Kristallener Wahnsinn

von Nairalin
GeschichteHumor, Parodie / P12 Slash
24.08.2015
24.08.2015
1
6293
2
Alle
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
 
Huhu,

Hier ist mein Wichtelgeschenk für Ilarié zum Weltherrschaftswichteln! Meine Vorgaben waren denkbar amüsant (mit Kristallbrüsten zur Weltherrschaft), weshalb das Ausarbeiten besonderen Spaß gemacht hat!

Schuld an allem sind Quoth, Ilarié, Obviously und Co, ohne die ich niemals auf diesen Schnitzer im Schnitzer-Thread und dementsprechende Kommentar gekommen wäre! Aber auch Medianox, InkCaleidoscope und Lucie Sakurazukamori, denen gewisse Schnitzer unterlaufen und die gewisse Kommentare geschrieben haben, sei mein Dank hier sicher ;P

Weiters danke ich Obviously für das Jagen meiner Fehler! ;)

Da dieser OS auch für den Wettbewerb "Bromance Moments" geschrieben wurde, war natürlich auch die Vorgabe kein Slash zwischen den Protagonisten, die man sich ausgesucht hatte zu schreiben.

Deshalb auch zu Anfang eine kurze Einführung ins Fandom für die Jury.

Wer den HdR kennt, wird sich erinnern, dass es vor Moria das Elbenreich Eregion gegeben hat. Dort herrschten vorwiegend Noldor, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass dort nicht nur Noldor, sondern auch Sindar und Avari, andere bekannte Elbenvölker gelebt haben. Im HdR findet man weiters auch, dass das Zwergentor von Moria von Celebrimbor und Narvi erschaffen wurde.

Die Noldor sind Hochelben vom Kontinent Aman, die im Ersten Zeitalter nach Mittelerde zurückkamen. Die Telir (Sg. Teler) sind im Prinzip Sindar, jedoch leben sie an den Küsten und wurden von den Noldor Falathrim genannt (=Küstenvolk). In Eregion befinden sich bei mir hauptsächlich Noldor und Sindar, weniger Telir und einige Avari (=Elben, die den Valar nicht folgen wollten).

Celebrimbor ist der Herrscher über Eregion und Meister/Gründer der Juwelenschmiede-Gilde Gwaith-i-Mirdain. Er ist der Sohn von Curufinwe und Enkel Feanáros, der selbst dem Bösen schlechthin, Morgoth, die Stirn bot, der auch Saurons einstiger Meister war. Sein Großvater Feanor war auch ein Universalgenie und Schmied, was dieser an Celebrimbor weitervererbt hat (und auch wenn nicht belegt, an Curufin, seinen Sohn). Sein Quenyaname (Quenya ist die Muttersprache der Noldor) ist Tyelperinquar. In meinem Headcanon ist er auch der Ziehsohn von Finrod Felagund, einem wichtigen Charakter aus dem Silmarillion, der der älteste Bruder von Galadriel ist. Ebenso ist Celebrimbor bei mir der Ziehbruder von Gildor Inglorion. Wieso ist etwas zu lang zum Ausführen, ich verweise nur darauf, dass Roheryn an allem schuld ist. :D

Um auch einen historischen Background zu geben: Sauron (aka Dunkler Herrscher, Brennauge) kam nach Eregion unter dem Decknamen Annatar und lehrte die Noldor (elendiglich wissbegieriges Pack) einiges beim Schmieden, woraufhin die Ringe der Macht (ersetze Ringe durch Brüste) erstellt wurden. Annatar wurde aufgedeckt nachdem er den einen Ring schmiedete und nutzte, woraufhin ein Krieg ausbrach. Der Rest ist aus dem HdR bekannt.


Personae Dramatis:

Tyelperinquar = Schmied, Meister und Fürst, der das Glück hat in die unmöglichsten Situationen zu schlittern
Narvi = Zwerg Khazad-dûms, der Freundschaft mit Spitzohren pflegt und seltsamen Humor pflegt, Wahnsinnsplaner
Ornil = Elb aus dem einstigen Nargothrond, der Tyelperinquar folgte und die Stimme der Vernunft ist

Annatar = Sauron, auch das Brennauge, Dunkler Herrscher auf Abwegen mit Besitzansprüchen

Círdan = Fürst von Mithlond, Ring... äh Brustträger von Narya
Galadriel = Tante Tyelperinquars, NSA von Mittelerde, Brustträgerin von Nenya
Artanáro = bekannt als Gil-galad, auch Strahlesternchen für Wagemutige, Cousin Tyelperinquars, Hochkönig der Noldor, Brustträger von Vilya

Dírion = Noldo, einstiger Diener von Turcafinwe, Onkel Tyelperinquars, der mit äußerst eigenem Humor ausgestattet ist, Schuldiger für die Wette, OC
Celephindel = eigentlich Morfindel, doch durch einen Unfall der Schwärze beraubt; Schmiedemeister und Diktator der Gwaith-i-Mirdain, von Dírion genannt Celephlad (=Silberhaut), OC
Baragon = Lehrling in der Gilde und "Rumtreiber", OC


Quenya:

Atya = mein Papa
Nildonya = mein Freund


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Drei Kristallbrüste den Elbenkönigen hoch im Licht,

Sieben den Zwergenherrschern in ihren Hallen aus Stein,

Den Sterblichen, ewig dem Tode verfallen, neun,


Eine dem dunklen Herrn auf dunklem Thron

Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.

