Das Mädchen, das in die Zukunft sprang

GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
19.08.2015
19.08.2015
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Das Mädchen, das in die Zukunft sprang
Fünf Jahre später:
Wir hatten Sommerferien, also gab es keinen Grund für mich, mir den Wecker zu stellen. Nur doof, dass ich gerade heute von alleine früh aufwachte. Normalerweise hätte ich ja mit Kôsuke und Kaho Baseball gespielt, aber die Zwei haben sich die Ferien über auf irgend so einen Campingplatz verzogen, außerdem hätten sie eh nur herumgealbert. Chiaki hatte eben Recht, als er sagte: »Wenn Kôsuke erstmal eine Freundin hat, sind wir ein für alle mal abgeschrieben!« Mir blieb also nur Miyuki oder die Einsamkeit. Die Antwort war Pudding klar! Also entschied ich mich dazu, mir das bild, das ich die letzten fünf Jahre für Chiaki über mein Bett hingen hatte, wie jeden weiteren Tag kurz zu betrachten. Dann ging ich einfach raus, in der Hoffnung eine andere Beschäftigung zu finden. Ich genoss jede Sekunde außerhalb meines Hauses und vergaß dabei ganz wie weit und wohin ich überhaupt ging. Schließlich traf ich auf einen Wald. Einen Wald, den ich noch nie zuvor gesehen hatte. Je tiefer ich in ihn hinein ging, desto neugieriger wurde ich. Weit vor mir sah ich einen Felsen, woraufhin ich kurz stehen blieb. Langsam ging ich weiter und erkannte einen dunklen Durchgang im Inneren des Steines. Als ich den Eingang betrat, lief mir ein Schauer über den Rücken und mich überlief eine Gänsehaut. Glück und Trauer fluteten gleichermaßen meinen Körper. Es kam mir vor, wie ein Zeitsprung. Aber das konnte doch gar nicht sein, denn ich hatte meine Sprünge schon vor fünf Jahren verbraucht.  Am Ende des Tunnels war alles grau. Die Sonne auf der anderen Seite des Tunnels wurde durch den Grauen Wolken behangenden Himmel dieser Seite ersetzt. Er war wie ausgewechselt. Die einst so hellgrüne Rasenfläche wurde gegen ein Meer aus Feuer und verbrannten Menschen ersetzt. Es roch nicht mehr nach Blumen, stattdessen nach Rauch. Wolken schwebten dicht über meinem Kopf, Bomben aus Flugschiffen explodierten, als sie auf dem Boden aufschlugen. In der Ferne sah ich eine mir bekannte Person. Starr stand ich auf der Stelle, als eine der Bomben direkt auf mich zukam. In letzter Sekunde erwachte ich aus dieser Art Trance, in die ich gefallen war und sprang ruckartig zur Seite.
Jetzt verstehe was Chiaki meinte, als er behauptete, der Himmel sei noch nie so weit für ihn gewesen, als er behauptete, er hätte noch nie so viele Menschen auf einem Haufen gesehen und sei zum ersten Mal Fahrrad gefahren. Jetzt verstehe ich wie das Bild, das er so lange hatte sehen wollen verbrennen konnte. Jetzt verstehe ich die Bedeutung von: 'Time waits for no one'.
Wie konnte ich nur nicht sehen, wie schlecht es ihm ging, während wir bloß das Lächeln in seinem Gesicht gesehen hatten, doch nie in sein Inneres blickten? Wie konnte ich nur die letzten fünf Jahre glücklich mit Kôsuke und Yuri normal weiterleben, als wäre nichts passiert? Wie kann es sein, dass ich erst jetzt darüber nachdenke, in was für einer verdammten Welt er lebt, und das er die ganze Zeit über, schon hätte tot sein können? Ich bin so ein schlechter Mensch!

Mit Freudentränen in meinen Augen, lief ich auf sie zu, doch genau in diesem Augenblick fielen wieder Bomben vom Himmel.
