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[Projekt: Masken] The Green Goblin

Kurzbeschreibung
GeschichteAngst / P12 / Gen
Norman Osborn
12.08.2015
12.08.2015
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1.976
 
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12.08.2015 1.976
 
Hallo zusammen,

dieser OS war bis vor kurzem Teil meines Projektes "Masken". Da ich mich dazu entschieden habe, die Kurzgeschichten neu hochzuladen und einzeln zu veröffentlichen, findet ihr sie jetzt hier. Die Sammlung habe ich gelöscht.

An dieser Stelle möchte ich einen kleinen Aufruf starten: Wenn euch irgendetwas einfällt, was man zum Thema "Masken" schreiben kann - oder es etwas gibt, was ihr zu dem Thema gerne lesen würdet, sei es adaptiert aus Büchern, Filmen oder der eigenen Fantasie entsprungen - könnt ihr mir das gerne mitteilen. Ich sammel Ideen, die ich umsetzen kann.
Vielleicht fällt euch ja etwas ein.

Disclaimer: Die Charaktere habe ich mir von der Comicserie Spider-Man ausgeliehen, die Handlung entsprang meiner Fantasie und ist daher mein geistiges Eigentum.

Diesmal stammt die Idee von Brainfreezer, aus diesem Grund gilt ihr die Widmung.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!


The Green Goblin
~Norman Osborne


„Vater, du musst etwas essen.“

Harry Osborne sah bestürzt, wie sein Vater vor seiner bittenden, halb befehlenden Stimme innerlich zurückwich. Wie das kantige, ausdrucksstarke Gesicht sich verschloss und selbst seine Augen keine Emotionen mehr ausstrahlten. Jetzt würde er für die nächsten Stunden in seinem Arbeitszimmer oder dem Laboratorium verschwinden, sich einschließen und weder essen noch schlafen.

Verdammt, wieso war es in den letzten Monaten so schwierig – fast unmöglich – geworden, zu ihm durchzudringen?

Obwohl Harry wusste, dass es vergebens war, stieg er die ersten fünf breiten Stufen der alten, fast schon antiken Mahagonitreppe hinauf und streckte seinem Vater, der gleichzeitig einer der angesehensten und renomiertesten Wissenschaftler Manhattens war, die Hand entgegen. „Peter ist gegangen. Lass mich Joseph nach einer guten Flasche Wein schicken, damit können wir uns noch ein wenig in die Bibliothek setzen und reden. Wie früher, weißt du noch?“

Einen Augenblick, wenige kostbare Sekunden, sah es so aus, als seien seine Worte unter die Oberfläche gedrungen. Der Kandelaber hoch über ihren Köpfen spendete genug Licht, um Harry ein Leuchten zu zeigen, das über die Züge seines Gegenübers flackerte. Aber sein Hoffen wurde, kaum entflammt, von einer heftigen Sturmböe ausgelöscht: Die dunklen Augen seines Vaters verdüsterten sich zur Gänze, und er ging rückwärts die Treppe hinauf.
„Nicht jetzt, Harry. Ich habe zu arbeiten! Und ich wünsche, nicht gestört zu werden!“ Die letzten Worte schrie er, so laut, dass sie durch die hohen Zimmer hallten. Harry wich nicht zurück, wie die Diener es getan hätten, doch er erschrak fürchterlich. Natürlich kannte er das Temperament Normans, aber er war klug genug, es nicht in seiner Gegenwart zum Vorschein treten zu lassen. In der Regel gelang ihm das auch ausnahmslos, weswegen dieser Ausbruch ihn vollkommen unvorbereitet erwischte. Bevor er jedoch auch nur eine Chance hatte, irgendetwas zu tun oder zu erwidern, schlug im ersten Stock eine Tür krachend ins Schloss.

