Guilty

von Beylord
KurzgeschichteSchmerz/Trost / P12
Logan Nostro Theresa
11.08.2015
11.08.2015
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Der Regen prasselte gegen die Fensterscheiben von Schloss Bowerstone und rann an den dicken Mauern herunter.
Der Himmel war düster und bedrohlich und ein heftiger Sturm fegte über das Reich.
Die Straßen vom Industriegebiet waren mit Schlamm und Dreck überschwemmt und Ungeziefer krabbelte durch die Gassen, wie heimtückische Schatten, über Müll und Leichen von verhungerten Bettlern.
Bowerstone selbst wirkte wie eine Geisterstadt, ganz zu Schweigen von den anderen Orten Albions. Hohle Männer, Hobbs und Balverine zählten zu täglichen Plagen, aber am Schlimmsten von allem, waren die Armut und der Hunger.

Die Menschen hatten kaum genug Geld um sich Essen zu kaufen und die Ernteerträge waren radikal gesunken.
Doch auch im Schloss hatten sich Veränderungen ergeben.
Seit die Prinzessin ausgerissen war um gegen ihren Bruder, den König zu rebellieren, hatten sich die Adligen zurückgezogen.
Auch unter anderem, weil die Meisten den Ansichten der Prinzessin zugeneigt waren…
Logans brutale Maßnahmen um Albion zu kontrollieren, waren zwar überall bekannt, aber seit kurzer Zeit waren seine Methoden noch scheußlicher geworden.
Sowohl auf den Fluren des königlichen Hauses, als auch in den unteren Breichen für die Angestellten bildeten sich rasant einzelne Tuscheleien und Geflüster.
Viele erinnerten sich gerne an die frühere Zeit, in der noch die alte Heldenkönigin Spatz geherrscht hatte.
Die Ländereien erblühten, die Menschen lebten in Wohlstand und Frieden, ganz im Gegensatz zur jetzigen Situation.
„Die alte Heldenkönigin, mögen die Götter sie segnen, hätte so etwas nie zugelassen“
„Ja, denn gerade sie stand doch für die Freiheit und Gerechtigkeit im Land. Sie hat uns aus den Klauen von Banditen und Ungeheuern gerissen…“
„Und erinnert euch, was sie getan hat! Sie war es, die Albion die verlorenen Seelen zurückschenkte, die beim Bau dieses seltsamen Turms umgekommen waren, nicht wahr?“
„Aber das jetzt? …Nein, das hätte sie nicht geduldet. Und dann auch noch von ihrem eigenen Sohn…“

Natürlich kamen Logan einige dieser aufmüpfigen Äußerungen zu Ohren, nicht zuletzt durch seine Spitzel, die er überall versteckt hatte.
Und Logan tat, was er für notwendig hielt. Er fand die Schuldigen und ließ sie hinrichten, oder tat ihnen Furchtbares an, ihnen und ihren Familien.

Er saß in seinem Arbeitszimmer über den großen hölzernen Schreibtisch seiner Mutter gebeugt.
Hier, wo sie so viele Pläne entworfen hatte, um Albion zu Glanz und Wohlstand zu verhelfen.
Und wo er als kleiner Junge um sie herum gehüpft war, weil er ihr helfen wollte. Dort, wo er mit seiner Schwester gespielt und gelacht hatte…
Seine Schwester.
Die Verräterin.
Wie oft hatte er seit dem Tag ihres Verschwindens an sie gedacht.
Aber gleichzeitig wollte er auch, dass er sie hasste.
Das machte ihre Abwesenheit erträglicher für ihn. Sein eigen Fleisch und Blut, das ihn verraten hatte.
Aber sie hatte keine Ahnung, sie alle hatten keine Ahnung, warum er so geworden war, wie er jetzt war.
KEINER von ihnen hatte auch nur den geringsten Schimmer, was er durchmachte. Warum er all das tun musste!
Er stützte sich mit den Ellenbogen auf die Tischplatte und sog die Luft ein.

