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Kollege Känguru - Von Konversationen, Konflikten und komischen Ideen

von Inkah
GeschichteHumor, Freundschaft / P12 / Gen
23.08.2015
29.07.2016
3
3.719
6
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13 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
27.03.2016 1.015
 
Endlich mal wieder etwas neues vom Känguru hier! Ich hoffe es gefällt ein bisschen
Und noch was: Kennt ihr schon das neue Kartenspiel "Halt mal kurz" von Mark-Uwe & Co.? Einfach mal nachlesen oder am Besten gleich anschaffen, ist super lustig! :)


Straßenumfrage

"Wenn übermorgen Neuwahlen wären, würden Sie sich dann heute einen neuen digitalen Bilderrahmen kaufen?"

"öhm, naja, also ... Ich weiß nich' ... Ich hab eigentlich nich..."

"Mir scheint die Zielgruppe für deine Umfrage ist entweder schlecht gewählt oder geschieht vollkommen willkührlich", sage ich und ziehe das Känguru von einem sieben bis achtjährigen Jungen weg, den es gerade beim Schaukeln gestört hatte.

Der Bube grinst und entblößt ein lückenhaftes Pferdegebiss. Er schaut uns verdutzt, aber amüsiert hinterher.

Das Känguru trägt heute eine braune Anzugjacke, eine Kravatte, auf der Stirn hat es eine Hornbrille und unter seinem Arm klemmt ein Minilaptop. Außerdem hat es ein Diktiergerät griffbereit um den Hals hängen.

Immer, wenn uns zufällig ein ahnungsloser Passant begegnet, drückt das Känguru auf den Aufnahmeknopf und stellt seine Frage.
Bevor wir los gegangen sind, hat es mir gesagt, dass es einen Fragebogen mit zirka 30 Fragen zusammengestellt hat, jedoch kam es noch nie über die erste Frage hinaus.

Ich werde außerdem den Verdacht nicht los, dass es sich oftmals ausgerechnet die Passanten aussucht, die dümmlich dreinschauen oder wirken, als hätten sie es extrem eilig.

"Glaubst du echt das ist besonders zielführend?", frag ich, nachdem das Beuteltier einen Postboten von hinten überrascht hat, der erschrocken von seinem Fahrrad gekippt war.

"Nein, sicher nicht."

"Aber... Wieso tun wir das denn dann?"

"Na weil es einfach ungeheuer witzig ist."

"Oftmals ist es ja so, dass Humor nur für die eine Seite wirklich lustig ist. Für die anderen..."

"Versuch doch du dein Glück, Dumbledore!"

Es deutet auf eine offenbar überforderte Mutter, die ein kreischendes Baby auf dem Arm hält, es hin und her wiegt, um es zu beruhigen und nebenbei versucht weitere drei Bälger davon abzuhalten eine lebende Statue mit leeren Plastikflaschen zu bewerfen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Statue wirklich Göthe darstellen soll oder ...

"Da ist ja wieder Schiller!", ruft das Känguru und winkt.



Kurz überlege ich noch, dann fällt mir etwas ein.

"Herausforderung angenommen, Voldemort."

Ich nehme den Fragebogen entgegen, den es mir hingestreckt hat und wollte auch nach dem Diktiergerät greifen.

"Nee", sagt das Känguru, "da ist sowieso keine Batterie drinnen."



Mit möglichst ernstem, professionellen Gesichtsausdruck gehe ich auf die leicht überforderte Mutter zu, die ihr Nesthägchen mittlerweile mit einem Schnuller zu beruhigen versucht.

"Entschuldigen Sie, ich bin Marktforscher., haben Sie eventuell kurz Zeit für eine Umfrage.
Der Schnuller fällt durch einen mächtigen Speichelschwall auf den Boden und der Seugling brabbelt weiter.

"Tja, also eigentlich passt mir dette grad gar nich."

"Es dauert auch wirklich nicht lange. Außerdem bieten wir ein kostenloses Kinderbeschäftigungsprogramm an, damit Sie sich ganz auf unsere Umfrage konzentrieren können."

"Na ja also wenn dit so is", die pummelige Frau lächelt, "Watt soll ich denn nu mit die Kinder machen. Wohin kann ick se abschieben?"

Erst wundere ich mich über ihre drastischen Worte, dann aber deute ich auf das Känguru.

"Mein Assistent ist prätistiniert für die Arbeit mit Kleinkindern. ER hat bereits einige Weiterbildungen im Bereich Street Animation absolviert. Dadurch ist es ihm möglich flexible Gruppen zu konstruieren, belastbare Kinder zu traktieren, kreative Ansätze zu intensivieren, innovative Spiele zu dirigieren, begeisterungsfähige Passanten zu animieren, teamfähige Mitglieder zu involvieren und ... kreative Vorschläge zu ignorieren."

"Find ick jut", sagt die Frau und geht hinüber zum Känguru, wo ihre beiden älteren schon auf seinem Rücken herumturnen, um ihm noch ihr Nesthäkchen in die Arme zu legen.

"Dachte ich mir", murmele ich, als sie wieder zurück kommt.

"watt?"

"Ach, schon gut. Können wir anfangen? Wenn morgen Neuwahlen wären, würden Sie sich dann übermorgen einen neuen digitalen Bilderrahmen kaufen?", frage ich.

"Nö", sagt sie, "brauch ick nisch."

"Ah ja, sehr gut."

Ich tue so als würde ich mir eine Notitz machen und lese dan die zweite Frage, die sich das Känguru einfallen lassen hat.

"Würden Sie es begrüßen, wenn in Deutschland wieder der Kommunismus an Stelle des Kapitalismus vorherrschend wäre?"

"Wie? Watt is denn der Komonismus...?"

"Oh jee", mache ich und lese die dritte Frage laut vor.

"Welchen Schulabschluss haben Sie?"

"Na hör'n se ma, jetz werd'n se aber nich unfreundlich, dit jeht se doch jar nix an!"

In mich hineinschmunzelnd beobachte ich wie der mittlere der kleinen Jungen ein angekautes Bonbon an die Hornbrille des Kängurus pappt und herzhaft lacht.

"Sie müssen wissen, zu Hause macht er sowat nisch."

"Ach nein."

"Wir ham da keene Brillenträger."

"Verstehe", murmele ich und überlege, ob ich einen Blick auf Frage vier werfen sollte.

Ich tu es. Sie lautet: Welches Obst oder Gemüse wären Sie, wenn Sie ein Obst oder Gemüse wären.

Ich schüttle den KOpf.

"Ich glaube wir sind fertig."

"Och nö, jetze schon?"

"Na ja, Sie benutzen ja keine digitalen Bilderrahmen", sag ich, "und darauf stützt sich diese Umfrage.

"Jut ... Also passen Se uff, ich jeb Ihnen hier 'nen Schein, den könn' Se einstecken, wenn wir beede uns noch ne Stunde hier uff diese Bank setzen und so tun als würd'n wa diese Abfrage..."

"Umfrage" unterbreche ich sie.

"Jenau! Als würden wir die zu Ende machen. Und so lange bleeb'n meene Zwergen-Terroristen noch bei diesem...", ie schielt zum Känguru hinüber, "...Bei diesem netten ausländischen Geschäftsmann. Jut?"

Ich beobachte das Beuteltier, wie es versucht den Kindern Mau Mau beizubringen und dabei immer gereizter wird, weil einer der größeren alle Karten in der Mitte abknickt.

"Wir kommen ins Geschäft."
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