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Reign - A Tale of Kings and Queens

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
10.08.2015
01.09.2015
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A Tale of Kings and Queens

When you play the game of thrones you win or die there is no middle ground (HBO – Game of Thones)


Kapitel: Von Bastarden und verschwundenen    Hunden

Jemand hat mir einst erzählt, dass man sein kann wer immer man will. Was für eine schöne Vorstellung. Was für eine schöne, wahnsinnige und haltlose Vorstellung das doch ist. Ich wurde geboren und war jemand. Hatte ein Titel, ein Land und eine Krone. Ich habe mir mein Schicksal nicht ausgesucht. Ich wurde in es hineingeboren. Mein Charakter, meine Neigungen, meine Sehnsüchte und Gelüste haben in diesem Schicksal keinen Platz. Pflichterfüllung ist meine höchste Tugend. Dieses Ziel aus den Augen zu verlieren wäre Hochverrat. Doch manchmal schaue ich aus dem Fenster meiner eisernen Festung und denke über den Satz nach: Man kann sein wer immer man will. Und dann lache ich in mich hinein. Dieser Satz, so schön er auch klingt, ist etwas für das einfache Volk, für Bauern, Schmiede, Becker und Bastarde. Meine Zukunft ist dagegen vorbestimmt.




Mein vollständiger Titel lautet: Mary die I. Königin von Schottland. Ich wurde auf diesen Titel nicht vorbereitet, stattdessen wurde ich als solche schon geboren. Das heißt, bereits als Säugling wurde mein junges Leben mit der höchsten aller Bürden belastet: die einer Krone. Diese Bürde trage ich und nehme sie mit ins Grab. Ich lernte dennoch früh, dass ich als Frau weniger Macht besaß als die Krone auf meinem Haupt versprach. In einer Männer dominierten Welt sollte ich mich zurückhalten und mein Temperament zügeln. Eine Dame am Hof verhält sich so und so. Sie gibt sich niemals aufreizend oder verführerisch. Sie ist eine wohlerzogene, schöne Hülle. Da ich nun mal eine Königin bin, reicht dies nicht aus. Meine Bildung war allumfassend und sorgfältig. Auch meine Mutter, die meine Regierungsgeschäfte übernahm bis ich dazu im Stande war, wusste über diese Tatsache Bescheid. Dennoch meinte sie hinter vorgehaltener Hand einst zu mir: „Man muss den Mann nur an seiner schwächsten Stelle fassen. Da wo nur eine Frau hinreicht“! Natürlich verstand ich zu dieser Zeit noch nicht, was sie meinte.

Mein Leben ist fremdbestimmt. So wurde schon früh festgelegt, dass ich, wenn meine Zeit gekommen ist, den französischen Thronfolger Francis heiraten werde, der Sohn König Henrys des II. von Frankreich. Das Arrangement besteht seit meiner Kindheit und soll nun erfüllt werden. Ich kenne meinen zukünftigen Ehemann flüchtig aus schwachen Kindheitserinnerungen. Vor einem Monat wurde beschlossen mich ihm zuzuführen, da ich mit 15 Jahren nun im heiratsfähigen Alter bin und Schottland die Unterstützung Frankreichs gegen das feindlich gesinnte England dringend benötigt. Ich verstehe meine Aufgabe und bin mehr als gewillt meinem Land zuzuarbeiten. Hätte ich aber gewusst, auf welches Spiel ich mich hiermit einlasse, wäre ich zurückgeschreckt. Nichts weiß ich von der Welt, die am französischen Hof auf mich wartet. Nichts von den Machtkämpfen, den Intrigen, den Versuchungen. Ich war und bin noch ein naives Mädchen und weiß nicht, was es wirklich bedeutet zu herrschen…

