Was hinter den Kulissen von Campo Bahia wirklich alles passierte

GeschichteAllgemein / P16 Slash
Die deutsche Nationalmannschaft
18.08.2015
02.12.2019
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Einen alten Baum verpflanzt man nicht.
André Schürrle x Sami Khedira x Philipp Lahm (und ein bisschen Shkodran Mustafi)
Non-Slash
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Stöhnend lässt sich Philipp auf den einzigen freien Platz am Vierertisch mit Shkodran, Sami und André fallen und wirft nochmal einen Blick über die anderen Tische im Speisesaal von Campo Bahia. Dann schüttelt er beinahe enttäuscht den Kopf – so hatte er sich das bei der vorhergehenden Besprechung mit dem Trainerstab und den Verantwortlichen nicht vorgestellt.

Die Unzufriedenheit scheint ihm quasi ins Gesicht geschrieben zu stehen, denn er hatte noch nicht mal mit dem Essen anfangen können, als André mit der Gabel vor seinen Augen herumwedelt. „Alles in Ordnung, Capitano?“

Aus seinen Gedanken gerissen, zieht Philipp die Augenbrauen zusammen und entgegnet: „Ja, wieso fragst du?“

André und Sami wechseln einen Blick, sie scheinen denselben Gedanken zu teilen, während Shkodran unbeteiligt sein Abendessen in seinen Mund befördert.

Sami sagt: „Du guckst als hätte die BILD dich wieder als kleiner roter Giftzwerg betitelt.“

„Ach Quatsch.“, wischt Philipp diesen Gedanken mit einer passenden Handbewegung beiseite. „Aber guckt euch doch mal an, wie hier die Sitzverteilung im Raum ist. Überall gemischte Tische, nur die anderen Jungs von Bayern glucken zusammen wie ein paar Hühner auf der Stange. Typisch...“

Und er hat recht – an der Frontseite des Raums, direkt neben den offenen Terrassentüren, die zum Pool und in den Außenbereich führen, haben die Bayern Spieler zwei Vierertische zusammengeschoben, um nebeneinander sitzen zu können. Kein Spieler aus einem anderen Verein sitzt bei der Gruppe, sie sind unter sich.

Sami zuckt mit den Schultern und erwidert: „Das ist doch nichts Neues. Eigentlich ist das doch jedes Mal so, wenn wir mit der Natio unterwegs sind.“

„Ja, aber genau das ist ja das Problem. Wir sind ja nicht hier, um Vereinsspielchen zu spielen, sondern um als deutsches Team Weltmeister zu werden. Nur leider funktioniert das nicht so gut, wenn man nur in den eigenen Reihen abhängt.“, nach einer fast theatralischen Atempause fährt er fort, „Das habe ich immer an diesem Verein gehasst.“

Nun wird sogar Shkodran hellhörig und muss kurz auflachen. „Und sowas aus dem Mund des Kapitäns der deutschen Nationalmannschaft und des FC Bayern München.“

„Ich will mich da jetzt gar nicht weiter drüber aufregen, dass habe ich in den vergangenen Jahre oft genug gemacht.“

„Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich ja fast annehmen, dass du es gar nicht erwarten kannst, bei Bayern in Rente zu gehen.“, sagt Sami und kann sich das Grinsen nicht verkneifen.

Natürlich ist ihm, wie auch André und Shkodran bewusst, dass Philipp all das nicht so ernst meint, wie er es gerade gesagt hat. Natürlich hasst er den Verein nicht, für den er seit so vielen Jahren mit stolzem Gesichtsausdruck in der Bundesliga aufläuft. Und darüber hinaus hasst er natürlich auch seine Teamkollegen nicht, nur weil sie hier in Brasilien lieber in ihrer kleinen vertrauten Gruppe bleiben als sich unter die anderen Fußballer zu mischen.
Außerdem sieht Philipp, wenn er sich über etwas aufregt, tatsächlich wie ein kleiner roter Giftzwerg aus und dieser Anblick ist einfach zu amüsant.

„Ach“, macht Philipp und winkt ab, „wenn ihr wüsstet...“

„Du musst ja nicht bei Bayern Schluss machen, wenn es dich da so sehr nervt. Du kannst ja auch nochmal wechseln, nach England oder Spanien oder so. In Italien ist es auch schön, kann ich dir aus Erfahrung versichern.“, schlägt Shkodran ihm vor.

Bevor Philipp darauf reagieren kann, wirft Sami grinsend ein: „Lass gut sein, Musti. Einen alten Baum verpflanzt man nicht und egal wie sehr Philipp über die Bayern lästert – letztendlich wissen wir doch alle, dass er nicht anders sein Karriereende gebührend feiern würde als im roten-weißen Trikot und auf dem heiligen Rasen der Allianz Arena...“
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