Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Stealing from the rich is criminal but stealing from the poor, that's capitalism

von Ahriechan
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Evie Frye Henry Green Jacob Frye OC (Own Character)
06.08.2015
20.09.2020
69
197.946
29
Alle Kapitel
159 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
07.08.2015 816
 
Das Frühstück verlief entspannt und ohne große Gesprächsthemen. Mein Vater musste vormittags an seinen Dock um einige Pläne zu besprechen. Normalerweise hielt ich mich ,seit meinem Trainingsbeginn, aus seiner Arbeit raus, aber heute hatte ich einen Tag Pause und wollte nicht den ganzen Tag zuhause herum sitzen. Also beschloss ich mit ihm an die Themse zu gehen.
Inzwischen hatte der Regen nachgelassen, dennoch war es immer noch ziemlich grau und die Stimmung war trüb. Keine lachenden Kinder in unserem Viertel, keine glücklichen Familien, keine begeisterten Ladenbesitzer. Nichts.
Am Dock war es ruhig. Einige Arbeiter beluden ein paar kleinere Schiffe und einige Händler unterhielten sich. Ich stand etwas abseits an einer Laterne gelehnt und betrachtete die Umgebung. Nichts ungewöhnliches und es war erstaunlich ruhig.
Ein Verkäufer versuchte einer Frau seinen Kram anzudrehen. Sie ließ sich davon einlullen und unterhielt sich mit ihm.Die kleine Tochter betrachtete ein Tisch voller Spielsachen. Der Mann neben ihnen, wahrscheinlich ihr Vater, wankte leicht hin und her und schien von der Situation genervt zu sein. Er packte seine Frau am Arm und brüllte sie an. „Gib mir noch eine Minute!“ gab sie mutig zurück und erntete einen entsetzen Gesichtsausdruck. Just in dem Moment wo sie sich zu dem Verkäufer umdrehte, fiel sie schon auf die Straße. Die Faust ihres Mannes im Gesicht. Die kleine Tochter kreischte auf, versuchte ihrer Mutter zu helfen, diese lag völlig fassungslos auf der Straße.
Ich drückte mich von meinem Pfeiler ab und ging ein paar Schritte auf das Szenario zu. Ich drehte mich kurz zu meinem Vater um, doch der war beschäftigt.
Als ich mich wieder umdrehte, war die ganze Situation fast eskaliert: Das Kind lag verängstigt auf der Straße, hielt sich das Gesicht. Der Mann beugte sich über seine Frau und hielt einen hölzernen, massiven Gegenstand in der Hand, zum Ausholen bereit.
Ich handelte instinktiv: lief zielsicher auf die beiden zu und packte das hölzerne Ding: „Es reicht!“ fauchte ich den Mann an, seine Wangen waren rot vor Zorn. Er versuchte mich loszuwerden, fuchtelte wild mit den Armen herum. Plötzlich holte seine rechte zum Schlag auf.
Ich erinnerte mich an mein Training und verhinderte den Angriff. Ich bekam den Angreifer an der Schulter gepackt, wirbelte ihn auf die Straße, nebenbei schaffte ich es ihm den Gegenstand aus der Hand zu reißen und wegzuwerfen.
Er taumelte, kam aber schnell auf die Beine. Diesmal waren seine Versuche mich anzugreifen präziser, doch er hatte keine Chance. Ich trat ihm in die Kniekehle, kratzte ihm übers Gesicht und schlug ihm danach sogar mit der Faust ins Gesicht. Ich hatte noch nie jemanden mit der Faust geschlagen und ich wusste auch sofort, warum. Meine Hand schmerzte entsetzlich und ich dachte kurz sie sei gebrochen. Die Pranke meines Angreifers packte mich am Hals und drückten mich auf den Tisch. Sein Griff war fest und raubte mir die Luft. Er zitterte und sabberte fürchterlich.
Verzweifelt versuchte ich irgendetwas von dem Tisch zu greifen und fand endlich etwas, ohne zu zögern schlug ich ihm den Gegenstand gegen die Stirn. Eine kleine hölzerne Schatulle. Sie war zwar nicht gefährlich aber sie sorgte dafür, dass der Typ mich losließ.
Ich beugte mich über den Tisch und rang nach Luft. Aus dem Augenwinkel sah ich den Typen erneut auf mich zukommen,doch er hatte was in der Hand.
Reflexartig griff ich irgendwas von dem Tisch und schlug ihm es gegen den Kopf. Sofort sackte er zur Seite und lag auf der Straße.
Glassplitter steckten in seinem Kopf und das Blut floss in Strömen auf die Straße. Inzwischen war alles ruhig geworden, nur mein lauter Atem und das Keuchen des Mannes waren noch zu hören.
Mein Blick fiel auf die Frau und ihr Kind. Beide standen abseits. Die Kleine hatte ihr Gesicht im Rock der Mutter versteckt, während sie nur fassungslos zu uns starrte, doch dann packte sie ihre Tochter und verschwand von der Straße in die nächste Gasse.
Inzwischen war das Keuchen verstummt und ich beruhigte mich langsam. Der Schmerz in meiner Hand kam zurück und mir wurde schlecht. Ich wandte mich zu den Menschen, die zugeschaut hatten, doch sie sahen alle aus, als wüssten sie nicht was sie tun sollten.
Ich drehte mich um und rannte los, rempelte gegen jemanden, schaffte es jedoch aus eigener Kraft aufzustehen und ließ den Dock direkt hinter mir.
In einer abgelegenen Gasse kam ich endlich zum stehen und rang nach Luft.
Ich hatte gerade einen Menschen getötet. Meinen ersten Menschen umgebracht. Einen unschuldigen Mann. Nein, den Gedanken verdrängte ich sofort. Ein Mann der seine Frau und sein Kind schlug. Ein Mann der keinen Respekt und keine Ehrfurcht besaß.
Ich bin ein Schüler der Assassinen. Es ist unsere Pflicht die Menschen zu schützen, sie zu befreien. Ich habe alles richtig gemacht.
Die Übelkeit ließ nach, allerdings nicht der Schmerz in der Faust.
Ich beschloss meinen Vater am Dock aufzusuchen.

In diesem Moment fing es über London wieder an zu regnen.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast