Kollege Känguru - Von Konversationen, Konflikten und komischen Ideen

von Inkah
GeschichteHumor, Freundschaft / P12
23.08.2015
29.07.2016
3
4004
6
Alle Kapitel
13 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Kollege Känguru

          Nach wahren Begebenheiten

Vorwort:

Wer in dieser durch und durch verrückten Welt lebt,  braucht eigentlich kein Känguru mehr. Aber wenn man Pech hat
{Fußnote: Sie meint Glück}[Anmerkung des Kängurus)
kommt man trotzdem irgendwie zu einem solchen.
Immer mal wieder, wenn irgendwas Kängurumäßiges passiert, werde ich hier ein Kapitel verfassen und euch an den Miseren Teil haben lassen, die das Leben so mit sich bringt :)


---------------------------------------------

1. Kapitel
Gib mir die Kugel

:ZITAT:
Jeder hat das Recht auf eine unbeschwerte Kindheit | Lord Voldemort


~~~

Das Känguru kommt mit einem gefüllten Plastikmüllsack über der Schulter in die Wohnung.
Es stellt das Mitbringsel genau in mein Blickfeld, vor den Fernseher.
Ich sage nichts.
Es wartet.
Ich sage immer noch nichts.

"Fällt dir nix auf?", fragt es.

"Doch", sag ich, "ich kann gar nichts mehr von der Tier-Dokumentation erkennen, die ich mir gerade angeguckt habe. Und dabei habe ich eben erfahren, dass Lori-Äffchen..."

"Ich meine den Sack! Den riesen Sack da vor dir!"

Es stellt sich vor mich hin und macht weit ausladende Bewegungen mit beiden 'Armen.

"Ach, sprich doch nicht so schlecht von dir", sag ich. "Das ist nicht gut für's Selbstbewusstsein, hat mir mein Psychologe letztens verraten. Ich erzähle ihm doch immer wie du mich runtermachst und weil er ja denkt, ich würde mir das mit dir nur einbilden, ist das was du sagst eigentlich das, was mir mein Unterbewusstsein über mich sagt..."

"Nicht ich", rastet das Beuteltier völlig ohne Anlass ganz plötzlich aus. "Die-sen nicht zu ü-berseh-en-den rie-sen Sack!"

"Ach so", sag ich, "doch, ist mir schon aufgefallen."

"Und?", fragt es.

"Und?", frag ich.

"Grrrrr! Willst du denn gar nicht wissen was drin ist?"

"Nee, ich will meine Tierdoku weitergucken. Was interessiert mich denn dieser riesen Sack, da sind bestimmt Teewurst-Reste vom Pinguin drinnen."

"Quatsch. Der Pinguin bringt seinen Müll nie montags raus."

Es macht einen Hüpfer auf die blaue Riesentüte zu und schüttet sie vor mir aus.

"Bunte Plastikbälle?"

"Genau."

"Wo haste die denn her. Mein Portemonnaie liegt doch hier neben mir. Hast du's etwa endlich mal geschafft dir Arbeitslosengeld zu beantragen?"

"Aber nein", erwidert das Känguru tadelnd.

"Sondern?"

"Na ich war bei Ikea", sagt es.

"Und da gab's die zu kaufen? In diesen hässlichen Müllbeuteln?"

"Wer spricht denn von kaufen." Es zwinkert mir zu und beginnt mich mit Bällen zu bewerfen.

"Du hast diese mit Weichmachern verseuchten Plastikkugeln aus dem Spielbereich von Ikea geklaut!", rufe ich entsetzt und starte einen Gegenangriff.

"Klauen ist so ein hartes Wort. Sagen wir, ich habe sie mir geliehen."

"Ach so", sag ich viel beruhigter. "Waren da Kinder drinnen?"

"Jaja", nickt das Känguru kopfschüttelnd, "Schrecklich diese Bälger, die sind ja überall. Eines wäre fast mit in mein ...öh... Transport... öh, öh... -mittel, dass ich mir übrigens auch kurzerhand ausleihen musste,  geklettert, wenn ich nicht aufgepasst hätte."

"Na das hätte ja gerade noch gefehlt", sag ich und versuche in den Beutel des Kängurus zu zielen.

"Aber du bringst die schon wieder zurück oder?"

"Ach, jaja..."

"Beuteltier? Du hast mir doch nach der Sache mit den geklauten Schuhen in Größe 36, die du mir zum Geburtstag geklaut hast, versprochen sowas nicht wieder zu tun."

"Ich kann mich daran nicht erinnern", entgegnet es und verteidigt seinen Beutel wie sein eigenes Leben.

"Na dann streng dich aber mal an, ansonsten werd' ich nämlich..."

"Anstrengen steht auf meiner Not-To-Do-Liste", erklärt es und verdreht die Augen furchtbar weit zur Seite.

"Wuaaah", ekele ich mich, "lass das."


"Erst wenn du mit mir den einzigen orangen Ball in meiner ganzen, sorgfältig ausgewählten Sammlung gesucht hast."

"Gut ausgewählte Sammlung?"

"Die Kugeln sind bunt, was willst du mehr? Hätte ich etwa jede einzelne liebevoll von einem Ikea-Mitarbeiter signieren lassen sollen?"

"Das wär' witzig", sag ich und setze mich auf den Boden in ein Meer aus Bällen, einige davon schon ziemlich lädiert durch Kratzer oder eingedrückte Stellen.

"Wer die Kugel zuerst findet, entscheidet was mit den Bällchen passieren soll", schlägt das Känguru vor und gesellt sich dazu.

Ich nicke.

