British Kisses

von Huelk
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
Jenson Button Kimi Räikkönen Lewis Hamilton Nico Rosberg Sebastian Vettel
11.08.2015
01.12.2015
17
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Kommentar: Dreiteiler kann ich im Moment irgendwie ganz gut. Zumindest plane ich, aus diesem hier einen zu machen. Was meint Ihr? Geplant ist einmal aus Lewis' Sicht zu schreiben, einmal aus Kimis und den letzten Teil aus Nicos zu machen. Der zweite Part ist auch schon in Arbeit und nein... Ich habe keine Liebeskummer, aber bei gleich zwei Geschichten dieser Art könnte man es fast meinen. Ich versichere, dass bei mir alles okay ist. ;) Wünsch Euch ganz viel Lesefreude... (Obwohl das hier vielleicht etwas gemein klingt...)

Disclaimer: Der Inhalt der Geschichte basiert nicht auf Tatsachen, sondern lediglich auf meiner Fantasie. Nur die Rennausgänge stimmt mit der Realität überein. Alle weiteren Ereignisse entspringen bloß meiner eigenen Phantasie. Ich kenne keine der hier genannten Personen, ich verdiene kein Geld damit und möchte auch niemandem zu nahe treten.





Gescheitert



Budapest, Ungarn
26. Juli 2015


„Bleib bei mir…“, flüsterte er dem Jüngeren zu, legte eine Hand unter sein Kinn um ihn dazu zu bringen, ihn anzusehen. Doch er konnte es nicht. . Er sah, wie sich alles in Nico dagegen wehrte und das tat unendlich weh.
„Ich kann nicht“, antwortete der Blonde mit brüchiger Stimme und es schmerzte zu wissen, dass er der Grund für seine Tränen war. Er hatte Nico niemals zum Weinen bringen wollen. Nicht so. Er wollte es wieder gut machen, aber…
Das konnte er wahrscheinlich nicht. Das spürte er genau. Diesmal waren seine Worte nicht mehr genug. Diesmal würden auch seine Taten nicht mehr reichen. Er hatte alles zerstört. Nur weil er zu blind war. Weil er nicht genug bekommen konnte. Weil er private Dinge nicht aus beruflichen raushalten konnte. Wie hatte er nur so dumm sein können?

„Bitte Nico, ich… Ich kann dich nicht gehen lassen“, versuchte er in flehendem Ton, seinen Liebling zu halten. Er verstärkte unbewusst den Griff um den Jüngeren, wollte ihn zwingen, ihn endlich anzusehen. Er konnte Zurückweisungen nicht ertragen. Hatte er nie gekonnt.
„Lewis, du tust mir weh“, wimmerte Nico schon fast gequält und sofort ließ er erschrocken von ihm ab, hob entschuldigend die Hände. Was tat er nur wieder? Genau das war doch das Problem. Warum fügte er Nico Schmerzen zu, wenn er ihn doch liebte?
„Entschuldige… das wollte ich nicht“, brachte er mühsam hervor. Sein Mund war ganz trocken und er fühlte sich so unendlich hilflos. Er wollte alles wieder gut machen, doch er machte alles nur schlimmer.

Er sah, wie Nico sich an das schmerzende Kinn fasste, wie er die Schultern hängen ließ und versuchte sein Schluchzen zu verbergen. Wie hatte er ihm das nur antun können? Sie hätten niemals gemeinsam erfolgreich sein dürfen, denn das war der Anfang vom Ende. Sie hätten niemals Teamkollegen werden dürfen, denn das hatte sie nie wirklich wieder zusammenführen können. Vielleicht hätten sie sich auch niemals in einander verlieben dürfen. Dann würde es jetzt nicht so wehtun, loszulassen. Er konnte Nico nicht mehr gehen lassen, auch wenn es das Richtige wäre.
„Ich kann das so nicht mehr und… und ich will es auch nicht“, erklärte Nico und wurde dabei immer wieder von seinen eigenen Schluchzern unterbrochen. So hatte er den Jüngeren noch nie erlebt. So unglücklich und so… Es war alles seine Schuld.
Er musste sich arg zusammenreißen, um nicht wieder nach seinem Liebsten zu greifen. Er wollte ihn nicht noch einmal zu hart anpacken, obwohl er ihn so gerne aufrütteln würde. Er wollte, dass er seine Entschuldigungen noch einmal glaubte, seine Versprechungen. Er wusste, dass er sie nicht einhalten würde.