»Schnell Makoto, komm hierher zu uns!«, ertönte die Stimme von Kôsuke zu meiner Rechten. Mit Verwunderung im Gesicht, doch ohne auch nur einen Augenblick zu verschwenden, ruckte mein Kopf in Richtung, aus der seine Stimme erklang. Ich lief auf Kôsuke zu, der sich zusammen mit Kaho in eine Ruine zurückgezogen hatte. Er hielt ein Schwert zur Verteidigung in der rechten Hand.
»Was macht ihr denn hier?«, fragte ich verwundert, »ich dachte ihr wärt über die Ferien auf diesen Campingplatz gefahren!?«
»Das wollten wir eigentlich auch, aber dann dachten wir uns, dass es doch lustiger wäre, irgendwo im Wald zu Zelten. Doch als wir dann durch diese Höhle gegangen waren, landeten wir plötzlich auf diesem Schlachtfeld. Und als wir dann von den Soldaten angegriffen worden, habe ich Kaho in diese Ruine geschickt und die Soldaten abgelenkt. Dabei habe ich dann auch das Schwert in meiner Hand gefunden, es lag in der Hand eines toten Soldaten, der schon mit Fliegen bedeckt und verwest war. Er musste also schon eine ganze weile lang tot dagelegen haben«, erklärte Kôsuke.«
»Weißt du, wo wir hier sind?«, fragte Kaho verwirrt.
»Ähh… Nein! Nein, ich bin auch zum ersten Mal hier!«
»Da kommen schon wieder diese Soldaten, wartet hier! Ich werde sie schon von euch fernhalten«, meinte Kôsuke.
»Nein! Bitte bleib hier Kôsuke«, flehte Kaho Kôsuke an.
Ich versuchte sie zu beruhigen, leider war es nicht so leicht, da ich selbst nicht so genau wusste was ich davon halten sollte.
»Und was ist, wenn ihm was schlimmes zustößt?«, fragte sie verängstigt.
»Das werde ich irgendetwas machen!«
»Irgendetwas machen?«
»Ja! Irgendetwas!«
Ich rannte auf Kôsuke zu und schupste ihn, weg, da eine Bombe über ihm, auf dem Weg zum Boden war. Die Soldaten hatte es schwer erwischt, aber Kôsuke ging es gut und das war schließlich die Hauptsache.
»Hilfe!«, hörte ich Kaho aufschreien.
Soldaten hielten sie an den Armen fest.
»Kaho! Lasst sie sofort los ihr Vollidioten!«, sagte Kôsuke mit erhobener Stimme.
Plötzlich sah ich die Soldaten, die eben noch Kaho festhielten, auf dem Boden liegen und eine Gestalt an uns vorbeihuschen. Es war die Person, die ich auch auf dem Schlachtfeld gesehen hatte. Aber bevor ich mich versah, war sie auch schon wieder weg. Kaho lief schnell zu Kôsuke und klammerte sich verängstigt an ihm fest.
»Was war das?«, fragte sie völlig verdutzt
»Keine Ahnung!«, antwortete ich hastig.
»Vielleicht hat der Wind sie umgepustet«, sagte Kôsuke aufheiternd.
»Ja, vielleicht war es so«, sagte Kaho und lachte.
»Sag mal Makoto, wieso antwortest du auf die Fragen, die wir dir stellen so hektisch?« fragte Kôsuke misstrauisch.
»Ich antworte doch… ganz normal!«, behauptete ich aufgeregt.
»Nein, eben gerade hast du es schon wieder getan«
»Ich… bin nur ein bisschen durch den Wind, weil mir die ganze Sache hier komisch vorkommt.«
»Was machst du eigentlich hier Makoto? Und wie hast du hierher gefunden?«, fragte Kaho neugierig.
»Ich? Oh, ja ich wollte zu meiner Hexentante… ich meine natürlich zu meiner Tante und mir bei ihr Puddings abholen…« sagte ich und lachte unglaubwürdig.
»Puddings?«, fragte sie misstrauisch.
»Ja… damit Miyuki auch mal welche abbekommt.«
»Du und deine Puddingprobleme… aber sag mal, seit wann teilst du freiwillig mit deiner Schwester?« fragte Kôsuke sehr unglaubwürdig.
