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Odyssee eines Terminkalenders

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Alexy Armin Kim Lysander Viola
06.08.2015
12.11.2015
15
36.717
7
Alle Kapitel
28 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
12.11.2015 3.867
 
Tja, da wären wir nun: Das letzte Kapitel ist online. Daher bedanke ich mich schon mal für all das Feedback hier auf FF.de und im SA-Forum und hoffe, dass das Ende euch gefällt. Ihr seid eine wirklich klasse Leserschaft - ich werde euch definitiv vermissen! Zum Abschied gibt es unten übrigens noch zwei kleine Extras. :)


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Kapitel 15: Noch ein Extrablatt


Ihr Brustkorb fühlte sich unerträglich eng an und ihre Lungen weigerten sich Luft aufzunehmen. Wie versteinert stand sie auf dem Bürgersteig und suchte verzweifelt nach Hinweisen, dass es nur ein böser Traum war ... Bitte, nur ...

Ihr Blick fiel auf ein Schaufenster, das eine hübsche junge Frau spiegelte, eine mit violetten Haaren und gelber Baskenmütze, schönen grauen Augen und einer zierlichen Statur. Nur der Ausdruck ihrem Gesicht war qualvoll versteinert, wie lebendig eingefroren.

"Du hast sehr schöne Beine, Viola. ... Was denn? Ich habe Hormone! Und wenn ich ein paar hübscher Beine sehe, dann schaue ich hin!"

Recht hatte er ja ... Die Frau hatte tatsächlich schöne Beine, bloß ... Ohne ihn, ohne Platon, existierte sie nicht. Nur ein kleines Mädchen namens Viola, das es nicht verdiente geliebt zu werden.

Etwas in ihr bekam einen Riss, brach auf und im nächsten Moment rannen Tränen über ihr Gesicht. Mit einem Mal fühlte sie sich wieder lebendig und rannte, irgendwohin, rannte einfach, weg von diesem Schaufenster. Sie floh durch die Stadt, vorbei an Geschäften, rannte, bis sie nicht mehr konnte, bis der Schmerz in ihrer Seite und in ihren Beinen nicht mehr zu ertragen war. Der Schmerz in ihrer Brust hörte jedoch nicht auf, als sie stehenblieb und sich die Hände vors Gesicht schlug, ihre Tränen auffing ... Ihre schwarzen Tränen.

Völlig entkräftet sank sie auf eine Bank, fummelte zwischen ihren Schulutensilien ein Taschentuch hervor und drückte es an ihre Wangen, während die Tränen weiterhin in einem steten Strom flossen und sie einen Schluchzer nach dem anderen hochwürgte. Das konnte doch nicht ... Das alles ... Nicht jetzt ...

Ein sonderbares Gefühl verriet ihr, dass jemand sie beobachtete, und sie schaute auf: Platon stand einige Schritte von ihr entfernt, hinter ihm ein Gebüsch. Sie waren also im Park.

Als er ihrem Blick begegnete, öffnete er kurz den Mund, ballte jedoch gleich wieder die Hand zur Faust, zischte: "Vergiss es!", und wandte sich wieder zum Gehen.

"Ja, lauf nur weg!", barst es plötzlich aus ihrer Kehle. "Lauf weg, wie du es schon dein ganzes Leben lang tust! Feigling! Lügner!"

Platon wirbelte herum und funkelte sie vernichtend an.

"All deine Lektionen mit dem Mittelfinger - Halte dich doch selbst dran! Du hast mich eiskalt angelogen! Deine Analysen klangen ja immer so klug, aber letztendlich waren sie nur leeres Gelaber! Nichts als hohle Phrasen von einem dummen Akademikerkind, das selbst nicht versteht, wovon es redet! Du willst immer so klug wirken, so selbstbewusst, als hättest du deine Vergangenheit überwunden! Aber du hast nichts überwunden! Du tust nur so, du spielst Theater, damit du dich deinen Ängsten nicht stellen musst! Du läufst nur weg. Du fliehst vor dir selbst, du hasst dich selbst, du zerstörst dein eigenes Leben!"

Sie hielt kurz inne, um durchzuatmen, und merkte, dass sie mitten auf dem Parkweg stand. Wann sie aufgesprungen war, war ihr selbst ein Rätsel.