Eine dunkle Brust, sie zu knechten, sie alle zu finden,

Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden

Im Lande Mordor, wo die Schatten drohen.



Es war ein langer Arbeitstag, und Tyelperinquar streckte sich fast schon genüsslich. Seine Schultern schmerzten, und er ließ sie kreisen, um die Verspannung etwas zu lösen. Es würde noch eine Weile dauern, ehe er Schluss machen konnte, und er freute sich bereits; auch wenn dies natürlich auch bedeutete, dass er seinen Schülern hinterher räumen musste. Ein Kopfschütteln war die Folge seiner Gedanken, die sich einmal mehr seiner ungern aufgegebenen Kontrolle entzogen.

Das leise Gemurmel, welches von den jungen Männer und wenigen Frauen kam, drang kontinuierlich an sein Ohr, das einem Rauschen ähnelte und ihn entspannen ließ. Er mochte die Stille, aber auch wenn er es selten zugab, so war das Wissen, dass andere – vor allem jene, die er liebte – da waren, beruhigend. Sie würden nicht einfach verschwinden, solange sie vor seinen Augen waren. Seit dem Untergang Beleriands war das eine nagende Angst, die Tyelperinquar nicht zu unterdrücken vermochte. Finger berührten die Pläne vor sich, strichen zärtlich über das Papier und er genoss das Gefühl unter seinen Fingerkuppen.

Es war wahnwitzig und absolut bescheuert im Endeffekt, was er erschaffen wollte. Es gab sicherlich bessere Formen für sein Vorhaben und vor allem auch leichtere, aber die momentane Form war zu amüsant, als dass irgendjemand annehmen würde, dass dies Instrumente der Macht sein könnten. Er hatte noch niemandem etwas gesagt, aber er war sich sicher, dass zumindest Narvi höchst erheitert sein würde. Die Zwerge waren in der Hinsicht viel offener und er hatte schon zu oft dreckige Witze von ihnen gehört.

Annatar hingegen … Er würde diesen Spaß sicher nicht verstehen …

„Schaut, dass ihr alle eure Werkzeuge wegräumt!“, drang die vertraute Stimme an sein Ohr und Tyelperinquar blickte auf. „Wenn ich auch nur einen von euch erwische, der einfach nur alles in eine Schublade schiebt, damit es weg ist, kann derjenige etwas erleben. Er darf morgen früh mit mir die Strecke von hier bis Ost-in-Edhil und zurück laufen und danach die Schmieden putzen!“

Die Schüler stoben auseinander und beeilten sich, alles fein säuberlich zu ordnen und wegzuräumen. Tyelperinquar wusste nicht so recht, ob er lachen sollte, weil die meist noch jugendlichen Lehrlinge solche Furcht vor ihrem Meister hatten, oder ob seufzen sollte, weil sein Freund die Burschen und Mädchen verschreckte. Doch soweit kam er gar nicht, als sich blitzende, blaue Augen in ihn bohrten, und ihm das Lachen im Hals stecken blieb.

„Das gilt auch für dich, Celebrimbor!“, grollte sein Gegenüber und stemmte die Arme in die Seiten. Ein Seufzen entrang sich der Kehle des Noldo, und er nickte ergeben. Der Blick wurde weicher, wie er bemerkte, und er verkniff sich das wissende Lächeln. Was auch besser so war, denn er wusste, wie temperamentvoll sein ehemaliger Lehrling sein konnte. „Ich hatte nichts anderes vor, Celephindel“, erwiderte er ruhig und erntete ein strahlendes Lächeln. Ebenjener drehte sich nun wieder zu den Schülern um und trieb sie an.

„Aber, Meister Celephindel, wir brauchen sie do…“

Baragon, der Frechste ihrer Lehrlinge, zuckte zurück, als ihn der finstere Blick traf. Man sollte die kleinsten Elben in der Gilde nicht unterschätzen, dass hatte Tyelperinquar selbst lernen müssen; und Celephindel konnte eine furchteinflößende Gestalt sein, gleich dessen, dass dieser nur seine Brust – und das mit Mühe! – erreichte. Manche ihrer weiblichen Schüler waren größer als der Teler.

„Schon gut“, wehrte sich Baragon und hob eingeschüchtert beide Hände hoch. Amüsiert beobachtete Tyelperinquar wie alle nun ihre Arbeitsflächen säuberten, während Celephindel mit verschränkten Armen dastand und sie genau musterte, was die Jugendlichen noch nervöser machte.

„Du bist ein Biest“, murmelte Curufinwës Sohn seinem Kollegen ins Ohr und erntete ein leises Lachen. Ein Funkeln trat in die blauen Augen, die nun dunkler erschienen als zuvor, und er spürte den warmen Atem an seiner Wange.

„Natürlich, aber sonst würde dieser Sauhaufen gar nicht funktionieren!“ Ein Kichern entfloh Celephindel. „Außerdem würdest du mich anders wollen?“ Er wackelte vielsagend mit den Augenbrauen und drehte sich dann von Tyelperinquar weg. „Noch langsamer geht nicht mehr?“ Der sarkastische Tonfall trieb alle nochmals an.