»Seit wir uns auf Waffenstillstand geeinigt haben… Aber ist doch jetzt egal! Wollen wir jetzt reden, oder zusehen, dass wir hier wegkommen? Also, gehen wir!«
Ich konnte ja nicht das Geheimnis, das Chiaki und ich seit fünf Jahren hatten preisgeben. Also gingen wir erstmal zurück in die Ruine und suchten nützliche Dinge. >Mein typisches Verhalten kam mal wieder in Einsatz und ließ mich über den alten angebrannten Teppich, auf dem Boden der Ruine stolpern, der daraufhin vom Boden rutschte. Glücklicherweise entdeckten wir dadurch eine Falltür, die sich unter dem Teppich befand. Als wir sie aufmachten, entdeckten wir wieder einen Durchgang, der einfach nur dunkel gewesen war. Es fühlte sich wieder an, wie ein Zeitsprung, als hindurchgingen. Ein Zeitsprung, der anders als damals, nicht in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft führte. Ich erschrak vollkommen, als ich auf meinen Ellenbogen gesehen hatte. Ich dachte zuerst, ich hätte mich versehen, aber es stimmte. Auf meinem Ellenbogen stand wirklich eine Hundert.
»Aber… Wie kann das denn nur sein? Ich? Es waren doch alle verbraucht.  Vor schon so langer Zeit«, sagte ich total verwirrt.
»Was redest du denn da Makoto?«, sagte Kôsuke verwundert.
»Ach, nichts, nichts…«, sagte ich und lachte wieder unglaubwürdig, »Lasst uns doch getrennte Wege gehen. Ja! teilen wir uns auf. Dann findet vielleicht wenigstens einer von uns den Ausgang.«
»Aber…, ich dachte wir gehen diesen Weg jetzt gemeinsam?! Wir alle drei zusammen«, sagte Kaho mit Entsetzung in ihrer verängstigten Stimme.
»Kaho, glaub mir, es ist besser so, du hast doch Kôsuke bei dir, er wird dich mit seinem Leben beschützen. Euch wird nichts passieren! Genauso wenig wie mir.«
»Vielleicht hat sie Recht. Also gut! Aber versprich mir, dass du gut auf dich aufpasst!«, bat Kôsuke mich.
»Versprochen! Beschütze Kaho.«
»Versprochen! Tschüss Makoto. Ich hoffe, wir sehen uns wieder… Grüß Chiaki von mir.«
»Was? Woher weißt du, dass Chiaki… Kôsuke? Kôsuke, wo bist du? Kaho? Kôsuke?«
Sie sind weg. Ich hatte eben gerade noch mit ihnen gesprochen und plötzlich sind sie weg. Wie in Luft aufgelöst. Als ob sie… Nein! Nein, das ist einfach völlig unmöglich! Sie konnten doch nicht etwa wirklich… oder doch?
Ich stand eine Weile nachdenklich da, dann fing ich an schluchzend zu laufen.
»Jetzt!«, sagte ich und sprang in die Luft, während zur selben Zeit, zwei Schwerter gegeneinander schlugen.
»Jeetzt!«, sagte ich wieder mit erhobener Stimme und sprang nochmals in die Luft, während zur gleichen Zeit, wieder zwei Schwerter gegeneinander schlugen.
Beim dritten und letztem »Jeeeetzt« brüllte ich es aus mir heraus, doch sprang sehr hoch, während wieder einmal zwei Schwerter gegeneinander schlugen. Ich schloss für kurze Zeit meine Augen. Als ich sie wieder öffnete fiel ich in die Leere. Ich sah nur dieses schwarze Band, voll mit diesen roten Daten und im Hintergrund, diese weiße Leere. Ich fiel weiter und hatte plötzlich die Erinnerungen vor Augen. Die Erinnerungen der Zeiten, bevor Chiaki vor fünf Jahren zurück in seine Zeit kehrte. Tränen flossen wie Wasserfälle aus meinen Augen, als ich mich daran erinnerte, wie Chiaki mir über den Kopf streichelte und wir uns gegenseitig unsere Liebe gestanden hatten, als ich sah, wie ich mich vor Chiaki versteckt hatte, weil ich einfach zu feige zu feige war zu gestehen, dass ich Chiaki so sehr liebe! Als ich sah, wie Chiaki, Kôsuke und ich Baseball spielten. Ich sah all dies, woran ich am liebsten zurückerinnerte. Doch plötzlich hatte ich Dinge gesehen, an die ich mich nicht erinnern kann. Das Heißt, dass es noch nicht passiert sein kann. Ich sah, wie Chiaki, Kôsuke, meine Eltern und Miyuki mit mir in meinem Haus vor einer Geburtstagstorte standen, auf eine Dreiundzwanzig steckte und wir alle einen Geburtstagshut trugen und wir auf Tröten Pusteten. Und ich hatte gesehen, wie Chiaki, Kôsuke und ich, zusammen Baseball spielten.