Jeden Tag zweifelte er an sich, dachte nach, ob das was er tat überhaupt das Richtige war.
Aber es konnte ihm auch keiner helfen!
Sie würden es nicht verstehen oder noch schlimmer, eine Panik auslösen die von einer Katastrophe zur Nächsten führen würde, bis das ganze Land unterging.
Auch ohne das Geschöpf der Dunkelheit, dass sie bedrohte.
Den Kriecher.
Logan schluckte und schüttelte den Kopf.
Dieses Ding bereitete ihm Nacht für Nacht Albträume und selbst tagsüber, wenn er unbeobachtet war, sackte er manchmal, von Verfolgungswahn erfüllt in Schweißausbrüchen und heftigem Zittern zusammen.
Er hatte vor langer Zeit bei einer Expedition nach Aurora, diese Ausgeburt allen Schreckens selbst gesehen, war von ihr fast getötet worden.
Und er hatte den Auroranern versprochen, sie zu beschützen, aber seit diesem Augenblick waren Jahre vergangen und er hatte sich nicht an das Versprechen gehalten.
Dann war Mutters Seherin aufgetaucht und hatte ihm alle Geheimnisse und Prophezeiungen offenbart.
Er dachte, er wäre stark und unbesiegbar, aber erst später merkte er, dass ihm diese Stärke, die wirklich wahre Stärke eines Königs und Herrschers nicht gegeben war…
Er erinnerte sich plötzlich, wie einmal seine Mutter zu ihm gesagt hatte:
„Irgendwann mein Schatz, mein Liebling, wirst du König von Albion sein. Das bedeutet aber auch, dass du für das ganze Land verantwortlich sein wirst, verstehst du?
Du musst es als Beschützer und Herrscher gleichzeitig regieren.
Dein Volk bedeutet nicht nur deine Untertanen, sie sind auch deine Freunde.
Irgendwann wird diese Last auch auf deinen Schultern liegen, mein Kleiner, wenn ich eines Tages nicht mehr da bin.“
Er erinnerte sich an ihre zarte, sanfte Stimme und daran, wie er sie verständnislos ansah und sagte:
„…Aber Mutter… Werde ich das überhaupt schaffen? Ich habe… Angst!!!“
Dann nahm sie ihn in den Arm und trocknete seine feuchten Augen
„Bleib ruhig, Shhhh…. Noch ist alles gut! Ich bin doch da. Und du wirst es schaffen, schließlich bist du doch mein Sohn, nicht wahr?“ In weiter Ferne hörte er ihr feines Lachen und spürte ihre Hand, die über seine schwarzen Haare strich.
Dann verblasste die Erinnerung und zurück blieb nur er. Inzwischen viel älter, aber auch einsamer.

Ja Mutter, dachte er, aber ich habe immer noch Angst. Und diese Angst schnürt mir die Kehle zu und reißt mir fast mein Herz heraus. Diese Last… Sie ist so groß. Und ich muss sie ganz alleine tragen…
Ich spüre, dass das was ich tue, nicht das ist, was du wolltest. Aber mir bleibt doch keine andere Wahl!
Die höchste Priorität ist es sich um sein Volk zu kümmern, doch wie kann ich das, wenn ich nicht genug Geld auftreiben kann um die Armee zu finanzieren, die sie beschützen soll?
Ich muss also zu harten Maßnahmen greifen und Verrätern sofort zeigen, wo ihr Platz ist.
Aber damit geht es meinen Untertanen noch schlechter und so ist auch dann meine Priorität nicht erfüllt.
Ich kann aber nichts anderes tun, mir bleibt keine andere Wahl…
Lieber sollen sie mich hassen, als dass sie alle sterben müssen.

Er rieb sich die Augen.
Es half auch nichts zu seiner Mutter zu beten und zu jammern. Sie würde ihn doch sowieso nicht hören können… Sie war tot. Schluss aus.
Doch seine Gedanken schweiften ab und er erinnerte sich daran, wie sie von ihm gegangen war.

Er war noch ein junger Mann gewesen und zu beschäftigt, mit seinem Unterricht und den Pflichten, dass er nicht bemerkt hatte, wie schlecht es seiner Mutter ging.
Sie wurde zunehmend schwächer und tauchte nur noch sehr selten in der Öffentlichkeit auf.
Der Tod war auf seinem Weg und es schien, als hätte er sie um ein Haar eingeholt…
Logan erinnerte sich noch genau!
Sie lag in ihrem Bett, erschöpft und müde.
Logan und seine kleine Schwester wurden von Walter ins Zimmer geführt. Logan wusste nicht ganz, was vor sich ging, er hatte nur die bestürzten Gesichter der Angestellten gesehen, auf dem Weg zum Gemach der Königin, aber als er eintrat, ließ die Erkenntnis nicht lange auf sich warten.
Außer einem Doktor von der Astloch-Insel befanden sich noch ihr Diener und treuer Freund Jasper, zwei weitere Schwestern und ihr Hund „Nostro“ im Raum.
Der Hund, der mit ihr so viele Abenteuer durchstanden hatte, jetzt mit gräulich angehauchtem Fell und trübem Blick.
Er lag dicht an ihrer Seite und atmete schwer.
Die Königin lächelte schwach, als sie ihre beiden Kinder sah.
Sie streckte ihre zitternde Hand aus und entblößte ihren mit kleinen Narben übersäten Arm.
„Meine Lieblinge“, seufzte sie, „Meine Kleinen… bitte kommt heran zu mir…“
Ihre Stimme war jetzt nur noch ein Flüstern.
Logan brauchte einen Moment, bis er sich gesammelt hatte, dann nahm er liebevoll die kleine Hand seiner Schwester und sagte mit tränenunterdrückter Stimme: „Komm…. Mama möchte, dass wir zu ihr gehen. Komm mit“ Und er zog sie hinter sich her.
Die Prinzessin spürte, dass etwas nicht stimmte und ihre Augen wurden feucht „Mama, was ist hier los… W…was passiert?“, stammelte sie und drückte sich an ihren Bruder, den sie so sehr liebte.