"Als ob das nicht schon genug wäre, weitest du deinen Zerstörungswahn auch noch auf andere aus", fuhr sie etwas leiser fort, aber nicht weniger wütend. "Du lügst sie an, tust ihnen weh, lässt mich glauben, du würdest mich mögen, dabei dreht sich bei dir immer alles um dich selbst, dein verdammtes Theater. Du gibst dich für jemand anderen aus als du bist. Und weißt du, besser bleibe ich die kleine, schüchterne Viola, die nicht 'Nein' sagen kann und bei jeder Gelegenheit rot wird wie eine Tomate. So kommt wenigstens niemand zu Schaden, und ich kann auch nicht behaupten, dass mich meine Schüchternheit allzu unglücklich macht. Sie schränkt mich ein, ja. Und natürlich wünsche ich mir oft, ich wäre selbstbewusster. Aber weißt du, so bin ich eben. Ja, ich bin ängstlich. Ja, ich konnte meiner Mutter nicht beistehen, als ich hätte für sie da sein müssen. Ja, ich bin eine schlechte Tochter und eine schlechte Freundin. Aber wenigstens bin ich ehrlich, statt mich wie du zu verstellen und zum Opfer aufzuspielen, wo du doch schon längst selbst Täter bist! Wenn es darum geht, zu sich selbst zu stehen, dann bin ich wesentlich näher am Ziel als du. Und deswegen -" Sie hob beide Hände und knickte alle Finger ein bis auf die mittleren. "Scheiß' auf deine Lektionen, Scheiß' auf dein verdammtes Theater, Scheiß' auf unsere Beziehung und Scheiß' auf dich!"

Ohne auf eine Antwort zu warten oder ihn auch nur weiterhin anzusehen machte sie auf dem Absatz kehrt und marschierte hoch erhobenen Hauptes den Parkweg entlang. Seltsam, wie leicht sich ihr Brustkorb plötzlich anfühlte! Ihre Lungen zogen die lang ersehnte Luft ein, während sie dahinschritt - nein - dahinglitt, als wären ihr Flügel gewachsen, frei und stolz.

Vielleicht bemerkte sie die schnellen Schritte hinter ihr, vielleicht aber auch nicht. Das war egal. Solle er doch zurechtkommen wie er wollte. Jemand hatte ihm ja die Wahrheit ins Gesicht sagen müssen. Aber es war eigentlich völlig egal, ob er einsah, dass er ein Vollidiot war. Das waren alles seine Probleme, und sollte er doch in ihnen vergammeln!

"Viola!" Ein fester Griff legte sich um ihren Arm und sie wurde herumgerissen - nur um im nächsten Moment mit dem Gesicht gegen eine Schulter gedrückt zu werden und einen Kuss auf ihren Haaren zu spüren. Eben noch frei durch die Lüfte schwebend, lief sie so rot an wie eh und je. Und ihr wollte einfach nichts Gemeines einfallen, was sie ihm noch sagen könnte.

Auch Platon schien nicht recht zu wissen, was er sagen sollte. Das einzige, was er verstand, hatte er bereits ausgedrückt. Aber wie sollte es weitergehen?

"Ich werde mich nicht entschuldigen", presste Viola schließlich heraus, machte aber keinerlei Anstalten, sich aus seiner Umarmung zu befreien.

Sie spürte ein Nicken.

"Ich mich auch nicht", flüsterte Platon in ihr Haar.

"Okay."

"Okay."

Viola schlang ihre Arme um seinen Körper und drückte ihr Gesicht noch entschiedener gegen seine Schulter. Ja, er war ein Idiot. Aber sie waren sich in einem Punkt einig, und darauf kam es letztendlich an. Wo ein Wille war, war auch ein Weg. Sie hatten nun mal beide recht, sie brauchten sich, um sich gegenseitig die Wahrheit zu sagen, und ... sie brauchte seine Schulter, damit niemand merkte, dass sie mit der verschmierten Schminke aussah wie eine Halloweengestalt.

"Sag über meine Lektionen, was immer du willst", hörte sie Platon murmeln, "aber offenbar trägt meine Schule Früchte. Deine Gestik und Wortwahl waren 1A."

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DIE SWEET AMORIS SCHÜLERZEITUNG
Valentinstagsspecial: Die Turteltäubchen packen aus!

