Family is Strength

von -Ninaaa-
GeschichteDrama, Mystery / P16
Elijah Mikaelson Hayley Marshall Marcel Gerard Niklaus Mikaelson Rebekah Mikaelson
14.08.2015
21.08.2015
2
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Als sie ihre Augen aufschlug war sie allein. Das Dunkel der Höhle umfing sie wie die Wärme eines Mantels, den sie nicht abschütteln konnte. Es war kalt - aber anders als sonst machte es ihr nichts aus. Sie bemerkte es nur und nahm es mit einem stillen Nicken zur Kenntnis. Suchend blickte sie sich um, nach Klaus und nach Marcel, doch sie war allein. Auch Tyler war verschwunden. Ihr erster Gedanke war, dass sich die drei einen erbitterten Kampf lieferten. Als sie jedoch genauer hinhörte, fiel ihr die Stille auf. Es war ruhig, zu ruhig. Hatte Klaus sie tatsächlich allein zurückgelassen? Und was war mit Marcel? Als sie ihn gesehen hatte war er noch am Leben gewesen. Am Leben... Hope blinzelte mehrmals. So wie sie sich erinnerte hatte Tyler ihr ein Messer an den Hals gehalten und hatte gedroht sie umzubringen. Schnell fuhr sie mit ihren Fingerspitzen über ihren Hals. Sie war unverletzt. Zumindest fühlte es sich so an. Erleichtert atmete sie aus - und kurz darauf wieder ein. Und mit diesem Atemzug gelang ein stechender, metallischer Geruch in ihre Nase, der ihr Kopfschmerzen bereitete und gleichzeitig ein unbändiges Verlangen auslöste. Hope stützte sich auf dem Höhlenboden ab und schloss die Augen. Über ihre Stirn liefen bereits die ersten Schweißtropfen, während sie angestrengt versuchte ihren Körper unter Kontrolle zu bringen. Genervt fuhr sie mit der Hand, die ihr zuvor als Stütze gedient hatte, über ihre Stirn. Sie öffnete ihre Augen und erschrak. Ihre rechte Hand war über und über mit Blut bedeckt. Hope sprang auf. Darauf war sie nicht vorbereitet gewesen, schließlich hätte sie diejenige sein sollen, die starb. Nun jedoch schien es einen anderen getroffen zu haben. Ohne darüber nachzudenken rannte sie aus der Höhle, abwechselnd nach Klaus und Marcel rufend.
Sie kämpfte sich durch Gestrüpp, eilte zwischen Baumstämmen hindurch und wich gelegentlich einigen Felsen aus. "Klaus!", rief sie. "Marcel!" Niemand meldete sich, nach wie vor gab keiner von ihnen ein Lebenszeichen von sich. Sie würde keinen von beiden wiedersehen, davon war sie in diesem Moment überzeugt. In einer einzigen Nacht hätte sie ihren Vater und Marcel verloren. Marcel. Was war er überhaupt für sie? Sie hatte keine Ahnung - sie wusste auch nicht was sie sich dabei gedacht hatte ihn zu küssen. Es war einfach so über sie gekommen, aus welchen Gründen auch immer. In diesem Moment hatte es einfach gepasst, vielleicht auch nur weil sie bereits drauf gefasst war, dass der Vampir die Nacht nicht mehr überstehen würde. Sollte sie ihn finden musste sie unbedingt mit ihm darüber sprechen. "Marcel!" Ihre Stimme schallte durch den Wald. "Klaus!" Je öfter sie schrie, umso leiser wurde sie. Gegen Ende war es nur noch ein leises Flüstern, das über ihre Lippen kam. Inmitten des Waldes ließ Hope sich auf den Boden sinken. In ihren Augen standen bereits die Tränen, als sie ihre mit Blut und Erde verschmierten Hände hob um ihre geröteten Augen zu verdecken. Allein der Gedanke daran, dass ihrer Familie oder auch Marcel etwas zugestoßen sein könnte, schlug ihr auf den Magen. Sie wollte nicht daran denken, wollte sich nicht vorstellen wie sie ihr Leben allein weiterführen sollte. Ohne Irgendjemanden. Zwischen Klaus und ihr war sicher nicht alles perfekt gelaufen, aber er war ihr Vater und daran würde sich nichts ändern. Den Tod hatte er nicht verdient; zumindest nicht in ihren Augen, da gab es andere Kandidaten die durchaus weiter oben auf der Liste standen als er. Plötzlich aufkeimende Wut vertrieb die Angst um die Menschen, die Hope wichtig waren. Außer unbändigem Ärger fühlte sie nichts. Nur eines war klar: dass sie jeden, der ihrer Familie zu nahe kam, dafür bestrafen würde.Tyler hatte es geschafft innerhalb weniger Stunden all das zu ruinieren, was sie sich seit ihrer Ankunft in New Orleans aufgebaut hatte. Das Verhältnis zu ihrer Familie und ihre Beziehung zu Marcel. Dieser gottverdammte Hybrid hatte tatsächlich dafür gesorgt, dass sie nun wieder am Anfang stand.