~~~

Zwei Stunden später, ich habe inzwischen den Bettbezug meiner Decke abgezogen, um die bereits untersuchten Kugeln dort hinein zu sortieren, stecke ich die letzte Plastikproduktion weg und seufze resigniert.

Das Känguru, welches schon nach 10 Minuten die Suche mit dem Kommentar "nee, das is' doof" aufgegeben hat, ist die ganze Zeit im Zimmer gewesen und hat mir zugesehen, während es selbst in seiner Hängematte entspannte. Ab und zu hat es mich mit Sprüchen wie
"Ja, Aschenputtel, nur weiter so. Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen."
oder
"Stell dir einfach vor das wären ...Viele viele bunte Smarties!!!"
ermutigt.

"Du musst dich getäuscht haben. Da ist keine orange Kugel."

"Wusstest du, dass über 20 Prozent aller Deutschen nicht sagen würden 'eine orange Kugel', sondern 'eine orangene Kugel'?", fragt das Känguru relativ zusammenhanglos.

Noch bevor ich einen spitzen Kommentar loslassen konnte, springt es auf einmal jauchzend auf, beugt sich vor, greift flink in seinen Beutel und dann unters Sofa.

"Da ist die blöde Kugel ja. Mann, so'n Zufall. Und wir haben so lange danach gesucht. Echt Alter, Sachen jibt's, die jibt's jar nisch!"

"Du... Duuu! Du hast diese vertrottelte, dumme, drecks, mist, Assi, Flusspferdkacke Plastikkugel die ganze Zeit in deinem Beutel gehabt und lässt mich wie einen Blöden hier aufräumen?"

"Das hast du gut erkannt, Holmes", meint es kess und übergibt mir feierlich den Ball.

"Und jetzt... Du... du gibst mir die Kugel. Ich weiß gar nicht was ich sagen soll", echauffiere ich mich.

"Wenn ich dir wirklich mal die Kugel geben sollte, dann so, dass du danach nicht mehr redest.
Irgendwer musste doch das ganze Chaos beseitigen. Außerdem hab ich auch was gemacht."

"Ja, du hast immer denselben, quietschgelben  Ball genommen, hast laut 'nöö' gesagt und ihn wieder vor dich geworfen, woraufhin du ihn dir wieder genommen und wieder 'nöö' gesagt hast."

"Siehste, sag ich doch. Ich war nicht untätig. Und danach habe ich mir meine Pause wohl redlich verdient."

"Na toll"; mache ich.

Das Känguru setzt sich auf die Couch.

"Und weil ich dieses Bällchen gefunden habe, entscheide ich auch, dass nämlich du diesen Bettbezug gefüllt mit Bällen aus dem Bällchenbad wieder zurück bringen und an der Kasse die ganze Geschichte erklären musst."

"Die halten mich doch für vollkommen verrückt", sage ich.

"Ja ja, die Schweden haben schon immer eine recht gute Menschenkenntnis bewiesen. Aber falls es dich beruhigt, du darfst auch gern erwähnen, dass nicht du die Bälle geklaut hast, sondern ein Känguru, mit dem du zusammen lebst."

"Nie... Ich kann wirklich nie gewinnen."

Niedergeschlagen setze ich mich neben dem Känguru aufs Sofa.

Leider kippt dabei mein Bettbezug zur Seite, den ich ebenfalls dort abgestellt hatte.

Ich versuche ihn noch aufzuhalten, doch erwische nur den Stoff...

Die Kugeln aber rieseln alle samt heraus.

"Altes Spielkind", kommentiert das Känguru und flätscht sich wieder in seine Hängematte.

"Razupaltuff!"