Neue Hoffnung - Teil 3

GeschichteAllgemein / P12
17.08.2015
23.08.2015
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„Du kennst doch Jays Freundin? Wie ist sie?“ Liza rührte als Antwort in ihrem Kaffee. Sie hatte keine Lust zu tratschen. Sie nahm einen großen Schluck und starrte in die Leere. Teilnahmslos sagte sie: „Sie ist nicht hier, sie sitzt mit Becky und einigen Büchern aus der Bibliothek in Jays Wohnung.“ Konnte sie nicht einfach in Ruhe ihre Pause verbringen? Musste denn in Delete immer jeder über den anderen Bescheid wissen? Waren sie vielleicht auch schon im Privaten ein Polizeistaat, der seine Prinzipien verinnerlicht hatte?

„Liza, was ist?“ Eine bekümmerte Stimme weckte sie erneut aus ihrem Halbschlaf. „Kannst du nicht verstehen, dass manche Menschen einfach ihre Ruhe wollen? Dass manche Menschen vielleicht mehr Verantwortung tragen, als ein bisschen zu unterrichten?“ Sie knallte ihre leere Tasse auf den Tisch, als sie bemerkte, dass sie leer war. Salene senkte gekränkt den Blick. Sie wusste doch, dass sie nicht die große Aufgabe hatte, wie Volt oder Liza. Oder Volts heiliger Jay. Sie war ja nur eine kleine, unwichtige Lehrerin, die Kinder bespaßte. „Salene, sorry! Ich bin einfach überspannt!“ Liza legte entschuldigend ihre Hand auf Salenes Arm und fühlte sich schlecht. Sie wollte sie nicht kränken und wusste um ihre Komplexe und ihr manchmal labiles Selbstwertgefühl.

„Ich frage doch nur, weil Jay gestern Abend ganz spontan unser Dinner abgesagt hat. Ihr ging es wohl nicht gut“, seufzte Salene. Sie wusste, dass Liza keinen Tratsch mochte, weil sie schon selbst darunter leiden hatte müssen. „Ob das immer noch die Folgeerscheinungen des Schiffbruchs waren?“, fragte Salene besorgt mit sanfter Stimme. „Welcher Schiffbruch?“ Liza schrak auf. „Sie ist doch eine Schiffbrüchige, die Amber gerettet hat.“ Liza erinnerte sich daran, dass Jay bemüht war, so wenig wie möglich von Hopes Geschichte preiszugeben. „Ich weiß nur, dass sie aus dem Meer gerettet wurde“, sagte sie nüchtern und versuchte, das Thema zu meiden. „Aber es ist schön, dass sie so einen Neuanfang wagen möchte und sich ihrer Begabung zuwendet“, lächelte Salene. Liza verzog keine Miene.

„Meinst du Becky wird noch mit Lightning sprechen, wenn sie hier ist? Letztes Mal kam sie ja kaum dazu“, fuhr Salene fort. Liza sah sie durchdringend an: „Würdest du mit Lighning reden, wenn sie deine Schwester wäre?“ Salene zuckte mit den Schultern: „Es ist und bleibt ihre Schwester, aber ja, ich verstehe sie schon.“ „Wie man es dreht und wendet, es ist nicht einfach“, sagte Liza knapp. Salene nickte: „Gut, dass wir diese Probleme nicht haben. Wir müssen dankbar sein!“ Liza zog eine Grimasse und stach ihre Gabel in den Käsekuchen.

„Weißt du schon, ob die Abschlussklasse schon erfahren hat, wo sie eingestellt werden könnten?“, fragte Liza beiläufig. Salene schüttelte den Kopf: „Volt möchte irgendwann demnächst eine Sitzung mit uns, Jay und Lightning einberufen. Ach, Ved oder Ram sollen vielleicht auch kommen. Je nachdem, ob sie Bedarf haben.“ „So, wir werden einbezogen?“ Liza grinste als sie an die Standpauke dachte, die sie letztes Jahr ihrem Cousin gehalten hatte, als er die Lehrer übergangen hatte. Salene kannte Lizas Einfluss auf ihn und wünschte manchmal sie hätte diesen in allen Bereichen. Er bezog sie oft ein, doch immer wenn er ihr Jay oder Liza vorzog, verspürte sie einen Kloß im Hals voller Eifersucht.

„Ich hoffe, dass einige zu keinem großen Einfluss gelangen“, sagte Salene leise und blickte sich vorsichtig um. Es war fast leer, nur verstreut saßen noch einige uniformierte Personen, die selbst in etwas vertieft schienen. Liza schüttelte energisch den Kopf: „Ja, Smitty und Johny, zum Beispiel, oder?“ Salene nickte. Die beiden Jungs waren schon öfter aufgefallen. Obwohl sie körperlich völlig ungeeignet schienen, erfüllten sie sämtliche Eigenschaften für eine Funktion bei den Securities. Auch für andere Bereiche hätten sie sich offiziell geeignet. Doch beiden Frauen wurde angst und bange bei diesem Gedanken. „Tally?“, fragte Salene fast mütterlich. Liza wusste, dass sie das Mädchen einst gekannt hatte und auch deren Bruder, der bei einer unrühmlichen Aktion sein Leben lassen musste, war Salene vertraut. „Sie ist eine typische Mitläuferin. Isolieren wir sie von den anderen, wird sie keine Gefahr darstellen“, sagte Liza kühl und Salene musste daran denken, dass es klang, als würde sie von chemischen Substanzen sprechen. Liza atmete laut aus und fuhr fort: „Ich könnte mir vorstellen, dass Lottie allerdings durchaus Potenzial hat, Unruhe zu stiften.“ „Ach, warum sollte sie? Sie hat sich zwar verändert, aber sie ist doch im Herzen immer noch…“ „Immer noch eine Mallrat?! Komm, wach auf!“ Liza schüttelte den Kopf: „Außerdem klangst du neulich durchaus negativer gesinnt.“ Salene wollte sich rechtfertigen, doch ihre Freundin sprach weiter: „Außerdem hat Jay ihr neulich eine klare Abfuhr verpasst. Das könnte ihren Stolz verletzt haben.“ Salene zögerte, aber sprach gequält positiv: „Sie möchte doch nur etwas spielen, Liza.“ Liza schüttelte den Kopf, stand auf und sah Salene eindringlich an, bevor sie ging: „Salene, wir leben nicht auf einem Ponyhof. Komm endlich in der Realität an!“