Es ist Valentinstag auf Sweet Amoris, und offenbar hat Amor ordentlich ein Hühnchen mit unseren beiden Täubchen Viola und Platon gerupft, denn die beiden haben endlich zugestimmt, der Schülerzeitung ein Interview zu geben! Bei einem gemütlichen Kuchenessen im Café stellten sie sich den Fragen unserer Chefredakteurin Peggy.

Peggy: Hallo ihr beiden! Schön, dass es letztendlich doch zum Interview kommt. Schließlich dauert eure Beziehung schon einige Monate, und die Allgemeinheit kann es kaum erwarten, mehr über darüber zu erfahren!

Viola: Hallo Peggy. Ich hoffe nur, du stellst keine unanständigen Fragen?

Peggy: Ich frage das, was die Allgemeinheit interessiert.

Platon: Also Unanständiges. Wir sind gewarnt, Vio.

Peggy: Ein bisschen mehr Vertrauen, bitte! Ich weiß schon, was ich tue.

Viola: Genau das befürchten wir ja ...

Peggy: Wie auch immer, hier kommt die erste Frage, passend zum Anlass: Was habt ihr euch gegenseitig zum Valentinstag geschenkt?

Platon: Viola hat mir ein total süßes Schnabeltier genäht. Es guckt mir jetzt immer beim Zeichnen zu.

Viola: Und Platon hat mich überrascht: Er hat bei mir übernachtet, und als ich morgens duschen wollte, habe ich neue Pinsel im Zahnputzbecher entdeckt!

Peggy: Ach, wie süß! Ihr scheint euch ja wirklich zu lieben. Aber es ist auch niemandem entgangen, wie sehr ihr euch durch die Beziehung verändert habt. Viola trägt Buntes und Platon hat sich endlich seinen Haarvorhang abgeschnitten und zeigt mehr Haut! Vermisst ihr manchmal euren alten Stil?

Platon: Es hat sich ja nicht nur der Stil verändert ... Aber ja, manchmal vermisse ich meine Ruhe. Die Leute können es einfach nicht lassen, meine Narben anzustarren.

Peggy: Und wie wäre es mit einer plastischen Operation? In deinem Fall müsste das doch sogar die Krankenkasse übernehmen, oder?

Platon: ...

Viola: Platon mag keine Krankenhäuser. Zu viele schlechte Erinnerungen und Assoziationen.

Peggy: Das kann ich mir vorstellen.

Platon: Außerdem habe ich mich ja auch als Person verändert. Viola hat mich ermuntert, der Wirklichkeit ins Gesicht zu blicken, und das versuche ich jetzt. "Augen zu und durch", wie es so schön heißt. Die Narben nerven unglaublich, aber ich habe beschlossen, sie und alles, was damit verbunden ist, meine Vergangenheit, als Teil von mir zu akzeptieren, bevor ich mich operieren lasse. Mich jetzt unters Messer zu legen würde nur die äußeren Probleme beseitigen, nicht die inneren. Außerdem habe ich keine Ahnung, wie mein Gesicht nach einer Operation aussehen würde und ich befürchte, mich wieder an etwas Neues gewöhnen zu müssen. Ich denke also durchaus über eine Operation nach, aber ... Die Aufarbeitung der Vergangenheit kommt zuerst und ich sehe meine Narben als Teil davon. Mit der ganzen unerwünschten Aufmerksamkeit muss ich wohl leben. Aber das sind nur meine eigenen Flausen: Jedem anderen in meiner Situation würde ich zur Operation raten.

Peggy: Das klingt nach einer sehr mutigen Entscheidung. Aber was ist mit dir, Viola? Du bist sowohl äußerlich als auch vom Charakter her kaum wiederzuerkennen!

Viola: Ich denke nicht, dass mein Charakter sich verändert hat. Vielmehr habe ich neue Seiten an mir entdeckt, die ich jetzt auch versuche zu zeigen. Und was meine Kleidung angeht, so war es am Anfang ganz komisch, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Es ist ja auch nicht so, dass ich meinen alten Stil komplett aufgegeben hätte. Ich trage immer noch gerne meine alten grauen Sachen, aber ich kombiniere sie jetzt mit etwas Buntem. So gewagt wie am ersten Tag meiner "Veränderung" kleide mich nur selten. Also könnte man sagen, dass ich meinen alten Stil nicht unbedingt aufgegeben habe, sondern eher mit Platons Hilfe weiterentwickelt.

