Mein Leben ist dein Leben

von Carrow
GeschichteDrama, Romanze / P16
Chizuru Yukimura Hajime Saito Toshizo Hijikata
05.08.2015
11.10.2015
13
19.428
7
Alle Kapitel
31 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
05.08.2015 1.206
 
Hallo,

diese FF wird nur die (chronologisch gesehen) letzten beiden Staffeln von Hakuouki behandeln. Ich konnte mich einfach nicht damit abfinden, dass alle meine lieb gewonnen Charaktere gestorben sind. Auch wenn es in der Fanszene breit diskutiert wird, aber die Darstellung Hijikatas ganz am Ende deutet auf seinen Tod hin. Und das wollte ich nicht hinnehmen und habe daher diese FF geschrieben. Sie wird in den ersten Kapiteln gelegentlich die ein- oder andere Szene aus dem Anime nacherzählen, aber über den finalen Kampf mit Kazama hinaus weitergehen. Mein Fokus wird dabei auf der Beziehung zwischen Chizuru und Hijikata liegen, weshalb ich diese Geschichte als Romanze eingestuft habe.

Voraussichtlich wird diese FF ungefähr 12 Kapitel haben. Für Wünsche, Anregungen und konstruktive Kritik habe ich immer ein offenes Ohr, also scheut euch nicht davor, auch gelegentlich ein Review (gerne auch per Mail) zu hinterlassen.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen,
Carrow



Es war ein Tag wie jeder andere für Chizuru. Sie stand früh auf, kümmerte sich um den Haushalt und besuchte die Gräber von Okita, Heisuke, Sannan und ihrem Ziehvater Kodou. Dort bettete sie auch für das Wohl ihrer verschollenen Kameraden Seito, Harada und Shinpachi. An diesem Ort der Stille verbrachte die junge Frau viel Zeit und dachte über Vieles nach.

Zu viel war geschehen. Der Krieg. Das viele Blut. Zu viele geliebte Menschen, die entweder in ihrem Beisein starben oder sich für sie geopfert hatten… Trauer, Schmerz, Einsamkeit…Es gab zu viele Eindrücke, zu viele Erlebnisse, um sie zu verarbeiten.  Manchmal fühlte sie sich innerlich einfach nur noch leer. Der einzige Mann, der ihrem Leben noch einen Sinn gegeben hatte, hatte ihr befohlen, hier in Sendai zu bleiben. In Sicherheit. Doch was war diese Sicherheit wert, wenn sie in Einsamkeit endete? Ein Leben ohne Hijikata und die Shinsengumi empfand Chizuru als wertlos. Obwohl ihre medizinischen Kenntnisse und ihre Hilfsbereitschaft ihr einen guten Ruf unter den Bewohnern der Stadt einbrachten und diese sie herzlich aufnahmen,  fühlte sie sich hier doch nie wirklich zu Hause. Nach und nach wurde ihr während der nächsten Monate klar, dass „zu Hause“ eigentlich nur „an Hijikatas Seite“ hieß. Immer wenn sie sich dieser Tatsache bewusst wurde, wuchs die Sehnsucht zum ehemaligen Anführer des Shinsengumi ins Unermessliche. Immer häufiger ertappte sich Chizuru dabei, nicht für sein Wohlergehen zu beten. Sondern auch, dass sie ihn endlich zu sich rief.

Ihre Gebete wurden eines Tages erhört. Nach ihrer üblichen Gebetszeit traf sie auf den Vater des Schreins, der sie so herzlich bei sich aufgenommen hatte. Er übergab ihr einen Brief, der das Siegel des Ootori trug. Der Brief war recht kurz:

„Sehr geehrte Yukimura Chizuru,
hiermit berufe ich sie offiziell zur Bediensteten von Hijikata Toshizou. Bitte begeben sie sich zum Hafen und fahren sie mit dem Handelsschiff „Henko“ nach Ezo. An Bord befindet sich eine Kiste mit weiteren Anweisung sowie ihrer zukünftigen Dienstkleidung. Ihre Überfahrt und ihre Verpflegung an Bord sind bereits bezahlt.
Hochachtungsvoll,
Ootori Keisuke.“

Der Schreinmeister sah Chizuru an. „Du wurdest nach Ezo berufen?“

„Ja, ich muss sofort los. Danke für alles.“ Sie verbeugte sich und eilte hinfort, um ihre wenigen Habseligkeiten zu packen und zum Hafen zu eilen. Sie fand das Boot recht schnell und erfuhr, dass es in demnächst ablegen würde. Ihr wurde eine winzige Kajüte ohne Fenster zugewiesen, in der sich auch die versprochene Kiste befand. Sie blieb noch einige Zeit an Deck, wo sie das geschäftige Treiben interessiert beobachtete.  Auf ihre Nachfrage hin wurde ihr mitgeteilt, dass die Überfahrt voraussichtlich zwei Tage dauern würde und dass es vermutlich eine recht stürmische Fahrt werden würde.

