White as snow

GeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P16 Slash
Adrianna Gretel Hänsel
16.08.2015
19.08.2015
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Das Licht flackerte unruhig in dem versiegelten Raum, in welchen man den Mann in schwarz gebracht hatte. Dicke Seile aus verwebten Silber- und Eisenfäden hielten ihn auf dem Stuhl, der das sonst leere Zimmer nur noch größer wirken ließ. Fixiert an Handgelenken, Oberkörper und Knöcheln blieb der Körper des Gefangenen stets aufrecht, offen und vorhersehbar, was dem Jäger nur zugute kam. Beinahe lautlos überbrückte er die Distanz von der Tür bis zu dem Grund, warum man gerade ihn gerufen hatte. Sein wachsamer Blick streifte die Gestalt vor sich - schlank und durchtrainiert, vielleicht etwas kleiner als der Durchschnitt, kurze dunkelblonde, in einem anderen Licht auch hellbraune Haare. Er schien nicht älter als 27, vermutlich sogar noch jünger. Kein Anzeichen von Andersein. Doch nichts war, wie es auf den ersten Blick schien - sonst wäre er kaum herzitiert worden. Seine Schritte stoppten wenige Zentimeter vor den verschnörkelten Kreidezeichnungen auf dem Boden und das schien die Lebensgeister in dem Mann vor ihm zu wecken. Vorher geschlossene stechend blaue Augen trafen seine und ein neckisches Lächeln schlich sich auf dessen Züge. "Mr. White... das wurde ja auch Zeit...".

--Then--

Seit Eric White sich erinnern konnte, war er immer anders gewesen als die Kinder in seinem Alter. Während alle Anderen mit Farben malten und mit ihren Freunden spielten, lernte er die Wesen, die viele als pure Fiktion abtaten, zu unterscheiden, zu kategorisieren und Wege ihnen den Gar auszumachen. Die einzigen Kreidebilder, die er jemals malte, waren Teufelsfallen und Schutzsymbole aus den alten Schriften. Das er nicht normal war, war ihm schon lange vor seiner Ausbildung bewusst als die anderen Erwachsenen nicht die schattenhaften Gestalten sahen, die ihnen in den Schatten auflauerten und auf welche er sie versuchte aufmerksam zu machen. Sie bemerkten nicht die Wesen, die zwischen den Welten gefangen waren, bis es meist zu spät war. "Fantasievoll" und  "sensibel" nannte man ihn - "aufmerksamkeitsgeil" flüsterte man hinter dem Rücken seiner Familie. Doch niemand wollte ihm Glauben schenken bis auf seine Eltern.

Das seine Eltern auch nicht normal waren, offenbarte sich ihm spätestens als sie ihren langjährigen Nachbarn Mr. Lennings während einer Halloweennacht mit Silberkugeln niederstreckten. Ungläubig hatte Eric damals zugesehen er sich der Körper des älteren, sonst so offenen und freundlichen Mannes vor ihm plötzlich ausdehnte bis er riesig und pelzig geworden war, Zähne und Krallen so scharf wie Dolche gefletscht. Werwölfe - hatte ihm daraufhin seine Mutter erklärt, während sie später sein Gesicht von Blutspritzern säuberte - seien nur eine von etlichen Monstern, die sich unter den Menschen versteckten um ihnen im Geheimen schadeten. An diesem Abend fiel auch zum ersten Mal der Begriff, der sein Schicksal prägen sollte, ein Wort welches tief in seine Familie und deren Blut gebrannt war - Jäger. Eine Gemeinschaft von Menschen mit dem Auftrag ihre Rasse vor den dunklen Biestern zu schützen, einsame Helden in einem schier endlosen Kampf auf Leben und Tod. Er war damals gerade 6 Jahre alt als er entschied in die Fußstapfen seiner Eltern zu treten und ebenfalls ein Jäger werden zu wollen.

Die folgenden Jahre der Ausbildung entfremdeten ihn weiter von denen, die nicht waren wie er. Er interessierte sich nicht für die neusten Trends, welche Musik gerade im Radio hoch und runter lief oder welches Mädchen gerade angesagt war. Die Teenager in seiner Schulen mieden ihn, erklärten ihn als abgedrehten Einzelgänger, doch wagten nicht gegen ihn die Hand zu erheben. Er brauchte sie auch nicht - es gab genügend Jäger, deren Anwesenheit er aufgrund ihrer Erfahrung und ihres Geschicks jedem normalen Menschen seines Alters vorzog. Trotz der Doppelbelastung des Jagens und seiner Schulausbildung machte Eric gute Fortschritte und überflügelte bald nicht nur seine Klassenkameraden sondern auch einige der Alteingesessenen der Gemeinschaft. Sein Fleiß, seine Hartnäckigkeit sowie sein effizienter manchmal ruchloser Umgang mit den Kreaturen brachte ihm den Respekt der Jäger ein, die ihn immer öfter nur noch "Snow" nannten, bezugnehmend auf seine unbefleckten Kleider trotz einer erfolgreichen Jagd. Eher weniger begeistert akzeptierte er den Namen, der mit dem Stolz seiner Familie einherging und so wurde "Snow White" ein stetiges Murmeln in der Nacht.