Kann es wirklich sein, dass das alles noch passieren wird? Das Chiaki wieder mit in unsere Zeit kommt?
Plötzlich war all dies weg. Stattdessen, sah ich den blauen, leicht Wolken behangenden Himmel vor Augen, der sich immer weiter von mir entfernte. Als ich bemerkte weshalb, schlug mein Kopf auch schon auf der hellgrünen Bodenfläche auf, auf der jetzt auch der Rest meines Körpers gelandet war. Doch obwohl sich der Himmel auf dem Weg  zum Boden ein Stück von mir entfernte, war er mir näher, als er es je zuvor gewesen war. Als ich aufstand, sah ich mich erst einmal um und bemerkte, dass ich mich in einem leicht zerstörten Dorf befand.
»Hallo Makoto«, erklang die Stimme der Gestalt, die Kaho vor den Soldaten gerettet hatte und die ich auch auf diesem Schlachtfeld gesehen hatte hinter mir.
Konnte das wirklich war wahr sein, oder träume ich etwa bloß?
»Rasch drehte ich mich um, ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken.
»Chiaki!«, sagte ich mit Freudentränen und schmiss mich in Chiaki’s Arme.
»Gott sei Dank, dir geht es gut! Ich habe dich so schrecklich dolle vermisst! Ich habe jede Sekunde seit unserem Abschied an dich gedacht! Ich habe mich jede Sekunde lang auf diesen Moment gefreut!«, sagte ich überglücklich.
»Ich habe dich auch sehr vermisst. Ich habe für dich gekämpft und auch jetzt werde ich für dich kämpfen. Ich werde dich mit allem beschützen was ich besitze. Unsere Baseballspiele früher haben mich besser im Schwertkampf gemacht. Es war wie ein Training für mich und es hat mir so viel Spaß gemacht«, sagte er und umarmte mich liebevoll.
»Wieso konntest du denn nicht in unserer Zeit bleiben? Wieso musstest du wieder zurück in deine Zeit?«
»Weil ich dem Kaiser meiner Zeit versprochen hatte, ihn zu beschützen. Dann bin ich in eure Zeit zurückgesprungen, damit ich falls ich bei dem Versuch den Kaiser zu retten sterben sollte, wenigstens noch dieses Bild sehen könne, das du eigentlich für mich aufbewahren wolltest. Außerdem wusste ich wer du bist. Ich hatte dich schon öfters gesehen und mich dann nach und nach in dich verliebt. Doch es war so schwer für mich, dein Herz zu gewinnen, da du mich immer nur als Freund gesehen hattest und immer wenn ich dich dann gefragt hatte, bist einfach zurückgesprungen und hast versucht zu verhindern, dass ich dir diese Frage stelle. Und dann hatte ich versucht, dich mit Yuri eifersüchtig zu machen, in dem ich mit ihr ging und dich nicht mehr so sehr beachtete… Aber das ist nicht der einzige Grund, weshalb ich so lange in eurer Zeit geblieben war. Ich war zu feige mich dem Schicksal mit den ganzen Soldaten von Myakavi, dem Kaiser des Nachbarlandes zu stellen und dann hatte ich auch noch so viel Spaß mit Kôsuke und dir. Es war so wie bei dir, wenn du durch die Zeit gesprungen bist. Immer wenn du noch schnell für eine vergessene Arbeit oder einem Überraschungstest üben wolltest, bist du zurückgesprungen, genauso wie wenn du gestellte Fragen, oder peinliche Momente ungeschehen machen wolltest. Zum Beispiel als ich dich gefragt habe, ob du mit mir gehen willst, oder als ich dich gefragt habe, ob du durch die Zeit springen kannst, oder zum Beispiel, als du den Schulkurs mit Takasse getauscht hast, damit ihm der Unfall passiert und nicht dir… Doch als ich dann entschloss in meine Zeit zurückzukehren, war es bereits zu spät. Kaiser Benjiro, der Kaiser dieses Landes, war tot. Ich kam einfach zu spät. Die Tatsache, dass ich nichts mehr für ihn tun kann, zerfrisst mich innerlich«, sagte Chiaki mit Trauer in seiner ruhigen Stimme.