Peggy: So romantisch! Da drängt sich doch glatt die nächste Frage auf: Habt einander schon euren Familien vorgestellt?

Platon: Ja! Das war lustig, als Viola von meinen Cousinen auseinandergenommen wurde. Aber sie hat ihnen und auch Tante und Onkel sehr gefallen. Wanda hat danach tagelang ihr Horoskop analysiert.

Peggy: Wanda? Unsere Mitschüler kennen die Cousinen nicht. Könntest du sie uns vielleicht kurz vorstellen, Viola?

Viola: Caroline sieht aus wie ein Punk mit dem Iro und den ganzen Piercings, Wanda ist eine Übernatürliche mit Räucherstäbchen und Sari und Laura ist ein bisschen rebellisch und räumt ihr Zimmer nie auf.

Platon: Du hast es mal wieder viel zu freundlich formuliert, Vio.

Viola: Na ja, sie sind doch nett!

Platon: Der Fall ist hoffnungslos ...

Peggy: Das klingt ja nach einer sehr bunten Truppe, und es ist schön, dass du dich gut mit ihnen verstehst, Viola. Aber wie war das erste Treffen von Platon und deinem Vater?

Viola: Haha, Platon dachte, mein Vater würde ihn umbringen.

Peggy: WAS?!

Viola: Na ja, er hatte ziemliche Angst, weil mein Vater ja nur noch mich hat und Väter anscheinend generell etwas genauer hinschauen, wenn es um ihre Töchter geht.

Platon: "Anscheinend"?! Ich war live dabei, als mein Onkel Caros ersten Freund zerlegt hat!

Viola: Siehst du? So war das auch, als ich ihn nach Hause zum Tee eingeladen habe. Er war ganz panisch!

Peggy: Aber dein Vater ist doch sehr freundlich!

Platon: Das konnte ich damals doch nicht wissen!

Viola: Aber ich habe es dir doch immer wieder gesagt: Mein Vater tut niemandem was! Außerdem hat er später gesagt, dass du ein guter Junge bist und dass er froh ist, dass du in meinem Leben aufgetaucht bist. Wenn es nach ihm ginge, würdest du schon längst bei uns wohnen!

Platon: Selbst die nettesten Väter mutieren zu Tyrannosauriern, wenn es um ihre "kleinen Mädchen" geht.

Peggy: Sag mal, Platon, hast du etwa immer noch Angst vor Violas Vater?

Viola: Hihi, ja, das hat er. Aber nicht mehr so viel wie früher. Wir arbeiten daran.

Platon: Ich bin halt traumatisiert.

Peggy: Durch deinen Onkel ... Oder hast du auch anderweitig schlechte Erfahrungen gemacht? Wir wissen ja, dass du schon einmal eine Beziehung hattest.

Platon: Ich habe Kiras Eltern nie kennengelernt.

Peggy: Und sonst? Ergeben sich durch deine frühere Beziehung mit ihr irgendwelche Probleme für euch?

Viola: Nein, wieso?

Peggy: Na ja, ich denke da an Castiels Ex, die die ganze Schule auf den Kopf gestellt hat.

Viola: So ist Kira nicht.

Peggy: Du hast sie also kennengelernt?

Viola: Ja, wir unternehmen manchmal etwas mit ihr und Castiel.

Peggy: Castiel?

Viola: Haha, ja. Dass er über Platon seine neue Freundin kennenlernen würde, hat wohl niemand erwartet.

Peggy: Und - und warum weiß niemand etwas von?

Viola: Weil Kira nicht auf diese Schule geht. Und hast du jemals erlebt, dass Castiel sein Liebesleben herumposaunt?

Peggy: Stimmt auch wieder. Aber was ich mich jetzt frage: Wir alle kennen ja das Verhältnis zwischen Platon und Castiel. Fliegen bei euren Doppeldates nicht die Fetzen?

