Der Junge, der aus der Zukunft kam

GeschichteDrama, Tragödie / P16
17.08.2015
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Dies ist ein One-Shot zu dem Anime-Film "Das Mädchen, das durch die Zeit sprang". Es soll die Zukunft darstellen, wie ich sie mir nach den wenigen Beschreibungen, die man von Chiaki im Laufe des Films erhält, vorstelle.

Der Junge, der aus der Zukunft kam


Es stank furchtbar, nach Qualm und verbrannter Haut, nach Feuer und angesengten Haaren, und nach Tod, ja, es stank so grauenvoll nach Tod.

Der Himmel hatte seine glanzvolle Farbe schon vor langer Zeit verloren, sie war einfach verschwunden, hatte den Kampf gegen das trostlose Grau, das heute über den einst so prachtvollen Himmel herrschte, verloren. Die Wolken hingen tief an diesem Tag, ein Blitz jagte den nächsten durch die giftigen Dämpfe, die die Menschen in Angst und Schrecken versetzten. Es war wie ein Schauspiel, wie spielende Kinder auf einer Wiese, grün und saftig, wie es sie heute kaum noch gab. Eine blühende Blumenwiese war in der heutigen Zeit eine größere Attraktion als die Mona Lisa. Und die einzige Frage, die Makoto sich immer und immer wieder stellte, war: Warum nur habe ich auf das Bild nicht besser aufgepasst? Das Bild, das Chiaki so unbedingt hatte sehen wollen. Sie hatte ihm versprochen, darauf aufzupassen, doch es war verbrannt worden, gemeinsam mit ihrem Haus, das bis auf die Grundmauern niedergebrannt war. Makoto wusste nicht, ob sich an der Zukunft etwas verändert hätte, wäre das Bild nicht verbrannt worden, und das würde sie auch niemals herausfinden. Doch was hätte ein einfaches Bild schon verändern sollen? Hätte es tatsächlich die Macht gehabt, den dritten Weltkrieg zu verhindern? Makoto bezweifelte es. Sieben Jahre waren mittlerweile vergangen, seit sie Chiaki das letzte Mal gesehen hatte. Damals am See, als der Himmel noch blau war und die Luft nach Blumen duftete. Damals, als man Bienen summen hörte, statt der Kriegsjets, die leicht, beinahe schon spielend, ihre Bomben abwarfen. Damals, als noch alles in Ordnung war. Zwei Jahre nach Chiakis Verschwinden hatte die Welt den Verstand verloren, und Makoto war mittendrin gewesen. Atombomben hatte es gehagelt, Atombomben! Die Menschen waren verrückt, ganz und gar übergeschnappt. Was machte es für einen Sinn, um Rohstoffe zu kämpfen, wenn am Ende des Kampfes keine Erde mehr übrigblieb? Aber die Menschen hatten schon um weitaus unbedeutendere Dinge gekämpft, dachte Makoto, waren sie dieses eine Mal auch einen Schritt zu weit gegangen. Amerika war es gewesen, das diesen Schritt gemacht hatte. Dumm, so unwahrscheinlich dumm, wo die Menschheit doch so clever war.

Schwelende Leichen säumten den Weg und Ascheflöckchen rieselten auf Makoto hinab wie graue Schneeflocken, als sie eilig vorwärtsschlich. Mund und Nase wurden von einem vergilbten Tuch verdeckt, das Makoto in ihrem Nacken zusammengebunden hatte. Wer die giftigen Dämpfe einatmete, für den gab es keine Rettung mehr, das hatte sie früh gelernt. Das Gift fraß den Körper von innen heraus auf und schmolz die Organe, ähnlich wie die Sonne Eiscreme zum Schmelzen bringt. Dieser Prozess zog sich über mehrere Jahre hin, und es waren grausame, schmerzhafte, hoffnungslose Jahre. Ein Heilmittel gab es nicht, nur den Gnadenschuss, direkt in den Kopf. Makoto selbst hatte einen solchen Schuss schon des Öfteren abgegeben. Das Gefühl einer Pistole in ihrer Hand war Makoto schon lange nicht mehr fremd, viel eher war es ihr zu einer Gewohnheitssache geworden, beinahe so, als gehörte die Pistole zu ihrer Persönlichkeit. Als wäre es nie anders gewesen. Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie den Schutzbunker zum letzten Mal ohne Waffe verlassen hatte. Dieser Moment musste eine Ewigkeit zurückliegen.