--Now--

Der Anruf kam in dieser Nacht ungewöhnlich spät. Oft endete der meiste Spuk nach Mitternacht, doch dieses Mal erwischte es ihn kurz vor 3 als das stetige Vibrieren seines Handys ihn aus dem Schlaf riss. Schlaftrunken tastete der Brünette nach dem Übeltäter auf dem Nachttisch, welcher mehrfach seinen Fingern entglitt, bis er das Telefon schließlich an sein Ohr bringen konnte. "White?".
Er gab sich keine Mühe so zu tun als wäre er nicht gerade mitten in der Nacht geweckt worden und ein tonloses Seufzen entfloh seinen Lippen als er den Anrufer erkannte.

"Snow hier ist Will.."
Willam Hammond, ebenfalls ein Jäger, gerade so volljährig. Seine Familie waren alte Bekannter von Erics Eltern, ebenfalls seit mehreren Generationen im Geschäft. Was man sicher über den Jungen sagen konnte - er hatte Talent und Ambition. Aber steckte immer bis zum Hals in Problemen.
"Hör zu es gibt hier ein Problem..."

"Warum überrascht mich das irgendwie nicht Will?", mit einem erschöpften Seufzen wischte er sich die Haare aus dem Gesicht, welche ihm in dicken Strähnen über die Schultern fielen, bevor er weitersprach, "was hast du jetzt wieder angestellt?". "Ich hab gar nichts angestellt! Es geht hier nicht um mich - erinnerst du dich an den Hexenzirkel, den wir hochnehmen wollten?". Das zog sein Interesse schon mehr auf sich. Er hatte von dem Plan gehört, dass sich eine größere Gruppe von Jägern zusammenschließen wollte um eine Horde Hexen auszuräuchern, doch er hatte sich bewusst zurückgehalten - und er wusste auch warum. Eric räusperte sich leise um das raue Kratzen aus seiner Stimme zu vertreiben,  ehe er sich gerader in seinem Bett aufsetzte. "Ja davon hab ich gehört. Ist alles in Ordnung? Seid ihr in eine Falle getappt?".

"Nein nein, das nicht! Es lief gut, wir haben den Biestern wirklich eins ausgewischt und dann... naja dann haben wir was in die Hände bekommen...". Das Drucksen in der Stimme des jüngeren Jägers sprach Bände. "Was habt ihr in die Hände bekommen Will?!" knurrte er in den Hörer und konnte das nervöse Zucken am anderen Ende der Leitung fast hören.

"E-einen Dämon Snow! Einen richtigen Dämon. Wir konnten ihn festnageln bevor er fliehen konnte, aber er... naja er lässt sich nicht exorzieren." Williams Stimme klang nun leiser als wollte er verhindern, dass jemand ihr Gespräch mitbekam. "Wir haben alles versucht, doch nichts wirkt. Die Männer werden unruhig. Bitte Snow, wir-".
"Gib mir eine Stunde dann bin ich da. Schick mir eure Koordinaten direkt aufs Telefon und tut euch den Gefallen: kommt diesem Ding nicht zu nah!", ohne die Antwort des Anderen abzuwarten beendete er das Telefonat und fuhr sich über das Gesicht. Es schien als würde sein geplanter freier Tag in weite Ferne rücken.

Eine knappe Stunde später erreichte er den Unterschlupf dessen Standpunkt man ihm geschickt hatte. Er kannte ihn nur aus Erzählungen der anderen Jäger, doch als er sein Auto vor dem Eingang des alten Militärbunkers zum Halten brachte, wusste er warum gerade dieses Versteck ausgewählt worden war. Die mehrfach durch Eisen verstärkten Wände und die darunterliegenden, labyrinthartigen Gänge machten es praktisch unmöglich für Anderswesen dort hinein- oder hinaus zu gelangen - perfekt abgeschirmt gegen einen möglichen Racheplan der Hexen. Der Kies knirschte leise unter seinen Stiefeln als er sich dem Eingang näherte, an welchem ihn William bereits mit einem Becher Kaffee erwartete. Ein zartes Lächeln schlich sich bei diesem Anblick auf seine Lippen, "nun zumindest wisst ihr wie man jemanden empfängt, wenn ihr ihn schon mitten in der Nacht aus dem Bett zerrt.".