Meine Gedanken beruhigt es schon seit meiner Kindheit lange und erfrischende Spaziergänge im Garten zu tätigen. Ich bin nun bereits seit einem Monat am französischen Hof und meine Spaziergänge werden von Tag zu Tag ausgedehnter. Auf meinen Versen stets meine treuen Hofdamen Lola, Kenna, Greer und Aylee. Sie sind alles, was ich von zu Hause hier habe. Sie sind Freunde und Familie gleichermaßen und ich trage sie nah an meinem Herzen, doch oft wäre ich in den letzten Tagen lieber allein gewesen. Die Situation hier ist anders als erwartet. Vor allem ist es Francis, der anders ist, als ich ihn in Erinnerung habe. Obwohl ich mich von ihm angezogen fühle, ist seine Gegenwart oft frustrierend. Die versprochene, sichere Verbindung ist nicht sicher. Jedenfalls nicht, wenn man ihn fragt. Er möchte sich die Sache offen halten. Zusätzlich wird er stark von seiner Mutter, der Königin Catherine beeinflusst, die mich hasst. Leider fallen mir keine anderen Worte ein, um zu beschreiben, wie verächtlich sie sich zu mir äußern kann. Auch wenn ich eine Verbindung zwischen uns schüren möchte, ist sie stets da, um dies zu unterbinden.

Meine Schritte tragen mich schneller, als es sich für eine Dame von Hofe gehört und es ist mir egal. Fast schon hechte ich durch den grauen Garten, der mein neues Heim umringt. Doch es ist kein Heim, das wird mir mehr und mehr bewusst. Ich fühle mich hier ungeschützt, fast schon bloß gestellt. „Mary!“, Lolas Stimme kommt mir weit entfernt vor. „Mary, nicht so schnell“! Das war nun Kennas Stimme, die schon leicht gereizt klingt. Sie wollen, dass ich mich normal verhalte. Nicht rennen, zügel dein Temperamt. Es könnte auch meine Mutter sein, die nach mir ruft. Doch nur für diesen Moment möchte ich nicht der Vorgabe entsprechen. Bei meiner gehetzten fast schon Flucht merke ich nicht, dass ich das Grundstück des königlichen Hofes verlassen habe. Vor mir erstreckt sich ein düsterer und verwilderter Wald, der mich auf einmal reizt ihn zu durchqueren.  Einmal und nur für den Moment das tun, was keiner von mir erwartet. Doch irgendetwas an dem Wald wirkt bedrohlich und ich verlangsame meinen Gang etwas. Während ich noch überlege, ob oder ob ich nicht den Wald betreten soll, umschließt eine raue, warme Hand mein Handgelenk energisch und ich werde herumgewirbelt.

Ich starre geradewegs in die fast schon irritierend auffälligen Augen des ältesten Sohn des Königs. „Mary, bleib stehen“! Die Art, wie er alle Konventionen missachtet und mich ausschließlich mit „Mary“ anspricht, eine Gangart, die nur meine engsten Freunde wählen, macht mich sprachlos. Seine Stimme ist sehr ernst, als er weiter spricht: „Junge Damen, vor allem junge Königinnen begeben sich nicht allein in einen so düsteren Wald. Das ist mehr als unangemessen und gefährlich“. Ich mache mich los. „Wir sprechen also von Unangemessenheit. Ist es dann auch nicht unangemessen, dass man so eine Königin begrüßt, Sebastian“. Ein schelmisches Lächeln umspielt zugleich seine Lippen. Er tritt einen Schritt zurück und verbeugt sich leicht. „Ich wollte Ihre Hoheit nur darauf hinweisen, dass Sie nicht die Wälder nahe dem Schloss betreten sollten“. Ich ziehe eine Augenbraue skeptisch nach oben. „Und warum sollte ich dies unterlassen“? „Wie ich erwähnte, ist dies zu gefährlich“. „Und wie kommst du zu dieser Annahme“? Ich klinge gereizt und versuche meine Stimme unter Kontrolle zu bringen. „Erfahrung“! „Erfahrung“? „Meine Königin, ich möchte nicht anmaßend klingen, aber Sie müssen mir in dieser Angelegenheit einfach vertrauen“! Ich resigniere und wende mich vom Wald ab.