Die Königin nahm ihre beiden Hände und sie krabbelten zu ihr aufs Bett.
„Ich... ich liebe euch beide so sehr! Ihr seid mein Leben und das Beste, was mir je passiert ist, ihr wisst das, ja? Aber… ich werde euch… wohl v…verlassen müssen.“
Die Kleine schüttelte energisch den Kopf und drehte sich wütend und traurig zugleich zu ihrem Bruder um „Nein Logi, das darf sie aber nicht, oder? Mama darf nicht gehen, sie muss doch hier bleiben! Bei uns! Sie… Mama, wo gehst du hin? Wie lange gehst du denn weg?“
Ihre Augen füllten sich mit Tränen.
„Mama, sag mir, wo du hinwillst. Du kannst uns nicht verlassen. Wie lange denn?“
Die Königin versuchte krampfhaft zu Lächeln und zum ersten Mal seit Logans Vater vor einiger Zeit gestorben war, sah er Tränen in den Augen seiner Mutter aufblitzen.
Sie flüsterte:
„Ich werde... also ich werde euren Vater besuchen. Weit weg in einem unbekannten magischen und schönen Land…“ Dann verebbte ihre Stimme. Logan vernahm aus dem Hintergrund leise Schluchzer.
Er selbst konnte nur mit extremer Mühe und Körperbeherrschung sein Zittern unterdrücken und fürchtete, dass jeden Moment, wenn er nachgeben sollte, sein Körper unkontrolliert durchdrehen würde, genauso, wie sein Verstand.
Er musste versuchen stark zu sein, für sich und seine Schwester…in der Zeit, die ihm noch blieb.
Dann sah seine Mutter ihn an, aber es waren nicht mehr dieselben Augen wie früher.
Sie waren alt, gerötet und wirkten vollkommen hilflos. Logan nahm das Gesicht der Prinzessin in seine Hände.
„Mama… wird für eine… sehr lange Zeit weggehen….“ Er hatte noch nicht zu Ende gesprochen, als seine Schwester schon bitterlich zu weinen anfing und protestierte.
Die Königin schloss ihre Augen vor Erschöpfung.
Logan stürzte zu ihr, aus Angst, sie hätte ihn schon verlassen, doch sie lächelte sanft.
„Bitte… weder ihr, noch ich können das aufhalten. Hey… meine Kleine…. Sie mich an mein Schatz. Seht mich beide an…. Jetzt ist eure Zeit gekommen, die Zeit, wo ihr beide an der Reihe seid, Großes zu vollbringen…. Bitte tut mir den gefallen und passt auf euch auf!! Ich liebe euch!!! Niemanden liebe ich so sehr wie euch.“
Logan bemerkte, dass ihre Lippen zitterten und Tränen wie Diamanten aus ihren Augen rollten.
„Ich möchte euch auch nicht verlassen… aber darüber kann ich nicht entscheiden. Wisset aber, dass ich für immer in eurem Herzen bei euch bleibe.
Ich werde stets auf euch aufpassen und ihr werdet nie allein sein.
Genau wie euer Vater, werde auch ich über euch beide wachen. Gemeinsam schaffen wir es…. Ihr seid zu Großem bestimmt!“

Dann zog sie schwach Logans Kopf zu sich heran.
„Mein Junge, mein geliebter Engel… Pass auf deine Schwester auf, ihr darf nichts passieren, verstehst du?
Du musst sie vor allem beschützen. Keine Sorge du wirst nicht allein sein, Walter und Jasper werden dir helfen…. Nun ist deine Zeit gekommen…, um Albion weiterzuführen.
Und ich weiß, du wirst es schaffen. Ich bin so unglaublich stolz auf dich Logan. Ich liebe dich und beschütze dich…“
Sie glitt zurück in ihre Kissen, ein aufmunterndes Lächeln auf dem Gesicht.
Dann schlossen sich ihre Augen langsam und mit einem leisen seufzen, stieß sie ihren letzten Atemzug aus.

