Memories of a long, long life

GeschichteDrama, Romanze / P12 Slash
10.08.2015
10.08.2015
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Hi! Ich bin jetzt das erste Mal in diesem Fandom, aber ich hoffe ihr könnt meine Geschichte trotzdem genießen. Ich bitte inständig um Lob, Kritik und Rückmeldung, einfach damit ich mich verbessern kann!

Danke im Voraus und nun viel Spaß mit der folgenden Geschichte <3
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Er war alt geworden. So alt. So alt, dass er seine menschliche Familie überlebt hatte. So alt, dass er sogar seinen Mann hatte sterben sehen. Ja, Wolfram war tot. Seit fast schon einem Jahrzehnt. Und Yuri war des Regierens müde. Nach dem Tod seines Geliebten hatte er sich immer mehr aus dem Regierungsgeschäft zurückgezogen und nun verbrachte er seine Tage in Ruhe und Einsamkeit auf Schloss „Bultiger Eid“. Mit einem Lächeln schloss er die Augen und dachte an die 400 Jahre Leben zurück, die er schon hier im Dämonenreich zugebracht hatte. Es waren glückliche Zeiten dabei gewesen, ebenso wie traurige. Als er die Augen wieder öffnete und in den Sonnenuntergang blickte, der das Land in blutigen Farben malte, dachte er unwillkürlich an damals, damals als er mit Wolfram einen ebenso schönes Abendrot gesehen hatte.

„Wolfram! Warte! Warum hast du es denn so eilig?“

„Du Waschlappen! Musst nur einmal kurz laufen und schon bist du aus der Puste! Bist halt nur ein fauler König und hast nie in der Arme gedient!“

Wolfram war stehen geblieben. Seine goldenen Locken reflektierten die Sonne und selbst der Schatten, den er auf den Weg zum Heiligtum warf, wirkte erhaben. Wieder einmal war Yuri überwältigt von solcher Schönheit, doch er hätte das niemals zugegeben. Schließlich ging das nicht. Langsam holte er zu Wolf auf und Yuri wusste, dass dieser eben doch auf ihn gewartet hatte. So war es schon immer gewesen. Wolf regte sich auf, aber trotzdem tat er alles für Yuri.

Oben angekommen wandte sich Yuri wieder Wolfram zu, der seit vorhin kein Wort mit ihm gewechselt hatte.

„Warum wolltest du nun, dass ich mitkomme?“

„Setz dich!“

War die herrische Antwort die er bekam. Schulterzuckend ergab er sich. Er war noch nie so stark gewesen um gegen Wolfs Launen zu bestehen. Das Gras war weich und der Blick über die Hügel auf die Stadt war traumhaft. Vereinzelt sah man die Schatten der Knochenmänner. Entspannt lehnte Yuri sich zurück, als er spürte, dass sich auch Wolfram neben ihn gelegt hatte. In stiller Zweisamkeit beobachteten sie wie die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwand. Doch Yuri verspürte gar keinen Drang etwas zu sagen, zu sehr genoss er die Ruhe, das Gefühl frei von Verpflichtungen zu sein, frei zu sein und trotzdem nicht allein. Ein leises Räuspern riss ihn aus seinen Gedanken. Wolfram. Doch die Stimme des Grafen von Bielefeld war ungewöhnlich leise und zögerlich, als er jene bedeutungsschweren Worte sprach:

„Du, Yuri, meinst du nicht es wird langsam Zeit? Ich meine wir sind jetzt schon fast ein Jahr verlobt, du hast alle größere Kriege verhindert, du hast angefangen wirklich selbst zu regieren… Glaubst du nicht es wäre Zeit?“

„Zeit wofür?“

Der verständnislose Blick. Er könnte sich noch immer dafür rügen. Noch 400 Jahre später. Wieder sah er das geschockte Gesicht Wolframs vor sich. Und wieder hörte er die traurige, verletzte Stimme des Jünglings.

„Ich hatte mich nur gefragt, ob es nicht langsam Zeit wäre zu heiraten… Immerhin liebe ich dich, aber das scheint ja nicht auf Gegenseitigkeit zu beruhen… tut mir Lied…“

Doch dann hatte er richtig gehandelt. Ein Lächeln schlich sich auf sein Gesicht, als er daran dachte, wie er zögerlich und zitternd die Hand auf Wolframs Unterarm gelegt hatte. Und wie schnell sein Herz geschlagen hatte. Sein Gesicht war rot und die Worte waren kaum zu verstehen so stotterte er, aber die Aussage blieb dieselbe:

„Aber, Wolfram, ich würde dich schon gerne heiraten…“

Genauso lebhaft wie seine Erinnerungen an den Heiratsantrag waren, so lebendig waren sie auch im Bezug auf den Kuss der ihm folgte. Seinem ersten Kuss. Dem ersten Kuss von vielen. Nur zu gut erinnerte er sich an dieses neue, unbekannte Gefühl. Diese Wärme und diese Nähe, die er noch nie zuvor gefühlt hatte. Und an das Glück. Das Glück, das ein liebevoller Kuss während eines Sonnenunterganges mit sich bringt.