Ihr Herz schlug Hope bis zum Hals, als sie sich wieder auf ihre Füße zurückkämpfte. Ein stumpfes regelmäßiges Pochen in ihrem Kopf ließ Hope nach nur wenigen Schritten innehalten. Sie musste mehrmals blinzeln, damit sich ihre Augen wieder scharfstellten. Es gelang ihr mehr schlecht als recht. Dann raschelte ein Busch, nicht besonders weit von ihr entfernt. Sofort schnellte Hope herum, versuchte die Gestalt zu erkennen, die zwischen den grünen Blättern heraustrat. "Du bist am Leben?", fragte eine männliche Stimme. Hope war sich nicht sicher, wer dort hinter ihr stand, deshalb nickte sie nur einmal kurz, dann lief sie davon. Ihre Schritte machten einen unbeschreiblichen Lärm auf dem von getrockneten Blättern übersäten Waldweg, doch die Schritte ihres Verfolgers waren in ihren Ohren noch viel lauter. Ohne wirklich auf den Weg zu achten rannte sie durch den Wald, auf der Flucht vor ihrem Verfolger. Einem anderen Mann lief sie direkt in die Arme.
"Hope?", fragte dieser. Dessen Stimme klang deutlich aufgeregter, glücklicher und erleichterter. "Klaus?" Hope hatte geraten, sie konnte ihr Gegenüber gar nicht richtig wahrnehmen. "Du lebst..." Die junge Frau wusste nicht ganz, was sie von dem Unterton in seiner Stimme halten sollte. Sie war sich nicht sicher, weshalb es eine solche Überraschung zu sein schien, dass sie noch am Leben war. Doch noch bevor sie fragen konnte nahm ihr Vater sie in seine Arme. Er sagte nichts, aber sein unregelmäßig gehender Atem zeigte Hope nur allzu deutlich, dass auch er nicht wusste, wie er mit alldem umgehen sollte. Aber auch er freute sich sie wieder zu sehen - und das war immerhin ein Anfang. Sie war noch bei Bewusstsein, als er seine Arme um ihre Hüfte legte und ihr den Boden unter den Füßen nahm. Ihr Kopf, ihre braunen Haare schmiegten sich an seine Brust, während ihr Körper regungslos und erschöpft in seinen Armen hing. Sie war müde, vielleicht auch nur ein wenig geschwächt, und durch das gleichmäßige Schaukeln seiner Bewegungen schaffte Klaus es, seine Tochter zum Einschlafen zu bringen.

Als sie langsam wieder zu sich kam, lag sie in einem großen, weichen Bett. Schon am Geruch der Umgebung erkannte Hope wo sie sich befand. Zuhause, bei ihrer Familie. In dem Haus im French Quarter, in dem Klaus lebte, zusammen mit Elijah und Hayley - und nun schien auch sie ein Teil dieses Gebäudes zu sein. Zwar hatte sie schon zuvor hier gewohnt, nun aber schien das Gefühl ein ganz anderes zu sein. Die Decke, unter der sich ihr Körper verbarg fühlte sich weicher an, wärmer. Und wenn sie mit den Fingern darüber strich war es beinahe so als könnte sie jeden einzelnen Faden fühlen, der in diesem Stoff verarbeitet war.
"Wie kann es sein, dass sie noch herumspaziert?" Eine weitere Stimme hatte sich in eine bereits begonnene Unterhaltung eingemischt. Zuvor war Hope davon ausgegangen, dass dieses Gespräch nicht von Bedeutung war, doch nun, da es sich ganz klar um sie zu drehen schien, hatte sie ihre Meinung sofort geändert. "Ich habe keine Ahnung, ich meine... Ich meine ich habe doch genau gesehen wie Tyler... Dieses Monster... ihr die Kehle durchgeschnitten hat." Klaus hatte gesprochen. Seine Stimme würde Hope mittlerweile überall erkennen. Gleichzeitig stockte ihr der Atem. Hatte sie sich verhört? Sie musste es getan haben, denn schließlich... nun ja, sie war noch am Leben. "Ich weiß. Ich habe das Blut auch gesehen, ich habe auch gesehen, wie ihr lebloser Körper auf dem Höhlenboden lag, Klaus!" Das Temperament in dieser Stimme... Es war Marcel, dem sie gehörte. Er war außer Hopes Vater der einzige gewesen, der in dieser Höhle gestanden hatte.Es war schön zu hören, dass es ihm noch immer gut ging, dass Klaus ihm also tatsächlich etwas von seinem Blut gegeben hatte. Trotzdem war Hope noch immer beunruhigt. Die Tatsache, dass Klaus und Marcel sich sicher waren sie sterben gesehen zu haben, machte ihr Sorgen. Denn falls es in Wirklichkeit so abgelaufen war, musste sie sich noch eine Frage stellen. Was war sie in diesem Augenblick? Wer war sie gerade jetzt?