Alles war still.

Die Königin von Albion war tot.

Im selben Moment, wo ihr Körper starb, jaulte Nostro auf, den Blick zum Himmel gerichtet, bevor er tot an die Seite seiner geliebten Freundin fiel.

Die Welt schien wie in Zeitlupe zu laufen und der junge Logan bemerkte nur verschwommen, wie seine kleine Schwester schrie und kreischte, den Namen ihrer Mutter brüllte, versuchte ihre Mutter wach zu rütteln, ihren Kopf zitternd an ihre Seite legte, wie der Arzt ihren Tod überprüfte und ein Laken über ihr Gesicht legte, wie alle im Raum ihren Gefühlen freien Lauf gaben, aber auch, wie hinter dem Fenster, im Dunkeln, im Regen eine Gestalt stand. Eine Frau mit roter Robe, eine Kapuze über den Kopf gezogen, die die ganze Zeit durch die Scheibe alles beobachtet hatte.
Und als sich diese Frau abwandte, konnte Logan im Schein des Mondes Spuren von Tränen auf ihren Wangen sehen…

Und dann verschwand auch diese Erinnerung, als jemand heftig an die Tür klopfte. „Eure Majestät, darf ich eintreten?“
Logan räusperte sich, stand auf und rief: „Kommt herein!“ Einer seiner Soldaten erschien hinter der Tür, verbeugte sich und ging zum König.
„Du darfst sprechen!“, sagte Logan barsch und machte eine wegwischende Handbewegung, bevor er sich wieder hinsetzte.
„Euer Majestät… ich bringe euch Kunde… von der Prinzessin.“ Logan wurde sofort aufmerksam und funkelte ihn an.
„Sie… nun ja…. Bei einem heftigen Kampf am See des Mistpeak-Tals mit Söldnern, Balverinen und einigen unserer Soldaten… nun ja *hust*
Die… die Prinzessin wurde geschlagen und sie ist… sie hat es nicht überlebt. Sie ist tot“