„Spielt unser Schrumpfnoldo wieder Terrorzwerg?“, wurde Tyelperinquar von hinten angesprochen, und er drehte sich um. Dírion grinste breit, während Ornil neben ihm nur verzweifelt den Kopf schüttelte.

„Mit viel Glück hat er dich nicht gehört“, erwiderte der Noldo leise. Celephindel war mittlerweile dazu übergegangen, die Arbeitsflächen zu prüfen, ebenso auch die Schubladen. Danach würden – das wusste er – die Schmelzöfen und anderen Gerätschaften folgen, damit auch ja nichts passieren konnte.

Düster erinnerte er sich, was seinen Freund derart pingelig hatte werden lassen. Damals war Celephindel noch sein persönlicher Lehrling gewesen, kurz vor seiner Meisterprüfung. Er wurde zu dem Zeitpunkt noch Morfindel gerufen, da seine Haare ein bläuliches Schwarz aufgewiesen hatten. Tyelperinquar erinnerte sich noch an die blauen und silbernen Bänder, die das Haar zusammenhielten. Celephindel hatte bezaubernd ausgesehen. Doch dann war der Unfall dazwischen gekommen, der ihrer aller Leben verändert hatte.

Sein Lehrling hatte überlebt, aber die Narben an Rücken und Brust würden ihn ewig begleiten. Teilweise hatten sie das Mithril, welches sie in jenem Schmelzofen, der durch die Hitze zu viel Druck aufgebaut und auf Celephindel gestürzt war, geschmolzen hatten, nicht mehr von der Haut bekommen. Einzig Dírion wagte es, Celephindel manchmal auch Celephlad, Silberhaut, zu nennen. Und irgendwann hatte sich sein Freund tätowieren lassen, um die Narben zu kaschieren. Die Zwerge waren in der Hinsicht talentiert und diese Kunst der ewigen Körpermalerei war ein Teil ihrer Kultur. Narvi hatte es dem Teler angeboten gehabt, um ihm auch nur etwas helfen zu können, da der Zwerg wusste, wie viel Tyelperinquar für ihn empfand.

Seitdem trat dieser wieder selbstbewusst auf, auch wenn es immer wieder Momente gab, in denen sein einstiger Lehrling in ein Loch fiel und nur schwer wieder herauskam. Eine weitere Veränderung war die Farbe seiner Haare gewesen. Tyelperinquar erinnerte sich nur zu genau daran, wie die Heiler meinten, dass es nicht unerwartet sei, da bei solch traumatischen Erlebnissen oft der Farbverlust eintrat. Seitdem war aus Morfindel Celephindel geworden, der wohl strikteste und ordentlichste aller Meister in der Gilde. Nach dem Unfall hatten die Schüler ihn verehrt und auf jedes kleinste Wort geachtet. Erst später hatte Tyelperinquar auch erfahren, dass Celephindel die Jüngeren weggestoßen hatte, um sie zu retten.

„So bringt man Ordnung hinein“, meinte Celephindel plötzlich direkt neben ihm und lehnte seinen Kopf gegen Tyelperinquars Oberarm. Eine gewisse Müdigkeit war in dem feinen Gesicht zu erkennen und Sorge machte sich in der Brust des Noldo breit. Unmerklich für die anderen legte er stützend seinen Arm um Celephindels Taille. Ein amüsierter Blick wurde ihm von dem Teler zugeworfen. „Du wolltest mir übrigens von deinen Plänen erzählen, Celeb!“ Ein frustriertes Seufzen entfloh dem Angesprochenen, da er eigentlich noch nichts darüber sagen wollte.

„Ach, Cel, er wird seine Wettschulden natürlich begleichen. Du kennst ihn doch!“, lachte Dírion neben ihm, und Tyelperinquar spürte Vibrationen von unterdrücktem Gelächter von seinem Freund in seinem Griff ausgehend.

„Wirklich?“ Der Kopf wurde in den Nacken gelegt und er wurde von funkelnden Augen angesehen.

Tyelperinquar knirschte mit den Zähnen und nickte. „Narvi wird es lieben!“

„Gute Nacht, Meister!“, vernahm er, und die Letzten ihrer Schüler verließen die Schmieden. Er nickte ihnen zu, während er spürte, wie sich der schlanke Körper enger an ihn schmiegte. Feine Röte begann seine Wangen zu überziehen, aber er stieß Celephindel nicht fort. Sie waren nur mehr zu viert in diesem Teil der Schmieden, wahrscheinlich die Letzten überhaupt, und seine beiden ältesten Freunde wussten um seine Gefühle. Gefühle, die er eindeutig nicht zulassen konnte, egal wie sehr er sich das wünschte. Die Regeln waren so klar, dass er sich in seiner Position nicht dagegen wehren konnte. Er hatte Verantwortung gegenüber seiner Gilde und seinen Leuten – es wäre egoistisch, wenn er gegen all dies verstieß.

„Muss es wirklich die Form sein?“, fragte Tyelperinquar nochmals hoffnungsvoll nach und bekam nur ein Grinsen und ein Nicken zu sehen. Er würde nie wieder Zwergenbier mit Dírion trinken, besonders nicht, wenn Narvi anwesend war und solchen Unsinn auch noch förderte.