Doch das war nicht die einzige gute Erinnerung, die er mit Wolf verband. Nein, auch ihre Hochzeit war etwas gewesen, an das er gerne zurückdachte. An all das Gelächter, als Wolf in einem pompösen Hochzeitskleid hereinkam, an die bedächtige Stille die herrschte, als sie sich das ja-Wort gaben, an die wundervollen sich drehenden Ballkleider, an dieses ungebändigte Glück das in ihm tobte, an den Stolz den er verspürte als Greta, seine Tochter, als Blumenmädchen die Gäste verzauberte. Ja, es war wundervoll gewesen, doch die erste Krise schien nicht lange auf sich warten zu lassen.

Wenn er sich recht erinnerte, war das ein paar Wochen nach der Hochzeit gewesen, als er seiner Familie auf der Erde eröffnete, dass er von nun an hauptsächlich im Dämonenreich leben wollte. Schließlich war er ihr König und mittlerweile war er auch unverzichtbar wenn es um schwerwiegende Entscheidungen ging. Doch der Streit damals würde ihm wohl ewig nachhängen.

„Denkst du wirklich die brauchen dich? Du bist doch nur ihr Spielball! Der Spielball des Einzigartigen und ganz besonders der Spielball dieses vermaledeiten Jünglings!“

Sho-chan!“

Yuri rannen Tränen die Wangen hinunter. Warum dachte Shori nur immer, er wäre noch das kleine Kind von einst? Auch der warnende Einwurf seiner Mutter tröstete Yuri nicht, wusste er doch, dass auch sie verletzt war. Doch eines konnte er nicht auf sich sitzen lassen. Er konnte sie nicht Wolfram in den Schmutz ziehen lassen. Noch zu frisch war ihre Liebe.

„Wolfram hat nichts mit dieser Entscheidung zu tun! Und er ist immer noch tausendmal besser als du!“

„Wieso heiratest du eigentlich schon mit 17? Das ist doch völlig unnormal!“

„Wieso? Weil ich ihn nun mal liebe und weil man im Dämonenreich schon mit 16 dazu befähigt ist, Entscheidungen über sein Leben zu treffen. Man wählt seinen Weg! Und ich habe als Weg den Weg des Königs und der Familie genommen!“

Yu-chan! Sho-chan! Beruhigt euch!“

„Ja, Kinder, hört auf eure Mutter!“

Wütend starrte Yuri seine Eltern an. Waren sie etwa auch gegen ihn? Wieder bildeten sich Tränen in seinen Augen. Er wollte doch nur sein eigenes Leben leben. Sein Vater schüttelte nur stumm den Kopf und seine Mutter wirkte unglaublich traurig. Sofort verspürte Yuri Schuldgefühle, doch auch die würden ihn nicht von seinem Entschluss abbringen.

„Nein, ich werde ins Dämonenreich ziehen. Punkt. Hin und wieder werde ich euch schon besuchen. Und jetzt lasst mich gehen!“

Er erinnerte sich noch gut an das eisige Schweigen das herrschte, als er sein Gepäck ins Bad schleppte. Vielleicht wäre vieles anders gekommen, wenn er sich damals nicht so mit seiner Familie zerstritten hätte, aber er hatte immer noch die letzten Worte seiner Mutter an diesem Tag im Ohr: „Ich bin stolz auf dich, Yuri, und ich liebe dich!“

Ja, seine Mutter. Er bewunderte sie für all ihre Kraft und ihren Mut, den sie in all den Jahren nicht verloren hatte. Sie war sich immer treu geblieben. Genau wie Konrad. Der wurde kurz nach der Hochzeit ein offizieller Berater des Königs und gründete das Amt zur Gleichstellung von Halbdämonen. Sein nicht vorhandener Sinn für Humor war da förderlich. Mit Konrad war er auch zu den ersten richtigen Baseballspielen des Dämonenreichs gegangen. Er musste Lachen als er daran dachte, dass eine Sportart, die er von der Erde mitgebracht hatte, mittlerweile die Nationalsportart fast aller Länder dieser Welt war. Doch mit der Erinnerung an die gemeinsamen Baseballspiele kam auch die Erinnerung an die Eifersucht Wolframs wieder. Der einzige Makel (neben seiner Kunst) den dieser Engel gehabt hatte. Doch auch dafür hatte er ihn geliebt. Er tat es ja noch immer. Seufzend lehnte er sich in dem Sesel zurück, als ein Dienstmädchen den Raum betrat und sich verbeugte.

„Eure Majestät Yuri, ein Gesandter der Regierung wünscht Sie zu sprechen.“

Ergeben seufzte er. Seine Plicht als Dämonenkönig verfolgte ihn. Mit knarzenden Kochen erhob er sich und ging – auf einen edlen Stock gestützt – zum Tisch in der Mitte des Raumes. Bevor das Mädchen den Saal verlassen hatte, drehte sie sich noch einmal um.