„Nico… diesmal wird es anders.“ Gelogen. „Diesmal mache ich nicht dieselben Fehler.“ Von wegen. „Diesmal habe ich verstanden.“ Sicher nicht. Er machte sich selbst etwas vor, wie schon so oft. Nicht einmal vor sich selbst konnte er ehrlich sein, wie also sollte er es dann zu Nico sein.
„Du kannst nicht treu sein“, warf der Jüngere ihm mit brüchiger Stimme vor und es traf ihn tief, denn er konnte es nicht bestreiten. Er war ihm nicht treu. War er nie gewesen.

Nico wusste es schon lange. Er wusste, dass der Deutsche nur geschwiegen hatte, um ihn nicht zu verlieren. So lange und er hatte immer darunter gelitten, doch… Das hatte er nicht sehen wollen. Er hatte nicht sehen wollen, dass er Nico verletzte, dass er ihn enttäuschte. Er hatte sich auch weiterhin einreden wollen, dass es für Nico okay war, dass er damit zurecht kam, betrogen zu werden.
Er war von sich selbst angewidert. Wie hatte er das nur tun können? Und dann ausgerechnet mit ihm… Er schloss die Augen und holte einmal tief Luft. Er hatte es doch gewusst. Nico hatte ihm selbst erzählt, dass er mal mit Sebastian zusammen gewesen war und dann betrog er ihn ausgerechnet mit dem Heppenheimer. Etwas Schlimmeres hätte er ihm kaum antun können.
Aus reinen Schuldgefühlen hatte er schließlich bei McLaren aufgehört. Er hatte Nico beweisen müssen, dass es nur ihn gab und sonst niemanden. Er hatte ihm gezeigt müssen, dass er sich für ihn entschieden hatte. Es hatte so gut getan, dass er ihm noch einmal verziehen hatte. Er hatte sich stark gefühlt dadurch und selbst ihr Sex war danach noch besser gewesen, als je zuvor. Er hätte nicht zufriedener sein können, doch…

Er hatte Sebastian nicht aus seinem Kopf bekommen. Wo immer er dem mutwilligen Funkeln dieser blauen Augen begegnet war, hatte sein Herz schneller geschlagen. Wo immer ihm dieses siegesgewisse Lächeln begegnet war, hatte er dieses aufgeregte Kribbeln im Bauch verspürt. Er hatte ihm einfach nicht widerstehen können.
Diese roten, vollen Lippen hatten ihn wieder verführt, als er Weltmeister wurde, als er Sebastians Siegesrausch durchbrochen hatte und der Deutsche ihm gratuliert hatte. Er hatte nicht anders gekonnt, als sich auf diesen Kuss einzulassen. So süß und trotzdem bitter, weil es ein Fehler war. Wie von selbst hatte er in die blonden Locken gegriffen, hatte ihn an sich gezogen und nicht mehr darüber nachgedacht, was er tat.

