach oben gleiten ließ. Lange, kräftige Beine konnte sie erahnen, ehe ihr Blick kurz an seinem ausgebeulten Schritt haften blieb. 'Gut ausgestattet, der Herr!' Gott, wie sie diese blöde Stimme in ihrem Kopf doch hasste. Immer in den unpassendsten Momenten!

Schnell wanderte sie weiter hoch, bemerkte die zwei offenen Hemdknöpfe, die einen perfekten Blick auf die gebräunte Haut darunter gewährten, aber nur so viel zeigten, dass man unbedingt alles sehen wollte.

Und dann sah sie ihm endlich ins Gesicht. Katherine konnte nichts in seinem Gesicht lesen, wie ein versiegeltes Buch starrte er sie aus stahlgrauen Augen an und regte sich nicht. Wundervoll geschwungene Lippen und eine perfekte, schmale Nase verliehen ihm etwas unglaublich Schönes, das so sehr im Kontrast zu seinen kalten Augen, dem markanten Unterkiefer, welcher mit einem leichten Bartschatten belegt war und seinen hohen Wangenknochen, die ihn durchaus gefährlich und respekteinflößend erscheinen ließen.
Dieser Mann war einfach nur der Hammer, was für eine Sahneschnitte!

Und diese Sahneschnitte hatte sie auch gemustert. Katherine hatte es gemerkt, auch wenn er es unauffälliger gemacht hatte als sie. Aber wer konnte bei diesem Mann schon anders?
„Fertig mit starren?“ Seine Stimme klang kühl und sie überhörte die leichte Überheblichkeit natürlich nicht. Er wusste um seine Wirkung bei Frauen durchaus bescheid.    

Katherine runzelte die Stirn, was er mit einer hochgezogenen Augenbraue kaschierte. Sein dichtes schwarzes Haar stand ihm verwuschelt vom Kopf ab und ließ vermuten, dass er sich wohl ständig durch die Haare strich. Wie konnte ein Mann nur so fantastisch aussehen? Holy shit!

„Ich war nicht die Einzige, die gestarrt hat.“ Ha, gib's ihm Kate! Nicht nur er konnte selbstgefällig sein.
Ohne jegliche Regung im Gesicht blickte er in ihre wunderschönen grünen Diamanten, die angriffslustig funkelten. Nur kurz meinte Katherine seinen rechten Mundwinkel zucken zu sehen, binnen einigen Sekunden war es auch schon wieder weg.

„Nun, Miss O'Connor, wenn sie mir bitte folgen würden.“ Er deutete in Richtung seines Büros, über dessen Tür in großen Lettern Matthew O'Sullivan geschrieben stand. Der Kerl hatte tatsächlich ein riesiges Problem mit seinem Ego. Matthew! Wie männlich und passend zu diesem Exemplar! Und er hatte sie auf Anhieb erkannt..

'Hör auf zu schwärmen, du Gans! Er hat sich einfach nur auf das Gespräch vorbereitet!' Hatte sie schon erwähnt, dass die diese Stimme hasste??
Seiner Aufforderung nachkommend betrat sie das große Büro hinter ihm und staunte nicht schlecht. Der Ausblick über halb Manhattan war atemberaubend.
„Bei Nacht ist es noch traumhafter.“, raunte der Hüne, seine Stimme jedoch klang kalt, ehe er hinter seinen schwarzen, halbrunden Holzschreibtisch, welcher den ganzen Raum dominierte, Platz nahm und ihr mit einer Handbewegung deutete, sich hinzusetzen.

Sein Schreibtisch war ordentlich aufgeräumt, lediglich eine rote Mappe, die sich als ihre Bewerbungsmappe herausstelle, lag geöffnet vor ihm. Kurz scannte der Mann vor ihr die aufgeschlagene Seite und schenkte ihr darauf einen Blick, den Katherine nicht deuten konnte.

Er musterte ihr Gesicht, was ihr mehr als unangenehm war. Gerade, weil er nichts sagte. Eindringlich suchten seine rauchgrauen Augen die ihren und hielt ihren Blick für einige Momente gefesselt, ehe Matthew sich durch seine verstrubbelten Haare fuhr und sie somit noch mehr durcheinander brachte. Und Katherine konnte ihn nur anstarren, wie sich sein Oberarm anspannte und er schließlich seine langen Finger wieder auf den Tisch sinken ließ, nicht ohne sie aus den Augen zu lassen.

