Dennee´s Tears

KurzgeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16
09.08.2015
09.08.2015
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Hey 
Das ist mein Beitrag zum LotS – dSdW Wettbewerb http://forum.fanfiktion.de/t/33307/1



Da lag ich nun. Kaltes Wasser umspülte meinen Kopf, doch ich konnte es kaum noch spüren, so taub war meine Haut schon von der Kälte. Mit leeren Augen starrte ich in den Himmel. In der Ferne konnte ich das Quadron hören. Das Donnern der Pferdehufe, das Geschrei der Männer, die Kahlan verfolgten. Kahlen. Eine einsame Träne lief aus meinem Augenwinkel und hinterließ eine salzige Spur auf meiner kalten Wange. Ich hoffte sie würde es schaffen. Wenn nicht, dann wäre alles verloren. Beeile dich Kahlan, sie sind dir dicht auf der Spur… Das war mein letzer Gedanke, bevor ich spürte wie mein Geist sich in die Schwärze flüchtete, in der es keinen Schmerz und Kummer gab, dann entschwebte ich ins Nichts…

Langsam kam ich wieder zu mir. Es schwankte und schaukelte alles um mich herum. Der Schmerz der meinen Rücken hochschoss, fuhr mit aller Kraft in mich hinein und entlockte mir ein Stöhnen. Schwarze und weiße Punkte tanzten vor meinen geschlossenen Augenliedern hin und her. Der Schmerz wurde noch verstärkt, als ich durchgerüttelt wurde. Mühsam öffnete ich die Augen. Das erste was ich sah war der braune, fellbedeckte Bauch eines Pferdes und die ganze Welt schien Kopf zu stehen. Als ich den Kopf ein wenig drehte konnte ich links von mir einen Männerfuß sehen, der in Reitstiefeln steckte. Daraufhin bemerkte ich auch dass meine Hände über meinem Kopf zusammengebunden, unter dem Bauch des Pferdes hindurch und auf der anderen Seite mit meinen Füßen zusammengebunden waren. Das erklärte so einiges. Offenbar hatte mich jemand gefunden. Und offenbar war es niemand der mir wohl gesonnen war, denn sonst hätte er mich wohl kaum kopfüber über ein Pferd gehängt und dann auch noch festgebunden. Es mussten D´Haraner sein. Kalte Furcht überfiel mich. Mein Baby! Was würden die D´Haraner mit meinem ungeborenen Kind machen? Ich betete zu den Göttern, dass sie es verschonen würden. Dann wurde ich erneut ohnmächtig.

Als ich wieder zu mir kam lag ich auf dem Bauch. Jemand hatte mir das Kleid am Rücken aufgeschnitten, und nun hing es lose an meinen Seiten herab. Als ich die Augen öffnete bemerkte ich, dass ich auf einem Bett lag. Plötzlich hörte ich Schritte und Jemand kam eilig auf mich zu. Ich wollt mich umdrehen, doch der Schmerz hinderte mich daran. „Bewegt euch nicht“, sagte eine Frauenstimme. „Der Pfeil steckt noch in Euch und muss noch entfernt werden. Eine faltige, mit Altersflecken überzogene Hand schob sich in mein Blickfeld. Zwischen den Fingern hielt sie ein lederumwickeltes Stück Holz, das sie mir vor den Mund hielt. „Hier, damit Ihr Euch nicht aus Versehen die Zunge abbeißt.“ Ich öffnete den Mund und ließ mir das stück Holz zwischen die Zähne schieben. Probeweise biss ich darauf. Das Leder schmeckte bitter und der Geschmack von Eicheln machte sich in meinem Mund breit. Die Frau trug eine kühle Paste auf die Stelle rund um den Pfeil auf. Die Paste kribbelte seltsam auf meiner Haut und nach etwa einer Minute wurde die bestrichene Stelle taub, sodass ich beinahe nichts mehr spürte, doch die Frau warnte mich. „Ihr werdet trotz der Paste noch große Schmerzen haben.“ Dann legte sie ihre Hände um den Pfeil und drehte ihn leicht, sodass er ein kleines Stückchen herauskam. Ich stöhnte vor Schmerzen und biss fest auf das Holzstück. Als sie erneut zog, tanzten schwarze Punkte vor meinen Augen hin und her. Dann hörte sie plötzlich auf. „Es tut mir leid, doch ich befürchte ich muss ihn herausschneiden“, hörte ich sie sagen. Herausschneiden? Ich bekam Panik. Dann sprach die Frau weiter. „Der Pfeil hat leider einen Widerhaken an der Spitze, sodass ich ihn nicht herausziehen kann.“ Dann begann sie auch schon zu schneiden. Ich schrie in das Holzstück hinein und presste mein Gesicht in eines der Kissen die in dem Bett lagen, während ich versuchte, mich nicht aufzubäumen. Dann flüchtete ich wieder einmal in die Schwärze, in der mich der Schmerz nicht erreichen konnte.