Viola: Ach, nein. Weißt du, die beiden sind sich eigentlich sehr ähnlich: Neckereien sind ihre Art, Zuneigung zu zeigen. Kira scherzt die ganze Zeit, dass sie nicht mehr so ganz weiß, wer eigentlich Platons Ex ist: sie oder Castiel? Eigentlich müssten wir doch alle eifersüchtig aufeinander sein.

Peggy: Ich ... weiß nicht, ob das lustig oder verwirrend ist. Platon, warum sagst du nichts?

Platon: Weil ich still hoffe, dass das auf Dauer funktioniert und die Vergangenheit vergangen bleibt. Ex ist jemand, mit dem man immer eine besondere Verbindung haben wird. Dass wir jetzt eine Freundschaft aufbauen, freut mich wirklich, aber ich habe schon zu oft gesehen, dass solche Experimente sehr nach hinten losgehen können.

Peggy: Und das sprichst du so offen aus? Und auch noch vor Viola?

Viola: Ich weiß von den Sorgen. Aber ich möchte auch, dass es mit der Freundschaft klappt. Ich mag Kira sehr.

Peggy: Wow, wirklich kein bisschen Eifersucht! Oder doch? Wie sieht denn euer Beziehungsalltag aus?

Viola: Wir sind entweder bei mir oder bei Platon und zeichnen.

Peggy: Jeder für sich?

Viola: Ja. Wir machen uns Musik an zu zeichnen.

Platon: Wir kochen aber auch!

Viola: Du bist derjenige, der kocht.

Platon: Ach ja? Und was ist mich dem Nachtisch? Den machst immer du. Außerdem zählt Kartoffeln schälen und Kochlöffel reichen auch! Weißt du, Peggy, wie sie Zwiebeln zerkleinert? Zu ganz winzigen Stückchen. Das ist perfekt! Ernsthaft. Für manche Gerichte braucht man die Zwiebeln klitzeklein, und ich habe nicht den Nerv dafür.

Peggy: Es ist anscheinend nie langweilig bei euch in der Küche. Aber was macht ihr sonst noch?

Viola: Na ja, was Paare halt so machen ... Reden, ins Kino gehen, Ausflüge machen ...

Peggy: Oh, da gibt es aber noch viel mehr, was Paare machen! Mal ganz ehrlich: Hattet ihr schon euer erstes Mal?

Platon: Na endlich! Ich habe mich schon gefragt, wo das Unanständige bleibt!

Peggy: Und? Hattet ihr es?

Platon: Wir würden es dir nicht sagen, selbst wenn es der Fall wäre!

Peggy: Was für ein Rumgeeiere! Ihr hattet es!

Platon: Das habe ich nicht gesagt.

Peggy: Dann etwa nicht?

Platon: Das habe ich auch nicht gesagt.

Peggy: Viola, sag doch wenigstens du die Wahrheit!

Viola: Ich finde, Platon macht das schon sehr gut.

Peggy: Aber er antwortet nicht!

Viola: Tut er doch!

Peggy: Argh, ihr seid unmöglich! Aber ich werde es schon noch herausfinden! - Na ja, nächste Frage: Was liebt ihr aneinander am meisten?

Viola: Da gibt es viel ... Ich mag es, dass er einem eine noch so schmerzhafte Wahrheit ins Gesicht sagen kann. Das stärkt mein Vertrauen zu ihm. Und dass er jetzt zu seinen Gefühlen steht und sie auch offen zeigt.

Peggy: Eine ziemlich weibliche Eigenschaft, würde ich mal sagen.

Platon: Na ja, bis auf meinen Onkel, der eh den ganzen Tag arbeitet, bin ich unter lauter Frauen aufgewachsen. Außerdem gab es noch einen sehr lehrreichen verbalen Arschtritt von Viola.

Peggy: Und ist dieser "Arschtritt" das, was du an ihr magst?

Platon: Unter anderem. Viola hat eine schöne, beruhigende Ausstrahlung und glaubt an das Gute in den Menschen. Aber die "neue" Viola kann auch sehr ... Sagen wir es mal so: Wenn ihr etwas sehr wichtig ist, dann ist sie nicht zu stoppen. Ich habe am Anfang nicht geahnt, wie ... abenteuerlustig, schlagfertig und ... dominant sie sein kann.

Viola: Ich - ähm - habe das auch nicht geahnt.