Sie kam gar nicht dazu, sich ihren Kopf darüber zu zerbrechen, denn sofort, wie aus heiterem Himmel brach etwas über sie herein. Es war wie eine Erinnerung, nur mit dem Unterschied, dass sie das noch nie erlebt hatte. Trotzdem war sie auf eine seltsame Art und Weise die Hauptperson dieser Erinnerung. Es war schon länger her, das musste es sein, denn Marcel und sie waren gerade dabei sich gegenseitig die Kleider vom Leib zu reißen. Der Vampir hauchte ihr Unmengen von Küssen auf ihren Hals, doch einer dieser Küsse war nicht nur die Berührung von seinen Lippen auf ihrer Haut. Ein Paar weißer, scharfer Zähne blitzte auf, dann verschwanden sie sofort wieder - doch dieses Mal in Hopes Hals. War es wirklich etwas, was bereits vergangen war? Oder würde es noch so kommen? Hope konnte sich nicht erklären wie sie sich nicht daran hatte erinnern können, und so fremd wie ihr die Bilder vorkamen, die sie nun plötzlich vor sich sah, weigerte sie sich geradezu zu glauben, so ausgenutzt worden zu sein. Andererseits... Einmal hatte sie ein solches Szenario miterlebt. Wieso war es nicht möglich, dass Marcel öfter so vorgegangen war. Sie konnte sich nicht daran erinnern, wenn er sie damals manipuliert hatte. Wenn er ihre Gedanken, ihre Erinnerungen so verändert hatte, dass sie die wichtigen Dinge einfach ausgeblendet hatten. Wenn genau das der Plan gewesen war, den Marcel verfolgt hatte. Aber wie konnte sie sich dann jetzt daran erinnern?
Sie setzte sich in ihrem Bett auf. Sie musste mit ihrem Vater sprechen, herausfinden was mit ihr los war. Am besten sofort. Sie drehte sich zur Bettkante, ihr linker Fuß kam vor ihrem rechten Fuß auf dem kühlen Steinboden auf. Leise schlich Hope zur Tür. Sie befand sich auf dem Gang, der einmal um den gesamten Innenhof herumführte. Genau dort standen sich Marcel und Klaus gegenüber und schienen sich bereits erneut mit ihren Blicken gegenseitig töten zu wollen. So wie eigentlich sonst auch. "Es gibt eine Möglichkeit...", begann Marcel. "Sprich das nicht aus!", fuhr Klaus seinen ehemals guten Freund an. "Ich will das nicht hören. Selbst wenn sie Vampirblut in ihrem Körper hatte als sie starb, wie soll sie die Verwandlung zum Hybriden überstehen?" Klaus atmete scharf ein. "Elena ist meilenweit entfernt, verschanzt in einer magisch gesicherten Gruft in Mystic Falls, damit ich sie nicht erreichen kann! Es gibt für Hope keinen Weg die Verwandlung zu überleben! Das hat schon damals nicht funktioniert!" Obwohl er beinahe schrie, hörte er, dass Hope erschrocken einatmete. Er drehte sich zu seiner Tochter um.
"Hope! Das... das solltest du nicht hören!" In seinen Augen stand Hilflosigkeit geschrieben, er wusste nicht wie es weitergehen sollte. Und um ehrlich zu sein wusste sie selbst das auch nicht. Mit großen Augen sah Hope ihren Vater an. "Ist es wahr? Muss ich tatsächlich sterben?" Sofort schüttelte Marcel seinen Kopf, während Klaus wie versteinert stehen blieb. "Nein, natürlich nicht. Hope, wir finden einen anderen Weg. Du wirst am Leben bleiben, auf jeden Fall!" Aber ganz egal was er ihr sagte, ein Blick auf Klaus genügte, um zu verstehen dass sie vermutlich nicht mehr lange bei ihm sein würde. In seinen Augen standen Tränen, ganz offensichtlich war er noch nicht bereit, seine Tochter so früh gehen zu lassen. "Wir werden einen Weg finden, verlass dich darauf!" Zu gern hätte Hope in diesem Augenblick genickt, aber sie konnte nur ihren Kopf schütteln. Sie wollte sich keine falschen Hoffnungen machen. So wie es in diesem Moment aussah war sie nach New Orleans gekommen - und nach nur einigen Wochen würde sie ihre Familie erneut verlassen - und so wie es in diesem Moment aussah - vermutlich für immer.
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