Ich erwachte, als die Frau mir gerade einen Verband anlegte. Die Wunde auf meinem Rücken schmerzte furchtbar und ich mein Kopf fühlte sich an als würde er gleich platzen. Die Frau zog mich aus und steckte mich vorsichtig in ein weites, weiches Nachtkleid, wobei sie mich auf die Seite drehte.  Auf meiner Stirn standen Schweißperlen. Die Frau wischte mir mit einem nassen Lappen über die Stirn. „Ihr habt Fieber, starkes Fieber“, teilte sie mir mit. Da fiel ich auch schon in einen fiebrigen Schlaf.
Die nächsten Tage verbrachte ich in einem unruhigen Halbschaf. Immer wieder wachte ich auf, und immer war die Frau bei mir. Meist saß sie in einem Sessel und stickte oder nähte, aber manchmal ging sie auch herum, wischte mir die Stirn mit einem Lappen ab, oder flößte mir eine heiße Brühe oder Wasser ein.
Als ich am vierten Tag erwachte, ging es mir das erste Mal wieder besser. Ich verspürte sogar so etwas wie Hunger. Die Frau saß in ihrem Sessel am Fenster und stickte an einem Bild. Als sie bemerkte dass ich wach war, eilte sie so schnell es ihr alter Körper erlaubte zu mir. „Ihr seid wach“, stellte sie mit ihrer brüchigen Stimme fest. „Wie geht es euch?“ „Besser“, stellte ich erstaunt fest. Sie hob meinen Oberkörper hoch und stopfte ein paar der Kissen hinter meinen Rücken, sodass ich aufrecht sitzen konnte. Als die Kissen gegen meine Wunde drückten, machte ich mich auf den Schmerz gefasst, doch ich spürte keinen. Nur noch ein dumpfes Pochen verriet dass ich verletzt gewesen war. Ich war verwirrt. „Wie, was…“ „Meister Rahl hat dem Zauberer Giller befohlen Euch zu heilen, nachdem der Pfeil entfernt war“ Sie flößte mir etwas Suppe ein. Ich dachte nach. Warum war Darken Rahl so darauf erpicht mich am Leben zu erhalten? Ich sprach die Frage laut aus. Die Frau sah mich mit ihren alten und weisen Augen traurig an. „Er will Euer Kind, Liebes.“ „Mein, mein Kind? Was will er denn von meinem Baby?“, rief ich verzweifelt und meine Schulter begannen zu zucken, als ich lautlos zu schluchzen anfing. Ich barg mein Gesicht in meinen Händen. Die alte Frau stellte die Suppenschale ab und nahm mich vorsichtig in den Arm, als ob ich ein zerbrechliches Vöglein wäre. Dankbar lehnte ich mich an die Schulter die sich mir bot. „Warum?“ fragte ich nochmal, als die Frau schwieg. „Ach Liebes… Meister Rahl will einen männlichen Konfessor, und Ihr sollt ihn ihm gebären.“ Ich erstarrte. „Einen männlichen Konfessor? Er ist verrückt! Und, die Wahrscheinlichkeit dass ich ein Mädchen in mir trage besteht zu 95%!“ Ich löste mich aus der Umarmung und richtete mich auf. Die Frau schüttelte den Kopf. „Jetzt nicht mehr.“ „Was heißt das?“, fragte ich aufgebracht und ängstlich zugleich. Doch die Frau schüttelte nur den Kopf. Dann erhob sie sich. „Ihr solltet Euch nicht so aufregen. Das tut dem Kind nicht gut. Ihr hättet es beinahe verloren. Nur meine Kenntnisse in der Medizin und Zauberer Gillers Magie hat das Kind gerettet. Auch Ihr wärt beinahe gestorben. Ihr hattet großes Glück.“ Mit diesen Worten ging sie zur Tür. „Ihr solltet Euch wirklich ausruhen.“ Als sie die Tür gerade hinter sich schließen wollte, rief ich noch: „Wartet! Wie heißt Ihr?“  Mit einem Lächeln wandte sie sich wieder mir zu. „Anea.“ Dann schloss sie die Tür. Erschöpft sank ich auf die Kissen zurück. Anea hatte recht. Ich sollte mich ausruhen. Es würde mir und den Kind guttun. Also schloss ich die Augen und schlief ein.