Peggy: Haha, Viola hat wohl uns alle überrascht. Aber dieselbe Frage mal umgekehrt: Was mögt ihr aneinander am wenigsten?

Viola: Platon ist manchmal ziemlich arrogant gegenüber anderen Menschen, und er macht sich zu viele unnötige Sorgen.

Platon: Für eine nüchterne Einschätzung der Gegenwart muss man immer auch den Worst Case im Auge behalten.

Viola: Aber du denkst einfach zu viel nach statt das Leben zu genießen. Du verdirbst dir die Gegenwart durch zu viele negative Gedanken und Ängste.

Platon: Ich bin halt Realist.

Viola: Du bist Pessimist.

Platon: Und du lebst in einer Welt voll rosaroter Einhörner.

Viola: Das stimmt doch gar nicht!

Platon: Doch. Du gehst einfach viel zu blauäugig durch das Leben. Muss denn erst etwas Schlimmes passieren, damit du merkst, dass nicht alle Menschen "nett" sind, dass manche Dinge oft einfach nicht funktionieren, dass man tagtäglich von allen Seiten belogen wird -

Viola: Wenn ich nicht davon ausgehen würde, dass die anderen "nett" sind, hätte ich den Gerüchten über dich geglaubt und wir wären jetzt nicht zusammen! Hast du außerdem nicht eben gesagt, dass du diese Eigenschaft an mir magst?

Platon: Eine Medaille hat immer zwei Seiten!

Viola: Schön, dann -

Peggy: Äh - Leute, könnten wir bitte das Interview fortsetzen?

Platon: Von mir aus ...

Viola: Okay.

Peggy: Also ... gerade bin ich Zeugin eines Streits geworden. Passiert das bei euch oft?

Viola: Manchmal, aber wir vertragen uns wieder.

Platon: Grmlrglmr ...

Peggy: Wäre jetzt nicht die perfekte Gelegenheit, das zu demonstrieren?

Viola: Ich weiß nicht ... Normalerweise braucht Platon ein bisschen Zeit, um sein angekratztes Ego zu beruhigen.

Platon: Grgrlmgr ...

Viola: Hörst du? Genau das macht er gerade.

Peggy: Hast du denn kein angekratztes Ego?

Platon: Sie hat ein angekratztes Weltbild, von dem sie sich nicht lösen will.

Viola: Platon, ich versuche gerade, mich zu beruhigen!

Platon: Ich mich doch auch ...

Viola: Aber ich werde mich nicht entschuldigen! Ich bin, wie ich bin, und ich denke so, wie ich denke. Du musst dich damit arrangieren.

Platon: Pffft. Immer derselbe Trick.

Viola: Solange er funktioniert ...

Platon: Schön, aber vergiss nicht, dass du dich auch mit meiner Denkweise arrangieren musst.

Viola: Das tue ich schon seit mehreren Monaten.

Platon: Dito.

Viola: Okay, Peggy, was ist die nächste Frage?

Peggy: Schön, dass ihr euch wieder vertragen habt. Also denn: Was denkt ihr - wer wird das nächste Pärchen auf unserer Schule sein?

Platon: Die Schulleiterin und Mr. Boris.

Peggy: Wie bitte?!

Platon: Das war ein Scherz. Ich habe in Wirklichkeit keine Ahnung.

Viola: Also ich würde ja auf Napoleone und Lysander tippen ...

Platon: Ernsthaft? Die beiden kennen sich schon länger als wir beide und trotzdem bewegt sich da nichts von der Stelle. Wenn du mich fragst, werden sie sich noch die nächsten hundert Jahre anschmachten, ohne dass etwas passiert.

Viola: Vielleicht brauchen sie nur einen Stupser; ich habe ja schließlich auch einen bekommen. Rosalia würde bestimmt helfen, und sie hat schon viel Erfahrung in Sachen Beziehung!

Peggy: Ihr jetzt aber auch! Habt ihr zum Schluss noch irgendwelche Tipps für Verliebte?

Viola: Steht zu euren Gefühlen.

Platon: Und vergesst die Ängste. Wenn jemand euch nicht so akzeptiert, wie ihr seid, dann macht die Beziehung keinen Sinn.