Er trug keinen Ring, das bemerkte Kate sogleich, aber das müsste ja nichts heißen. Viele Menschen waren vergeben und trugen keinen Ring am Finger, aus welchen Gründen auch immer. Sie seufzte innerlich, Herrgott, das war ihr zukünftiger Chef und sie hatte nichts besseres zu tun, als zu bewundern, wie schön und männlich er aussah.

Ein Räuspern seinerseits ließ sie ihre Gedanken beiseite schieben und sich ihrem Gegenüber wieder zu widmen.
„Sie kommen aus Irland, Miss O'Connor?“ Sein tiefes Timbre schickte einige kalte Schauer ihren Rücken herunter und Katherine schluckte.

„Nicht direkt. Mein Großvater väterlicherseits war Halbire, daher der Name, allerdings fließt in mir wohl nur ein geringer Teil irisches Blut. Ich bin hier geboren und aufgewachsen, hatte leider auch nie das Glück, Irland besichtigen zu können. Und sie?“ Ihre Augen fanden seine, die sie kaltherzig anschauten. Sie redete zu viel, eindeutig und es ging sie ja eigentlich auch nichts an, ob er Ire war, oder nicht. Katherine war immer neugierig und sprach oft, leider Gottes, ohne vorher nachzudenken.

„Entschuldigen sie..“, setzte sie an, wurde aber von einer flüchtigen Handbewegung unterbrochen.
„Sie sind sehr neugierig, Miss O'Connor. Aber um ihre Neugier zu stillen, ja, meine Eltern stammen beide aus Irland, demnach fließt in mir 100% irisches Blut, wie sie es sicher ausdrücken würden.“ Katherine konnte nicht anders als zu erröten, worauf er wieder typisch eine seiner perfekt geschwungenen Augenbrauen hochzog.

Was war das bloß für eine Frau? Himmel, sie war wunderschön, aber das war es nicht, dass ihn stocken ließ. Er hatte wahrlich genug Frauen, unter ihnen etliche Models, die tagtäglich die Beine für ihn spreizten. Er war kein Mann, dem eine Frau genügte. Wieso eine, wenn man an jedem Finger zehn haben könnte? Eine feste Beziehung hatte er seit Jahren nicht mehr gehabt. Es war einfach nicht sein Ding und die Frauen heutzutage wollten eh nur alle sein Geld, darauf konnte er wirklich verzichten! Seine Firma war ihm wichtiger als alles andere, somit war seine Zeit für eine feste Beziehung sowieso zu begrenzt und es würde keinen Sinn machen.

„Und sie haben bisher bei Warren & Partner gearbeitet? Was genau war ihr Aufgabenfeld?“ Sie verzichtete ihn darauf hinzuweisen, dass das sehr wohl in ihrer Bewerbung stand, anscheinend hatte er sich doch nicht so sehr mit ihrer Bewerbung beschäftigt. Gut, eigentlich verständlich, sie hatte ja auch mit Mrs Green Kontakt gehabt und nicht mit ihm.

„Naja, die Anwaltskanzlei Warren & Partner hatte mich nach meinem Schulabschluss direkt eingestellt, da Mrs. Warren schnellstmöglich eine Vertretung für die in Mutterschutz gegangene Assistentin brauchte und meine Bewerbung kam glücklicherweise zur rechten Zeit. Ich habe für Mrs. Warren die Vorarbeit für ihre Fälle geleistet und für sie alle wichtigen Fakten zusammengestellt und so fort.“
„Mhm.“ Er nickte und überflog erneut ihre Bewerbung.

Matthew O'Sullivan stellte ihr noch einige persönlich Fragen bezüglich ihrer Arbeitseinstellung und ihren Erwartungen. Er stellte klar, dass der Job anstrengend werden würde und Überstunden sich gelegentlich nicht vermeiden ließen. Damit war Katherine einverstanden, denn zuhause wartete eh niemand auf sie.