„Soll ich Tee bringen, eure Majestät?“

„Ja, bitte doch, Nicola! Und nun führe unseren Gast doch hinein. Wir wollen ihn doch nicht warten lassen…“

Er wusste schon, wer da vor der Tür stand. Einer der Wenigen, die noch immer lebten. Einer der Wenigen, die Yuri noch immer seine Freunde nannte. Als sein Gast eintrat, erhob er sich schwerfällig und deutete eine Verbeugung an. Sein Gast war auch alt geworden, er war sogar fast hundert Jahre älter als Yuri und doch wirkte er jünger.

„Willkommen im Schloss des blutigen Eides, Graf Konrad Weller. Du hast dich kaum verändert…“

Ein trockenes Lachen war die Antwort. Die Jahre hatten an ihnen beiden gezerrt, an dem einen mehr an dem anderen weniger. Man merkte Konrad die vielen Verletzungen aus noch mehr Kriegen erst an, als er sich mit einem stöhnen hinsetzte.

„Eure Majestät scheint sich hingegen gehen zu lassen… Seit meinem letzten Besuch scheint Ihr 20 Jahre gealtert zu sein.“

Doch Yuri zuckte nur mit den Schultern. Leugnen konnte er es ja nicht. Er war alt geworden. So alt. Aber er wollte nicht davon sprechen, als der Tee gebracht wurde, lenkte er deshalb das Gespräch auf etwas anderes.

„Naja, du weißt ja wieso. Seit damals vor zehn Jahren lebt es sich nicht mehr so leicht. Und du sollst mich doch Yuri nennen. Aber etwas anderes: Erst vorhin musste ich an unsere gemeinsamen Erfahrungen mit Baseball denken…“

Ein verträumtes Lächeln hatte sich auf seine Lippen gelegt. Und auch Konrad schien zu schmunzeln.

„Erinnerst du dich noch an damals, als wir in der Nacht aus dem Schloss geflohen sind um das Eröffnungsspiel der Maoh Major League zu sehen?“

„Ich erinnere mich hauptsächlich an den Streit, den ich danach mit Wolf hatte. Ich glaube, da waren wir noch kein Jahr verheiratet…“

Die beiden alten Männer lachten. Es waren so schöne Gedanken, die sich da in ihren Köpfen breit machten.

„Oder das eine Mal, wo wie undercover bei einem Spiel waren und du von einem Ball getroffen wurdest?“

„Ja, wie könnte ich das vergessen! Wir mussten fliehen, weil plötzlich eine Gruppe Gruppies hinter mir her war! Gott, hatte ich Angst…“

„Kam damals nicht Gwendal um uns aus dem Haus zu retten, in dem wir uns verschanzt hatten?“

„Jap, er hat noch Jahre lang Witze darüber gemacht. Besser gesagt solange, bis ich was noch peinlicheres getan habe…“

Er seufzte. Seine Erinnerungen an all diese lebendigen Ereignisse würden ausreichen um ein Menschenleben zu füllen, doch er hatte so viel länger gelebt. Ebenso präsent wie die glücklichen Zeiten waren, so waren es auch die Ereignislosen oder die Traurigen. Auch wenn er das Gefühl hatte, dass sein Leben zur Hälfte nur aus Schmerz bestanden hatte. Der Tee wurde gebracht und er starrte lange auf die heiße Brühe, bevor er die Stimme hob.

„Auch wenn er dann nicht mehr solange Gelegenheit dazu hatte…“

Konrad nickte. Er wusste, was gemeint war. Der Tod Gwendals. Nur dreizehn Jahre nach der Krönung Yuris und zwölf Jahre nach seiner Hochzeit war Krieg ausgebrochen. Er war unerwartet gekommen und hatte tausende Opfer gefordert. Und eines war Gwendal, General der königlichen Streitkräfte und Minister für Militär und Verteidigung, gewesen. Es war gegen Ende des Krieges gewesen und nur Monate nach seinem Tod wurde der Feind, eine bis dato unbekannte Seemacht jenseits Svererra, besiegt und es kehrte wieder Frieden ein. Ein Frieden, der von lila Bannern, als Zeichen der Staatstrauer, geprägt war.

„Wolfram hat damals lange getrauert…“

„Ja, aber haben wir das nicht alle? Bei der Art und Weise, wie er immer mit einem geredet hat, nahm ich eigentlich an, er würde uns alle überleben…“

Der Tod ihres (Schwieger-) Bruders lag schon so lange zurück, dass der Schmerz von einer Reihe guter Erinnerungen überlagert wurde. Während sie ihren Tee tranken, dachte jeder an seine ganz eigenen Erlebnisse mit Gwendal zurück. Wieder war es Konrad der das Wort ergriff.

