Stealing from the rich is criminal but stealing from the poor, that's capitalism

von Ahriechan
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Evie Frye Henry Green Jacob Frye OC (Own Character)
06.08.2015
20.09.2020
69
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06.08.2015 1.262
 
Ein weinendes Kind weckte mich aus meinen Träumen. Gerade war ich noch an der warmen Südküste Frankreichs und habe in halb ausgetrockneten Pfützen gespielt, jetzt war ich in meinem Zimmer und hörte den Regen der an mein Fenster prasselte.
Ein weiterer grauer Tag in London.
Ein weiterer grauer Tag in diesem gottverdammten Loch.
Als ich mich aufsetzte, spürte ich die gestrigen Trainingseinheiten bis in die Knochen. Mein Schädel brummte, meine Beine schmerzten bei jedem Schritt und meine Schultern fühlten sich wie mit Steinen gefüllt.
Es klopfte an meine Tür und das herzliche Lächeln unserer Hausdame scheinte durch die Tür: „Miss Bradshaw sie sind schon wach. Ich mach ihnen schnell das Bad fertig.“ ehe sie die Tür schließen konnte rief ich ihr hinterher: „Ich heiße Rachel!“.
Ich hörte ihr Lachen im Flur und schaute aus dem Fenster: Es war wirklich grau, deprimierend grau. Die Straßen sind von Pfützen überzogen und es sind kaum Menschen auf der Straße. Lediglich die Arbeiterklasse auf dem Weg zu ihrer nächsten Schicht und der höhere Adel in ihren Kutschen.
Ich hasste diesen Anblick so sehr.
Ich ließ meinen Blick die Straße weiter schweifen und sah wie ein Mann seine Frau schlug und den kleinen Sohn mit sich nahm. Sie fiel auf die Straße in eine Pfütze und schrie, doch die Leute ignorierten sie. Sie blieb dort einfach zurück.
Schnell wandte ich mich vom Fenster ab und zog mir meine Sachen an. Eine schwarze enge Hose, eine weiße Bluse und eine grau, schwarze Weste. Nicht das was man von einer Tochter eines Handelsunternehmers erwarten würde, doch das war mir egal. Und meinem Vater auch.