Ruhig blickten sie die rauchig grauen Augen ihres Gegenübers an, bevor er die Lippen zusammenpresste.
„Gut, Miss O'Connor. Da ich sehr dringend jemanden brauche keine Zeit habe weiter zu suchen, würde ich ihnen diesen Job gerne anbieten. Ihre Qualifikationen entsprechen den Erwartungen und ich möchte es mit ihnen versuchen.“

Pure Vorfreude durchfuhr sie und Kate konnte ein fettes Grinsen nicht zurück halten. Mr. O'Sullivans Blick ruhte auf ihr und er konnte nicht umhin festzustellen, wie wunderschön sie war, wenn sie lachte. Es war ein natürliches Lachen und kein aufgesetztes. Wie lange hatte er das nicht mehr zu Gesicht bekommen?

„Ihrer Reaktion zufolge nehme ich an, sie treten den Job an?“ Seine raue Stimme klang fest und bestimmend, Es gab sicherlich wenig Menschen, die sich trauten ihm zu widersprechen. Und die die es taten, waren entweder zu mutig, oder dumm.
„Ich würde sehr gerne für sie arbeiten, Mr. O'Sullivan!“ Kate strahlte über das ganze Gesicht. Im Gegensatz dazu verhärteten sich seine Gesichtszüge.

Matthew lehnte sich vor und stützte seine nackten Unterarme auf dem massiven Holztisch ab. Sein kalter Blick durchbohrte sie, schien bis in ihre Seele sehen zu können, als er ihr die nächsten Worte zuraunte.      

„Ich an ihrer Stelle wäre vorsichtig mit solchen Aussagen, Miss O'Connor. Für mich zu arbeiten ist kein Zuckerschlecken und wenn sie sich Fehler erlauben, mache ich ihnen den Arbeitstag zur Hölle. Sie werden das machen, was ich von ihnen verlange und ich kann keine privaten Probleme meiner Angestellten am Arbeitsplatz dulden, denn darunter leidet die Arbeit.“

Kate schluckte. Plötzlich verschwand ihr fröhliches Grinsen aus ihrem Gesicht. 'Das ist es also, was man so über dich hört. Ein Eisklotz und unberechenbar. Im ersten Moment warst du noch nett und freundlich und jetzt sprichst du davon mir das Leben zur Hölle zu machen. Arroganter Arsch!'

Zögerlich nickte sie jedoch und verhackte ihre zierlichen Finger in ihrem Schoß miteinander. Wieder streifte sie nur ein kalter Blick, welcher sie leicht zittern ließ.

„Also gut, Miss O'Connor. Ich erwarte sie bereits morgen früh um Punkt 7:00 Uhr an ihrem Arbeitsplatz. Den Vertrag gebe ich ihnen gleich mit, dann können sie ihn ebenfalls morgen früh unterschrieben mitbringen.“, sagte er beiläufig und fuchtelte an einer Schublade herum, um ihr kurz darauf einen kleinen Stapel entgegen zu schieben.

Oh, dann würde sie ja bereits am Freitag ihren neuen Job antreten. Eigentlich dachte sie, dass sie das Wochenende noch Zeit hätte ihre neue Wohnung umzuräumen. Sie war kürzlich erst umgezogen, zwar blieb sie in der selben Stadt, aber ihre alte Wohnung gefiel ihr nicht mehr und da sie fest damit gerechnet hatte, den Job zu bekommen, hatte sie sich eine 3-Zimmerwohnung näher an ihrem Arbeitsplatz gesucht und gefunden. Katherine hatte sich auf den ersten Blick in dieses Apartment verliebt, auch wenn es nicht gerade günstig werden würde.

Ein tiefes Räuspern ließ Kate aus ihren Gedanken hochschrecken. Peinlich berührt steckte sie den Vertrag in die braune Handtasche und blinzelte ihren neuen Chef von unten an, da er aufgestanden war. Sie tat es ihm schließlich gleich und musste ihren Kopf trotzdem in den Nacken legen, als er um seinen Schreibtisch herum kam und vor ihr stehen blieb.

Matthew ließ sich Zeit seine neue rechte Hand erneut von oben bis unten durch zu scannen, ehe er mehr für sich selbst nickte und ihr die kräftige Pranke hinhielt. Lange, raue Finger umfingen ihre schmale Hand, die einfach komplett in seiner verschwand. Sein Händedruck war fest und bestimmend, jedoch achtete Mr. O'Sullivan darauf, ihr nicht wehzutun.

