Shadow Kin

von Freak17
GeschichteHumor, Romanze / P16 Slash
Alti Callisto Ephiny Gabrielle Joxer Xena
14.08.2015
18.08.2015
4
3563
 
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„Was habt ihr denn nur gegen Männer?“ spie er ein bisschen zu schrill der hochgewachsenen Frau entgegen, die ihn soeben mit seinen sieben Sachen und einem gewaltigen Tritt aus der Tür zum Bandraum befördert hatte. Doch der eisige Blick der Dunkelhaarigen ließ ihn verstummen. „Raus.“ zischte sie kaum hörbar und doch für jeden im Raum verständlich. Der Mann schluckte nur, nahm seine Perücke mitsamt seiner scheinbar nicht allzu gelungenen Verkleidung und gab sich größte Mühe, schnellstmöglich Land zu gewinnen. Laut knallte er die Tür, durch die ich eben noch getreten war, dann herrschte Stille. Alle richteten ihre Aufmerksamkeit auf die Dunkelhaarige, die komplett in schwarzes Leder gekleidet schien. „Nun?“ sagte sie mehr als nur deutlich und unauffällig erhoben sich einige weitere Personen und gingen zur Tür. Geduldig wartete sie, bis alle gegangen waren, dann ließ sie ihren Blick schweifen, der an Eisigkeit nichts verloren hatte. Während sie sich nun in Bewegung setzte, um die übrig gebliebenen Bewerberinnen in Augenschein zu nehmen, sackte mir das Herz in die Hose. Es war mir sehr unangenehm, und ich überdachte kurz meine Entscheidung, überhaupt vorzuspielen. Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Ich kauerte mich noch tiefer in meinen Stuhl und hoffte, dass ihr Blick mich nicht überrollen würde wie eine unbarmherzige Schneelawine. Vielleicht, wenn ich meine Augen schließe..? dachte ich in meiner kindlichen Naivität und spürte doch im selben Moment die Präsenz der schönen und zugleich gefährlichen Frau, die nun genau vor mir stand. Vorsichtig öffnete ich erst das eine, dann das andere Auge und blickte zu ihr hoch. Sie schien noch größer als vorher. Aber etwas war anders. Statt dem befürchteten Erfrierungstod erwartete mich in ihren kristallklaren blauen Augen etwas... weiches. Es war schwer zu beschreiben, es bannte mich. Ihr rechter Zeigefinger hob sich, zeigte auf mich. Mit einer Stimme, die jetzt samtig dunkel schien, durchbrach sie die schwer gewordene Stille. „Du. Dich will ich hören.“ Sie drehte sich unvermittelt um und ging wieder in Richtung Bandraum. Ich war völlig perplex, konnte mein Glück – sofern es Glück war – gar nicht fassen. Und so blieb ich erstmal in meinem Stuhl, Blick wie ein festgefahrenes Auto, bevor ich mich aufrappeln konnte und versuchte, der Dunkelhaarigen möglichst schnell zu folgen. Denn im Warteraum konnte ich definitiv nicht mehr bleiben. Die restlichen Bewerberinnen schienen mehr als nur traurig darüber, dass ich erwählt wurde und hätten mir wohl am liebsten so einiges angetan, weswegen ich mich noch mehr beeilte, diesen Blickbeschuss loszuwerden. Hoffentlich hat der Bandraum einen zweiten Ausgang, dachte ich nur. Oder wenigstens ein Fenster... Drinnen angekommen erwarteten mich drei strenge Gesichter, darunter die Dunkelhaarige vom Anfang. Links neben ihr eine scheinbar gelangweilte Blonde, die mit ihrem Stift spielte, rechts neben ihr eine Frau mit lockigen Haaren, deren Emotionen ich nicht ganz deuten konnte. Eins hatten sie gemeinsam – alle drei waren in tiefschwarzes Leder gehüllt. Nervosität machte sich in mir breit und ich räusperte mich kurz, bevor ich mich vorstellte. „Ja Hallo, ich bin Gabrielle und ich – “ „- Spiel.