Still geleitet mich Sebastian zum Schloss zurück. Sebastian oder Bash, wie ihn alle hier zu nennen scheinen, ist Henrys ältester Sohn und ein Bastard. Sebastian ist 18 Jahre alt und somit drei Jahre, naja eher zwei Jahre älter als Francis und ich, denn mein 16. Geburtstag steht kurz bevor. Er hat keinerlei Ansprüche auf die französische Krone und wird nur am Hof geduldet, weil der König Sebastians Mutter als seine favorisierte Geliebte am Hof unterhält. Eine Geliebte neben seiner eigentlichen Ehefrau zu unterhalten, scheint an diesem Hof Gang und Gebe zu sein. Mir missfällt es jedoch. Auch das hatte ich mir anders vorgestellt. Sebastians Blick wandert ab und zu zu mir hinüber, aber ich versuche es nicht zu beachten. Ich möchte nicht in seine Augen schauen, da sie mich komisch fühlen lassen. Sie waren auch das Erste, was mir bei unserem ersten Aufeinandertreffen aufgefallen ist. Seine Augen sind von einem so hellen grau-grün, dass sie in einem starken Kontrast zu seinen dunkel-braunen Haaren stehen. Ich habe noch nie solche Augen bei einem Mann gesehen. Nicht, dass ich überhaupt viele Männer in meinem kurzen Leben zu Gesicht bekommen hätte. Wenn man die letzten Jahre vor allem mit Nonnen in einem Kloster verbracht hat, ist es nur normal, nicht so viele Männer zu Gesicht zu bekommen. Kenna kommentierte Bashs Anblick übrigens als erste mit folgenden Worten laut: „Das ist der Bastard des Königs! Ich habe gehört, dass er die Damenwelt sehr erfreut. Kein Wunder! Er sieht ziemlich gut aus“! Ich wusste nicht recht, was ich von ihm halten sollte. Aber er war einer der wenigen Menschen, der mir hier freundlich gesinnt zu sein scheint. Und das war mehr als man von den anderen Angehörigen der königlichen Familie behaupten könnte.

„Bedrückt dich etwas, Mary“! „Sind wir jetzt wieder bei Mary“? Sebastian lächelt. „Entschuldigt meine schlechten Manieren, meine Königin“. „Sie seien dir entschuldigt. Und nein mich bedrückt nichts. Ich wollte mir nur etwas die Beine vertreten“! „Aber du wirktest aufgebracht, als ich dich fast in den Wald stürmen sah.“ „Es ist nichts“! Er bleibt hartnäckig. „Hat mein Bruder dich verärgert“? Ich presse die Lippen fest zusammen. „Nein, Sebastian! Und DU solltest eine Dame nicht so mit deinen Fragen belästigen“. „Also stimmt es“? „Nein, die Taten deines arroganten, selbstverliebten kleinen Bruders können mich gar nicht so erregen, dass man mir dies anmerken würde“. Sebastian lacht neben mir auf. „Du weißt ja Francis und ich sind nur Halbbrüder. Außer unserem Vater haben wir nicht viel gemeinsam“. Ich bleibe stehen und drehe mich zu ihm um. „Also bist du nicht so ein selbstgerechter Trottel wie er“. „Ich versuch mein Bestes“. Ich blicke zu ihm auf und lächele. Seit Tagen habe ich nicht mehr gelächelt. „Da habe ich anderes gehört“! „Du weißt ja, wie das mit Gerüchten ist, Mary. Manchmal sind es einfach eben nur das: Gerüchte“. Manchmal bestätigen sie sich aber auch, füge ich still in Gedanken hinzu. „Wir sind wieder da, Majestät“. Ich blicke auf und bemerke, dass wir wieder mitten im Schlossgarten stehen. „Danke, Sebastian. Du kannst dich jetzt entfernen“. Er nickt und verbeugt sich kurz, bevor er mir den Rücken zudreht.  