„Ich musste gerade daran denken, als du Papierkram machen musstest und dabei eingeschlafen bist. Als Gwendal dich fand, wurde er so wütend, dass er beim Rat der Zehn um eine sofortige Annullierung deiner Krönung bat. Zum Glück wurde die abgelehnt…“

„Hatte ich eine Angst damals! Dabei war ich natürlich müde! Denn ganzen Tag war ich in Ratssitzungen und als ich in mein Zimmer komme – total übermüdet – liegt ein Stapel Papiere auf dem Schreibtisch mit dem Zettel ‚Bis morgen acht Uhr zu bearbeiten! Ansonsten bestrafe ich dich nutzlosen König!‘ Wirklich reizend…“

Konrad verschüttete vor Lachen etwas Tee und auch er konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. Egal wie selbstständig und liberal Yuri regiert hatte, einer seiner Berater hatte immer seinen Senf dazu gegeben. Meistens Gunther oder Gwendal. Doch all dies änderte nichts daran, dass der Großteil des Regierens aus langen Sitzungen bestand und meist ewige Verhandlungen mit sich brachte. Monatlich musste man die Haushaltskosten festlegen, wöchentlich Verbindungen mit den Nachbarländern pflegen und täglich auf die neusten Nachrichten reagieren. Eigentlich hatte nur sein ersten Jahr im Dämonenreich aus reisen und gefährlichen Abenteuern bestanden. Schon bald war die Rutine eingekehrt. Nur hin und wieder ein Staatsbesuch und zwei- dreimal im Jahr Urlaub. Und diesen Urlaub hatte Wolf immer voll und ganz in Beschlag genommen. Was er nicht unbedingt schlecht fand. Er erinnerte sich an Safaris in Svererra, an Schlittenfahrten im Winter und an die Tour zur Besichtigung der Drachenvorkommnisse. Und immer war Wolf bei ihm gewesen. Neben ihm. Genau wie Greta.

„Hat Greta nicht ein paar Jahre drauf geheiratet?“

Überrascht blickte er auf. Konrad sah ihn interessiert an und langsam nickte er. Das würde er niemals vergessen. Nicht Gretas Hochzeit. Die Hochzeit, der ersten Kronprinzessin des Dämonenreiches die ein Mensch war. Und die seiner und Wolframs Tochter.

Yu~ri! Wolf~ram! Die Zeremonie fängt gleich an! Beeilt euch!“

Die Glockenhelle Stimme ihrer Tochter hallte durch das Ankleidezimmer. Die Stimme, die sich in all ihren Jahren innerhalb dieses Gemäuers kaum verändert hatte. Die Stimme, deren Besitzerin nun in die große weite Welt hinausziehen würde.

„Gleich, Schatz! Aber ich muss deinem Vater noch zeigen wie man die Ansteckrosen richtig befestigt!“

Yuri klang nervöser als Greta, aber das war nicht verwunderlich. Schließlich heiratete sein kleiner Schatz. Und das auch noch nach Erden Manier. Greta hatte sich bei einem ihrer zahlreichen Erdenbesuche in die dortigen Hochzeitsbräuche verliebt und so war schnell der Entschluss gefasst worden, auch ihre Vermählung so zu zelebrieren. Yuri hatte sogar seine Familie eingeladen und zur Feierlichkeit ins Dämonenreich gebracht, auch wenn er immer noch nicht mit Shori sprach. Naja, all diese Gedanken verschwanden, als er sah wie sein Augenstern in einem wundervollen Hochzeitskleid den Raum betrat. Yuri stockte der Atem vor so viel Eleganz und Anmut. Ausnahmsweise war er nicht von der Tatsache verstimmt, dass seine Tochter mit ihren Sechsundzwanzig älter aussah als er. Wieder musste er daran denken, wie er gemerkt hatte, dass er langsamer alterte. Es kam mit der Zeit. Mit der Zeit, die er bei den Dämonen war, anstatt auf der Erde. Mit zweiunddreißig sah er gerade mal aus wie siebzehn. Nicht das das heute zählte. An diesem wundervollen Tag.

Während Yuris innerem Monolog war Wolf hinter einem pfirsichfarbenen Raumteiler hervorgetreten und versuchte verzweifelt die Rose in seiner Brusttasche zu befestigen. Auch auf seinem Gesicht war ein stolzes Lächeln zu sehen, als er einen Blick auf seine Tochter richtete. Doch die Rose war jetzt wichtiger, schließlich wollte er später gut aussehen und seine Tochter ehren. Festen Schrittes ging Yuri auf seinen Mann zu und seine mittlerweile langen, zum Zopf geflochtenen schwarzen Haare schwangen hin und her. Nicht einmal einen Fuß Abstand lassend stoppte er vor Wolf und steckte die Rose liebevoll in die Brusttasche. Dann gab er seinem einzigen und einmaligen Mann einen Kuss. Sie störten sich nicht an Greta, so wie sie sich nicht an ihnen störte. Trotzdem räusperte sie sich.

„Erstens: Ich hoffe, ich bin mit ihm genauso glücklich, wie ihr beide miteinander und zweitens: Die Zeremonie beginnt in FÜNF Minuten!“