Am nächsten Morgen wachte ich mit Übelkeit auf. Ich hatte die ganze Nacht schreckliche Alpträume davon gehabt, was Darken Rahl mit meinem Baby und mir anstellen würde. Langsam setzte ich mich auf und sah mich zum ersten Mal richtig um. Es war ein rundes Zimmer, das mit nur wenigen Möbeln ausgestattet war. Einem Bett, Aneas Sessel, ein weiterer Stuhl und ein Tisch und eine Kommode mit einem Spiegel darüber. Alles war jedoch von feinster Machart. Anea selbst war noch nicht da, und so genoss ich die Einsamkeit. Ich stand auf, ging zu dem einen Fenster das der Raum hatte, und blickte hinaus. Es war eine Atemberaubende Aussicht. Vor mir ragten in weiter Ferne die Berge auf und ich meinte zu erkennen dass über ihnen ein Schwarm Gars flog. Bei dem Anblick dieser Kreaturen grauste es mir. Ich sah mich weiter um. Links von mir konnte ich den Palast des Volkes sehen. In der Ebene davor ritt gerade ein Quadron in hohem Galopp auf die Tore zu. In Gedanke versunken wandte ich mich ab, und ging wieder zu meinem Bett. Mein Gefängnis, oder was auch immer es war, schien in einem Turm zu sein und er war offensichtlich in der Nähe des Palst des Volkes. Die Tür ging auf und riss mich aus meinen Gedanken. Anea kam herein. „Guten Morgen Liebes“, sagte sie. „Guten Morgen Anea“, sagte ich ebenfalls und lächelte leicht. Anea hatte ein Tablett bei sich, das mit etwas Brot, Käse und Speck beladen war. Nachdem ich zu gefrühstückt hatte, nahm ich ein Bad. Meine Pfeilwunde war nur noch eine blasse Narbe auf meinem Rücken. Die Tage vergingen. Ich wurde gut behandelt. Doch trotz allem war ich eine Gefangene. Ich durfte den Turm nicht verlassen, und auch war mir nur die Gesellschaft Aneas vergönnt. Anea wurde mit den Wochen eine gute Freundin für mich. Doch in der 8. Woche meiner Gefangenschaft kam General Egremont in mein Zimmer. Ich hatte schon viel von ihm gehört, jedoch noch nie persönlich mit ihm gesprochen. Er war im Auftrag von Darken Rahl hier und fragte mich über Kahlan, die Mutter Konfessor und Aydindril aus. Während des ganzen Gesprächs sagte ich kein Wort. Nach zwei Stunden gab er es auf und ging. Am nächsten Tag kam er wieder und an dem darauf auch. Doch nie sagte ich etwas. Schließlich schien es Rahl zu lange zu dauern, denn eines Tages kam statt General Egremont eine Mord-Sith durch die Tür. Sie hatte die rote Lederkluft angelegt, und an ihren Seiten hingen zwei Strafer. Ihr langer blonder Zopf reichte ihr bis zum Gesäß. Sie zog mich aus dem Stuhl hoch, auf dem ich gesessen hatte und band mir ein grobes Seil um die Handgelenke. „Lord Rahl ist das Warten leid geworden. Nun hat er mich geschickt, um Euch all Eure Geheimnisse zu entlocken. Ich bin die Beste. Nur ich werde Euch foltern können, und dennoch dafür sorgen dass das Kind am Leben bleibt.“ Wie sie sagte, so geschah es auch. Sie folterte mich Wochenlang. So vorsichtig dass sie nicht Wichtiges verletze, aber dennoch so, dass sie mir unsagbare Qualen bereitete. Doch wie sehr sie mich auch folterte, ich schwieg.