„Ich will das Gesicht unseres liebsten Zwerges sehen, wenn er deine Brüste erblickt!“

Stöhnend hielt er sich die Hand über seine Augen und wollte im Erdboden versinken. Doch kein Erbarmen war zu erwarten, denn der alte Noldo fand die Tatsache viel zu erheiternd, als dass dieser ihm die Wettschulden erlassen würde. Doch noch ehe Tyelperinquar etwas sagen konnte, hatte sich Celephindel von ihm gelöst und sich seine Pläne geschnappt. „Nein, Cel, bitte …!“ Die Pläne wurden von den schlanken Fingern auseinandergerollt. Das Rascheln von Papier war zu vernehmen, neben dem Knistern des Feuers. Ein lockender Blick wurde ihm über die Schultern zugeworfen, ehe sich die Aufmerksamkeit des silberhaarigen Schmiedemeisters wieder auf die Aufzeichnungen vor ihm richtete. Er konnte direkt spüren, wie die schwieligen Finger vorsichtig über die Oberfläche fuhren, die Zeilen berührten und die Buchstaben liebkosten.

„Wenn du das wirklich machst, heirate ich dich!“, brachte Celephindel geschüttelt von Lachkrämpfen dann hervor und hielt sich am Tisch fest. Irritiert blickte Tyelperinquar den Teler an, der sich nicht mehr einbekam. „Du würdest mich heiraten?!“

Ein Husten war zu vernehmen und Celephindel drehte sich zu ihm um. „Selbstverständlich, du Narr!“ Der Teler klang leicht verschnupft und wedelte mit den Blättern vor Tyelperinquars Gesicht hin und her. „Wenn du das umsetzt umso mehr, das ist einfach nur grenzgenial!“ Die Erheiterung kehrte in das Gesicht zurück und die Augen blitzten hell. Tyelperinquar seufzte erneut und ließ seinen Kopf auf Celephindels sinken.

„Außerdem wer kann schon behaupten, dass er Kristallbrüste der Macht hat?“, lachte seine Stütze. Tyelperinquars Mundwinkel zuckten bei dem Gedanken. Für einen kurzen Moment nur war er froh, dass weder sein Großvater noch Atya miterleben würden, was er hier für eine Schnapsidee umsetzte. Brüste aus Kristall … ein Wahnsinn genaugenommen, anrüchig und sicher nicht das, was er als seriös ansehen würde. Nur dafür war es bereits zu spät und irgendwie amüsierte ihn auch der Gedanke. Auf jeden Fall würde kaum jemand diese Figuren als Instrumente der Macht ansehen, die sie letztendlich sein würden.

„Lasst uns schlafen gehen, der Tag war lang genug!“, gähnte Ornil und packte seine Tasche.

~*~


Herzhaftes Lachen erklang und das klatschende Geräusch zeigte deutlich, dass der Besitzer dieses Lachens mehr als nur amüsiert war. Tyelperinquar seufzte leicht und versuchte, sein Seufzen vor dem Zwerg zu verbergen, der das alles überaus erheiternd fand. Es war letztendlich auch zu irrwitzig, um nicht zu lachen. Vor ihm auf der Arbeitsfläche lagen sieben perfekt geformte Brüste, die beinahe echt wirkten, wenn der Kristall nicht unterschiedliche Farben aufgewiesen hätte. Jede Brust war in ein feines Gestell aus Edelmetall eingefasst und funkelte im Feuerschein der Schmiede.

„Diese Idee …“, brachte der Zwerg erstickt hervor und schlug sich erneut auf die Oberschenkel. „Ich muss ab sofort wohl auch mit dir wetten?“

Tyelperinquar stöhnte auf und ließ sich auf dem Hocker nieder. „Ich bitte dich, Narvi …“ Aber sein Freund lachte nur noch lauter.

„Du musst zugeben, dass es nichts ist, was man von einem Noldo oder Elb im Allgemeinen erwarten würde“, grinste der Zwerg und strich sich mit der rechten Hand über seinen schwarzen Bart. Frisch gestutzt wirkte er ungewohnt, aber Tyelperinquar kannte die Zwerge bereits so gut, dass er die feinen Nuancen der Bartgestaltung der Casari mittlerweile verstand – oder zumindest glaubte zu verstehen. Man konnte anhand eines Musters im Flechtwerk, Perlen jedes Materials und Bändern erkennen, welchen sozialen Stand, welcher Familie und welchem Berufsstand ein Zwerg angehörte. Äußerst verwirrend war gerade anfangs gewesen, dass es zwei Arten von Bartlosigkeit gab, die aber nicht einfach zu differenzieren waren. Eine gewollte beziehungsweise notwendige und eine erzwungene. Gerade der Stand der Schmiede hatte Vertreter, die eine Gesichtsrasur vornahmen, da für sie ein Bart ein Sicherheitsrisiko war. Wobei man allgemein sagen konnte, dass der Schmiedestand die kürzesten Bärte unter den Zwergen Durins hatte. Mehr als eine Handbreite hatte so gut wie keiner von ihnen, da das Risiko mit jedem Pityarangwë stieg, dass sich ein Funke verirrte und den Bart entzündete.

„Das ist mir bewusst“, grummelte Tyelperinquar nur und verschränkte die Arme. „Das macht es nicht weniger peinlich …“

„König Durin wird das gefallen!“, grinste Narvi breit.

