White as snow

GeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P16 Slash
Adrianna Gretel Hänsel
16.08.2015
19.08.2015
3
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- Then -

Eine ungewohnte Stille hatte sich an diesem Nachmittag über die Nachbarschaft ausgebreitet. Das Wetter war unruhig, wechselhaft, der Wind zerrte an den Kleidern derjenigen, die entgegen besseren Wissens nicht in ihren 4 Wänden geblieben waren und die Straßen eilig durchquerten. Die Spielplätze lagen brach da, vereinzelt quietschte eine Schaukel, welche von den Wehen erfasst wurde und von weitem an schönere Zeiten erinnerte, wenn Leben diesen Platz erfüllte. Kein Tier wagte es sich zu regen, war doch die Luft mit einer unangenehmen Art von Spannung angereichert, die alle den Atem anhalten ließ bis zu dem Knall, der wohl folgen würde. Sarah White stand am Fenster ihres Wohnzimmer und blickte stumm hinaus, gerade erst hatte sie die frisch gewaschene Wäsche aus dem Garten ins Haus gebracht um dem Risiko vorzubeugen, dass diese in den kommenden Sturm geriet. Ihr Mann war an diesem Tag nicht daheim, er hatte sich auf eine Geschäftsreise begeben, die vor dem morgigen Tag wohl kein Ende finden sollte. Sie sorgte sich um ihn und hoffte, dass wo auch immer er war, geschützt blieb vor dem was da noch kommen sollte. Ohne Eile zog sie sich zurück um sich anderen Tätigkeiten im Haus zu widmen und verlor so den Horizont aus den Augen, wo gerade die Nacht die letzten Sonnenstrahlen verschlang.

Wie erwartet richtete der Sturm in der folgenden Nacht etliche größere Schäden in den Siedlungen der Kleinstadt an, doch Verletzte schien es nicht zu geben. Den einzigen Verlust, den man zu beklagen hatte, war die Frau von Eric White, welcher ihr Mann am darauffolgenden Tag in ihrem Haus fand, die leblosen Augen an die Decke gerichtet, während die klaffenden Wunden an ihren Handgelenken schließlich aufhörten den Boden in rot zu tränken. Die Zeitungen schrieben von einem tragischen Selbstmord, während die Nachbarn mutmaßten, das die Arme wohl einer Depression unterlegen hatte. Niemandem schienen die gelblichen Rückstände an den Türen und Fenstern aufzufallen, die pulverartig einen beißenden Geruch von Sulfur in das nun leere Haus trugen. Niemandem - außer Eric.

- Now -

"Nun wie wäre es zum Beispiel mit... Sarah?"

Ein aufgeregtes Kribbeln durchfuhr seinen Körper als er die Anspannung förmlich in den muskulösen Rücken des Jäger fließen sah, während sich dessen Form insgesamt merklich versteifte, fast so als hätte man ihn mit Eiswasser übergossen. Uh das war gut, viel zu gut und machte all die Stunden harter Recherche, herausgraben von Informationen und Spuren im Nirgendwo allemal wett. Der Brünette neigte ein wenig den Kopf zur Seite und erhaschte einen kurzen Eindruck auf den mörderischen Blick des Anderen, was ihm erneut eine Gänsehaut bereitete. Die nächsten Stunden würden nicht angenehm werden, überhaupt nicht, doch das was dann kommen würde, war mehr als-

Sein Kopf ruckte hart zur Seite als das eisige Metall des Schlagrings mit seinem Wangenknochen kollidierte und heißer Schmerz schoß durch deine Adern. Ein zweiter Schlag ließ nicht lange auf sich warten, diesmal traf es keinen Kiefer, dessen unschönes Knirschen ihm den triftigen Grund zur Annahme gab, dass dieser zumindest angebrochen war. Trotz alledem sang das Blut in seinen Venen, lief ihm aus Mund, Nase und der aufgeplatzten Lippe und schmeckte doch so süß nach einer fernen Ahnung des Sieges. Er seufzte nur leise über die Enttäuschung seiner so schön ausgemalten Fantasien, ehe er den Blick zu seinem Peiniger hob, einen bemüht gelangweilten Ausdruck auf den Zügen, "wars das schon? Da hat mich ja meine Schwester schon härter geschlagen!".

Normalerweise war er niemand der unnötig um Schläge bettelte. Er hielt sich aus den Streitereien in der Hölle heraus, ihm war gleich wer dort gerade die Macht erringen wollte, solange man ihm freistellte zu tun,  was er wollte. Aber dieser Jäger - dieser einfache Mensch hier - war wichtig, war besonders und er wollte ihn um jeden Preis. Er brauchte ihn und die dunklen Flecken von Hass und Wut auf seiner Seele, Einsamkeit und Verzweiflung würden sein Untergang sein, wenn er nur geduldig blieb. Und so blieb er geduldig, steckte noch einige weitere Schläge ein bis man schweratmend von ihm abließ, zumindest für eine kurze Weile. Sein malträrierter Kiefer erlaubte es ihm nur unter Anstrengung das Blut auf dem Boden zu husten, welches sich in seine Mundhöhle gesammelt hatte und ein Meer aus roten Sprenkeln zu seinen Füßen bildete. Seine Zunge feuchtete die geschwollenen, blutigen Lippen an bevor er weitersprach.