Will lächelte verlegen und wischte eine braune Strähne aus seinem jugendlichen Gesicht. "Tut mir auch Leid... aber es ist gut, dass du da bist". Sie passierten den von Schutzformeln überfluteten Eingangsbereich, während er an seinem Kaffee nippte und sich wie nebensächlich umsah. Jede noch so kleine Öffnung war zusätzlich mit einer Linie aus purem Salz gesichert worden. Jemand hatte einen ordentlichen Job gemacht dieses Gebäude zu sichern. Sie passierten mehrere bewaffnete Wachen, die ihnen kurz zunickten und sie problemlos passieren ließen, so dass sie bald den Fahrstuhl zu den unteren Etagen erreichten. Erst als sich die schweren Türe hinter ihnen schlossen, wandte Snow sich an den Anderen. "Ein Dämon, der sich nicht exorzieren lässt, sagtest du? Und ihr seid sicher keinen Fehler gemacht zu haben, egal wie unbedeutend er erscheinen mag?".
Sein Begleiter schüttelte entschlossen den Kopf über diese Mutmaßung, zum Glück ohne persönlichen Anstoß daran zu nehmen. "Es war alles genau so wie es sein musste. Anfangs schien auch alles normal zu sein - wir verhörten ihn, der miese kleine Bastard wurde frech und dann versuchten wir es mit Weihwasser, was jedoch keinen Effekt hatte," ihre Blicke trafen sich um Snows aufkeimende Zweifel, dass es sich überhaupt um einen Dämon handeln sollte, gleich wieder zunichte zu machen, "Snow ich erkenne einen Dämon, wenn einer vor mir sitzt. Als das also nicht half, gingen wir zu den Exorzismen über. Planmäßig begann er zu kreischen, sich zu winden und verfluchte uns und dann... dann war plötzlich alles vorbei und er begann zu lachen. Er lachte uns aus als wären wir dumme kleine Schulkinder, denen er einen Streich gespielt hatte.". Der Ärger und der verletzte Stolz über die Dreistigkeit des Anderswesens verbargen sich nur wenig hinter Wills erzwungenem ruhigen Gesichtsausdruck. "Ich weiß wirklich nicht was dieser Mistkerl ist - aber wenn es jemand herausfinden kann, dann du!".

Snow hatte in seiner Jägerlaufbahn schon alle möglichen dunklen Wesen gesehen und getötet. Doch was auch er schmerzlich hatte lernen müssen war, dass man sie niemals unterschätzen durfte - vor allem nicht Hexen und Dämonen. Sie waren unberechenbar, listig und zum Teil unheimlich mächtig, weswegen er sich auf die Jagd dieser Spezien besonders spezialisiert hatte. Doch auch er spürte den nagenden Zweifel in sich, wie ein ungutes Omen tief in seinem Inneren, dass dies möglicherweise ein Spiel außerhalb seiner Liga sein könnte. So schnaubte er nur leise und er wich dem hoffnungsvollen Blick des Anderen aus, nicht mehr in der Lage ihn zu ertragen. "Na dann zeig mal, was ihr euch da angelacht habt...".

"Mr. White... das wurde ja auch Zeit...".
"Du weißt wer ich bin?" auch wenn diese Frage mehr als eine Aussage im Raum stand, entlockte sie dem Gefangenen nur ein raues Lachen.
"Natürlich wissen wir, wer du bist... du hast so viele von uns gejagt und zurück nach unten verfrachtet. Da sind einige wirklich wirklich sauer auf dich... und sie würden vermutlich töten um jetzt an meiner Stelle zu sein!".
Sein skeptischer Blick glitt über den jungen Mann vor sich, dessen ganze Haltung ihm ganz und gar nicht gefiel, fast so als wäre er ein kleines Kind im Spielzeugladen anstatt ein Gefangener im Verhör. Die unnatürlich blauen Augen bildeten einen scharfen Kontrast zu den schwarzen Ledersachen, die der Dämon trug und fixierten sich ausschließlich auf ihn, als würden sie versuchen in seine Seele vorzudringen, um herauszufinden welche Schwächen er versuchte zu verstecken. Beiläufig nahm sich der Größere etwas von dem Beistelltisch, der ausschließlich dafür da war die unzähligen Klingen, Mittel und im Notfall auch Kugeln bereitzuhalten, um ihre "Gäste" zum Reden zu bringen bevor er sich wieder näherte.
"Meine Leute sagten, sie haben dich in einem Hexenversteck aufgegriffen... was hattest du da zu suchen?".

