Sweet Nightmares

von Arionell
GeschichteMystery, Romanze / P16
Nicolas Brown OC (Own Character)
20.08.2015
20.08.2015
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Ein rauer Wind wehte durch die dunklen Straßen Ergastulums. Zu dieser Uhrzeit trieben sich kaum mehr Menschen auf den Straßen. Und das war auch besser so. Denn nach Mitternacht konnte man nie wissen, was einen in der Finsternis erwartete.


Ein Geräusch ertönte und ließ Lena aus ihrem sowieso schon unruhigen Schlaf fahren. Sie schlug die Augen auf und hielt sich ihr Herz, das wild aufgeschreckt wie eine Schar Vögel gegen ihren Brustkorb hämmerte. Ihre Augen mussten sich zunächst an die neuen Lichtverhältnisse gewöhnen, sodass sie einen Moment brauchte, um sich zu orientieren. Ihre Augen wanderten durch den Raum und suchten nach der Geräuschquelle, die sie hatte aufschrecken lassen.

Ihr Blick fiel auf einen Ast, der im Wind wehte und erneut gegen die Fensterscheibe klatschte.

Ganz ruhig, Lena. Es war nur ein Ast. Nichts weiter.

Sie atmete hörbar aus und ließ sich wieder nach hinten fallen.

Wie lange war sie schon hier? Wie viele Tage, Wochen, Monate?

Irgendwann hatte sie das Gefühl für die Zeit vollkommen verloren, doch andererseits…spielte das überhaupt noch eine Rolle? Ihr altes Leben, wenn sie denn wirklich eines gehabt hatte, war etwas, woran sie sich sowieso nicht mehr zurückerinnern konnte.

Sie vermutete, dass sie von außerhalb Ergastulums stammte. Und sie glaubte, sich daran erinnern zu können, dass sie mit einem Auftrag von jener Außenwelt hergekommen war. Doch was genau dieser Auftrag war und von wo genau sie herkam, das hatte sie längst vergessen.

Ein verbittertes Schmunzeln umspielte ihre Lippen. Zu Beginn wusste sie ja noch nicht einmal ihren eigenen Namen. Der Name „Lena“ war ein Name, den sie ihr gegeben hatten.

Lena fragte sich, weshalb sie sie überhaupt aufgenommen hatten. Wahrscheinlich geschah es einfach aus einer Laune heraus. Sie sagten zwar, dass sie noch jemanden gebrauchen könnten, der hier neben Alex die Stellung hielt, doch so richtig glauben konnte Lena das nicht. Es fiel ihr generell schwer, Menschen zu vertrauen. Woran das wohl lag? Vermutlich ebenfalls ein Resultat der Erfahrungen ihres früheren Lebens, das im Nebel lag.

Eine ihrer ersten Erinnerungen war die Kälte, der Schnee, der um sie herum lag. Sie musste zusammengebrochen sein und stand kurz davor, sich zu unterkühlen. Sie wusste noch genau, wie ihr schlichtweg die Kraft dazu fehlte, sich aufzurappeln. Ja, in dem Moment glaubte sie, dass es vorbei war, mit ihrem Leben. Erfrieren fühlte sich gar nicht mal so unangenehm an...

Man wurde müde und sie hatte seit langem wieder das Gefühl, endlich einen friedlichen Schlaf finden zu können.

Doch sie sollte nicht sterben. Nein, an jenem Tag sollte sie noch nicht sterben, denn er hatte sie gefunden. Sie konnte sich noch genau daran erinnern, an seine Wärme und seinen Geruch. Er hatte sie hochgehoben und auf seinem Rücken hergetragen.

Als sie das nächste Mal ihre Augen aufschlug, befand sie sich bereits in der Wohnung. In der Wohnung der Benriya.

Alex war eine nette Frau und kümmerte sich sofort um sie. Sie erklärte ihr, wo sie war und wer die beiden Männer waren, die hier wohnten, jedoch gerade außer Haus waren, da sie einem Auftrag nachgingen.

Als Lena die beiden Männer kennenlernte, wusste sie zunächst nicht, was sie von ihnen halten sollte. Worick war jemand, der immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hatte. Er war ein lustiger, extrovertierter Typ und es war fast ein Ding der Unmöglichkeit, sich nicht mit ihm zu verstehen. Er hieß sie offiziell Willkommen und bot ihr an, hierbleiben zu können, bis sie ihre Erinnerungen wiederhatte. An irgendwen erinnerte er sie. Vielleicht hatte sie ja in ihrem alten Leben einen Bruder gehabt? Zumindest weckte sein Zigarettengeruch irgendetwas in ihr. Ausschließen konnte sie es nicht und das schien den Blonden irgendwie zu amüsieren. Spaßeshalber fing er damit an, sie Onee-chan zu nennen und obwohl Lena das zu Beginn seltsam fand, so hatte sie sich irgendwann daran gewöhnt.

Und Nicolas…

Ihn hatte sie bis heute immer noch nicht durchschaut.