Er hatte die Stimme der Vernunft in seinem Kopf schreien gehört, als er Sebastian das Shirt ausgezogen hatte, um die weiche Haut zu berühren. Die Stimme war lauter geworden, als er sein eigenes Shirt abstreifte. Er hatte die Schuld in seinem Magen glühen gespürt, als er Sebastian aufs Bett gedrückt und ihn von den übrigen Klamotten befreit hatte. Er durfte das nicht und doch war sein Verlangen zu groß gewesen, um es nicht zu tun.
Er hatte an Nicos Tränen gedacht, als er Sebastian umschloss und konnte trotzdem nicht aufhören. Er hatte an Nico gedacht, während er mit Sebastian schlief. Er hatte geglaubt, dass er das verheimlichen könnte, dass alles gut gehen würde, wenn Nico nichts davon jemals erfuhr. Er hatte nicht bemerkt, dass er sich längst entschlossen hatte, seinen Freund wieder zu betrügen, als er gekommen war, als er sich befriedigt und erschöpft auf den bebenden, heißen Körper unter ihm sinken ließ.
Er hatte diese Nacht so sehr bereut und alle, die danach noch folgten. Er hatte Nico das nicht antun wollen und er hasste sich dafür, dass er so war, dass er nicht gut für Nico war. Der Jüngere hatte jemanden verdient, der ihn beschützte, der ihn und nur ihn liebte, ihn festhielt und in die Arme schloss, wenn er diese bitteren Niederlagen erlitt. Jemanden, der ihm sein Lächeln zurück gab, wenn der Job es ihm nahm.

Dass Nico nach dem Titel, den er so knapp verpasst hatte, in dieses Formtief gefallen war, war ebenfalls seine Schuld. Zumindest war er sich dessen vollkommen sicher. Er sah doch selbst jeden Tag, was er ihm antat. Wäre er nicht gewechselt dann… Nico wäre bestimmt Weltmeister geworden.
Ohne seine falschen Spielchen hätte der Jüngere den Kopf nicht immer zu voll mit anderen Dingen. Dann könnte er sein wahres Talent zeigen und niemand hätte eine Chance gegen ihn. Dessen war er sich ebenfalls sicher.

„Nein… kann ich nicht“, räumte er also mehr als kleinlaut ein. Was sollte er sonst tun? Es abstreiten? Nico hatte sie gesehen. Es war nicht geplant gewesen, dass er so früh von seinen Interviews zurück zu sein würde. Er hatte sich sicher mit Sebastian gefühlt. Wie dumm. Als könnten sie das an einem Rennwochenende jemals sein. Wie naiv war er nur?
Er wusste nicht, was er sonst sagen sollte. Er wollte ihn bitten und anflehen, bei ihm zu bleiben, aber dazu hatte er kein Recht. Er hatte den Jüngeren nicht verdient- Ihm wurde schlecht. Er konnte ihn nicht noch einmal verlieren. Er konnte einfach nicht.
„Nico… Ich liebe dich“, kam es ihm über die Lippen, aber er fand selbst, dass das schwach und unglaubwürdig klang. Er konnte nicht erwarten, dass Nico ihm glaubte. Dabei war es das einzige an seinen Worten, das nicht gelogen war. Er liebte ihn wirklich.

Doch Nico schnaubte – zurecht – allerdings nicht laut genug, um wütend zu klingen. „Du hast `ne ziemlich arschige Art, das zu zeigen“, informierte ihn der Jüngere und klang dabei einfach nur verzweifelt.
„Es tut mir leid, Nico. Wirklich. Ich wollte dir nicht weh tun. Das Ganze hat überhaupt nichts zu-“, versuchte er zu erklären, doch diesmal fuhr Nico ihm bestimmt über den Mund.
„Sag mir nicht, dass es nichts zu bedeuten hat! Wenn es so wäre, würdest du es nicht verheimlichen!“, schrie der Deutsche ihn fast an und dabei kamen ihm bloß noch mehr Tränen. Was tat er ihm nur an?
„Ich…“ Was sollte er sagen? Auch das konnte er nicht leugnen. Natürlich bedeutete Sebastian ihm etwas. Ansonsten würde er nicht dauernd mit ihm schlafen. Trotzdem wollte er mit Nico zusammen sein.

„Du liebst ihn“, stellte der Blonde mit zitternder Stimme fest. Das hatte er nie gesagt, nicht einmal zu Sebastian selbst, aber es stimmte. Er liebte ihn. Auch. Denn Nico liebte er ebenso, er…
„Ich liebe dich mehr als ihn“, versuchte er diese verfahrene Situation noch irgendwie zu retten, aber das würde ihm nicht gelingen. Diesmal würde Nico sicher nicht mehr drauf reinfallen. Er fürchtete das, was nun unweigerlich kommen musste.
Er sah, dass Nico diese Worte weh taten. Natürlich. Der Jüngere liebte ihn auch, denn sonst hätte er ihm nicht so oft verziehen. Und er nutzte das schamlos aus. Immer und immer wieder. Er glaubte nicht, dass er heute Abend in den Spiegel sehen konnte.