So schnell es ging rannten die Drei durch das Schloss der Familie Voltaire. Sie konnten schon von weitem das aufgeregte Gemurmel der Hochzeitsgäste hören. Schnaufend blieben sie vor der Doppeltür stehen, die die Braut von ihrem Bräutigam trennte. Dann erklang der Hochzeitsmarsch. Die große Doppeltür wurde aufgestoßen. Yuri und Wolf hackten sich links und rechts bei Greta ein und mit langsamen, bedächtigen Schritten gingen sie den Mittelgang entlang der zum Alter führte. Die weit über tausend Gäste standen respektvoll auf und der ganze Saal wirkte mit dem weißen Rosendekor, wie etwas aus einem Märchen. Yuris Wangen brannten vor Aufregung und er ließ seinen Blick über die Gäste schweifen. Er sah seine Familie, seine Mutter winkte ihm ebenso aufgeregt zu, er sah Gräfin Anissina, immer noch im lila Gewand der Trauer und doch mit einem Lächeln, er sah die Familie von Bielefeld mit ihren erhabenen Gesichtern und er sah die unzähligen, unzählbaren Freundinnen Gretas. Und ganz vorne am Alter, neben dem Priester stand er. Der Bräutigam. Dakoskos. Wolfram und Yuri waren zunächst geschockt gewesen, als sie von der Entscheidung ihrer lieben, kleinen Tochter gehört hatten, denn tollpatschigen Palastwächter zu heiraten. Aber verwehren wollten sie es ihr nicht. Schließlich waren sie nicht blind gegenüber der Liebe. Und die beiden waren Hals über Kopf verliebt.

Sie hatten schon fast den Altar erreicht. Wolf und Yuri lösten sich von Greta und gingen zu ihren Plätzen, während Greta sich neben Dakoskos stellte, welcher es sogar in einem maßgeschneiderten Anzug alla Dämonenkönig schaffte trottelig auszusehen. Greta hingegen, nun, wundervoll war gar kein Ausdruck. Ihre dunklen Haare waren malerisch hochgesteckt, befestigt mit einer Reihe teurer Nadeln aus dem Drachenhort. Das Kleid schmiegte sich hell und fliesend an ihre mittlerweile tollen Kurven und Yuri wusste, dass sie sich in der Menschenwelt kaum vor Verehrern retten könnte. Hier sorgte auch hauptsächlich ihr Status als Prinzessin für eine gewisse Immunität. Yuri konnte sehen, wie der ganze Saal den Atem anhielt, als Dakoskos nach einer schier endlosen Rede des Priesters den Schleier anhob und das lächelnde Gesicht seiner Tochter freilegte.

„Und wollen Sie, Dakaskos, die hier anwesende Kronprinzessin Greta von Shibuya-Bielefeld, zukünftige Königin des Dämonenreichs und Zorashia, vor all diesen Zeugen zur Frau nehmen?“

„Ja, ich will. So wahr ich hier stehe!“

„Und wollen Sie, Kronprinzessin Greta von Shibuya-Bielefeld, zukünftige Königin des Dämonenreichs und Zorashia, den hier Anwesenden Dakaskos vor all diesen Zeugen zum Mann nehmen?“

„Ja, ich will. Nur ihn!“

„Dann darf die Braut den Mann nun küssen!“

Yuri grinste. Die Bräuche des Reiches würden sich wohl nie ändern. Es war schon immer so gewesen, dass die „mächtigere“ Person den anderen bei der Hochzeit küsste, um zu symbolisieren, dass man auf seinen Partner warten und ihn immer unterstützen würde– wenn auch mit harter Hand. Und so küsste Greta Dakaskos. Aber sie küsste ihn wie eine Königin. Erhaben, leidenschaftlich und vor allem bestimmt. Der Saal applaudierte. Yuri wusste schon, was morgen in der Zeitung stehen würde:

„VORBEI MIT DEN LEICHTEN ZEITEN: DIE NÄCHSTE KÖNIGIN WIRD HÄRTER SEIN“

Noch am selben Abend stieg die Feier. Ein riesiges Bankett war aufgebaut worden und eine Unmenge an Menschen tummelte sich innerhalb des Schlosses und außerhalb auf den Festwiesen. In einem speziell aufgebauten Zelt saß die Königsfamilie, zur der nun auch Dakaskos gehörte. Yuris Mutter unterhielt sich angeregt mit ihm, während Yuri versuchte Madame Cecil zu entkommen, die ihn betrunken machen wollte. Wolf beobachtete zufrieden Konrad, der anscheinend mit Yozak flirtete. Shori saß nur da und starrte finster vor sich hin, während das Leben um ihn herum die Lautstärke aufgedreht hatte. Doch die allgemeine Lebendigkeit wurde von einem hohen Ton unterbrochen, wie er nur durch das Klopfen eines Löffels an ein Sektglas entstehen konnte.

„Hm! Wenn ich kurz um ihre Aufmerksamkeit bitten dürfte? Gut. Nun, als einer der Brautväter  und als glücklich verheiratete Person wage ich es das Wort zu ergreifen, um den wundervollsten Tag im Leben meiner Tochter noch ein bisschen wundervoller zu machen. Und dafür, muss ich euch etwas über Liebe erzählen. Ja, über dieses unglaubliche, unerklärbare Gefühl, das jeder von uns hat, wenn er den oder die EINE findet. Dieses Gefühl kann plötzlich kommen, dieses Gefühl kann aus Hass entstehen (so war es bei mir und deinem Vater, Greta… wir konnten uns zunächst nicht ausstehen), aber auch aus einer langsam wachsenden Zuneigung hervorgehen. Aber all das ist dasselbe: Liebe. Und es steht sich in nichts nach. Ob man nun einen Mann oder eine Frau liebt, ob man sie im Stall oder auf einer Tanzparty für Adlige kennengelernt hat. Hauptsache man liebt. Denn diese Liebe beseitigt Steine. All die Steine, die das Leben euch mithilfe der Knochenmänner in den Weg legt. Aber das sind Dinge, die wir überstehen müssen. Dinge, wie eine Bienenbären Invasion, oder eine Sandbärentrennung. Auch Kleinigkeiten, wie wer zuerst das Bad benutzen darf, können Steine darstellen. Aber ich weiß, dass du das schaffst. Und ich will, dass du weißt, solltest du jemals Zweifel haben, dann werden Yuri und ich immer für dich da sein…“