Logan verzog keine Miene.
Dieser letzte Satz ließ ihn weder klar denken, noch bewegen.
Er starrte weiterhin geradeaus, unfähig irgendetwas zu tun, außer das  Wort immer und immer in Gedanken zu wiederholen.
Tot…Tot…TOT…. TOT!!!!!!!!!
Dann machte es klick.
Logan wies den Soldaten mit einer schnellen und brutalen Geste nach draußen und dieser verließ das Arbeitszimmer, so schnell er konnte.
Sie. War .tot?!
Logan bekam keine Luft mehr und je öfter er diese Worte wiederholte, desto weniger Sinn ergaben sie.
Er begann zu zittern, bekam Krämpfe und fühlte sich, als müsse er sich gleich übergeben.
Kalter Schweiß sammelte sich auf seiner Stirn, er keuchte stark und sah nichts mehr, da das Wasser in seinen Augen alles vermischte, wie in einem verrückten Strudel auf Farben.
Er verstand nicht, was hier passierte, alles um ihn herum rückte in den Hintergrund.
Fassungslos krallte er die Fingernägel ins Holz des Tisches und sein ganzer Körper spannte sich an.
Er warf seinen Stuhl um, fegte seine Dokumente und Notizen von der Ablage und schlug mit der bloßen Hand auf den Tisch.
Dann gaben seine Beine nach.
Er konnte es einfach nicht verstehen. So sehr die Worte ihn im Kopf auch anschrien, es wirkte, als wäre er taub.
Seine Augen weit aufgerissen beugte er sich über den Boden und versuchte zu atmen.
Seine… seine Schwester war… was?!
Sie war … das konnte nicht sein, das DURFTE doch gar nicht sein!!!
WIE KONNTE DAS PASSIEREN?!
Tränen der Verzweiflung rannen sein Gesicht herunter.
Vor seinem inneren Auge sah er, wie sie als kleines Mädchen früher mit ihm zusammen lachend durch das Schloss gelaufen war, wie sie gespielt hatten, wie sie manchmal Nachts zu ihm gekommen war, weil sie Angst vor der Dunkelheit hatte, wie sie ihn brauchte und wie er immer für sie da war.
Und dann sah er sie, als erwachsene Frau, … blutüberströmt, ihr Körper in einer unnatürlichen Verrenkung, am Ufer des Mistpeak-Sees liegen.
Ihre Augen waren rot vom Blut und schienen durch ihn durch zu sehen.
Und dann schoss ihm ein Gedanke durch den Kopf, der sich wie ein Schwert durch seinen Körper bohrte und sein Herz durchstieß.
Es ist ALLES deine Schuld.
DU hast sie sterben lassen.
Und ihm schien, als kämen diese Worte direkt aus dem Mund seiner Mutter.
Er hörte sie plötzlich wie im Wahn schreien und er hielt sich vor Schmerz die Ohren zu.
Er stand schwanken auf und taumelte durchs Zimmer.
Wurde er verrückt?
Seine kleine Schwester, seine geliebte, über alles geliebte kleine Schwester. Wie hatte er ihr das nur antun können?!
Er würde sie nie mehr wiedersehen.
Der Mensch, den er am meisten liebte und den er um alles in der Welt hatte beschützen wollen war für IMMER fort und es war seine Schuld.
Fast spürte er ihr Blut an seinen Händen.
Schweißgebadet prallte er gegen die Wand mit dem Spiegel und drückte seinen Kopf gegen den kalten Stein.
Er weinte und sein ganzer Körper erbebte unter den Schluchzern. Er schlug mit den bloßen Handflächen gegen die Wand, bis sie selbst blutig waren.
Dann schrie er allen Schmerz und die ganze Angst, den Verlust, die Verzweiflung und all die Trauer aus sich heraus. Er schrie, bis er keine Luft mehr hatte.
Er keuchte und legte den Kopf in die Hände.
Warum…?
Warum hatte er sie damals gehen lassen?
Warum hatte er nicht versucht sie zu finden?
Warum war er so ein von Avo verdammter Idiot gewesen?
Und dann wusste er es.
Die Boshaftigkeit, vor der er sich als Junge immer gefürchtet hatte, von der er immer abstand nehmen wollte hatte sich wie ein Dämon in ihm ausgebreitet und ihm eingetrichtert, alle, die er jemals geliebt hatte, hätten ihn entweder verlassen oder verraten.
Erfüllt von Zorn hatte er früher nicht einmal sein eigenes Handeln in Frage gestellt, sondern wollte die ganze Welt dafür büßen lassen.
Doch nun…
Logan wünschte sich, ihn hätte es niemals gegeben, er wünschte sich selbst in die Hölle.
Er zerschlug den Spiegel gegenüber von sich und einige Scherben prasselten auf den Boden.  
Seine Schwester war die letzte Heldin gewesen.
Das musste sie gewesen sein.
Er hatte die Fähigkeiten seiner Mutter nicht geerbt, aber sie…
Er hatte früher stets diesen Verdacht gehegt, obwohl noch nicht einmal seine Schwester selbst daran gedacht hatte.
Wenn er es nicht war, blieb nur noch sie übrig.
Aber jetzt war es zu spät.
Ihm wurde klar, dass es eigentlich ihre Aufgabe war, die Welt vor dem Bösen zu beschützen. Er hatte theoretisch nie eine Chance gehabt, es war nicht seine Bestimmung… Doch nun war es alles zu spät.

Die letzte Hoffnung von Albion, das letzte leuchtende, rettende Licht in der Dunkelheit, die letzte Heldin, die sie hätte retten können, war vergangen…

Logan starrte sein verzerrtes Gesicht in den zurückgebliebenen Spiegelscherben an. Sein zerzauster Aufzug, sein blasses und schwaches Gesicht.

Er hatte keine Chance.

Er hatte sie niemals gehabt.

Sie waren alle verloren.

Für immer.

Er war schuld.


…Albion wird untergehen!…




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Vielen Dank nochmal fürs Lesen!!!
Ich habe das hier geschrieben, weil ich finde, dass Logan ein interessanter Charakter ist, der vielleicht auf den zweiten Blick doch ganz anders ist, als man zuerst dachte (außerdem tat er mir iwi Leid xD)
Ich bin froh, wenn euch die Geschichte gefallen hat (und ich es einigermaßen hingekriegt habe^^) und ich bin unendlich dankbar für Reviews (Oder Hinweise auf Rechtschreibfehler...o.O)
*verbeug*
Liebe Grüße von Beylord :D
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