Mit den Wochen in denen sie mich folterte wuchs mein Bauch ungehindert. Ich war in ständiger Sorge um mein Baby. Ich hatte Angst dass Denna (die Mord-Sith die mich folterte) einmal zu weit gehen und es töten würde. Ich dachte auch viel an Kahlan und Fin. Fin… Ich hatte ihm versprochen zu ihm zurück zukehren. Er musste denken ich hätte ihn verlasse. Er wusste nichts von unserem Baby. Ich war nicht mehr dazu gekommen bevor ich mit Kahlen fortgeritten war. Ach Fin. Ich liebte ihn sosehr. Ich wünschte ich könnte ihm sagen wie leid es mir tat, dass ich nicht zurückgekehrt war. Doch ich würde nie hier raus kommen. Nicht wenn Rahl mein Kind wollte.
Schließlich verlegte man mich in einen Außenposten, wo ich Tag und Nacht, in einer Folterkammer verbrachte. Denna versuchte alles um meinen Willen zu brechen, doch noch immer schwieg ich beharrlich. Eines Morgens kam sie mit Anea herein. Sie hielt die alte Frau an den Haaren und in einer Hand hielt sie einen Strafer bereit. „So“, sagte sie. „Da du nicht singen willst, spielen wir jetzt ein anderes Spiel. Jedes Mal wenn ich dich frage, und du nicht antwortest, wird dieses alte Weib hier für dich leiden.“ Wie zur Bestätigung stieß sie einmal ihren Strafer in Aneas Rippen. Die alte Frau stöhnte qualvoll. „Also. Erzähl mir alles!“ Ich schüttelte den Kopf. Zur Strafe folterte Denna Anea erneut. „Erzähl es mir!“ Wieder schüttelte ich den Kopf. Ich konnte nicht. Ich konnte nicht alle die ich liebte verraten. Nicht einmal für Anea. Eine Träne rann mir aus den Augenwinkeln. „Du wirst jetzt reden!“ Denna folterte Anea immer und immer wieder. Ihre Schreie gingen mir unter die Haut und schluchzend flehte ich immer wieder sie solle aufhören. Doch sie hörte nicht auf. Schließlich versagte Aneas Herz und sie sank tot auf den Boden. Tränen liefen mir über die Wangen. Denna trat auf mich zu und band meine Arme an das Seil über mir, sodass ich kniend da hing. Dann ging sie vor mir in die Knie und hob meinen Kopf mit einem Zeigefinger an. Sie sah mir in die Augen. „Du weißt dass das nicht hätte geschehen müssen. Das ist alles allein deine Schuld. Du hättest auf meine Fragen antworten sollen. Jetzt ist Anea nur wegen dir gestorben. Weil du zu egoistisch warst. Das sollte dir für Morgen eine Lehre sein.“ Sie erhob sich wieder und ging ein paar Schritte der eisenbeschlagenen Tür entgegen. Dann überlegte es sie sich noch einmal und kam zurück. Sie holte ein Messer aus einer der vielen Taschen ihres Gewandes. „Du verdienst diese Ehre nicht“, sagte sie kalt. Dann schnitt sie mir die Haare ab. Die goldenen Strähnen fielen in einem Schwall zu Boden. Wie betäubt blieb ich lautlos knien, während Denna den Raum verließ. Eine der kurzen Strähnen viel mir ins Gesicht. Sie ging nicht einmal mehr bis zu meinem Kinn. Ich schloss die Augen um die Tränen zurück zu halten. Diesen Triumph würde ich ihr nicht gönnen.
Als ich irgendwann später zu mir kam, konnte ich eine, mir aus meiner Kindheit nur allzu vertraute Stimme wahrnehmen. Erleichterung überfiel mich. Kahlan! Sie hatte es geschafft. Eine Träne bahnte sich still ihren Weg hinter meinem geschlossenen Augenlied hervor und lief über meine Wange. Jetzt würde alles gut werden.

                                                                                                                                                 Ende




So ich hoffe der OS hat euch gefallen und vielleicht werden noch ein paar mehr kommen, je nachdem ob ich weiter kommen werde.
LG, Lucia ;)
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