Der Dämon lächelte schon beinahe ungehörig und zuckte wie beiläufig mit den Schultern. "Ach wir waren uns einfach sympathisch. Du müsstest das doch kennen - ein gesunder junger Mann im besten Alter und ein Haufen nicht unattraktiver Frauen? Wir wollten gerade in den Whirl-" sein Monolog wurde von einem scharfen Atemzug unterbrochen als die Dämonenklinge sich durch den groben Stoff des Ledermantels hinein in den Arm und unter die Haut fraß, was einen hässlichen Schnitt auf der leicht gebräunten Haut zur Folge hatte. Rotes Blut tropfte in dicken Perlen aus der Wunde hinab auf den Fußboden und der Jäger neigte nur leicht den Kopf. "Scheinbar hast du meine Frage nicht richtig verstanden: Was habt ihr vor?".

Insgeheim genoss Snow das vor Schmerzen verzogene Gesicht des Anderen, während dieser laut mit den Zähnen knirschte über den ihm zugefügten Schmerz.
"Huh und ich hatte gehofft die Winchesters seien die Einzigen, die außer uns mit diesen Dingern rumfuchteln", presste der Verletzte hervor und Snow konnte (und wollte) das abfällig Geräusch, das seine Kehle verließ, nicht aufhalten. Auch wenn er irgendwo Mitleid für den armen, gefangenen Kerl verspürte, der nun als Hülle genutzt wurde, traf dies keineswegs auf den Besatzer zu. Seinesgleichen hatten schon so viel Leid und Unglück über die Menschen gebracht, Kummer und Missgunst. Und dies war nicht der Erste seiner Art, der sich für einen besonders großen Fisch hielt und sich darin gewaltig irrte. Er würde ihn-

Seine Gedanken brachen abrupt ab als sich die Wunde vor seinen Augen wieder verschloss und nur gesunde, unvernarbte Haut zurückließ, so als hätte sie nie existiert. Der Dämon schien seine Irritation ebenso wahrgenommen zu haben, denn sein gerade noch geplagter Ausdruck wandelte sich schnell wieder zu der üblichen Überlegenheit. "Überrascht?" flüsterte er in den Raum hinein, die Worte schrecklich laut in der angespannten Stille um sie herum, "ich kann noch viel viel mehr. Und scheinbar haben wir beide eine Vorliebe für interessante Spiele - wie wäre es also mit einem nur für uns zwei Hübschen?".

Das Verlangen zuzuschlagen war für einen Moment übermächtig, diesem kleinen Ekel sein dreistes Grinsen aus dem Gesicht zu wischen, welches er unerschütterlich zur Schau stellte. Doch er wusste sich zurückzuhalten, denn dies war die übliche Taktik, die diese Schädlinge verfolgten: Provozieren, Schwachstellen erkennen und diese rigoros ausnutzen. So tat der Jäger einige tiefe Atemzüge bis er die gewohnte Gleichgültigkeit in seiner Brust ihren Platz einnehmen fühlte, die er zu schätzen gelernt hatte in seinem jahrelangen Kampf gegen die dunkle Seite. Geradezu gelangweilt trat er zurück und nahm sich die Zeit den Anderen von Kopf bis Fuß zu mustern bevor er die Finger gedankenverloren über die verschiedenen Utensilien auf dem Tischen gleiten ließ, "du musst wirklich denken, das ich dumm bin oder? Niemand würde auf diesen billigen Trick hereinfallen.". Der Brünette auf dem Stuhl betrachtete seine Bewegungen genau, ohne etwas von seiner spielerischen Art zu verlieren als er weitersprach. "Nun es war einen Versuch wert... denn alle spielen, wenn es nur um den richtigen Einsatz geht. Dann werden sie alle schwach!".

"Ist das so? Was wäre denn so ein Einsatz, hmn?", er wusste das er dieses Verhör beenden sollte, es brachte ihnen nichts den Lügner noch länger ihre Zeit verschwenden zu lassen, wenn sie dafür keine interessanten Informationen erhielten. Doch sein Stolz gab noch keine Ruhe, wollte schlichtweg nicht hinnehmen, dass der Dämon für sein Ausmaß an Unverfrorenheit noch ungescholten davon kommen sollte. Seine Finger schlossen sich um den Faustring, geschmiedet aus purem Eisen und mit Weihwasser gesegnet, würde er einigen Schaden ausrichten bevor er ihn zurück ins ewige Flammenmeer schicken würde.

"Nun wie wäre es zum Beispiel mit... Sarah?"
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