Irgendwie war Tyelperinquar klar gewesen, dass Narvi ihm diese Antwort geben würde. Durins Volk besaß einen sehr eigenwilligen Sinn für Humor, der nicht immer für ihn verständlich war. „Sicher?“, fragte er daher skeptisch und war sich sicher, dass es unmöglich sein konnte, dass ein Herrscher wie Durin III. solche Geschenke nicht witzig finden konnte. Aber er hatte Wettschulden und diese waren Ehrenschulden – leider!

Er wollte auch nicht wissen, wie diejenigen Elben reagieren würden, die seine drei Unikate bekommen würden. Es waren die Einzigen, bei denen Annatar nicht anwesend gewesen war und die er alleine hergestellt hatte. Sie waren realer und vor allem auch aus Kristallen, die einen sehr hautähnlichen Farbton hatten. Er wusste schon jetzt, dass sein Cousin es mit Humor nehmen würde, Círdan würde ihn mit hochgezogener Augenbraue ansehen und fragen was das sollte. Mehr als ein „Wettschulden …“ würde Tyelperinquar so oder so nicht hervorbringen, das wusste er bereits. Aber seine Tante … wie sie reagieren würde, wusste er nicht, doch Nenya wäre bei ihr besser aufgehoben als bei jedem anderen sonst.

Er erinnerte sich nur zu gut an Annatars Miene, als dieser die Kristalle zum ersten Mal gesehen hatte. Ein vollkommen entgeisterter Ausdruck war es gewesen, fragend, ob er nicht den Verstand verloren hätte. Erst nach einigen Minuten war der Blick milde, belächelnd geworden. Tyelperinquar hatte sich wie ein kleines Kind gefühlt.

„Natürlich!“, erklang Narvis tiefe Stimme und eine Hand legte sich auf seinen Unterarm. „Du vergisst, dass mein König tatsächlich einen schrägen Humor sein eigen nennt! Er wird sich über die Brust freuen wie ein Kind. Allein weil es absolut abseits der Norm ist und niemals erwartet werden würde. So etwas liebt er!“ Braune Augen blitzten schelmisch und Tyelperinquar lächelte gequält. Er war sich nicht sicher, ob sein Freund hier nicht dezent übertrieb.

„Außerdem kann sich niemand über deinen Humor beklagen“, versuchte Narvi ihn aufzumuntern. „Aber was hältst du davon, wenn wir ein wenig weiter am Tor planen?“

„Wenn Durin uns diese Aufgabe nach den Brüsten überhaupt noch lässt …“, murmelte er verdrießlich. Er war noch nie sonderlich optimistisch gewesen, die Vergangenheit hatte ihm das ausgetrieben. Ein Schnauben erklang und er wurde am Arm gepackt und mitgezogen. Woher der Zwerg die Kraft nahm, war ihm ein Rätsel. Tyelperinquar war einen knappen Rangwë größer als Narvi und wog auch dementsprechend mehr, auch wenn Zwerge für ihre Größe verdammt viel wogen, wie er selbst einmal hatte feststellen müssen.

„Wird er mit Sicherheit, Spitzohr!“

Das Grinsen und die Fröhlichkeit in den Augen seines Freundes waren genug, um ihn über die Beleidigung hinwegsehen zu lassen. Er passte seine Schritte an die des Zwerges an, auch wenn es teils unangenehm war solch kleine Schritte zu nehmen. Dies war eine der wenigen Gelegenheiten, in denen die Größe des Zwerges Gewicht hatte, denn sein Charakter – und das würde Tyelperinquar immer wieder sagen – war so groß wie die eines jeden Noldo.

Sie verließen die Schmieden und gingen in Richtung Sirannon. Kühle Luft schlug ihnen entgegen, als sie sich dem Wasser näherten. „Stell dir nur vor, was man mit den Kristallen alles anstellen könnte!“

Das Lachen hallte im Tal wieder, und Tyelperinquar zuckte leicht zusammen. „Deshalb musst du nicht so laut sein, Herr Zwerg!“, zischte er und fühlte sich unwohl.

Für einen Moment nur wurde Narvi ruhig und scheinbar ernst, nur um dann erneut in Gelächter auszubrechen. „Nun, Nildonya“, fing der Zwerg an und klopfte neben sich auf den Felsen. Es erstaunte Tyelperinquar immer noch, dass sein Freund darauf bestanden hatte, Quenya zu lernen. „Eines hast du durch diesen Geniestreich auf jeden Fall erreicht!“ Ihm wurde zugezwinkert, und er runzelte die Stirn. Was sollte erreicht haben, außer das Gespött jener, die diese Brüste erhalten würden?„Du bist ein so gut wie verheirateter Mann!“

Tyelperinquar riss die Augen auf und starrte den Zwerg an, der ein süffisantes Grinsen auf den Lippen hatte. Wie …? woher …?

„Dírion, dieses Waschweib, kam nicht darum herum, mir erzählen zu müssen, dass unser liebster Silberschopf bereits gesagt hat, dass er dich heiraten würde, wenn du das umsetzt.“

Er versteifte sich und sah auf das plätschernde Wasser. Ein irritierter Laut entfuhr dem Zwerg neben ihm, und der Noldo spürte einen Schlag gegen seinen Arm.

„Verdammt, Narvi, was soll das?!“, fragte er verärgert. „Doch dieser funkelte ihn mit verschränkten Armen an.