Als ich die Eingangshalle des Schlosses betrete, kommen meine Hofdamen bereits auf mich zugeeilt. „Mary, da bist du ja“! Lola ist die erste, die mich erreicht. Sie nimmt mich sofort an der Hand und geleitet mich zu den anderen. „Wir müssen uns beeilen. Prinz Francis fragte bereits vor einer Stunde nach dir“. „Dann sagt ihm, ich bin unpässlich“. Lola schaut mich empört an, ihre großen, blauen Augen funkeln regelrecht auf. „Francis ist dein zukünftiger Ehemann. Du solltest ihn wirklich nicht belügen“! Ich versuche ein Seufzen zu unterdrücken, denn so etwas tut man ebenfalls als Dame nicht. „Wenn er sich irgendwann einmal überwinden kann mich nur als Verlobte anzusehen, wäre das schon zu viel gesagt“. „Das wird er“! Das war nun Aylee, die mit mir gesprochen hatte. Pflichterfüllung, vergiss das nicht, Mary! Ich atme tief durch. „Ihr seid im Recht. Geleitet mich zu meinem zukünftigen Ehemann“.

Francis erwartete mich tatsächlich schon in einem Vorraum des Thronsaals. „Mary, eine Freude, dass man dich endlich ausfindig machen konnte“. Er lächelte mich offen an, was mich etwas milder stimmt. „Ich hatte im Garten etwas die Zeit vergessen“. Eine Lüge und ich fühle mich schlecht deswegen. Schnell gebe ich meinen Hofdamen ein Zeichen sich zu entfernen, um ihre tadelten Blicke nicht ertragen zu müssen. „Mary, gehen wir ein Stück“. Er biete mir seinen Ellenbogen an und ich harke mich bei ihm ein.

Er geleitet mich durch einen Korridor hinaus in einen  kleinen Innenhof, der von einem Säulengang umrandet ist. Dort angekommen lässt er mich los und lehnt sich an eine der Säulen. „Fühlst du dich wohl bei uns, Mary“? Erschreckt von so einer direkten Frage von ihm, bleibe ich erst einmal still. „Weißt du, ich denke, dass ich bis jetzt auch nicht viel dazu beigetragen habe, dass du dich hier einlebst. Aber ich gelobe Besserung“. Er blickt mich lächelt an und mein Herz erwärmt sich wieder langsam gegenüber ihm. In diesem Moment fliegt einer der gegenüber liegenden Flügeltüren auf und Catherine betritt den Hof dicht gefolgt von ihrem Geschwader. „Hier seid ihr“! Sie wirkt aufgebracht. Sofort möchte ich wieder rennen. „Mary, auf ein Wort. Francis dein Vater wartet im Thronsaal auf dich“. Francis lächelt mir noch einmal kurz zu, während ich ihn am liebsten auffordern würde zu bleiben. Doch er verbeugt sich und dreht sich um. Demütig näher ich mich der Königin.

„Ihre Majestät“? Auch sie bietet mir ihren Ellenbogen dar. Ungern harke ich mich ein. „Mir ist zu Ohren gekommen, dass Ihr Eure Zeit lieber außerhalb des Hofes verbringt als an der Seite meines Sohns. Wie kommt das?“ Hat Sebastian mich verraten? Mir stockt der Atem. Aber warum sollte er? Kann ich hier überhaupt jemand trauen? „Und dann werdet ihr auch noch in der unangemessenen Begleitung meines Stiefsohnes gesichtet. Schickt sich das für die angehende Königin von Frankreich“? Ich weiß nicht, was ich hierauf antworten soll. „Sebastian hat mich nur zum Schloss zurückgeleitet, da ich mich etwas verirrt habe“! „So orientierungslos kommt Ihr mir gar nicht vor, Mary“! Ich fühle mich von Ihr bloßgestellt und erröte vor Scham. „Ihr müsst ja wissen, welchen Eindruck Ihr bei meinem Sohn hinterlassen wollt mit eurem zerstreuten Verhalten“. Ich nicke. „Wisst dies, Mary! Ihr seid nur ein möglicher Weg, den er gehen kann“. Ich halte vor Schreck kurz die Luft an. „Ich verstehe nicht, eure Majestät?“ „Ich denke schon, Mary“! Ihr spitzes Lächeln sagt mehr als tausend Worte. „Und nun müsst Ihr Euch für das heutige Fest zur Ehren des Geburtstag meines jüngsten Sohnes fertig machen“. Ich verbeuge mich und benötige alle Kraft die Fassung zu behalten. „Ja, eure Hoheit“!