»Aber ich habe das Bild doch für dich aufgehoben. Es hängt über meinem und woher weißt du, dass ich nach deinen Fragen in die Vergangenheit gesprungen bin?«, fragte ich erstaunt.
»Du bist der Grund dafür, dass dieses Bild verschollen ist. Niemand hat es je gefunden. Außer dir Makoto. Wenn du bei Menschen die wie du durch die Zeit springen können, zurück in die Vergangenheit springst, dann ist es in ihrer Sicht ein déjá-vu, Nur das ihr etwas anderes sagt, als vor dem Sprung. Wenn du bei Menschen, die nicht durch die Zeit springen können, zurück in die Vergangenheit springst, haben sie es aus ihr Sicht, zum ersten Mal erlebt.«
»Und wieso konnte ich durch diesen Eingang im Felsen in deine Zeit gelangen?«
»Das Portal ist nur auf, wenn ein Zeitspringer, in diese Zukunft springt. Normalerweise wird es immer sofort wieder geschlossen, wenn der Springer in dieser Zeit angelangt ist. Weißt du, selbst wenn das Tor geöffnet ist, können nur Menschen hindurchgehen, die durch die Zeit springen können oder es mal konnten. Und Jeder, der durch das Portal gegangen ist, erhält wieder alle seine Sprünge zurück. Allerdings kann er dann nur in die Zukunft springen, aber nicht in die Vergangenheit… doch da sich die Bewohner dieses Dorfes jetzt ohne Schutz von Benjiro den Soldaten von Myakavi gegenüberstellen müssen, geriet die Ordnung durcheinander und das Portal hatte sich nicht mehr schließen lassen.«
»Komm doch wieder mit in unsere Zeit und bleib da diesmal für immer mit mir zusammen.«
»Das würde ich wirklich gerne, aber es geht nicht. Jedenfalls jetzt noch nicht. Auch hier muss ich noch etwas erledigen, bevor ich letztendlich für immer in eure Zeit kann. Zu allererst, nimm bitte dieses Gerät. Es erlaubt dir eine unbeschränkte Menge von Zeitsprüngen, sowohl in die Zukunft, als auch in die Vergangenheit. Ich habe noch zwei weitere. Eines für mich und eines für…«
»Für wen Chiaki?«
»Für Kôsuke«
»Was hat es mit ihm auf sich? Kôsuke konnte doch nie durch die Zeit springen. Er sollte es doch nicht wissen. Du hast doch gesagt, dass darüber nicht gesprochen werden darf«, stellte ich entsetzt fest.
»Ich habe ihm nichts gesagt. Er hat es alleine herausgefunden«, erklärte Chiaki entschlossen.
»Aber wie?«
»Er behauptete zwei Tage nachdem ich gegangen war, hätte auch er plötzlich eine Hundert auf seiner Handfläche entdeckt.«
»Und du hast es ihm geglaubt?«
»Ja«
»Ganz schön einfältig«, stellte ich mit einem Grinsen im Gesicht fest.
»Ja, mag sein«, antwortete er und lachte.
»Gut, dann suchen wir jetzt Kôsuke und Kaho und du erledigst das,  was du erledigen musst, um für immer mit mir zusammen sein zu können. Was… musst du eigentlich erledigen?«, fragte ich höchst neugierig.