Blindlings stürmte Norman Osborne durch die Zimmer seines Anwesens. Zuerst lenkte er seine Schritte unbewusst in Richtung seines Schlafzimmers, doch in der offenen Tür machte er abrupt kehrt und rannte zurück. Im Kaminzimmer, das mit edlen Teppichen ausgelegt und von hohen, dunklen Regalen eingerahmt war, packte er einen gläsernen bauchigen Flakon und warf ihn mit solcher Wucht gegen das steinerne Sims, dass er in hunderte Stücke zerbrach, die klirrend zu Boden fielen.

Peter Parker!

Sein Bewusstsein wurde von diesem Namen ausgefüllt. Von ihm beherrscht. Es konnte nicht sein, war unmöglich. Nicht Peter. Nicht der Freund seines Sohnes; die beiden kannten sich schon so lange... Mit Freuden würde Norman Peter seinen eigenen Sohn nennen, sein eigen Fleisch und Blut. So viele Eigenschaften, die Harry niemals gezeigt hatte... So viel Genie... Und doch konnte kein Zweifel bestehen – Peter Parker war Spiderman.

Während Norman in die Flammen starrte, verzog sein Gesicht sich mehr und mehr zu einer grausam anzusehenden Fratze. Er wollte es nicht wahrhaben. Und doch: Es blieb ihm gar nichts anderes übrig. Blut log nicht. Und er hatte die Wunde deutlich an Peters rechtem Oberarm gesehen. Dort, wo die silberne gezackte Wurfscheibe des Goblins Spiderman getroffen hatte.

DU WEIßT, DASS ER UNSER FEIND IST!

Norman erstarrte. Innerlich wie äußerlich. Es schien eine kleine Ewigkeit zu vergehen, bevor er sich unendlich langsam umdrehte. Das Kaminzimmer war bis auf ihn leer. Gegenüber des Kamins standen die dunkelbraunen, bis zur Decke reichenden Doppeltüren weit offen, sodass es möglich war, in das Arbeitszimmer des Wissenschaftlers zu sehen. Auf gleicher Linie mit ihm standen mehrere schmale, bis zur Decke reichenden Holzvitrinen mit gläserner Front. In ihnen bewahrte Norman Gegenstände auf, die in den vergangenen Jahren sein Interesse geweckt hatten. Die Sammlung wuchs ständig und wechselte ungefähr jedes halbe bis dreiviertel Jahr. Seit ein paar Monaten – einige Wochen vor seinem Experiment – beherbergten die meisten Vitrinen große, aus dunklem Holz geschnitzte Masken verschiedener afrikanischer Stämme. Es waren Kriegsmasken mit ausgefallener Bemalung, die von den Männern getragen wurden, wenn sie in Kriege zogen oder danach ihre Siege im Schein von flackernden Feuern im Beisein ihrer Schamanen feierten.

Die Vitrine in der Mitte hatte als einzige hölzerne Türen, die einen Blick in ihr Inneres verhinderten.

Sein Arbeitszimmer bot ein Bild der Zerstörung.

Es dauerte einen Moment, ehe der Wissenschaftler begriff, was er sah. Dann jedoch begann er so heftig zu zittern, dass er in die Knie brach und die Arme um seinen Oberkörper schlang.
Der teure dunkle Teppich war mit unzähligen Glassplittern übersät, zwischen denen der Inhalt der Vitrinen lag. Nicht wenige Masken, Stäbe – und sogar die zwei Zeremoniengewänder – lagen achtlos durcheinander geworfen herum, zerbrochen und zerfetzt. Die Türen der Vitrinen hingen schief in ihren Angeln. Zwar war nur die Mitte des Zimmers zu sehen, aber es war nur allzu deutlich, dass die Zerstörung bei seiner Sammlung nicht inne gehalten hatte. Rechts davon, wo die ganze Wand von einem Bücherregal bedeckt war, erkannte er Bücher, die mit umgeknickten Seiten und Rücken auf dem Boden lagen. Von links wehten Blätter in Normans Gesichtsfeld; das sich hinter dem Schreibtisch befindende Fenster musste offen sein. Kurz durchströmte ihn so etwas wie Erleichterung: Diebe mussten eingebrochen sein und sein Arbeitszimmer auf der Suche nach Wertgegenständen verwüstet haben. Als sie ihn auf der Treppe gehört hatten, waren sie geflohen.