„Also dann, Miss O'Connor. Wir sehen uns morgen früh in aller Frische.“
„Ich werde da sein, Mr. O'Sullivan!“ Im nächsten Augenblick hätte sie sich gern eine gescheuert. 'Ich werde da sein, Mr. O'Sullivan!' Du dumme Kuh!
„Das will ich hoffen!“ Kurz und von Kate ungesehen huschte ein belustigtes  Schmunzeln über sein Lippen, die Kleine hatte schon was, musste er zugeben. Sie war so niedlich verpeilt, das er eigentlich nur gelegentlich von seiner jüngsten Schwester Grace kannte. 'Vermisch' Arbeit und Privates nicht, O'Sullivan!' schallte er sich selbst. Das konnte nicht gut gehen, die Erfahrung musste er schon einmal machen. Und das hat die junge Frau ihren Job gekostet.

Matthew begleitete seine neue Angestellte zur Tür und verabschiedete sich höflich, ehe er wieder an die Arbeit ging. Die vergangene Stunde musste er nachholen, hieß also wohl kein Mittag heute. Er hatte sowieso keinen großen Hunger. Zwar war eigentlich Maria Green als Personalchefin für solche Dinge zuständig, aber seine persönliche Assistentin hatte er unter seine Fittiche genommen und ihm war es wichtig, ein einigermaßen gutes Bild von der Person zu haben.

**********

Kate wollte gerade aus dem Fahrstuhl aussteigen, als sie frontal angerempelt wurde und nun dabei war, ihr Gleichgewicht zu halten. Die schmerzhafte Begegnung mit dem harten Marmorboden wollte sie ungern machen. Das automatische 'Aua' wollte sie schon von sich geben, aber der Schmerz blieb aus. Stattdessen schoben sich zwei kräftige Arme von hinten um ihre Taille und hielten Katherine an Ort und Stelle. Der Geruch nach Kaffee gemischt mit Zigarettenrauch umhüllte sie noch bevor sie aufblicken konnte.

Entschuldigend guckende, dunkelblaue Glubscher, die einer wunderschönen Rothaarigen gehörten, fixierten sie. Ein freundliches Lächeln schlich sich auf die Lippen der Dame, von der Kate gerade angerempelt wurde und fast den Boden geküsst hätte, wären da nicht diese starken Männerhände, die immer noch auf ihrer Hüfte lagen.

„Entschuldige bitte, das war keine Absicht, es tut mir so leid.“, redete sich die zierliche Frau, die sie auf Mitte/Ende 20, vielleicht 26 oder 27 Jahre alt, schätzte. Die Rothaarige war ein paar Zentimeter kleiner als Kate selbst und ihr Gesicht wurde von einigen Sommersprossen verziert. Sie standen ihr, definitiv!

„Emma mein Name, und sorry nochmal, wirklich.. Drew, ich denke, du kannst sie loslassen.“, wies sie anscheinend den Mann an, der hinter Katherine stand. Und tatsächlich lösten sich die kräftigen Männerhände von ihrer Taille und der Mann trat an Emmas Seite.

Drew war groß und muskulös, keine Frage. Zwar etwas kleiner als Mr. O'Sullivan, aber dennoch locker 1,85m. Sein dunkelbraunes Haar war an den Seiten Millimeter kurz geschnitten und der Rest mit Gel zu einer modischen Frisur nach oben gestellt. Die dunklen Schokoladenaugen funkelten Kate belustigt an.

Der maßgeschneiderte schwarze Anzug, unter dem sich ein weißes Hemd inklusive schwarzer Krawatte befanden, schmiegte sich an seinen trainierten Körper und ließen Drew sehr athletisch aussehen. Sehr klassisch, dennoch stand es ihm und machte ihn zu einem attraktiven Mann.

„Tut mir wirklich schrecklich leid.. ich wollte dir nicht weh tun!“, meldete sich wieder Emma zu Wort und schenkte Kate wieder einen entschuldigenden Blick.
„Hey, das ist doch kein Problem, wirklich!“, lächelte sie deshalb.
„Ich bin Katherine O'Connor, für euch aber bitte Kate! Katherine nennt nennen mich nur meine Eltern und Geschwister, wenn sie sauer auf mich sind!“, lachte sie.