Tobender Applaus. Yuri liefen Tränen die Wangen hinunter. Er hatte ja gar nicht gewusst, was für wundervolle Worte in Wolfram hausten. Er sah auf, als seine Hand gedrückt wurde und die Augen in die er blickte, waren die Augen der Person, die er liebte. Zögerlich, dann fordernd trafen ihre Lippen aufeinander. Und ein erneuter Applaus ertönte. Es waren auch vereinzelte „Aww!“ und „Ohhh“- Rufe zu hören und Yuri wusste, auch das würde morgen in der Zeitung stehen. Die Luft knisterte vor Romantik und Liebe, als Dakaskos etwas sagte, dass Wolfram den Kopf in eine Tischplatte rammen lassen könnte.

„Genau so, Schwiederpapas! Dieser Kuss sah soo cool aus! Ich kann noch was von euch lernen!“



„Ja, hat sie! Auch wenn sie danach nicht wirklich ausgezogen ist… Sie hat nur einen Flügel des Schlosses für sich und Dakaskos beansprucht und sich ein paar Sommerresidenzen gebaut. Naja, und dann haben Wolf und ich die Zwillinge adoptiert…“

„Weiß ich… Schließlich war ich zu der Zeit häufig im Schloss… aber Mauro und Salpeter waren echte Kindsköpfe…“

„Oh ja! Wie sie mal den Schminktisch deiner Mutter zerstört haben, weil sie wissen wollten, ob darin ein Knochenmann wohnte, der das bunte Zeug herstellte!“

Wieder lachten die beiden alten Männer. Die Erinnerung an Gretas Hochzeit schien schon wieder zu verblassen. Der Tee war kalt geworden. Und unwichtig. Viel lebendiger schienen gerade die Erinnerungen an die Zwillinge zu sein, die Wolf und er bei einem Krisengipfel der Allianz gefunden hatten. Es waren Straßenkinder gewesen. Fast noch Babys. Und noch dazu Halbdämonen. Auch wenn ihr Verhalten mit jedem Jahr, das sie bei ihrer neuen Familie verbrachten, dämonenhafter wurde. Sie hatten es geliebt Streiche zu spielen. Wie das eine Mal, als sie Wolframs Beautyprodukte mit seiner Farbe mischten und dann überall verteilten. Oder als sie versuchten die langen Haare Yuris zu schneiden. Zum Glück war das nochmal gutgegangen. Ansonsten hätte er noch seine mächtige Magie genutzt und das hätte zerstörerische Folgen gehabt. Immerhin war er der mächtigste Wasserelementmagier innerhalb und außerhalb des Dämonenreichs. Sowie Wolfram der  mächtigste Feuermagier war. Somit standen sie nicht nur in monarchischer Hinsicht ganz oben, sondern auch in magischer.

„Ja, aber meine Mutter war gar nicht so böse… Zumindest nicht so böse wie ich es erwartet hätte. Sie war einfach zu vernarrt in die zwei Kleinen…“

„Aber das war auch gut so! Sie hat sich immer freiwillig gemeldet, wenn es darum ging auf die Beiden aufzupassen! So manche politische Entscheidung wurde schneller getroffen, weil sie bereit war, auf diese Wirbelwinde acht zu geben!“

Konrad nickte und dachte an seine Mutter. Diese wundervolle Frau, die einmal Königin war und dann auf der Suche nach der wahren Liebe die Weltmeere durchkreuzte. Yuri hatte immer vor ihr Respekt gehabt. Auch vor der Art wie sie ging. Sie ging wie eine Lady. Still und heimlich, aber doch stilvoll. Eines Tages, es war an Yuris 60 Geburtstag, stieg sie in ihr Schiff und legte ab. Niemand hatte sie danach nochmals gesehen. Deshalb hielt sich die Trauer auch in Grenzen. Obwohl man wusste, dass sie nun gegangen war, hinterließ sie ein Gefühl der Fülle, ähnlich dem Gefühl, das sie als Mutter immer ausgestrahlt hatte. Doch Yuri traf der Verlust damals schwer. Nur wenige Jahre zuvor war seine Mutter gestorben. Murata teilte ihm damals – er war Fünfundfünfzig in diesem Jahr – mit, dass er eine Vision hatte, laut der seine Mutter im Sterben lag. Sofort waren er und Wolf zur Erde gereist.

Platsch!

