Neue Hoffnung - Teil 2

GeschichteAllgemein / P12
09.08.2015
16.08.2015
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„Was meinst du damit?“, Hope blickte Jay unsicher an. „Du kannst dich doch an einige Orte erinnern. Wenn wir diese rekonstruieren, können wir vielleicht mehr herausfinden.“ „Mit wessen Hilfe?“, fragte sie und wusste nicht, ob sie sich auf die Antwort freuen sollte. „Zuerst anhand von Karten und deinen Erinnerungen. Einige Orte klingen ziemlich markant, wenn wir sie miteinander verbinden, haben wir vielleicht eine grobe Orientierung, wo ihr herkamt…“ Hope konnte den Blick nicht von Jay lassen, von seinen dunklen Augen, seinem wachen Blick. In den letzten Tagen hatte er die meiste Zeit mit ihr verbracht und sich über die Mission mit den anderen beraten. Die Mission lag ihm wirklich am Herzen. Ob es nur sie war? Hope wollte sich keine Hoffnungen machen. Sie kannte ihn außerdem immer noch kaum. „Du bist abwesend, Hope. Woran denkst du?“ Er wusste, dass sie manchmal in Erinnerungen verfiel und versuchte so gut es ging für sie da zu sein. Er lächelte sie schüchtern an. „Ich frage mich nur, ob das letztendlich nicht bedeutet, die Insel verlassen zu müssen…“

Hope grauste davor ihren sicheren Hafen zu verlassen. Sie wäre am liebsten hier geblieben. Genau hier, an diesem schönen Platz. Sie ließ sich zurück ins Gras sinken. Jay hatte sie überredet mit ihm auszureiten, sobald die Pferde nicht für etwas gebraucht wurden. Heute Morgen war er mit einem Picknickkorb vor ihrem Häuschen gestanden und hatte sie förmlich gezwungen. Er war ein guter Reiter, was sie ihm gar nicht zugetraut hatte. Sie hatte ihm also die alte Ölmühle gezeigt, die Bray entdeckt hatte. Wenn niemand der Drifter dort arbeitete, war sie völlig unbewohnt. Zur Ölmühle gehörte eine kleine Scheune, wo sie ihre Pferde angebunden hatten.

Jay ließ sich ebenfalls zurück sinken und drehte sich auf die Seite, so dass er ihr Gesicht sehen konnte. „Es ist so friedlich hier! Können wir nicht einfach hier bleiben?“, sagte sie plötzlich ohne sich der Wirkung völlig bewusst zu sein. „Wir?“, Jay schmunzelte und wurde rot. „Also, ich meine…“ Was sollte sie jetzt sagen? Es war ihr so peinlich! Er musste das natürlich missverstehen. Oder meinte sie es genau so? „Du wirst lachen, aber das habe ich mich gerade auch gefragt!“ Sie hob ihren Kopf und konnte sich nicht von seinen Augen lösen. Seine Lippen. Sie wollte ihn berühren. Hope riss sich zusammen und setzte sich ruckartig auf. Er wirkte nicht nur völlig überrascht, sondern auch enttäuscht. Er richtete sich ebenfalls auf. Als er ihr Gesicht sah, in dem die Emotionen verrückt spielten, zerriss es ihm fast das Herz. Er hatte so etwas noch nie erlebt, diese Frau berührte sein Herz, seinen Verstand und seine Seele. Er hatte in den letzten Tagen nicht nur ernsthafte und strategische Gespräche mit ihr führen können, sondern hatte trotz der ganzen Situation, die schönste Zeit seit langem erlebt. Alles, was in Delete zurück geblieben war, wirkte nun so klein und einfach.

„Hope, wahrscheinlich müssen wir das. Du weißt doch, worum es geht. Ich weiß, dass dir das wichtig ist. Ich werde keinen Schritt von dir weichen, egal ob in Delete oder wo auch immer. Wir schaffen das zusammen.“ Jay berührte sie in ihrem Gerechtigkeitsgefühl und nahm ihr jeglichen Angst. „Es geht mir nicht um mich, Jay“, sie blickte ihn eindringlich an: „Die Herrin und ihre Partner sind gefährlich. Wir wissen nicht, wer zu ihren Unterstützern gehört. Bray hat Recht. Wir waren auf von Technos gesichertem Gebiet und das nicht zu kurz. Sie muss auch Verbündete bei euch haben. Stell dir vor, neulich, nachdem wir das mit Amber und Bray besprochen hatten, lag ich im Bett und habe mich in die Angst hinein gesteigert, du könntest vielleicht dieser Mittelsmann sein und nur hier um mich zu finden. Obwohl ich doch weiß, warum du hier her kamst. Und ja, wenn ich schon so ehrlich bin: Ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich euch alle in Gefahr bringe, vor allem dich. Außerdem wolltest du den Kopf frei bekommen und ich versorge dich auch nur mit Sorgen…“ Die Situation war zum Verzweifeln und Hope weinte einige zarte Tränen. Jay strich ihr, wie damals im Wald, die Tränen aus dem Gesicht und erneuerte sein Versprechen. „Außerdem… Amber sagt, es täte mir gut, diese ‚Aufgabe‘ zu haben, auch wenn du natürlich viel mehr bist als eine Aufgabe… Bitte versteh das nicht falsch!“ Sie schüttelte den Kopf.
„Wann möchtest du mit mir nach Delete aufbrechen?“ Sie atmete tief durch und der Gedanke versetzte sie etwas in Angst. „Sobald du vollkommen fit bist, wir einen genaueren Plan haben und ich eine Begründung, warum du mich begleitest. Wenn wirklich Mittelsmänner dieses Miststücks in Delete sind, dürfen wir nur ausgewählten Personen verraten, wer du wirklich bist!“