»Ich wünsche mir, dass die Bewohner des Dorfes erfahren, weshalb ihr Kaiser nicht mehr am Leben ist. Eine Erklärung bin ich ihnen einfach schuldig.«
Wir klopften an jedem Haus, wo Erwachsene und Kinder in zerfetzten Kleidern, zerzausten Haaren und schmutzigen Gesichtern an die Tür kamen. Chiaki und ich hatten alle auf eine Rasenfläche gebeten, und da sein Geheimnis allen zu verraten.
»Chiaki, du musst das nicht tun. Denkst du etwa einer der anderen Menschen dieses Dorfes würden so etwas einfach offen zugeben? Den wäre es doch völlig egal, hätten sie so einen Fehler gemacht.«
»Ein weiterer Grund, es zu gestehen. Ich bin keiner der anderen Menschen und ich bin auch kein schlechter Mensch, nur weil ich zu feige war, mein Versprechen zu halten. Doch wenn ich ihnen jetzt nicht gestehe, wie feige ich gewesen war und ihnen jetzt beweise, dass ich ein ehrlicher Mensch bin, dann bin ich wohl ein schlechter Mensch. Ich habe einen großen Fehler gemacht, den ich auch jeden Tag bereut habe, aber wenigstens habe ich den Mut ihnen jetzt endgültig die Wahrheit zu sagen. Aber geh lieber fort von hier. Falls ich wieder zu Spät zu diesen Entschluss komme… ich will nicht, dass sie nach meinem Geständnis. Aus Wut und Enttäuschung auf dich losgehen. Wenn dir etwas passiert, könnte ich mir das nicht verzeihen. Ich könnte nicht weiterleben. Ein Leben ohne dich ist einfach unvorstellbar für mich. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass wir wirklich fünf Jahre lang getrennt gewesen sind.«
»Na schön, dann sag ihnen die Wahrheit. Und habe Verständnis dafür, aber ich weiche nicht von deiner Seite! Wir gehen diesen Weg entweder gemeinsam, oder gar nicht!«, sagte ich entschlossen.
»Na gut«, seine Stimme klang fröhlich, »dann fange ich jetzt an.«
»Es gibt da etwas, worauf ihr alle das Recht habt es zu erfahren. Ich habe einen Fehler gemacht, den ich sehr bereue und der mich Nachts nicht mehr schlafen und essen ließ, weil ich einfach zu feige war, ihn euch zu beichten. Wie ihr alle wisst, ist Kaiser Benjiro vor fünf Jahren von uns gegangen, da er den Kampf gegen die Soldaten von Myakavi verloren hatte. Vor sieben Jahren, also zwei Jahre, bevor Myakavi unsere Dörfer zerstörte und Bomben aus Flugschiffen, auf dieses Landen fielen ließ, versprach ich ihm, nachdem er mich darum bat, ihn zu beschützen. Doch ein Jahr nach meinem Versprechen, ging ich aus Feigheit fort. Dabei fand ich meine ich meine Wundervolle Freundin, die ich über alles liebe«, sagte Chiaki und drückte mich fest an ihn heran.
»Es tut mir wirklich sehr leid und ich schäme mich dafür.«, sagte er enttäuscht von sich selbst.
»Bitte habt Verständnis dafür! Wäre er nicht zu diesem Zeitpunkt bei mir gewesen, dann wären zwei wichtige Menschen in meinem Leben, meinetwegen gestorben und ich schwer verletzt gewesen.
Könnte einer von euch normal weiterleben, wenn ihr wisst, dass gerade euer bester Freund, zusammen mit seiner Freundin, euretwegen gestorben sind? Und selbst wenn es so wäre, ihr würdet doch Verständnis haben wollen, wenn es einen guten Grund haben würde oder etwa nicht? Also habt bitte auch ihr Verständnis für uns«, bat ich sie beschützend.
»Wir haben auf jedenfalls Verständnis für euch! Das er irgendwann sterben würde war doch immer klar gewesen. Das muss doch jeder irgendwann mal, viel Zeit wäre ihm eh nicht mehr geblieben, schließlich war der Benjiro ja auch nicht mehr der Jüngste gewesen. Aber wer garantiert uns, dass wir jetzt in Sicherheit sind und Myakavi seine Soldaten nicht wieder auf unsere Dörfer hetzt?«, Fragte einer der Dorfbewohner verunsichert.