„Wenn du glaubst, ich wüsste nicht, was durch deinen Kopf geht, dann irrst du dich gewaltig!“ Die Stimme des Zwerges war ruhig und viel zu leise. Doch Tyelperinquar stellte sich stur. Er hatte nicht vor, über seine Entscheidungen und Meinungen zu diskutieren, die nur ihn etwas angingen. Gereizt strich er sein Hemd glatt. „Du liebst den Jungen, du Sturkopf. Offensichtlicher geht es nicht und es weiß so gut wie jeder in der Gilde, egal wie sehr du versuchst, es zu verbergen.“ Sprachlos hielt er in der Bewegung inne und starrte Narvi an. „Ich weiß, dass deine Leute seltsame Regeln mitgenommen haben, aber du solltest nie vergessen, dass in deinem Reich vor allem aber verschiedene Kulturen sind und du für alle einstehst. Wenn du glücklich bist, wird es das Volk sein, da es nur dein Spiegel ist. Und ebenso wenig, wie du zulassen darfst, dass durch reine Beziehungen Dummköpfe in die Gilde kommen, genauso darf das auch nicht in deinem privaten Leben passieren“, fuhr Narvi fort.

„Ich bin ein Vor…“

„Ja, das bist du, Celebrimbor!“, donnerte der Zwerg los und stand auf. „Was glaubst du, wie viele ähnlich empfinden, sich jedoch nicht trauen, da es diese dummen Regeln gibt, die keiner gebrauchen kann! Du kannst das durchbrechen und anderen das Leben erleichtern, indem du es gesellschaftsfähig machst. Nicht umgekehrt!“

Narvi atmete tief ein und schaute ihn an. „Nur so wirst du ihn verlieren, denn er wird nicht zuschauen. Und denk nicht einmal im Traum daran, jetzt an diesen aufgeblasenen Ainu zu denken, der diese Regeln nochmals bestärkt. Er gehört nicht zu euch und wird es nie tun. Dieser humorlose Besserwisser, der es zu nichts bringt und sich trotzdem gut vorkommt!“ Eine Tirade über Annatar folgte, die kein gutes Haar an dem Ainu ließ. So ging es noch eine Weile dahin, eine Zeit, in der Narvis Worte zu sacken begannen. Nachdenklich starrte Tyelperinquar auf das Wasser, folgte seinem Lauf bis zu den ersten Hulstenbäumen.

„… du solltest am besten ein neues System für dein Volk aufziehen.“

Perplex wandte Tyelperinquar seine Aufmerksamkeit wieder dem Zwerg zu und starrte ihn an.

Entschlossenheit stand in den braunen Augen und die Fäuste hatte dieser in die Hüften gestemmt. „Du hast alle Mittel, um das durchzusetzen und kannst die wichtigsten Personen deines Volkes überzeugen.“

Irritiert blinzelte er. „Du willst mir nicht gerade raten, dass ich alle manipuliere, nur um meinen Willen durchzusetzen?“, hakte er misstrauisch nach.

Narvi schnaubte.„Nein, ich sage dir nur, dass du dementsprechend die Unterstützung hättest, um hier ein komplett neues System auf die Beine zu stellen und eine Änderung zu bringen.“

„Und als nächstes rätst du mir die Weltherrschaft an?“, fragte er sarkastisch. Erst wurde Narvis Gesicht leicht rot, Wut zeichnete sich auf dem Gesicht ab, ehe dieser inne hielt und plötzlich zu grinsen anfing. „Mit Kristallbrüsten zur Weltherrschaft!“, prustete der Schmied los. Erst wollte der Noldo etwas sagen, aber die Vorstellung alleine war so irrwitzig, dass ihm ein Glucksen entkam und er sich die Hand vorm Mund hielt.

„Natürlich läuft das alles subtil und nach einem maßgeschneidertem Plan“, führte Tyelperinquar dann doch sarkastisch fort. Mit funkelnden Augen beschrieb er diesen ‚Meisterplan‘ und fühlte sich zum ersten Mal seit Jahrhunderten wieder jung und euphorisch. Nicht, dass er es wirklich ernstnahm, bei weitem nicht, aber es war wir ein Stück Kindheit, etwas Wahnwitziges zu planen und sich auszumalen, wie es funktionieren könnte. Irgendwann ließ er sich vom Felsen auf den Boden gleiten und zeichnete in den weichen Sand um Ufer Strategien ein, während der Zwerg sich begeistert beteiligte und schlussendlich seine Pfeife herauszog. Der Beutel mit Tabak wurde hervor genommen, und Narvi stopfte seine Pfeife mit größter Geduld.

Es entlockte Tyelperinquar ein Lächeln und er zog sein eigenes Exemplar hervor. Er erinnerte sich, wie er wochenlang an den Details gearbeitet hatte, um Narvi diese Pfeife zu machen. Er hatte fünf Mundstücke geschnitzt, ehe er es so hinbekommen hatte, wie er es gewollt hatte. Das Endstück, wo der Tabak hineinkam war dagegen noch einfach gewesen. Er hatte die Form vorbereitet und alles mit Mithril gegossen. Sein – vermutlich mittlerweile bester – Freund hatte ein Unikat bekommen sollen, um welches ihn sogar der König beneidete. Im Gegenzug hatte er auch eine erhalten, die er wie seinen größten Schatz hütete – auch wenn sein kleiner Bruder immer wieder deshalb fluchte. Tyelperinquar wusste nur zu gut, dass es Gildor missfiel, aber das Pfeife Rauchen war sein einziges Laster, welches er nicht mehr aufgeben wollte. Es war ein eigenes Gefühl, mit Narvi eine Pfeife zu rauchen und entspannt die frische Luft zu genießen. Er erinnerte sich nur zu gut, wie er damals genau gleich wie Gildor reagiert und Tabak in jeder Form abgelehnt hatte.

