Winterwonderland

KurzgeschichteRomanze / P12
19.08.2015
19.08.2015
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Sie sah aus dem Fenster: immer noch Winter. Wie hätte es auch anderes sein können. Es schneite schon seit Wochen ununterbrochen, jeder in ihrem kleinen Dorf hatte schon längst Probleme die Haustür jeden Morgen frei zu schaufeln. Jeder der das noch machte, viele versuchten es einfach nicht mehr jeden Morgen die Unmengen an Schnee aus dem Weg zu räumen. Man benutzte einfach eines der Fenster um nach draußen zu kommen, wenn man überhaupt ging.
Sie allerdings machte sich jeden Morgen die Mühe und schaufelte den Weg frei. Bei ihr mussten täglich Leute aus und eingehen können, es blieb ihr also nichts anderes übrig als einzige Ärztin.
Gerne wäre sie noch länger im Bett geblieben, mit der Wärme und ihren Flauschigen Kissen und natürlich mit ihrer Frau. Sie würden bald Hochzeitstag haben. Bald. In vier Monaten. Damals hatten sie sich entschlossen im Frühling zu heiraten, für sie beide hatte der Frühling immer etwas melancholisches Aufatmendes und erfrischendes. Es hieß der harte Winter war vorbei, man musste immer einige Verluste bedauern aber es wurde kontinuierlich wärmer.
Wie schnell die Zeit doch verging. Sie waren längst nicht mehr das so sehr verliebte Paar, was durch Liebestunnel fuhr und nur in ihrer eigenen Welt lebte. Sie waren mehr wie… ja wie? Normaler Weise würde sie ihren Gedankenfluss nie unterbrechen, doch sie musste den Weg von Schnee befreien und dann pünktlich die Praxis öffnen. So wie immer.  
Sie stand auf, ihr Nachthemd entfaltete sich. Es war kalt in dem Zimmer, so wie immer. Und wie jeden Morgen machte sie sich fertig, zog sich warme Sachen an und wollte nach unten gehen. Die Türklinke war kalt, vielleicht sollte sie heute doch besser liegen bleiben.
„Guten Morgen.“, nuschelte eine Stimme, die sie nur zu gut kannte und unterbrach damit ihr sinnieren. „´morgen, gut geschlafen?“, fragte sie zurück ohne sich um zu drehen. Die Decken raschelten. Sie spürte warme Arme die sich von hinten um sie legten und eine warme Brust die sich hart an ihren Rücken presste. „Du musst doch noch gar nicht aufstehen.“ Das war keine Frage, eher eine sanfte Feststellung. Ja, Lea war schon immer sanft gewesen. Sie hätte Ärztin werden sollen, jeder würde bei ihr ruhig werden können.
„Ich muss den Weg frei machen.“, sagte sie „geh du wieder ins Bett, es ist kalt hier draußen.“ Lea presste sich näher an sie ran. „Ich kann dir helfen, dann geht´s schneller, umso mehr Zeit haben wir andere Dinge zu tun.“ Oh ja sie wusste genau wie man sie lockte.

Als sie zusammen gerade den Weg freigeschippt hatten, kam eine dick eingepackte Gestalt in Sicht. Sie drehten sich. Beim Näherkommen erkannten sie eine der Dorfbewohnerinnen, sie war in letzter Zeit oft hier gewesen. „Geh du an die Arbeit, mein Schatz.“, hörte sie nur leise von der Seite. Damit ging Lea ins Haus, vermutlich um einen Bericht fertig zustellen an dem sie gerade arbeitete.
„Guten Morgen, so früh schon auf den Beinen?“, fragte sie mit einem Lächeln im Gesicht. Sie hatte es sich angewöhnt Patienten immer lächelnd zu begegnen, in ihrer Erfahrung, förderte das das Vertrauen in den Arzt ungemein. „Ja, Guten Morgen. Ich dachte, ich seh mal vorbei. Ich brauch noch Medizin für meine Kinder.“ „Aber natürlich, komm rein. Ich hab sie direkt hie vorne liegen.“

Der Tag verging wie im Flug, so wie immer. Als der letzte Patient gegangen, aßen sie schweigend zu Abend und versuchten warm zu bleiben. Beide waren in ihrer eigenen Gedankenwelt gefangen. Nach dem Essen räumten sie schweigend ab und machten sich fertig. Das war sie Zeit die sie am meisten liebte, mit ihrer Frau unter einer warmen Bettdecke.
Sie lagen ineinander, hielten sich fest als gäbe es nichts anderes auf der Welt als sie beide. Sie redeten nicht, sie genossen einfach nur die Präsenz des anderen. Etwas was nur für den Abend war, nur für sie beide.
Der Türknauf war kalt, wie immer. Man konnte wohl doch nichts an dem Winter ändern, aber bald würde der Frühling kommen und alles würde wieder auftauen.
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