Der Qualm war dicht heute, dicht und tiefgrau, wie Regenwolken, was sowohl Vorteile als auch Nachteile hatte. Zwar war Makoto in dem Rauch für andere Augenpaare nahezu unsichtbar, doch blieb letztlich auch ihr die Sicht verschleiert. Als sie ihren nächsten Schritt machte, stieß ihr Fuß unerwarteterweise auf Widerstand. Ihr Blick fiel auf den Boden und streifte für den Bruchteil einer Sekunde über einen rötlichen Totenschädel, ehe sie das Gesicht verzog und wegsah. Der Kopf der Person musste von seinem Rumpf getrennt worden sein, überlegte Makoto, als sie mühsam vorwärtsstapfte. Sicher hatte der arme Kerl keinen leichten Tod gehabt. Ein eisiger Schauer lief Makoto über den Rücken, als sie genauer darüber nachdachte. Kalter Wind schlug ihr entgegen, zerrte an ihren dunklen Haaren und ließ sie unwillkürlich schaudern.

»Makoto, bist du da?«, erklang es plötzlich aus dem uralten Funkgerät, das Makoto an ihrem Waffengürtel trug. Es war die Stimme ihrer jüngeren Schwester, Miyuki Konno, und sie klang so panisch wie schon lange nicht mehr. Miyuki kam mit der Situation besser zurecht, als Makoto angenommen hatte, wenn sie insgeheim auch der Überzeugung war, dass Miyuki ihre Tapferkeit nur vorspielte, um ihrer kleinen Gemeinschaft von Überlebenden nicht zur Last zu fallen.

»Miyuki!«, fauchte Makoto gereizt ins Funkgerät, welches sie von ihrem Gürtel getrennt hatte und nun in der Hand hielt. »Ich wäre dir sehr verbunden, wenn du leiser sprechen würdest. Ich hänge an meinem Leben, weißt du?«

»Es tut mir leid«, stieß ihre Schwester atemlos hervor, hörbar erleichtert über Makotos Lebenszeichen. »Da war nur dieses Rauschen und ich dachte … ich dachte …« Makoto hörte ein Schluchzen, woraufhin ihr ihre schroffen Worte augenblicklich leidtaten.

»Es ist in Ordnung, Miyuki, mir geht es gut. Mach dir keine Sor …« Sie kam nicht dazu, ihren Satz zu beenden, denn in ebendiesem Moment zog sich eine Schlinge um ihr linkes Fußgelenk fest und sie wurde in die Höhe katapultiert. Ein heiserer Schrei entrang sich ihren aufgerissenen Lippen, worauf sie die Zähne zusammenbiss, ehe ihr ein weiterer Laut entweichen konnte. Pistole und Funkgerät entglitten ihren kalten Fingern und landeten geräuschvoll im Schutt. Kaum zwei Sekunden später baumelte Makoto kopfüber von einem der vielen metallenen Bäume, welche die Menschen nach Versagen der Natur erbaut hatten. Ihr schwirrte der Kopf, als sie den Blick gen Boden senkte. Auch aus ihrem Funkgerät drang nun nur noch ein dumpfes Rauschen, das sie zu verspotten schien. Makoto fluchte leise, dann streckte sie sich nach ihrer Waffe aus, doch so sehr sie sich auch streckte, die Pistole blieb außerhalb ihrer Reichweite. Es schien, als würde sie sich immer noch weiter von Makoto entfernen. Mit einem lauten »Mist!« gab sie ihre kläglichen Versuche schließlich auf. Stattdessen widmete sie sich nun ihrem Fuß, der ganz und gar nutzlos in der Schlinge gefangen war. Makotos Augen weiteten sich, als sie das Blut sah, das in einem stetigen Fluss ihr Bein hinabrann. Ihr Mut verließ sie beinahe augenblicklich, denn es handelte sich nicht um ein einfaches Strickseil, das sich um ihr Fußgelenk festgezogen hatte. Natürlich nicht, schalt sich Makoto innerlich. Es war ein hauchdünnes Drahtseil, das Makoto bereits tief ins Fleisch geschnitten hatte. Schnell wandte sie den Blick wieder ab, denn sie hasste den Anblick von Blut, aber wer tat das nicht?

