Wenn Alleinsein zum Verhängnis wird

von laviajera
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Ellen Bannenberg Nikolas Heldt
13.08.2015
13.08.2015
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Hallo zusammen!
Hier kommt mein Beitrag zur Summer Challenge – danke an nata für die Nominierung! Bei mir ist zwar gerade Winter, aber ich mache gerne alles, damit es ein bisschen wärmer wird ;)
Meine Tags sind Mallorca, Handtuch und Heimweh, was könnte da besser passen als eine Heldt-Story? Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und wie immer sind Kritik, Anregungen oder Wünsche gern gesehen!


Heldt schwitzte. Es waren 35°C, und obwohl er sich im Schatten befand, hatte er das Gefühl, sich in einer finnischen Sauna zu befinden. In Wirklichkeit saß er jedoch, mit Fernglas und Kamera bewaffnet, schon seit zwei Stunden hinter einer Hecke und beobachtete ein großes Haus, von dem er vermutete, dass dort die Drahtzieher hinter dem Fall seiner Eltern ihre Geschäfte abwickelten.
Es hatte ihn Wochen auf Mallorca gekostet, auf diese Spur zu kommen und auch, wenn es für seinen Geschmack jetzt auf einmal viel zu heiß geworden war, dachte er nicht eine Sekunde daran, so kurz vor dem vermeintlichen Ziel aufzugeben.
Erst recht hatte ihn da das Schild mit der Aufschrift „Prohibido entrar“, welches groß und deutlich vor dem imposanten Anwesen gestanden hatte, nicht aufhalten können und so war er zu seinem Observationsplatz in einem abgelegenen Teil des Grundstücks gekommen. Das dachte er jedenfalls, bis sich auf einmal eine für die hohen Temperaturen ungewöhnlich kalte Hand auf seine rechte Schulter legte.
Wie von der Tarantel gestochen fuhr Heldt herum, doch sein geheimnisvoller Besucher war schneller und gleich darauf erhielt er einen harten Schlag in die Magengrube, der ihn für einige Sekunden außer Gefecht setzte. Dies nutzte sein Angreifer, um erneut auszuholen, was Heldt zum Verhängnis wurde, denn offensichtlich verstand der Mann sein Handwerk – Nach drei Schlägen, bei denen er ihm ein Bein brach, die Schulter auskugelte und schließlich den Kopf attackierte, sank er zu Boden, kurz bevor er auch das Bewusstsein verlor.

Ellen Bannenberg schwitzte. Es war ein warmer, sonniger Freitagnachmittag in Bochum und zum Glück hatte sie ihre Arbeit im stickigen Büro recht schnell abwickeln können, sodass sie nun gemütlich auf einem Handtuch in ihrem Garten lag und die Sonne genoss.
Es war das erste Mal seit Langem, dass sie sich richtig entspannen konnte. Denn auch, wenn sie sich die Gedanken an einen bestimmten Kriminalkommissar eigentlich verboten hatte, geisterten sie doch jeden Tag in ihrem Kopf herum, gemeinsam mit ihren gespaltenen Gefühlen aus Wut, Enttäuschung, Angst und Besorgnis, die sie teilweise widerwillig immer noch für ihn empfand.
So sehr sie sich auch dagegen sträubte, sie schaffte es einfach nicht, von ihm und dem Loch, das in ihrem Leben doch irgendwie hinterlassen hatte, loszukommen.
Umso mehr freute sie sich deshalb heute über den Sommer, der endlich auch den Einzug ins Ruhrgebiet gefunden hatte, und ihr ein wenig Abstand und Entspannung von Alltag und Gefühlschaos brachte. Sie verbat sich, darüber nachzudenken, wie wohl das Wetter gerade auf Mallorca war.
Genüsslich wollte sie sich gerade einen Schluck ihres selbstgemachten Cocktails genehmigen, als die Stimme ihrer Tochter die angenehme Stille durchbrach.
„Mama, Telefon!“, drang sie fordernd aus dem Haus zu ihr herüber.
Genervt schloss Ellen die Augen. Eigentlich hatte sie ihr Handy im Haus gelassen, um einmal nicht im Feierabend gestört zu werden, aber offensichtlich war ihr Plan nicht aufgegangen. Seufzend erhob sie sich deshalb und machte sich auf, den Anruf entgegenzunehmen.
Zu ihrer Überraschung hatte aber niemand auf ihrem Handy angerufen, stattdessen hielt Emily ihr auffordernd und langsam sichtlich genervt das Festnetztelefon hin.
„Bannenberg“, meldete sie sich. Es war ein männlicher Anrufer und mit jedem Wort, das er sprach, wurde Ellen blasser.