Triefend nass standen sie in der Badewanne des Hauses Shibuya. Doch anstatt der üblichen Riten von eiligen Schritten und freudigen Rufens, erwartete sie Stille. Eine schwere, drückende Stille. Sie stiegen aus der Wanne und kleideten sich in bereitgelegte Erdenkleidung. Es lag schon seit Jahren ein Stapel Klamotten immer frisch im Badezimmer. Für den Fall das Yuri vorbeikam. Aber dafür hatten sie heute keine Zeit. Keine Zeit für solche Sentimentalitäten, die solche Gedanken normalerweise verursachten. Die beiden jungen Männer – zumindest sahen sie äußerlich gerade einmal aus wie Neunzehn, höchstens – verließen das Bad. Das Haus roch verstaubt und von dem warmen Geruch Currys fehlte jede Spur. Doch es war nicht komplett still. Aus dem ersten Stock hörten sie gedämpfte Stimmen. Schnellen Schritten gingen sie die Treppen hinauf und als Yuri die Tür zum Zimmer seiner Eltern aufstieß, bot sich ihm ein trauriger Anblick. Seine einstmals so schöne Mutter, die legendäre Jennifer, war alt geworden. Nun, das hatte er auch schon vorher gewusst, er hatte es auch gesehen, aber dieses zusammengefallene, fragile Wesen, das praktisch unter einer Bettdecke verschwand, hatte so gar nichts mehr mit der Frau zu tun, die er als seine Mutter kannte. Eingesunken und faltig saß sein Vater neben dem Bett und hielt die knochige Hand Jennifers. Nur langsam hob er den Blick als Yuri und Wolf das Zimmer betraten. Erschrocken sog Yuri die Luft ein, den Blick starr auf die Augen seines Vaters gerichtet. Sie waren leer. Grausam leer. Als wäre mit dem Tod der Mutter auch sein Vater gestorben.

Hmh! Und Sie sind?“

Erst jetzt fiel ihnen auf, dass noch zwei Personen im Raum waren. Der eine war Shori, der sich verhärmt in eine Ecke des Zimmers zurückgezogen hatte und die andere war ein Arzt. Und dieser blickte die beiden Neuankömmlinge fragend an. Überrascht machte Yuri einen Schritt rückwärts, geschockt so plötzlich aus seinen traurigen Gedanken gerissen zu werden. Wolf legte seine Hand auf die Schulter seines Mannes und drückte beruhigend.

„Das ist Yuri, der Enkel von Jennifer. Ich bin sein Freund…“

Der Arzt zuckte nicht einmal mit der Wimper. Nur von Shori war ein kurzes Aufstöhnen zu hören, als er ihre Lüge vernahm. Man sah auch Yuris Bruder das Alter an. Er sah aus wie eine Japanische Version von Bob. Was er ja auch war. Doch Yuri war noch immer nicht in der Lage etwas zu seinem Bruder zu sagen, zu sehr verletzte ihn der Anblick seiner Mutter. Deshalb war es auch Wolf, der weiter sprach.

„Wie steht es denn um sie?“

„Schlecht. Um genauer zu sein, liegt sie in ihren letzten Zügen… soll ich sie mit der Patientin allein lassen?“

Einstimmig nickte die Familie. Sie brauchten diese Nähe. Sobald der Arzt das Zimmer verlassen hatte, trat Yuri an das Bett seiner Mutter heran. Sanft berührten seine Fingerspitzen ihre Wange und ihre Haut fühlte sich an, wie zartes Pergament.

„Hi, Mom. Ich bins Yuri. Tschuldigung das ich erst so spät komme… aber schau ich hab Wolf dabei und… und… Mom… ich hab dich wirklich lieb…“

Tränen rannen über die Wangen des unbeugsamen, mächtigen Herrschers des großen Dämonenkönigreichs. Wolfram trat neben ihn und lehnte sich gegen die Schulter seines Freundes. Auch er brauchte Stütze, war Jennifer auch für ihn wie eine Mutter gewesen. Yuris Vater strich immer wieder über die Hand seiner Frau, er sagte kein Wort zu seinem Sohn. Auch Shori schwieg. Schwieg, während ihm Tränen die Wangen benetzten. Da schlug Jennifer die Augen auf. Ihre blassen, verblichenen Iren fokussierten Yuri und ein Lächeln legte sich auf ihre blutleeren Lippen.

„Oh, Yu-chan, Wolf-chan, schön das ihr hier seit! Shoma, sag doch hallo!“

Man konnte die Sonne in ihren Worten hören. Die bedrückte Stimmung im Raum schien sich etwas zu lockern und er wirkte fast so, als würden sich vereinzelte Sonnenstrahlen den Weg in das Zimmer bahnen. Yuris Vater sah zum ersten Mal in das Gesicht- nicht durch ihn hindurch - seines Jüngsten und Yuri konnte Tränen in seinen Augenwinkeln erahnen. Tränen, die von einer langen, bedingungslosen Liebe zeugten. Sofort regte sich in Yuri die Angst eines Tages so um Wolfram weinen zu müssen. Auch Wolf schien diesen Gedanken zu haben, und drückte Yuris Hand. Ganz fest. Yuri genoss die Wärme dieser Verbindung, die Wärme, die zeigte, dass es für ihn immer einen Ausweg gab. Einen Ausweg, aus diesem kleinen, stickigen Raum. Dem Raum, in dem gerade seine Mutter starb.