Als das Schiff mit der Abendflut ablegte bemerkte Chizuru recht schnell, was mit einer „stürmischen Überfahrt“ gemeint war. Kaum war das Land am Horizont verschwunden, begann das Schiff zu schaukeln.  Erst vom Heck zum Bug und später auch seitwärts, was ihr zuerst große Angst bereitete. Da die Mannschaft jedoch nicht weiter besorgt schien, beruhigte sie sich bald wieder. Doch als die Angst schwand, kam die Übelkeit, welche sich bis zum Brechreiz steigerte. Ein Mannschaftsmitglied sah ihre Blässe und gab ihr einen Eimer, in den sie sich lautstark übergab.  Der junge Matrose reinigte danach den Eimer und gab ihr den Ratschlag, sich erstmal auszuruhen. Sie nahm den Ratschlag dankend an. Doch anstatt sich auszuruhen  öffnete Chizuru die Kiste und begann die Briefe des Ootori im Kerzenschein zu lesen.

-Brief 1: Ihre offiziellen Anweisungen-

„Sehr geehrte Yukimura Chizuru,
wie bereits aus dem früheren Brief bekannt, habe sie offiziell als Angestellte Hijikata Toshizous berufen. Ihre Hauptaufgaben werden der Vorsitz seines Haushaltes, also die Sorge um seinen Haushalt und sein leibliches Wohl. Des Weiteren werden sie aufgefordert, ihre medizinischen Kenntnisse bei Bedarf der Armee und der Republik Ezo zur Verfügung zu stellen. Ihre Arbeitszeiten und ihre Entlohnung sprechen sie bitte mit Hijikata Toshizou persönlich ab.
Hochachtungsvoll,
Ootori Keisuke“

-Brief 2: Inoffiziell, bitte nach dem Lesen verbrennen-

„Hallo Chizuru,

meine beiden anderen Briefe habe ich nur geschrieben, um den offiziellen Schein zu wahren. Die Wahrheit ist: Es steht sehr schlecht um Hijikata. Ich habe das Gefühl, dass er weder regelmäßig isst noch schläft.
Seine Leistungen sind außerordentlich, keine Frage. Aber er geht momentan als Mensch zugrunde. Ich glaube, dass es ein sein größter Fehler war, dich zurückzulassen. Ich denke, dass er mit seiner kühlen Rationalität nur seine Gefühle zu dir unterdrückt. Also wenn der dich wegschicken will: bestehe darauf, bei ihm zu bleiben. Sei sturer als er. Ich weiß, dass du das schaffst.
Außerdem glaube ich, dass der Rasetsu in ihm wieder sehr durstig ist. Er ist letztens mitten in einer wichtigen Sitzung in seine Gemächer verschwunden und hat sie erst am nächsten Tag wieder verlassen. Ja, ich weiß, was er ist. Allerdings halte ich mein Wissen darum geheim. Meine hohe Meinung von ihm ändert das Wissen keinesfalls. Doch ich weiß nicht, wie man dem entgegenkommen soll. Ehrlich gesagt, will ich das auch nicht so genau wissen.
Achte gut auf ihn und werde ihm eine gute Frau. Hoffentlich darf ich irgendwann eurer Hochzeit beiwohnen.
In freundschaftlicher Verbundenheit,
Ootori Keisuke“

Der zweite Brief rührte Chizuru zu Tränen. Warum war sie nicht bei ihm geblieben? Warum hatte er sich während der vergangenen Monate nicht bei ihr gemeldet? War sie ihm wirklich so egal? Hijikata musste doch auch etwas gespürt haben…Spätestens Kondous Opfer und ihrem Gespräch auf dem Hügel musste ihm doch klar gewesen sein, was sie für ihn empfand. War er wirklich so auf Andere fixiert, dass er sich selbst nicht kannte? Oder unterdrückte / ignorierte er seine Gefühle nur, um sie zu schützen? War sie ihm zu jung? Nicht hübsch genug? Vielleicht nicht Frau genug? Sah er sie auch nur als Tochter / kleine Schwester, wie es bei Harada und Shinpachi der Fall gewesen war?

Chizuru verbrannte den Brief mittels der Kerze, in deren Schein sie die Briefe gelesen hatte. Doch es blieben Fragen über Fragen…Aber sie fand weder in diesem Moment noch während der restlichen Überfahrt Antworten. Auch wenn die See im Laufe der Nacht wieder ruhiger wurde und das schöne Wetter bis zum Ende ihrer Überfahrt andauern sollte, konnte sie es nicht genießen. Chizuru verbrachte die Tage nachdenklich an Deck und ging zum Zeitvertreib dem Schiffskoch zur Hand. Doch im ihre Gedanken drehten sich während der gesamten Überfahrt nur um eine einzige Frage: „Was geht in ihm vor?“
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