DU NARR! ICH BIN KEIN DIEB! SIEH MICH AN, NORMAN!

Die Schranktüren der hölzernen Vitrine flogen krachend auf. Norman sah, auf einem Gestell, den metallisch schimmernden grünen Panzer, den er mit seinem Team in monatelanger Arbeit für die Regierung geschaffen hatte. Er war als Verteidigungsmaßnahme gedacht gewesen; als die Regierung seine Arbeit abgelehnt hatten, sollte der Panzer, zusammen mit dem dazu geschaffenen Gleiter, im Lager von Oscorpe verschwinden.
Von dort hatte Norman ihn gestohlen. Obwohl – war es Diebstahl, wenn er den Schlüssel zum Lagerraum besaß?
Zu dem Panzer gehörte auch ein Helm mit grotesken, nach hinten spitz zulaufenden Ohren, gelbem Glas, das die Augen bedeckte und auf Knopfdruck ein- und ausgefahren werden konnte, und einem offen stehenden, zum Fauchen geformten Mund mit nachgebildeten Zähnen, wobei die an den Ecken länger und viel spitzer waren als der Rest.

Der Helm sprach! Das konnte nicht sein. War unmöglich, gegen jedes geltendes Gesetz...

Du weißt, dass es möglich ist, Norman. Schließlich hast du meine Rüstung noch vor wenigen Stunden auf deiner Haut getragen. Du kennst meine Stärke, wenn auch längst noch nicht in ihrem ganzen Ausmaß. Der Klang der Worte dröhnte durch den Raum wie eine geschlagene Trommel. Kraftvoll, dunkel. Gefährlich. Und gleichzeitig leise, samtig weich. Mit dem Serum, das du entwickelt hast, und meiner Hilfe kannst du Spider-Man auf unsere Seite ziehen.
„Ich habe es versucht.“ Normans Stimme war nur ein Flüstern, während er auf Händen und Knien in Richtung Arbeitszimmer rutschte. „Ich habe versucht, ihn zu überzeugen. Heute. Er will nicht kooperieren. Er - “
Narr! Was hast du gedacht: Ihn durch Prügel zu brechen? Seinem Stolz zu schmeicheln, ihn mit Macht zu ködern?

Norman schwitzte. Mehrmals öffnete er den Mund, wagte es jedoch nicht, den Goblin zu unterbrechen. Er schalt sich selbst einen Feigling, der sich vor einer Maske aus Stahl fürchtete – aber woher kam die Stimme? Woher hatte er die enorme Körperkraft besessen, mit Spider-Man zu kämpfen? Sich auf dem Gleiter zu halten, während er den Balkon in die Luft sprengte, auf dem sich der Aufsichtsrat der Oscorpe befand? Auf dem auch Harry gestanden hatte? Mein Gott, er hätte beinahe seinen eigenen Sohn getötet!
Er fürchtete den Kampfanzug. Die Waffe, die seine Firma – die er geschaffen hatte – war gefährlich. Das erkannte er jetzt mehr denn je. Er wusste nicht, woher die Stimme kam, oder ob er sie sich nur einbildete, aber es hing alles mit der Erfindung zusammen.
Sein Blick irrte über die Glasvitrinen. Auf der Suche nach der Quelle der Stimme? Er wusste es nicht.