Viola: Aber nehmt auch Kritik ernst. Man sollte zwar erwarten, dass die eigenen Fehler akzeptiert werden, aber ihr solltet über Kritik wenigstens nachdenken. Und natürlich den anderen so akzeptieren, wie er ist, auch wenn es manchmal wirklich schwer fällt.

Platon: Niemals aber sich selbst aufgeben.

Viola: Ach ja, und sich entschuldigen. Das eben zwischen mir und Platon ist ein Insiderwitz und nicht zum Nachmachen.

Platon: Wenn ihr noch kein Paar seid, dann den Schritt wagen. Sonst trauert ihr noch ewig einer nie stattgefundenen Beziehung hinterher. Selbst wenn ihr abgelehnt werdet: Wenigstens wisst ihr, woran ihr seid.

Viola: Und wenn ihr zusammenkommt: Denkt daran, dass eine gesunde Beziehung nicht nur aus Glück und Freude besteht, sondern auch aus Streit und viel Wut.

Platon: Das, was die Unterhaltungsindustrie einem als Liebe verkauft, ist eine Lüge. Es gibt kein "Happily Ever After". Liebe ist in erster Linie Verantwortung und harte Arbeit. Die Glücksmomente sind lediglich nur die Belohnung, die man sich erst verdienen muss.

Viola: Das bedeutet, dass auf euch schwere Herausforderungen zukommen werden und ihr euch wünschen werdet, euch nie begegnet zu sein. Aber es ist wichtig, sich selbst in solchen dunklen Stunden beizustehen, füreinander da zu sein und sich nicht in einer Ecke zu verkriechen. Ihr müsst dem anderen immer beistehen, selbst wenn es euch sehr wehtut. Wer wegläuft, der liebt nicht.

Platon: Und wer den Weglaufenden nicht aufzuhalten versucht, der liebt auch nicht.

Viola: Glaubt an das Gute in euch.

Platon: Und sagt euch regelmäßig, dass ihr euch liebt.

Peggy: Vielen Dank für dieses interessante Interview!


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ENDE


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+++ EXTRA +++

Extra Nummer 1: Ein Steckbrief von Platon. Da dieser tabellarisch ist und damit gegen die Regeln von FF.de verstoßen würde, ist er nur im SA-Forum zu finden. Einfach den folgenden Link anklicken: http://www.sweetamoris.de/forum/t76507,4-odyssee-eines-terminkalenders-viola-romanze-drama.htm&#p6070178, bis ans Ende des Posts bzw. Kapitels scrollen und den "Steckbrief: Platon"-Kasten ausklappen.

Extra Nummer 2: War ursprünglich gar nicht geplant, aber als ich im März PaintTool SAI bekommen habe, musste ich das natürlich austesten und habe Platon gleich mal als Versuchskaninchen missbraucht. Deswegen hat die Zeichnung zwar ein paar Macken, aber ich will sie euch trotzdem nicht vorenthalten: http://orig05.deviantart.net/9d83/f/2015/280/f/c/oc__sad_platon_by_feaelsilmarien-d8le5r1.jpg.


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Easter Eggs / Kapiteltitel

Vielleicht ist ja bereits jemandem aufgefallen, dass die meisten Kapiteltitel Referenzen zu anderen Werken darstellen. Hier kommt eine Auflösung:

- "Schuld und Sühne": sehr empfehlenswerter Roman von F.M. Dostojewski.
- "Das Kriminaltalent" bzw. "Kriminal'nyj talant": Erzählung von Stanislaw Rodionow (und gleichnamige, wohl etwas bekanntere Verfilmung von 1988).
- "Dornröschen": ein sehr bekanntes Märchen. ;)
- "Das Phantom": Roman von Susan Kay und de facto Fanfiction zu Gaston Leroux' "Das Phantom der Oper".
- "Der Beginn von Agent Amoris": Anspielung auf eine ganz bestimmte SA-Episode. ;)
- "Interview mit einem Phantom": Anspielung auf "Interview mit einem Vampir" von Anne Rice.
- "Die Wüste lebt": ein  Dokumentarfilm von James Algar, produziert von Walt Disney.

Theoretisch gibt es laut Google auch noch Filme mit den Titeln "Extrablatt", "Abschied", "Das Erwachen", "Die Verschwörung" und "Die Akte", aber ich kenne sie nicht. (Na ja, jetzt zumindest vom Titel her. ;) )
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