"Du glaubst, dass ich dich anlüge oder? Das ich dir hier Unsinn erzähle und du glaubst mir natürlich kein Wort," es war schwierig auszumachen, was genau in seinem Gegenüber vor ging, doch Sympathie war es sicher nicht, "aber es ist die Wahrheit. Sie ist bei uns Snow, ihre Seele gehört uns und leidet schon seit Jahren im wahrsten Sinne des Wortes Höllenqualen. Sag mir nicht du dachtest sie sei oben..." seine Augen bohrten sich in das blau des Anderen ohne Erbarmen auf der Suche nach einer Unachtsamkeit, "du hast sie versucht zu beschwören oder? Hast Medien befragt und die konnten sie nicht finden, weil sie nicht in der Geisterwelt war und du hattest all die Jahre befürchtet, was ich dir hier freiwillig präsentiere: Sarah Whites Seele fristet ihr Dasein in der Hölle und weißt du auch wieso?". Nur noch ein kleines bisschen. Die Spannung zwischen ihnen war zum Zerreißen gespannt, nur noch ein kleiner Schubs - "Sünder kommen nicht in den Himmel!".

"Lüge!" das Holz unter ihm erzitterte merklich als die Handflächen des Menschen auf die Lehnen niederfuhren und dessen Oberkörper sich über ihn lehnte, die Augen voll Wut und erfüllt mit dem Wunsch ihm den Hals umdrehen zu können. "Meine Frau hat niemals-" "Deine Frau hat sich selbst umgebracht!".
Abrupte Stille breitete sich zwischen ihnen aus und ein zufriedenes Lächeln schlich sich auf die Lippen des Dämons. "Das hattest du nicht gewusst was? Deine Kleine wollte wohl verhindern, dass die Anderen sie zu fassen bekommen, aber der Big Boss dort oben kann Leute, die ihr eigenes Leben auslöschen so gar nicht leiden. Das nennt man wohl vom Regen in die Traufe... aber noch ist ja nicht aller Tage Abend." Genau da. Genau da wo er ihn haben wollte. "Ich kann es alles beenden und sie dort unten rauslassen - endlich ohne Leiden eine Ewigkeit nur für Sie allein - aber dafür brauche ich vorher deine Hilfe.".

Für einen Moment schien Snow zu schwanken, denn Zweifel und das "was wäre, wenn" waren fiese kleine Biester die oft auch den stärksten Charakter durchdrungen. Letztendlich lehnte sich dieser zurück, die kontrollierte Erscheinung wieder an ihrem Platz. "Ich bin deiner Lügen leid. Es wird Zeit dich wieder dahin zu schicken, wo du hergekommen bist.". Der Dämon schnaubte kaum hörbar - viele redeten davon ihn "heim" zu schicken und doch waren sie alle nur ahnungslose Narren. Sich einen geeigneten Platz suchend aus welchem er alles genau sehen konnte, positionierte sich der Andere schließlich leicht zu seiner linken, so dass er den Gefangenen und die Tür weiterhin im Auge behalten konnte. Misstrauisch war er, aber auch klug, das musste man ihm lassen. Ohne zu zögern zog er einen verschlissenen Rosenkranz hervor und wickelte ihn fest um sein Handgelenk, dann hob er seine Stimme und sprach: "Exorcizamus te, omnis immundus spiritus,
omnis satanica potestas, omnis incursio infernalis adversarii,
omnis congregatio et secta diabolica. Ergo, draco maledicte."

Wenn Snow erwartet hatte, dass er anfing sich zu winden und zu fluchen, hatte er sich geschnitten. Natürlich gingen die Worte des Exorzismus nicht völlig am ihm vorbei - doch mehr als einen kühler Hauch in seinen Gliedmaßen spürte er nicht. Kein Schmerz, kein Ziehen, kein Drang sich seiner Hülle zu entledigen. Schließlich fand auch seine Geduld ein Ende - hatte er doch die gleichen Worte schon unzählige Male immer wieder gehört - so dass er beschloss, dem Unfug ein Ende zu machen und so stimmt er mit ein: "Ecclesiam tuam securi tibi facias libertate servire, te rogamus, audi nos bla bla bla! Das ist schon so uralt, dass kann jedes Kind mitsprechen und ganz ehrlich: deine lateinische Aussprache ist an manchen Stellen echt grauenvoll! Das du so überhaupt einen von uns zurückgeschickt haben sollst... scheint als würde das Niveau für Dämonen mit der Zeit echt sinken.".

Wäre die Situation nicht so ernst gewesen, hätte er den völlig verdutzten Blick des Jägers wohl als "fast schon niedlich" deklariert. Scheinbar war dieser es nicht gewohnt, so viele freche Worte zu kassieren. "Sehen wir es einfach ein - du wirst mich nicht so einfach los, also schlage ich folgendes vor: du ziehst dich für eine Weile zurück und denkst über meinen Vorschlag nach. Solltest du ihn annehmen, gehen wir Beiden hier raus und niemand wird verletzt. Solltest du jedoch ablehnen...", ein diabolisches Lächeln breitete sich über seine Lippen aus, während das Blau seiner Augen noch unnatürlicher leuchtete als ohnehin schon, "dann brenne ich diese Hütte hier nieder und niemand - weder du, noch irgendeiner deiner kleinen Jägerfreunde - kommt hier lebend wieder heraus!". Innerhalb des Bruchteils eines Moments änderte sich sein Äußeres wieder zu dem gelassen verspielten Ausdruck mit dem er seinem Peiniger schon die ganze Zeit begegnet war.

"Sie haben 20 Minuten ab jetzt Mr. White - die Zeit läuft!".

-- Ende Teil 2 --
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