Wie sie herausfand, war er derjenige gewesen, der sie vor dem Erfrierungstod gerettet hatte. Alex sagte, dass Nicolas eigentlich ganz nett war, wenn man ihn erstmal kannte. Dennoch war Lena zunächst skeptisch, weshalb so ein grimmiger Zeitgenosse sie gerettet hatte. Doch recht bald merkte sie, dass Alex Recht hatte. Dass Nicolas taub war…und die Sache mit der Zeichensprache, das gehörte zu den Dingen, an die sie sich nach und nach gewöhnte und irgendwann konnte sie nicht anders, als sich gerne in seiner Nähe aufzuhalten. Selbst wenn er nur ungern mal ein Wort verlauten ließ und so eine unterkühlte Aura um sich hatte, konnte Lena nicht anders, als sich von ihm angezogen zu fühlen...

Doch was er von ihr hielt, zeigte er ihr zumindest nicht direkt. Wenn sie diese Albträume hatte, war er da. Wenn es ihr schlechtging, erlaubte er ihr, sich an seiner Schulter anzulehnen. Doch irgendetwas schien ihn davor zurückzuhalten, seine Mauer komplett niederzureißen. Worick hatte ihr von einer Frau erzählt, die mal eine wichtige Rolle in Nicolas‘ Leben gespielt hatte. Vielleicht war da diese Distanz, die er um sich schuf, genau wegen jener Frau. Weil er sich Vorwürfe machte, was aus ihr geworden war…


Lena gab es auf, in dieser Nacht noch Schlaf zu finden. Wenn sie ihren Gedanken so intensiv nachging, so war das auch kaum verwunderlich, dass sie nicht zur Ruhe kam. Sie erhob sich aus ihrem Bett und schlich in Richtung Kühlschrank. Ein kühles Getränk war genau das, was sie jetzt brauchte.


Nachdem sie ein paar hastige Schlucke genommen hatte, atmete sie erleichtert auf.
Doch dann hörte sie ein Brummen, das von der Couch kam. Erst da registrierte sie, dass dort jemand war. Nicolas war offenbar eingeschlafen, hatte sich nun aber aufgesetzt und bedachte sie mit so einem Blick.

„Oh, tut mir leid. Hab ich dich geweckt?“, fragte Lena vorsichtig. In dem Licht des Mondes, das durch die Fenster fiel, musterte sie seine Konturen. Ihr blick fiel auf seinen nackten Oberkörper und sie fragte sich, warum ihr Herzschlag sich bei diesem Anblick immer wieder aufs Neue beschleunigte. Anscheinend würde sie sich nie daran gewöhnen.

„Konn-test….du…wie-der…nicht…schla-fen…?“, hörte sie ihn plötzlich sagen, woraufhin sich ihre Augen weiteten. Sie wusste ja, dass er nicht gerne sprach, umso verwunderter war sie, dass er es gerade doch tat, hatte sie ihn darüber hinaus auch noch um seinen Schlaf geraubt.

Lena zögerte kurz, bevor sie leicht nickte. „Diesmal war es kein Albtraum, aber der Wind hat mich aufgeschreckt“, sah sie auf den Boden. Dann fuhr sie sich verlegen über die Unterarme. Ihr wurde mit einem Mal etwas kühl, während sie ihr Gewicht vom einen aufs andere Bein verlagerte.

Als sie ihren Blick aufrichtete, bemerkte sie, dass Nicolas sie immer noch musterte.

Und dann klopfte er auf die freie Stelle neben sich.

Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, als ihr die Bedeutung seiner Geste klar wurde. Langsam ging sie auf ihn zu und setzte sich neben ihn. Nicolas schien ebenfalls kurz zu zögern, doch dann legte er seinen Arm um ihre Schultern und drückte sie leicht an sich.

„Ka-lt“, murmelte er, woraufhin Lena nickte.

„Ich glaube, dass meine Körpertemperatur einfach niedriger ist, als normal“, seufzte sie, während sie sich an ihn kuschelte und seine Wärme genoss.

Seitdem ihre Albträume aufgehört hatten, war es nicht mehr dazu gekommen, dass sie sich so an ihn lehnen konnte. Es gab schlichtweg keinen Grund mehr dazu. Umso schöner war es, dass sie nun wieder so beieinander saßen.

Irgendwann wurden ihre Augenlider ganz schwer. Sein ruhiger und regelmäßiger Atem. Sein Duft. Das Klopfen seines Herzens. All das übte eine so beruhigende Wirkung auf sie aus, dass sie sich nicht mehr dagegen wehren konnte und der Müdigkeit nachgab.

Sie wünschte, dass es immer so kein könnte. Was war schon etwas Schlafmangel, im Gegensatz dazu, dass man in den Armen desjenigen liegen konnte, an den man längt sein Herz verschenkt hatte…?

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Was meinst du…Nicolas?
Macht es dich auch glücklich…?

Zumindest…ein wenig?
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