„Hi, Yu-chan, Wolfram…“

Die Stimme seines Vaters war so unglaublich alt. Und gebrochen. Es war nichts mehr von Shoma, dem „Dämonenkönig der Bankiers“ zu sehen. Mit der Krankheit seiner Frau, war auch er immer mehr erloschen.

„Und wie geht es dir, Yu-chan? In letzter Zeit lässt du dich so selten blicken…“

Das war seine Mutter. Lag im Sterben und fragte nach dem Wetter. Zumindest kam ihm das so vor. Und das zerriss sein Herz. Immer mehr Tränen flossen, immer noch redlich bemüht seiner Mutter eine Antwort zu geben.

„Ich habe Verhandlungen geführt… mit den Nachbarländern der Allianz und dann gab es kurz Terrorwarnung… weil es fast wieder Krieg gegeben hätte… und Greta ist Oma geworden… das macht uns zu Urgroßeltern… und dich zu einer Ururoma… Wolf und ich haben Zwillinge… sie sind jetzt schon Zehn und als die Teufel des blutigen Eides bekannt… aber Mom, es tut mir echt so Leid… alles… auch wegen damals…“

„Sch…!“

Die Hand seiner Mutter löste sich schwerfällig von der Bettdecke und unter größten Anstrengungen strich sie ihrem Sohn über die Wange.

Mom! Du solltest dich nicht anstrengen!“

„Ich bin Mutter, Yu-chan. Und ich werde nie aufhören Mutter zu sein und mich um meine Kinder sorgen… auch um dich Sho-chan! Komm her!“

Erschöpft sank sie wieder im Bett zusammen. Ihr Atem stockte kurz, doch als Shori an das Krankenbett trat, lächelte sie wieder. Als wäre nichts gewesen. Mit eiserner Miene stand er da, nur die nassen Spuren auf seinen Wangen zeugten davon, dass er ebenso traurig war wie die Anderen.

„Ja, Mutter?“

„Du weißt, dass ich dich liebe, oder?“

„ja… MuttMom.“

Zufrieden nickte sie. Dann schloss sie die Augen und instinktiv wusste ein jeder von ihnen, dass das das letzte Mal war. Stumme Tränen flossen, vermischt mit lautem Schluchzen. Wolf drückte Yuri an sich, der kaum mehr stehen konnte, so bebten seine Schultern. Shoma wurde von Shori gehalten und ihre Mutter, ihre Jennifer, entschwand mit einem Lächeln auf den Lippen und dem Wunsch, ihre Kinder mögen sich doch vertragen.

Yuri wusste noch, wie lange ihn der Tod seiner Mutter beschäftigt hatte. Es war etwas sehr einschneidendes gewesen und es war das erste Mal, dass tiefe Narben auf Yuris Seele zurückblieben. Sein Vater starb nur wenige Monate darauf, doch dieser Verlust wurde mit einem Gefühl der Befreiung begleitet, weil er wusste, dass das Leben für seinen Vater keine Leben mehr war. Nicht ohne Jennifer. Doch als Wolfs Mutter fünf Jahre später starb, kamen all diese Gefühle wieder hoch. Die Gefühle, die der Verlust in ihm hinterlassen hatte.

Erschöpft lehnte er sich zurück. Sein Blick ruhte auf Konrad, der auch schon eine Weile schwieg, versunken in seinen eigenen Strudel aus Erinnerungen. Mittlerweile hatte Nicola wieder abgeräumt, ohne das die beiden alten Männer etwas gemerkt hatten und eine Schale Gebäck zeugte von ihrer Sorge um die Gemüter der Beiden. Doch schließlich regte sich Konrad wieder. Mit einem Lächeln auf dem verhärmten Gesicht streckte er sich.

„Genug in Erinnerungen geschwelgt für heute! Eigentlich sollte ich dir nur ein paar Dokumente zum Unterschreiben vorbeibringen, aber es macht immer wieder Spaß mit dir über alte Zeiten zu reden… Immerhin gibt es kaum noch Dämonen aus unserer Generation…“

Ja, Yuri nickte. Er wusste, was Konrad meinte. Wenn er mit jüngeren Dämonen über früher sprach, erntete er häufig einfach nur verständnislose Blicke, aber bei Konrad wusste er, dass der andere verstand. Aber es war spät. Er erhob sich ächzend aus seinem Stuhl und bedeutete Konrad es ihm gleich zu tun. Dann verbeugte er sich leicht.

„Auch mich hat es gefreut, meinen Paten wieder zu sehen, aber nun sollten wir und verabschieden.“

„Ja, es war ein Genuss, Yuri. Bis zum nächsten Mal…“

Dann war Konrad auch schon zur Tür raus verschwunden. Yuri seufzte. Für heute hatte er wirklich genug in der Vergangenheit gelebt.

„Nicola, richte mein Schlafzimmer her!“
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Das wars! Das ist lang geworden, aber Yuri hat auch lange gelebt!

Last mir eure Meinung da und ich werde so schnell wie möglich eine Fortsetzung schreiben. Immerhin gibt es viel zu erzählen!
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