Mit meiner Hilfe wirst du Spider-Man erneut vor die Wahl stellen. Schließt er sich uns nicht an, werden wir ihn vernichten.
„Es ist… unmöglich.“ Norman zuckte unter dem grausamen – zugleich wusste er, die Maske konnte nicht sehen, das war unmöglich! – Blick zusammen, wand sich am Boden zwischen seinen Büchern und Papieren wie eine verwundete Schlange, während er sich Zentimeter um Zentimeter der Vitrine näherte. Gegen seinen Willen. „Ich habe… versucht… ihn auf unsere Seite zu ziehen. Aber… er ist… zu…. rechtschaffend. Nach dem… Tod seines Onkels… hat er geschworen… sich gegen… das Verbrechen… zu… stellen. Er wird… sich uns…dir...niemals… anschließen!“
Oh, das glaube ich nicht.
Von einem Moment auf den anderen lief dem Wissenschaftler ein eiskalter Hauch ausgehend von seiner Kopfhaut den Rücken hinunter, als stünde er unter seiner morgendlichen kalten Dusche. Jetzt fürchtete er den Green Goblin – denn so war der Kampfanzug von den Wissenschaftlern benannt worden – mehr noch als zuvor. Er wusste nicht, wieso. Es war unerklärlich.Unmöglich!Und doch war er hier.

Ihm wurde klar, dass er keine Wahl hatte. Was immer vor ihm in der Vitrine war, es hatte die Macht, ihn zu töten. Schlimmer noch: Ihn zu überzeugen und für seine Pläne zu benutzen. Und es gab nichts, was er dem entgegensetzen könnte.

Jeder Mensch hat etwas, was ihn antreibt. Was ihm die Kraft gibt, das zu tun, was er tun muss. Was ihn aufrecht hält, ihm Freude und Glück spendet. Für Peter Parker ist dieses Gut seine Familie. Seine Tante. Seine rothaarige Freundin.
Verbünde dich mit mir, Norman! Lege meine Rüstung an, werde eins mit dem Green Goblin. Und dann werden wir Spider-Man vor die Wahl stellen: Seine Familie und Freunde, oder die Menschen von Manhattan. Gleich, was er wählt, er wird verlieren – und dann… dann, Norman, wenn er gebrochen am Boden liegt, werden wir da sein, um ihn aufzufangen und neu zu formen!


„Ihn… zu… formen…“ Ein matter Glanz legte sich über Normans Augen. Macht. Was der Green Goblin ihm versprach, war Macht. Vollkommene, grenzenlose Macht. Macht über Peter Parker, der sich selbst Spider-Man nannte und glaubte, er sei in der Lage, das Verbrechen in Manhattan aufzuhalten. Macht über den Aufsichtsrat, der seine Ideen verlacht und ihn brutal aus seinen Träumen gerissen hatte.

Und wenn er das wollte, sogar Macht über Manhattan und seine Bewohner.

Schwindel erfasste Norman. Jetzt fiel er endgültig, brach vor der Vitrine in sich zusammen. Keuchend sog er Luft in seine Lungen und hob langsam den Kopf, um die grausame Maske anzusehen. Die Worte verschwammen zu einem flüsternden Strom, in den er eintauchte; nur Fetzen drangen an sein Bewusstsein. Wind kam auf, blähte die Vorhänge und wirbelte Blätter und Buchseiten durcheinander. Norman keuchte: Die afrikanischen Masken bewegten sich in ihren gläsernen Gefängnissen! Die leeren Augenhöhlen waren mit loderndem Feuer gefüllt, das über die Kriegsbemalungen zuckte; aus den Mündern drangen fremd klingende Gesänge, füllten das Arbeitszimmer und das Innere von Normans Kopf mit schrill fauchendem Klang.
Er schrie. Seine Stimme, klein unter den anderen, vermischte sich mit ihnen, taumelte empor und fiel hinab, in einem nicht enden wollenden Tanz. Und inmitten des Chaos thronte die grüne Maske des Goblin hoch über allem und sah aus nun golden glühenden Augen auf sein Opfer hinab.

Er hatte gewonnen. Norman Osborne gehörte ihm, war seine willenlose Marionette.
Mit seiner Hilfe würde er Spider-Man vernichten.
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