Durch die schier undurchdringbare Wand aus Qualm und Gift näherten sich Makoto zwei Schemen, beide großgewachsen und ohne jede Frage muskulös. Panik erfasste Makoto, sie begann zu zappeln und streckte sich erneut nach der am Boden liegenden Waffe, doch es blieb vergebens. Sie hatte gar keine Chance, war sie doch nicht bereit, einfach aufzugeben. In ihrer aussichtslosen Lage tat sie das Erste, was ihr in den Sinn kam – sprechen!

»Bleibt weg!«, rief sie laut aus, doch ihre Stimme war nicht einmal annährend so fest, wie sie es sich erhofft hatte. »Bleibt weg! Wir sind viele, viel mehr als ihr. Meine Leute werden kommen und sie werden euch töten. Lauft, bevor es zu spät ist!« Komplett gelogen waren ihre Worte nicht, dachte Makoto. Zwar würden ihre Leute nicht wirklich kommen und sie retten, doch waren es tatsächlich recht viele, an die dreißig Menschen.

Die beiden Schemen – vermutlich zwei Männer – schienen Makotos Worte wenig zu berühren, einer der beiden stockte lediglich für den Bruchteil einer Sekunde, als Makotos Stimme über den Platz hallte, doch schon kurz darauf hatte er sich wieder gefangen und stapfte weiter.

»Bleibt weg!«, rief Makoto verzweifelt. »Kommt nicht näher!«

Die Männer waren ihr nun so nah, dass Makoto die Masken erkennen konnte, die die beiden auf ihren Gesichtern trugen. Es waren rote Masken, die das gesamte Gesicht verdeckten, und sie waren ganz eindeutig besser als Makotos altes Tuch. Woher sie die wohl hatten? Als nächstes sprangen Makoto die karottenroten Haare des rechten Mannes ins Auge, die in der toxischen Dunkelheit leuchteten wie die Sonne persönlich, hell und warm und so schön. Und allem voran so vertraut. Makotos Atem beschleunigte sich und ihr Herz pochte wild und schmerzhaft gegen ihren Brustkorb, als wollte es ihn sprengen. Konnte das tatsächlich sein? War das wirklich möglich? Sie würden sich in der Zukunft sehen, das hatte er gesagt, aber das war nun sieben lange Jahre her. Sieben Jahre, in denen sie jeden Tag vergeblich auf ein Lebenszeichen von ihm gewartet hatte. Warum sollte er ausgerechnet jetzt auftauchen? Makoto war dermaßen in Gedanken versunken, dass sie es gar nicht bemerkte, als der andere Mann eine Zange aus dem Beutel zog, den er auf dem Rücken trug. Ein knirschendes Geräusch drang an Makotos Ohr, als sich die Schlinge um ihr Fußgelenk löste und sie keuchend in den Schutt fiel. Dass sich auch der Knoten in ihrem Nacken gelockert hatte, merkte sie erst, als das Tuch wenige Zentimeter vor ihr zu Boden glitt. Das schiere Entsetzten stand ihr überdeutlich ins Gesicht geschrieben, als Makoto ihre Kehle mit beiden Händen umfasste, hustete und würgte, und versuchte, das Gift aus ihren Lungen zu pressen. Eilig griff sie nach dem Tuch und band es in ihrem Nacken wieder zusammen, war es auch zu spät. Sie hatte die toxischen Dämpfe eingeatmet, ganz zweifellos. Für sie gab es keine Rettung mehr, das hatte sie gelernt.