Während des gesamten Nachmittags fällt es mir schwer, mich zu beruhigen. Daran können auch meine Freundinnen nichts ändern. Auf Nachfragen antworte ich nicht, um noch etwas Haltung zu bewahren. Zu allem Überfluss fällt im Laufe des Abends ebenfalls noch auf, dass mein geliebter Hund Stirling nicht aufzufinden ist. „Vielleicht ist er noch draußen“? , wirft Lola ein. Das versetzt mich in noch mehr Sorge. Ich möchte am liebsten hinaus und ihn suchen, doch nach dem Gespräch mit der Königin traue ich mich dies nicht. Es ist ein rauschendes Fest, dass mich und meinen kleinen Hofstaat erwartet, als wir den Ballsaal des Schlosses betreten. Ich versuche wirklich, das verunsichernde Gespräch mit der Königin hinter mir zu lassen, doch dies fällt mir sichtlich schwer. Auch Francis Präsenz kann mich nicht ablenken. Ich habe das Gefühl, dass mich die Augen der Königin begleiten, was auch immer ich tue. Ich versuche mit meinen Freundinnen zu tanzen, doch das Gefühl keine Luft zu bekommen lässt nicht nach. Ich sehe noch Francis irritierte Augen, bevor ich ohne Erlaubnis einfach das Fest verlasse.  

In der Eingangshalle sinke ich weinend am Geländer hinab. Die Anspannung, die sich die letzten Wochen aufgestaut hat, entlädt sich so plötzlich, dass ich keine Kraft mehr habe mich zusammen zu reißen. Ich werde es nicht schaffen, wie soll ich das hier nur schaffen. Ich werde alle enttäuschen. Vielleicht bin ja auch ich es, die anders ist als erwartet. Ich versuche mich gerade am Geländer wieder hoch zu ziehen und mich zusammen zu reißen, als die Stille der Eingangshalle von dem Klang leiser Hundepfoten auf hartem Marmor durchbrochen wird. „Stirling“! Mein treuer Gefährte eilt mir zu Hilfe und ich vergrabe mein Gesicht in seinem Fell. Doch er ist nicht alleine. „Wusste ich doch, dass der hier zu dir gehört. Ich sah, wie er in den Wald verschwand, da habe ich ihn zurückgeholt“! Ich erhebe meinen Blick und schaue zum zweiten Mal heute genau in das Gesicht von Henrys Bastard. „Danke, Sebastian. Wirklich, ich danke dir“! „Für eure Hoheit immer wieder gerne“. Sebastian setzt sich neben mich auf den kalten Boden und grault ebenfalls Stirlings Nacken. Seine ungezwungene Art irritiert mich immer noch. Doch gerade bin ich ihm zu dankbar, um wütend zu sein. „Ich weiß, dass das alles hier auf dich sehr befremdlich wirken muss. Aber vertraue mir, es wird besser“. Ich nicke und wische mir die Tränen ab. „Es sollte mir peinlich sein. Die zukünftige Königin Frankreichs sitzt auf den Stufen und weint sich ihre Augen hinaus. Was du jetzt von mir halten musst“! Sebastian lächelt und schüttelt den Kopf. „Ich finde dein Verhalten angemessen. Das Leben hier am Hof kann schwer sein. Aber Krisen zu bewältigen, ist doch ebenfalls die Aufgabe einer guten Königin, wenn ich mich richtig erinnere. Auch Persönliche“! „Eine gute Königin hat keine persönlichen Probleme“! „Hört sich nach einer sehr kalten Königin an und selbst diese haben persönliche Probleme“. Er gibt Stirling einen letzten Klaps und erhebt sich. „Ich empfehle mich, meine Königin“! Ich blicke ihm kurz hinterher, da dreht er sich noch einmal um: „Mary, du weißt, du hast hier auch Freunde und nicht nur Feinde“. „Ja, aber nur die ich selbst mitgebracht habe“. „Diese meine ich nicht“! Daraufhin dreht er sich endgültig um und geht. Ich bleibe einsam zurück. Er hat mich nicht verraten, da bin ich mir jetzt sicher.  



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