Rien ne va plus - Die Frau des Spielers

von Xella Sky
GeschichteDrama, Krimi / P16
Jack Raydor Louie Provenza Sharon Raydor
06.08.2015
19.05.2016
10
14116
2
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Disclaimer: Die Charaktere gehören mir nicht, sondern werden von Warner Bros. Television bzw. dem Sender TNT nur ausgeliehen. Nach Abschluss der Geschichte werden sie - mehr oder weniger unbeschadet^^ - ihren Besitzern zurückgegeben.

Inspiration und die passende Stimmung zum Schreiben erhielt ich durch das youtube-Video: Major Crimes - Starring Role

Widmen möchte ich die Geschichte den Fanfiction-Autorinnen „Sharon Raydor“, „SharonFan86“ und „UndercoolWoman“. Eure Geschichten haben mich dazu gebracht, mich auch einmal in diesem Genre zu versuchen;-)


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„Rien ne va plus – Die Frau des Spielers“ ist wenige Monate nach der Major-Crimes-Folge 3x17 angesiedelt. Die Scheidung von Sharon und Jack Raydor ist durch, Rusty wurde von ihr adoptiert. Durch einen seltsamen Besuch von Jack bei ihr Zuhause war herausgekommen, dass er noch immer bzw. wieder trinkt und spielt. Er hat ihr viel Geld angeboten, um seine jahrelang versäumten Unterhaltsschulden zu begleichen, doch sie wollte es nur ungern annehmen, da sie befürchtete, dass es aus Glücksspielgewinnen stammte. Ob sie das Geld dann doch nahm oder nicht, ist am Ende der Folge nicht ganz klar.

***


Kapitel 1 – Alte Liebe…


Sharon Raydor erhob grazil ihr Wasserglas und prostete ihrem männlichen Gegenüber wortlos zu. Dieser nahm zunächst eine Serviette auf, um sich die letzten Essensreste vom Mund abzuwischen und tat es ihr dann gleich.
„Danke, dass du meine Einladung angenommen hast. Ich rechne dir das hoch an, Sharon“, durchbrach er schließlich das Schweigen.
„Jetzt werde bitte nicht sentimental, Jack!“, meinte sie abwinkend.
„Das bin ich nicht. Ich kenne nur nicht viele Ehefrauen, die ihrem Mann auch nach dem zwanzigsten Fehler noch eine Chance geben. Erst recht nicht, wenn der Anruf so spontan kommt!“
Jack blickte den Captain der Major Crimes-Abteilung mit eigenartig leuchtenden Augen an. Sharon kannte diesen Blick von früher. Er sollte ausdrücken: Ich bin zwar ein Hund, aber ein charmanter und unwiderstehlicher. Doch mit dieser Tour brauchte er bei ihr nicht zu kommen. Schon lange nicht mehr.
„Es ist wohl eher der hundertste und es heißt Ex-Ehefrau! Außerdem ging es hier nie darum, dir eine Chance zu geben. Dies ist lediglich ein Essen, um deinen Erfolg bei den Anonymen Alkoholikern zu feiern. Es war nur Zufall, dass ich heute Abend Zeit habe.“
Der Dämpfer saß, das merkte sie sofort. Jack verdrehte sichtlich genervt die Augen. In all den Jahren musste immer sie das letzte Wort haben. Vermutlich wäre sie der bessere Anwalt von ihnen beiden geworden, hätte sie jemals diese Laufbahn einschlagen wollen. In Momenten wie diesen war er froh, dass sie sich nur so selten sahen, denn er ertrug ihre spitzen Kommentare noch genauso schlecht wie früher.
„Du hast wie immer Recht!“, presste er daher schmallippig heraus und konnte seine sich verschlechternde Laune nicht ganz aus seiner Stimme verbannen.
Sharon schaute ihn durch ihre Brillengläser aufmerksam und mit einem leichten Anflug von Mitgefühl an. Ihr Ex-Ehemann war alt geworden. Mit dem jungen, dynamischen und gutaussehenden Anwalt aus der Frühzeit ihrer Ehe hatte er nichts mehr gemein. Man sah seinem Körper nur zu deutlich an, wie ungesund er viele Jahre gelebt hatte. Vor allem der Alkohol war nicht spurlos an ihm vorüber gegangen.  Da sie ihn so gut kannte, entgingen ihr jedoch auch die positiven Zeichen nicht. Er färbte seine Haare nicht mehr in diesem geschmacklosen Braun, das ihn nicht jünger, sondern nur wie ein Streifenhörnchen aussehen ließ. Endlich stand er zu seinem Alter und man sah seinem Haar an, dass es erst vor kurzem Bekanntschaft mit einem guten Frisör gemacht hatte. Der Blick seiner Augen war klar und seine Bewegungen für seine Verhältnisse wohl koordiniert. Auch wenn sie erkannte, dass ihre Worte ihm nicht schmeckten, so wusste sie doch zu schätzen, dass er nüchtern in der Lage war, sich zu beherrschen. Ihr Blick wurde ein wenig weicher.
„Versteh mich nicht falsch, Jack. Es ist schön, dass du dein Leben in den Griff bekommst und ich bin gerne Zeuge dafür. Vor allem ist es schön zu hören, dass du mit Ricky und Emily weiterhin regelmäßig Kontakt hältst. Sie haben mir davon erzählt.“
Jacks gekräuselte Stirn glättete sich und ein schmales Lächeln legte sich auf sein Gesicht. Es war seltsam, aber Sharon fühlte Erleichterung in sich aufsteigen. Offenbar hatte sie den richtigen Ton angeschlagen und es dadurch geschafft, den Abend nicht wie so oft im Streit enden zu lassen.

In diesem Augenblick trat ein Kellner an den Tisch und wollte wissen, ob sie noch einen Nachtisch wünschten.
„Nein, danke!“, meinte Sharon, die kurz auf ihre Uhr blickte, wurde jedoch sogleich von Jack unterbrochen.
„Warte Shar, du bist heute mein Gast und ich bestehe darauf, dass du noch einen Nachtisch nimmst.“
„Jack, es geht bereits auf Mitternacht zu. Ich werde garantiert nichts Süßes mehr essen.“
„Du kannst an jedem anderen Tag der Woche auf deine schlanke Linie achten, doch heute wird gefeiert.“
Ohne auf weitere Proteste zu achten, wandte er sich an den Kellner. „Zweimal Mousse au Chocolat, bitte!“
„Jack, das ist nicht vernünftig. Es ist ungesund und wird uns nur im Magen liegen“, versuchte sich Sharon in einer letzten Form des Widerstands.
„Sharon, im Leben muss nicht alles vernünftig sein.“
Als wollte er seine Behauptung noch unterstreichen, schob er seine Linke über den Tisch, ergriff ihre Hand und drückte sie. Einer spontanen Gefühlsregung folgend, erwiderte sie den Druck. Es war seltsam, sie lebten seit über zwanzig Jahren getrennte Leben und es war eine Ewigkeit her, seit sie sich körperlich das letzte Mal berührt hatten und doch wirkte es vertraut. Auf Sharons Gesicht stahl sich beinahe widerwillig ein kleines Lächeln.
„Das hab ich vermisst, genau das hab ich vermisst. Ich wusste, dass es heute noch zum Vorschein kommt“, meinte Jack, zeigte mit dem Finger auf ihren Mund und verzog seinen zu einem jungenhaft wirkenden Grinsen.
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