Wortlos wurde ihm der Tabakbeutel gereicht und Tyelperinquar nahm sich ein wenig heraus, um die Pfeife zu stopfen, ehe er von Narvi die Streichhölzer entgegennahm. Sie schwiegen während sie den Rauch genossen und der Zwerg sich ein Spiel daraus machte, Kringel und weitere Figuren mit dem Ausatmen des Rauches zu formen.

„Es wäre aber wirklich amüsant, wenn du das durchziehst“, gluckste sein Freund plötzlich. „Stell dir mal die Gesichter aller vor! Mit der Kristallbrust zur Macht über alle!“ Der Noldo verschluckte sich fast am Rauch und hustete. Die Schläge auf den Rücken zeigten erst nach einiger Zeit Wirkung.

„Narvi, das ist Wahnsinn“, brachte er hervor und hustete erneut.

„Wäre es wahrscheinlich, aber witzig!“ Das breite, schelmische Grinsen ließ ihn die Augen verdrehen, während er schluckte, da seine Kehle vollkommen rau war.

„Auf deine Verantwortung!“, meinte Tyelperinquar halbherzig und wenig ernst. „Letzten Endes kann man mit den Brüsten doch einiges kontrollieren und die eigenen Eigenschaften verstärken.“ Ein Schaudern lief ihm den Rücken herab, wenn er daran dachte, dass er Galadriël eine geben wollte. Seine Tante war eine wundervolle Person, aber ihr Kontrollwahn und ihre Fähigkeiten konnten selbst ihm Angst einjagen, gerade wenn er diese in dem Kontext betrachtete. Aber noch weniger wollte er den Gedanken mit Annatar verbinden. Er mochte den Ainu, dieser war gelehrt und talentiert, vieles hatte er den Noldor beigebracht. Auch wenn dies nicht für alle galt. Seine Tante misstraute ihm ebenso wie Celephindel, der Annatar mied, wo er nur konnte.

„Dann packen wir es doch an!“

Narvi klopfte die Pfeife aus, und trat nochmals auf die Asche, damit auch ja kein Funken mehr übrigbleiben konnte. Tyelperinquar nahm einen letzten Zug, ehe auch er alles ordentlich verstaute und aufstand. Genüsslich streckte er sich und folgte dem Zwerg Richtung Schmieden.

~*~


Er hatte ein ungutes Gefühl und er konnte nicht sagen, was es nun war, das ihn beunruhigte. Spaßeshalber hatte er den Plan verfolgt, den Narvi vorgeschlagen hatte, welcher etwas zu gut funktioniert hatte, wie Tyelperinquar fand. Eregion war reformiert worden, ein neues soziales System hatte Einzug gehalten und er war Fürst eines Reiches, welches er eigentlich nicht wollte. Die anderen Elbenreiche unterstanden ihm indirekt, da er eigentlich kein Interesse am Regieren hatte.

Artanáro, sein Cousin, hatte die Idee zu witzig gefunden, nicht zu sprechen von seinem jüngeren Bruder Finbor. Círdan hatte wie vorhergesehen reagiert, als er die Brust erhalten hatte, auch wenn er es mit mehr Humor genommen hatte, als erwartet. Aber Galadriëls Reaktion würde Tyelperinquar niemals vergessen, egal was passieren würde. Oder viel mehr die ihres Gemahles. Er hatte mit sich zu kämpfen gehabt, um nicht in schallendes Gelächter zu verfallen.

Die anderen Brüste zeigten entweder kaum Wirkung – die Zwerge schienen immun zu sein – oder aber absolute – die Menschen folgten einem reinen Gedanken. Es war nur anstrengend für neun Reiche zu denken und diese dementsprechend zu koordinieren. Der Noldo hielt nichts von den Sterblichen im Endeffekt, aber er musste gute Miene zum bösen Spiel machen. Er würde nie vergessen, wie Beren einst seinen Ziehvater Findaráto in den Tod geführt hatte, weil er egoistisch nur an seine Liebste gedacht hatte. Ebenso wenig wie die Ostlinge seinem Onkel Maitimo in den Rücken während der Nirnaeth Arnoediad gefallen waren.

„Du denkst zu kompliziert, Celeb“, wurde er aus den Gedanken gerissen. Blaue Augen durchbohrten ihn. „Tue ich das?“, brummte er und zog sein Gegenüber auf seinen Schoß, aber auch nur, weil sie allein waren. Die Reform hatte natürlich viel verändert für sie, aber immer noch scheute Tyelperinquar sich davor, seine Gefühle in der Öffentlichkeit zu zeigen. Eine Jahrtausende alte Erziehung warf man nicht einfach über Bord und lebte ohne deren Einfluss weiter. Wobei er sowieso nie ein Mann der großen Gefühle in der Öffentlichkeit gewesen war und es auch nie sein würde. Es war privat und das sollte es auch bleiben.