„Schön dich kennen zu lernen, Kate! Ich arbeite hier in der Kreativabteilung und bin dafür verantwortlich, dass immer eine passende Werbeidee parat ist, wenn neue Aufträge reinkommen. Und was führt dich hierher?“ Emma war ein Plappermaul, aber es machte sie unfassbar sympathisch, was Kate ein Lachen entlockte.

„Moment mal, Katherine O'Connor? Die Katherine O'Connor, die sich auf den Posten der Chefsekretärin beworben hat?“ Drew schaute sie ungläubig an, als Kate nickte.
„Woher weißt du das?“, fragte sie ihn prompt und runzelte die Stirn. Drew lachte.

„Andrew Mason, stellvertretender Geschäftsführer bei M.O.S Enterprise und bester Freund von dem Wahnsinnigen dort oben.“ Andrew deutete mit dem Zeigefinger Richtung Decke und brachte Kate zum schmunzeln.
„Darf man gratulieren?“, fragte er weiter und sie nickte stolz.
„Das darf man, ja! Dann bist du ja sozusagen jetzt mein Chef..“

„Ach was, vergiss das mal. Da der Wahnsinnige so gut wie nie krank ist und ich nur seine Stelle vertrete, wenn er im Ausland unterwegs ist, kannst du mich nicht als Chef sehen. Ich bitte dich zumindest dazu, denn dich jetzt plötzlich zu siezen wäre echt schräg.“ Auf seinen schmalen Lippen bildete sich ein bubenhaftes Grinsen. Wie süß, der hatte ja Grübchen beim Lachen!

„Da hast du wohl Recht!“, stimmte sie ihm zu.
„Ohje..“ Beide Köpfe zuckten Richtung Emma, die sich anscheinend aus ihrer Starre gelöst hatte.
„Was ist, tut dir was weh??“, fragte Kate auch gleich leicht panisch und erntete ein belustigtes Auflachen seitens Andrew.
„Nein, nicht doch.. ich mein nur, bist du sicher, dass du für den da oben arbeiten willst??“ Emma klang leicht verzweifelt, als sie genau wie Drew gegen Decke deutete und aufseufzte.

„So schlimm ist er doch gar nicht.“, versuchte Kate ihren neuen Boss in Schutz zu nehmen. Keine zwei Sekunden später prustete Andrew los und wischte sich kleine Lachtränchen aus den Augenwinkeln. Die Kleine gefiel ihm, sie brachte eindeutig frischen Wind in diese graue Firma. Vielleicht würde sie sogar Matthew, seinen besten Kumpel seit dem Sandkasten, auf Trab halten. Obwohl, dessen war er sich jetzt schon sicher, was ihn erneut grinsen ließ.

„Du bist echt niedlich, dich mag ich!“, sagte er, als sein Lachkrampf sich legte und klopfte ihr auf die Schulter.
„Ich muss dann mal weiter.“ Und schon war er in den Fahrstuhl gestiegen, nicht jedoch ohne Emma noch einen intensiven Blick zukommen zu lassen. Was da wohl zwischen den Beiden war? Kate war sich nicht sicher, ob sie schon das Recht hatte, danach zu fragen, dazu kam sie im Moment auch gar nicht, da Emma schon wieder weiter quasselte.

„Sag mal, magst du mir deine Handynummer geben? Dann können wir morgen Abend ja evtl. zusammen feiern gehen? Auf deinen neuen Job anstoßen, wie klingt das?“
Dieser Vorschlag klang wirklich nicht schlecht und so stimmte Kate schließlich zu und Handynummern wurden ausgetauscht. Sie würden sich morgen nach der Arbeit beraten und dann gemeinsam um die Häuser ziehen. Kate freute sich unglaublich, als sie das riesige Gebäudekomplex strahlend verließ. Sie hatte eine neue wundervolle Stelle und noch dazu am gleichen Tag zwei nette Freunde dazu gewonnen! Der Tag war einfach perfekt! So glücklich war sie schon lange nicht mehr gewesen.

Sie würde noch kurz zum Supermarkt springen und dann mit der Tube die zwei Stationen nach Hause fahren, irgendwie fühlte sie sich plötzlich ziemlich erschöpft.

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So, da wären wir auch schon am Ende des ersten Kapitels!
Was haltet ihr von der Idee?
Gefallen euch Kate & Matthew bisher?
Und was würdet ihr euch in dieser Story besonders wünschen? :)

Liebe Grüße!
V
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