“ unterbrach mich die Blonde, während sie ihren Stift auf und ab wippen ließ. „Den Rest entnehmen wir deinen Bewerbungsunterlagen.“ Okay, Gabrielle. Du bist jetzt so weit gekommen, lass dich nicht foppen. Du kannst das! Sprach ich mir selber Mut zu und packte in aller Ruhe meinen Bass aus. Zärtlich glitten meine Hände über das Holz und die Saiten, bevor ich überprüfte, ob mein treuer Gefährte noch immer gestimmt war, dann legte ich los. Nach und nach betrat ich meine eigene Welt und gab mich der Musik hin. Das war mein Fachgebiet. Hier kannte ich mich aus. Ganze drei Minuten war ich näher an mir selbst, als irgendjemand sonst je sein könnte. Ich spielte mir wie man so sagt die Seele aus dem Leib. Erst, als die letzten Töne verstummten, nahm ich mein Publikum wieder war. Die Dunkelhaarige Frau hatte ihre ernste Miene behalten. Die Blonde musterte mich skeptisch. Doch die dritte Frau im Bunde hatte nur den Mund offen stehen. Dann fing sie an zu klatschen. „Wow! Das war gut! Besser als gut! Sensationell! Ich habe noch nie jemanden so -“ „- Die Nächste!“ rief die Blonde einfach dazwischen. Ungehalten stand die Dunkelhaarige auf und funkelte sie an. „Nein.“ „Nein?“ hinterfragte die Blonde dreist. „Nein. Schick die anderen weg, wir haben unsere Bassistin gefunden.“ Beide sahen sich an. Minuten vergingen und ich konnte nicht sagen, wer von zweien das Blickduell gewinnen würde, bis schließlich die Blonde nachgab. „Okay! Du kannst sie haben.“ Sie überschlug beide Beine auf dem Tisch und gab sich desinteressiert, während ihr Blick mir eine ganz andere Botschaft gab, deren Tiefe ich erst später begreifen sollte. Ein leichtes Zuppeln an meinem rechten Ärmel riss mich aus meinen Gedanken. Es war die Frau mit den Locken, die sich auch gleich vorstellte. „Hi! Ich bin Ephiny.“ sagte sie und lächelte mich an. „Der Eisklotz hier drinnen heißt Xena und der Miesepeter da hinten ist Callisto.“ Sie drückte mich und das Instrument, das ich immer noch in den Händen hielt. „Achja, willkommen in unserer Band, Shadow Kin.“ Es beruhigte meine Nerven, dass ich so herzlich von ihr in die Band aufgenommen wurde. Sie schüttelte mir noch eine Weile die Hand. „Hast du Lust, mit uns später noch in unsere Stammkneipe zu kommen?“ Ich nickte, noch ein wenig eingeschüchtert. Einerseits war ich wirklich froh, endlich in einer Band zu sein, vor allem, da ich gerade erst neu in der Stadt war, andererseits waren die drei hier schon ein wenig ulkig, besonders ihre Kostümwahl. Aber diese Frau. Mit ihren tiefblauen Augen hatte sie irgendwas in mir geweckt, nur was? Ich versuchte, mich unauffällig nach ihr umzusehen, was mir scheinbar misslang. „Suchst du Xena?“ Ertappt. „Äh... ja...“ gab ich zu, während mir die Schamesröte ins Gesicht stieg. „Ach, die wirft nur noch kurz die anderen Bewerberinnen raus.“ Sie senkte ihre Stimme. „Für die Fans.“ und zwinkerte mir zu. Ich war verwirrt. „Für die Fans?“ „Ja! Weißt du, die lieben sowas einfach.“ Da ich wohl immer noch nicht klüger aussah als vorher, sah sie mich verwundert an. „Aber das wirst du doch kennen, oder? Schließlich sind wir eine Metalband!“ Innerlich fiel mir die Kinnlade runter. Eine Metalband. Jetzt wusste ich, was ich in der Anzeige überlesen hatte.
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