Eine Stunde später saß Ellen im Taxi auf dem Weg zum Flughafen. In aller Eile hatte sie einen Last-Minute-Flug nach Mallorca gebucht, anschließend wahllos Klamotten in einen Koffer geworfen und natürlich Emily in Kurzversion erklärt, was passiert war. Sie hatte keine Zeit gehabt, weiter über die Geschehnisse nachzudenken, alles war automatisch, schnell und wie im Nebel an ihr vorbeigegangen.
Aber nun saß sie im Auto und musste sich zusammenreißen, dass ihre Gefühle sie nicht wie eine Lawine im Schneesturm überrollten, denn dieser Ausbruch würde dem Taxifahrer wahrscheinlich einen gehörigen Schrecken einjagen.
Sie biss sich auf die Lippen und versuchte den Kloß, der hartnäckig in ihrem Hals verweilte, herunterzuschlucken. Zwar hatte sie sich, als Heldt vor drei Monaten einfach ohne ein Wort verschwunden war, geschworen, ihn nie mehr an sich heranzulassen, aber als sie die Nachricht von Mallorca erreicht hatte, waren alle Gefühle, die sie so lange unterdrückt hatte, wieder hoch gekommen und hatten jegliche Vorsätze einfach weggeschwemmt.
Denn jetzt war genau das passiert, wovor sie sich insgeheim die ganze Zeit gefürchtet hatte: Man hatte Heldt zusammengeschlagen, bewusstlos und ohne jegliche Papiere in einer kleinen Nebengasse in Palma gefunden. Nur den unordentlichen Untiefen seiner Taschen voll von altem und neuen Süßkram, zwischen dem auch ihre Visitenkarte geklebt hatte (auf die er aus irgendeinem Grund auch seinen Namen geschrieben hatte), war es zu verdanken, dass die Polizei wusste, wer er war und sie kontaktieren konnte.
Auch wenn die Situation rein gar nicht zum Lachen war, musste sie doch lächeln. Das war typisch Heldt, und so oft sie auch seine Sucht nach Süßigkeiten, die einfach nicht zu heilen war, auf die Palme gebracht hatte, nun hatte sie ihm wahrscheinlich das Leben gerettet.
Trotzdem war sein Zustand äußerst kritisch, er lag auf der Intensivstation in einem Krankenhaus in Palma und war laut dem Polizisten, mit dem sie am Telefon gesprochen hatte, noch nicht über den Berg. Deshalb hatte man sie auch angerufen, nachdem man keine nächsten Verwandten hatte ausmachen können.
Der Gedanke daran, dass es auch ganz anders hätte ablaufen können, trieb ihr erneut die Tränen in die Augen. Es war so verdammt knapp gewesen und hätte er nicht so viel Glück oder einen Schutzengel gehabt, hätte sie ihn nie wieder gesehen.
Diese Vorstellung traf sie so stark, dass sie selbst darüber erschrak. Egal, was vorher gewesen war (jedenfalls so halb – ganz vergessen konnte sie ihm seine Aktion dann doch nicht), sie mussten endlich mal Klartext reden – was auch immer das in ihrer Sprache hieß.
Mit diesen Gedanken ein wenig gefasster und entschlossener, stieg Ellen aus dem Auto und machte sich auf den Weg zum Check-In.

Wiederum fünf Stunden später stand sie auf der Intensivstation des Krankenhauses in Palma und wartete darauf, dass eine Schwester sie zu Heldt brachte. Als Nicht-Angehörige hatte man bei ihr aufgrund seines zunächst kritischen Zustandes eine Ausnahme gemacht. Inzwischen aber waren die Ärzte sich sicher, dass er es schaffen würde und Ellen war eine ganze Tonne von Steinen vom Herz gefallen, so erleichtert hatte sie sich gefühlt.
Endlich holte sie eine Schwester ab und nachdem sie gefühlte Ewigkeiten durch ellenlange Gänge mit kahlen Wänden gelaufen waren, stand sie mit klopfendem Herzen vor Heldts Zimmer. Ganz langsam öffnete sie die Tür und trat ein.
Sie erschrak bei seinem Anblick, so dünn und blass wie er da in dem weißen Krankenhaus Bett lag, und doch erfüllte sie auch ein Gefühl von Frieden und Ankommen, dass sie die letzten Wochen sehr vermisst hatte. Sie hatte nicht gewusst, dass man auch Heimweh nach Personen haben konnte, aber nun, da sie Heldt wieder sah, wurde ihr bewusst, dass dies ebenfalls ein Teil der Gefühle gewesen war, die sie die ganze Zeit unterdrückt hatte.
Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen näherte sie sich dem Bett, setzte sich auf den Stuhl, der daneben stand und nahm schließlich vorsichtig seine Hand in ihre.
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