»Du hast Glück, dass wir heute keine Gefangenen nehmen«, erklärte ihr eine aufgeraute, beinahe freundliche Stimme im Plauderton. Blinzelnd blickte Makoto auf und sah direkt in die Mündung einer Pistole. »Du wirst einen weitaus gnädigeren Tod haben als manch anderer von uns.«

»Gnädig«, spuckte Makoto das Wort voller Verachtung aus. »Der Tod ist nicht gnädig, niemals. Ein Planet, der uns auch weiterhin am Leben erhalten kann, eine Welt, in der sich die Lebewesen nicht bekriegen, das wäre gnädig.«

»Doch ist uns eine solche Welt leider verwehrt. So ein Leben werde ich, wirst du, wird niemand jemals bekommen. Du solltest dich an diesen Gedanken gewöhnen, Kleine. So sind die Menschen nun mal – sie wollen immer das haben, was ihnen nicht gehört. Und nun – Lebewohl.« Sich auf das Ende vorbereitend, schloss Makoto die Augen. Ihre letzten Gedanken galten den Menschen, die sie so sehr liebte. Chiaki, den sie nach all der Zeit noch nicht vergessen hatte. Miyuki und Kôsuke, deren Liebe selbst dieser kaputten Welt trotzte. Und schließlich ihren Eltern, wo sie auch sein mochten. Makoto war bereit für das Ende. Dennoch zuckte sie zusammen, als der Schuss erklang. In ihren Ohren klingelte es, fühlte sie sich doch … erstaunlich lebendig. Makoto brachte nicht den nötigen Mut auf, sich umzusehen. Was, wenn sie nun doch tot war? Was, wenn …

Eine große Hand legte sich auf ihre Schulter, worauf Makoto laut nach Luft schnappte und die Augen aufriss. Vor ihr hockte der Mann, der sie so sehr an Chiaki erinnerte. Ascheflocken hatten sich in seinen roten Haaren abgesetzt, ähnlich einem grauen Schleier der Trauer.

»Was …«, setzte Makoto an, dann jedoch fiel ihr Blick auf den reglos am Boden liegenden Mann. Prüfend sah sie erneut den Rotschopf an, genauer nun. Schließlich wurden ihre Augen von einem sanften Lächeln erhellt, das dem Mann durch das Tuch verborgen bleiben sollte.

»Du hast mich gerettet«, stellte Makoto leise, fast flüsternd fest. Der Rotschopf zeigte keine Regung, nichts deutete darauf hin, dass er Makotos Worte überhaupt zur Kenntnis genommen hatte. Makoto dagegen holte tief Luft, nahm all  ihren Mut zusammen und hauchte: »Chiaki?« Und endlich regte er sich. Langsam, quälend langsam hob er die Hand und legte sie an Makotos Wange, ganz vorsichtig, als wäre sie heute zerbrechlicher als früher, dabei war sie über die Jahre nur stärker geworden. Sie schloss erneut die Augen und schmiegte sich in seine Hand. Seine Haut war rau aber warm, und alles in Makoto schrie, dass sie bei ihm in Sicherheit war. Sie spürte, dass sie endlich Zuhause angekommen war.

»Ich habe doch gesagt, wir würden uns in der Zukunft sehen«, flüsterte Chiaki und strich mit dem Daumen über Makotos Wangenknochen.

»Sieben Jahre, Chiaki«, entgegnete Makoto, öffnete die Augen und umfasste seine Hand. »Sieben Jahre warst du fort.«

»Nein«, widersprach er. »Ich war immer da. Von dem Moment an, als du den Bunker verlassen hast, war ich immer in deiner Nähe.«

Ungläubig öffnete Makoto den Mund. »Ich war nur ein knappes Jahr dort drinnen, Chiaki«, hauchte sie und ließ seine Hand los. »Du hast mich drei Jahre lang beobachtet, ohne je einen Ton von dir zu geben?« Aufgebracht schnaubte sie auf. »Ich hielt dich für tot und du hast es nicht für nötig empfunden, dich ein verdammtes Mal bei mir zu melden?«