Ich ging ins Bad und sah das lauwarme Wasser schon in der Schüssel.
Wie lange war Elena schon da, um den Ofen vor zu heizen?
Behutsam wusch ich mir das Gesicht und betrachtete mich im Spiegel. Unter meinem linken Auge hatte ich ein schönes großes Veilchen. Meine Lippe war an zwei Stellen aufgeplatzt und an der Stirn waren einige Beulen zu sehen. Alles in allem sah ich schlimmer aus als ich mich fühlte.
Meine Haare ließ ich diesmal offen, Elena mochte sie offen.
Mein Weg zur Küche führte an dem Arbeitszimmer meines Vaters vorbei. Vorsichtig klopfte ich an die Tür und schlüpfte ins Zimmer. Mein Vater hing über seinem großen Tisch in der Mitte des Raumes. Auf diesem war eine große, detaillierte Karte angebracht auf der er seine Handelsrouten bestimmen konnte.
Er sah zu mir hoch und lächelte. „Kommst du mit frühstücken?“ fragte ich ihn. Ich war sehr bemüht, ein gutes Verhältnis zu meinem Vater zu haben. Ich war stolz auf ihn und wollte das er auch stolz auf mich sein kann.
Damals als er und meine Mutter sich kennenlernten, war es eher ein unromantischer ,flüchtiger Moment, den die beiden für sich hatten. Meine Mutter war gebürtige Französin und nur aufgrund einer Feierlichkeit hier in London gewesen. Mein Vater war gerade mit seinem besten Freund dabei, das Handelsimperium aufzubauen, welches er jetzt besaß. Als er meine Mutter am Hafen der Themse sah. Sofort war er ihr verfallen. Hatte eine Ladung zu Bruch gehen lassen und seinen besten Freund mit einer Hand voll Kunden alleine stehen lassen.
Eine französische Lady mit bunten Kleidern in einer dreckigen Stadt wie London? Sie muss vielen Männern aufgefallen sein.
Ihre Zeit hielt nicht ewig und sie verschwand zurück nach Toulon.
4 Monate später, stand sie vor seiner Haustür. Ein leicht runder Bauch zierte ihren Körper. Mein Vater muss aus allen Wolken gefallen sein, als er sie damals sah, wo er doch dachte, sie nie wieder zu sehen.
Sie war zurück gekommen, weil sie ihrem ungeborenen Kind nicht den Vater vorenthalten wollte, da es ihr selber widerfahren ist und sie das nicht ertrug.
Seit dem Tag an waren sie eine Familie. Meine Mutter blieb daheim, arrangierte unsere Hausdame Elena und sorgte für ein schönes Zuhause. Mein Vater arbeitete hart, verdiente viel und beschaffte Essen,Wohlstand und vor allem Gesundheit.
Meine Geburt kam unerwartet und dennoch ohne Probleme. Meine Mutter verstarb nicht, ich war gesund. Alles schien perfekt zu sein.
Doch das Glück hielt nicht ewig. Auf den Straßen Londons änderte sich alles.
Menschen gingen auf die Straße, kämpften um ihr Recht. Kämpften für ihre Freiheit. Der Gestank der diese Stadt einhüllte, machte meine Mutter verrückt. Sie trennte sich von meinem Vater und nahm mich mit nach Frankreich.
Ich hab viele Erinnerungen an Toulon. Die warmen Tage, die milden Nächte. Kaum Regen. Das Rauschen des Mittelmeeres und die warmen Steine unter meinen Füßen. Ich erinnerte mich an Übungen für gerade Körperhaltung. Rücken gestreckt, Brust raus, Beine zusammen, Kopf hoch und natürlich lächeln. Von dem ständigen Lächeln bekam ich Krämpfe im Mund und der Unterricht langweilte mich zutiefst. Ich wurde unaufmerksam, vorlaut und unruhig. Nach fast 6 Jahren der Erziehung gab meine Mutter auf und schickte mich zurück nach London, mit nichts weiter als einer Tasche voll Habseligkeiten und einem Brief für meinen Vater. Und dem wohl wichtigsten Gegenstand für mich: Meine Halskette. Eine silberne Feder mit einem kleinen Roten Stein darin. Der Stein leuchtete stark, das ich ihn immer unter dem Kragen meiner Sachen versteckte, da ich Angst hatte, dass sie ihn mir wegnehmen würden.
Ich war 10 Jahre alt als mein Vater mich von einem kleinen Anlegehafen der Themse abholte und mich mit sich nahm. Sofort fühlte ich mich zuhause. Der Regen, der Gestank, die vielen Menschen. Ich liebte es von der ersten Minute an.
Die nächsten 6 Jahre vergingen wie im Fluge.Ein Hauslehrer brachte mir  lesen,rechnen und schreiben bei und obwohl man von mir erwartete, mich zu einer gehobenen Dame erziehen zu lassen, fand ich schnell gefallen daran, in das Unternehmen meines Vaters einzusteigen. Wir lebten in modernen Zeiten, warum sollte ich mein Leben als Hausfrau und einsame Mutter verbringen, wenn es doch inzwischen so viele Möglichkeiten auf dieser Welt gab?
Doch mein Vater meinte er hätte andere Pläne für mich, nur das ich noch zu jung war. Bis zu meinem 16 Lebensjahr, dann endlich lüftete er das Geheimnis und weihte mich ein in den großen Krieg: Templer gegen Assassinen.
Noch nie hatte ich von den Gruppierungen gehört, doch sofort war ich Feuer und Flamme dafür.
Mein Vater wollte mich zu einem Assassinen ausbilden zu lassen um gegen das Elend zu kämpfen, welches unsere Existenz bedroht. Er sagte mir, es sei zu meiner eigenen Sicherheit.
Nun, fast 3 Jahre später, steckte ich mitten in meiner Ausbildung. Kämpfte täglich mit meinem Trainer und übte mich im Faustkampf, Schleichen und Stehlen. Auf den offenen Straßen war ich bis jetzt noch nie, mein Trainer sagte ich sei noch nicht bereit dafür.
Doch wann wird der Tag kommen an denen ich für meine Überzeugung endlich gerade stehen darf?
Wann kommt der Tag an dem ich endlich kämpfen kann?


„Rachel?“ mein Vater riss mich aus meinen Gedanken. Verdutzt sah ich ihn an. „Du wolltest mit mir frühstücken?“ sagte er lächelnd und strich mir über die Schulter. Langsam kam ich wieder zu Sinnen und nickte: „Ja, richtig. Elena hat das Frühstück bestimmt schon fertig.“ „Dann lassen wir sie nicht zu lange warten.“ mit diesen Worten verschwand mein Vater aus seinem Arbeitszimmer und ging zur Küche. Noch bevor ich ihm in den Flur folgte, drehte ich mich um, betrachtete die Karte auf dem Tisch und sah nach draußen. Über Big Ben flog eine große schwarze Wolke.

Ein weiterer Tag in London.


➤ Edit: Ich hab die Stelle mit der Schule verändert, da es zu der Zeit keine richtigen "Gesamtschulen" gab und man eher Zuhause unterrichtet wurde. ;) hat etwas gedauert aber ich nehme an das es keine weiteren Ungereimtheiten gibt. :D das wars schon
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