Celephindel nickte nur beschwingt und lehnte seine Stirn an Tyelperinquars.

„Ich denke, dass diese Schnapsidee von euch beiden, auch wenn dir diese erst mehr aufgedrängt wurde, zu gut gelungen ist. Es mag zwar eine Menge Verantwortung jetzt auf uns zukommen, aber das sollte auch zu meistern sein. Du musst nur mehr den letzten Schritt gehen“, meinte der Teler leise und blickte ihn durchdringend an.

„Es ist trotzdem etwas im Untergrund, was ich noch nicht ganz fassen kann“, murmelte er und zog Celephindel näher an sich.

„Ich denke, du bist momentan einfach noch überfordert, dass alles so erstaunlich reibungslos vonstattengegangen ist.“

Tyelperinquar war sich da nicht so sicher, auch wenn er es glauben wollte. Was ihn vor allem irritierte war Annatars Verschwinden. Er war in den letzten Monaten immer schweigsamer geworden, ehe er wortlos gegangen war. „Ich weiß nicht …“

Mit lautem Krachen wurde die Tür aufgestoßen, und jemand vollkommen Überladenes trat ein. Verwirrt blinzelte er und wollte schon etwas sagen, als die Sachen vor dem Arbeitsplatz abgestellt wurden und er endlich erkannte, wer denn hier hereingekommen war. Schwarzes Haar und die kräftige, stämmige Gestalt seines Zwergenfreundes war zu sehen, der sich etwas außer Atem den Schweiß von der Stirn wischte.

Ein Blick aus braunen Augen, und ein süffisantes Lächeln erschienen auf den Zügen des Zwerges.

„Seid ihr zwei schon wieder am Fummeln?“, fragte Narvi spöttisch, und Tyelperinquar schnappte empört nach Luft. Doch ehe er etwas scharf erwidern konnte, wurde er sehr effektiv von seinem Gefährten zum Schweigen gebracht.

„Narvi, manchmal solltest du einfach nur deine Klappe halten!“, kommentierte Celephindel atemlos den amüsierten Blick. „Außerdem darf ich so viel Zeit in Anspruch nehmen, wie ich will!“ Gespielt kindisch streckte der Teler Narvi die Zunge heraus. Das Lachen des Zwerges darauf war höchst erheitert.

„Seht zu, dass ihr an die Arbeit geht!“

Damit verließ er die Schmiede wieder und ließ sie alleine.

„Musste das sein?“, fragte Tyelperinquar kläglich, nur um erneut geküsst zu werden.

„Absolut!“

Für einen Moment nur lenkte es ihn ab, doch das Gefühl blieb, dass er etwas übersah.

~*~


Dunkles Lachen hallte von den Wänden wider. Es war heiß und einzig das Licht vom flüssigen Gestein in den Tiefen erhellte diesen Ort. Mit einem siegessicheren Lächeln betrachtete er sein Werk und wusste schon jetzt, dass es gut war. Er hatte aus perfektem schwarzen Onyx eine Brust geformt, die alles übertraf, was in Eregion geschaffen worden war. Sanft strich er über die Worte, die er eingeritzt hatte und die nur bei Hitze zu sehen sein würden oder wenn er sie hielt.

Es bereitete ihm eine diebische Freude, Tyelperinquar so ein Schnippchen zu schlagen. Er ließ sich nicht verschmähen für einen Zwergelb, der marginale Fähigkeiten hatte. Nichts würde ihn daran hindern, den Noldo so in seine Finger zu bekommen und ihm die Lächerlichkeit seines Brust-Projektes vor Augen zu führen, auch wenn er dafür die dunkle Brust hatte erschaffen müssen. Aber wofür hatte er seinen hauseigenen Vulkan, wenn nicht dafür, um zu schmieden?

Alle Brüste würden seinem Willen folgen, denn die Brust vor ihm war einzig dazu da, diese zu beherrschen. Er würde alles unterjochen, sie ins Dunkel treiben und ewig binden. Er würde diese Idiotie vorführen, sie in der Luft zerreißen, nur um daraus seinen Vorteil zu schlagen. Er würde die Brillanz des Noldo für sich beanspruchen und weidlich ausnutzen. Und er würde ihn nicht von der Arbeit ablenken, wie dieser unwürdige Nichtsnutz, der glaubte, ein Anrecht auf Feanáros Enkel zu haben.

Über dessen Freundschaft mit dem Narvi würde er auch die Zwergenreiche unter seine Kontrolle bringen und nutzen. Das Mithril aus Khazad-dûm würde seines sein. Er würde über die Welt herrschen, wie es sein Herr einst nicht geschafft hatte. Er würde Tyelperinquar ein Mithrilhalsband geben, denn ein Käfig würde ihn zu sehr brechen. Sein Täubchen würde nur scheinbar frei sein, aber immer ihm gehören.

Oh, sein Plan war brillant und niemand würde ihn aufhalten können!

Denn seine Brust würde nur in den Schicksalsklüften zerstört werden können. Kein anderes Feuer würde dazu in der Lage sein, womit ihm die Weltherrschaft sicher war.

Er hatte so gut wie gewonnen!
Review schreiben
 
 
'