»So einfach ist das nicht«, sagte Chiaki und fuhr sich frustriert durch die Haare. »Ich durfte mich nicht bei dir melden, so wäre unser Wiedersehen nicht vorgesehen gewesen. Das hier«, er deutete erst auf Makoto, dann auf sich selbst, »so sollte unser Wiedersehen aussehen. Wäre es anders verlaufen, hätten wir die gesamte Zukunft verändert.«

»Was sollte denn schon geschehen?«, wollte Makoto wissen. »Die Welt liegt bereits in Trümmern. Es hätte gar nicht schlimmer kommen können.«

»Eine Änderung der Zukunft hätte deinen Tod zur Folge gehabt, Makoto«, sagte Chiaki ruhig. Makoto musste schlucken, um den Kloß loszuwerden, der sich in ihrem Hals gebildet hatte. Eilig rappelte sie sich auf, wobei ihr Bein schmerzte, wo sich das Drahtseil in ihr Fleisch gegraben hatte. Tränen brannten ihr in den Augen, als sie sich von Chiaki abwandte.

»Das macht keinen Unterschied«, sagte sie mit belegter Stimme. »Ich werde sowieso sterben. Ich hab’s eingeatmet.«

Chiaki hinter ihr sog scharf die Luft ein, dann schwieg er einige Zeit lang. Schließlich sagte er: »Ich auch, vor zwei Tagen schon.« Und die Tränen liefen über. Als wären einhundert Dämme gebrochen, brachen die Tränen aus Makoto heraus. Ihr Körper wurde von Schluchzern geschüttelt und sie konnte nichts dagegen tun. Die Trauer übernahm die Kontrolle, und Makoto ließ es geschehen, denn sie war zu schwach, um noch länger dagegen anzukämpfen. Chiaki nahm sie von hinten in den Arm, woraufhin Makoto sich müde gegen ihn lehnte, um seine Wärme und seine Nähe zu genießen. So lange hatte sie sich nach ihm gesehnt, so lange. Doch nun, wo sie endlich – endlich! – wieder zusammen waren, da erschien es Makoto unmöglich, dass es jemals anders gewesen sein sollte. Waren sie tatsächlich sieben Jahre lang getrennt gewesen? Es kam Makoto vor wie ein ferner Traum, wie ein Albtraum. Sie beide, sie waren doch eine Einheit. War es überhaupt möglich, dass sie ohne einander existierten? Makoto bezweifelte es.

»Warum hast du es nie gesagt? Warum hast du mir damals nicht erzählt, was aus unserer Erde werden wird?«, fragte Makoto und sah Chiaki aus großen Augen an.

»Weil wir beide nicht die Macht haben, die Zukunft zu verändern. Wir sind nur zwei Figuren in einem großen Spiel, Makoto. Wir haben nur jetzt, diesen Moment, und wir haben einander. Das muss genügen.« Und es genügte. Chiaki brauchte nicht zu erklären, dass es für die Erde, wie Makoto sie kannte, keine Rettung mehr gab, das verstand sich von selbst. Und weil sie nur diesen Moment hatten, ließ Makoto es zu, als Chiaki erst die eigene Maske abnahm und ihr anschließend das Tuch vom Gesicht zog. Lange sahen die beiden einander einfach nur an.

»Chiaki«, sagte Makoto schließlich, ihre Stimme bebte. »Wirst du bei mir bleiben, wenn … wenn wir sterben?«

Der Blick, mit dem Chiaki sie bedachte, war ganz sanft. »Natürlich.«



Es war ein Freitag, ein wolkenverhangener, regnerischer Freitag, als die Natur endgültig versagte. Von den jahrelangen Kämpfen zutiefst erschöpft, fiel die Erde in einen tiefen Schlaf, und die Menschheit fiel mit ihr. Tief fielen sie, und immer tiefer. Da waren zwei Menschen, ein Mädchen, das einst durch die Zeit sprang, und ein Junge, der aus der Zukunft kam, die hielten einander fest umschlungen, als es mit der Menschheit zu Ende ging, und sie waren glücklich, denn sie hatten einander, und das genügte ihnen.



Ende
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