»Wir!«, hörte ich Kaho sagen.
Kôsuke und Kaho standen plötzlich von der einen auf die andere Sekunde vor uns.
»Wir sind bei Kaiser Myakavi gewesen und haben es glücklicherweise geschafft, seine Soldaten für immer aus diesem Land fernzuhalten«, sagte Kaho mit erhobener Stimme.
»Aber wie habt ihr das denn geschafft?«, fragten Chiaki und ich gleichzeitig erstaunt.
»Myakavi hatte behauptet, dieses Land hätte ihm etwas sehr wertvolles gestohlen. Dann sah er hinunter und deutete auf das Schwert in meiner Hand, das in der verwesten Hand des Soldaten gelegen hatte und erklärte mir, dass es das gewesen sei, welches er dachte ihm gestohlen wurde. Vermutlich hatte es einer seiner Soldaten vertauscht und als er starb, dachte der Kaiser, es wäre ihm von diesem Land gestohlen worden und dabei lag es die ganze Zeit über in der Hand, einer seiner toten Soldaten«, behauptete Kôsuke begeistert.
Und warum ist dieses Schwert so wertvoll? Es gibt doch noch andere Schwerter«, fragte ich entsetzt.
»Myakavi behauptete dieses Schwert wäre viele Generationen über weiter an den nächsten Kaiser dieses Landes vererbt worden und hätte irgendeine Art Kraft. Er sagte, für mutige Menschen wie Kôsuke, wäre es ein Kinderspiel mit diesem Schwert umzugehen. Es Bewegt sich quasi von alleine. Und er sagte dies wäre das einzige, das jemals geschmiedet wurde«, meinte Kaho zufrieden.
»Und ich dachte schon, dass ich gut mit Schwertern umgehen kann«, sagte Kôsuke spöttisch, »aber da das Schwert jetzt wieder Myakavi ist, gibt es keinen Grund mehr für ihn, dieses Land weiter anzugreifen.«
»Dann hat sich ja alles zum guten gewendet«, sagte ich stolz, »kannst du jetzt für immer mit in unsere Zeit Chiaki?«, fragte ich verunsichert.
»Danke, das du mir in dieser schweren Zeit beigestanden hast Makoto. Du hast mir damit wirklich sehr geholfen.«
Ruckartig küsste er mich und sagte: »Das ist schon über fünf Jahre überfällig gewesen.»
Freudig lächelten wir uns an.
»Ist das ein “Ja”?«, fragte ich voller Freude.
»Ja, ich denke schon«, antwortete er überglücklich.
»Ich bin sooo glücklich!  Ich liebe dich so sehr!« Erhob ich meine Stimme.
Er nahm mich ganz fest in seinen Arm und sagte: »ich dich auch sooo sehr!«
»Aber jetzt müssen wir uns beeilen! Denn jetzt, wo die Soldaten von Myakavi nicht mehr angreifen werden, wird Benjiro’s Nachfolger bald eintreffen, um seinen Platz als Kaiser dieses Landes einzunehmen. Das bedeutet, die Ordnung dieses Landes ist wieder hergestellt und das Portal, durch das wir auch wieder heraus müssen, wird sich bald schließen. Wenn es erst einmal geschlossen ist, kommen wir hier nicht mehr weg. Also, ab zum Portal«, sagte Chiaki drängelnd.
Als wir gerade auf der anderen Seite des Portals herauskamen und ich noch einen Blick nach hinten werfen wollte, war aus dem Portal ein ganz gewöhnlicher Felsen inmitten eines Waldes geworden.
»Das war ganz schön knapp«, sagte Kôsuke stürmisch, »eine Sekunde später und das Portal wäre geschlossen gewesen.«
»Ah, ich hatte ganz vergessen wie hell es in dieser Zeit ist, da werde ich ja noch blind«, stellte Chiaki fest.
Wir alle lachten darüber, ob es auch aus Spaß oder Freude gewesen war.
Seit dem Moment, wo wir Hand in Hand in unser Haus gingen, lief alles so, wie es auch vor über fünf Jahren gelaufen war.


Ende
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