Trauer

von Feera
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P16
09.08.2015
09.08.2015
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Ein Hallo an meine Leser. Hier ist mein Beitrag zum Legend of the Seeker Wettbewerb.
http://forum.fanfiktion.de/t/33307/1  
Die Geschichte handelt von der jungen Grace.
Ich hoffe sehr, dass es euch gefällt



Erinnerungen
So grausam.
So schmerzhaft.
Längst vergangene Zeiten.
Für immer verblasst im Schatten der Hoffnungslosigkeit.
Sie waren verschollen in der Vergangenheit, sowie die Menschen, die mich für immer verlassen haben.
Sie werden nie mehr wiederkehren.

Ich war innerlich gebrochen. Mir waren zwei der Menschen genommen worden, die ich am meisten liebte:
Zuerst Cara und nur kurz darauf mein Vater. Ich vermisste sie so unendlich. Die Ungewissheit wie ihr Schicksal aussah und welchen Qualen die Mord-Sith sie aussetzten, machten es noch viel schlimmer.
Nur eines wusste ich: sie würden nie mehr zurückkehren.

Nicht nur ich war zu dieser Erkenntnis gekommen, sondern auch meine Mutter.
Tag für Tag sah ich, wie sie an ihrem Schmerz zerbrach. Ich wollte ihr helfen, doch wusste nicht wie. Ich konnte mir selber auch nicht helfen.
Wie sollte ich weiter leben?
Nichts war mehr, wie es einst war.
Ich konnte nicht mehr mit meinem Vater und Cara angeln gehen. Nie würde ich Caras verweintes Gesicht vergessen, als wir einmal einen Fisch töten wollten.
Der Fisch war wie sie - jung und zerbrechlich.

Auch meine Mutter nähte mir keine Kleider mehr. Sie saß nur noch in ihrem Stuhl mit einem toten Blick und einem kalten Herzen. Ich konnte in ihrem erstarrten Gesicht keine Liebe mehr sehen.

Heute war wieder so ein Tag. Es waren nun zwei Monate vergangen, seit sie geholt worden waren und jeden Tag wurde es schlimmer. Jeden Tag zog sich meine Mutter weiter in sich zurück und jeden Tag verzweifelte ich mehr.
Ich war gerade mal 12, ich konnte nicht mehr. Mein Lebensgeist war verschwunden.

Immer wieder musste ich an den Tag denken, als Cara entführt wurde.
Als SIE kamen.
Sie waren zu fünft.
Ich konnte die Schreie ihrer Strafer hören, die Stimmen der Toten aus der Unterwelt.
Sie schlugen Vater nieder.
Er wollte uns doch nur beschützen. Er war so ein guter Mensch.
Ein Leben ohne ihn-unvorstellbar.

Ich saß auf dem Boden unseres Hauses, in dem so viele Erinnerungen lagen.
Von allen Wänden starrten mich die Geister der Vergangenheit an und riefen mich.
Ich hatte das Gefühl, dass Mutter auch diese Stimmen hörte, denn sie starrte auf einen Punkt auf der Wand.

Ich schloss kurz die Augen und tauchte in meine Erinnerungen ein- den Teil meines Lebens, der noch einen Sinn hatte, in dem ich glücklich war.
Ich dachte an einen Tag zurück, wo Mutter noch gelächelt hatte und für mich da war.
Damals lag ich in meinem Bett und Mutter saß neben mir.
Sie erzählte mir eine von den Geschichten, die ich so sehr liebte.
Diese handelte von den Schwestern des Lichts, die wie mir Mutter erzählte, im Palast der Propheten lebten.

Ich wurde von einem plötzlichen Geräusch aus meinem Tagtraum gerissen.
Als ich aufblickte, sah ich, dass Mutters Stuhl leer war.
Sie war aufgestanden.
Das erste Mal seit Tagen, seit Wochen.
Wieder hörte ich ein Geräusch und sprang auf.
Vielleicht hatte sie sich endlich aus ihrer Trance befreit.
Ein Funke Hoffnung regte sich in mir.
Vielleicht würde ich es zusammen mit  Mutter alles überstehen und eines Tages vielleicht wieder glücklich sein.

Wieder ein Geräusch, dieses Mal ein Art Keuchen.
Es kam direkt aus dem Nebenzimmer.
Ich lief schnell, doch als ich das Zimmer betrat, erstarrte ich.
Mutter lag mit halb offenen Augen auf dem Boden und fasste sich an die Brust, da wo ihr Herz war.
Panik machte sich in meinem Herzen breit und schrie mich an, etwas zu tun.
Ich kniete mich neben sie und wollte fragen, was los sei, da blickte ich direkt in ihre Augen und sah das erste Mal seit Monaten wieder Liebe darin aufflammen.

„Ich habe in dieser Welt nichts mehr, nur ein gebrochenes Herz. Mein Mann wartet in der Unterwelt, dessen bin ich mir sicher.“, sagte sie und schloss ihre Augen- für immer.
Ich blickte sie verzweifelt an und Tränen sammelten sich in meinen Augen.
Ich schrie „ Aber du hast doch mich! Ich brauche dich!“
Doch sie reagierte nicht mehr.
Sie war gestorben - an gebrochenem Herzen.

Verzweiflung machte sich in mir breit.
Was sollte ich jetzt tun?
Wie sollte ich ohne meine Eltern leben?
Wie sollte ich jemals über diesen Verlust hinwegkommen?
Sie hatte mich alleine gelassen.
Alleine mit meinem Schmerz.

Die nächsten Tage verbrachte ich wie in Trance.
Nur durch einen Schleicher sah ich, wie Mutters Leiche weggebracht wurde.
Unablässig weinte ich.
Nichts konnte meinen Schmerz linder.
Ich hatte meine Seele an den Schmerz und die Trauer verkauft.

Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren.
Ich lag auf meinem Bett und hatte meine Augen geschlossen, als ein Luftzug aufkam.
Zuerst störte er mich nicht, aber nach einiger Zeit wurde er so stark, dass ich die Augen aufschlug.

Ich erblickte vor meinem Bett einen Geist, der aussah wie..wie…Vater.
Aber das war unmöglich.
Es musste eine Einbildung sein.
Eine Illusion.
Ein Hirngespinst meines trauernden Geistes.

Ich beobachtete ihn kurz. Dann schwebte er in den nächsten Raum.
Ich folgte ihm, ich musste wissen, was er war, auch wenn es nur eine Einbildung war.

Er schwebte durch die Haustür und so rannte ich ebenfalls nach draußen.
Nach einer Weile blieb er stehen und drehte sich um.
Dann verblasste er wieder.
Nun konnte ich sehen, vor was er stehen geblieben war.
Es war das Grab von Mutter. Ich war noch nie dort gewesen und der Schock drohte mich zu überwältigen.

Und doch...das Grab von Mutter zu sehen löste etwas in mir aus.
Zuerst war es nur ein Gedanke, der sich in meinem inneren regte, doch er wurde zu einer Vermutung.
Was war, wenn der Geist mir zeigen wollte, dass mir nicht dasselbe geschehen durfte wie Mutter, damit ich nicht auch bald hier läge?

Ich hatte das Gefühl, dass Vater diese Vermutung bestärken wollte, indem er wieder einen Luftzug schickte.
Und so beschloss ich, dass mich die Vergangenheit nicht komplett zerstören sollte.
Ich schloss kurz die Augen und eine letzte Träne löste sich, die letzte für eine lange Zeit.
Sie stand für die Vergangenheit, mit der ich jetzt abgeschlossen hatte.
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