Es schmerzte, als Nico die Lippen aufeinander presste und den Kopf schüttelte. Er wusste, was sein Freund – wenn er ihn überhaupt noch so nennen durfte – tun würde. Aber das minderte die Heftigkeit der Worte nicht, als Nico ihm zu verstehen gab: „Ich kann das nicht mehr und ich will es auch nicht. Ich kann nicht mit dir zusammen sein, ich…“
„Du liebst mich auch!“, fuhr er diesmal dazwischen.
„Aber nicht mehr genug um zu verzeihen“, beteuerte Nico, doch das wollte er nicht hören.
„Halt den Mund!“, brach es aus ihm heraus, als auch ihm die Tränen kamen. „Das… das stimmt nicht! Du liebst mich und ich liebe dich!“

Es war mehr ein Reflex. Als er nach Nicos Schultern griff. Wieder zu fest, aber er konnte keine Rücksicht nehmen. Er war blind vor Zorn auf sich selbst. Blind vor Angst, seinen Liebsten für immer zu verlieren. Er konnte allein diese Gedanken schon nicht ertragen. Nico gehörte zu ihm und zu keinem sonst!
„Du kannst nicht einfach Schluss machen! Ich brauche dich!“ Seine Stimme war entsetzlich dünn. Es nervte.
„Das spielt keine Rolle mehr. Du hattest deine Chancen. Mehr als genug. Es ist besser, wenn wir uns trennen“, sagte Nico, doch er klang unsicher genug, um ihm Hoffnungen zu machen. Er hatte oft bekommen, was er wollte, wenn er Nico nur genug unter Druck setzte. Das war natürlich nicht richtig, aber um den Deutschen zu halten, war ihm jedes Mittel recht.

„Das werden wir nicht! Wir gehören zusammen!“, platzte es aus ihm heraus und er konnte nicht verhindern, dass er Nico noch fester packte, sah, wie er das Gesicht verzog, aber er wollte es nicht sehen. „Du musst das doch sehen! Komm schon! Du musst es sehen!“
„Verdammt, lass mich los!“, versuchte Nico ihm begreiflich zu machen, wehrte sich gegen ihn, doch er konnte es nicht. „Lewis! Lass mich los!“
„Das kann ich nicht. Nico, ich brauche dich, ich kann nicht ohne dich leben!“, versuchte er dem Jüngeren weiter beizukommen. Er hatte das Gefühl nicht mehr klar denken zu können und vermutlich war es auch so.

Nicos Befreiungsversuche erlahmten, als er ihn mit flatternden Augen ansah und sagte: „Das hättest du dir früher überlegen können. Am besten bevor du mich mit meinem Ex betrügst.“ Dabei ließ er das Wort Ex wie Arschloch klingen. Er musste den Impuls unterdrücken, Sebastian zu verteidigen. Er konnte es nicht leiden, wenn Nico sich über ihn ausließ.
„Bitte Nico…“ Er konnte nichts weiter tun, als ihn anzuflehen. „Ich tue alles was du willst, wenn du nur bei mir bleibst.“ Er konnte kaum glauben, dass er diesen Schwachsinn gerade tatsächlich gesagt hatte. Was war nur los mit ihm?

„Nein. Es ist vorbei“, sagte Nico wieder und diesmal gelang es ihm, sich mit einem festen Ruck loszureißen. Er wollte sofort wieder nach ihm greifen, wollte ihm nacheilen, doch Nico flüchtete regelrecht vor ihm. Er war verschwunden, noch bevor er richtig reagieren konnte.
Er hatte ihn verloren. Für immer.
Nico…
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